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Full text of "Die Bildwerke zum thebischen und troischen Heldenkreis"

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8. i. U(> 



ASHMOLEAN LIBRARY 
OXFORD 

Bequeathed by 
Sm JOHN BEAZLEY 

1970 



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HWHHB 



30221 8819Y 



:t.i^ . 6 . 



■\ V 



DIE BILDWERKE 



ZUM 



WISCHEN UND TROISGHEN HELDENKREIS, 



bearbeitet yon 



D^ JOHANNES OVERBECK, 

Profensor an der [Jniver«itAt zu Leipxig. 



lil 33 lithograpbirten Tafeln. 



-^©©sser- 



STUTTGART. 

-i Verlag von Ebner & Seuberi 

1857. 




OXFORD 

^ O S E V). 



F. um 






Seinem 



hochverehrten Lehrer imd Frenade 



Herrn Professor 



Friedrich Gottlieb Welclier 



widmet diese Arbeit 



teil ewlff daikbarer SekAler 



der Verfasser. 



0>.^ 



A — « 



— -- - ■- 



Ä 



T o r nr o r t* 



Ueber den Inhalt und den wissenschaftlichen Standpunkt 
meines Buches habe ich hier Nichts yorzubemerken ; denn 
ich glaube y dass eine Sammlung der heroischen Bildwerke 
Tor Kennern sich entweder selbst rechtfertigt, oder durch 
eine Vorrede des Verfasser's nicht gerechtfertigt werden kann, 
ich glaube dass man das Bedflrfniss eines solchen Werkes 
in der archäologischen Literatur empfindet, und hoffe , dass 
man meine Arbeit nicht zu denen rechnen wird, welche 
besseren die Bahn versperren. Den wissenschaftlichen Stand- 
punkt der Anordnung der Theile habe ich in der Einleitung 
darzulegen und zu begrönden versucht , und hierüber muss 
ich das Urteil erwarten. — Ein Wort sei mir erlaubt über das 
Aeussere meines Werkes. Dasselbe ist an Bogenzahl stär- 
ker geworden , als im Prospect angekündigt war ; der Stoff 
war seit Jahren gesammelt, und nach seiner Durchmusterung 
berechnete ich den Umfang des Buches auf etwa 30 Bogen. 
Die Redaction hat den Text anwachsen lassen , ohne dass 
ich mich im Stande sah, dieser Erweiterung entgegenzuwir- 
ken« Wenn man mir die Forderung grösserer Knappheit 
Mgegenhälien sollte^ so antworte ich, dass, wenn ich allein 
Rbr Fachgenossen geschrieben hafte, viel kürzere Andeutun- 
fOk genfigt haben würden , aber bei der geringen Zahl ar- 
ftaologischer Werke welche die studirende Jugend gebrau- 



i 



— n — 

chen kann, schien es mir Pflicht, in der Behandlang des Tex- 
tes auf diese und auf ihr Lembedürfniss wenigstens einige 
Bflcksicht zu nehmen. Und eben diese Rücksicht hat hie 
und da in den Noten eine Polemik gegen jene unrichtige 
und ungesunde Methode der archäologischen Exegese , die 
leider noch immer zu viel Geltung hat, hervorgerufen. — 
Da im Uebrigen der Herr Verleger den Preis des Buches 
verhaltnissmässig sehr billig gestellt hat , so hoffe ich , dass 
mein Werk denen , welchen es überhaupt willkomnäen ist, 
auch bei der grosseren Bogenzahl nicht unlieb sein werde. 

Ceber die Tafeln muss ich noch bemerken, dass die- 
selben leider von verschiedenen Händen bearbeitet sind, was 
ihnen nicht zum Vortheil gereicht. Ich war aber gezwun- 
gen mehre Arbeiter zu verwenden , indem der ursprünglich 
engagirte Zeichner trotz aller Mahnungen und Versprechun- 
gen so langsam arbeitete , dass die 33 Tafeln in kürzestens 
8 Jahren vollendet worden wären. Feines Gefühl für die 
Antike aber ist eben so wenig ein Gemeingut aller Lithogra- 
phen, wie es Gemeingut aller Philologen und Archäologen 
ist; in den Augen von Kennern werden deshalb nicht alle 
meine Tafeln gleichen Werth haben; aber ich glaube doch 
behaupten zu dürfen, dass unter den 400 und einigen Ab- 
bildungen keine untreue und verfehlte sich findet , und dass 
die Tafeln ihrem Zweck, die bedeutendsten Heroenbildwerke 
anschaulich vorzuführen, alle entsprechen. 

Bonn, IS. März 18S3. 

Overbeok. 



Inhaltsverzelehnlss» 



Bnliltug 



8.1 



L Infs der Oldlpodia 8. 3-75 



1. Chryiippos 3 

2. Oidipni als Kind 10 

3. Die Sphinx nnd the- 
iianifche Jfiiglinge; 
Haimon 15 

4.0idipas und die 
Sphinx 26 

5. Leios und Oidipnt 
Begegnung in der 
Schiflte 60 

6. Oidipnt and Teire- 
tias 62 

7. Oidipnf Blendung 67 

8. Oidiput Grab 74 



IL Krds «er Tbebab 8. 79-^153 



1. Einleitende und 
Torbereitende Bege- 
benheiten 81 

Amphitraoa Weiytagung 
im Hanse des Adrastos 81 

Aufnahme von Thydeus 
nnd Polyneikes bei 
Adrastos 87 

2. Amphiaraos Aussug 91 



3. Ar chemoros 107 

4. Kampf um Theben 
und Niederlage des 
Argiverhe eres 122 

1. Tydeus und Ismene 122 

2. Der Kampf gegen 
Theben's Mauern 125 

3. Kapaneus und sein 
Ende 126 

4. Tydeus letzte Schick- 
sale 129 

a. Tydeus Verwun- 

dung 129 

b. Amphiaraos mit 

Helanippos Kopfe 131 

c. Tydeus mit Mela- 

nippos Kopfe 132 

5. Blenoikeus Opfertod 133 

5. Der Bruderkampf 135 

6. Amphiaraos IVie- 

derfahrt 144 



n. a. Kreis der Spigenen 

8. 157-163 



OL Kreis der Kjpria 8. 167-368 

Eingang 170 

1. Polens und Thetis 
Liebes kämpf und 
Hoch seit . 172 



— IV - 



1. Die Verfolgang 174 

2. Der Liebeskampf 177 

3. Die Hochzeit 197 

2. Das Urteil desAlex- 
andros 206 

3. Paris nnd OinoDe 255 

4. Alezandros Erken* 
nang 258 

5. Henelaos Braatfah- 
roDg 261 

6. Paris in Hellas 263 

7. Werbungen, Ab- 

s e h i e d e 275 

1. Aias nnd Teukros 
▼on Telamon scheidend 276 

2. Achilleus nnd Patro- 
klos Abschied von den 
Vätern 277 

3. Achillens Abschied 
von Nereus 279 

4. Odysseus von Pala- 
medes entlarvt 280 

7ji. Achilleus Jugend 281 
7.b. Achii iens Abho- 
lung von Skyros 287 

8. Teiephos 294 

1. Kampr am Kafkos 297 

2. Teiephos im Grie- 
chenlager 297 

3. Teiephos Heilung 304 

9. Lager in Aulis; 
ßretspie 1er; p fe- 
rung der Iphige- 

n e i a 308 

Opferung der Iphigeneia 314 

10. P h i 1 k t e t e s Ver- 
wundung 324 

11. Protesilaos nndLa- 
odameia 327 

12. Helena's ZnrOckfor. 
derung 331 

13. Ein aufgehobener 
Zweikampf des 
Achillens n.Hektor 333 

14. Achilleus nnd Hele- 
na von Thetis nnd 
Aphrodite zusam- 
mengeführt 335 
15. Trorios Tod. 338 
1. Achilleus im Hinter- 
halt hinter dem Brun- 
nen 339 
i. Die Verfolgung 344 



3. TroTlos Tod ä59 

4. Kampf um die Leiche 364 
16. PalamedesTod 366 



lY. Kreis der mas S. 371—487 



Zusamenfassende ^^ 
Bildwerke 372 

1. Erster Gesang; 

1. Agamemnon und 
Chryses 380 

2. Achilleus und Aga- 
memnon im Streit 381 

3. ChryseTs Einschiffung 384 

4. Achillens und Brisels 386 

5. Brisefs Wegfährung 387 

6. Thetis vor Zeus fle- 
hend 390 

2. Dritter Gesang; 

1. Die Greise auf dem 
skailschen Thor 391 

2. Das Vertragsopfer 392 

3. Henelaos und Alex- 
andres Zweikampf 392 

3. Vierter Gesang 392 

4. Fünfter Gesang; 393 

1. Aioeias von Aphro- 
dite davongetragen 394 

5. Sechster Gesang; 396 

1. Diomedes und Glau- 
kos Waffentansch 397 

2. Hektor in Troia 398 

6. Siebenter Gesang; 

1. Aias und Hektor's 
Zweikampf 406 

7. Neunter Gesang; 

1. Gesandschaft an A- 
chilleus 408 

8. Zehnter Gesang; 

1. Doloneia 412 

2. Ermordung des Rbe- 

sos 419 

9. Eilfter Gesang; 

1. Nestor reicht Machaon 
den Heiltrank 420 

10. Zwölfter _ sechs- 
zehnter Gesang; 

Epinausimache 421 

11. Sechszehnter Ge- 
sang; 

1. Patroklos Aaisog 424 



► 



— V — 



12* Saehf lehnter and 
siabenieh t er G e - 
• «Hg; 
1. Der Kampf nm Fatro- 
klos Leiche 425 

13. AchtiehnterGei eng; 

1. Die Waffenfchniiede 
des ftfephaifltofl 432 

14. Neonsehnter 6e- 
fftDg; 

1. Thelis brinfft Achil- 
Jens die Waffen 435 

a. Thelis nnd die Ne- 

reiden die Waffen 
Qber die See tra- 
gend 436 

b. Die Uebergabe der 

Waffen an AchiU 
Jena 

2. Briseis ZarackfAh- 



mng 



442 

447 



15. Z weinnd swaniig- 
al er Gesan g; 

1. Hektor's und Achii- 
lens Zweikampf; Hek- 
tor's Tod 448 

2. Hektor's Schleifung 453 

16. Viornndswansig- 

ster Gesang; 

1. Hektor's Lösung 464 

17. Dr ei nn diwanzig- 
aler Gesang; 

1. Todtenfeier ffir Pa- 
troklos 484 

2. Hektor's Bestattung 486 



T. Kr«te der Altklopls 8.491-555 

1. Traner um Hektor, 
Ankunft der Ama- 

s o n e D 494 

2. Penthesileia'sKampf 

fegeuAchilleus, ihr 
od 497 

3. Bf e m D n 512 

1. Memnon's Rflstnng 
nnd Ankunft 512 

2. Memnon's Kampf ge- 
gen Achillens 514 

3. Die Fsychostasie 526 

4. Antilochos auf Ne- 
alor's Wagen gehoben 530 



5. Todtenklage aber An- 
tilochos 531 

6. Entfahrung der Lei- 
che Memnon's 532 

7. Memnon's Todten- 

ki«ge 534 

4. Achillens Tud 536 

1. Achillens letzter Aas- 
zug 536 

2. Achillens Tod 537 

3. Kampfum die Leiche, 
Rettung derselben 539 



Tl. Kreis der Kleinen lUas 
und der Dinperslg S. 559-672 

Kleine Ilias. 559—615 

1. Waffengericht und 
Aias Selbstmord 561 

1. Waffengericht 561 

2. Aias im Wahnsinn 
und sein Tod 565 

2. Philoktetes auf 
Lemnos 569 

3. DerRaub desPalla- 

d i o n 578 

4. Das hölzerne Pferd 607 

Iliupersis 615—672 

1. Zusammenfassende 
Darstellungen 615 

2. Priamos nnd Asty- 
anax Tod 621 

3. Menelaos nnd He- 
lena 626 

4. Demophon undAka- 
mas mit Aithra 632 

5. Aias undKassandra 635 

6. AineiasAuswander- 
ung 655 

7. Polyxena's Opfer- 
ung 661 

8. Andromache; He- 
kabe 668 

1. Andromache 668 

2. Hekabe 670 

Yn. Kreis der Hostol, Orest- 
ela 8. 675-741 

Eingang 676 

1. Agamemnon'iMord 678 



A 



^ VI - 



1. Aigiitho« und Kly- 
taiiniiestra 678 

2. AgameiDDon's Mord 679 

2. Orestes Rache 683 

1. VorbereituDg and 
Verabredang der Ge- 
achwisler, Orestes and 
Elektra 683 

2. Muttermord des Ore- 
stes nndAigisthosTod 694 

3. Orestes nach dem 
Mnttermorde 705 

1. Orestes von den Erin- 
nyen verfolgt 705 

2. Orestes SAhnang in 
Delphi 710 

3. Orestes Freispre- 
chnng in Athen 719 

4. DieEx^pedition inr 
tanrisohen Artemis 723 

1. Znsammenfassende 
Darstellnngen 724 

2. Orestes and Pylades 
gefangen and znr Opfer- 
nng gefahrt 732 

3. Die Begegnung and 
Erkennung der Ge- 
schwister 734 

4. Die Flacht mit dem 
Götterbilde 741 

5. lleoplolemos Tod 745 

nn. Kreis der Odysseia 8. 751 - 813 

1. Fünfter Gesang; 

1. Odyssens einsam auf 
Ogygia 753 

2. Odysseus SchiiTbau 753 

3. Odysseus und Len- 
kokhea 754 

2* Sechster Gesang; 
1. Odysseus und flau- 
sikaa 756 



3. Neu nter Geiaiig; 

1. Das Kyklopenaben- 
teuer 760 

4. Zehn ter Gesang; 

1. Odysseus mit ^olos 
Windschlauch 777 

Das Laistryonenabenteuer 777 

2. Das Abenteuer bei 
Kirke 778 

5. Eilfter Gesang; 

1. Die Nekyia 786 

6. Zwölfter Gesang; 

1. Das Seirenenaben- 
teuer 791 

7. Dreizehnter Ge- 
sang; 

1. Odysseus als Bettler 800 

8. Vi er zehnter Ge- 
0ang; 

1. Odyssens von den 
Hirten bewirthet 801 

9. Siebeniehnter Ge- 
sang; 

1. Odysseus und sein 
Hund Argos 803 

10. Neunzehnter Ge- 
sang; 

1. Das Fussbad der 
Eurykleia 804 

2. Die einsam trauernde 
Penelope 807 

3. Odysseus und Pe- 
nelope 807 

11. Einundswanzigster 
und zweinndswan- 
sigster Gesang; 

1. Odysseus mit dem 
Bogen und der Tod 
der Freier 809 



Tm^ Kreb der Telegonla 

8. 817*819 



Inleltuny. 

I. 

inordiNDig der heroischen BOdwerke nach ihren Ctaellen; 

episch, Ijrisch nnd tragisch begründete Bildwerke, Anhang 

der auf locale Tradition nnd sp&tere Poesie begrttndeten. 



J. So verschiedenartig auch die Geriehtspunkte sein 
flidgeo , ans denen man die Werke der antiken Kunst be- 
trachten nnd anordnen kann , nach Zeiten und Stilen , nach 
Coneeption nnd Composition ^ nach Kunstarten und den Ar- 
ten des Material's y inuner wird eine auf die dargestellten 
Gegenstande gerichtete Betrachtung von hervorragender Be- 
deatung, eine Eintheilung nach den Gegenständen deshalb 
■nentbehrlich sein. Denn in keiner anderen Betrachtungsart 
der Kunstwerke werden wir uns so lebhaft, wie in dieser, 
des Zusanmenhanges der bildenden Kunst mit allen flberigen 
geistigen Lebensäusserungen der Nation bewusst werden. 
Hiefiir ist die Erklärung darin zu suchen , dass dieser Zu- 
saaunenhang der bildenden Kunst mit dem Leben in allen 
seinen Richtungen nicht ein äusserlicher und ssütüligetj son- 
dern ein innerlicher und ursächlicher ist, weil das Leben 
fir alle Kreise seines Inhalt's in allen Ausdrucksweisen nach 
kiaallerischer Gestaltung strebt, und die bildende Kunst die- 



— II — 

sfm Streben mit eben so klaren und durebpreifenden FormeD 
entgegen kommt, wie ihre Schwester, die ebenfalls das ganse 
Leben umfassende und kflnstlerisch gestaltende Po(teie. Er- 
kennt man aber dies und den inneren Zusammenhang des 
Leben's und der Kunst an , so folgt hieraus mit Nothwendig- 
keit für die gegenstandliche Anordnung der Bildwerke die 
Aufgabe, den Eintheilungsgrund derselben im Allge- 
meinen wie im Einzelnen und Einzelnsten aus den in den 
Lebenskreisen der Nation liegenden Quellen 
zu entnehmen. — 

2. In Bezug auf die Hauptabtheilung aller Kunstwerke 
ihrem Gegenstande nach kann man fflglich die vonOtfried 
Müller (Handbuch §. 346. 2) aufgestellte Unterscheidung 
zweier grossen Hälften gelten lassen. In die erstere versetzt 
er diejenigen Gegenstande, welche in der äusseren Erfah- 
rung, in die letztere diejenigen, welche in einer Welt gei- 
stiger Anschauungen , in der sich die Nation bewegt , gege- 
ben sind. Die Gegenstande der ersteren Classe benennt er 
als die historischen Gestalten , wofür wir sagen wollen : die 
realen , oder die Gegenstände des Menschenleben's , die der 
letzteren , die idealen , sind die Wesen der Religion und der 
Mythologie. Wir haben es hier nur mit einem Theile der 
letzteren zu thun , und können deshalb sowohl die Frage 
über die quellengemässe Eintheilung der Kunstdarstellungen 
des Menschenleben's wie die andere, über die rationelle Sy- 
stematik der religiösen Gegenstände, ohne unseren Zweck zu 
beeinträchtigen, ganz bei Seite lassen ; unserer Untersuchung 
fallen nur diejenigen idealen oder mythologischen Bildwerke 
anheim, welche auf die Sageupoteie gegründet sind. So wie 
aber die erstere Gasse der idealen Gegenstände der bilden- 
den Kunst die religiös geglaubten, in den Cultus aufgenom- 
menen Wesen und deren Mythen auf allen Stufen ihrer Fort- 
und Umbildung ausmachen, so umfasst unsere zweite Classe 
alle Wesen , welche der mythischen Urgeschichte Griechen- 
land's angehören als die Vorbilder und Vorkämpfer der Stäm« 



-— ni — 

■e , die Heroen , und 2war auch diese in allen ihren My- 
then und anf allen Stufen ihrer Fort- und Umbildung in den 
Ferschiedenen Zeiten und Orten und durch die verschiedenen 
kittstlerisehen Organe der griechischen Nation. — 

3. Bei aller mannigfaltigen Verschiedenheit der An- 
sichten ober die Sagenpol^ie und die Stufen und Formen ih- 
rer Ausbildung dürfen wir doch als das übereinstimmende 
Erj^ebniss aller Forschung auf diesem Gebiete Folgendes 
hitttellen 0* Der erste kunstgemftsse Ausdruck der Volks- 
tralition von den Thaten der Helden ist in den II. IX. 180 
QBd sonst als xXia dvägmv bezeichneten Liedern und Balla- 
deo gegeben , welche nicht ein zünftiger , von Zeus und der 
Mose mit Liedergabe und Sagenkunde besonders betrauter 
Aftde, sondern jeder begabte Mensch , wie in der angeführ- 
ten Stelle Achilleus , selbstdichtend zur Kitharis singt % 
Die nXia dvigäv bestimmter Helden - und Thatenkreise ge- 
langen durch die nationalere Bedeutung ihres Inhaltes und 
die nitwirkeuden Umstände der äolischen Colonien vor ande- 
ren loealer fortlebenden zu allgemeinerer Geltung, und werden 
lahlreicberund häufiger gesungen oder recitirend vorgetragen, 
VDd diese sind es, welche uns auf der zweiten Entwickelungstufe 
in grossere Liederreihen oder Liedergänge , oifiai erweitert 
entgegentreten, wie sie Phemios und Demodokos als zünftige, 
ron der Muse mit Sagenkunde belehnte Sänger, Aöden, vortra- 
gen. Bestimmte Heldenkreise , namentllich der troische, ge- 
winnen durch dieselben Ursachen, welche den Kleaandron 
dieser Kreise förderlich waren , durch die Oemen höhere 
ktUistlerische Gestaltung, grösseren Ruhm und weitere Ver* 
kreitnng (vgl. Od. VHI. 73 f.), während andere Oemen mehr 
localer Natur und Bedeutung local fortleben, und sich nach 
dem Wachsen der Sage vermehren und erweitern % Dann 

iy Yergl. Weicker, Ep. Cycl. I. S. 339 ff. , Nitsscb, Sa- 
genpo^fie S. 6 ff. ^ 9) Vgl. tncb nitssch in der Allg. Monalg. 
•ehrift für Wifsentcbaft und Lilerttur 1852. S. 13. _ 3J Ifilsscli, 
AUg. Honatofcbrifl a. a. 0. S. 15 f. und Sageopoefie S. 3 ff. 



tritt Boner auf, der kunstgemässe Zasammenfttger des in 
KleaandroB und Einseloemen überlieferten Stoffes in Oemen 
im höchsten Sinn mit idealem, ethisch gefasstem 
Centrum ^)y und durch sein Schaffen gehen im Bereiche 
seines Dichten's Kleaandron und Oemen in das Epos auf, 
jedoch nicht ohne dass grosse Partien der Sage in den frtt- 
lieren iLflnstlerischen Gestaltungen theils local, theils auch 
in weiterer Verbreitung neben dem nunmehr rhapsodirten Epos 
fortbestehen ^). In den Kreisen aber, in denen Homer's 
Genius den Anstoss gegeben hatte, setzen seine Nachfolger 
»gttnxend und erweiternd, neuen Stoff aus local gewachse- 
ner Sage und aus den Anlassen früherer Epen ^) entneh- 
mend die epische Gestaltung des Sagenstoffes fort, und im 
Verlaufe der Zeit ge^^innt so namentlich der troische und 
thebische Kreis eine kanonisch künstlerische, durch Rhap- 
soden und in Rhapsodenag onen ^ überall hin verbreitete, 
num Theil diaskeuastisch, sram Theil in selbständigem Schaf- 
fen und Dichten erweiterte Gestalt. Gegen diese durch das 
Wirken und Schaffen der epischen Rhapsoden und Dichter 
getragene Gestaltung der Heldensage tritt die Tradition der- 
selben in Kleaandron und Oemen srarück , und während des 
Epos zur nationalen Geltung und Herrschaft ge- 
langt, lebt jene Tradition der Heldensage innerhalb der ein- 
nelnen Stämme und Orte fort, immer neuen Stoff 2ur weite- 
ren künstlerischen Gestaltung erzeugend und absetzend, wel- 
dier dann neben dem nationalen Epos für die späteren poe- 
tischen Fortbildungen des Heroenmythus nach dem Epos in 
Lyrik und Tragödie zur Quelle wird. — 

4. Die künstlerische und nationale Durchbildung der 
Heldensage im Epos aber ist die erste Hauptstufe ihrer Ge- 
staltung , welche für die bildende Kunst in Anschlag kommt 
Denn lange bevor die bildende Kunst, wenigstens die hier 

4) Nitssch, Historia Homeri U. 10. — ö) Ni tisch, Sag«ii- 
poeti« S. 14 ff. — tfj Welckar, Ep. Cycl. L S. 327, IL S. 9 ff. — 
7) Welcker, Ep. Cycl. I. S. 371 ff. 



aUeiii in Betracht kommende, deren Werke uns erbalten oder 
als real existirende überliefert sind ^) , die ersten Versuche 
der Darstellung des Stoffes der Heldensage machte, war die« 
ser in das Epos msammengefiossen , durch das Epos seinen 
eigeoen Prinzipien gemäss gebildet und umgebildet, und, um 
ein treffendes Wort Otfried Mülle r's au gebrauchen, der 
bildenden Kunst «zugearbeitet und präformirt.^ War aber 
ias Epos und seine Gestaltung der Sage in nationaler Oel- 
tugy SO folgt daraus mit Nothwendigkeit, dass dieses, nicht 
die in Dunkel gestellte Volkstradition die Quelle für die bil- 
dende Kunst wurde, um so mehr, da die Kunstwerke an 
Orten entstanden, wo die EpopOen rhapsodirt wurden, nicht 
aber, wenigstens für uns nicht nachweisbar , dort , wo die 
Volkstradition in früheren Gestaltungen local fortlebte. Hie- 
dnrch wird also zunächst einmal für die Kreise, welche das 
Epos erfüllte, die locale Quelle der Bildwerke, und damit 
die landschaftliche Anordnung derselben , welche Müller 
aufgestellt hat, und die Andere befolgten , beseitigt ; dafür 
muss quellengemäss die Anordnung der Bildwerke nach den 
eintreten , und wir stellen demgemäss als erste 



6) Jene KImpfe der Acbfter und Troer um Helena, welche dief e 

Mch n. III. 126 im Gewebe darttellt, können nach meiner Anffaunng, 

all du abfoint Tereinxelte Beispiel , hier nicht in Betracht Jiommen. 

Wu aber die reale Kanat anlangt, so datiren Ton namhaften Werken 

tter Homer hinaas nur die mykenäischen Löwen , die Niobe am Sipy« 

lof Bad einige andere der Art, welche uns hier nicht berühren, und 

mUmi das am weitesten gehende Bestreben, die Yasenbilder ftlter la 

dttiren, als bisher allgemein geschieht, das Ton Boss in der Allg. 

flsnatsfchrift lur Wiss. und Literatur 1852. S. d49 ff., weist der ho- 

■erischen Zeit (S. 361) nur die s. g. phönikisirenden (ftgyptlsirenden) 

Vsseo mit Ornamenten, Thiergestalten , TbierkAmpfen , höchstens mit 

den UebergAngmi zu heroischen Darstellongen, s. B. Jagden, inm Tbeil 

aul Schrift in. Selbst nach Boss fallen die ftltesten eigentlichen He. 

roaabilder , wie das Parisnrteil S. 208 , Nro. 1 , oder die Zyklopen- 

ftse B. 760, Nro. 10 u. A. in eine spfttere Epoche, in der das Epos 

bersits herrschte. — 






ä 



▼I 



Classe der heroischen Bildwerke die episch begrün- 
deten hin. Ist aber diese Anordnung der Bildwerke im 
Allgemeinen als richtig anerkannt, so ist damit zugleich die 
von Rocbette vorgeschlagene und in den Monuments in6- 
dits befolgte Eintheilung nach einzelnen Helden beseitigt, 
und wir werden consequentir Weise innerhalb unserer ersten 
Classe die Bildwerke nicht anders^ als nach den Kreisen der 
epischen Gedichte eintheilen dtirfen. Dadurch aber werden 
wir für diese selbst und für den Zusammenhang der bilden- 
den Kunst mit der Poesie eine auf keine andere Weise er. 
reichbare Uebersicht gewinnen. — 

b. Nachdem wir das Prinzip der Anordnung der he- 
roischen Bildwerke nach ihren poetischen Quellen aufgestellt, 
und die erste Classe, die episch begründeten Bildwerke etwas 
näher motivirt haben , können wir die Begründung der fol- 
genden Classen der Bildwerke in wenigen Worten geben. 
Die nach der Zeit des Epos bedeutendste Fort- und Umbil- 
dung erfahr die Heldensage durch die lyrische Poesie ^). 
Die lyrische Poesie schöpfte ihren Sagenstoff unbeschränkt 
aus allen Quellen der Tradition, dennoch aber muss das na- 
tionale Epos als die Hauptunterlage der Ueberlieferung be- 
trachtet werden, welches auch der lyrischen Po^ie den Stoff 
zugearbeitet und präformirt hatte. Auch konnte der lyrische 
Dichter nur auf die Kenntniss der epischen Form im Sagen- 
bewusstsein seiner Hörer im Allgemeinen mit voller Si- 
cherheit rechnen, und so musste diese den Ausgangspunkt 
für die Umgestaltung der Sage durch die Lyrik werden. 
Danach erscheint die lyrische Poesie als die zweite Haupt- 
quelle der bildenden Kunst in der Darstellung heroischer 
Scenen; aber sie ist dem Epos nur principiell coordinirt, 
während sie sich in Wirklichkeit in einer viel geringeren 
Masse der Prodncte offenbart, oder mit einiger Sicherheit 

9) Vgl. Disien*i Einleilung sa Pindar Cap. 2. De fabalit p. 
XXXIII iqq. , Welclier, Griech. Tragg. 1. S. 7 ff. 



— VII — 

ciienneii Iftsst Daraus nun ergiebt sieb filr die Dar- 
stellung einerseits, dass wir bestrebt sein müssen, die ly- 
risch begründeten von den episch begründeten Bild- 
werken zu unterscheiden; andererseits, dass wir der Zersplit- 
terung des Stoffes durch Festhalten der vom Epos bezeichne^ 
ten Kreise vorbeugen müssen, und zu diesem Festhalten 
der epischen Kreise der Lyrik gegenüber durchaus berech- 
tigt sind. — 

6. Die dritte Hauptentwickelung fand die Heroensage 
in der Tragödie, die tragische Poesie ist demnach die dritte 
Baaptquelle auch für die bildende Kunst, und als dritte Classe 
der heroischen Bildwerke stellen wir die tragisch be* 
(rüDdeten auf. Die Einwirkung der Tragödie, nament- 
lich der euripideVschen, auf die bildende Kunst ist bedeutend, 
und offenbart sich in zahlreichen Werken fast aller Kunst- 
arten. So wie aber die Tragödie ihre Stoffe vorwiegend 
aus den schon vom Epos durchgearbeiteten, künstlerisch ge- 
stalteten und nationalisirteu Sagenkreisen entnahm, ohne des« 
halb einen Zuwachs des Stoffes aus localen, besonders atti- 
schen Sagentraditionen zu verschmähen, eine Thatsache, wel- 
che feststeht, mag man ein näheres inneres Verhältniss zwi- 
schen der Tragödie und dem Epos statuiren, wie Welcker, 
oder dies zum grössten Theile läugnen, wie Nitzsch in 
seinem Buche über die Sagenpoösie ^^) , so fällt auch die 
fiberwiegende Zahl der tragisch begründeten Bildwerke in 
diese Kreise, besonders den thebischen und troischen. Da 
wir nun auf keinen Fall berechtigt sind , diese Erscheinung 
dem Zufall beizumessen, vielmehr sehr wohl, deren Grund 
in den für diese Kreise popularisirenden und nationalisiren- 
den Einflüssen der epischen Poesie zu finden , so dürfen wir 
anch für die tragisch begründeten Bildwerke, wie für die 
lyrisch begründeten die Anordnung festhalten, welche wir 
in den vom Epos bezeichneten und erfüllten Kreisen gefun- 
den haben. Die Fortentwickelung der Heldensage durch die 
iO) Yergl. beaonders Bach 2. Cap. 22 und 23, S. 392 ff. 



drei Haoptgattangen der Poesie konint auf diese Weise nit 
den Einflüssen der Po^e auf die bildende Kunst zusammen 
sur klaren Anschauung , und zugleieh wird fttr jeden Kreis 
die Klarheit und Debersichdichkeit in der Darstellung ge- 
wahrt. •— 

In die drei nach den Kreisen der epischen Po6sie ge- 
ordneten Classen der episch, lyrisch und tragisch begründe- 
ten Bildwerke geht nun die überwiegende Masse aller He- 
roendarstellungen der bildenden Kunst auf, wenig zahlreich 
sind ihr gegenüber die auf local gebliebene Tradition und 
die auf die komische wie die auf spätere Poesie begrün- 
deten Kunstwerke y von welchen die auf locale Tradition 
begründeten nur in geringer Zahl vorhanden, die ko- 
misch begründeten durchaus vereinzelt sind , die aus spa- 
ter Poi^ie geflossenen überhaupt vielleicht nirgendwo mit 
Sicherheit nachgewiesen werden können. Diese verhaltniss- 
mftssig wenigen Monumente werden wir füglich als Anhang 
behandeln und zusammenfassen dürfen, und sie werden wir, 
um audi bei ihnen quellengemäss zu verfahren, landschaft- 
lich anordnen. -^ 



ZnrftckfBhmiig der heroischen Bildwerke auf ihre poetischen 
Quellen; Unterscheidung der episch, lyrisch nnd tragisch 

begründeten. 



1. Nach der Aufstellung der Poesie als Quelle der he- 
roischen Darstellungen der bildenden Kunst muss deren Zu- 
rflckftthrung im Einzelnen auf das Epos , auf die lyrischen 
und tragischen Poteien unsere nächste Aufgabe sein. Diese 
Untersuchung und die Unterscheidung der zu jeder der ge- 
nannten Gattungen der Vofisie gehörenden Bildwerke wird 
durch die grosse Lückenhaftigkeit unserer Kenntniss des Stof- 



— IX — 

Cm vni Inhalt's der grösstentheik verloreneo alten CMidite 
wesenttich erschwert , und die Resultate derselben werden 
in einer bedeutenden Reibe von Fällen unsicher und selten 
unbestritten oder unbestreitbar bleiben. Dennoch dflrfen wir 
▼or dem Versuche , allgemeine Grundsätze der Unterschei- 
dung aufzustellen , welche für jeden einzelnen Fall der sub- 
tilsten Prflfung unterliegen , nicht zurtickschrecken. 

2. Um zunächst die episch begründeten Bildwerke anf- 
zttinden, fragen wir uns Zweierlei : erstens, in welchen Kunst* 
kreisen wir dieselben vorwiegend zu suchen haben werden, 
und zweitens, welche Eigenthümlichkeit im Charakter der 
Darstellung wir für dieselben werden voraussetzen dflrfen t 
In Antwort auf die erstere Frage bezeichnen wir zunächst 
die ältere Kunst und sodann diejenige Kunstart , welche am 
meisten dem täglichen Leben angehört , die Vasenmalerei, 
als diejenige, in welcher das Vorwiegen episch begründeter 
Bildwerke vorausgesetzt werden darf. Denn erstens muss 
die Stärke und Allgemeinheit der Geltung des Epos um so 
grosser sein , je hoher wir in der Zeit hinaufgehn , um so 
geringer, je tiefer wir in der Zeit herabsteigen, wo andere 
Dichtungsarten und die von ihnen modificirten Darstellungen 
sich neben der epischen Geltung verschafft haben; anderer« 
seits aber erscheint das überall und häufig riiapsodirte Epos 
bis in die spätere Bliithezeit der Tragödie herab als die po- 
pulärste, bekannteste , in allen ihren Darstellungen am mei» 
zten im Munde des Volkes lebende Sagenpo^ie. Auf die 
Frage aber nach dem Charakter der episch begrflndeten Bild« 
werke antworten wir, dass wir den Charakter der epischen 
Darstellung der Begebenheiten in den bildlichen Reprodnc» 
tionen derselben gespiegelt oder wiedergegeben zu finden 

i.) nicht UiM und Odyssee allein, sondern gewiss wenigstens 
die Gedichte des troischen nnd thebischen Kreises neben jenen, wenn- 
gleioh nicht so allgemein, vgl. Ni tisch, Sagenpoesie S. 377 f. Ge* 
gen das 8, 9 nnd 10 Capitel des 2. Baches liesse sich doch noch 
Maaebes erwiedem. 



— X — 

voraiissetsen werden. Denn nur die Darstellungsweise der 
einseinen Begebenheit, nicht der gesammte Kunstcharakler 
des Epos kann hier in Anschlag kommen, weil die bildende 
Kunst nur die einzelnen Begebenheiten, nicht aber das Epos 
in seiner Einheit und Ganzheit zu reproduciren vermag. Der 
Charakter der epischen Einzelerzählung aber liegt in der 
nur auf die Sache selbst gerichteten , aller Absichtlicbkeit 
und äusseren Tendenz fernen , und in diesem Sinne , bei 
allem Schmuck der Bilder und der Sprache im Vergleich 
mit der prächtigeren lyrischen und der pathetischeren tragi- 
schen einfachen und ruhigen Darstellungsweise. Indem wir 
nun denselben einfachen und naiven Charakter im Gebiete 
der Heroenbildwerke zunächst der älteren Kunst und der po- 
pulären Technik aufsuchen, begegnen uns, und sind als die- 
jenigen Bildwerke , die kein Mensch auf andere , als epische 
Grundlage beziehen kann , wohl in Anschlag zu bringen, 
jene unzählbaren Kampfscenen, welche ich wegen ihres man- 
gelhaften Charakterismus auf bestimmte Scenen zu beziehen 
entschieden ablehnte. Grade diese für bestimmte Scenen man- 
gelhafte Charakteristik, die hochnaYve Simplicität dieser an 
berühmte Darstellungen der Poföie gleichsam nur zeichen- 
weise erinnernden Bilder bezeichnet im extremsten Grade 
die Eigenthümlichkeit der episch begründeten Bildwerke. 
Von ihnen müssen wir als von unsei'em Fundamente ausgehn, 
indem wir in mehr charakterisirte Kunst vorschreiten. Ei- 
gentlich ganz auf gleicher Stufe mit diesen insignificanten 
Kampfscenen stehu einerseits diejenigen, welche durch irgend 
einen hinzukommenden Umstand, wie das Eintreten einer 
Gottheit oder durch Beischriften für uns bestimmbar werden, 
ohne in sich schärfer bezeichnet zu sein ^), andererseits die- 
jenigen Vasenbilder, welche eine durch sich bezeichnete, 

2) So z. B. durch Aihene'f AnwefenheU der Kampf iwischen 
Achillenf und Hektor Taf. XiX. 2, oder die Memoonakämpfe Taf.XXIi. 
U> und 6. durch die Anweaenheit der Mütter und der Memnonakampf 
daa. 1. durch die Beiachriften. 



— Xl — 

nicht so allgemeine Begebenheit zum Gegenstande haben, 
welche also für uns aus dem Gegenstand erkennbar werden, 
ohue dass dessen Darstellung im Mindesten charakteristischer 
wftre als die jener Monomacbien, wie die archaischen Paris- 
urteile u. A. Schreiten wir so langsam fort in beseichnen- 
der darstellende Kunst, die gewonnenen Merkmale der nai- 
ven Reproduction der PoiSsie oder der von der Poteie Aber- 
lieferten Begebenheit festhaltend, so werden wir die episch be- 
grOndeten Bildwerke weit herab in die Erseugnisse der vollen- 
deteren Technik verfolgen können, und werden erfahrungs- 
gemiss bestätigt finden, was wir vorausgesetat haben: dass 
die grOsste Masse der alteren Kunstwerke , und das ist nu- 
gleich die grossere Masse der Heroenbilder überhaupt, auf 
epischer Grundlage ruht Und damit wird es snir Aufgabe, 
aus dieser Masse die ausnahmsweise lyrisch oder tragisch 
begrtindeten Bildwerke nach demnächst 2u besprechenden 
Kriterien auszusondern. In der späteren Vasenmalerei un- 
teritaUscher Fundorte, wie in den ebenfalls ihrem Hauptbe- 
ntande nach aus späterer Zeit stammenden Werken anderer 
Kunstarten , in den Reliefen , Wandgemälden , Gemmen , of- 
fenbart sich ganz verschiedener Geist der Auffassung und 
Darstellung, der nm Theil der Epoche, zum Theil, nidit 
selten nachweisbar, der zum Grunde liegenden Poteie zu- 
kommt, als welche wir fOr diese späteren Kunstwerke in 
ihrer Hauptmasse die tragische, seltener die lyrische PoMe und 
nur ausnahmsweise das Epos voraussetzen und erkennen. -^ 
3. Indem wir die Hauptmasse der BildweriLe älterer 
Konst filr episch begrflndet erklären , thun wir dies keines- 
wegs fQr alle ohne Ausnahme, vielmehr haben wir es schon 
ab Aufgabe ausgesprochen, aus ihnen die lyrisch und tnu- 
gisch begrtindeten auszusondern. Nur muss dies nach bestimm- 
ten Grundsätzen und Merkmalen geschehn, und indem wir 
einerseits Bergk's Aufstellung ') anerkennen i dass nicht 

S) Zeitschrift fflr Altortliiunfwiff eaiehafl 1850 S. 406 ft , trgl. 
aueh ttnlen S. 171. 

Ot f f Iteli» hmiMkt MUrt» #♦ 



alle Bildwerke aufs Epos rarfldLaafilhreJi sind, treten wir 
andererseits dem Unbestimniten und Schwankenden entgegen, 
das darin liegt, wenn er für viele Producte der bildenden 
Rnnst lyrische Basis voraussetzt , ohne sie zu erweisen oder 
die Kriterien ihrer Erweisung aufiiustellen. — So wie wir 
in den epischen Bildwerken einen Abklang und Spiegel der 
epischen Darstellung der Begebenheit als Kriterium aufetell- 
ien, werden wir fär die als lyrisch mu. bezeichnenden einen 
Binfiuss der lyrischen Eigenthttmlichkeit in der Behandlung 
der Heroensage in den Kunstwerken auEsusnchen haben. 

Der Grundcharakter aller lyrischen Darstellung 
lieroischer Mythen ist eine tendenziöse Behandlung. Der 
lyrische Dichter dichtet fttr einen bestimmten Zweck und auf 
einen äusseren Anlass, und diese beiden bestimmen die Be- 
handlung des Mythus. Danach liegen die unterschiede der 
lyrischen Darstellung von der epischen Darstellung der my- 
thischen Begebenheit sowohl im Stofflichen und Materiellen, 
wie im Geistigen und Formellen; die lyrische Po^ie erztthlt, 
ihren paraenetischen und enkomiastischen Gesichtspunkten 
und Tendenzen gemäss viele Mythen anders, als das Epos, 
oder bringt sie unter andere Beleuchtung durch neue Com- 
binationen. Fttr^die lyrisch begründete bildende Kunst sind 
nun die materiellen Veränderungen in der Mythenerzahlung 
als bedeutendstes Merkmal in den Bildwerken aufzusuchen, 
und wir werden diese, wenn überhaupt, in anderen Combi- 
nationen der epischen Personen, in Zusätzen und Auslassun- 
gen erkennen. Ein sehr sprechendes Beispiel ist in jenem 
Kampfe um Achilleus Leiche (S. 541 f. Nro. 86, Taf. XXIII. 
Nro. 2) gegeben , wo , gewiss gegen das Epos, Neoptolemos 
als Kämpfer eintritt, abgesehn von der Beischrift PATPO^ 
KAIA des Averses. Die geistigen und formellen Neuerun- 
gen der lyrischen Darstellung heroischer Begebenheiten wer- 
den sich in ihrem Reflex auf die bildende Kunst am schwie-- 
regsten erkennen lassen, vielleicht dürfen uns manche tief- 
sinnige Combinationen der Avers- und Revei:BbUder derV%- 



A€B f TM leoiui weiter mden gesprocben werden wird > für - 
Sporen lyrischer Präformirung gelten, obwohl sie auch dem 
ttn Geiste der lyrischen Poesie schaffenden Künstler bei epi« 
scher Grundlage seines Werkes angehören können, weshalb 
madk hier die Kritik mit grosser Vorsicht gehandhabt wer- 
dttk nuss ^). Endlich kommen unserer Unterscheidung der 
lyrisch begründeten von den episch begründeten Bildwerken 
imd der Aussonderung jener aus diesen zuweilen noch Äus- 
sere Merkmale in Inschriften oder Beischriften zu Hilfe, wie 
in unserem Kreise *IXiov Jldgaig xava Stjjoixoqov auf der 
Tabula Iliaca , nATPOKAlA auf der Peleus- und Thetis- 
vase S. 180 Nro. 15, Taf. VII. Nro. 5. Vielleicht haben wir 
in den Dorismen mancher Namensbeischriften eine Hindeutung 
auf nachepische, auf lyrische Quelle , wie z. B. in der Pa- 
risvase S. 220 Nro. 43, Taf. X. Nro. 5, welche zugleich diu 
llteste Beispiel der in spaterer Kunst oft wiederholten Ver« 
flhrung des Alexandres durch Eros darbietet, gewiss nicht 
nach dem Bpos. Auf eine gleiche Quelle sind vielleicht attch 
die Neuerungen in der Pariskalpis S. 233 Nro. 67, Taf* XL 1 
mit den symbolischen Figuren der Eutychia und Klyniene und 
ebenfalls dem verführenden Eros zurückzuführen. — 

4. Wesentlich derselben Art, aber schärfer ausgeprftgti 
und daher leichter zu erkennen,, sind die Slerkmale der 
tragisch begründeten Bildwerke, namentlich der ohne 
Vergleich zahlreichsten, welche auf Euripides zurückgehn. 
Ethos und Pathos bilden die Grundlage der tragischen Be- 
handlung der heroischen Mythen ; auf ihn erbaut sich eine 
sowohl im Stofflichen, wie in der Form und in den Com- 
positionsmotiven neue Darstellung der einfachen epischen 
SlaiEe, welche in beiden Beziehungen in die bildende Kunst 
hintlbergeht , und in ihren Werken häufig nachzuweisen ist. 

4") Wahrscheinlich hit der Bilderreichthum der Pran^oiSTMe iy-> 
riieke, nlehl epische Grnndlage, ttnd man wird wohl thnv, die EiO'* 
WU itt dieecr Hannigraltigkei» ia der ethlfefaeo Bedeaioag der darf #• 
ftellten Mythen tu snchea« 



I 



— av — 

Hier ist aber vor Allem wohl festsnihalten , dass nicht so- 
wohl die äussere theatralische Anordnung, nicht eine einzelne 
Scene des Mythus, wie sie auf dem Theater erschien, von der 
bildenden Kunst wieder gegeben wird, sondern der innere 
Gehalt des tragisch umgestalteten Mythus in Momenten, wel- 
che die inneren dramatischen Compositionsmotive am prä- 
gnantesten ssur Anschauung bringen. So das Aloperelief bei 
Welcker, Alte Denkmäler II. S. 203 ff., so die Oidipus- 
vase 8. fö, Nro. 76, Taf. II. Nro. 11 , so die Archemoros- 
vase S. 114, Nro. 26, Taf. IV. Nro. 3, so die Hektonrase 
S. 47S, Nro. 139, Taf. XX. Nro. 4 und viele andere Denk- 
mäler. Dies ist das Gewöhnliche; daneben kommen aber 
auch tragisch begründete Bildwerke vor, welche uns die 
Scenen der Tragödie direct vor Augen stellen , wie x. B. 
die Polymestorvase 8. 070. Nro. 185, Taf. XXVIII. Nro. S, 
die Mittelgruppe des angefahrten Archemorosbildes und wie 
mandies etruskische Aschenkistenrelief. — Von den Compo- 
sitionsmotiven der tragischen PolSsie macht sich das der Acte 
und der trilogischen Form in die bildende Kunst hinüberge- 
hend in einem Parallelismus und Nebeneinander ftthlbar, wo- 
für die Reliefe der taurischen Iphigeneia 8. 724. Nro. 71, 
Taf. XXX. Nro. 1. , 8. 726. Nro. 77, 8. 729. Nro. 78, Taf. 
XXX. Nro. 3 und 8. 731. Nro. 81, Taf. XXX. Nro. 2, bei 
unsweifelhaft tragischer Begründung augenfUlige Beispiele 
bieten. Von der 8timmung geht namentlich das euripidel- 
sche Pathos in die bildliche Reproduction über. Zur Aus- 
sonderung der tragisch begründeten Bildwerke sind wir durch 
eine umfassendere Renntniss der TragOdieninhalte mehr be- 
fUiigt, als zur Erkennung der lyrisch begründeten. Bei 
einem Bildwerk also, welches sich nicht durch die oben be- 
xeichnete naifve 8jmplicität als episch begründet zu erken- 
nen giebt, werden wir die Gestaltung des in ihm dargestell- 
ten Mythus in der Tragödie mit dem Inhalt und dem Vor- 
trag des Runstwerkes zu vergleichen haben , um zum Nach- 
weis der tragischen Quelle zu gelangen. 



— w — 

5. Verttndentngen in den stofflichen Darstellongra nnd 
Terftodernngen in der Aufiassung nach dem Geiste der ver« 
sdUedeneo quelienbaften Po^en nebst accessorischen äusse« 
rai Merkmalen sind also die Kriterien zur Unterscheidung 
itr lyrisch und der tragisch begründeten Bildwerke von den 
episdi begründeten, und auf diese Merkmale ist bei derZu- 
rückfübning des Bildwerkes auf die poetische Quelle zu ach- 
ten« Erst wenn diese Unterscheidung und Zurfickführung in 
allen Fallen oder in den fiberwiegend zahlreichsten ge- 
langen, wenn die Methode praktisch erprobt und zu kri- 
tiscber Schärfe gelangt sein wird , werden wir im vollen 
Hasse über das Verhältniss zu urteilen im Stande sein , in 
welchem die Bildwerke zu ihren poetischen Quellen stehn. 
0b wir dahin jemals gelangen werden, ist eine bisher kaum 
n beantwortende Frage , und das Festhalten an den Krei- 
sen des Epos für die Anordnung aller Bildwerke deshalb 
ielenfaUs nach dem oben S. VIL Gesagten zu empfehlen. — 



III. 

Ueber das TerhUtniss der heroischen Bildwerke zu ihren 

poetischen Quellen. 



1. Im Allgemeinen ist hier zun&chst wiederholt auf 
den bedeutenden Einfiuss hinzuweisen , den die poetische 
Durcharbeitung, Popularisirung und Nationalisirung der He- 
roeamythen auch auf die bildnerische Reproduction derselben 
ausgeübt hat. So wie sich dieses nur bei der Annahme der 
Qnellenhaftigkeit der Poesie für die bildende Kunst, nicht 
aber bei der Zurückführung der Bildwerke auf landschaft- 
liche Sagen begreifen lüsst , so tritt die Tbatsache je nfther 



I 



wir in's Einsiebiey in die verschiedenen Kreise der BildwerlLe 
eingebn, mit am so grosserer Augenfälligkeit henron Ueberall 
wo wir grossere Gruppen von Heroenbildem finden, Iftsst 
sieb eine ältere (Epos) oder neuere (Tragödie) berflbmte und 
populäre Poiisie als vorbildend nachweisen , und umgekehrt 
sind die Heroenbilder , welche sich auf local gebliebene Sa- 
gen allein gründen , so Vereinselt , dass sie allesammt die 
Zahl der Bildwerke einer bedeutenden epischen oder tragi- 
schen Gruppe kaum erreichen. Die verschiedenen Gattungen 
der Po(teie aber haben ihre Einwirkung auf die Kunst nu 
verschiedenen Zeiten und auf verschiedene Arten der Kunst* 
werke ausgeübt, was klar hervortritt, wenn man die einsei- 
nen hervorragend starken Gruppen von Bildwerken betrach- 
tet. Das Epos wirkte besonders auf die ältere Kunst und 
auf die Vasenmalerei , diejenigen Gruppen von Bildwerken, 
bei denen eine tragisdie Grundlage nicht angenommen wer- 
den kann : die Parisurteile und die Darstellungen von Peleus 
und Thetis aus den Kyprien, die Mouomachien aus dem 
Kreise der Uias bilden die allerstärksten Gruppen und swar 
archaischer Vasenbilder, daran reihen sich andere, ebenfalls, 
wenn auch nicht so zahlreiche Bilderkreise, wie Amphiaraos 
Ausfahrt, Penthesileia, Memnon; andere Gruppen, deren Ge- 
genstand auch tragisch behandelt worden , haben ebenfalls 
fflr ihre archaischen Vasenbilder beruhrote epische Grundlage, 
so 2. B. die TroYIosbilder. Den Wirkungskreis der lyrischen 
Poföie vermögen wir aus oben angedeuteten Grflnden nicht 
so bestimmt zu umgrenzen, der der Tragödie aber offenbart 
sich in der späteren Vasenmalerei und in der späteren Kunst 
überhaupt, wofür der Kreis der Oresteia bei rein tragischer 
Begründung und ohne eine einzige archaische Vase und, bis 
auf das Relief von Ariccia(S.696.Nro.35, Taf. XXVIII. Nro. 
8), ohne ein Werk alter Kunst überhaupt, das schlagendste, 
aber auch in anderen Kreisen wiederholte Beispiel giebt, so 
in dem thebischen Bruderkampfe, Achilleus auf Skyros, Iphi* 
geneia's Opferung , Aias und Kassandra u. a. m. — 



S. Nachdem wir die Einwirkung der Poesie avf die 
kfldende Kunst im Allgemeinen ausgesprochen, und nachdem, 
wir versucht haben, den verschiedenen Gattungen derPolSsie 
wenigstens ungefähr den Kreis ihrer Wirksamkeit in der bil- 
denden Kunst anzuweisen, müssen wir uns aufgefordert füh- 
len, die Bildwerke dieser Kreise mit den Podien xu ver- 
gleichen , mit anderen Worten , das spedelle Verhältniss der 
PMsien au den bildnerischen Reproductionen oder die Art 
uns zu vergegenwärtigen, wie die bildende Kunst die Poesie 
wiedergiebt. 

Die erste Bemerkung, welche wir hier machen werden, 
ist die , dass die bildende Kunst den Stoff, den wesentlichen 
Inhalt der Po^ie , nicht ihre Darstellungweise wiedergiebt, 
liCtsteres auch nicht kann , weil , wenngleich iu formeller, 
wie in materieller Hinsicht den Darstellungsmitteln der Poesie 
Darstellungsmittel der bildenden Kunst entsprechen, beide sich 
dennoch nicht decken. Ist dies erfasst , so wird die zweite 
Beobachtung die sein, dass fast alle Bildwerke den Stoff der 
Peislt mit grösserer oder geringerer Freiheit und Eigenthflm- 
lichkeit und niemals im Sinne unserer modernen so genann- 
ten „Ulustrationen^ zu Gedichten und Romanen behandeln. 
IHes ergiebt sich theils direct aus der Vergleichung erhalte- 
ner Kunstwerke mit erhaltener Potoie, also z. B. Homer, 
theils indirect auf dem Wege eines einfachen Schlusses durch 
Vergleichung der Bildwerke unter einander, von denen nur 
wenige denselben Gegenstand behandelnde ganz mit einan- 
itr übereinstimmen, so dass folglich zum mindesten ein Theil 
ierselben freie Darstellungen enthalten muss , während die 
Beranziehnng der mit der Poesie verglichenen Bildwerke 
uts darauf führt, diese Freiheit richtiger fast allen Bildwer- 
ken zuzusprechen. Ich sage fast allen und beziehe diese 
Einschränkung nicht sowohl auf Nachahmungen von Origi- 
Balea , die uns verloren sind , die wir also in den Copien 
soeben haben , als vielmehr auf die Bildwerke, bei denen 
Ktntt und Kunstintention, also von Freiheit nicht oder 



ä 



uar ia sebr bcidiiiiikteai Mane die Rede seiii kann. Ich 
meine jene aUertltesten Bildwerice, welche, wenige benObt 
nnd andi wenif^ beAhigt , eine Heldenf^estalt oder eine he- 
roische Begebenheit in ihrem individuellen Charakterismos 
an reprodudren, indem sie an die Stelle sonst fiblidieii 
Schmuckes in Thiergestalten, Tbierkampfen, Jagden u. dgl. 
m.y heroische Scenen setaen, sich genflgen lassen, gleichsam 
ein sichtbares Zeichen au geben , an welches sich die Erin- 
nerung schauer und beliebter Poitele anknüpfen mogte, ahn- 
lich wie die ältesten anikonischen Cultusgegenstande nur die 
Stelle des Oottes im Cultus vertreten , ihn aber nicht dar« 
stellen sollten. Auf die aum Grunde liegenden Poesien und 
ihre Popularität werfen diese aahlreichen Bildwerke ein sehr 
gflnstiges Licht, was fflr Kypria, Aithiopis u. a. Epopöen 
den bilderarmen Epigonen und der bilderlosen Telegonia ge- 
genaber nicht so ganz irrelevant ist. — 

8. Sehen wir von diesen in sich unfreien Arbeiten ab^ 
so bleibt uns eine Bildermasse, deren Verhalten au den quel- 
lenhaflen Polteien ich als eine mehr oder weniger freie Re- 
production beaeichnet habe. Die in diesem mehr oder 
weniger gegebene aweite Einschränkung des Pradicat's 
allgemeiner Freiheit lasst sich nicht so kura abmachen, weil 
es sich hier um Grade der Freiheit und um die Prinaipien 
dieser Grade handelt. Ohne die letzteren aufzusuchen und 
hinzustellen wflrden wir in der bildnerischen Reproduction 
der Po6sie volle WilllLOhr anerkennen , wflrden wir kaum 
bestimmen können , wo die Grenze der Freiheit liegt , und 
ob es flberhanpt eine nothwendige Grenze giebt Denn, wenn 
wir diese nur so ziehn wollten, dass der dargestellte Gegen- 
stand erkennbar sein mflsse, so würde man damit Alles der 
Willkflhr nnd dem subjectiven Ermessen und Belieben an- 
heim geben. Wir mtlssen also die Prinzipien der freien Re- 
production der Poesie durch die bildende Kunst aufzufinden 
streben, und hiezu wird uns eine erneuete Parallele der bil- 
denden Kunst mit den verschiedenen Gattungen der Sagen- 



fatale die allerbeste Aaleitang geben. Dean die Prinaipiea 
dieser Behaadlaag des heroischen Mythus durch Epos, Ly« 
lik und Tragödie finden sich in der bildenden Kunst und 
ihrer Darstellung des Mythus wieder , ohne dass , was wohl 
SU merken ist, ein im Geiste der Lyrik oder der Tragödie 
componirtes Kunstwerk deshalb lyrisch oder tragisch begrfi n- 
d e I XU sein brauchte ; diese Prinzipien aber sind es, welche 
den Grad und die Art der Freiheit der bildnerischen Repro« 
dudion der Poösie bestimmen und beherrschen. — 

4. Beginnen wir bei den einCachsten Bildwerken. Nahe 
an die oben besprochenen , welche nur an die Poösie erin« 
nem , grenat eine andere Classe von Darstellungen , welche 
dfen Zweck haben j eine einaelne oder ein paar durch den 
■nmittelbaren Fortschritt der Begebenheit verbundene heroi- 
sehe Scenen als solche wiederaugeben. Der grösste Theil 
der alteren Vdsen , aber auch der Vasen des freien und 
achöaen Stil's fallen in diese Classe, deren Auffiassungs- und 
Darstellungsart sich Aglich mit der einfachen epischen Er« 
BBhtung vergleichen lasst, indem in derselben der Schwer- 
punkt und Zweck eben in der Begebenheit selbst, nicht in 
ihrer ethischen Bedeutung, noch in der Entwickelung der 
Charaktere liegt Beispiele dieser Darsteilungsart im Geiste 
des Epos anaufQhren ist beinahe flberflflssig, jedoch will ich 
wux sicheren Verständigung einige recht augenftUige aus 
den auf meinen Tafeln abgebildeten Denkmälern hier anftth« 
ren. Aas alterer Vasenmalerei : Die Amphiaraosaussüge Taf. 
ÜL 5 und 6 ; die Polens • und Thetisvasen VII. 8, 4, 6 ; die 
P^ffisurteile IX. 1—7; die Troflosvasen XV. 8, 8, 9—18; 
Briseis Entfahrung XVI. 3 ; Diomedes und Glaukos das. 18 ; 
der Kampf an den Schiffen XVII. 6 ; der Kampf Aber Pa- 
troklos nebst der Verkflndigung an Achilleus XVIIL 3 u. 8 ; 
Achillens Waffnung das. 4 u. 7; Achilleus und Hektor XIX. 
8; Hektor's Schleifung das. 6 u. 7; Priamos vor Achilleus 
XX. 3 ; Penthesileia XXI. 4-6 ; Memnon XXII. 8—4 , 6 ; 
der Kampf Aber Achilleus in jener der epischen Composition 



md ima gegeoatlludlicheii Geiste nach kostbarsten ardiai- 
sehen Vase XXID. 1 ; Astyanax XXVI. 1 ; Henelaos nnd He- 
kaa das. 8, 8 ; Kassandra das. 15 , 16 und viele andere ; 
ans der Vasenmalerei freien Stil's: Euphorbos und Oidipna 
L By die Oidipusvasen L 12, 13, 16 ; die Pelens - und The« 
tisvasen VIIL 4 u. 7; die Parisurteile IX. 8, X. 1—4; Paris 
nnd Helena XII. 8, 9; Helena's Entflihrung XIII. 3; Patro- 
Uns von Achilleus verbunden das. 8 ; Telephos das. 9 ; die 
Troflosvasen XV. 5, 6; die Monomachie des Achilleus nnd 
Sektor das. 4 ; Dolon XVII. 2 , Rhesos das. 3 u. 6 ; Achil- 
lens und Bektor XIX. 1; Penthesileia XXL 15; Mennim 
XXIL8, 13, 14; die Psychostasie das. 9; die Matter nu Zeus 
lebend das. 10 ; Menelaos und Helena XXVI. 4, 5 ; Aithra 
das. 18, 14 ; Kassandra XXVIL 1 — 4 und andere mehr ; aus 
anderen Kunstarten endlich: die Sphinx und Haimonl.5— 8, 
und die Oidipusgemmen ; das Archemorosrelief III. 10 ; die 
Parisurteile XI. 2, 5, 8, 11 ; Paris und Helena XIH. 2, 12 ; 
Achilleus XIV. 3, 6, 8 ; Agamemnon und Chryses XVI , 11 ; 
Zeus und flere das. 12 ; Dolon das. 9 u. 19 ; Nestor und 
Blachaon XVIL 7 ; Patroklos das. 12 ; sein Todtenopfer XIX. 
18; Priamos und Achilleus XX. 5, 6, 11; Penthesileia 8-13; 
der Palladienraub XXV. 2 nnd 5—15; Aithra XXVI. 6; Kas. 
Sandra XX VU. 5 ; Aineias das. 16 und andere mehr. 

Von den in der Vasenmalerei verbundenen heroischen 
Seenen (Avers • und Reverscombinationen) gehören hieher 
diejenigen , welche nwei Seenen derselben Handlung oder 
Bwei unmittelbar auf einander folgende Handlungen ver- 
knipfen , wie S. 87. Nro. 42 A v. Oidipus und Sphinx , Rv. 
vier erschrockene Manner; S. 174 Nro. 2 Av. Thetis Ver- 
folgung, Rv. Nereus und Nereiden; S. 196 Nro. 45. Av. 
Peleus und Thetis , Rv. Hermes Nereus Zeus Willen verkfln- 
dend ; S. 222 Nro. 54 Av. Parisurteil , Rv. Hermes nach 
vollbrachtem Auftrag zum Olympos zurückkehrend ; S. 622. 
Nro. 108 Av. Astyanax Tod, Rv. klagende Troerinen; S. 
467. Nro, 117 Av. Hcktor's Schleifung, Rv. ankmunende 



AsiMMen md Ähnlich S. 499. Nro. 8 Av, Achilleos und 
PenthesUeia, Rv. Menuioo's Ankunft, 8. 501. Nro. 11 Ar, 
Adiilleus und Penfhesileia, R. Achilieus undNeniiioQ. Ferner 
swei Parallelacte wie z. B. 8. 452. Nro. 104 und 8, 5M 
Nro. 60 Achilieus Eämpfe gegen HekCor und Memnon, end- 
lich Verknflpfiingen zweier Scenen, die zu einander im Ver« 
hsltniss von Vorbereitung und Ausgang stehn, die also ei* 
g^endicb eine mehractige Handlung in ihren Angelpunkten 
fassen, wie beispielsweise S. 219. Nro. 50 und 8.225. Nro, 
67 Parisorteil und Helena's Entführung. In allen diesen Com* 
binationcn bildet die Begebenheit selbst die Verbindung, was 
bei anderen, unten zu erwähnenden nicht der Fall ist — 

5. Eine andere Classe von Bildwerken entspricht in 
der Auffassung und dem Geiste der Darstellung des heroi- 
schen Mythus der Art der Lyrik. In den Kunstwerken die« 
8cr Classe ist nicht die Thatsache, die Begebenheit der Schwer- 
pvnkt der Production und Composition, sondern die Bedeu- 
tung der Begebenheit, der innere Sinn, welcher sich in der 
Begrebenbeit manifestirt. Auf die Offenbarung dieses Sinnes 
richtet sich also die Darstellung , danach gliedert sieb die 
Composition, so wie die Lyrik die Erzählung des heroischen 
Mythus zur Offenbarung der ethischen Zwecke ihrer Gedichte 
benutzt. Der grossartigen nationalen Melik entsprechen hier 
die grossen öffentlichen Kunstwerke, die uns meistens nur in 
KCerarischen Erwähnungen erhalten sind, namentlich die Sta* 
tnengruppen in Tempelgiebeln , wie die Iliupersiden am 
Heraion in Argos und am Zeustempel von Akragas, wie die 
Kaikosschlacht am Athenetempel in Tegea, wie von eriial- 
tcoea Kunstwerken der Statuenverein vom Athenetempel von 
Aigina Taf. XXIIL Nro. 12, welchen wir Pindar's dritter 
BemelstAer Ode vergleichen können. Hier schliessen sich 
die Gruppen der Aiakiden, der Heroen Aigina's, welche das 
Bfos zu vollem, nationalem Glänze erhoben hatte, kämpfend, 
md in Sieg und Untergang ihre ganze Herrlichkeit entfal- 
die Göttin, welche sie begleitet und geschirmt battOi 



— Uli ~ 

vnd welche dort drinnen wohnte im Tempel, und fort und 
fori wirkte im Volke , das sie verehrte , wie damals unter 
den Helden , die unter ihrem Beistande kämpften. Man ver- 
gleiche mit diesem Tempelgiebel die in alle Wege epische 
Vase Taf. XXIIL 1. — 

So wie wir diese grossen , öffentlichen Weite mit der 
nationalen Lyrik vergleichen können, erscheinen weniger 
grosse und erhabene Werke als Parallelen der dem Privat- 
leben angehörenden lyrischen PolSsie welche bis in die Volks- 
lieder hinein des Schmuckes heroischer Mythen nidit ent- 
behrte, und es sind hier namentlich viele Sarkophagreliefe, 
welche als tendenziös ausgewählte und componirte Heroen» 
darstellungen erscheinen. Und ahnliches können wir in der 
Vasenmalerei nachweisen, in deren Oebiete auch manche 
Bildwerke eine solche tendenziöse Bedeutung offenbaren. Hier 
tritt die Begebenheit als solche zurttck gegen die innere 
Bedeutung der Begebenheit, und als Consequenzen dieses 
Prinzip's erscheinen in der Composition die Centralisation, 
der reguläre Parallelismus und das Zusammenrflcken der 
Acte. Aus dem Bereiche der auf meinen Tafeln abgebilde- 
ten Kunstwerke nenne ich hier beispielsweise von Reliefira: 
Taf. II. 8. Oidipus und Sphinx, Taf. VI. Menoikeus Opfer- 
tod , das. 9. das Relief Panfili mit den correspondirenden 
um Amphiaraos Niederfahrt und Vergötterung gruppirten 
Acten des FreveFs und Unterganges aus der ThebaKs ; VIII. 8. 
Polens und Thetis von den Göttern beschenkt und andere 
mehr. — 

Im Gebiete der Vasenmalerei zeigt sich dieser lyrische^ 
auf die innere Bedeutung, den Gehalt der Begebenheit ge- 
richtete Geist der Darstellung besonders in manchen Avers- 
und ReversGombinationen , welche über die oben besproche- 
nen durch die Begebenheit gebotenen Verbindungen hinaus- 
gehn. Hieher sind zu rechnen die Verbindungen zweier Sce- 
nen, welche sich zu einander als Anfang und Ende, eine 
grosse Handlung einfassend, also an sie erinnernd, verhalten 



wie S. 218. Nro. 28 Parisurteil and Helena's Wiederge- 
winnimgy so auch in der lyrisch begründeten Peleusvase 
S. 180. Nro. I& Peleus und Thetis und Achilleus Tod. 
Noch tiefer ist die Combination der beiden Bilder der Vase 
S. 422. Nro. 49. Taf. XVII. Nro. 6 : einerseits der Kampf 
um die Schiffe , andererseits Priamos vor Achilleus, also 
Hektor's höchster Glanz und Erfolg und seiner Familie und 
Troia's tiefste Erniedrigung. Dabin gehören denn auch durch 
gleiches Ethos verbundene Parallelacte wie S. 94 und 159. 
Nro. 6 i&l. Ampbiaraos und Alkmaion's Auszug, beide durch 
Briphyle's Verratli gezwungen, oder Verbindungen, in wel- 
chen sich ein ethischer Gegensatz ausspricht, wie S. 34 
Nro. 87 Oidipus und die Sphinx und Odysseus und Len- 
kothea, und schwerlich wird man einen anderen Grund der 
Verbindung des Parisurteil's mit der Beschwörung des Tei- 
resias auf dem Krater von Pisticci (S. 227. Nro. 59. Taf. 
X. Nro. 2) finden , als einen solchen , lyrischer Art , so 
dass auf dem Rever's ein Bild der Noth der Sieger von 
Troia, wahrend im Aversbild der Anlass zum ganzen Kriege 
und zu aller Noth und allem Elend der Besiegten und Sie« 
ger dargestellt ist. Aber nicht allein in diesen Avers- und 
Beverscombinationen zeigt sich dieser tendenziös - lyrische 
Charakter der Compositionen , auch im Einzelbild offenbart 
er sich besonders durch das Einmischen von bedeutsamen, 
aker nicht zur Begebenheit, sondern zu der inneren Bedeu- 
tung derselben gehörenden Personen; so der Nymphe Nemea 
in der Archemorosvase Taf. IV. 2, in der der Unheil ver- 
kündende Amphiaraos gegenüber den Eindruck verstärkt, so 
der Klymene im Parisurteil Taf. XI. 1. Und endlich wird 
man denselben Geist der Darstellung in manchem Vasenbilde 
wie in Denkmalern anderer Gattung finden , in dem viel 
■ehr ein heroisches Vorbild allgemein menschlicher Zustande 
oder das Abbild eines sittlichen Zustandes, als die Begeben- 
brit selbst sich dargestellt. Man vergleiche in diesem Sinne 
die oben als im epischen (begebenheitlichen) Sinne erfanden 



— nvi — 

Kreise hinausgriffy der Hehrsahl meiner Leser die Controlle 
des Gesagten xu erscliweren. Und am Ende maclien fttaf 
Beispiele eine Tliese eben so iLlar wie fOnfzig, und fflnCsig 
beweisen so wenig wie fünf, die These muss sicli im Prinsip 
erproben y und icli lioffe, dass sie es thun wird. — 



} 



i 



I. 



Kreis der Oldlpodla. 



O « M hmm k «I bcMlMlie Oallcvl». . 



ftMUi, ccdnuM M CmI OfOfgL 



Literarische Bearbeitungen: Epos oidtno'dia von Ki- 

naithoD '); Trilogie von Aischylos ^dl'os, Otdtnov g 'JBti- 
td ^, Ton IMeiitos 3); Tragödien ^) von Sophokles, Euripides, 
Achaios, Ntkomachos, Xenokles , Philoktes d. ä. , Diogenes, Karkinos 
d. j. , Theodekles ; spätere von Lyfcophron ^), Sosiphanes ^) , Jul. CA- 
9«r 7) , Seneca ") ; epische Behandlang (?) von Paeadopisander '). 
Duiklcr sind die Spuren über Behandlung des Stoffes in der Komödie ^<*) 
und io Satyrspielen **). Was uns von prosaischen Bearbeitnngen oder 
Erwähnungen des Mythus überliefert ist, gehört nicht hieher, und wird 
ODteD an den geeigneten Orten angeführt werden. 



l") Vergl. Weicker's Epischen Cyclus U. S. 313. ff. Bern« 
bardy, Griech. Lit. Gesch. IL S. 149. — 2^ So nach der Didaskalie 
io Scboeidewin's Philologas II. S. 348. ff.; vergl. Welcher, Ep. 
CycI.If.S.318. — 59 Welcker, Griech. Tra gg. S. 970. — 4 J ücber 
die Tragödien dieses Stoffes vergl. Welcker*s Griech. Tragödien, für 
Sophokles S. 249., Euripides S.537. und C. Fr. Hermann, Quaestiones 
Oedipodeae Diss. L, Achaios S. 962., Philokles d. ä. S. 967., Nikoma- 
ebos S. 1013., Xenokles S. 1023., Diogenes S. 1036., Karkioos d. j. 
9. 1062., Theodektes S. 1074. — <0 Welcker a. a. 0. S. 1256.ff.^ 
<?;)¥relcker a. a. 0. S. 1267. — Tj) Welcker a. a. 0. S. 1402. 
— 8J) Welcker a. a. 0. S. 1446. ff. — P^) Ueber Pseudopisander 
Tergl. Welcker, Ep. Cycl. I. S. 99. und II. S. 317,, Bernhardy, 
Griech. Lit. Gesch. II. 240. Wenngleich die Frage über diesen P i s a n d er 
so wie über die Rückführung der Fragmente und Erwähnungen auf ihn 
oder den alten Kamireer (Bernhard y IL S. 211) oder den späten 
Pisander , IVestors Sohn (ßernh. IL S. 240.) nicht in allen Theilen 
entschieden ist, so dürfte doch das als feststehend zu betrachten sein, 
dass^ was uns aus dem Kreise der Oidipodia aus Pisander angeführt 
wird, nicht auf den Kamireer zurückzuführen ist, also nicht als äl- 
tere QaeHe, denn die Tragödie, gelten kann. Hierin irrt Ranke 
in derAIIg. Encyclopftdie 111. II. Art^ Oedipus S. 45. 2.-10^ Vergl. 
BennaDn an Soph. €ed.' C61. 1'377. — ttj Siehe unten su Nro.'45. 




1. Clarysippos« 



Als erste Quelle des durch Frevel fortgezengten Un- 
glückes im Labdakidenhause stellt wahrscheinlich zuerst die 
Tragödie ^^), der eine Vertiefung in den sittlichen Motiven 
des Mythus natürlich und besonders angemessen ist ^^)j je- 
denfalls aber erst die nachepische Tradition ^^) die Entfüh- 
rung des Chrysippos durch Laios auf ^^). Die fkliheste selb* 
standige Behandlung erfuhr der Mythus, so viel sich sehen 
lasst, durch Euripides, über dessen Xgvainnos Welcker's 
Oriech. Trag. II. S. 535. ff. zu vergleichen sind ^^). Nach 

13) Dies ist Weicker's darchaas «nsprecliende Annahme» 
Ep. Cycl. IL S. 316.» vergl. Note 13. — 13) Laios hat unter 
den Menschen zuerst die Knabenliebe eingeführt (Bnripid. bei Aelian 
U. A. VL 15. , Plato de Legg. VlIL 90., vergL Cicero TuscuL IV. 33. 
u. Welcher, TriL S. 355. f. und Gr. Tragg. IL S.533.), also die Hei. 
ligkeit der Ehe im Fundament verletzt; dass nun die« 
ser Frevler grade durch die Ehe in unabwendbares Unglfick gebracht 
wird, indem er entweder kinderlos sterben, oder den Vatermörder und 
ein ganzes, blutbeflecktes Geschlecht erzeugen muss, das ist eines der 
tiefsten, grade der Tragödie völlig angemessenen, sittlichen Motive. 
Sehr gut hebt der Schol. zu Eur. Phoen. 1788. ans Pseudopisander her- 
vor', wie Laios durch Chrysippos Raub den Zorn der Hera yafioatÜQß 
gereizt , welche dann die Sphinx gesandt habe , was Andere anders 
erzAhlen. Aehnliches kommt in anderen Mythen vor, von denen be- 
sonders Laokoon von Sophokles, wie ihn Welcher^ Alte Denkmftlerl. 
S. 323. f. beleuchtet, verwandt ist. Dass Laokoons Kinder mit ihm getöd- 
tet werden, beruht gewiss darauf, dass sie im Frevel wider die Gott- 
heit erzeugt sind, und ist als sittliche Vertiefung seiner Strafe aufza« 
fassen. — 14) Welcher a. a. 0. — IS) Die Geschichte erzAhlen, 
wenn auch nur kurz ApoUodor. HL 5. 9., Aelian. V. H. XIII. 5, 
Athen. XIII. p.60|2. f. u.603., Schol. Eurip. Phoen. 1788 (ed. Scböti; 
1642. ed. Bothe) aus Pisander, Hypoth. oAesch. Sept., Hygin Fab. 85. 
— 16) Gradezu euripideisch nennt diese Erz&hlung Wieseler in den 
G. G. A. 1850. S. 174. Ueber das VerhAltniss der Tragödie sn Psea- 
dopisander s. oben Note 9. Welcher Gr. Tragg. IL S. 534. Her- 
mann Qnaeat. Oedip. L 8. 100. 



Apollodor a. a. O. entfllhrt Laios den Chrysippos, indem er 
ihn in Wagenrennen unterrichtet, und Athenäus a. a«0. sagt: 
akXoi di ifaai Aaiov igaad^ivra xov Xgvainnov^ 6v xai uq^ 
naaavxa xai dva&SjLtsvov stg aQfAu &i]ßag (pvysFv, 

Diese Entführung ssa Wagen zeigen uns zwei ansehn- 
liche apulische Vasenbilder: 

Nro. 1. eine Amphora aus Ceglio(Taf.l.Nro. l.X 
jetast in Berlin, abgebildet in 6 e r h a r d's apulischen Vasen* 
bildem Taf« 6. 7. ^0 Cn^er Bild ist das mittlere von dreien 
die Vorderseite der Vase scbmflckenden mythischen Darstel- 
lungen erotischen Charakters '^). Die Mitte des Bildes nimmt 
das Viergespann ein, auf welchem Laios bekränzt, nur mit 
der flatternden Chlamys bekleidet, steht; mit der Rechten 
fahrt er einen Stab, die Pferde zu spornen, mit derLinken, 
welche zugleich die Zttgel hält, umfasst er den neben ihm 
stehenden , gleichfalls bis auf die Chlamys nackten , jedoch 

17) Fr fiher beschrieben in Lewesow's Verzeichnisf der «Dtiken 
DenkmAler im Antiquariniii in Berlin nnter Nro. 1010., nnd von Gerhard 
ja BerliDf antiken Bildwerken I. anter dora. Kammer. — 18) Am Halse 
des Geflsses erscheint auf dem Avers der fianb der Aigioa durch den 
Zensadler (vergl. Panofka Zens und Aegina Berl. 1836. Tfl. I. 1.); im 
anleren Felde des Bauches der Amphora Aktaion von seinen Hnnden 
angefallen im Beiseln einerseits der sitzenden, mit ausgestreckter Rech- 
ten (fthalich wie anf der selinuntischen Metope bei Serradifalco An- 
tickili di Sicilia II. to. 32., Möller Denkmfiler II. 17. 184.) mit enU 
•chledener Bewegung die Strafe gleichsam als Richterin befehlenden, 
ganz bekleideten Artemis (fflr die Poesien dieses Stoffes vergl. B e r g k's 
vortreffliche Bemerkungen in der Zeitschrift fflr Alterthums Wissenschaft 
1850. Ifro. 51. „Aklftonis und Patroklia<< S. 405. ff.) und einer ihrer Beglei- 
terianen, als weicheich, trotz ihrer Beflflgelung, diese mit kurzem Chiton, 
Jagdkothumen nnd zwei Jagdspeeren versehene , weibliche Figur be- 
trachte, welche Gerhard a. a. 0.^ wie mir scheint unrichtig, Iris be- 
nennt; andrerseits erscheint Peitho mit Eros nnd Aphrodite, durchweiche 
der Scene der erotische Charakter beigelegt wird, welchen sie ausser- 
dem kaum hat. An die zuletzt erwähnten Figuren sohliesst sich fast 
nnmittelbar auf der Rückseite eine bacchisch - mystische Scene an, 
welche sich Ähnlich als Revers des Chrysipposbildes wiederholt, wflh- 
rend auf der Kehraeite des Halses in Blumenomamenten ein weiblicher 
Frolilkopf in der Haube encheint. 



f 



- Ä - 

liiit deutlichen Myrthen bekränzten Knaben Cbrysip^os. Die- 
ser streckt seine Arme dem in reiche, phr^'gische Tracht ge^^ 
kleideten, mit zwei Speeren bewaffneten Vater Pdops, wel- 
cher dem Wagen nacheilt, wie zum Abschiede entgegen. 
Pelops aber erreicht den Wagen nicht, eben so wenig wie 
es einem leichtbekleideten Epheben , &€Qan(ov des Pelops, 
der ebenfalls mit zwei Speeren bewaffnet von der anderen 
Seite herbeieilt, gelingt, den Pferden in der Zügel zu fallen. 
Vielmehr erinnert ein dem Wagen nachschwebender Eros, 
welcher Tanie und Kranz trägt, an das Gelingen des Un- 
ternehmens und an die Bestimmung des geraubten Knaben. 
Pflnf Sterne oben im Felde scheinen die Nacht als Zeit der 
Entführung anzudeuten , was wohl , wenn sie überhaupt be- 
deutsames Beiwerk, und nicht nur Ornament sind, als nicht 
aus dem Mythus geflossene, erotische Zuthat unserer Darstel^ 
lung tu betrachten ist *^). 

Gerhard meint (a. a. 0. S.7.) die Entführung sei zur 
Festscene geworden, wie dies auch eine aufgehängte Binde 
kund gebe. Eine Festscene möchte ich nun freilich nicht 
erkennen , allerdings aber muss bemerkt werden , dass unser 
Vasenbild nicht als eine directe und bestimmte Darstellung 
des Tragödienmythus zu betrachten ist ^°), sondern vielmehr 
ala ein aus berühmten mythischen Thatsachen ausgewählter 
specieller Ausdruck allgemein erotischer Verhältnisse. Häehst 

19) Moodsiehel und Sterne als Andentaog der Nachl und ge- 
wiss nicht als blosses Ornament, finden wir, als ebenfalls erotische 
Zathal, anf dem gleich zu erwähnenden Vasenbild mit dem Aaab der 
Persephone wieder ; Sterne auch aaf unserer Nro. 2. — 20) Auch der Um- 
stand, dass anf unserem Vasenbild, wie anf dem folgenden der Knabe viel 
an wenig bewegt oder geängstei scheint, um das aussudrAcken, waa 
nach Valckenaer's schöner Vermuthung Euripides gedichtet hatte, dasa 
n&miich Cbrysippos im Gefühl seiner Schande sich selbst den Tod gab 
(vergl, Yalckenaer, Dialrib. p. 23., Welcher, Gr. Trag. II. S. 533.)^ 
auch dieser Umstand stellt sich einer directen ZnrQckführung des Bild- 
werks auf die Tragödie als Quelle entgegen. Dass die Erzählung g&ng 
and gebe geworden, sehen wir aus den oben Note 15. angeführten 
Stellen. 



amSMemif aker ans gemeinsanem , erotisch •syfldMiidiett 
Charakter, aehr wohl erklärlich ist die augeofiillige Aehn- 
licfakeit «Bserer dümjfaüüon mit jener friedlich gefassten, 
aof das jährlich wiederkehreude Scheiden derKora zu deuten« 
den EntfübruBg der Persephone ^0 in dem bekannten Vasen- 
gemalde m Millingen's Ancient unedited Monuments L 
16. ^0» welches etwa aus derselben Zeit sein mag, aus 
der das unsrige stammt. Die Aehnlichkeit beider Darstet- 
limgen in Auffassung und Composition ist namentlich gross 
in Bezug auf die besonders charakteristische Gruppe des vom 
Vater scheidenden Chrysippos und ,der von der Mutter mtt 
entgegengestreckten Armen Abschied nehmenden Kora. 

Anmuthig in Erfindung und Zeichnung bietet das be- 
sprochene Vasengem&lde der Interpretation keine grossen 
Schwierigkeiten ; anders ist dies in Bezug auf manche Ein- 
zelheit BÜt dem zweiten Vasengemälde unseres Stoffes, wel « 
ches, in der Hauptgnqppe dem ersten nahe verwandt, in 
isax Umgebungen dieser mehrfach von ihm abweicht Es 
ist dies: 

JVro. 2. eine bisher^unedirte apulischeAmpho- 
ra (TaLL Nro. 2.)* ^^^ Glitte nimmt auch hier das sprengende 
Vi^gespann ein, auf welchem Laios, ähnlich wie in der vorigen 
Nummer, steht, den Knaben mit dem linken Arm umschlin- 
gend. Während Laios Gestalt nur unmerklich und ohne be- 
sondere Bedeutsamkeit modificirt ist, hat die Darstellung des 
Chrysippos eine eben so merkbare wie geistreich motivirte 
Veränderung erhalten» Dort folgte, wie wir gesehen haben, 
dem davon eilenden Wagen in grosser Nähe der Vater, hier 
eilt in grösserer Entfernung der alte Pädagog herzu; und 
während nun dort der Knabe sich entschieden zurttckbiegt 
und beide Arme dem Vater mit dem Gest des zärtlichen 

91) Vergl. Müll er 's Handbuch der Archfiol. J, 358. 3. — 
2^) Wieder abgebildet in Möller' s Denkniftlern d. a. Kanal I. 
Taf 46. Nro. 213. Einen ganz Ähnlichen Koraahschied siehe b. Tisch« 
htm, Vases d'Haroilton III. 1. 




— 8 — 

Abflidiiediiehmens enigegenstXftAt , so steht hier OiryBippos 
viel selbständiger auf dem Wagen ; mit der rechten Hand 
die Henkel des Wagensitzes ergreifend ^ und mit leichter 
Beugung der Knie dem Zuge des eilenden Wagens ela- 
stisch mit dem Körper folgend ^^) , scheint er mit der er* 
hobenen und mit Gewand umwickelten linken Hand dem Pft- 
dagogen, zu dem sein Blick zurückgewandt ist^ Abschied 
zuzuwinken. 

Von dem Beiwerk des ersten Vasengemftldes finden 
wir die Sterne, die aufgehängten Binden, den nachfliegen- 
den , Kranz und Tänie tragenden Eros wieder , dem sich 
hier ein zweiter , als Führer der Pferde mit einer Patera 
Toranfliegender gesellt hat. Andere Nebenfiguren aber sind 
sehr eigenthümlich. Der erotische Charakter der Scene, 
welchen die Flügelknaben bezeichnen, wird hier zunächst 
durch Aphrodite selbst verstärkt. Denn diese werden wir 
in der an einer Herme hinter dem Wagen sitzenden, reich, 
aber leicht bekleideten und geschmückten weiblichen Gestalt 
zu erkennen haben, welche den Blick und die erhobene Hand 
dem heraneilenden Pädagogen entgegenwendet, wenn wir 
nicht etwa die nahe verwandte Peitho zu erkennen rorziehen 
wollen, welche ihr Werk bei Chrysippos vollendet hat, und das- 
selbe bei dem Pädagogen beginnt, indem sie ihm die Fruchtlo- 
sigkeit seines Nacheilens zu demonstriren scheint Seine zum 
Kopfe im Gest des Schmerzes erhobene Hand zeigt, dass er diese 
Fruchtlosigkeit begreift Die Herme, an welche Aphrodite lehnt, 
weist auf die Palästra oder den palästrischen Platz des Wagen- 
rennens hin, von welchem, nach Apollodor, Laios den Knaben 
während des Unterrichts entführte, wie ja bekanntlich Her- 
men an den Palästren standen, und auf Kunstwerken mehr- 
fach die Palästra bezeichnen ^^). Ungleich schwieriger als 

28) Die Stellung erinnert an die des Ampbiaraos anf dem 
schönen oropischen Relief, Vergl. Wel cker*s Alte Denkmiler H. Taf. 9. 
- :S4) Vergl. Welcker's Alte Denkmäler I. S.488. und Mns. P. Cl. 
y. ty. 36. 37. Paas unsere Uermo weder den Hermes noch den He« 



— • — 

Itfl, was von Nebenpergonen und Beiwerk rechts im Bilile 
ersdieint, ist die Nebenperson links und der ebendaselbst 
unter den Pferden befindliche Hund zu erklaren. Den jungen 
Satyr oder Pan^ welcher ^ gehOrnt und fichtenbekränzt, den 
rechten Ann auf seinen Knotenstock gestützt dasitzt, in der 
Linken die Syrinx haltend, die das Erstaunen über den Vor« 
gang Ton seinen Lippen gezogen hat , diesen Satyr, wie so 
manchen seines Geschlechtes auf anderen Kunstwerken, als 
dne Personification der freien Natur, von Berg und Wald 
und Wiese aufzufassen, scheint nicht recht passend, wenn wir 
die Henne als Bezeichnung der Palästra festhalten, und in 
den Schriftstellen , welche den Mythus erzählen, will auch 
kein Zug erscheinen, aus welchem man den Satyr speciell 
motiviren könnte ^^). Am allerwenigsten darf man in ihm 
die Spur eines Satyrspiels als Quelle unseres Bildwerkes 
sehen, einmal da er zu wenig zur Handlung selbst gehört, 
sodann , weil in einem Satyrspiel schwerlich jemals Aphro- 
dite oder auch Peitho nebst Eroten so aufgetreten ist , wie 
wir sie hier sehen, femer weil der Aufwand eines Vierge- 
spannes als Vehikel der Entführung nicht für das Satyrspiel 
passt , und endlich , weil wir auch nicht die leiseste Spu' 
satyresker Behandlung dieses Theiles des Labdakidenmythus 
besitzen, die Andeutung also viel entschiedjener seinmüsste, 
uns zu einer literarisch nicht gestützten Vermuthung im 



rakles bestimmt ansdrfickt, könnte als Hinderniss der Erklfirang er- 
icheiiien , jedoch halte ich dies bei der Natürlichkeit , womit sich die 
Herme ans den angeführten Schriftstellen als Bezeichnang des Locals der 
Tbat erkUrt, in einem VasengemAlde dieser spftteren Zeit für nicht von 
grosser Bedeutung. Einen Hermes könnte man übrigens cur Roth er- 
kenneo. Die Anwesenheit des Pädagogen bestütigt die Bedeutung der 
Herne als Merkseichen der Palästra. — 9S) Eine Spur konnte man 
in Hygin's knrser Erzfthlung a. a. 0. finden» welcher sagt: Laios habe 
den Chrysippos Nemeae ludis geraubt. Wenn wir hieran denken, 
könnte der Satyr Localbezeichnung des waldigen Thalkessels von Ne- 
■ea sein ; aber cu der Scenerie der nemeischen Spiele passt die ganse 
Dmgeba^g so wenig wie die palAstrische Herme. 



— 10 — 

«■gegebenen Sinne «u berechtigen. Noch fftthsdhafter «i^- 
geheint der schon erwähnte Hund , von dem es weder klar 
ift, zu wem er gehören soU, noch was er im Maule hat und 
frisst, eine Schlange oder Eingeweide. Möge recht bald ein 
ingeniöser Gedanke eines Anderen dies seltsame Beiwerk 
des so interessanten Vasenbildes erklären. 

Diesen beiden ausführlicher besprochenen Monumenten 
schliesst sieh noch als • 

Nro. 3. eine ansehnliche, ebenfalls apulische 
Pelike an, über welche wir im Bulletino ron 1840. S.188. 
Nro. 9. die leider nur allzukurze Notiz finden : Vase, welche 
den Raub eines Jflnglings darstellt, vielleicht,Chrysippos ron 
Laios geraubt, mit Verweisung auf unsere Nro. 1. in Berl. ant. 
Bildw. I. S. 295. Der Revers hat bacchische Mysterienscenen. 



9« Oldlpus als Rind. 



Die bekannten Schicksale des Oidipuskindes, seine Aus- 
setzung und seine Auffindung durch Hirten des Königs Polybos 
von Korinth gehören zu den von alter Kunst selten behandel- 
ten Gegenständen. 

Hievon ist ein einfacher Grund darin zu suchen, dass 
ausser im alten Epos, der Oidipodia, welche auch Oidipus 
Kindheit erzählt zu haben scheint *), der Gegenstand nir- 

Ij Welcker geht, Ep. Cycl. II. S. 3t5. noch einen starken 
Schritt weiter , indem er sagt , dass den ersten Theil des Epos notb- 
wendig die Geschichte des Laios ausmachte. Ich bin dieser An- 
sicht durchaas nicht , und glaube , dass wenn wir Welcker bei. 
stimmen , wir über den Charakterismus hinausgehen , den Aristoteles 
von den kyklischen Epen Poet. cap. 23. Aufstellt, indem eine Oidipo« 
dia, welche, von Laios (lescbichte and Verschuldung anfcuigoAdy bis 



— 11 ~ 

fend mn directea und tusAhrlUhen BarsteHmig^ in iler ak 
ten Po^ie gelangte, sondern in den Tragödien nur in der 
Form eingelegter Erxühlungen oder gesprächweise vorkam^). 
Müller freilich sagt in seinem Handbuch der Archäologie 
S. 600. der Gegenstand komme ^auf Vasen von Volci^ vor, 
doch finde ich weder bei Panofka, der in den Annden 
des last. VDf. S. 78. ff. das unten folgende Vasenbild fublt- 
drty ausser den Gemmen unten Nro. 5. und 6. ein Parallel- 
moBument citirt , noch ist mir sonst irgendwoher eine Notia 
fiber ein ferneres Vorkommen des Gegenstandes auf Vasen 
bekannt geworden. — Dm so wichtiger und erfreulicher ist 
uns daher der Besitz von 

Nro. d.« einem volcenter Vasenbilde (TalLNro; 
3.), abgebildet in den Mon. dell' Inst. II. tv. 14. ^), welches P a- 
nofka in den Annalen a. a. 0. erklärt. Dies Gemälde, wek 
dies bei der höchsten Einfachheit der Composition von einer 
gar nicht genug zu lobenden Schönheit der Zeichnung mid 
SauberlLeit der Ansfährnng ist , zeigt uns nicht s#woU 
wie JH fi I i e r (Handbuch a. a. 0.) sich ausdrückt ^Oedipus 
als Kind dem Hirten Buphorbos übergeben^ , als vielmehr 
den Eophorfcos (EYOOPBOC) auf der Wanderung, einen 
Jflngling im Reisecostum , in der Hand einen Speer tnu 
gend. ^) Die Bedeutung dieser Person wird alsbald klar 

sa Oidipas Stune (oder Tode) geht^ nicht alleio eine sehr wenig sirUG« 
Eioheit sondern Oberhaupt keine Einheit beaitEt. — 9) So z. B* 
Soph. 0. T. 717. ff.; 1029., 1032. ff. Eurip. Phocn. 24. ff. 803, ff. 
und aonsl. — 3) Dasselbe stammt ans der Sammlung des Barons ß e n g- 
not, und ist im Catalogue Bengnot Nro. 38. von de Witte bespro- 
chen. Yergl. Bu]letino 1834. p. 12. Annati 1834. p. 398. Wieder 
abgeb. bei 1 n g b i r a m i, Vasi fittili lY. tr. 365. wo aber die Namensbei- 
•chriflen fehlen. — 4) Dies Costum ist das gant gewöhnliche wandern* 
4er Heroen, and ich kann mit Panof ka nicht übereinstimmen, wenn 
er «. a. 0. S. 81. an einen besonderen Futa des Hirten denkt ^ weU 
eher zum Könige besser als sonst gekleidet gebe; viel eher ist einer; 
epischen Person, selbst geringeren Stande«, schlichtweg das ailgemeiae 
Heroeocostum auausprechen. 



C 



— 1« — 

aus der Beischrift OIJITIOJAC des Kindes, welches er 
trägt: es ist einer der Hirten, welche mit Oidipiis Kind« 
heits- und Alissetzungsgeschichte in Zusanunenhang stehen. 

Der Name dieses Hirten Euphorbos kommt bei den 
griechischen Tragikern nicht vor, jedoch hat Seneca im 
Oedipus Act rV. letzte Scene Phorbas als Hirten desLaios, 
der das Kind gerettet und den Hirten des Polybos überge- 
ben hat Dieser Name Phorbas hangt gewiss mit Euphor- 
bos zusammen, wie Panofka a. a. 0. S. 79. Anm. 1. aus- 
fahrt; doch scheint mir daraus nicht mit Sicherheit zu schlies- 
sen , dass auf unserem Bilde der Hirt des Laios gemeint sei, 
da die Situation besser für den des Polybos passt % Das 
Kind drückt sich mit rorwiegendem Ausdruck der Traurig- 
keit, zu dem sich ein Beisatz von Furcht gesellt, an die 
Brust des Trägers. Auf sein Alter , scheinbar von einigen 
Jahren, einen ganz neuen, dem Mythus durchaus fk^mden 
Zug, nämlich das Kind habe schon einige Jahre bei Eu- 
phorbos in Sikyon zugebracht, gründen zu wollen, wie das 
Panofka thut (a. a. 0. S. 81.), halte ich für durchaus ver- 
fehlt , da genug Denkmäler vorhanden sind , welche Kin- 
der in höherem Alter darstellen , als das im Mythus cha- 
rakteristische ist ^), um uns in diesem Punkte sehr vorsich- 
tig zu machen. 

Was nun die Quelle unseres Bildwerkes anlangt, so ist 
oben schon angeführt, dass die griechischen Tragödien den 
Namen Evtpogßog nicht kennen, und ebenfalls ist schon der 
Umstand erwähnt, dass eine directe Darstellung der Aus- 

S) Bedenklich scheint mir die von Panofka a. a. 0. Anm. 1. 
angenommene active Bedeutung von €V(poQßog , nach der das Worl 
den Hirten cbarakterisiren soll , welcher gute Nnbrnng oder Weide 
giebt, „ie hon pastenr««. — 6) Wem fielen hier nicht die Söhne 
des Laokoon in der berühmten Gruppe ein , deren geringe Jugend- 
lichkeit schon Anlass lu manchem Spott gegeben hat. Ausserdem 
aber sind z. B. noch einige Archemorosbilder , welche ich unten zu 
der Thebais anrflhron werde; zu vergleichen, 



— M — 

setinigBiresdiicbte A» buihen QUipiis aiig nadiepiKher Poe- 
sie nicht bekamit ist. Auf die Wichtigkeit des Umstandes 
aber, ob eine Begebenheit von der PolSsie ausAArlich dar« 
gestellt nnd der bildenden Kunst rorgebfldet ist, oder nicht, 
kabe ich schon in der Einleitung hingewiesen. Schwer 
ist es demnach xu glauben, dass dieses herrliche Vasenge- 
malde aus einer Erwähnung oder gesprachsweisen Andeu«^ 
tBBg in den Tragödien seine Existenz gezogen , und wenn 
wir femer bedenken, dass die Namensform Oiimoiac ge- 
wiss eher auf den Hexameter hinweist , während die Form 
Oiii'novg dem Jambus angehört 0> '^^^ <^o ^^ OiSmoäuq 
unserer Vase nicht wohl aus einer Erzählung in den Tra*» 
gödien geflossen sein kann, und dass die Annahme eines 
Cborgesanges ^), in welchem der Mythus erwähnt wurde, 
als Quelle unseres Bildes in Verbindung mit dem schon fiber 
Euphorbos Gesagten dur^aus unwahrscheinlich anlässt: so 
wird dagegen die Annahme des Epos als Quelle des Bildes 
und sdner Beischriften mit grosser Wahrscheinlichkeit her- 
FOrtreten , fiOr Jeden , welcher das inyeterirte Vorurteil be- 
siegt Im , dass die kyklischen Epopöen keinen Werth, kdme 
Lebensfähigkeit und keine Dauer gehabt haben« Dass übri- 
gens auch die Lyrik als eine mögUche Quelle unseres Bild- 
werkes stehen bldbt , Iftugne ich dabei gewiss nicht 

73 OldtnoSns bei H om. 11. XXUL 678., Od. XI. 271., The^ 
bais fragm. 2. ; U e f . Opp. et Dies 162. , ebenio auf einer hexa- 
melrischen Grabschrift unten Rro. 77. Freilich findet sich die längere 
palroDymische Form Oidmo&as auch in anderen Versarten, so bei 
Pin dar Fytb. IV. 203. nnd in Prosa, aber nur bei dem epischer Spra- 
che und Form so nahe stehenden Uerod. IV. 149. Im Jambus dage- 
gen wird die kürzere Form Oidlnovf gebraucht, vergl. Ranke, Allg. 
Eacyclop. Art. Oedipns S. 43. Rote 11., und im Dialog der grie- 
chischen Tragödie ist die Iftngere Form nicht nachsuweisen. Im 
lateinischen Senar erscheint sie bei Seneca nicht selten, so Herc. für. 
496. Oed. 216. 943. 1003. Phoen. 39. (ed. Bip.) — 8) In Chor- 
gestngen der Tragödie ist die längere Form Oi6Mi6dmg nicht eben 
selten, yergl. s. B. Ew. Phoen. 818. und daselbst Valckenaer. 



r 



— IM — 

Dmt ftcMTs «iifiever ¥ase Migt dM Mrtige val «rtr- 
ügtj jedoch nicht eben königliche Mautelfigiir auf einen Stab 
gestütety van gering^erer Anlage und Ansfühning als die K- 
gilren der Vorderseite und ohne Namensbeisdirift. Man konnte 
sie allenfalls für den König Polybos halten, wie dies d« 
Witte a. a. O. ihat, wenn nicht, wie Panofka S. 88. 
richtig bemerkt, die öftere Wiederholung ahnlicher, nidit 
tum Mythus gehörender Rererebilder bedeutender mythischer 
Darstellungen dies zweifelhaft machte, und wenn nicht das Feh- 
len der Beischrift diesen Zweifel um ein Bedeutendes steigerte. 

Ausser in diesem schönen Vasengemttlde finden wir 
Oidipus Kindheit nur »och auf folgenden 2wei gesehnitteQen 
Steinen daretellt: 

Nro. 6. Chalcedon in der Berliner Sammfamg, T«U 
k e n Vern. der rertieft geschn. Steine Cl. IV. Nro. 9. Der 
Hirt des Polybos, ausser mit dem kurzen Chiton noch mk 
einem Mantel bdJeidet, den Hirtenstab unter dem linken 
Arm ^) findet unter einem Baume das ansgesetnte Kind, 
welches ihm mit lebhafter Oeberde die Arme entgegenstreekt, 
während er dasselbe ohne besondren Ausdruck betrachtet» 

Charakteristischer ist in dieser Bemehung: 

Nro.7.eine schwarne antikePaste, ebendas Nrn. 
10. (Taf. L Nro.d.) ^^). Der etwas seltsam beklddete Hirt, um 
dessen Schultern ein rauhes Thierfell hangt, und der Schuhe 
an den FiMsen hat , beugt sich dieilnahmvoll na dein Knaben 
hinab, def, unt^r einem Baum sitzend, wiederum seinem Ret- 
ter verlangend die Arme entgegenstreckt ^^). 

9) Der Mann trflgl anscheinend noch einen zweiten Slah und 
zwar mit einem Vogel (?) als Knaaf unter dem Arme, jedoch ist die- 
ser Gegenstand nicht deutlich genug, um mit Sicherheit erklärt zu 
werden. >— 10) Bisher noch nicht gezeichnet, und von den beiden 
Gemmenbildern trotz des vielleicht etwas komischen Zugs in der Be* 
kleidong des Hirten, der sich besser sehen, als beschreiben lässt, als 
das sprechendere Denkmal ausgewählt. ^ ii) Beide Gemmen sind 
imch TOlken aus der St ose h' sehen Sammlang, doch vemiag loh 
aie in Winckelmaiia's Verieiclmlss nicht anfzufiadei. 



i 



— 15 — 

Ateidckien ist die bisher anch aaf diese Scene beso: 
gene grflo, blau und weiss gestreifte aatike Paste, eben- 
das. Nro. 11. 

Diese Paste ist von kaum zweifelhafter Dcutungy und 
kann filglich nur Ar bakehisch gehalten werden. Das Kind 
sitnt wie in den vorhergehenden Denkjnäleniy unter einen 
Bann j weldier aber hier anderes Laub hat, als in jenen , 
oh Weinlanb , auig ich nicht entscheiden , an dem aber aus- 
serdem ein Schlauch aufgehängt ist. Der mit ibergeschla- 
genen Beinen mhig vor dem Kinde stehende , einen nweiten 
Schlauch haltende Mann si^t stark silenartig aus, ein 
pansbadüger Kalilkopf, dessen Bekleidung incbt deutlich 
2u erkennen ist Zwischen dem Kinde und dem Manne be- 
findet rieh eine bartige Herme, auf welche der Mann den 
Arm mit dem Schlauche stützt. Alle diese Umstände pas- 
sen sehr wenig auf Oidipus Auffindung , und zeigen , dass 
wir hier eine der Scenen der Kinderwärterei Silens vor 
uns haben, wie sie auf anderweitigen Monumenten nicht sel- 
ten sind. 



8* IMeS^lUiULii^dtliebnitUelienJilnarUiiirei üaimoiit 



Der Fluch Thebens, die Sphhix, welche die Jugend 
des Landes in's Verderben hinraffte ^), und, ehe sie Oidipus 
überwindender Klugheit erlag, au^h den Schönsten und An- 
nittthrejchsten von Allen, Haimon ^), Kreions Sohn, gettf dtet 

±'} Dm Hinwegraffen, fianben ifl das in besUnmiten Aiudrük- 
ken der lUerarUcben Ueberlieferung Charakteriftische fOr die thebani- 
scho Sphinx, vergi. 0. Jahn, Archäol. Beiträge S. 115. n. 116. mit 
Hole 77. — Z') Uöchst wahrscheinlich, wenn nicht gewiss beaieht sich 
die Ansfahrung des Schol. £iu\ Phoen. 1748. anf die Oidipodia desKi« 
luitkoB vnd sind die beiden Verse die er anführt ans dieser. Der 



— 16 — 

hatte^ ist ein mcnfich häniger Vbrwuf der alten Kinist ge- 
wesen , wenngleich wir überwiegend die meisten Dantellun- 
gen dieser Begeb(|ibeit nur auf geschnittenen Steinen finden, 
welche nicht alle unj^weifelhaft in der Deutung sind. 

Die sicheren Denkmäler, welche thebanische JOnglinge 
von der Sphinx geraubt, niedergeworfen , getttdtet und Mr- 
rissen xeigen, wobei ich die literarisch überlieferten voran- 
stelle , sind die folgenden. Unter ihnen darf man vielleicht 
das eine oder das andere als auf Haimon bezüglich betrach- 
ten, ohne dass dies jedoch bei der Vereinzelung der Erzäh- 
lung von Haimons Tode einerseits (Note 2) , andrersdts bd 
der Sdiwierigkeit die etwa stattfindenden feinen Dnterschei- 

Scholiait sagl : ol tijy Olßmodtay yQ«q>oyt€f (odSelg ovtta (ptiai niQl 
t^s £<piyy6s) . . • . 

'All* iu xaXXiaiöy re xal IfiiQoiaxtnoy älXojy, 

nctlda tpiloy Kgiloyios äii^ifioyog, uit^oya dioy 

Bine wesentlich andere nnmittelbare Ergänzung des unvollsUlndigefi 
Salaes, als die, welche Welcher, Ep. Cyd. IL S. 317. rorseblAgt: 
„Sie (die Sphinx) hatte Andere getOdtet, 

Aber daza auch u. s. w. , 
scheint hanm möglich. Die Anführung der Oi^modla, wenngleich 
mit dem unbestimmten ot yqdtpoyjoc ohne Verfassemamen , weist ans 
ziemlich gewiss auf die Oidipodia des Einaithon hin , da unter diesem 
Titel keine andere hexametrische Bearbeitung der Sage bekannt, und 
es namentlich bei der schwankenden Angabe ot yQd(poytos ungleich 
unwahrscheinlicher ist , an einen Theil der Antimach eischen Thebais 
unter besonderem Titel als an das alte Epos zu denken. Jahn sagt, 
Arch. Beiträge S. 117. Note 85 : 9,0b Haimon in der Tragödie (dem 
Satyrspiel, s. Franz, d. Didaskal. zu Aesch. Sept.) des Aisohylos 
Sphinx eine Bolle spielte, ist niciit bekannt«, und, setze ich hinzu, 
in unserem Falle auch ziemlich gleichgiltig , da ans den Worten des 
Soholiaiten: o^^els oSrej tptjai mgi tijf S<piyyos ^ (gegen welehe 
die früheren in demselben Scholion i^ixQovg nai ftsydkovg xatia^erj 
iy ols xat Jjfxoya %6y Kgttoytos gebrauchten Worte und dat zu Va. 
45. unbestimmt angeführte : äqnua&ijyai, d'vn'* dvt^c tpaaly Mfioy« 
n. s. w. kaum ein Gewicht hat,) klar zu sein scheint, dass Haimon 
bei Aischylos wenigstens nicht eine Rolle spielte, welche der in Rede 
stehenden des Epos änhlich war, abgesehen daron, dass sie in der, 
leitdem als Satyrspiel nachgewiesenen Sphinx vollends uaraögKch fH. 



- i* « 

§9Wmmlmßi^ «Iriselieii Haitton ima irnndiBicki tfiibaiiisdR» 
JfiMHiCW «u fifkeiiiiM, gich entscheklett licssei 

fib». .8. $e|iililJEeicheii.4edPactheii0pai4ifl bd 
Ai8chyio8,Sif^iPg^ Theben Sv Sil. £ 

n^cb eioe JHchter{|)aiitasi^ aber, wenHiiiifht auf wirklich 
yocbaiideaes Sehnliches , doc^ gewiss auf HOgUches hiji^ 
wwend. 

Hs fahrten nach Lactant m Si%i. Tbeb. VII. 349. 4i9 
XM^aper in historischer Zeit die Sphinx als Schildii^ifiheQi 
find, ebenso finden wir sie auf einer Vase in Oerhar^'a 
aaaerles. Y^s^hildem II. Taf. 95. 96. als Schildneichen iir 
Ifes^^el&n im Amazonenkanpf^ und auf. einer imder^ flkfißr 
das. HL Tal 173., sowie ahnlich auf ein^r in Inghirami'ß 
6a|eiia Omerica Vol. BL tv. 180. abgebildeten Cienvpe» 

Nro. 9. Am Thron des olympischen Zeus waren y^ 

" ■ ' . . . ■ ^ . 

Pheidias als Stfltaen der Armlehnen des Ilirones nach pß«h 
sf^ias V. 11. 8. gearbeitet nmtteg Qqßoim vno Sfiyyap ,^(fff 
naofävoi. , 

Die oniamentale Verwendung der Sphinxgestalt in gajp9 
^|n|icher Art, jedoch ohne den ,bestin|i||ten, ,e(|^rak;tfri8t|-- 
* ^chen Hinweis auf den thebanisi;hen Mythus , ii^t .häufig , in 
f^^jbaltei^n Kunstwerken ^). 

;<^ diese beiden aus älterer und aus bltthe^db^ Kunst* 
ndt, tterwrisch überlieferten Denl^maler schliessen wir voa 
deii eiiialjtenen zuerst an: ,^, 

Niror 10« Pas Terracottarelief ohne HintergruM 
awICenHQ (Tafel L Npo.^.X abgebildet bei Staekelbetig» 
Qljaliei- der üelleiien Tat j». % Von «jbreipgem (Stil und 



I .' 



a^ Yergl. Jaliii^ Aitch, ßeilrftge S. ,117. Kote 83., (»lApfk^ 

dep Bariiiier Mammp S. 16.,;. , — 4^ Yergl. 0,«. .Ii^hn 

1^ «• ,p. 8L 117.: Zw^ apdiire Rxfiaplire, im brit. J^üf^ ,«^wiilint P^n^ 

uo'fkftArek. Ztg. IV. 224." ' ...'^ *.*' ."J" . ,/ i,...;. ',,,,1 

Ov«rb««k, iMTOlNht QalMt. 2 



— M — 

Mttter MtdriMM Migt miB JlMHBdii« «llKetf^iMlfftliliMdl 
Jüng^g ^) in fcn Tataen itr nAtgroMSB Ri^nl^iM^liMKii 
Bphmx, welche ihre Beute nrit ernsleni BKek äiMühaiity ikronge- 
tra{(en oder gehoben. Die M#te^Sehöllheit^'des' Itfnglitf^ 
erlaubt uns vidleiebt fjbxr; ak bei den ftttgf^nden; feum Thdl 
ins Unbestifluate gehenden Gentmeniui'llalnion^M'^denken. 

Ausser ^fiesem ^bo Ast bedeu^aAcMi Ten^tfkf^ef fin- 
den sieh nur noch gesehtiittelie 6tdhe diäs'^gitotfütiiditsj 
welche aber durchgängige ^) 4it eine oder ^ie andere B e- 
waffnung des besiegten Thebaners zeigen. Diii^ Kdi 
Wafihung fiun sehen wir auf einer Reihe von Kunstwerken 
wiederkehren, welche einen Kampf mit der ' Sphinx! ' hk Vl^- 
schiedenen Stadien zeigen. 0t to Jahn weist 1ii''seittkiü 
airch&oL Beiträgen S. 116. f. für diese sämmtü^hen' HHfil^ 
werke den Namen Oidipus mit Bestimmtheit ab/ cMceÄlit'In 
Binen bhne AüsnabUl^ thdNinischc^ Jftng'linge ; i^i5illBfa^;tiä§ii 
unglfickliehen Waffenkampf g^egeii ^, nui^-dbreA^ äe ti6^ 
mag des Räthsels zu besiegende]' S$Uiiix'i(tlhre1tty^')li[6d be- 
schränkt den Namen Oidlpui^ aitf ^<^tiii^^ txmitweitke^ ' ÜÜ 
wdchett »vor der auf einem Felsen' ;* 'einer Säulk / bdetr 'd- 
nem Altar sitzenden Sphinx ein ruhig stehender, odel*"iti'(ih 
^hl sitzender Mann sich befindet / ' def dureli ' flUlttiÄ|: und 
Geberde mehr oder weniger deuilicli zu- erkiSnneii pliMf 
dass er das Räthsel zu errathen beschäftigt sei.^' *S. l^i. 
u. 118. „Oidipus^", ffigt er S. 115. -hlnzit;' ^^besUgt^'^ii 
Sph&lx ttieht im Kampfe, sondern dadnith, dasfl^er iHr Räth- 
tel löst, und dies ist der charakteristische Zug 'dfeit Sa^l^ 

Dies ist aUerdings für die gewöhhÜdie' 'astt^^* ''äÜt 
Idleratnr am häufigsten^ %iederiioIte ^radiäon siKK^ der 
eUl, wie mttnnlglioh bekannt' sein Mffd^ aber JakM'>MlieÜfl 

S) Bin ^hii'gmen^tnts Gewindftüek tehMiil rtte tiinetimiHi 
Behälter herabsogleiten ; fragmentirt ift »uch der rechte Arm and 
rfnÜ'dfe Beine de^ JAnglliigs,^ sd Wie äie F/flgel ddr Sjihiiit. ^' tfj Bs 
ttfüibglich; dai0 iich hievbn eine Auiriahihe flndksl i in dlfii läilUii 
g«n, «tt^-d^en Angaben 'Wir 'idc^Uffticii bJBi^hrUilLt' pitfn^; ät^liiehift 
nicht durchgehend» genug geachtet. ^ « ' ' '^ ii iu.i 



MähB*:nu< Bf van» eiaor andere TndilioB i flicil Jnilfiti^ 
ndi 4i«i6heK-die^ l^biia 4vid^ Oidip». Bttd i mul WjAii 
mlikam^ nuk ter; iie vmi ilni ütGeirftlt «mychmcihl whd» 
4e; : Die J^ttcCnideii Stttten suii Muerdiiigs timi^ Ml ii«jw 
rini kiiteiaer ßuangen^uni mmigm Ao^gahe Aer DarimJlM 
Iv in fiisilitt.des linyiAa#roa« |B> JiMpel^^^^^^ 
■■*«f ngiitciH» iPitd. fwdifeiite mM itükii^ Mfi^iCn niethtk 
«Aniiciiib iBetracfalMg^ in Brngtiaett. iDie Stoüenwsiiiift 
loriBM bei SdMk Bur.:Ph*(i^k ¥8« 26., asph* lOed. Tyd. 
liM (fläim), BüiiiL Phocn. 1619. (Sdhito.)ii Senecii.O^ 
1«^ VietidovCaUistäeiies L:46^(|f.-IA. ed..Jl«llQK>^ Mii** 
••dMri.FragB,<p. 91. (fiiebel^ vtr^. j^iMüiiiCMqi.ilyllk 
IX. 18. p. 1020.), Pawimiati 1¥. 2a ft, Siid«Si y^iOt^«! 
9i#vc r i Vsetm n^LinM^hl'. Camuid. ¥8;^:7.^. >Pa)aepkat. de 
|acftd^Capi7. -r^ Ua ^AUfOhriiiig ^m lUriaüa |aM$6V-<^'''^? 

in iAlMTiBlf)^ dais äfß^dptmQ^i^. Utr ia.Maiig atf die 4SfhiffK 
ia wtiMeaiAiiiiiefeMitot/ariff^^viAbade^ 
habe die» S|bimc durch üuiisaaf ihves fIUlhisehb«e2^1r«0an^ 
sidi deii;1W att gdkm;:aherfifla ouils ditsoolchi b^dcsMi^ 
and es steht uns frei, das Wort im engeren Sinno vj^dCMfiMf 
flol^'iwbfivijiiMjli idie Analoipavaüt ideMuTeaiiaalilhaniFuchse 
änr Gewicht in dUe Wa($achale wir& AehnUohiNii gitf ^vibi 
di» ängcfilhrtiaiStaliendtasftegiifier; Sephoides.sagt: i»<fi;« 
jpiiv ^0^'cra( »a fimfiüpmmxa nßQdimr. XQVßft^ i^^*^ 
taaa niAbeiäetaltiiilqidcaBiamalit alfalidicaeiiiff^^ 
KB.Tifvi<lea^hatiJMgaadaBir .dffirS«i^ov |vf4f^.744^( ,^ii# 
.Sp0^^ ^ daO^v amßmi 91 «a « (< tri« $« . Adfllfe SeiMQa!^ Aisdimok 
IMit «ichiiac ttasdiHesseii: ..41. iandiaaba^^H^tiam liM 
flcapMuB^ et:ipere«p^tae 8^phitigi4s haac nwooea dalMh 



Vau «derwdAp ^gsr kdne. Sf«»* <}iii» : ge w i l i iaMm >4tH» 
tmig ierSphioK duvdi Oiüpitt Hand vdrlftg^üar wirdeBiiiiil 
horaclitigt seift das ^iVfii^y cu^cv^ftTy^ fromftr iind^iiiMeiete 
imterea Samt ron der. duidi Qidir«i.' rerariasgtea Venoick^ 
taug dar Sphinx «nventehte^ 4a aher, wennaadiff ai^ daeli 
anFerwerfliohe , oben angiülirte Zeogniase füii eiat ifckv 
ändefte Tradltioii voiliegea, di» tat««der ihraai <<lhaid iil 

lacalem IH^ob oier^ki eiaer JNditerbeatbeitiiagr.]ia|:v" 
daaa wir diese ireilidi aadiwcisca kMaen, so^iad wir 
destens eben so sehr bereehtigl, die aagefiibrtea > Worte .<iai 
cigentliehea und engeren Sinne au verstehen, uaditt ümM 
eine finhere Spur einer spitter ' deutlicher hervurtreteaiden Br^ 
alddung au findea, nach welcher eben Oidipas gige»iidie 
S](A(ilix siegreidie Gewalt gebrauchte. 

Die spateren ZeugiHsse sind: /RsewlDiiCaUistbeneir a^auO* 
^if iSpiyym} OU/navg dv$rk' ; Siüda^ a. a. ;0^ if6fm99\ 
i . . . "kiyxj) i^nHQBt^ uvtfp^y f aetate dvUkBv^y hienit .sind 
die ausfihrlicherent Braalüangai bei >ihilachoresv yaasaniüg» 
Taatses aa rergleiehen , .nach deae» Qidqpas 4i0> Sflna^ mit 
Hilfe von GeOhrlen^ oder gar ant «inem ganacA flaer aa* 
racfcend, aber iauner nit offener Oewidt ^ befliegt: und veD4> 
aiehtet ^ was uodi in Palaiphates albemar Fasekl a« >a.M<K 
MuMlittgt 

Das Sesaltat diaste ZnsamsMisteüaiqp-.riUndi . Vergld^ 
ehungder Schiiltslellen ist nun idlerlinga niohtyiibss;^ wie 
es bd Miaervini a. a. 0. scheint^ «#ei g ici c h b ia qiehtigta 
und ebenbOrtige EiMhltmgsweiseii ftbes den Untergiiv ^ 
Sfhinz neben einaBder besteben oder bestanden haben^ waU 
aber, dass aasser der gewdhalichcn and fteltoaatcn Bni|hlua{g 
■och eine awdte Tradition vorhanden gewesen ült, derörfig«^ 
rai sich mit Wahrscheinliebkeit bis in ^. Tragiker^ |a lAea 
die Tragitor hinaus in die lyrische iMtaie, y<|rfolgen. laasea. 
Halten wir dieses fest, so werden wir nicht, mit Jahn, alle 
Denkaialer, weMhe ehea Waiffeiikampf dlanteHe», äaft die be- 
ittegftea oder au btöiegehaeii thebähisthei^ JiUiUAgb 'MMi^ 



^ II ^ 

Um Mi6ei>;^>64iia6iW vMien t^Vtr tiiseü Dedunildm tue- 
j^geäf in '«rilcbett die SpMnx im ciifi^hiedenea Uebeififei 
vlMity V^ttbdl und Sieg erseheint, von denen scheiden mtttf^ 
iksky in welelien dei'Käiipf entweder als ein nnenteehiedeneF 
«nch^t, oder oifent^lf den menscldiehen Kttmpfer in Vor^ 
tiieil unid Siegle «eigft Die ersteten werden wir an( die dn^ 
iNniteben JWgHng« und den Sl«$gt der Sphinx, die letMeretr 
änfOidipus ttiid seinen Walfö^kaiinpf äd Sieg begeben, inüi 
difit Freode werd<$n wir wahmeinnen, dnss die tiisttket die 
Tragödie hinMs^ üteradflMih Verfblgteif ' Spuren eini^ KanipfM 
Mi der Sphinx, und dnes WatfettsüßgeiT' über dieselbe sieh auch 
in den Monumenten der bildenden Kunst bis^ ifi gute nüA 
«^ginil^ Zeit ifcrfolg^n hsstä.' - 

> tt^r^i aber miääm wir in der Reihe j^nflr Denkmale^ 
fertiabren , Welche uns 1Ü von der Spllfiix besiegleH thebiP 
idM^ifla Jttngünge vergegenwärtigen. 
' IMta sdlblK^ Relief von Tenos steht mn nächsten : 

Nro. 11. Das Gemmenbild (TatLIfro^a) aus 0Ȋ^ 
iitemht^^it Qifin'^y^s Jupiter olympien PL Itr. Nro. 18. 
(f«r|^iS.«l.Ll Der riAli^ nackte, aber mit dem Schwerdt be^i) 
waihete Jtitfglidg ist nu Boden gestund und Aber ihm steM 
die» 'siegende Spl^ni^, die rechte Vorderpfote auf seilte Sehufi^ 
ter gelegt Nur matt yertheidigt er sich gegeil die Deber^ 
mächt diät" Vet^dlMberin, die j^öch nicht in wDderWudi ihn im 
Blbmente'der'Niifderlage^rreisst, sondern ein ernstes Wort 
an ihn zu richten scheint ; eine Mässigung, welche wir uo<$K 
■MiffäÜh ä# deil^Dinikiltftlem dieses Sibflbs finden, imd'durdi 
wdfjtif; |l)|ev^|tb|uqx sieb alB gottgesandtes Monstrum bekun- 
det ^) imd von: «einem Raubthier unterscheidet ^). Wiedenmi 
▼erwundt int:- 



8) Naeb Peino^ros beim^ehol. E^. Bhodo. 1748. war die Sphiax voii 
lieretflefanfh DaGhEiirip^Phoen.823.r.(Scba ti) vom Htds^^ rncli Seboli 
HmM. «p. d61.><vön Dionys^t, nscb Hypoih. Bo^i PiMieui von Ares. Vgli 
H»|^«e'^iu Aptllod. >p; 24S. >^^> Godgeiltodle'MOQfti« t6dtes> aber 
froMCD die Beute in der Regel ifiobt^ici die Arclitaoroffchlanfe oaddia; 



I$«^M^,;rriT<^nifNfi4Mes der Oal. «lyttM > V«f. I4%yjk^ 
6<Nk Vh fi^mwm^on ist iv^KMiderty itß^ JfIMigliBg jitfllW 
sich^ vifvflber;«^i9o4i^n^:#cdMl^i^aiiC-MiJe 8u in.tar 
B^ten: IMH 6r;ila».|$ishwerdt(^ Mk Uakea Aipi» haagt d«« 
Sckild»!, Die Spbiutiaitst ^ß^SgenchtH nel»^ ih|B, .«nd, linil«!» 
«ieilMi vit^ der .Unke« Ba|i4;>(dean avsnatfflfweise JialitW« 
iitf diesem Steine HUfttiichMfliie Am^ festhclt, deutet üieen^ 
mit der; reiAtQii Hapd auf üui^ UahHl iinAiTod kttadiKeiAi 
nit ttMieber, lUibe wie ja der vurbesg^beadcp Wimwer* -r: 
: V r Bewegter iit idiq Seene imd die Bimdlung der Syjhiiiiii 
gewid(9aoier in .--^ - . ^ 

Nro. 18. einer gelben^ntikeu Paste (T#Adrl. 
Kni.MA) 11 Berlin^ Tevgl».T«lk;en f^ertv igcpebo.* S^e G. 
IV4. Nro. 9)d. '">>. IHnr . behelmte Maglivg kt auf dl^Jtoie 
niedergestürzt und schei«t evmattet JupOT^lkw, ^^^ Spkwx 
springt; gtogien ibn i«, jmd ^ l^t die Vnrdeiirfieten-aiif seine 
SehoBer,, beieitilin^amYefreissefi« ^ 
. ': ' Nn>. . 14. Aebidieh s^chgwt die PantoHmig einer» «wei^ 
tea «atiken Pa0te<aieheNete}a) der SteMi'sehen Sbbmi-. 
hmg, in Win ekel mtian's Yevneiehiiisflf IILf86. am seiny 
auf der die £^nx einen NMitf, websbev ihr lUlIhsel niehl 
gdUtotrhal, niederwirft. 

1 Nre. 15. Hit beUM DaiatcUmgen eiWP^ 
Wesentlichen ein Stein in Ganlaens Pacty)ietbeea T. % 

1, . < Nro. 1«. Wt]KD9r4S* stimnt 4ie^BBbe tlbfi^ diePar«^ 

weiche Laokoon nnd seine l^dhue träten. Naeh einfgba UeberlieTeiriib- 
t^mliehie allerdlAgf die Sphtsz^hletoe eine AaMaliiaey MUitf Pit^ 
• androa a. a. 0., aber in der besten Poteie wird ipwei) .nir'fds^ 
Baaben und RaiTen (ägnaCur) als das CharalLteristische angefAhrt| wie 
beBeiCaehenlfniei/ emiboVV iO^.MIi dieacri^MeaMderSlOtfch'. 
gdiHr Saamluaf »oheinv diniin Wiatkelmnifii'siPiMrei: de Steaeb 
ni^/37. lieschriebeMi ideeiisith «n Nfaa, eher.« aU eine iwei^i kWn** 
da«. NfOü^e. enirftliaieb l^ie BeaehriibnngeB ainfl «n W^g eliavt^te^i 
rMasli^ Ui hierUber allen Zweifel la beieili|e»i. 



♦r; 



f.JJL Jfw. ß9i so TQlkUUldig! , üass nnr fie VencHiedenheit 
dMlllat!Bri|^B;4if AAnahUul derUeitititt yerUiidert ^0- 

ItU B^fiqfar^nlmilt ^ sagt, däUS; dio Sphinx • auf den Hinter. 
asfiea8teJ^iA^i«m^«adBtenfJ(lngling: an der Brust anfalle, 
wekiifsr mii:s^ltuai-mg^9gainä¥iMm Kmenllegn 

r^ Tim m etAnieQlfn^lavpelftW;DakiylieAek, 8. iMäH 
Tmiseiid p^S5. (Atie9.i v^I7W.)i Nraj M. ^Ver jSphiltx, Wie 
er einen mcMGheii aAfiUIt. VielkicM iat dte Mensdi, ien 
er. anflaUyt«ar CreMi^PEtBn.'Aenron'«! (Haimdi). DieaeV^r« 
■«tbung ifi^dnt wideriegt /^ntek tin^ nttlmre BAsdmibnav 
M Ta»ai.erRn«pe(€MalofMof gens p^Boa. Nro. 8S00) 
jitkei tiielbn Spbka ihmririiig « näked mani With n bearl 
qn iOie. i^round, swb^ failed in expiliiniiii; htt «ignli. U 
the ifiU ihcSre ie a larg e vase<^/ 

NriwJa fitoseh'siBhe Sch^^felpaateBeiTassie«* 
Raap« a. a^ i>, pk 506. Biro;8U7. Bie S^lu^ welebe di* 
«m Jlami'iuigrfiftrnHd ihn itt den Fluil» wirft'(t), ernn^ 
Iheidigl fich flut enei" ifeitte. ' 

NtOä i». M. Mi fibendas. Kro. 8Se6«^-«600: Ueifthn^ 
Kdbe VtfnldloBgiii. Dei^ Aiigc^friffene iat smimtd als < fee^ 
naAiet mage^Atä y eininU ate jung besRndinet 

( w !hii. 9S. fiinl( ainliobe VoratelhH^ ini kbmgl. niederi 
lAnd. Mttseinn. Ich habe den Catalog : de Jonge Notiee sur 
le cäbuiief des pi^ai^es^ et des pieires, griiv^es de rqi des 
pays.iJbiasy^iiffKfeUNt Sk 14]fv NrQ. Sl« dio Nuti« steht, nicht 
cinsdifeB kMnen .-^i^>L .-'^ <;..•.• i !'>. . . -.> 

klonte, 4>M Lipi^^rt eiM i^lbQ .Pff»lf fär ^ipeq Sjardor ». oder dagp 
T6 1 Ven einen paeder fflr eine ,a«lbe Paste eu hellen, im Stande. wÄre. 
Sollie aber .vielleicht die Pa^te modern und von dem.^tejne abgeformt 
aeiB? -p. iZ^ ^Q,tf q Jfi^^p bj9^i?|it aaf.un4fr0niStaCr fM»chiu j^ Q. $. t,t$^^ 
fiflff.rH^ ?H!V Siele i^K5ef:ii|9b|Jf^^^ TaUi^ <,wie aiiin Ansprnnge bar 
reil'fkane^de ,Sj;hin^.aH.r.e|pf^f y^^ bei Sttcfcelbor«, Griber dey 
Mlfin«;o,Tf^,,{j7. ,W^^ 4fil^ f infftgiip« , ^^^I|«r^[jWhaft gerechtfertigt^ 
fo wArde sie bei dem Mange^ jip^^)[a9enl^il4er^ dieses Stoffes sehrwichr 



.11 i»9iMte«Bildalfeibe, ia wAdlkr 4ttMpAät Im 
ffcUiafte. CdMßrfviwdleriii des tfaebuisebeii Jtttigloi§;s iifsclkiiii^ 
füge ich fliiii Ckmmenbildi bei/ welohes 4tti timft iMbl etii^ 
scUeden te ChiiiBtDn ifer SfldiiK ttUMchlttgieiiff^^^ 

. 1 Nro. n. <Tafel L Uro. 0. nach eiMtt OyygAbgufis <I«h^ 
jeM ia Berlin beiadlidie« Geimae gemchiurt) Mb Mill t tt 
lÜerrcis . gr air^es ioM; und Mob. ijmMI. IL 38»' in der Ghd.niylh* 
lar. S04. Die Auflkssmig dieses GenmenUldes ist bd t«f^ 
aolnedenett Oelebrten^ wekhe dasselbe besf recben; sellr vel^- 
schieden. ' Millin a. a. 0. erkennt OiApis In d^i MiuuMs 
^id siebt) demgnnllfli ^e SpWfaL , wllthend dartber , diess 
IMi^s ibr Mdisel gelöst hat/ aitf ihn geqlmn^en (lieser 
Eng int den Mythus aüerdings vÖBig trenNl) ; der Held aber 
hilt .ihr den SchiU entgegen, und holt aus j sie mit dem 
Sdiwerdte 2U tödten.^ 0. Jahn dagegen^ wdoher niehtaii 
einen Kätnpfi nwischen Otdipus und der Sfhinx glaubt, also 
dnenthebaniadienAingling erkennt y meint, Areh. Beitr. S. 
U&, ^wir sehen die SpHnx, „die mit ienein gewaltigen Satae 
auf einen Jüngling zuspringt, und sich an desseii welcgtiUL 
teiiik» Sdiild anklaaunert ; er aber, Von Bnt^etven er- 
gtiffen, scheint kaum nodi Kraft eu haben/ das Sdiwertt 
gegen sie 2U gebraadien^ '^). Meinier Ansicht nach ttüR 
keine dieser beiden Beschreibtngen den Charakter des Oem- 



*«.» 



lig gein ; aber bei den mancherlei Attitüden, welche dies^ hftofig allein 
dargestellte Sphinx stellend, kauernd, sitzend, liegend einnimmt, dflrfte 
auf den geringfügigen Uinstand, data die Spbinz in dem in Rede ste* 
henden Vasenbilde die eine Tatze erhebt, von Jabn m tivl fievillil'f «^ 
legt sein. — Ans der grossen Hasse der Sphinzbilder hier eine Reihe 
aniufikhrea dflrfte mflisig sein, fflr Gemmendarstellungen ivill ich nur 
heispieisweise auf Lippert Dactyl. IX. 9. S. 309. verweisen, wo 
llro. 617. eine Sphinx durch den Umstand dem thebanisclien Hyihna 
nfiher gebracht wird , dass sie einen Todtenkopf in den Klanen hAlt, 
\Ai dies noch auf einigen Gemmen, so Mus. Flotent 1. 94. 2.,' Passeri 
Tiies. genim. ästrif* tab. 138. und sonst der Fall Ist. — isy Ünbeatimmi 
sagt R «( t h ge b e t in iidnem artistischen llachtrti|f anm A^ ' »»Öedt- 
pu8<< iik der' HilT. Allg. Edcyclop. III. Ä. 396. Nöte 43. nur/ der J<bf- 
liDg'fflhre mit der Rechten das Sciiwerdt. 



BenMldes gaDs, dagefen jede denselben in einem Theile. 
IHe Erlahmung,, i^^r JBpt^clfEeQy. vddliß ^imh n »annimmt, kann 
in diesem httelist kräftigen und elastischen Ausschreiten des 
Jünglings nicht gefunden werden , eben so wenig aber das 
Millin'sche Ausholen mit dem Schwerdt, welches ihm viel- 
mehr aas der Halid Ai fiiBeli scheint; Der Stein ist tech- 
nisch gan» rortreflilich gearbeitet, und so kann es einigeiu 
■mssen anstössig erscheinen, wenn ich behaupte^ dass erin 
die grosse Reihe der nur halbwegs charakteristtchea Zeich« 
nungen geschnittener Steine gehllrt , weldie jeder scharfen 
Anlegung spotten. Dennoch aber isl dem so, wie das tchoi 
«US dem Angefülhrten herroitgf^t Uebrigen» glaiAe ich doch 
ehor dnen der besiegten Thebimer, als Oidl^us annehüien mä 
dürfen, fiüls man nicht auf die Binde (Tanie) ein Oewidit 
legen will« welche nach derZeichnang jlnf meiner Tafd'iee 
Jdnglittg imBaar tragt, und welche auf den anderen ange4 
fitiurten Zeichnungen fehlt Tänien drücken mehrfach Sieg 
«na; sollte dies auch hier der Fall sein, so müssten wir frei*« 
lieh Oidipns erkennen. 

Derii Faden der Begebenheit folgend mflssten wir jetst 
smiacbst die Kunstwerke betrachten, welche I^ai^ nndOidi^ 
pas Begegnung in der Scbiste und Laios Ihmordung >muä 
Gegenstande haben; wegen der Verwandtschaft des €egeii^ 
Standes mit den miletst betrachteten Bildwerken lassen wir 
jedoch aunädist die Denkmaler folgen , welche Oidipus und 
üe Sphinx darstellen , au denen uns nameuttich die srietat 
kesprochene Cremme hinüberleitet* 



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tim Mtondelp, fet) «o weit wir die Sfwlie «berhUAm 
lAm«pi^ die Sphiw niclit direeft i behandeU . wd fd«r<^eWt^ 
de( wordeR '^)^ vidnehr wurde dieselhe, oder Ijeiser m^^ 
ihr BeMg w Oidipvs und mneiD Schiitoii ik Dum odev 
AflJai» der ki den TragMien sich entwiekeliideii Handliuigeii 
yQKaoEigeaetBt« . Bedei&t maa nun die mächtige Inflhien0$ 
welche poetische Vorbildung fiberall auf die PlMtifc ausgettht 
hat^ 80 Mast sich abnehmen , wie TOVftddialtead «ad htm» 
pend der Mangel derselben für die Entwickehmg dnxelnet 
Gestalten in der bildenden Kunst wirken musste. 

Sudli^ ist auch noch in Ansehlag zu bringen^ das» in Hel^ 
las keine Kfinsitleischule bestand, von derdieAus-fJiadBiirchM 
bildung der Sphinx h&tte ausgehen können. Theben» falk 
Theben eine Veranlassung hatte, die verhasste S^inx dar*^ 
sustellen, wofOr die oben Seite 17. erwahirteii S^hildgeidhea 
der Thebaaer ein Beispiel liefern , hatte keine • eigene Mb*^ 
stttadige Kunstschule ; und Argos , Theben^ mythiadier PdoN 
diu, fehlte in seiner blähenden Kunstschule die Venmliufittungi^' 
sich am Sphinxideal zu versuchen. Wenn Imii das Teria«* 
cot;tarelief (oben S. 17) nidit einigeimassen dagegen zu 
sprechen sduene, könnte man annehmen, dass die UniwiekeU 
]|pig des . Sphinxideals erst der späteren Zeit angehört , we4 
nlfstens ist mir aus älterer Zeit Nichts bekimttt , wekbes 
pw der erwähnten Bronze an die Seite setzen könnte. 

Nach diesen Vorbemerkungen lassen wir die Knml- 
werke an uns vorübergehen. Einen Kampf und zwar ei- 
aeii unentschiedenen, durchaus nicht zu Gunsten der Sphinx 
ausfallenden, in welchem sich die mehrbesprochene Neben-c 
tradition des Mythus abspiegelt, sehen wir einigenmlie in 
nn verwerflichem Bildwerk dargestellt 

Nrö. 24. Voran erwähnen wirdiefraementirte Vase 

. ^1 . . . r • • . ,• ' 

f)iAm ^nien dAifte man dief noch von i Aiiefaylo» • erWfeilea, 
aber lA bin »dMliöch «fest üborzdtogl , d«M in g^Mieia sinfnfM J)i^^^ 
dM Ungetham di» Bretter nicht betrat. ' ' ' ^ 



a,>: 



— 4»^ — 

Witte Msbrellt: 0edi]i6 imberk , couvcrt 4'iuid «hlaiiyde, 
Mpled» diiiug^i die bottioes, affmö de imx jai^elol» et le 
fitase vejet^ detrilre Ito ^pMdee^ eombi^t aV'ec lä wäs^ 
nue c^nttei fe sphinx, ipd est aoeronpi dettnt lui« Ld^ 
pfttib' die ' dierait Ai monstre sent pos^ siir im tertre." ' 

• ' Bcnui ffdht Bieb als : 

' Hro. tf . Bill pompeianisekes Weadgemiliei 
vmt welcbefli uub B. W. Sehuls in den Annaleü des In^ 
stftats 1888. S^ 187. eise, leider nw kinse, Nacbridit bringt^ 
kl wddier jedoch ein Angriff des (Hdipus auf die S|pMnt 
angedeutet scheint. 8 chu In schreibt: Merkwürdig ist die 
Bantelong einer anderen Tafel ^ aof der Oidipns mit der 
Sphinx dargesteOC ist , welche sidi atf einer fiiille beSni- 
ä$$^> der HeU aber ^scheint derselben onbeUeidet gegenu 
ftber, mit dem Schwerdt in der Hlmd. Im^ flinlergmnde 
des GemUdes ist die Stadt Theben als Akropolis auf einem 
Berge dargestellt 

Diesen beMen Moomnenten, au denen vielleieht neeh^ 
Wie ^ dort erwfthnt, die letnte der im v'origen Abschnitt be^ 
sprochenen Gemmen anznschliessen ist, reiht' Minervini 
(Monmn. di Barone p« dt) noch digenigen friedlichen Dar- 
sCellmigen an , in welchen Oidipus bewafiiet ersehcAst ; ieh 
glaube aber mit Unrecht, indem d« Charakt^ diHr Baistel:. 
long das Entscheideqde bleiben muss , wahrend die Bewaff- 
nnng des Helden ein Accedens ist, welches sidi leicht daraus 
cfklkrt, dass er von der Wanderung ankommt 

tJihik) bestimmter dagegen fügen wir di^n Monumenten 
swei haheüm gleiche Gemmen bei, welche, nihr In Aeus- 
serllehkeiten verschieden, die entschiedenste Niedelrlage der 
Sphinx durch Oidipus Waffengewalt zeigen. 

Nro.20. Gelbe antike Paste archaischenStils 
hl Beifin; (Tafel L Nrp. 10. nach einem Gypsabgttss geaeich^ 

b)^iiaa JLiippMt s Dadiylietbeki Sonn, h tP..iI;rv Nso^ro.'^ 

Ö) Aoch abgebildet in MflUer't DenkmÜern d. «.^Kmol 




■ • • 

^ Die iherAus sablreichen Bili#eifce iUies IRefttidlluiu 
d«, welche üeHoiiptaasse der KnostweiftetMm Kveise dei^ 
Oidipodtg> aiistnadien , und welche raa Rathgeher 1» der 
BidL AUgi tkeydäfiUL H. 8*805. f. nit ugetKItliiiher Bete^ 
nxaig der fftriskisdien Montmieiite , and vi>Ibtklfedigef vdtt 
Jahn in tem arck Betragen S. 119. il IIS.; jedodi liiiJr 
Mt korseh Bencrfcoiigeiii begldtet, ragaiiiiiieiig«^Ilt sind, 
jfese Bildwerke mflssen , tmehden wir «ininai die Elfsieiui 
Mkier Tradition anerkannt bähen, nach der Oidiptt<di^ 
Sihinx im WafFeBkanff besiegte, in die Deilkmifl<«r isbusk 
KaoffeB «M Waffemieges des Laiossohniis ^d die inA 
grMsere Skhl derer getrennt weril^n, nrddie läiie friedH^ 
ehe Seene »d, der gewohnliebett Tmditien g^amiSy 'fisr einen 
geistigen Kampf und Sieg darstellen. 

Bbe wir die KooBtwetrke im Einzelnen betibehten , sei 
mfar ii#eh eine Bemerkung «her den allgemeiiiea: Chnirakter 
denelben gestattet. Rein einsiges der zahlreieheil^ grlechi« 
sehen Bildwerke dieses Stoffes drflckt den Bmist, dee Padie^ 
tBche «nd Furchtbare der Situation voOsiandig ans, kein 
^inechisdies Kunstwerk zeigt die Sphinx Oidipits g^genftbev 
als das ftirchtbare Vngethnm, welches schon so Viell^ in'« 
Verderben gestürzt hat, und welches Oidipus' beim VerMleA 
des Rathselsinnes augenblickliche Gefahr brächte. Nur die 
Reliefs der beiden unten zu besprechenden etruskischen Aschen- 
kisten zeigen die Sphinx in einer Gestalt, welche dem ge- 
genüberstehenden Oidipus verderblich werden kann, nur diese 
beiden Kunstwerke drücken das Unheimliche und Finstere 
derSceneaus. Während sich dies vollkommen aus dem düstem 
Sinn erklärt, der in so manchen etruskischen Werken herrscht, 
während die Lugubrität dieser Sphinxdarstellungen ihre Ana- 



— «» — 

ftr iak tenkMtiHiiia dfkrikter 4er güMshiilcheii Dttn^ 
Ma^in ntdit dben so Icidit di^ OMnde^ aDffllmii. Frbi'' 
Mdi war 4ie SpMiHt etn der gpriecMflcteti Mimtiisie «üd My<i 
llioliifie unsfiiiigflii^h dnrcliaiis fremdes Weseii^ der letote 
Oftnid f die fabelte Bedetttting^^ dieser nfoiistruM^lB Büdvugi^ 
Mieb dem Hellenen dttnkely wie sie iinii' dmiftel ist 0» das 
Ptarditkare der den Harj^yien im Raifen mid Rauben verwand^ 
ttm % jedefiAills imierlidiBt symboliselien iSphinx mag mfehr 
in ihren TbMeii\ in der WiriLun^/die sie äusabte/ ifdegeii 
haben mit empfanden worden sein, als ia ihrer Gestalt; 
die fiirditbare Handhmg, das WegraflTen , TMten, Zerreisstfii 
der Jfinglinge sahen wir in Kunstweifeen, welche die Spbiid 
kl enuier Sebönheit, fetn vom Sehreddiehen, daratdli^n. 
Aber mURdMid bleAt es immeifain, dass Mür in keinem BUd^ 
wtefc mmi Oidipasinythas dne recht groc«artige Sphini Iftrl^ 
biicfccn, da uns die wunderbar schöne Btenüe im Mus^ Bor-^ 
feM. XIL tr^XUL seigt, welch ein JSphiinddeal die Kunst M 
schnftn renaocfate ^). ' 

Wie viel fUr eine frthere Zeit dadurch ^erklärt #ird; 
dass die PoMe , wdche aller Wahrscheinlichkeit nach dfaF 
Sphinx alleui direkt dnfilhrte, folglich auch der nastli^ 
rar- vnd mMldete, dm» die Oidipodia ieä Kinmthon' id^ 
omls inr grossem Bufe und Ansdin geständen ml habc^ 
iiihiMit, lasse ich dahingestellt isein. Däis Factum aber steht 

- - ■■ • ■ ■ •* • ;•• f. ■ •■•• n 
i) JJeher Wes^n and Bedeutang der Sphinx isl Yielef gC9phrie-| 
ben, vergl. lacobi myüiol. Wörterbach a. d.W. Sphinx; Qaarjinta: 
li'fiiVola delia tSfinge tebant spiegata, NapoU 1828; ünger: thel>anft 
ftmänm p. 885^ ff., B. t. L »asau I x : Ueiier dIMi Sinn der OedipAMgd,' 
Warsbarg 1841 . R a t h g e b er , Hall. bicy^. III. H . S^ 349. U Wmfl 
das ursprünglich fremdartige Wesen der Spliinx nocb Weleke/, Ep. 
Cyci. II. S. 317., Thiriwall, History of Greece 1. 96. Vergl. be- 
•MdAraPaaolkA» TamcolteD ioTaf.6. — . i9> S^ J ab n, Arch. Beitr. 
fif. J^g. 9^»Si^ ^ «> Ptroll anticb. d'fircekn^ bebe ich aiflbl ofaik 
seben kennen. .,•'■'■'. ■'■,.:■ -..b 



■•'■'■F 



— « — 

«Sjiiiiix laM'tifter di»riselieii Sttote, loilg^ewtfliit^^'j^ 
Q t iif W9y ierwMtfügy b^ariiaopt imA iii ddi MänM 
gekleidet ist, welcher die reckte SchuKer Und den Afin frei 
IftBst; die iFiiiger dieser Hand sind gespreist 
Der . JM&glifig Ist «uf seinen Wnderstab gestützt^ mhl auf 
idr anderen Seite der Sphinx befindet sich eine äkiliche 
ISglir mit eirho treuem rechte-m Atm. Rv. «Aehi^* 
Hcb^ die Sphinx «Wisdien zwei Jünglingen «vr grade^^ 
aus dem ssui Rechten zugewandt, der weggehend sich wä 
ihr umkehrt, nnd den Wandentab oben fiisst , während der 
andere, hinter der S^^^^ 4ie Arme wie d^ciamirenil 
erhebt^ 

Diese Dantellmg scheint in die Reihe deij<Mig«il M 
gehören, in welchen sich Wenig oder Nichts von der «r- 
sprünglichen Stimmung dar mythischen Scene findet; Braun 
vindidrt Ihr eine palästrische Bedeutung, wobei er an die 
Sjdnne «anert, welche mehrfach auf Vasen enti^ieden 
palttstrischen Seenea beigefügt smd. Er findet einen weite« 
ren Anhalt dieser Erklärung in dem Umstände , dass die 
Vl^dniss, oder bestimmter der Felsen des (pt'xiop S^^g durch 
eine Säule ersetst sd , auf wdcher die Sphinx sitst Diese 
Säule, weldse «ich noch mehrfach wiederfaidet , hat durdi- 
gehends ein jonisches Ci^tell und nur hier ausnahmsweise 
ein dorisches. Die entschieden sepdlcrale Bedeutung des 
foniMien Capitells ^) hebt aber im Allgemrinen die An- 
nahme palästrischer Bedeutung dieser Sphinxsäde auf, and 
macht sie doch wohl auch hier stark proUematisdi. Wenn 
nun. hieduich V der mflnchener Stamnos wieder in nähere Be» 
9iduuig aum Mythus tritt , so ist zu bedenken, dass, obwohl 
die jugendlichen Maatelfiguren in der Regd als aussermy- 
thisch zu betrachten sind , dennoch eine Anwendung dersel- 
ben in wirklidi mythischer DarsteUang nicht unerhört ist. 
VielkMtt ist es bd der ähnlichen Wiedorbolnng derselben 



,i/tfJ^,V,er|l,..Q,^ fiAn, Arqh. Bfitiife S.^d^ flOte «0,^ 



.4 >• ii I 



flccne aaf beiden Seiten der Vaee rndfUch, der eiaea (dea 
Beyers), welche individoellere uod bewegtere Handtunf leigt^ 
eine dnreete mythische Deutvng au geben, und die andere als 
ein palastrisdh- symbolisches Ab- und Nachbild der mythi« 
sehen Scene au betrachten. 

Nro. 34. Kleiner Lekythos aus Lokri, weisser 
Grund mit schwaraer Zeichnung. Duc de Luynes IM- 
scriptian de ipielques vases peinis. (Par. 1840. FoL) Taf. 17. 
Die S^iiax sitat auf einem Wttifel , der sich auf drei Stu- 
fen erhebt, vor ihr steht baarhäuptig ein Jüngling ; beide se- 
hen sieh fest und klug an. Er trägt einen Schild, auf dem eine 
Schlange als Episema erscheint, und der den Oberkörper ziem- 
lich verdeckt, nur die Streifen des Pannen sind sichtbar; er 
hat Beinschienen, und hält in der Bechteu zwei Speere. 

Zahlreicher sind : 

b. die Vasen mit rotben Ilgureu , 

auf welchen Oidipus gewöhnlich jugendlicb , einmal bärtig, 
bald stehend, bald sitzend, in mehr oder weniger vollstän- 
digem Wandercostum, bald bewaffnet, bald unbewaffnet, oder 
nur mit dem Knotenstock, meistens allein, aber auch von 
einem oder mehren Gefährten begleitet , zweimal (Nro. 41. 
und 42.) in höchst interessanter, grösserer Umgebung darge« 
stellt ist, vor der, bald auf dem Felsen, bald auf einer joni- 
schen Säule stehenden, meistens aber gehockt sitzenden Sphinx« 
Den Beigen möge eröffnen 

Nro. SS. Die Vase (Tafel I. Nro. 16.) aus Tisch- 
bein's Vases d'Hamilton II. 30. Oidipus steht mit zurflckge- 
worfenem Petasos, in grosser Chlamys, aus welcher die Spitze 
seiner Schwerdtscheide hervorkommt, die Fasse mit Bie- 
mencotbumen bekleidet, die rechte Hand auf den Speer stützend, 
ruhig vor der auf dem Felsen hockenden, ernst und edel dar- 
gestellten Sphinx. Composition und Zeichnung beider Figu- 

7) Wieder abgebilüei bei Inghirami, Vsit fitlili h 50. 



rai vcfdien« Lob vor mandiea HonoiMitai dfefiei Ckfoft- 
sUindes. 

Nro. 86. Nolanisehe Pelike (Tafel D. Nro. 1.) 
Oerhard: Berlins antike BiUwerke Nro. 86a ^ Bis- 
her unedirt Die Composiüon dieses BiMes ist der des eben 
betrachteten nahe verwandt , aber die Darstellnng verdient 
in Auffassung und Zeichnung vor der hamiltonischen Vase 
den Vorzug. Oidij^usi mit den Speersdiafty im Wandereostnm, 
steht in ernster Baltung vor der auf dem f^uiotf Spo^ hockenden 
Sphinx, welche den Kopf eigenthOmlich gesenkt hUt, gleich als 
wollte sie Oidipus fest auf ihr haftendem Blicke auswacken. 

Nro. 37. Amphora, Panofka, Mmie BlacasTaf.18., 
S. 98. ff. (Rv.^'Odysseus und Leukothea) Oidipus jugendlicb, 
baarhaupt, in leichter Chlamys, und mit Riemencothnmen, mit 
zwei Speeren, die er in der Rechten etwas erhebt und einem 
Schwerdt bewaffiiet, welches er unter dem linken Arm hält, 
steht ruhig vor der auf dem Felsen hockenden Sphinx, wel- 
che ein schmales Band im Ilaare hat 

Nro. 38. Schlanke zweihenklige Hydria von 
Nola bei de Witte Catal. Durand Nro. 364. Einerseits 
die Sphinx gehockt auf einer Art Capitell, andrerseits 
schreitet Oedipus bekleidet (drapiS), im Haar eine Binde, die 
rechte Hand ausstredLcnd gegen die Sphinx heran. 

Nro. 39. K ylix (Tafel I. Nro. 12.) im Museum Gre- 
f orianum des Vatican's. Mus. Greg. II. 80. 1. b* Oidipus 
(OIJinOJES), bartig, ohne alt zu sein, in der Chlamys, 
mit Petasos und Reisecotbumen , den Kuotenstock in der 
Hand , sitzt , die Beine über einander geschlagen , die linke 
Hand unter das Kinn gestützt, mit etwas geöffnetem Munde 
und aufinerksam emporgewendetem Blid^ auf einem Felsstttdk 
vor der Sphinx, welche, ein Diadem im Haare, auf der Plinthc 
eines jonischen Capitells gehockt sitzt. Wenn schon der bei« 

8J Vergl. Levezow, Verieichniss der Vasen n. t. w. unter 
den. Nommer andPaBofka Maa. Bartold. 0« 117. L 



■^'' wW ^"^ 

yegcfcriehe>e Nane iei^ OMifw iateregsut bt, so ist dies 
■och in viel höherem Orade eine inveile (rflckläiiiige) Bei- 
schrift IflTIA^ vom Miuide der Sphinx ausgehend^ welche 
der Herausgeber des Mus. Greg, als einen Theil des Rftthsels 
betrachtet, und KAX TRinovr ergänzt Ich glaube dass wir 
ihm darin beistimmen müssen. Die Darstellnng ist ernst und 
wOrdig f jedoch durchaus nicht grossartig und hat einen un- 
rerkennbaren Anflug von Naivetat 

Nro. 4(k Amphora aus Volci, jeist in Petersburg, 
von eigenthttmlicher Zeichnung, die auf etruskische Fabrik 
hinweist, bd Mi cali Monumenti inediti ad illustrazione della 
storia degli antichi popoli Italiani ; (Firenze 1844.) Taf. 40. Die 
Sphinx legt hier ihre Tatae auf das Knie eines vor ihr 
auf einem Schilde sitzenden , bartigen , völlig unbeklddeteB 
IHannes, weldier, auf einen Stab gestützt, das Gesicht vou 
ihr abwendet. Auf der Kehrseite sehen wir einen jungen 
Mann, der, nrttckweichend mit einem Schwerdt einen Streich 
auf einen, gegen seinen Schild die Tatze setzenden Greif führt 

Otto Jahn schliesst a. a. 0. S. 114. u. 16. auch dies 
Bild ans der Reihe der Oidipusdarstellungen ans, und meint, 
dass grade das Gcgenbild die Bedeutung der Gruppe des Aver* 
ses als der eines thebanischen Jünglings mit der Sphinx noch 
besonders klar mache. Ich muss auch in diesem Falle von 
der Meinung meines verehrten Freundes abweichen, denn es 
sdieint mir klar, dass in jener Gruppe der Kehrseite so we- 
nig ein Sieg jenes Greifs über den Jüngling angedeutet ist 
(und dies wäre ja die einzige, für das Aversbild etwa be- 
stiflunende Analogie), dass man ebensowohl in demselben den 
siegreichen Erfolg auf Seiten des griechischen Helden anneh* 
nien kann. Ist dem aber so, so ist ein Beweis mehr für 
Oidipus auf dem Avers geliefert, in welchem ebenfalls der 
Sieg eines griechischen Helden . über ein fremdes Monstrum 
ausgesprochen liegt, nuir hier ein Sieg durch geistige 
Kraft, dort ein solcher durch Gewalt d» Waffe. Aber auch 
FW diesem Gegeid^ilde wd seiner Aiuilogie ganz abzu- 



r 



sehen ^ ist selirat unter derjenigen BiMerrdiie> in wüAef 
Jahn die thebanischen Jttnglinge erliennt, kein einnges, 
welches auch nur entfernt diese Ruhe in der menschlichen 
Person zeigte , welche in dem in Rede stehenden Bildwerke, 
wie in vielen , ja den meisten Oidipusdarstellnngen als cha- 
rakteristisches Moment hervortritt. 

In den bisher betrachteten Vasen fi'eien iStiles war Oidi- 
pns allein vor der Sphinx dargestellt, in den folgenden er- 
weitert sich die Figurenzahl (wie oben in den archaischen 
Vasenbildern Nro. 82. u. 33.) ^ und zwar zunächst durch 
Hinzutritt eines Gefährten des Oidipus. Dies ist der Fall in : 

Nro. 41. einer schlanken Amphora mit Hen- 
keln in Dr. Braun's Besitz (Taf. 1. Nro. 13.) und von 
ihm beschrieben in den Annalen IX. S. 214., bisher aber 
unedirt. Oidipus jugendlich, und in leichtes Wandercostum 
gekleidet, jedoch ohne die mehrfach erwähnten Riemenco-* 
thume den Petasos auf dem Haupte, in der Rechten zwei lange 
Speere haltend, sitzt der Sphinx gegenüber, welche diesmal 
auf allen Vieren aufrecht auf dem berühmten Felsen steht. 
Nahe hinter Oidipus steht ein zweiter , bis auf ein um den 
linken Arm gewickeltes Chlamydion völlig unbekleideter 
Jfingling, der einen Speerschaft ohne Spitze hält. 

Sehr richtig sagt Braun in Betreff des Ausdruckes in 
Oidipus Haltung : „mit offenherziger Neugier httrt der Sohn des 
Laios dem Vortrage zu, den ihm das räthselvolle Wesen hält ; 
Nichts erinnert an den blutigen Conllict, der in anderen 
Darstellungen zwischen beiden Personen statt- 
findet^ u. 8. w. Dieser Ausdruck offenherziger Neugier ist 
nalfv, ja fast komisch dargestellt, und dies Vasenbild ist 
recht geeignet, um zu zeigen, wie wenig finster die griechi- 
chische Kunst die Begebenheit auffasste, selbst da , wo nicht 
etwa, wie in der unten zu besprechenden Vase, eine komische 
pot^tisdie Basis angenommen werden darf. 

Stärker erweitert sich die Scene in 

Nro. 42.^ einer Kylix bei (Dnbois) Notice d-wie 



- a* — 

coUeetien de vases aotiqnes, provenant des fouilles en Btru- 
rie faitea par le prince de Canino, Nro. 189. (Aussenbild.) Die 
Sphinx, auf einer Siule bockend, streckt die Tatse gegen ei« 
neu mit abgewandlem Gesicht vor ihr sitzenden Jflngling 
aus, wahrend dn Gefährte eilig entflieht, andrerseits aber 
ein Mann auf seinen Stab gestützt dasitzt Die Rttckseite 
zeigt vier Mttnner, welche von Schrecken ergriffen sind. 
Jahn meint a. a. 0, S. 114., es zeige sich in diesem Va- 
sengemälde deutlich, dass nicht sowohl Oidipus vor der Sphinx 
dargestellt sei, als thebanische Jünglinge, mit der Lösung des 
Bftthsels vergeblich beschäftigt; und zwar sei die Handlung 
schon einen Schrift weiter zum verderblichen Ausgang fort- 
geschritten , der Angriff der Sphinx verbreite Entsetzen un- 
ter den Umstehenden , und treibe sie in die Flucht Ich 
muss wiederum aus mehren Gründen dieser Ansicht ent- 
gegen sein. Vor Allem wäre, wie schon oben bei ähnli- 
cher Veranlassung erinnert ist, eine so ruhige Haltung, 
wie sie in den beiden sitzenden Figuren sich darstellt , für 
tbebanisebe Jünglinge in dieser Situation so durchaus un- 
passend, dass ich mich nimmer ohne bündigen Beweis, wie 
ihn etwa Beischrifteii liefern würden , entschliessen möchte, 
hier Thebaner zu sehen. Dass hier mehre Personen anwe- 
send sind , darf uns nicht stören , da wir mehrfach Oidipus 
auch in Darstellungen, die J ah n anerkennt, von einem Oefthr- 
tea (oben Nro. 41.) oder von mehren (oben Nro. 32. 89.) begleitet 
oder von noch mehren Personen umgeben sehen (unten Nro. 
43. Taf.LNro. 14. vergl. Nro. 4 1. Taf. II. Nro. 8.). Dass diese 
bei dem zweifelhaften Kampfe, den Oidipus gegen das U&- 
gelhüm zu bestehen hat, gelegentlich ersclireckt erscheinen, 
ist nicht allein nicht störend , sondern ein ganz vortrefflich 
passender Zug, der für lebendige Auffassung des Mythus 
spricht Aber auch auf Seiten der Sphinx ist durch jenes 
Vollstrecken der Tatze ein Angriff keineswegs entschieden 
ansgedridLt , ja dies Erheben der Tatze ist viel einfacher 
ab ein declamatorischer Gest, mit welchem die fa/Atpwvi 



naQ9ivoi ihre Rede begleitet^ m erklären, denn ak dasZd- 
eben drohender Oewalttbfttigkeit Auch auf dem unten (Nro. 
51.) anzufahrende)! WandgemUde aus dem Grabe der Naao- 
nen erhebt die Sphinx deutend den rechten j hier (wie auf 
der Gemme oben Nro. 12.) menschlich gestalteten Arm, und 
Aehnliches findet auf der ebenfalls ansuffihrenden etruski- 
schen Spiegelxeichnung (Nro. 71.) statt, welche als Anale- 
gon nicht gansi za versclimahen ist. 

Erweiterte sich in dem eben betrachteten Vasenbilde die 
Scene durch eine zahlreichere Umgebung, in der wir jedoch 
nur Begleiter des Oidipus erkennen können, oder etwa The« 
baner , welche Kreon hinausgesandt hat , um Zeugen des in 
seinen Folgen fBr Oidipus und Theben so widitigen Kampfes 
m sein, so sehen wir im folgenden Vasengemälde diese zahl- 
reichere Umgebung aus sehr viel interessanteren, bedeutungs« 
vollen Personen bestehen. 

Nro. 43. Grosse Hydria von Anzi in der Ba- 
silicata, im Besitze des Kunsthändlers Barone zu Nea- 
pel (Tafel L Nro. 14.), herausgegeben von M i nervi n i, Mo- 
numenti posseduti del Barone ; Napoli 1860. Tf. X., S. 44. AT. 

Auf einer jonischen Säule sitzt in der Mitte des Bildes 
gehockt die Sphinx in gewöhnlicher Crestalt, im Haar ein klei- 
nes Zacken - oder Strahlendiadem 9), umgeben von vier ste* 
henden und einer sitzenden ligur. Zunächst vor und hinter 
der Säule steht ein bärtiger, auf einen Stab gestützter Manny 
von welchen der vor der Säule stdiende den linken Arm 
dedamirend eriiebt, während der andere mit der rechten 
Hand an die linke Schulter greift Zwischen diesen beiden 
Bärtigen sitzt auf einem Klappstuhl neben der Säule, und 



9) Miuervini Mgt t.s.O. S. 44. etwas Abertreibend „um oq- 
rona nidiala", woran er !■ der Note 3. weitere Combi nationen der 
Sphini mit dem Blonde gcbliesst. Aber eine corona radiata ist nicht 
dargestellt, and das Diadem, welches wir sehen, hat wahrscheinlich 
nicht io tiefe symbolisebe Bedentnng. Zin Diadem, wenngldeh keia 
geMcktes oder »icaUigcs, hatdielSphini auch in an»ef«rlfro.d9«isiHaar. 



neil TM ihr verdeckt, dn dritter, etaiMk auf elDen Stock 
geslfltxty dessen Haupt mit einem eng ansdiliessenden Helme (?) 
bedeckt ist ; mit grosser AnAaerksamkeit blickt er snir Sphinx 
empor and sciieint er dem Verlauf der Begebenheit su fol- 
gen. Links, am Ende des Bildes steht ein bekränzter Jttng- 
fing, ebenfalls auf einen Stab gestfltat, die Linke surBeglei- 
fnng der Rede eikoben , rechts, ihm gegenttber sehen wir eine 
weibliche *^) halb verschleierte flgur wiederum mit einem 
Stabe, weldie die rechte Hand nm Kinn erhebt 

Von diesen fQnf Figuren erklärt sich am leiditesten der 
links stehende Jfingling. Wir sehen in ihm Oidipns , wel- 
chem der Stab als Wanderer zukommt ^0» ^^^ dessen Be- 
faHnznng, gemäss einer in der griechischen Kunst nicht sel- 
tenen Proleprfs, auf seinen Sieg über die Sphinx gedeutet 
werden kann. Demnächst möchte der sitzende Mann am ein- 
fachsten seine Erklärung finden, wenn wir ihn, mit Miner- 
yitti, Kreon benennen, dem als KOnig von Theben deraus- 
zdcbnende Sitz zusteht Ohne sonderliche Sdiwierigkeit las- 
sen neh femer die beiden Bärägeu als Bftrger Thebens und 

iO) Dies encheint auf den ersten Blick sweifelhafL Es 
mnfs Jedem anffkllen eine Frao in dieser, nur ans dem Epibiema 
oluie findyma bestehenden Kleidung zu sehen , welche die eino 
Seite des Oberkörpers bis unter die Brust und den linken Arm yoII- 
kommen nackt Iftsst. Geschähe die Enthflllung der Brust nun wenig- 
stens noch so, dass wir an ihr das Geschlecht unzweifelhaft erken- 
nen könnten, so möchten wir uns dieselbe gefallen lassen, leider 
aber bedeckt der erhobene linke Arm wieder den grössten Theil 
des IVaekten. Dennoch scheint die Ansaere Linie der linken Bmal 
so geschwungen, dass sie eher einen weiblichen Busen als eine 
minnliche Brust andeutet; die Haartracht, welche sich von der aller 
flbrigen Personen unterscheidet, kommt hinzu, um den Eindruck einer 
weiblichen Person au yerstArken , und endlich scheint die halbe Ver- 
schleionuig den Ausschlag zu geben, welche gelegentlich freilich auch 
bei MAnnem vorkommt, aber hier diese Person von allen flbrigen «n- 
terseheidet. — ii) Minervini S.46. erkennt in dem Stab noch fsr- 
Mr efaie Anspielung anf Oidipns Lafcmbdt, was ieh um so meht fflr 
problematifleh hait^, ab alle Personen Stöcke haben , so dass selbst 
die Beziehung auf Oidipns Wandeischait zweifelhaft wird. 



— i^ — 

Begleiter Kreons bebraehten , und so UeiU nur noch Mt 
fünfte, rechts stehende Figur zu erklären ttbrig. 

Erkennen wir in ihr, nach Eingestttudniss der Zweifel, 
eine Frau, so bleibt uns, um ihr einen Namen 2u geben 
kaumeine Wahl mehr; die einzige Frau, deren Anwesenlieii 
aus dem ganzen Zusammenhange des Mythus hier motivirt 
erscheint, die ausserdem zu dem bereits anerkannten Kreon 
passt, ist Jak aste. Und diese nehme ich, mit Miner- 
V i n i S. 47. an, wenngleich ich» um den Stab in ihrer Hand zu 
erklären, nicht die Analogie des Vasenbildes in den Monumen- 
ten des Instituts II. 18. anftihren kann, in welchem We Icke r 
(in den Annalen 1837. S. 897. ff.) eine Scene aus der Oidi- 
pusfabel, den geblendet aus dem Palast tretenden Oidipus, 
und unter den Anwesenden auch Jokaste erkennt, welche 
den Stab hält, da ich dieser Erklärung die von Ottfried 
Maller in den Annalen Bd. VII. S. 282. aufgestellte, nacli 
welcher Polymestor und Hdcabe zu erkennen sind, entschie- 
den vorziehe '^). Aber auch wenn ich diese Stütze der Ana- 
logie entbehre, kann mich der Stab in Jokaste's Hand nicht 
in Verlegenheit bringen, da, selbst wenn wir nicht darauf 
zurückgehen wollen, dass eben alle Personen des Bildes 
Stäbe haben, uns wenigstens bei Aristophanes Ran. 1103. 
(rgavv eytj^sv äv viog) eine Spur erhalten ist, dass Joka- 
ste's Alter, welches sonst im Mythus tibergangen wird, ir- 
gendwo ausdrücklich hervorgehoben war. Dass aber der 
Greisin der Stab gebühre, dafür kann ich jetzt die Hekabe 
des eben erwälmten Vasenbildes anführen, welche ebenfalls 
den Stab hält ^0- 

Ich habe dies Vasenbild an den Schluss derjenigen gestellt, in 

i») leb halte die«e Mflller'scheErklarang fflr eine derglfldi- 
lichflUn and treffendsten, die jemals aufgestellt worden sind, nnd er* 
kenne in diesem Vasenbild eine der unzweifelhaftesten und sprechend- 
sten Dantellnngen einer Tragödieaieene , und swar derjenigen der en« 
ripideischen Hekabe. ^ 13) loh bin im Wesentlichen Minerrinl'a 
sinniger Erklärung gefolgt, welche su Tergleichea ist. 



— 41 — 

W^ked ich üreeten Besmg n ttmiet Polisie anndüie/ 4aif es 
aber nidil verschweigeD, dass ich eine poetische Tradition oder 
nur die leiseste Spar einer solchen, welche diese Personen «n 
Oidipus versammelte y als er das RUthsel der Sphinx Uste, 
uicbi nachweisen kann, ja nicht einmal mit voller Ueber- 
zeugung voraussetzen mag. Für die Anwesenheit einer gros« 
sereii Zahl tbebanischer Bürger bei der Ratbselllteung , wie 
wir sie schon oben inNro.32.y 38., 42. gesehen haben, giebt 
es allerdings unverwerfliche, literarische Zeugnisse, welche 
idi absichtlieh bis zu dem jetzt zu betrachtenden Vasenbilde 
anzuführen verschoben habe. Es ist immerhin möglich, dass 
die Vereinigung aller Personen , welche der Begebenheit am 
nächsten standen, um Oidipus: der äiebanischen Bürger ab 
Vertreter der unter der Sphinx leidenden Stadt, Kreous als 
dessen, welcher das Königthum und Jokaste's Hand als Preis 
der Befreiung Thebens von seiner Quftlerin aussetzte, und 
JdLaste's, welche mit ihrem siegreichen Sohne demnächst zu 
fluchwürdiger Ehe verbanden werden soll, es ist, sage ich 
möglich, dass diese Vereinigung eine sinnvolle Idee des 
Künstlers ist, entweder des Künstlers unserer Vase oder euies 
grössere», von dem er abhängig ist Dass aber eine solche 
Version des Mythus auch von einem Dichter erfianden sein 
kann , mügte ich keineswegs in Abrede stellen. 

Musste ich bei der Besprechung dieses Vasenbildes Man- 
ches in der Schwebe lassen, so hoffe ich in der des folgen^ 
den Alles an's Ende führen zu können. 

Nro. 48. Grosse Vase bei Tischbein Vasesd'Ha- 
■ilton III. 34. (Tafel II. Nro. 2.) Diese Vase repräsentirt 
eine nicht streng auf den Mytiius bezügliche, vielmehr sym- 
bolische Darstellungsweise der Begebenheit ; ddch werden wir 
dies schrittweise nachzuweisen haben. 

Die Scene der Begegnung der Sphinx mit Oidipus ist 
hier durch drei Epheben und einen epheubekränzten, bärti- 
gen Mann em^eitert, welche nebst Oidipus samt und son- 
ders mit der Lösung des Rüthsels beschäftigt sind. 




^ 4S — 

Die Hanptgnippe in der MUte bildet der sItMide iMdi- 
pnSy ein JOnglinf^ in leicliter Tracht, mit dnen langen Stabe, 
der mit aufmerksamer Miene aufblickt m der epheubekrttnsi« 
ten Sphinx, welche , auf einem in der Zeichnung nidit aua* 
gedrflekten , erhöhten Gegenstände hockend , mit der verde« 
ren Pfote sein Knie berührt, und ihn ernsten Blickes an« 
schaut« An diese Mittelgruppe scfaliessen sich links hinter 
dem sitzenden Jüngling zwei Epheben in ebenfalls leichter 
Tracht, von denen einer das Haupt, wie (Hdipus, mit der 
böotischen hw^ (unrichtig sagt Braun Ann. IX. 214k ^un 
frigio pileo^) bedeckt hat , der andere epbeubeiurttBst ist. 
Beide stellen durch ihre Geberden und Handbewegungen spre« 
chend die Gesten dessen dar, dem eine Frage, wdeher er 
nachhangt, klar zu werden beginnt. Andererseits sehoi wir 
hinter der Sphinx einen ähnlichen Epheben mit der Kyne, 
in der Haltung ruhigen Nachdenkens und jenen, bereits er- 
wähnten älteren Manu mit der Geberde vergeblichen und 
etwas ungeduldigen Suchens nach der Deutung desRäthsels. 
Von der Stimmung der mythischen Scene ist hier keine Spur, 
vielmehr ist eine offenbar heitere Laune über die in ihrem 
verschiedenen Ausdruck vortrefflich charakterisirten Mitglieder 
dieser seltsamen Gesellschaft ausgegossen. 

Dieser eigentfaümliche Geist des Bildwerks hat versdiie- 
dene Erklärungen hervorgerufen, mit deren keiner ich jedoch 
übereinstimmen kann. Emil Braun lässt sich in den An- 
naien a. a. 0. folgendermassen vernehmen : die Erzählung 
ist bekannt , nach welcher Oidipus nicht durch die Kraft sei- 
nes Verstandes, sondern mdir durch einen Zufall in de» 
dialektischen Kampfe siegte, den er mit der Sphinx hatte, 
indem er, mit dem Finger auf sich weisend, die Sphinx glan* 
ben machte, er habe das Räthsel errathen >^). Als Analo- 
gie führt Braun das unten zu besprechende Wandgemälde 
an (Nro. 51.) , in welchem ich jedoch nicht sowohl ein Wel- 

14J Gleichsam durch ein ourof 6 dy^Q. Vergl. i. B. Schol. 
Eur. Fhoea. M). 



— 4» - 

0ea auf sich selbst y als den Gdst des Nachdeakens bei <Mdi» 
fm eriLemie. Aber aucb abgesehen hievon^ erklart, wie mir 
seheint y B rann's AusfBhmng die Eigenthflmlichkeit unseres 
Bildes in keinem Theile, denn weder die gemüthlich heitere 
Stiaunnng noch die aaldreiche Umgebung wird von dersel* 
ben beiflhrt 

Für die letztere hat Otto Jahn a. a. 0. S. 114. ein 
MoÜv gefbnden in einer Stelle des Scboliasten zu Eurip. 
Phoen. 45., welche durch Apollodor 111. 6. 8. ^^) bestätigt 
wird. Diese Stelle besagt: jiffnXTjntaitj^ Si Xiyu rovc 6/7- 

TÖ Svaa/nyfin • • • • 6n6r$ Si iiif avvioitp dgnd^tip 
avt^p omyo av tßv noXtrdSv ßovXivxo. Wenn hiedurch 
allerdings die grdssere Gesellschaft motivirt ist, so bleibt 
doch dasjenige, was das Bild von allen anderen, in welchen 
eben&Us mehre Personen erscheinen , als Hauptcharakterls« 
mas unterscheidet, so bleibt die Stmunung der Comporition 
vOlBg unerklärt. Denn wahrlich die zu angstvoller Bern- 
Amng «Bsanmengedrangte Ekklesie ist etwas Anderes als 
diese heitere Gesellschaft 

Diese Stimmung des Bildes berfldksichtigt eine dritte 
Biklarung, welche Rathgeber in der HalL allg. Ency« 
dop. HL II. S. 896. aufstellt Er sagt : „ein anderes Va- 
sengemalde zeigt eine Scene irgend eines verloren gegange- 
nen Drama^s, worin das Ereigniss zum Behufe dionysischer 
PtetKchkeit einer grossgriechischen Stadt etwas in's Komi* 
sehe gezogen war. Die Sphinx selbst trägt bacchische Kopf- 
tracht und ein Strophion ^^). Vier Jünglinge mit Jagdhel- 

iS) Entfernter anch durch Pseodo-Callisthenes I. 46. ngöatay/uitt 
MQ^Ofdttovaa Sfiftmtait näa%y. Apollodor sagt Ton den Thebanorn: 
mU 0vr*6intf iig wNo nolXdxtf iCirovy %i %o lBy6fi€r6y iürt ». r. 1. 
-~ 1€) Als Belog fflr baccliifclie BehandloDg derSpbinz fflbrt Rath«* 
gab er daa gleich an betraehtende Vai engemilde deeMna. Borbon. au« 
fierhard'a md Panofka'a »eapeli antiken Bildwerken 1. 8. 267. 
flia. 1473. an. Uieher kann man auch den Krater rechnen, den 




- 44 - 

man (?) und Stäben scheinen mit der Spblox , welche sie 
vielleicht unerwartet auf der Jagd >0 trafen, Scherz n 
treiben. Ein JAngling trägt bacchische Kopftracht , ein an- 
derer scheint nicht sonderlich fest auf den Füssen zu ste« 
hen '^). Hinten steht noch ein mit Epheu bekränzter Mann, 
der vielleicht ein Priester des Dionysos ist> — Es scheint 
mir, selbst hei allen bacchischen Besagen der Sphinx im All- 
gemeinen und in unserem Gemälde insbesondere, bedenklich, 
zttdeissen Erklärung irgend eine Scene irgend eines Drama's an- 
zunehmen, von dem uns auch nicht die leiseste Spur erhal- 
ten ist. Mit Hilfe solcher Annahmen kann man freilich Alles 
auf beliebige Art erklären, nur fehlt leider jedes Fundament. 
Diese Bedenklichkeiten scheint denn auch Rathgeber em- 
pfunden zu haben, als er neben den erwähnten Erklärungs- 
versuch einen zweiten stellte, welcher sich grttndet auf eine 
nittteressante Stelle des Philochoros, welche Natalis 
Com es Myth. IX« 18. p. ICKSO. in einem wahrscheinlich 
noch nicht edirten Schriftsteller fand^ ^^), und welche lau- 
tet : Philochorus in libro De Sacrificiis : Minervae consilio edo- 
ctum Oedipum inquit societate rapinae simulata se 
ad Sphingem contulisse, atque, novis semper sociis Oedipo sc 
addentibus, denique illam cum magna suorum manu oppres- 
sisse. Aber aucli durch diese Stelle, weiche in der Hauptsache 
mit den bereits oben angeführten fibereinstimmt, ist nicht Viel 

Braa'D Anaali IX. S. 274. f. bespricht und den OUo Jahn in sei- 
nen arcb. Beiirfigen Tf. V. VI. hat abbilden lasBen. Die Sphinx ist 
iiier von zwei Satyrn umgeben, von welchen der eine die Kithar spielt. 
Während der andere tanzt. Vgl. Arch. Ztg. 184S. S. 287. — IT) Dies 
bangt mit Rathgeber 's Erklärung der Sphinx als Sinnbild der Jagd 
znsamnien, welche man in der allg. Encyclop^ IlL IL S. 394. nach- 
Leaen wolle. — ±8) Seltsamer Irrthum! Der Jangling kniet offen- 
bar auf einer ErderhOhung , welche eben so wenig wie der Sita der 
Sphinx aosgedrJickt ist. — i.9) Sie bei Philochori Atheniensis llbro- 
mm fragmenta cet. p. 91. sagt cu den ans N. C. entnommenen Wor« 
ten : in quo autem Graeco acriplore abditom latent hoe ipanm Philo« 
choii fragneatniu y si suis est, dos quidem aondom potuimus invenire. 



- 4» -* 

flr die Erklännig unseres Vasenbildes gewonnen , es sei 
denn ein neues Motiv für die zahlreichere Umgebung des 
Oidipus, denn jene societas rapinae simulata, als Vorberei- 
tung einer Gewaltthätigkeit, stellt die Handlung und die Stim- 
mung unserer Vase nicht dar ^^). Und dann ist auch dies 
dne so abgelegene^ vereinzelte, ja dem Mythus und der Na- 
tur da* Sphinx so wenig entsprechende Version , dass ich 
nicht glaube, sie stamme aus lebendiger griechischer Poesie^ 
von der wir denn doch immer zuerst und am meisten In- 
fluenz auf die Kunst annehmen müssen, während schwerlich 
irgendwo eine sichere Spur von jener, vor noch nicht gar 
langer Zeit so stark betonten ^Gelehrsamkeit^ der Künstler 
vorhanden ist, .sofern diese Gelehrsamkeit nicht 
aus lebendiger Religion und Podsie floss. 

Wenn nun alle diese Erklärungen, welche das Bild als 
auf rein mythischem Boden stehend auffassen , nicht recht 
genügen, und bald diesen, bald jenen Charäkterismus des 
Ausdrucks und der Handlung verfehlen , so muss ich eine 
andere Erkiflningsart versuchen, welche mir, angesichts des 
Gemäldes, grosse Wahrscheinlichkeit zu haben scheint, ich 
erkenne keine mythische , sondern eine auf den Mythus, und 
zwar die von Jahn angezogene Version desselben gegrün- 
dete, symbolische, den Mythus benutzende Darstellung. Räth- 
sel aufgeben und Räthsel rathen hat im Alterthum einen 
grossen und bedeutenden Reiz gehabt, wie das schon die 
mythischen Vorbilder zeigen ^*), und so glaube ich denn, 
dass hier eine Gesellschaft von Jünglingen dargestellt ist, 

20) Soll die simalata societas in unserem Vasenbiid darin be^ 
ttchea , dass die M&nner sich , die Sphinx um die Zeil zu betrügen, 
nil ihr aof ihre Liebiingsbeschfiftigung , das RflthsellÖsen einlassen, so 
ist das eine kleinlich scherzende und spielende Benutzung oder Ver- 
drehung des Mythus, die schwerlich aus einer anderen Quelle, „als aus 
irgend einer nicht vorhandenen Scene eines unbekannten Drama's'< her- 
stammen kann , an die ich aber nicht eher glauben mag , bis sie mir 
faoz anders belegt wird. ~ 21) Vergl. Welcher, Ep. Oycl. II. S. 
317. Note 10. 



N 



— 4i — 

welche skb mit Rätbgelqiiekn belustigen j und welche , um 
diesen Ausdruck klar 2u machen, vielleicht um die Scharf- 
sinnigkeit ihrer Beschäftigung darzustellen, anstatt in ge- 
wöhnlichem Costum , in dem des berühmten Räthselldsers und 
setner Genossen gemalt sind, während das Rathsdaufgeben 
sich in der classischen R&thselauf geberin , der Sphinx, per- 
sonificirt Nicht Oidipus selbst und die geängsteten Theba- 
ner stehen vor uns , nicht die blutgierige , hadesgesandte 
Verderberin Sphinx, sondern Jttnglinge in der Bolle jener, 
und die PeisoniCcation ihrer Beschäftigung, die sich in ih- 
ren Gesten wieder ausspricht und abspiegelt Hiedurch ist 
sowohl die grössere Gesellschaft, im Anschluss an den My- 
thus, als auch das theils heroische, theils fröhlich bacchische 
Costum , als endlich die Launigkeit und die heitere S^mmung 
der ganzen Composition erklart. 

Auss» diesen Bildwerken bleiben uns noch zwei Vasenge- 
mälde zu betrachten, welche, jedes in seiner Art, so manches 
Eigenthfimliche darbieten, dass ich sie an denSchluss dieser 
Reihe verweisen zu müssen glaube. Das erstere derselben ist : 
Nro. 45., das Gemttlde eines apulischen Kraters 
(Tafel IL Nro. 3.) besprochen und abgebildet im Mus. Bor- 
bon. XII. tv. 9.; neuerdings in Wieseler's Theateralter- 
thttmem Taf. VL Nro. 10., vgl. S. 47. f. ; früher erwähnt in 
Gerhard's und Panofka's Neapels ant Bildwerken p. 
967. Nro. 1473. Der Revers hat Mantelfiguren. 

Dies Bildwerk brachte uns die erste Spur satyresker 
Behandlung dieses Theiles des Oidipusmythus, wie dies schon 
früher Jahn anerkannt hat ^^), seitdem ist durch Franz: 
Die Didaskalie zu Aeschylus Sieben, Berl. 1848. der früher 
auf eine Tragödie bezogene, aischyleische Titel: 2yiVS^^) 

22) An ein Satyrdrama als Qaelle des Bildwerks denkt Jahn, 
Arch. Aufs. S. 144. Note 50. , an eine parodische Darstellang in den 
arcb. Beitragen S. 120. Note 92. — 23) Yergl. Weicker, Aeschyl. 
Triiogie S. 358. und Griech, Tragg. 1. S. 29. , und siehe Hall. Lit. Ztg. 
1848. Nro. 193. S. 385. ff. 



als der eines rar Qidipiistrilogie gehörigen Satyrspieles nach- 
gewiesen, wodurch unser Bildwerk nicht allein ein neues 
Interesse, sondern auch eine festere Basis erhalten hat, selbst 
wenn wir von einer directen ZurttdLfiihrung desselben auf 
Aischylos abstehen, was doch wohl vor der Hand gerathen 
sein dürfte. Wenn aber dieser Theil der Oidipussage von 
AisdiyloB satyresk behandelt worden ist, kann das noch mehr- 
faeh geschdien sein, und ein Satyrspiel im Allgemeinen als 
Grundlage und Quelle unseres Bildes ist durdiaus gerecht- 
fertigt 

Vor der Sphinx welche in einer von der gewohnten in 
geringen Kuuielheiten abweichenden Gestalt ^^) auf dem Fei* 
sen sitBt, steht diesmal nicht die Jttnglingsgestalt (Hdipus, 
sondern m alter langbttrtiger und kahlscheiteliger Süen oder 
Silenopappos, den bdkftnderten Thyrsns in der Linken, einen 
Vogel in der geOflneten Rechten zn der Sphinx emporhebend, 
bekleidet mit geringen Gewandstflcken, welche aber dem 
Costum anderer Theatersilene entsprechen ^^), eine Binde im 
Haar, Schübe an den Fassen. Oberhalb des Silen's der mit 
komisehem Ausdruck zur Sphinx hinaufschaut, ist eine um 
einen Bpheuzwelg gesddungene Tänie aufgehängt, vom Fusse 
des Felsen, auf dem die Sphinx sitzt, springt gegen ihn eine 
Schlange mit vorgestreckter Zunge empor ^% 

24) sie hat ein Perl eodiadem im Haar, ihre Flflgel nnd Vor- 
derbeioe sind, wie der Fei«, auf welchem sie hoekt, mit kleinen Krei* 
aea bedeckt, welche aich anf den nackten TheÜen der ihr geg enfther- 
^atebeuden Fignr wiederholen. ~ 96) Yergl. Wieaelor a. a. 0. S. 
48. Sp. 2. Ans Ifeap. ant. Bildw. a. a. 0. bemerke ich, da» der Alte 
weiaahaarig und weissbärtig, und dass seine Bekleidung, ausser dem 
Pamtherfell, welches dem OberkfVrper eng anliegt, roth gemalt ist. — 
a6) Nach einer Angabe TOlken's in den Vert. geschn. Steinen II« 
liO. soll an dem Fosse des Felsens, auf welchem in dieser gelben an» 
tikao Faste (nnten Nro. 53.) die Sphinx silLt , eine Schlange aich bo- 
finden. Anf dem mir vorliegenden Gypsabguss jedoch vermag ich, so 
lieb mir die Analogie wftre , selbst mit starker Vergrösserung, in dem 
naregelmflasig halbkreisförmigen Körper am Fosa des Felseof bei dem 
bopleu Willen keine Schlange au erkennen. 




Die Erklärung diesem Bildwerks bat ihre Schwierigkei- 
ten , uameuilich ist die Antwort auf die Frage , in wiefern 
dasselbe parodiscb sei^ recht scharf zu fassen. Jahn, wel- 
cher eine parodische Darstellung annimmt, sagt in den arcb. 
AuCss. a. a* 0. «Seilenopappos steht, ein zweiter Oidi- 
pus, vor der Sphinx, und hält ihr, wie zur Besänfti- 
gung einen Vogel hin.^ Wieseler stimmt a. a. 0, hienut 
im Wesentlichen ttberein, beide halten den Silenopappos 4Qr 
dnen travestirten oder parodirten Oidipus, einen Oidipusdilen, 
während Panofka , welcher ebenfalls die Darstellung als 
Parodie betrachtet ^^), ^n eine solche des Teiresias und sei- 
ner Verbindung mit dem Orakel der Sphinx denkt ^^. Diese 
letztere, schon der Composition des Bildes nach, höchst ent- 
fernt liegende Deutung halte ich mit Wiesel er a. a. 0. 
S. 4i für durchaus verfehlt; aber auch die Jahn-Wiese- 
I e r'sche bedarf zum Mindesten eines schärferen Ausdruckes. 
Im fgäfia aaivQixop wurden nämlich, so weit wir zu urtei* 
len vermögen, die Hauptpersonen mit Satyrn und Silenen 
umgeben ^'), dass jedoch jemals die Hauptpersonen 
selbst im Satyrcostum aufgetreten wären, halte ich 
für unglaublich. Es könnte aber leicht scheinen , dass dies 
im vorliegenden Falle die Meinung der beiden genannten Ge- 
lehrten ist, und dieser wttrden wir entgegen treten müssen. 
Eher halte ich eine Wendung der Art für möglich: dass, 
nachdem der wirkliche Oidipus das Räthsel der Sphinx viel- 
leicht auf irgend eine heitere Weise gelöst hatte, der Vater 
und Chorführer der Sat>Tn nun auf seine Weise parodisch 
nachahmend, nicht aber als ein zweiter Oidipus, sich eben- 
falls an der Sphinx versuchen will. Zu belegen vermag ich 

27) Arcb. Zeitung 1848. S. 288. — 28) Panofka meiDl, 
der Vogel in der Hand charaktcrisire den angeblichen Teiresiassilen 
als dgyi^oaxonog, auspez, als Himmelszeichenkandigen , worin ihm 
schwerlich Jemand beistimmen kann. — 29) So ist es im einzigen 
erhaltenen Salyrdrama, dem enripideischen Kyklops. Vergl. Wefcker 
im rCachlrag zur Trilogie S. 325. ff. besonders S. 328. und die S. 326. 
angeführten Schriften. 



— öl» — 

.ikttft ^Micbt iMilftf^ viAt, «ker m Adtadtahes aehflint schon 
QnatABt» gedidii m.h^bem, wetnor is Miii. BMiwn. 
•,a,0.8«3» ichmM: yiAhac aiisiatt ies Oidi|rii8 ataht ddr 
l^hiiix ein fiikfl fegenakor, weleher seiMneite rioe Probe 
flwcr HithMkiiafll geben und einen VeiM»b mit te S|Jiiw 
wagen will. Und e» flcbent, daos er ihr anfgegeben haM, 
an «nMhen, w^kher Art der Vngd sei, den er Ihr in der 
foehten Band dmveichl, wUche er geachlofoen hatte, obl eir 
todt iMior lehnidig Ml, and dass^ natob einer inriehtig^n Ant- 
weart, er.8le,aadacht> indem er den V<^el ak Indt neigt, 
da ja^ obgInMi er die Hand YOlUg geOfiwt hat, derselbe 
ittdit iMbi^ davoailiegL' Man inadgentehen artsiBen, dass diese 
SckUMsg die Aandlnng nnd Sitnniung des lildes ziendieh 
gtHren uMeffiebt V olnifi#U jene Unricdinmg des Veriialtnis- 
nos im Anfgeben aüd Lasen desBaihseltf sehr bedenUioh er- 
seheinen nmss. lieber: fie Sehlange sobweigt Quaranta; 
Jahn gesldikt in den aecb.BeiMgen S; S9i- Note 34., dass 
ihm dieselbe nicbt klar sei, und idi madie dassdbe Oeständ* 
nisa , denn ich kann eben so wenig mit der in Neapers ant. 
tüimedUB a^a. O. an^asteUen Brfclairung einrerstanden aein^ 
nach welcher difi Solang» «llescbütnarin der Orakel und vüd^ 
leldit inBemig utfl^aterien^ aufinifassenseiy alsich glaube, 
dass Wieseler daa ftiehlige tfift, wenn er, anknipfend an 
die viOn JaJin angenommen^ Ilaiiaichmig des Vogels an die 
Spkinn »V; BeMnffigng (oder wie Wieseler binnufiagt 
»mn ihr dadmeb eine Llebeseridanmg na machen^ (?», an* 
nimmt, die Scbluige sei «als Symbol den UnheUs nnd Ver- 
derbens'' an £usen , i^dnreh welche der Kflnstler den ttbebi 
A^Swg (?) der Beayihaägen des SUeto angedentet habe^. 
Ich meine, iie Sphhx sei selbst gtnng Symbol des Unheils 
nnd Verderbens, um ein zweites neben sich entbehren zu kön- 
mm, und dann ist auch dieser ganze Zug viel zu ernst und 
inster für mn Satyrspiel oder eine parodische Darstellung. 

;Aann anderer Art ist das zweite der bisher unerwähnt 
gelassenen Vasengemälde dieses KteiseH: 

OTfftbffCk, bcrolMkff Oftllcri«. 4 



— <«• — 

molili deU' iMtitnto U. *6.^) , iQr desR« Irklttttttg^ vm 
Jabiift. o. 0. vicMig befliertLl, di« Vergldehiiiiy eUii» gajkU 
vJBarWandten mul mi demdbeii (Me feftnideMB Einten uit- 
lODgftfiglkh ist, der in Jahn's areb» Beitragen T«r.S.«.flEk- 
UUet ist Aar dieicm Krater iei eineneits Bellef#pheii dar- 
f estellty weldier vom Pegaaos hetab die Giiaiaka fliegreidi 
bekimpft y im Beiseiii einer weiblicben Rgiir , in weleher 
Jabn rioktig die Oitsgttttin etkeani, md eines blater dem 
Helden sitaenden Üngfings, wdü eines Begldteni deaml- 
ben. Die Kehrseite neigt iob die bodcende BpUnx van el- 
nem leionspidenden und einem ianaenden Salym umgeben. 
Diesen beiden BUdem muideibav entsprechend stken mit 
auf unserem Krater dnerseits das befaranate Bmstiklld eines 
JttngUngs in einem StraMettkvsna«, vor dem steh Salym ak 
l^rseits iU'S Oebüseh flilcliten ; andemaeits aber hockt die 
Sphinx, das Haupt- von einem Aräldennimbus «mgeben ; vor 
ihr entfernt sieh ein bis ahf die FaUbekkldung nackter 
Jüngling» tie CUamya über den Aim gssrarfeav ndt eiligen 
Schritten, indem er im der vorgestreckt Rechten «inen Stein 
erheb«; hinler ihr steht . ein Jüngling dtft Chlamys und an- 
rttofcgeworfetieni Hut, dns Hanpt ibekittnM, dieMasemit 
meaicngcfcahcn heUeidot, gdassen ansehend. 

Vorti^flioh akM Ja>hii S. HO. dtePardlele beider 
Oeftsset „ffier die Satyn fliehend rar der Sonnenscheibe ^% 
dort bdiaglich spicfand mid tanneid neben dmr Sphinx; dort 
ein HeiM mit straUeubckranatem Hnapte die Ghimaini be^ 
aiegeiid, hier ein Jüngling voll Schrecken entfliehend vor 
der strahlMbeiuränateA Sphfaix, ein vülUger G^ensafa der 
Daiatelluagen, der si^ bis i'ns Detail verfolgen laast* 

SO) Besprochen von £. Brann, Annali X. p. 266. ff.; WeU 
bker, Annali XIV. p.210.ff. Panqfka, Terracoten S. 21. 0, Jahn, 
Arch. Beitrage. 5. 118. ff. *- Si) Dennf als solohe wird d4f idhilr^ 
iMlbj^krinaie Bcaitbild steh mischen v^a Braun ä. «. 0«'Sl%efahr- 
ten Analogion aofsafassen.iiein. ; , 






4cf Symnetm^tr ^^i^iMiPf M^ Q^fMe.die heile« ^lir«eir 
ten sieb, imd «war ia «iuev Umkdinaig tofijiuiM eatq^ret 
ches, elNWd die Mdea Meeren jddi jODteffacbea miteseii^ d«ei 
abo, weil die IMitvpg md Belleroihw unsn^eifclhAft ist» 
ofTeibar die JDfanieUiH^ der ^ttugliiigr mit der l^inx ebm- 
faUs der hoBoisehen Slj^el^gie wgebdre. Vad wein aw 
eehÜMdich Jabaags dicpen Ortaden Panofka hmAntitf 
wekkar a. a. 0. die tbebaniäcbe 8fbiax bier ei^iwt» 69 
mum avcb i^ neioe Zwtiwwang eridttreii, obwcibl icb e» 
flttt Jaba Hiebt filr aufgonacbt baHea Maa, dass im llie^ 
beadea Jilpigttag Vaipap« dier daas im ndiig sti^b^ideii^ be* 
kriaatea OiidiiHi» au erfceaaeii i»t. 

Es ist aber trota dem , wie nur scbeiat , aoeh akbt 
gtwm^ jda«# die% aierkwOrdiie Vasrnbäd gwa aaf dem my- 
tbischea Bo^ea steb^ , aar d«a Itty tbag voa Oidifoa aad der 
Sjluax daisteQe, obae da^a die IfalffrbedeataDg der fi^fihiax» 
die Braaa als Moiid afüMt» !wekher dea aächtiigeii 
Waaderer eischredu) (?X Welcker ab die S^nae beti^ach-* 
tet, iteea Tbeil ai| der Composiluwt d^ Bildes habe» Warnas 
es skb recbtfertigen wird» da9B idi glaabte» dasselbe an das 
Bade aiaiaerOidifiisbildiN: voi| Vasepi st^Uea m müssen. 
Qea Vas^agemälden ist zunächst anaipschliiissea : 
Nro« 47*9 ein l^rater mit Eeliefs» aius Hrn» Gar* 
giaWs Vorratf^pi, in BerUn (Taf. IIL Vif^ 1.) »'X.WuBber 
naedirt» besproeb^ ron Q c^irh.ar'd in Beslins Mtikfn l^ldwert 
kca Nr«.l$M|7. |a w^apg^fbtai Figuren apif ^Qb<Ml«m> n<»r 
laai^cbem Fiipiss zeigt mm das Avei«bUd Oidipus» Mit Jii- 
geadtieh , , fast kpabcbl^aft: gebUd^;» mit .|Sf«ef and ^cbUd 

3ß) Die he'iden ersten Tafeln (zur Oidlpodia) waren bereiU ge- 
ieichnet nnd im Druck, als mir durch Hrn. Pro F. Gerhardts Gfile noch 
Aea in eeiner Art eisBige (irgl. Arch. Ztg. f84S. S. 203. Note 20.)» 
isterearnnte loedttnm in genauester, GQpie des Originales anging, weU 
cktt fsokiriglich, der ersten Jsfel sv ^hehaif^ eiazufOfen ich iiii.e)i..|Or 
TerpAichtet achle., , ,- 



«MV ^^ ^mm 

«flld SehweiA bewiflhiet, den Petasitt fttrflckfewoiffii vor 
der auf iem Pelsen sitKftden Sphiius sehr ruhig: , ja hk 
regHDfslos stehend ; hinter der Sphinx steht ein etwas äK^ 
rer, bis avf den am Arme hang^enden runden SdiM waffen- 
loser Gefthrte, welcher, iHe Hand auf den Feken g'esMIffl, 
sich zu der Sphinx etwas herflberbevgt , als wolle er kein 
Wort des merkwürdigen Zwiegespräches der beiden Haupte 
personen vertieren. Eine etgenthOmlich beicere od^ ^eM^Ä" 
liehe Stimmnng spricht aus dem. Übrigens liielit iin Mindesten 
konüffchen Bildwerke, welches, obwohl von guter Aifbdt, den^ 
noch schon deutlieh die Formen undTeriiältnisse eiüer spate» 
ren Kunstepoche neigt Aufdem Revers ist Vheseus im Kampfe' 
gegen Minotauros im Beisein einer nicht gann sieber zu be- 
stimmenden Frau dargestellt. 

Auf die griechischen lassen wir jetit die grösseren r9-^ 
misiAien Kunstwerii:e folgen. Doch versiegt hier der reich- 
lieh iiessende Strom sehr merklieh, und ich kann nur sw^i 
Reliefe in Stein, ein Thonrelief und, ausser dem bereits 
oben (Nro. 85) besprochenen Wandgemälde, ebenfdb ein 
jiweites dergleichen anfilhren. Künde Über unedirte Reliefe 
und Wandgemälde dieses Stoffes ist mir nicht zugekommen. 
Die beiden erwähnten Steinreliefe sind folgende: 
Nro. 46. Relief auf einem römischen Sar- 
kophag in Villa Mattei, Mher schlecht abgebildet in den 
Monwnenfa Matleiana Ol. 9. 1., neuerdings in coirecter'Beich* 
nung in R. Rochette's Mon. iiuid. pl. 7. , vergl. p. 4fC. 
mrter d«B Zusatsen. Dos Bild beindet sich in einer von 
aiwei Genien getragenen Guirlande , die Hälfte des Sarko* 
phag^s einnehmend '^. Oidipus, jugendlich und völlig nackt 
dargestellt, wird von einem mit Chiton und Chlamys bekleide- 
ten Oefilhrten, der in der Linken zwei Speere halt, zur Sphinx 
gefBhrt, welche mit geflagdtem Löwenkttrper, die linke 

83) Die andere Hftirte wird durch eine gleiche Gnirlande fe- 
schmfickt, innerhalb deren das Liebeiabentenr de« Kyklopen Polyphe- 
mos mll Galateia auf eigenUiflmliche Arl dargealellt iit ' 



-- « - 

VoHtftatse wie AMiMüreiMl elsb^bfn, dab HM^t dieatraliseh 
ta» ZvsdMMier sfugtweniti^ auf einer Ankphe sitst. 

Uro«. 40. Relief an einem der Pfeiler auf der Um« 
fasfiWigMHHier des Grabes des Calveutius Qabtu6 in Pom- 
pqi (Tafel H. Nro. d.), abgebUdet in Millin's IMacription 
des toBikean de Fottpeii tab. V. Nro. 6. und grösser ond ge* 
maer in Donalds on'a Pompeii im Abschnitt ttber das ge. 
nannte CNrabmahl, sowifs in Manois Antiqinitfe de PMip^ii 
L M. OidipHs, jiigenfilidi y und bis auf die um de» linkc^it 
Ann, in weldiem er einen Speer trägt, flatternde Chlamya 
nnknUeidet , schreitet, indem er den Zeig^ger der rechten 
Hand gegen die $tif n im Gest des Nadisinnens , nicht etwa 
anf sich deutend, eriiebt, auf die Sphinx nu, welche, bcr 
krftnnt und geflflgelt mit erhobener, rechter Vorderpfote auf 
dsm Felsen sUnt. AmFusse dieses Felsens liegen mehre lici* 
chea (diese sind auf der kleinen 2eidinung bei Mi 11 in nicb| 
angegeben), von welchen eine sehr deotlich ist, wahrend 
eine nweite, anscMnend im Panzer, und der K^^f einer drit-? 
tcn nleht gan^sso kbur an erkennen ist. Es ist dies derein- 
sige Fall, wo die Opfer der Sphinx auf diese entschiedene' 
Art dargestellt sind, und dennoch bat £e Sphinx selbst nichts 
Imposantes oder gar Furchtbares. 

qieran rmht sich: 

Nro. SO., das Relief einer ThoiilAmpe, in 
Pnsseri Lucernae fictiks U. 104. Die Sphinx sitet anf 
dem stark aberhangenden, aus horizontalen ScMchtiingen be- 
stehenden, wie Mi^uerwerk aussehenden Felsen in recht un- 
bedeutender Gestalt. Oidipus, vtfllig nackt, lehnt vor ihr, das 
Unn anf fit lißnd gestt^zt, in sehr hefuemcr SteUniig mit 
dem linken i^i^n auf eine Saide oder einen schlanken Pfei- 
ler mit einem der dorischen Ordnung sich nähernden Capi- 
tell, und scheint eben im Gespi[)U;h mit der Sphinx begrif- 
fen am sein. Ob der Pfeiler eine Stele, etwa auf dem ge- 
meinsamen Ißrab der Usliorigen Opier der Sphinx andeuten 
sM , mag ich nidit entscheiden. 



- ftl — 

Diesen nMisdieii, plaittisclMn AtMikn mMUmtft sich 
Nro. 51. Das Wandgemälde «vs dett Cträti^ 
der Nasonen (faf. il. Nro. 5.) 9 am bequemsten an, ab- 
geb. bei Bar toll eBellori, Sepolcr^ deiNasonil7, und da« 
nach wiederholt als Titelblatt des Heyne'schen ApoUodor ^y. 
Dies Gemälde bat mancherlei Besonderheiten. Oidipns , jü-* 
gendlicb, bis auf die Chlamys nackt, in der Linken einen 
langen Stab, oder eine hwnsse haltend, steht, begleitet voii 
einem bärtigen Crefllh^ten in römischer Krieg^rtracht, der eiii 
Pferd am Zügel hält, vor der Sphinx, die auf einem «Iberl 
hängenden Felsvorsprung in einer von allen übrigen Dar- 
(Stellungen abweichenden Ckstalt sitfet Der gan^e Oberkl^r- 
per nämlich bis nahe über die Hüften ist rein meihsehltdl 
gebiMet , auch hockt die Sphinx YiicM, wie in den gewOhn«» 
li<iheii, mehr thierischen BUdungen, sondern sif«t mehir^ auf- 
recht , die linke Hand auf den Felsen gesfüti^t , die rechte, 
auf (Hdipus deutend, erhoben. JMeser hat einen Finger der 
rechten Hand an den halb geüftieten Mnnd gelegt, und sein 
Ausdruck ist sprechend der eines Menschen, welcher sich auf 
Etwas besinnt, oder dem just ein gesuchter Gedanke kommt, 
keineswegs aber, und noch viel weniger als in dem Relief 
Nro. 49. weist hier Oidipus auf sich selbst 

Ausser den erwähnten Besonderheiten führt nun noch 
Winckelmann a. a. O. Folgendes an: y,\n dem oberen 
Theil dieses Gemäldes, und wie in der Feme , wo dasselbe 
am meisten gelitten hat, eikenhet man noch einen Menschen 
mit einem Esel, welchen Bartoli als etwas nicht 
zn der Sache Gehöriges weggelassen hat; und 
dieser Esel ist hier das Gelehrteste (!), denn Oedipus lud den 
Sphinx, nachdem derselbe sich vom Felsen gesttfrst hatte, 
aW einen Esel , und brachte also nach Theben den Beweis 
von der Auflösung des Räthsels; so wenigstens berichtet 

My Vw|l. noch Wiickolmaan «^ d. K. WU. iU« |.t^, Uw 



TMäatä b!A hfiofkxf. fJ^ SeUMM, wImb diite Nolia Graia 
hat^ dass dieser abgelegene und kleinliche Zusatz liTgeadeU 
natTwmMAm des Mytfaw sich kildlieh^ wenn auch nur in 
äwer rimisdlM Aih^, dirgisIdK findet! 

ZiieMish.mhlreicfc ist der fiegeastand auf gesohnit^ 
tcM* Stflinte^ dargestellt, rm welehea ich, ohne Voll- 
ständigkeit anaustreben, hier eine kleine Reibe aubah- 
len Win* 

Nro. M. Sairdonyx, Winckelmann, Cte6cha.8teiue 
d<r S t • s iA'schm ' Samnli lü. 1. 40. (in T as s i e - Aas pe V 
CatAlag«r Nra. M06^ als Achalmyx augegeben). „Oidipus« 
wü «um SidiweiA an der €Mie ror: der. Sphinx auf eineal 
Feisea. Die Onlrttre ist utalti« ^^) 

Mm; 58« CKelb« anlike Pasle.. Tfflkeu IL 140, f 
Wi nck e Ima n n III. 41. Vergl. das in der 26. Note CUxMtgte. 

Nro* M. Cara^öldes ßxaf en.Vitstlium, Lip- 
pert Bact, IL V7.,Tassle-Rasp!e8603. < 

N». && ^Byx, Stfoach-soheteamliing'^^X Tassie-. 
Baspe 8001. mit der K^ÜB MSS. Cat. 44.: 7. 

KfW. M* Ao h a t o n y K der ä t o s c h'tf eben Sammlung 
(Ta£ L^Bito. I».) Tt^lMenlV. i6.; Winckelmanm iU 
1. 38. Oidipus mit der Lanae im Arm , völlig mhekleidet^< 
stdH mit eriiabaner, ttfAUt Umär nor der Sphinx, welche 
aaf dem fülen nlDiltlioekt, itrie gmrifhnlich, sondern ainC 

3S) Am der Slofleh'sehen Sammlaog findet inTOikeoi Ver- 
ssiclmise fieb iTntSf^'dM W«rfeiii d«li «Heren grieoliiscbMiStilü Ci.ll. 
Hro. 140. nof «in Oidigme v0r der S^binx (vergU Note 2$»)9 jedoch 
wird dsf Material |iU ,ff elbe antike Paite« apgegeben, yrelcbe «ich bei 
Wiackelmann III. 41. wiederfindet. Ich kann aber, nicht glauben, 
dasi TOlken einen Stein, dessen Schnitt von Winckei mann, oder 
wer fOttfl der Yerraiier jeiiei Verseicbnlssee gewesen , als „aralt^ 
bassicbäel wM, ia lela» iV. ClaMe ■nfgenoiiiriea hat, so dasa «^ 
dort nptar den Nanunem 25-^29* au aachea wAre, unter weloben Ilro^ 
25« als AchatODjz anfgeführl wird, aber mit specieller Verweisung aqf 
CI. n. Nro. 140. Siehe unten Nro. 56. (Taf. I. Nro. 15.) Demnach 
sttefail der Skia aiebt nach BerUn gekommen an leini ^96) KxmÜ' 
dieser Osya'Umi sich Siil kebieai Sleiaa bei TOlKen Jdontiflcirsn. i 



äUn Vievea aufgelichtet stdit, ^e Ia im V«üittUUe\Vaß 
I. Nro. IS. 

Nro. 67. Chalceddn der Siosch'scheB SimMumg 
durch Feuer verändert (Tafel IL Nro. 6.), T»lke& IV. Sa; 
OidipuSy mit dem ScbwerdC im Arm ulid irtfllig naekt, steht 
mit deutead erhobeaer Hand rer der auf dem fUicn llockeB«^ 
den Sphinx. 

Nro. 58. Gelbe antike Paste, Tttlken IV. ». : 

Nro. S9. Orflne antike Paste derSta schieben 
Sammlung (Tafel D. Nro. 7.), Tölken IV.M.; Wtneke^« 
mann III. I. 41. (?) Oidipns, in der CUamys, am ludwit. 
Arm den Schild , das Haupt behelmt j soart wäftnlos, steht» 
wiederum mit redend erhobener Hand vmr der anf^dem Fel^ 
sea (nidit wie Tölken angiebt auf einer S&ule) hockenden 
Sphinx. 

Nro. eo. Miliin Oal. myth. Id». SM. Sehr ihnU- 
liehe Vorstellung , nur hat Oidipüs in der Hand , mÜ weU 
eher «ar den Sdiild haJt, noch dieLanxe und istgann nackt; 
die Sphinx erliebt die eine Vorderpfote. 

Nro. 61. Mariette: Traitödespienits gi«vtelL88. 
Aehnüohe Vorstellmig; es srtien Enochen auf dem Soden 
umheriiegn« t 

Nro. W— 05. Vier Schwefelpasten diMrSloseh'» 
scheu Sammlung; Tassie-Easpe SMS», MM, -flMML 
und 8607. 

Nro; 66^ Ia Copenbagen^ Dao^L daniea S7Jk 

Nro. 67. Stosch'sche Schwefelpaste, T^^sie-^ 
Raspe 8008. Die Darstellttrig dieser Paste kann als ein- 
zig in ihrer Art gelten, indem nirgend, soviel mir wenig« 
stens bekannt geworden, der Selbstmord der Sphinx bildlidi 
dargestellt ist. Ob dies nun freilich dort deutlich und cha^ 
räkteristisch gebildet ist, muss in Frag^ Meibeif ; e^ heisst 
aber a. a.Q^0idipu5, eine Lanze in der Rechten, sieht, n^ch- 
4em er das Rftfhsel gelöst hat^, d|e. Sphiiu^, sich VQp dem 
Felsen stiixaeo.u Beigeschcieben ist; SJL0JL4 BD. i. 



leh Mergthe akaehaidi hkr üe gröwe Beihe h^b^ 
K«K(w«rk€ii , muBMilieh Qeiuiieii, wddie ttt S^hiox idki» 
dltBtdai, dte bttM ieattidier , , baM inhertiBBter ak 4ie 
tbebaniflche s« erkennea ist Auf Minzen ist, soviel kh 
Weiss, der Mythus nidit dargestelll; ttber ein Ski, Nn>.W.a«' 
verdanke ieb Hrn. Dr. 0. Jahn feigende Nöfix: Fieeroiii 
KoöAi aatkbi II. 8. 1. IMe Sphinx sitst auf einem Fdsev 
vM erbebt die Hake Tatze ; Oidifus mü GhiaaiTB , flel»/ 
AMM und Lanse in der Linken, steht mit anfgiriiAbetter 
Rechiea vte ihr; vw um eine Palae. 

Avdi die etruskische Kunst hat dnige iohI fwar in 
mehrfMher Beziehung interessante und bedentende Ravstel« 
iungeo «»eres Gegenstandes hinterlassen : zwei Asehenki- 
stenrdfeli und eine Spiegelzeiehnung. Bie beiled. Briieb 
stellen die Sphinx in dgarfhflnilidier Weise, aber/4abe| in 
efai^ Grösse und Baltinig dar , wekbe lins üthr aÜ irgend 
eine der bisher betrachteten Bildwerke an ihre Furchtbarkeit' 
gtaiAM macht. Der finstere Oeist der mekten etrusUschen 
AschenUstenrdieb waltet auch in diesen BiUweiken* 

Ifro« M» Asehenkiste im öffentlichen Nih 
s cum SU Vel terra (Tafel n. Nro. 8.)^ abgeltet bei la- 
gbirami, HonumcBtl etrusehi S». L Temo II. Tv. €7.^^} 
Bk Mitte ikr Darateliung nimart die Bphinx ein ; sie er* 
Bfbsint atriiend, ak ein kentamrenartigy aber ««s weibikbm 
Kaff und Oberkörper bk zu den Htiftea und dem h^ eiues 
uMMtAlieh^n Löwen cemponirtes Monstrum ^^) mitFUgelii; 

M) tar^. I&«naeBi,8piegasiODe dell 'nrne rspprsiealsnl« Qdipo* 
est. bei Inghirami a. a. 0. S. 558—569. nnd Rathgeber in der 
Hall. allg. Bncyclopädie lil. II. S. 395. — 98) Malier*! Ansdruck 
(Hattdboeh 8*412.3.), die SpbiDx erscheine Wohl aU eine geflflgelle Ken - 
UriHM, Ist nttrichtig oder gehr ungenau. Winckelmann erinikerl 
(Sto'tcii^sehe Gemmein III. I. 27.) an eiiie Sphinx aU Helitisietie ei- 
■er Pallasbasie auf einer Hflnse von Velfa (bei Goltsing, lla|[iia 
GrSMs Ib. 22. 7.), welehe diefliilterfttase und 'den Schweif eiveaPrer- 
dee habe. DaM dies ein etmikiaeher Gedanke sei, wie Wfnokel- 
■auu- äaBirnnV wird dnreh die arehaiscbe Sphinx aus Alfaen in deaMrlUj 
aer lerneotteBfammliuig (Panofka Teiiacotten Taf. 50.2.) wMülfiit.. 



wekhe vicht , wie {^ewihidiBh bei den nflgeligvreB fiist «Her 
Konstetife der Welt, mm dem Ettekis henrorwacbien y wm^ 
Hta mit den Amen vefbiinden mif ta welche > sie > stell w« 
mittelbar ansefaien. Sie steht auf einer Eihihnog , die. «ine 
VMi«tertat8?e anf einen mensehlieben Sohidel geseint ^^)j wo^ 
weldicn Knoehen liecstreut liegen ^°) , den Schreeksen dec 
•nvlitbaren Muse des Todes v^ündigand; Oidjfvsi isjkehl 
vor ihr, jedoih niedriger, bftrtig, ganz bekleidet, Aan Waa^ 
deratib in der Linken, die (abgebrochene) Rechte ri^erlfleh 
erhoben. Ihm andrerseits entsfreclM^d befindeisioh eine Aft#«' 
gellose etroskische Furie, eine Packel in beiden Hiaden hal- 
tend, tAer deren Bedeutung sich kauin etwas Nfthente sage» 
läset, als dass sie tberall zu endieinen pflegt , wo es sieht 
um Mord, Tod und Verderben handelt; und die uns iit die- 
ser Bedeutung nodi irielfiich begegncti wird. 

6^r fthnüch ist diesem Denkmal das ; zweite gleicher 
Ctatiung 

Nro, 70. Asehehkiiste frflher unMuseo Onamac» 
ei, jetzt fan Mfentlidhen Museum zu Voltenta, abgeb* bei 
Inghirami a. a. 0. Tv.68. ^ Die Sphinx iü; ebenso ge- 
bildet, Wie in der vorigen Nuhuner, ausgenommeli, dnss ihr 
Schweif nicht der eines Liw^n ist, sondern durA eine deuU 
lidle Scldahge gebildet wild, was mit einer Notiz deb llfe^ 
somedes in Brunck's Analedenll. p. JM. g. Iftcreinnf imnii, 
wo es von der Sphinx heisst: rei t'imfj^mf eUtrüifAk^o^ ifm^ 
uwvy und was sich auf einer ägyptischen Mflnze AädrihM' 
bd Zoega Num. aegypt p. 180. Rro. M6. wiedeiftidel ^0- 

dP^ Die Spkinx -einen Sch&del , bald den eines Menichen, bald 
den vericbiedener Thiere, in den VorderUiUen haltend, findet sicli 
mehrfach anf Gemmen nnd hie und da anch in anderen l^onalwerkei^, 
80 s. B. einem Grabrelief in R. Roehette'e Hon. in6d. pl. 10. B, -^ 
40 J Diea wiederholt fich nur In der Gemme oben Nro.61.. -^ 41 J Die 
Sch^wefter der Sphinx von Typhon und Schidna, die Chimaira (Boff 
Theog« 302.) hat bekanntlich ebeafalli einen 3chlMigeiiaehwaaaj fp 
bei nemir (ü. VI. i&) und in tielfachett Kanatwerken, welche aie< 
daistetlea. i^ 



i 



Der Cte|;eiiMk0d V atf Wi^khai licv iiefi^WM* üeMe 1%r- 
ilertatse setet, ist rentlininelt, jedoch wahrscheinlich eben&Ik 
ein Schftdel, Oidipus erscheint fast ganz wie in dem vorigen 
Monument ^^)y die Furie hinter der Sphinx liehnt auf eineii 
Pfeiler, wohl eine Grabstele. 

Vollständig von diesen beiden Darstellungen, sowie von 
allen frtther betrachteten verschieden, ist die Zeichnung von 

Nro. 71.y einem etruskischen Spiegel (Taf. II. Nro. 9), 
abgeb. in Gerhardts EtrusiLischen Spiegeln lt. 177. Oidi-^ 
pus, als nackter Ephebe, jedoch mit Helm und Speer bewehrt, 
sitzt vor der Sphinx auf einem Felssttick in iiequemer und 
ruhiger daitung ; erstreckt der Sphinx die rechte Hand ent- 
gegen , diese hockt zu seinen Füssen, und erhebt zu ihm, 
ganz wie ein Hund , welcher die Pfote reicht , die eine Vor- 
dertatze. Das kleine Ungethtim hat menschliche iSrust und 
inenschlichen Kopf bei einem un geflügelten Lttwenkör- 
per. Im Hintergrunde links ist die Kadmeia durch einen Tem- 
pel auf Felsen angedeutet , in der Mitte des Himmels steht 
die Mondsichel^ die hier ganz gewiss keinen symbolischen 
Bezug zu einer vermutheten Naturbedeutung der Sphinx als 
Mond hat Stimmung und Haltung des ganzen biMes sind 
komisch. 

Nachdem wir so die grösste Masse der Bildwerke zur 
<Kdipodia durchmustert haben, bleiben uns nur noch verhält- 
Dissmassig wenige Kunstwerke zu anderen Begebenhdteh des 
(NUttpasaythns zu betraditen übrig, nter immk abef einige 
▼•lim Interesse in Anspruch nehmen. Skmadist - oritaseii «m 
ZV den oben, der Continuität in den Sphinxdarsl^llinigiBn im 
Liebe, übergegangenen Denkmälern einen Schritt zurück 
thiuiy welche 

M) AatJigt^Of ■« a. 0. meiat, er «iiie, jedoqb i«t diea, 
nasb der Mfikamg wenigsUnt» kann nöfiicb. 



ft 



k 



• ' . '■ ■ ■.'.'' 

darstellen. Zwei Denkmäler dieser Scene werden gewöhn- 
lich angeführt, ohne dass die Erklärung des einen wie des 
anderen über allen Zweifel erhaben wäre, eine Paste un4 
eine etruskische Aschenkiste Ausser ihnen ist nur noch das 
Fragment einer Vase vermuthungsweise auf diese Scene be- 
zogen, weiter aber kein einziges Kunstwerk^ selbst nur durch 
den Versuch einer Erklärung, auf Laios Mord durch seineu 
Sohn gedeutet worden. 

Diese Thatsache zu erklären , weiss ich kein anderes 
Mittel, als die Annalime, dass, wie der Gegenstand erweis- 
lich in keiner Tragödie zur directen Darstellung gelangte, 
vielleicht selbst das alte Epos die Erzählung desselben spä- 
teren Scenen nur gelegentlich einflocht, und dann mehr anr 
deutwigsweise a3s in ausführlicher Schilderung behandelte '). 
Die erwähnten Denkmäler sind diese: 

Nro. 72. Fragment einer in Adria gefundenen Vase, 
welches. ausser dem Namen [0]IJinOJAS Reste von Ma- 
lerei enthält, die Welcker in den Annalen VI. S. 899. als 
möglicherweise auf den Streit des Laios und Oidipus auf dem 
Dreiwege bezüglich betrachtet 

Nro. 73. Violette antike Paste, jetzt in Berlin 
(Taf. II. NrQ. 10.), bei Tölken IV. 12. ^) Neben einer 
Säule, auf welcher die Sphinx sichtbar wird, sehen wir ei- 

* O llaM Homer Od. XI. 273. machten die GMIer ÜBbkM, 
Mohde» dffT: etttlöhtifMide Fcerel begaDgeo war, nachdem OMI^ 
fiiine Matter feeha|icbt haUe, die Sache ruchbar, und Aebnlich^jmiMiit 
Welcker, £p. Cycl. IL S. 314. mit grossem Rechte fdr die Oidipoda 
an. Wurde aber Oidipus Schuld durch die Götter anlhüllt, so liegt 
die Vermuthnng nahe , dass bei diesem Anlass auch Laios Mord ' «ür 
Sprache kam, und swar thnlich kurz wie in den Tragödien , so dass 
das Epos denselben nicht Mher direet vortnAlhieä bblieHte. -<• 
9) Ausserdem bei Gra volle, Recueil IL tb. 88., Lippelrt^ Daety^ 
lioth. 2. histor. Tausend p. 25. Nro. 75.; Win ekelmann, Stosch'sche 
Gemmen IIL I. 25., Tassie-Raspe 8595. Vergl. Rathgeber in 
der allg. Eocyclop. 111. 11* 3M. Note 7., welcher die Richtigkeit der 



Mtt keBcUUetim, iltetea BfattB, Mboi demirin ita aHreM^ 
kaer Helm liegt, von einem jüngeren, behdnien und beicUt* 
deten, der um auf die Knie niedergefireifen m haben seheint^ 
an den Haaren eigiübn und fortgeschleppt Wie wonig 
dicae Scene mit den beküMiten Efstiilunge» von Oifipns Va^^ 
Icnnord ibeteinstimmt , und wie wenig Ctewftbr daher die 
BrUftrung hat , sieht leicht Jeder. 

Nro. 74. Btruskische Aschenkiste im öffendi« 
chen Mnseum suVolterra, abgebildet bei Oori Mus. etrusc. 
Tom. DI. CL m. tb. XXL Nro. 1« und danach bei Ingbi- 
rami Mon. etrusch. I. IL Bß. ^) 

Obgleich^ wenn man ausser manchen Besonderheiten^ von 
wekien imaere literaiischen Quellen '^) sch«kreigen; noeh allerlei 
Freihiatennnd SnsAine etrudiischer Dämonologie tiatniren will» 
dmr Namepaoaeii mag, bleiben dennoch starke SweiM übrig* 

Die nfittelgruppe wird gebildet difrch einen in leichte 
CUnmifB gekleideten y sonst, bis auf eine Andenlnng von 
WniidenBchilieny nackten Jüngling , welelier mit getfflekiem 
flchwerdt eiMn bärtigen, bekrännten und reidi bekleüeton 
Mann bedroht, der von seiner nertrinunerteii Qnadriga her- 
abgesunken oder hevabgaissen ist % und sieh oitthsaii gegen 
srinen jugendfichen Angreifer vertheidigt, der ttit dem linheip 
Bein auf seinem rechten Schenkel kniet, und ihn mit der 
linken Hand im Haar ergriffen hat Diese Hand sucht der 
Aeltere mit der linken, das gezückte Seh werdt jDiit der rech- 
ten &md abnuwehren oder au&uhalten* Der Wag^ iat voll^ 
findig nerlrümmert, das Gespann sprengt wUd dnrchelilin- 
d«r, 'ein Pferd ist gestürzt und liegt, mit den Beinen kap- 
selnd, auf dem Rücken« Alles Gefolge des Laios fehlt, da- 
gegen endieint Unter ihm ein knrnbekleideter, geflflgdtef 

Denldog besweifelt, and Welcker in Hüller'i Utodbach 8- 413- 
3., welcher dieielbe vertritt. — 3) Yergl. nathgeber am mehrfaeh 
angef. Orte S. 394., Mflllers Handbach $. 412. 3. » 4>Sopb. 
Oed. Tyr.SOO. ir. Diodor iV. 64., Apolled. 111. 5. 7. Pausen. X. 5. 3. 
Hjrgia. fab. 67. - ö) Soph. «. a. 0. Vf. 811. imm fi^^is (hrimi 



L .. 



L 



i«ii»Mrti0tlrlllHn^), int eneBBadLodoMe tnf teiHinfk^ 
4cr «He fatara «tt Imltea lUid auunigiettca «dieiat 0» ^■b' 
eiamFuBs auf den K«pf des gestflnrtea PfordeB setst linka, 
binlor Oidipiis steht, gtAügeU und ait Kreabiaaeni Aber 
die BrasI Tenehca^ kurs keUeidel und mit JagdkiMihanen 
aiii^ethan, die Mtamite, etraskische Furie ^ welehe die ttnke 
Hand ttber Oidipus Schulter ausstreckt. 



n» Oldlpus und Telreslasi 



Unter diesem Titel füge ich ohne Bedenken in der Haupt- 
sache eine schone Vase dem episch • tragischen BildeikreiBe 
ein, weiche gegen die Erklärung des Herausgehers ILHo^ 
chette^ der nach Sitte seiner mit Einweihiinga - und My- 
slerienscenm nur ailsu freigiebigen Landsleuie , auch hier 
ein^sokbe, und «war die eines attischen Knaben erkennt, 
durdi iUftller dem m^rtbischen Kreise erworiien, durdi 
Weicker in demselben rertbeidigt wurden ist 

Nto. Vfc Crosse Vase der Sammlung Sbaui au Nea- 
pel (Taf. IL Nro. 11.) abgeb. hü H. Rachelte, Menum; 

(d^ifs txxvliy^etai, — 6) Raihgeber a. a. 0. , nach dem Vorgang 
der Italiftner, benennt ihn das Verbfingnis«, man könnte ihn auch To- 
desgenins benennen, oder sonst irgend einen derartigen, TolItOnendeki 
Namen wMea« wess abethaupt doMh aoiobe Namen , 41m wir bsi na* 
f er/ar Ofie^dlii^ ^«ngelhaC^n Keantniss etruskifch^r Dii||<H|9ll»gi« asil&Me 
meistens ans der Situation abstrahireny in welcher ihre Trftger grade erschei- 
nen, und die deshalb von höchst unbestimmter Gewftbr sein müssen, 
fibek-haupt irgend fetwas gewonnen wäre. Ich bescheide mich hiermit 
nittttial ror alle Male die etrnskischen DtaiODeagesUlt«n nabeaanai an 
lassen, und nur zu beschreiben, falls sie nicht beigeschriebene Namen 
halben, o<^er eine GesUlt aeigeny welche den weaigen nftl^er bekanntes 
Wesen der etrusJLischen Kunst enUpricht, -^ 7J Wie Rat hg eher 
a. a. 0., einen Nagel erkennen kpnnte, begreile ich nicht , wenn er 
denselben nicht etwa, als zu ioiasm ,|Yerh|ngiiiM*< psMsadi ftpa 4ff 
rhf^mio ^gfini^ l^a^ 



iMs fL ^ All der lattrtgdle dteser Vue, aeita K«- 
vcn dne^ vm inrM bdiclHscbeii Vnmtn umgalMM, eine Vwe 
trigeode Siele Migt, eeheti wir in der Miete mam Mit Mi 
HhiiitioBy wdcihes den Oberkörper, wie bei ZensHIdem^ Afei 
tlaety beUeideCen ^ birligen Mmn, thronend anf reich tw- 
9kffUm Stride > anf deesen Lehne snrd iLleine Rllgdigaffeli 
erscheinen. Dweh das Adlevscepter wird er als Kdniy, 
namentlich ida ein KlNdg der IVagoAe bezeichnet ^). tk 
ifredtt aeiiic»! Am wie brfehlend gegen «inen Meater aus, 
der in langer mid weiter Bel^leidong, welche der tragischen 
BihlMntraclit nahe kmninett mag, das Haupt lerbeerbduinnly 
in der Beehten ein mit einer Infda nmwmdenes Stepter 
haltend, auf dem ein Tempelchen gebildet ist, von efaieni 
lotbeerbdManfen und einen Lorbeenweig tragenden Knaben 
geführt, dein IMittge nit entschiedener Bewegung, das weite 
Oftergewaind nrtdLwerfend, entgegentritt Bs ist unschwer^ 
in diesen Personen Oidipns und den Seher Teiresias zu «r^ 
ketinen, und die sophokleisdie Seene vergegenwärtigt nu se^^ 
hen, in welcher der Seher, Unheil verkflndend^ von dem nn- 
gMckÜchen Oidfpus stobr, heftig, beschimpft abgewiesen 
wird ^). Der Umstand , dass Oidipus sitnt, was sich der Si« 
tnatiön 4er Ttagftdie nicht anpasst, sowie der andere, dass 
TeiresiMBlindhiit dntib nichts Alleres als durch den fllhrenden 
Knaben angedeutet ist , wie auf der schtaen Polymestervase 
(ebenes. 40 Note 12.) und sonst, fWSt gegen die gegebene Bri- 
kiarnng Ifewiss nicht in die Wagschale, da das Thronen lAein 
nur Besfeiehnung 4es Kdnigs gewählt sein kann, die B^nd^ 

iy Vergl. im text S. 409. n. 10.; Malier in den tx6U. geT. 
Auf. 1834. I. S: 182. IT. Handbuch %. 412. 3. Weicker im fiheln. 
HnMnn Ul. (tid&) S. 0^6. ff. Gegen diese niTliiiiclM Aiulegnng 
fnfl|le AocheUe »eine EcklAmng in den Rpav. Ann. de |a secUan 
fnn9ai8e IL p. 183. in einer Note zu vertheidigen, die sich namentlich 
auf den nalg dip* iaxtas bezieht , und für die Totalauflassang des Ge- 
genstandes wenig bedeutend ist, jedenfalls gegen die mythische Erklt- 
mag nIebiB Deber^eogoiidee vorbriagt. — 2y Vergl. Arfü. Ates 5t<K 



^ m -^ 

M t «h8 SAh$ »ker, weil de mcht fai imptf ttelNirem Af- 
Monmibance mit der wgenbUddkheB SitaatMB und Bffo- 
keBbeit lidil (wie dies ft. B. bei dem eben dvrch Hekabe 
.geblendeten Polyaester der angef. Vase der Fall isl)» dnfdi 
den fkbrenden Knaben auinreiehend beneiehnet ist OrtKeeeie 
Sehwlerigkeit maebt die links lin BUde^ Teimias e»tepve- 
ehende, weiUiche Kgur, welebe, auf ein Badbecken gelehnt, 
einen Spiegel hdt Es wird hier JiAaste erkiuuit, wek)he 
Toni Kinstter um einen Memenl früher in die Begebenlnit 
geiogen ist , als beim IHebter. Und nieht hierin liegt d^ 
Zweifel y da das Zusanwenrttcken nweier nahe folgeniep 
und innerlidi Torknüpften Momente in der bWen^n Kwut 
dAffdiaus nicht ohne Beispiel ist, und nanien|lieb hierdurch 
die Helle, weldie Jokaste in der Begebenheit, sfkit» vOttig 
gerechtftrtigt erscheint. Ja selbst jener wundervoll divehr 
gefiflhrte Qegensat?, den das Handeln der ahnungsv4rllen J|e^ 
käste bei Sophokke gegen Teiresias Qebahren biMet, kennte 
im Bilde dadurch angedeutet sein , dass sie Teiresias ent- 
spreehend und gegenttbergestellt erscheint. Der Zweifel liegt 
vielmehr darin, dass nach Müller 's Mmnnng Spiegel und 
Badbecken Nichts anseigen sollen, als das Leben der Frauen 
in den inneren Gemttchem. Für Jokaste passen diese Syur 
Mi^ in nwiefacher Beaiehnng nicht re^, indem sie, grade 
im Sinne Müller's, einmal dem heroischen und tragische^ 
Costum nicht gemäss sind, und aiweitens, indem sie, als ge-» 
genwürtig gedadit, der Situation graden nicht entspfechen, 
Ist Jokaste anwesend bei dem Gesprilcbe der Männer^ wo)ier 
und W02U jene Attribute des Frauenlebens in den Inneren Ge- 
machem, ist sie als nicht bei den Mannern anwesend ge- 
dacht , woau sie überhaupt darstellen ? Aber diese Atlribnte, 
die offenbar mit dem Thronsitaedes Königs in Verbindung stehen, 
denn der Thron gehört gewiss auch dem Innern des Hauses, nicht 
derSkenean, und gehört als Ergänzung zu jenen, geben uns 
eine von der Müller'schen und Welcker'schen etwas ab«- 
weichende Ansicht von der Gesammtheit der Darstellung. 



Ab «HfüMÜfer Chrintets ier SiroMhiaf rm Tiii|;todieD- 
stofim in ier MMenden Kimst kau es gelten^ iUm nicht 
sowohl die eigenlMdie Skene , nicht die Handhing, wie sie 
atf der Bflhne vorging , sondern vielmehr der innere Oe- 
halt des Mythus reprodncirt wird ^). So auch hier. Der 
«wischen Oidifins und Teiresias in der Tragödie vor den 
K#iugspalast vorgehende Auftritt ist hier in's Innere deft 
Hauses and gleichsam der Familie verlegt; und dies mnsste 
der Kfinstler thun, um Jokaste's späteres Auftreten mit dem- 
selben combiniren mi ktaneu. Wenn er hiedurch die ge- 
nauere Wiederdarstellung der Tragddienscene aufgab, wie 
viel mehr gewann er fiir den inneren Gehalt seines Bildes! 
Denn wenngleich Jdcaste nicht angenblidLUch mit au reden 
scheint, so bleibt doch in ihrer Anwesenheit die tiefe, gegen- 
sätalidie Bedeutung gegen Teiresias. Dnd während wir nun 
gieichiieitig im Bilde die beiden Personen wirksam sehen, 
welche durdi ihr entgegengesetates Verfahren die ftireht- 
bare Aufklärung in Oidipus Schicksal herbeiMhrten, so wer- 
den wir gestehen mttssen, dass derKtlnstler durch seine, nur 
auf den eisten Blick willkflhrlichen Abweichungen von der 
poitischen Darstellung den inneren Gdialt der Katastrophe 
im König Oidipus unendlich viel tiefer und augleich viel 
klarer dargestdlt hat, als er dies vermocht hätte, wenn er, 
BMt Weglassung der Jokaste, nur Oidipus und Teiresias auf 
der tragisdien Skene einander gegenüber gebildet hätte. Die 
tragisdhe Skene aber direct darzustellen, und dennoch Jo- 
kaste mnaufilhren, durfte er sich, meinem GefQhle nach, nicht 
erlaaben, wenn er sich nicht, bei einerseits starr festgehal- 
tener Seproduction der Tragödie, in einem anderen, wesent- 
liehen Punkte von derselben entfernen, und dadurch in Ge- 
fahr gerathen wollte, als willkttrlicher Umgestalter nicht ver- 
standen 2u werden, oder über die Quelle seines Bildes irre 
ani leiten, als welche wir jetat Sophokles herrliche Dichtung 
ihrem gdstigen Gehalte nach ai^rkennen dflrfen« 

4) Vergl. Welcker, Kleine Schriften 111. S. 348. Hole. 
OTtrbfCki kcroMM OaSfria. 5 



h fcqirtMituM gutiiinürnKinge wM JM mf lliiiHilMji (Scate 
dw utttorttn Aeihe sUlka^ bekanntMi CMrwKhe geMm^ die 
in der okentt Bdhe encheineiideB Gitter , in wckhoi wir 
die thetMUHMhoi Qtttter: lp«Uoii bnemiM, Pallas Oiikaia 
uod Aflif^dite, die Mutter der HtniwMa, m crkeaBea habe». 
Pillaa «od ApoUon crkemit awh B. Roche tte an; in dar 
Mttea Gottheit aber sieht er Demeter^ auf ihre nystiache 
Cüste gdehnt, neben der auf einem Pfeiler die Lampe als 
Zeugin nichtlidier, mystisch« Weihen Inrenne. Mtller, 
der Aiihrodite annimmt, erkennt in dem, was Röchelte 
mystische CSste nennt, nur ein Schmackkistchen (ein sehr 
grasses!), und in der Lampe die ^verschwiegene Zeugin an-* 
ieter Perrigilien als der mystischen^ (im Sinne yon Aristo 
Bkkles. Vs. 7— la) ; Aphrodite scheint ihm durch das Her^ 
abaieiien des Chiton iron der linken Brust, nach Analogie 
nete Aphroditebildwerke, ausserdem gereditfertigt WeU 
cker, ebenfalls finr Aphrodite eintretend, meint, sie kenne 
augleich noch inneren Bezug haben avt den Stoff, auf dm 
Uebesverbindungt die so unselig sieb entwickelte. Mir sdieint, 
dass wenigstens die Gombination mit Apollon und Pallas, 
nweien sicher thebanischra GeltheiteD, und das VcriMtttniss, 
welches alle drei offenbar an der Scene dar unteren Reihe 
haben, die Butscheidung weit eh« für Aphrodite ab für 
Oemeter ausfiülen lassen wird. Und wenn auch üt Lampe, 
in.dem Sinae^ wdahen Müller andeutet, als Attribut der. 
Aphrodite anderweitig, so vid mir bekannt, nicht nachgOi- 
wiesen ist , mechte ich doch auch daran nweifeln , dass die*: 
selbe als Atteibut der Demeter so ohne Weiteres an die Stdie 
dar gewehidichen MysterienCsckeln treten kami, wie dies 
Rochette für seine BrkhMng anndunen muss. > 



; . . i 



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«• MAlptti maB^ntttfb 



Wenn wir in jltai eben beq^rochenen Kimrtirerke die 
fiurcblliaTe Krisis in Oidipus SchickMtl sich rorbendtai sahen, 
so seift Uns dis folgenile Monnment den entsn Wendcfvltt 
in Oidipus Geschichte, freilich nidit nach derselben 'nradi- 
tion, der sophoUeischen Tragttdie, auf wekba* das rorice 
Bildwerk beruhte, sondern nach einer stallten Neuermf, 
welche Earipides in den Oidipusmythus brachte. Das in 
Rede stehende Kunstwerk ist: 

Nro. 76., eine etrnskische Aschemkiste (Ta£ 
IL Nro. 12.), suerst abgebildet in Gor i Mus. eCrusc VoL 
I. Ib. 142. >) 

Die Grundlage dieses Kunstwerkes ist eiiie von der ge« 
wohnlichen Tradition, nach welcher Oidipus, auilgeklurt ttber 
seine Schuld, sich selbst des Augenlichts beraubt, abweicliende 
Erzählung, welche Euripides in seiner Tragödie Oiiinqvq 
befolgt hat. Nach dieser wurde Oidipus , nachdem er , etwa 
durdi Seherspruch, als der Mörder seines Vorgängers in 
der Herrschaft erkannt war , von den Waffengefiüirtra dw 
Laios geblendet ^), eine Strafe, die mannigfache Aualogjf 

i) Aosf erdem bei M i es 1 i, ifonqm. inediti eet. Pireoie 1810. tv. 46.; 
Zaaaoai, Ulustraiione di doe anie etnuche cet, Firenxe 1821. tv. 1.; 
vergl. Inghirami*s Osservaxione zu diesem Werk S. 176.; Inghi- 
ranl, Mon. slroieb. 1. IL tr. 71.; Malier, DeaknAler L 62. 316. 
VergL Millinyen, Peintarea de vaies p.43. Role2. und Welcker'e 
Griecb.TragMieall. S.539. — ^^Pfir dieenripideisGheTrsgddieO/J^ovf 
find Sttseer C. P. H e r m « o n'i Qoaefltioniim Oedipedearnm disierUtio prima, 
■sfkurf 1837, und 6. Her« a ob's ReeensioD dieser Sebrtft in der 
Zeilicbrift fdr Alteribomswiseensebafl 1837. S. 703.*0a besoaderi 
Welcker's Grieeh. Tia|öd. IL S. 537. ff. lu Tergleicbeo. Mag dieser 
nnd jener Pnnkt in der Entwickelang der Tragödie zweifelhaft sein, 
was hier sa nntenaehen pieht der Ort ist« daiüealgo, wu wir aar Er. 
blSnmg der In Heda itebendea Uma braacben, ial anzweifalbaft. 



im M]rthii8 bat ^). Diese Blendung des Oidipus durdi die 
9eQdnopT$g des hmSr i«tJHUSWiii|elll8ft bezeugt durch SchoL 
Eur. Phoen. 61. iv ii r^ Oidinoäi ol Aatov &$QdnovTtg 
irvqiko^aav avrov 

"^Hfutg di HoXvßov nati* iqiiaawBg nidif. 
S^O(ifiatovfi$v xal dioXXvfiiv xogag. 
Aus dieser Stelle geht zugleich hervor, dass diese Strafe 
sich nur an die Entdeckung von Laios Mord durch Oidipiis, 
nicht zugleich an die von Oidipus Stamm (JloXvßov naZi;) 
aaknflpfle. Diese Grundlage gewonnen, ist die Erklärung 
userer Asdienkiste sehr einfach. In der Mitte sehen wir 
den jugendlichen Oidipus , der, auf die Knie geworfen , an 
beiden ausgebreiteten Armen von zwei bewaffneten Man. 
nem festgehalten wird, während ihm ein dritter, der ihn 
im Haar ergriffen hat, mit einem Dolch oder kurzen Schwerdi 
die Augen aussticht. Links steht Kreon mit einem Stabe; 
unter seiner Auctorität wird die Strafe vollzogen ; hinter die- 
sem scheint seine Gemahlin Eurydike, auf einem Thron mit 
Löwenklauen sitzend , vor dem furchtbaren und schmachvol- 
len Anblick entsetzt, in Ohnmacht zu sinken, weswegen eine 
Dienerin sie untersttttzt Andererseits, rechts von der Mittel- 
gruppe eilt Jokaste mit ihren beiden Knaben mit den Geber- 
den heftigen Schmerzes herbei, auch sie von einer Dienerin 



Eine beiläufige ablehnende Erwähnung, aber auch nur 
eine solche , verdienen zwölf Aschenkisten im öffentlichen 
Museum zu Volterra, welche mit geringen Modificationen eine 
Scene darstellen, in welcher Inghirami '^) den seinen 
Söhnen fluchenden Oidipus erkennt. 

Diese sämmtlichen Reliefs, von welchen zwei in I ngh i- 

8^ Vergl. Weleker'f Griecb. IVt^dleo •. a. O.S.5d8. Nota 3, 
— 4J loghirami, Mon. etr. I. IL p. 681—85. 



rani'i MoIl etr. L IL tv. TS. u. 78. abgekiMet sind % 
jeigen eioen bärtifen Mann , welcher , einen Stab halteniF, 
waB auf (Hdipus Blindheit g^edeutet wird) mit mehren ande- 
leli Personen «n Tisdie liegt, von grosserer oder kleinerer 
Begkilnng, ab König, wngeben. Zwei Knaben stehen 
neben dem Tische, indem sie einander anfassen. In keiner 
Uebeilieferung des Oidipusfluches ^) wird, bei anderweitigen 
Verschiedenheiten, dieser Fluch gegen die un erwachse- 
nen Söhne ausgesprochen, ja die Flüche des Oidipus stehen 
in so entschiedenem Zusammenhange mit den Vergehungeii 
der Söhne gegen ihn, dass es schwer halt, an eine abgele- 
gene , vöUig unbekannte Tradition zu glauben, welche diese 
etruskischen Arbeiten erzeugt haben soll, in denen Oidipufi 
den Kindern angeblich flucht Ohnehin sind diese Scenen 
nicht so charakteristisch dargestellt, dass etwa die Interpre- 
tation genöthigt wäre, einen ausgesprochenen Fluch als 
Grundlage anzunehmen, vielmehr gestatten die Darstellun- 
gen eine viel breitere Basis, und es dürfte, falls nicht etwa 
die zahlreichen Wiederholungen auf ein allgemein gültiges 
Mythisches hinweisen. Wenig im Wege stehen, in der Er- 
klärung ganz von der heroischen Grundlage abzugehen, und 
eine Scene aus dem Leben eines vornehmen Etruskers an«, 
zunehmen. 



Aus unserem Kreise wird auch das von Winckel- 
mann, Mon. ined. 103. ^u^ Oidipus Ausstossung durch 

Ö) Aus Gori Mas. etruse. III. diss. III. p. 164., welcher ohne 
Walmeheinlichkeit annahm : Proenes, qoae Tereo iBscio Ityn pneram, vel 
Tbyettis, cni filinm epulandum. adposait Aureus scalesetas epnlas in 
bis emblemalis exhiberi. — 6) Schol. Sqph. Oed. Col. 1369. und 
Athen.' XI. p. 465. aus der Thebais; Aesch. Septem 701. , Soph. 0. 
C. 1440., Eurip. Phoen. 67. mit Va I ekenaer's Anmerk., Antimach! 
fngßam. edtSehellenberg p. 76*, Apoilod»lII.6. 8., Eastatb. adüem.- 
Od. 11. p. 1684. 8. (ed. Rom.), Zenob. V.4d. Vergl. Welcher, Tri- 
lo^e S. 358. nnd Rathgeber Hall, Encycl. HL II. S»397. Note57. 
— 7y AuchbeiGuattani Mon. ined. 1788. Märze, tv. 2., p.25. andGfil. 
«ytb. 137. 9^. Vergl. Mflller^s Handbuch $. 412. 3: ' 



pBine Stflme kesogene ReUeffragment amurasdiliafBeB «ein; 
ZoiSga's BrUftning , nach d^ Teiresias mit Manio luri aa« 
deren Thebaaern im SpigoneBkriege auswaiidenid sm erken- 
■en ist, und welche mir vor der Winckelmann'acheii des 
Vormig mk verdienen sdieint, soll miten, in den ^BfifiMil* 
besprachen w^den. 



Einmal beim Ablehnen muss ich auch noch ein sehr 
bedeutendes Vasenbild bei Millingen, Vases de di verse^ 
CoUectioiis pl. 23. aus unserem Kreise verweisen, welches 
von dem vortrefflichen Herausgeber, freilich mit einigem 
Zweifel, auf den sophokleischen Oidipus auf Rolonos be- 
logen worden ist, und zwar auf eine Scene, welche den 
auf den Eumenidenaltar geflüchteten Oidipus im Gespräch ei- 
nerseits mitTheseus, andererseits mit Polyneikes oder einem, 
Gesandten Rreon's zeige. W e 1 c k e r dagegen erklärte dies 
Vasenbild nach der aus Sophokles » Atreus^ und Euripides {»Kre- 
terinen* gewonnenen, mythischen Basis für Atreu3 und Tbye- 
stes. Diese in der Zeitschrift fär Alterthumswissenschaft voa 
i8S& S. 2S3. entwickelte, in den Griech. Tragödien II. S. 
6^. erwähnte und benutzte Erklärung scheint mir vor jener 
den Vorzug zu verdienen, und ich holFe danach das Vasen- 
bjld in ein«r andere^ Reihe heroischer Bildwerke zuuc Dar- 
steUimg zu 



Abzakhnen und völlig aus mythischem Kreise $ü ver- 
bannen ist femer ein Relief, welches zuerst Wincke im attn 
19 den Mo9. ined. 104. , fireilieh verschiede» vmi spüarer 
PnbHcatiiin, veröffeatllthle, und auf Oidipus Stthmng im Raine 
vM Rolonos bezogen hat. 

Ganz ähiüich in allen Qauf tumständeo , jedoch ^i 
gekehrter Daiztdlung «di mit HiQ««(ilgiing cinea dreiadt 



- fl — 



fanmiendeii Altaii ttM drös ttdieflbftviiies *> ersehisfait 
Refief im Mltts. Bofboh. V. 88. , wdehes ausserdeib in Nea- 
p^s aBifken Bildwerken a. a. 0. und vonH. Bratin in det 
Jenaiaeben Lit Ztg. voii 18d6. S. 964. besprodien wird. 

In der Milte des Reliefe siiat eine. Ms auf einen Tbeil der 
Bmst und den einen Arm, völlig mit Gewand verhüllte Ge* 
stalt auf einem mit Thierklauen verzierten ^), mit einma 
«ottigen Thidrfell '^) bede^Aiten Sitae. Diese Gestalt, Urth 
ehe Winckelmann als den, tiaeh Oed. CoL 489. n. 4M., 
stumme Gebete verrichtenden Oidipus erklärt, der das Haupt 
verhüllt habe, sei es aus Seham, dass er sich hat za erken«' 
nen geben müssen , sei es als ein dem Tode Naher , diese 
Gestalt wird in Neap. ant. BiMw. wei blieb genannt, Was 
mir aber, angeslebts der Zeichnung im Mus. Bi&rbi weirigsteAs, 
ein Irrthum m sein seheint , auch weder dort im Text aodi 
vonü. Brunn a. a. 0. angenommen wird. Auch die Jugend* 
Hehkeit , welche nach der Note aur angeführten Stelle in 
Neap. ant Bildwerken in Winckelmann's Zeichnung au- 
genscheinlich sein soll , vermag ich dort nicht su erkennen. 
Nahe bei dem einen, vorg^treckten Fasse dieser Fi- 
gur liegt bei Winckelmann ein llt^idderkopf, der auf daa 
von Oidipus geschlachtete Opferthier, auf dessen F^ll er sitze 
(siehe Note 10.)^ gedeutet wird; im Mus. Borb. ist naihe an 
der Ferse der sitzenden Gestalt nur ein iStttck wie von dein 
gewundenen Hom eines Widders sichtbar, i^ahrend in Neap. 
ant Bildw. ausdrücklich hervorgehoben wird , der Widder- 

8^ Ein folcher ist gewiss «Uein in der Zeichnung so erlLennen, inNasj^ 
■nt. Bildw. 8. 130. Nro. 493. isl derselbe als Platane beseichnel. — B) In 
11 eap. ant. Bildw. a. a. 0. wird diese V eraiernng in Abrede gestellt, doch 
ist sie in der scharfen Zeichnung des unsweifelhaft identischen Monu- 
mentes ias Mus. Borb. völlig dentlicb, alt ans einer nicht im Detail ' ans 
gearbeiteten Thier (LOwen)tatae bestehend. — iOj Dies Thierfell ist bei 
Winckelmann, der es ein Widderfliets nennt, sehr undeutlich; im 
Mus. Borb. dagegen erscheint et sicher als nicht einem Widder ange- 
hörend, iMfpa apTerlKfifilMr die Tatae einet fcralleabewehften.Thieres 
(LOwosi Panthers oder vielleicht eines BAren) am Sitae |iera)^b«sgti t^' 



T~ 



— I» — 

köpf sei auf dem Munior nicht voriiMideii ^>)* ^^ dieser 
sitsenden Gestalt steht ein bartiger, etwas gebttckter Mana 
in langem I doppelt aufgeknttpftem Gewände ^ nut seltsam 
ftauenartig aufgebundeoem , langem Baar. Derselbe lialt in 
der einen Hand eine Opfersehale , mit der anderen giesst 
er aus einem Prochus eine Flüssigkeit in die Flamme dea 
an dem besprochenen Banme stehenden Altars. Andererseits 
tritt hinter dem Sitaenden eine jugendliche Fraaengestalt aus 
einem Bogen hervor , der vielleicht zu einer Restanration 
des Reliefe gehört. Sie halt , das Gesicht von der Scene ab- 
gewendet, in den beiden Händen Gegenstande» die ans mehren 
Stäben nusammengesetst sind, und gana die Gestalt der viel-- 
foch vorkommeadai Fackeln haben. An einer derselben un- 
ten erscheint eine Flamme, welche jedoch nach Giambat- 
tista Finati's Vermuthung (Mus. Borb. a.a. 0. p. 8.) als 
solche der Restauration angehört, und frtther einen Theil des 
aber den Sita ausgebreiteten ThierfeUes ausmachte. Einen 
dritten ahnlichen, jedoch an den unteren Theilen umwundenen 
Ruthenbfindel hat die sitaende Person im Arm über die Schul- 
ter liegen. Winckelmann und mit ihm Finati erkennt 
in dem jungen Weibe Antigone, welche auf Tbeseus Ankunft 
wartend , umschaue , in dem bartigen Manne den kolouischen 
Bürger, der für Oidipus den Erinnyen das Opfer darbringe. In 
Meap. ant. Bildw. bleiben die Figuren unbenannt; Brunn, 
welcher die Darstellung als bakchische Binweihungsscenc 
auffasst, benennt demgcmüss die beiden auletat besprochenen 
Gestalten Priester und Priesterin. Die von der jugendlichen, 
weiblichen und von der sitzenden Person gehaltenen Gegen- 
stände, in welchen Winckelmann die durch Oed. Col. 483. 
bezeugten dreimal neun Oelzweige erkannte, worin ihm Fi- 
nati folgt, werden in Neapels ant. Bildwerken ab «etwa 
Fackeln^ betrachtet, und für Fackeln, der mystischen ifSov- 
Xia entsprechend, erklärt sie auch Brunn. 

ii) Ob ebenfails nicht dii Stflek des Honei welehes im Mas. 
Borb. etfcheint? 



^ w ^ 

Nach dieser Darlegung der Acten kann ich scliliessltcb 
mich nar für die Meinung aussprechen, welche in Neap. ant 
Bildw. das Relief als ^Opfer^ bezeichnet, oder dicBrunn's, 
welcher, im Gegensafn zu so manchen irrthttmlich und miss- 
br&uchlich so genannten bacchischen Einweihungsscenen, eine 
wirkliche hier erkennt, die er mit anderen, allerdings ziem- 
lich firemdartigen Bildwerken in Verbindung stellt. Das Lok- 
kende, welches die mythische Deutung auf den ersten Blick 
hat, verliert sich bei näherer Prüfung, und so wenig, wie ich 
die Bezeichnung der Scene präciser zu wählen wage , a^ 
dies in Neap. ant Bildw. geschieht, so entschieden halte ich 
an der Ansicht fest, welche die Winckelmann'sche Deu- 
tung verwirft. 

Die Erklärung, welche Thiersch in seiner Disser^ 
tatio, qua probatur veterum artificum opera veterum p^o^ta- 
mm carminibus optime explicari, München 1835. einem Mo- 
nochrom auf Marmor in Neapel nach einer völlig uncorrec- 
ten Zeichnung in den Pitture d'Ercolano I. 3. gab , indem 
er das Gemälde fär Oidipus auf Rolonos annahm, wird 
vollständig beseitigt durch P a n o f k a in der Hall. Lit, Ztg. 
von 183^ August, Nro. 139. S. 430. ff., welcher, Bezug 
nehmend auf eine genaue Beschreibung des Originals in Nea- 
pels antiken Bildwerken S.dS8. f., sowie auf Köhler 's D^- 
scription d'un vase de bronze et d'un tableau d'Herculanum 
1812. und die richtige Abbildung des Monochrom's in Jorio, 
Guide pour la Galerie des peintures anciennes, 2. Ausjg^ 
1830. tb. 15., die völlige Unrichtigkeit der früheren Zeich- 
nung nachweist. Diese Zeichnung hatte Thiersch a. a. 
O.Tb. DL und Inghirami, Gal. omerica tv. 101. wieder- 
gegeben. Letztere ist besprochen von Welcher in der 
Hall. Lit. Ztg. 1886. April , Nro. 24. S. 690. , der eben- 
fidls »zur Enttäuschung^ über die früheren Abbildungen und 
Bfffclämngeii auf JLöhler's berichtigende Angabe hinweist. 



- M - 



•• OlAlpni ^irmh. 



K» bleibt uns, nach Ablehnung dieser irrthflmlich auf 
den fcreis der Oidipodia bezogenen Bildwerke nur noch die 
Anführung eines auf diesen Kreis, wenn auch entfernter be« 
zttgUchen Denkmals übrig , nämlich : 

Nro. 77., des Vasengemaldes in Millingen's 
Ancient unedited monuments I. pl. 36. ^) , welches, auf die 
attische Tradition von Oidipus Grab in Kolonos gegründet, 
zwei attische Jünglinge, die gewöhnlichen Mantelfiguren, zu 
beiden Seiten einer einfachen Orabstele zeigt, auf welcher 
folgendes Distichon geschrieben steht. 
l^nTSilMOAAXiCNTE KAIAIOOJOAONPOATPITON 
KOAPSilJOUinOJANAAIOTIONEXQ. 

Miliin gen a. a. 0. und Welcker, Sylloge epigr. 
(ed. alt. Bonnae 1828.) Nro. lOS. p. 138. lesen: 

Ncivtp fiiv fiaXax^y rc xml datpoiiXov noXvgil^op 
KoXntf fOtSmoiav Aatov viov fi/cp. 
Müller imHandb. §. 412.3. weniger richtig iv veiT(fit,r.X, 

Im Uebrigen macht Welcker a. a. 0. darauf auf- 
merksam y dass die Verse keine freie Erfindung sind, ausge- 
nommen etwa in sofern, als sie hier Oidipus Namen enthal- 
ten. Den ganzen ersten Vers und den Anfang des zweiten führt 
Eustathius zur Odyss. XI. 588. aus einem Epigramm bei 
Porphyriosan. Die Orthographie hat einige Eigenheiten, 
so lAokaxfi für f^aKdx^ , während sonst nur noch . die äoli- 
sche Form fioXoxfj vorkommt (Athen. II. 58. e.). Dass in 
den an einander stossenden Worten Aatov viov ein v aus- 
gefallen und AAIOTION geschrieben ist , kommt mehr- 
fach vor, wie dies Welcker a. a. 0. belegt. Aehnlicheu 

ty ff Met «bfeblldet Mol. Börb IX. U. tn6 In tighittmri 
Vtii fimii IV. iv. 315. 



Dintdlnigeii von Chrakstelen mit Beroemiaaea werden wir 
im Verfolg begeKnen. 

Wenn wir nvn nnm Schlnsse auf die sieben vnd sieben- 
jif Bildwerke, die ich smn Kreise der Oidipodin anführen 
konnte , nrOckbUdLen , so mnss uns die lAngst bemerkte^ 
starke Hanfimg der Denluntier, in welchen die Sphinx dar- 
gesteUt ist , vnd dagegen ^ der Mangel an Bildwerken fitr 
andere llidle der Begebenheit, verglichen mit den Bilder« 
rohen der anderen epischen Kreise^ darauf hinweisen , den 
vorwiegend gewaltigen Einfluss anauerkennen , welchen be- 
rOhmte epische Poesie auf die bildende Kunst ausflbte, dn 
Binftns y welcher, da wo er , wie bei der Oidipodia , fehlte, 
selbst durch die Tragödien nicht ersetat wurde. 



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Kreis 4er Thebals. 



Während für die Oidipodia die Haupteasse der Bild- 
werke aus denen besteht , welche Oidipus Räthselkampf mit 
der Sphinx darstellen, und während die übrigen Kunstwerke 
sich ohne bestimmt nachweisbaren Grund, sporadisch auf die 
Begebenheiten vertheilen, so tritt uns in den Bildwerken aum 
Kreise der Thebais eine Gruppirung entgegen , welche sich 
fttr einzelne Gedichte des troischen Kreises wiederholt, und 
deren Grund sich aus literarischen Thatsachen begreifen lässt. 
Die Gruppen der Bildwerke sur Thebais scUiesBeu sich ver- 
wiegend um Amphiaraos und seine Schicksale , und sowohl 
durch die bedeutende Zahl der auf diesen Seher und Helden 
beffüglicben Kunstwerke, welche nur durch die eine Gruppe 
der den Bruderkampf darstellenden Monumente, aus an- 
dei^en, als poetischen Gründen, übertrotfen wird, als auch 
durch die geistige Bedeutsamkeit und den künstlerischen Werth 
mehrer derselben, wird von monumentaler Seite her bestätigt, 
was Welcker aus innerlichen Gründen der politischen Com- 
Position ^) wie aus literarischen, in dem doppelten Namen 
des alten Epos liegenden, Anzeichen aufgestellt hat, dass Am- 
phiaraos Hauptheld und Kunsteinheit der homerischen The- 
bais gewesen sei. 

Eine zusammenfassende Darstellung der auf doi Kreis 
der Thebais bezüglichen Bildwerke ist noch nicht versucht 
worden, wie dies für die Oidipodia und ihre Sprossen der 
IUI ist, nur einzelne Gruppen haben bisher eine, wenngleich 
nicht in allen Theilen und Fällen richtige Zusammenstellung 
erfahren. 

Die hervortretenden Hauptgruppen der Bildwerke sind 
diese: 

L Einleitende und vorbereitendeBegeben- 
heiten. 

II. Amphiaraos Auszug. 

in. Archemoros. 

i) Ep, Cyd. U. S. 324. ff. 377. 



f^m 



IV. Kampf um Theben und Niederlage des 
Argiverheeres. 

V. Der Bruderkampf. 

VL Avphiaraos Niederfahrt 

L Binleiteode und Yorbereiteade Begebenheiten. 

Amphiaraos Weissagung im Hause des Adrastos. 

Nro. 1. Btruskischer Carneolscarabaus(Ta- 
fd m. Nro. 2.) ') der Stosch'scben Sammlung, jetat in Ber* 
Un ')• Die gewöhnliche Erklärung des Gemmenbildes, wel- 
che Winckelmann, Tölken, Mttller u. A. aufgestellt 
haben , lautet : fttnf der sieben Helden des ersten Zuges ge- 
gen Theben Ober den Kriegszug berathend. Durch eine rich- 
tigere Auffassung des Sinnes der Darstellung beseitigt Wel- 
cker, Ep. Cycl. U. S. 8S2. mit Note 25. die Willkihr, 
welche , nach den früheren Erklärungen in der Zusammen- 
sidiung der sieben Führer auf fünf, angeblidi des beschrank- 
ten Raumes wegen, gewaltet hat. Nicht sowohl eine Bera- 
thung der Heerfthrer, welche in der ältesten uns erhaltenen 
Bearbeitung, inAischylos Sieben gegen Theben ohnehin erst 
ror Theben durch das Loos ernannt werden, was schwerlich 
eine aus dramaturgischen Gründen motivirte Neuerung des 
Tragikers ist , als vielmehr die Wahrsagung des Amphia- 
raos im Hause des Adrastos vor dem Auszuge des Heeres, 
und in Gegenwart der besonders bedeutsamen oder interes- 

9) llen und genauer als bisher geaeichnet nach einem sehr 
•charfeo Gypsabgnss. — d^ Lipper t, Dactylioth. Mill. 111. p. 2. 
Uro. 36. and 2. histor. Tausend p. 27. Nro. 81.; W inckelm ann, 
PiOTres de Stoech Cl. III. Abth. 2. Uro. 172. nnd Mon. ined. 105., 
Gesch. d. Kanal III. 7. 2. 18.; Tölken: Vert. geschnitt. Steine Cl.U. 
Uro. 75.; Miliin Gal. myth. 143. 507., und IntrodncUon ä l'aude 
des pierres gravtes p. 49.; Müller DenkmAler I. 03. 319«; Lanai, 
Saggio della ling. etnisca. ed. 2. tonno 11. tv. IV. Nro. 7.; Ingbi* 
rami, Mon. £tr. tomo VI. iv. 212. Nro. 1.; Visconli, Opere varie 
IL p. 256., und sonst noch mehrfach abgebildet and besprocbw. 
Ofsrbfik« hweiiehs Gallsrlt. 6 



ghrleir Pn'feonen haben wir in dksfin Stein« tm erfcimneQ. 
Amphiaraos (SGAITOMA) , die HauptperftW sitist, mitet- 
wart« in ein Thierfeil gehttllt, di« Reehte auf eine Lanse 
gestützt, gesenkten Huirptes avf eraem lelohteii St«hlife in der 
Mitte zwischen dem HeerfÜrsten des Zuges , dem Agamem- 
nm Iknf TlliAai», Adlttse^ (AtDES^B)* ^)iiltf« iMM^rseits 
dem Prätendenten des zu erobernden Thrones, Polynetkes 
{hlDWJYtDy. Die traurige Scfaicksalsveitfifildigling des 
Sehers wirkt auf beide zunäehsl betheUigte Personen, und 
ttiiBsert sich in verschiedenen Gesten der Trauer und des 
Nachdenkens , bei Polyneikes , der auf einem gleidien Stuhl, 
wie Amphiaraos sitzt , indem er das gesenkte Haupt in die 
Hand stlHzt , bei dem auf einem Klappstuhl sitzenden Adra* 
ste» noch schärfer, indem er, nach bekannter Geberde der 
Trauer ^) ; das übergeschlagne Knie mit beiden Hündea 
umfasst. 

Hinter diesen drei sitzenden Personen, und in mehrf»r 
chem Gegensatz mit ihnen, zeigen sich Tydeus (TVTE) und 
Parthenopaios (PADQANAC A£). Tydeus Anwesenheit ist 
dorch mehr als einen Grand motivirt ; er ist , wie Polynei* 
kes, Prätendent, wie jener flüchtig, von Adrasto» aufgis* 
n^nMien, zu seinem Eidam erwühlt mit dem Versprechen der 
Restitution.; aber ausserdem ist er einer der wildesten und 
furehtbarsten Helden vor Theben ^) und als solcher der Wi- 
derpart und Gegensatz des Amphiaraos. Letzteres nament* 
lieh, sowie der Bezug , der zwischen ihm und Adrastos wie 
Polyneikes obwaltet, glaube ich, veranlasst und motivirt Ty- 
deus Afiwesenheit, ohne dass ich jedoch mit Welcker a. a. 

4) Seih FfBine fst durch ein Versehen des Steioschnttidiirs defii 
PiM^thcnopsioi , sowfe derjenige dieses Helden dem Adhistns bHfe*. 
^hHeben. — S) In dieser Geberde hlitte Polygnoies* Htkior In i^iiief 
K^kyiB in der Delphrschen Lesche dirgestellt, Paus. X. 31. 2. Vei^gl. 
A^ioA. llf. 706., Quintus Smym. XIV. 386, Apul. nnitüa. 111., Am» 
nftiiiD^ XXIXi 2'. 15. n. A^ — ff) Neben ihm Kvt>Bneiii, dem et fedoefc 
MhoD We^n des Mildlichen Verhftltnisses tu Amphiaraos Vom Sltei«-^ 
»chneM#r iMl guleM Sfutid« vor|Mög^ wordi^ Ht. ' '^ 



Oi antlMeft'aVgtey lau an Um , wie an Adraato^ tad Po- 
tfmikm ätäfiAätmos WatI gericlMel sei , wtiches , wie mir 
aaktiBl^ Palyndkea anfl Adraatoa allein gilt^ anf die es seine 
angeoleiiAialiche WiriLwir aasttkt Ais Widerspiel dieser Nia^ 
darf csdrisf enbeit der Hanpiperäonen er^cbebit der wiUh 
TjteuB 9 Schild mid Speer biegsfertig haltend , ein 66^ 
wkhfsttMlnn fkr^iHe ARlalglasigkeit der Wamng deaSeb^vs^ 
fln ihifidieni ZwedL «nd ahnlidi mottrirt ersehelnt sadaaa 
eiiiHieh ParAendpsäasy der Jttnfste nehen de» Aeltesleii, der 
DUhcjtheiiigte^ rieksicbtalos Kanpinstige mit kriegtariiieher 
Qeherde Mhea und geganiber dam Betbeifigtstea , deäitiHf 
tan dar Wnmnng ErgaüFenen, in naehdenkHeke Trauer Vef^ 
aoikten; adiwcriidi allein, wie Welcher andeatei nur AbL 
raninng) ntti nm das CHcichgewidit mit d<Mi Paar auf der 
aiidcipcn Seite ImrausieMen y als ttach einer der Hdd<^ Mdh 
WiBMir beigcaeHt Er wi MHüchsl Widerpart des Adrtf- 
Btaa, iMeTjdens Msaehst dar des^ Pal)Pkieikes> er ist ntflt 
Tydens jartnanam Seprisentaat das Hdei'eft der Baiideige^ 
ndescn, vad isl h<)kreingeaogen'^ na» darnnstille», dttss Am^ 
^hiMMH Wanmng ni*ht nar hm Kreiie der banptsflMMidi 
Betbetligten allein , sondern gegenüber dem ganzen , zum 
fttieifltidiea 1R^ hetm^ti Iktte äU^ge^j^föehen Mi'd. VTä- 
ruili just ParthenopäiQs gewälili i^ , ist vielleicfit nichi nflt 
Bestiramtheit zu sagen , doch scheint mir ^urch seine , d^ 
jngendiicli Muthigen und Uebermütbigen Person ein sclittir- 
fnrer Oagansats sowohl gegen den unheilFerküadenden Se- 
her wie gegen Adrasto» gegebeny aladar, welcher etwa^ dnrcdi 
einen Kapanevs erreMil Worden wttte^ der ^eonastiseh nebifSn 
Tydeos ge^tlutden habiiii iTflt^e 0* ' 



ry lih hsbe Mm TiaAbetpfbcheoe OeniüMil aatfflbrlkiMr b4- 
hooMi^ als rlaHeidbt einigen 4er Lcste nltiiig aehieas wettv aibthr «in 
•a wtditia^ Mannmoal' wis disses». dttrob eine BrUtraag Wie üe aa- 
^legeitf Weleker's« ia a» Heaptf nelie iolilegend *ia«lert< ist^ nidbt 
elwe dut jedoch einige nebeniftcliliche PankM nacbmi etledlgen^Uis- 
bea, §0 TOilehat ei iksb «.daalLe iah, der Mähe des VamvoUef , aueh 



— 84 — 

Auf die einleiteoaen BegebenheUen hetUbt sieh nech 
Nro. %. Der etruskische Spiegel (Taf. HL Nto. 
8.)t bei Gerhard, Btniric. Spiegel I. TC 98. »), weldier 
nur nodl nicht ganz richtig ao^efawt scheint — Links «itnt 
AdrastoB (3T2<TA) im Paneer mit dariber geworfenein 
CUamydion, sonst nackt, biUrtig, die Linke anf den Speer 
aiifiittftaend ; ihm gegenüber Amj^iaraos (a<Al(l>AAilA), j». 
gendlich, den unteren Thdl des Körpers in ein Kmaliöa 
geschlagen, dessen i^fel über die linke Schuller flSlt, wah- 
rend d«r Oberkörper nackt bleibt, dieFflsse mit rohen Schu- 
hen bekleidet, im Haar eine schmale Tänie, welche ihn äk 
Sdier charaklerisirt , am Oberarm eine Spange mit drei Bul- 
len. Hie rechte Hand erhebt er, indem die swei lotsten 
Hnger eingeschlagen , die tibrigra wie num Schwur ausge- 
streckt sind, ffum redend geöftioten Munde, die Linke 
ruht «if dem neben ihn sldMuden, in der Scheide sieieken- 
den Schwerdt ^). Zwischen diesen beiden sitnenden Personen 
steht Tydeus (ST VT) in schlanker aber kräftiger JingUngsge- 
stalt, dem Adrastos nug^wendet ; in der Linken trägt er am 
Speer, in der Hechten erhobt er ein Hals- oder Armband ^®), 

die Rette der Schwierigkeilen wegturftuiiien , und du Denkmal in der 
ganien Sinnigkeit seiner Composition darzulegen, sowie der Mühe, auf 
einen solchen Versuch , wie ich ihn angestellt , prüfend einzugehen. 
6) Auch ahgeb. in den Annalen des Instituts Bd. XV. tav. dagg. F. , 
ferner erwähnt von Gerhard, Ueber d. Metallspiegel d. Etrusker. 
Abhh. der Berl. Akad. 1836; S. 348. Note 180. und im Balletino Ifk- 
poletano III. p. 48. 52.; beaproohen von Boulea in den Annalen n. a. 
0. S. 215 ff. — 9) Diese Bewaffnung, doi Amphiaraoa, welche Ro n« 
lea a. a. 0. speciell durch Stat. Theb. IV. 187. an rechtfert%en Ar 
nOIhig findet, so wie die der anderen Personen, hat gewiss gar nichts 
AnlMiende^; ea handelt sich ja hi^ um Krieg, und Amphiaraos ist 
nach Pindart schdnera Anadmofc (Ol. VI. 2d.) Seher und Binipfcr aa- 
gleich. Ffir die Haltung der Hand vgl. die Vaeenbilder Taf. IV.. Nro. 
2. nnd 3. — iO) Letsthres wird speciell durch Pfopert. lU. 11. 67. 
gerechtfertigt, wo ea heiast: 

Tu qaoque, ut auratoa gerbräay Eriph jüa , laeerloa/ < 



ahdkb iem^ wddife Aa^\ämm haft> mit dr^l Bwlleo ge. 
fldMtckt. 

R Ott! es &mi üe iSoeae so auf , dass er atuunaity 
Airaatoa sei dargeaidlt, fecntihl, Anpbianios aurTheilnahoie 
aa den Zug wUer Theben « bereden ^ aber vergebens, in- 
dem der Seher. sieh in tiefes Sohweigeu hüUe, denn dies sei 
dmrdi die an den Mmid fcrhebenen Finger aoagedrfldLt un- 
ter diesen Umstinden trete TydcMs mtm Adrastos, indem 
er ihm das Klönod bringe, dnlrdi Wdches Amphiaraos Wi« 
derstandi besiegt .werden könne und werde. 

Dm au rechtfertigen , dass dem Adrastos das Kleinod 
gebracht werde , beraift( rieh Ronlejs auf die von der 
gnröhnlichen und aHein sinnvolfcu Braillilnng , nach der 
Bffifhyle Von Fölyneikes oder Argeia Geschenke nimmt 
abweifihesde Traditiim ^^)y naeh < welcher Adrastos seine 
Schwester bestach , ^hren Oenudii zu verraflien. Dem 
ChraveuT dte Spieg^ habe es zweckmässig geschienen , 
Amphiaraos aum Zeugen der Deberbringung des Klei* 
Bod's an Adrastos zu macheu , was schwer glaublich er- 
scheiot , indem hiedurch der ganze Sinn der Kr zAhlung auf- 
gdioben wird. Wenn schon in dem Gesagten Schwierigkei- 
tea liegen , so treten diese noch bedeutender hervor in der 
Art, wie Roulez zu rechtfertigen sucht, dass, angeblich, 
Tydeus das Halsband an Adrastos überbringe ^^). Roulez 

li} Hygin. Fib. 73. » EotUilh. ad Odyta. XIll. 326. p. 42t. 
(ed. Ups.), Kndoc. p. 22. Bti Hygin wird von einem Vertleck dei 
Arapbianos berichWit, den die von Adrastos bestochene Eriphyle 
de« Broder geseigt habe, eine nach Welcker, Ep. Cycl. 11. S.345. 
Hole 5t. aus der Tragödie geflossene Version; Eustathius aber sagt 
iweirelndy Eriphyle habe, und zwar, der gewöhnliches Sago nachi 
ale Sehiedsrichterin das Geschenk genommen: naga IlolvytütQvs { 
'ASf^dßtqvy ohne jedoch auf das Letztere nAber erUntemd einsage« 
heu. Ale eine abgelegene Tradition giebt sich die von Roniei her* 
voigesogene leicht xu erkennen , wns Sbrlgens nicht hindern wflrde , 
eine hildUehe |>|irsteUnng in etrnskischer Kuoat aus ihr absuleiten. 
Die Sekwierigkeil liegt an eineni anderen Ort. — tHJ Bon loa meint, 
Tydeus sei als Beisender gekleidet, was ebenfalls irrig ist, dean et 



mmiDl an, Tyiieas, ad deijenife dos 'ite Briden r&n The^ 
ben «eonftf nt lenrs prindpales missions.^ ffiefttr beruft erwii 
anf die Weibsendvog gm Mykenai, welche Tfieu «ach II. IV. 
3ra.it Bit Polyaetoe gcaeiiiMUB «bentiiHit «ad a«f die Sen. 
dang nach Theben, am Wlyneikea Beatttution an farden, H. 
IV.a8S.ff.,V.8M,X.i84. Hiena€b,nMntni»aoales,kttMie 
aadi PelyncikM Tydens mk der Oebctbringug des lali^ 
bandes an Adraatos beauftragt haben ^^). Aber jene beiden 
Sendungen bfiweiaen «eeh keinesw^, que fasa liäNW Argiena 
con&ent leurs prineipales HHssiona k Tydte, «nd ebeuMwe«' 
nigy dass diese Oeberbringung dee flaUaadee eine solche 
miesion prineipale eei, aamantUdi da nicht, wn eie in Am^ 
pUaraoe Gegamrart mit der Ocmflüiüchkcit vor aich geht, 
wriche unaen Zeichnung daraleUt Auf der mykeniüdien 
Werbsendnng begleitet Tydeus den cigenliieh interescirtcn 
Folyneikee ^), wenn er ata Adraitea Schwiegeiaohn und ata 
der nweite Prätendent, dem nadi lliebena IUI geholfen 
werden sollte , doppeUe VeraniaaMng hatte. 

Die «weite MSieion aber, die nach Theben, kommt dem 
Tydeus ata dem TapüBsatea und Stärksten an, aber es liegt 
keineswegs der (Siarakter eines Botenamtes auA in dieser 
Sendung *^), was Beulen noiivwendig anneiunen 



fehlen jiut die CbarakterisoKeD des Heisecostnnif KoUmrne und Petar 
SOS ; Tydeas erscheint im gewöhnlichen , heroischen Ephebencostnm. 
13) In der angef. Stelle Hygfn's ist Ton keiner Üeherhringang 
des Halsbendes die Rede, Adraslos Iftsst den 8chinaek machen, «nd Pö- 
lyneifces bleibt hier gani ans den Spiele. Die andere Conjeeiwr dea 
Vf. S. 217. Note 2. : 11 ne seraft pas inpoaaible non plos , ^Ml enl 
ezlsiö une Tersion, d'aprte laqnelle le ils d'Oen^e aTait rappdrt6 le 
eollier de ThAbes , on il avait 6%6 en embassade halte feh keiner Wf- 
derlegnng für bedflrftig. — 14) Wenn dies In der angef. Stelle der 
Illas nicht hervortritt , so ist bievon der Grmd , dass die Rede sich 
auf Tydens beaielit, der dort als Manplperson henrortrelen nraaele ; er- 
fvabnt ist Polyneikes. — iö) Aehnlieh gehen nach Jl. ill.30ft. Meae- 
laos und Odyssens naeh Troln, «n, tor Reginn dea Kampfes, Helen« 
ttiaekanfordem , was in df# Uyprien flllt. Ab BotetfUatllen vrini 
Wiemaad denken« 



— «r — 

m ^If eMein von Ueberlra^ung der prhiGipales »inlMift «i 
reden. 

Somit ßdU diese alln künstliche Brkrlärung der merk- 
wtr^mSeene, und wir werden diesellie etwa« anders aufttfk 
sen mttssen. Ich glaube, es bandek sich nicht sowohl an 
Anfliiftraos Theilnotwie am KricKc, als vielmdhr um die 
ftage , ob der Zng gtgen Theben unternoamien wendan aoll, 
oder nicht. BekannHich bilden in Besug auf diese i^ajpB, 
wie im ganzen Wesen und Handeln, Amphiaraos und Tf dous 
die schftrfsten Gegeusfttse *^). flier nun sehen wir Amytria- 
raos nicht schweigend, wie Ron lex sagt, sondern redend, 
mit geUffiieten Munde ; er rttb ab von dem als rerdeiUidi 
efkannlen Kriege; ihm gegenüber spricht Tydous fitar den 
Krieg , beide wenden um Reden au Adrastos, den HserfiHr«- 
ston. Den Schmuck aber in Tydeus Hand , in dem audi 
den Verrathspreis des Amphiaraos erkenne, den ich 
aus der gegenwftrUgen Situation su eridircn ablehne« muss, 
fasse ich so auf, dass er, das Werkzeug durch welobos Am«> 
piriaraos Widerstreben gebrochen werden wird, hier sfrmbo« 
lisch darauf hindeute , dass Amphiaraos nicht durchdringen, 
dass die Meinung, welche Tydeus verlicht, durch Briphyle^s 
erkauften Schiedsrichterspruch siegen werde. 

Auf eine episodische ür^^lUilwg '0 ^^^^ Begebenbei- 

16) Vergl. nur Aesch. Sept. 573. sqq. UDd Welcker, J^p. 
Cfci. U. S. 327. ; umer Spiegel eDthftIt , auf die Hanplperfonen zu- 
5«tiineiigeaEDig<n , die dort entwickeU« Siiastioo. — 17) Pief nehme 
ich nil Welcker, Ep. Cycl. IL 8. 327. 9ioU 12. gegen Abjtken, 
te-, Amiaii XI. p. 260. 4ea Stoff als direcA in die alte Theliuf f ehö- 
read ^eiraeblel, in di«Aem Falle nnbedeoklich an, obwohl ^VelcKer'i 

Aeusiernng a. e. 0. : „aaeh aus Homer hat die Alteste Kunst gar Qim- 
cIm Scenen etttnonoieD , die weder eosfShrlich hieschrieben, noch an- 
dere ala gelef«BÜich, nach der epischen Scbicklichkeit berichieit aind*, 
piA grosser Vorsicht in allen einaelnen in Krage kommendeii VMl^n au 
bcuntBen ist, 4«injt man o^^ oJkae 4i0 tcbärfale Prü^fung auf JiiPineri- 
»9ho £pi#odea und £rwAb|itt«gen Bildwerke b«;ßifpbe , wolcbe ^i der 

directen Bchandlang des Stoffes jn ^dfsieu J'pfficff .Ibf^ b;«il«|0 und 



len, welche ebenfalls au den die Thehais einldteiiieB ge- 
hören, bezieht sich: 

Nro. 3., ein archaisches Vasenbild (Taf. III. 
Nro. 4.) , abgebildet in den Annali , tomo XL tv. dagg. P., 
und besprochen von Abeken daselbst S. 8&5. ff. 

Dies Gemälde zeigt uns in wunderbarer Uebereinstini- 
stinunong mit Stat. Theb. I. Vs. 5M— 589. die Aufnahme 
des Polyneikes und Tydeus bei Adrastos '^). Diese üeber- 
einstimmung ist so gross, dass man an der Gemeinsamkeit 
der Quelle des Bildwerkes und der Poesie nicht zweifeln kann. 
Da nun das Gemälde offenbar viel älter ist als AntimadMM 
Po4!sie, und da in fräheren Ctedichten dieser Stoff nirgend 
entschieden hervortritt , so wird der Schluss gestattet sein, 
dass sich das. Bildwerk auf die homerische Thebais grUn- 
de, und dass auch Statins (ob direct?) aus derselben ge« 
schöpft habe. 

Auf unserem Gemälde sehen wir Adrastos (^DRESTOS) 
auf einer reichen Klisia liegend , vor welcher ein Tisch mit 
Essgeräth steht Ihm gegenüber sitzen , innerhalb der Um« 

lieherere BaBis haben. loghirami ist in Beiner Galeria omerica nur zu 
oft in dieser Hinsicht kritiklos verfahren, was Welcher in seiner 
Recension (Hall. AUg. Lit. Ztg. 1836. Nro. 74. ff.) vielmals schlagend 
nachgewiesen hat. — 18) Die Stelle des Statins, eigentlich der 
beste Commentar des Bildwerkes, die ich deshalb ganz hersetzen will, 
lautet : 

laetatnr Adrastus 

525 obseqaio fervere domnm; iamqne ipse snperbi Fnigebat stratis, 
solioque effultus ebumo. Parte alia iuvenes siccati vnlnera lym- 
phis Discumbunt; simnl ora notis foedata tuentur, Inque vicem 
ignoscunt. Tum rex longaevus Acesten (Ifatamm haec altriz, ea« 
530 dem et fidissima custos Lecta sacrum iustae Veneri occnltare pu- 
dorem) Imperat acciri, tacitaque immurmnrat anre. Ifec mora prae* 
ceptis; quum protinns utraque virgo Arcano egressae thaiamo, 
535 mirabiie visu, Pallados armisonae, pharetrataeqne ora Dianee Aeqnn 
ferunt, terrore minus: nova deinde pndoriVisa Timm Aicies; pnri- 
ter pallorquc ruborque Porpureas hausere genas ; oenüqae veren- 
tet Adsanetum rediere patrem. -— 



grensmig ies HaiiseB oder des Saales , wriche ta«h eine 
Säule angedeutet wird , swei vdllig in gebordete Oewäsder 
eingdiilltePersoBeii, deren dne durch dieBeischrifiTVDEVS 
als Tydeos sieh erweist, was für die Andere ohne Schwie- 
rigkeit avf Polyneikes schliessen lasst ^^). Sie sitseu neben 
einander flach auf der Erde als Schntsflehende , Ahnlich wie 
Myssens hei Alkinoos Odyss. VII. 158. , worin Statins ab- 
weicht Hinter ihnen nwd versehleierte , weibUehe Gestal- 
ten, weldie die rechte Hand staunend erheben, ohne allen 
Zweifel , 'Statins gemäss , Adrastos beide Tochter , Ai^eia 
nnd Ddphile, die designirten Brftute der beiden Jflnglinge. 
Zwischen diesen Gruppen und Adrastos KUsia steht eine dritte, 
wdbliche Gestalt in gebordetem Gewände, mit dem einen 
Arm auf die Klisia gestütsst , in welcher A b e k e n die bei 
Stat SM. erwähnte Amme Akeste erkennt , welche dort at* 
lerdings die Tochter herbeiholt, ohne dass jedoch für de die 
Vertraulichkeit recht passen will, mit der de sich auf Adra- 
stos Lager Ic^nt. Ich glaube, dass Adrastos Gemahlin xu er- 
kennen sein wird, an deren Stelle Statins die Amme gesetst 
haben mag. Im Gannen haben wir wohl den Augenblick an 
eikennen , in welchem Adrastos die beiden Jttnglinge gast* 
Ifch auf- und zu seinen Eidamen annimmt, indem er das 

■19) Hinler der Siule, an der die JAnglinge sitsen, findet sich daa 
Hamenfbmchftaek ... OMAYOS, weichet Abeken S.258. Philoma- 
dios erginst, and alt ein umichreibeades Wort fOr Polyneikea geist- 
rricb erkürt; während Raonl-Roehette im Journal des SaTanti 
ll§34. p. IM). 11 ikomaeboi erginzt, und den Namen fflrden des Kflnit- 
lert erklArt, bei dem noch ein inoiijoiy oder iyQaifft^ weggefallen sei. 
Hiefir spricht der Ort und die Stellung der Inschrift, während sonat 
Abeken 's Conjectnr mehr Anziehendes hat. Nur der eine Umstand 
spricht noch gegen dieselbe, dass die anderen Personen mit ihren rich- 
tigen Namen benannt sind, so dass man nicht wohl einsieht, warum 
Polyneikes durch Philomachos umschrieben worden sein soll. ZurBnt- 
Scheidung liest sich die Sache offenbar nur Angesichts des Originals 
bfiafen, wo sich seigen muss, ob eine Fragmentirung hinter dem 
Namen, oder an einer entsprechenden, fttr inolijaty oder tyQmjfiy paa* 
asnden Stelle sich findet, oder ob die Yase im Uebrigea miTerlotsI isl. 



drakel erMlt glrabte , welches ihn seine Ttfchter an einen 
Eher und einen Löwen ^^) Ferebelichen hiess ^^). 

Soweit die vorbereitenden Begebenheiten ; ehe ich 
mich ssü Anphiaraos Ausfahrt wende, will ich noch eines 
Vasenbildes Erwähnung thun , wddies , wenn die Erkla- 
nng richtig isi, zn dieser ersten Gmppe von Bildwerken 
2«r Thebais ssa rechnen wäre. Es ist dies die oft ^^) ab^ 
geMldete Vase, welche Jahn, Arch. Aufss. S. IM. auf An- 
pbiaraos Ueberredung zur Theilnahme am thebischen Kriege 
bezieht. Obwohl diese Erklärung allen übrigen, bisher auf- 
gestellten, vorzuziehen ist , kann ich mich doch nicht von 
deren Richtigkeit überzeugen. 

20) Beide flüchtigen Jünglinge treffen in der Nacht an Adrastos 
Hause zusammen und gerathen in Streit, wodurch sie Adrastos den Eber 
und Löwen darznsteilen scheinen, so Enrip. Pboen. 434. (Schütz), 
Snppl. 133 (Bothe); dies scheint die ältere Form der Sage; nach 
Apelled. lil.l(. 1. tragen die Jünglioge einen Eber und eineii Löwen als 
Scbildzeichen ; nach Hygin. Fab. 69., Scbol. Eur. Phoen. 1. c. u. A. waren 
sie mit den Fellen von Eber und Löwen bekleidet. Vergl. W el cker, 
Ep. Cycl. II. 331. Note 24. — 2i) Im Einzelnen ist noch Folgendes 
so bemerken: hinter Adrastos Klisia erscheint ein Vogel, in welchem 
Abeken eine Andeutung auf unglücklichen Ausgang des durch £d- 
lyneikes Aufnahme sich entzündenden Krieges erkennt, was dahin gestellt 
bleiben muss. In näheren Bezug zu Theben wird das Bildwerk durch 
die, freilich oft nur ornamental verwendeten, hier aber schwerlich ohne 
tiefere Bedeutung unter dem Hauptbilde dargestellten Sphinxe gesetzt, 
zwischen denen eine Gorgone (eine Ker wage ich mit Abeken nicht 
bestimmt anzunehmen) auf Tod und Verderben anspielt. In der ioni- 
schen rCamensform Adreslos für Adrastos glaubt Abeken, obwohl mit 
einigem Zaudern , einen directen Zusammenhang mit alter , epischer 
Poösie zu erkennen , worüber sich kaum wird entscheiden lassen. — 
22) Passeri Pict. vasc. I tb. 13.; d'H ancarvil Ic III. t. 43., In- 
ghirami, Mon. Etr. V. tv. 44. 



^ rt =» 



n. Amphiaraos Auszug. 

-1 

Dk Bildwerke^ welche flieh auf Amphiaraos Ausgug bene« 
hctt, biMen die erste bedeiiteMde Gruppe im Kreise der Thebais, 
wid y WMD nicht die unten aufgestellten Vermuthaogen trü- 
gen, eine zahlreichere, als man bisher annahm. Je bedeu- 
tender und charaiUeristischer der unfreiwillige Ansnug des 
ahnungsvollen und fremmen Sehers war, je schärfer derselbe 
im alten Epos , das von ihm seinen zweiten Namen eüpfing, 
betont, je ansfilhrlicher derselbe erzählt gewesen sein muss: 
um so weniger darf uns eine Häufung der Bildwerke , und 
grade der archaischen, am directesten vom Epos abhängigen 
Bildwerke wundem, um so mehr werden wir berechtigt sein^ 
auch solche Darstellungen , die eines entscheidenden Charak- 
ierismus entbehren, eher auf diese Begebenheit als n^ m^t 
che andere vermuthungsweise zu beziehen. 

Von der Veranlassung des Auszugs durch Eriphyle*s 
Verradh ist bereits oben die Rede gewesen (S. 85); die Be-* 
nteehnng Eriphyle's, ihre verrätherische Entscheidung und 
Amphiaraos zürnender Abschied von der falschen Gattin, 
sowie sein Bacheauftrag an seinen Sohn Alkmaioo* dies Al- 
ks ist W4A1 unzweifelhaft die zusammenhangende Erzählung 
äet alte» Thebais gewesen ')• Ihr gemflss sehen wir Am- 

i) Wir finden dieBe Erzfthlnng im Wesentlichen übereinstim- 
mend, bei Diodor IV. 65.; Apollod. 111.6. 2.; Eustatb. znOd. XI.325.; 
bcrfihrt Ton Plaf. Pölll. IX. 590. , Cic. Verr. IV. 19. und von anderen 
aptteren Sdiriftlitellern. Vgl. Annäti XV. 209. Rote 5. , Welcker, 
Ep. Cyel: II. 344. ff. — Bei dieser Gelegenheit will icb zweier Va- 
aenbllder Erwähnung thun, mit deren Erklärung ich nicht flbereinstim- 
men kann. Erstens eine Oinoehoe mit rothen Figuren in der Sammlung 
des Hm. Duprd in Paris und z^^eitens eine Vme der Sammlung Feoli. 
In beiden erkennt Roulez, Annali XV. S. 218a. 19. Eriphyle's VerfAh- 
mag, und wenn dies fflr die erstere Vase allerdings möglicherweise 
die riektige Erklärung sein kann, scheint die zweite auf ganz anderem 
Beden tu atebea. Aber auch in der ersteren ist es , wie icb glaube, 
keiaeswegf gewiss, dass wir flberhaupl eine mytbiioke^^Sceiie su er« 



phiaraofi Abschied von der bildenden Kunst adirfteh dtf ge- 
stellt Als ältestes Monument ist hier 

Nro. 4. das Belief auf dem Kypseloskasten bei 
Pausan. V. 17. 4. nu nennen. Pausanias beschreibt die Scene 
folg^ndermassen : ^Es ist Amphiaraos Haus dargestellt, und 
das Kind Amphilochos trägt eine Alte ; vor dem Hause aber 
steht Eriphyle mit dem Halsband, neben ihr aber ihreTodi- 
ter Enrydike und Demonassa und Alkmaion als ein nack- 
ter Knabe Baton, der Wagenlenker des Amphia- 

raos, hält mit der einen Hand die Zügel der Pferde und in 
der anderen einen Speer. Amphiaraos ist mit dem einen Fuss 
schon auf den Wagen getreten, er hält das nackte Schwerdt, 
und wendet sich gegen Eriphyle surflck, indem er vor Zorn 
sich kaum enthalten kann , sich an ihr sm vergreifen.^ 

Sehr abereinstimmend mit dieser Beschreibung ist die 
Darsteünng in 

Nro. 5., dem Gemälde an einer sehr alten Amphora des 
0* K* ftgyptisirenden Stiles (Taf. HI. Nro. 5.), aus der Samm- 
lung Candelori, jetzt in München , abgeb. bei Sficali, Monu- 
ment! inediti per servire al studio della storia dei popoli Ita- 
liani cet, ed. 8. Flor. 1832. tav. 95. ^ Unser Amphiaraos- 
abschied besteht aus folgenden Personen. Am linken Ende, 
wo unsere Scene von dem Kentaurenkampf des Kv. durch 
einen Zweig getrennt ist , ziehen zwei gerüstete Krieger an 
einer auf einem Klappstuhl sitzenden Person vorüber, welche 

kennen haben ^ dt Ueberreichung von Kränzen und Schmuck in •• g. 
individaellen Oantellnngen lo häufig ist. ^— g) Die in Rede stehende 
Zeichnung befindet sich in dem oberen, durch Schraffirung angedeute- 
ten Streifen der Vase, welche auch in ihrem übrigen Bildwerk mehr- 
fache Vergleickungspunkte mit dem Kypseloskasten darbietet. In den 
3 verschiedenen Streifen sehen wir ausser Sirenen und Sphinxen, wel- 
che den Hals des Gefftsses a chmflcfcen un3 ausser uoserer Scene, im ober« 
aten Streifen Herakles Kentanrenkampf (vgl. Paus. V. 19. 2.) ; in sweitan 
eine Jagd und einen Thierkampf; im untersten ein Wettrennen mit 
Zweigespannen (vgl. Paus. Y. 17. 4.) Siehe auch Jah% arck. Aitffi^ 
8. 165., Hot Us, Ann. ZV. p. 210. 



in tiefer Trauer ias Haupt in die Hand «tatst. Vor die- 
sen halt ein gerttateter Wagenlenker ein Viergespann ^); 
die Zügel straiF gefaast, in der Rechten anaaerdem die Oeia- 
ael haltend steht er im Wagen ^), auf welchen ein vdllig 
gerflsteter Krieger den einen Puss gesetzt hat Dieser wen- 
det sicby indem er das Schwerdt aus der Sdieide sieht, 
nu einem nackten Knaben und einem Weibe mirttdt ^y, wel- 
che beide die Arme, ob flehend, ob abwehrend, ist wohl nicht 
ffu ^tscheiden, su dem Helden emporstrecken. Micali dachte 
(Storia HL p. 964) an Hektor's Abschied, auf welchen aber 
kein einniges Motiv des Bildwerkes passt, welches vielmehr 
aus der Darstdlung am Kypseloskasten seine vollständige 
Erklärung findet. Die Hauptgruppe, Amphiaraos, Alkmaion, 
Briphyle ist mit der Beschreibung, die Pausanias giebt, bei- 
nahe identisch; wenn die Amme mit Amphilochos fehlt, so 
sind dafür drei Figuren sugesetzt, die auf dem Kypseioska- 
sten sich nicht finden , jene beiden ausniehenden Krieger, 
Amphiaraos Gcfiüirten, und die traurig sitnende Person, Am- 
phiaraos Vater Oikles % 

In diesem Bildwerke ist ganz der strenge Sinn der 
episdien, auch dmreh den Kypseloskasten als die älteste ver- 

8) In der Zeichnnng sind nur 3 Pferde erkennbar ; doeb gUnbc 
ich nicbt, dass ein Dreigespann dariuBtellen Absicht des Malers gewe- 
sen. — 4) lieber den. Pferden fliegt ein Vogel, wie er mehrfach aaf 
Vasen ai(en Sliles bei Reitern, Wagen nnd Kimpfern vorkeaunt, ohne 
dass seine Bedeutung bisher vOliig klar wäre. Vgl. Jahn, arch.Aufss. 
S. 155. Note 10. R o u I e i erinnert Annali a. a. 0. p. 210. Note 2, 
daran , dass bei Stat. Theb. III. 546. f. Amphiaraos Tod durch einen 
Vogel vorher verkflndet wird, nnd diesen ungflnstigen Vogel werden 
wir, wenngleich in anderem Sinn, hier erkennen dürfen. — ö) Durch 
die Stellung Aber dem Henkel des GefAsses ist dieses W6ib aaffallend 
klein gerathen. — tf^ Jahn a. a. 0. S. 155 erkiftrte dieselbe für den 
Pädagogen, der hier, wie Pädagogen mehrfach, an dem UnglOck im 
Hanse des Herrn Antbeil nimmt; da aher der Silz diese Person offen- 
bar mehr ausielchnet, als dies einem Pädagogen ankommt, habe Ich 
Beul es Brklärnng (Ann. a. a. 0. 210.) vorgeaogen, der schwerlieh 
WeaeatUehea entgegaaateht. 



batrgteA Tradition gewahrt. GeniUert dagegen md nriir-^ 
fach verändert ist die Scene in einer gröweren Reihe von 
DargteUnngen. Zunächst aber wird dn ebenfalls hieher be^ 
sagenes Vasengemttlde abzulehnen sein. Der Herzog von 
Luynes hat in den Nouv. Ann. IL p. S52 das Gemllldeattf 
einer der allerthümlichsten Hydrien bei Inghirami, Vaä 
fitt. IV. tav. 801. u. 90& als Amphiaraas Abschied ei^lttit, 
freilich nur kurz und ohne BegrOndung, und Jalin hat» 
Arch. AuÜBS« S. 156 dies Monument der Reihe der von ihm 
aufgezählten Amphiaraosausziige dngefflgt, jedoch nicht ohne 
auf das mannigfach Zweifelhafte dieser Erklärung hinzuwei«« 
sen. Da ich von der Unrichtigkeit derselben überzeugt bin» 
verweise ich für die Beschreibung auf J a h n 0- Mit Siehelrr 
heit dagegen lässt sich den Darstellungen unseres Stoües all 
Nro. 6., das mehrfach herausgegebene und besprochene 
mid einer Neapler Vase (Taf. lU. Nro. 7.), bei Scotli, 
iUustrazione di un vaso Italo-Greco^ Napoli 1811 ^) beizäh- 
len , obwohl die Scene bedeutend milder geCasst ist , äla in 
den besprochenen Monumenten. Auf dem Avers dieser Vase 
sehen wirAfflphiarao8(^Ma>/^^O^rttcklfg.), bewaflfnet mit 
doppeltem Speer und rundem Schild, dessen Episema em Bein 
ist, neben seinem Wagenlenker Baten ruhig auf einem vier- 
spännigen Wagen stehen. Vor den Pferden steht nieder- 
blickend und das lange Gewand mit der Rechten erhebend^) 
eine Frau, in der wir Eriphyle werden erkeunen mflssett. 

T) Ich will nur noch bemerken, dass ich die Flüge} der alle 
anderen fiberragenden Figur, von denen Jahn iagt, dass aie nichl 
deutlich seien, in der mir vorliegenden Zeichnung bei Inghirami 
a, a. 0. nicht an entdecken vermag. — 8) Auch abgeb. bei Inghi- 
rami, Vaii fittili HI. tav. 219 u. 20., Miilingen, Peiaiares de 
Vase» de diverses coliections pl. 20 u. 21.; Malier, Denkmftler d. a. 
K. I. 19. 98. besprochen ausser im Text zu den gea. Abbildungen yon 
Welcker, Schulseitg. 1832. II. S. 213., Roules, Ann. XY. 211., 
Jahn, arch. Aufss. S. 139. u. 156.; Bull. Nap. III. 4a — B) Roules 
meint a. a. 0. S. 211., sie verberge mit der anderen Hand das verhftng- 
nissvolle Halsband, ein Umstand, flber den nacli der 2dchnuttg gewtti 
Dicht abgesprochen werden kann. " - ' '' *^^ 



ftelgeBdirieben ist ihr <^) f^eilieh liicht Hir Nätne , sonitm 
üe Bezdchnung* KALOPA, welches für xaXmndg gesetut 
m\i mit B7^*(ondg wohl dynoDym, ihre Schönheit anziuidgeft 
scheint. Dies passt zwar im Allgemeinen auf jede Frau uM 
dürfte sieh von dem vielfachen, auch auf die dargestellten Per* 
soneu bezüglichen und ihrem Namen beigefügten xaK6g^ Käkfj '^) 

10) Jahn, welcher a. a. 0. S. 139. tagt, die Inachrift Btehf 
neben Eriphyle, was in der Thai so ist, bezieht dieselbe S. 140., 
yerleitet durch eine wesentlich anders gestellte Inschrift auf dem Re- 
vers derselben Tase, welche einen auch sonst (Gerhard, Rapp. vold 
f. 184. Nro. 72 ; Auserl. Vasenbb. II. Tf. 107., Etr. a. Campan. Vascnbb. 
Tf. 12 ; d e W i 1 1 e Catal. Durand. 296. ; Bull. Nap. III. 63.) vorkommenden 
Pferdebeinameo, KAAl^OPA zeigt, ebenfalls auf eines der vier Pierde 
des Viergespannes. Hiegegen muss eingewendet werden, dass ausser 
der Stellung der Inschrift und der Bedeutung des Wortes, welches sich 
«la Pferdeaame achwerlich rechtfertigen lassen dürfte, noch der Um^ 
stand dafftr spricht, die Inschrill auf Eriphyle au beslehen, dass swiit 
diese wichtige Person ohne Beischrifl bleiben wärde, während eines 
der Pferde unbezeichuend benannt wäre, was doch sehr unwahrschein« 
Kch Ist. Ganz anders verhält es sich mit dem Revers; dort hat Eri.- 
phyle ihren eigenen Namen voUstfindig beigeschrieben, und avsserdem 
finden wir, nicht neben firiphyle, wie auf dem Avecf, sondern schrige 
von den Pferden herablaufend und rflcklftufig geschrieben , noch das 
Wort KAM4»0PA. Beide Umstände sind deshalb von Wichtigkeit^ 
indem durch sie der Name Eriphyle, der in anderer Richtung rechlläufig 
geschrieben ist, weit von diesem Wort getrennt erscheint, und folglich 
beitfe Worte nicht zusammen gehören können, wie Welcher, allg. 
Schulzeitung a. a. 0. S. 213 , und nach ihm Grün eisen, altgrie- 
chische Bronze des Tux'scben Cabinets S. 64. und Roulez a. a. Ö. 
S. 218. annahmen. (Beiläufig, die Bemerkung Minervini's Bull. Napi. 
11.122. nndCa vedon i's ib. III. 63, über den Zusammenhang der rechtl. 
•und rfickliluf. Inschriften mit rechts oder links gewandten Personen dörfte 
sich nicht bewähren.) Wenn Jahn, um der Eriphyle des Averses die 
Beischrift abzusprechen , sagt , es würde auffallend sein, eine und die- 
selbe Person auf Avers und Revers verschieden benannt zu finden, so 
kann ich auch hierin nicht beistimmen, halte es vielmehr für ganz pas- 
send , dass , ^'^enn auf der einen Seite die Person mit ihrem eigenen 
Tfan;en benannt ist, dieselbe auf der anderen Seite, auf der ihre Be- 
deutnng ohnehin nicht wohl zweifelhaft sein kann, mit einem, ^i es 
a(1Igemefii, sei es spl'ciell passenden, schmückenden Epitheton bezeich- 
net wurde. — 11) Yergl. Jahn a. a. 0. S. 80. t 



wenig unlendieilen , kann aber audi viellddit für Sri- 
fhyle einen specielleren Qiaraklensnras enthalten, leren 
Schönheit wenigstens von Bustath. a. a. 0. und Sudokia p. 
M. besonders henrorgdioben wird. 

Der Revers der Vase, der versehiedene Erklärungen 
erfahren hat ^^) , neigt nwei gerüstete Helden auf einer Qua- 
driga, beigescfarieben ist ZOTZI 4A ; vor den Pferden schrei- 
tet die durch Beischrift {EP10SLE) beseichnete Briphyle, 
die Rechte erhoben und rückwärts blickend. Ich werde 
das Bildwerk später, nu den Epigonen erörtern. 

Nach Analogie mit den eben besprochenen Oenüüde 
wird sodann 

Nro. 7., ein archaisches Gemälde einer Hydria, die 
Gerhard im rOm. Kunsthandel neidinete, abgeb. in Ger- 
hardts Auserl. Vasenbb. II. Tf.91. *^), auf Amphiaraos Ab- 
schied mit Wahrscheinlichkeit benogen, obwohl die Beischrif. 
ten fehlen. Wir sehen nwei gerostete Krieger, Amphiaraos 
und Baton auf einem Wagen, dessen Pferde ruhig (im Para- 
degalopp) sprengen, während eine verschleierte Frau, Eri- 
phyle, rückwärts blickend, mit grossen Schritten hinweg- 
eUt «). 

Aehnlich ist wieder 

i2) Das Gemilde wird besogen- von Scotti ■. a. 0. (fiehe 
Hole 8.) auf AdraiKos und Polyneikes, von Nill Ingen a. a. 0. S. 38. 
Inghirami a. a. 0. S. 50., Weleker a. a. 0. S. 214. aaf Eripby- 
lei Verfolgung durch Alkmaion oder die beiden SObne des Amphiaraof ; 
von äoales a. a. 0. S. 218. nacb Fontieelli, osservasione di an 
vaso italo-grecO del archivescovo di Tarente, Nap. 1813. p. 56., auf 
Eriphyle, die Adrastos Amphiaraos Versteck seigt, nach der, wohl ans 
tragischer Poteie geflossenen (Weleker, Ep. Cycl. IL S. 345.), Tra- 
dition bei Hygin fab. 73. ^ Jahn Ifisst a. a. 0. S. 139. n. 140. die 
Scene nnerklirt, liest aber, wie mir wenigstens nach Vergleicbung der 
Note 8 genannten Zeiehnnngen scheint, unrichtig AdP.S,TO£. — 
±9} Vergl. daseibat 8. 29. und Jahn, a. a. 0. S. 156. — ±4) Das« 
Abrlgens dieses Bild mitdengenigen des Ev. von Uro. 6. ebenfalls grosse 
Aehnliebkeit hat, also vielleicht nach diesem gedeutet werden konnte, 
ist nicht so verschweigen. 



f 



-« sr — 

Nro. 8. , das ebenfalls nach dieser Analogie auf unsere 
Scene bezogene, archaische Gemälde einer Amphora im 
britischen Museum Nro.514.aus den Canino'schen Sammlun- 
gen '<^). In der Mitte Amphiaraos Quadriga, darauf derHeld^ 
von dem nur der hohe, korinthische Helm ssu sehen ist, und 
der Wageulenker im bekannten, weissen Crewande; vor den 
Pferden Eriphyle. Unzweifelhaft ist diese Erklärung kei- 
neswegs. 

Aehnlich in der Hauptgruppe des auf dem Wagen mit 
Baten ruhig stehenden Amphiaraos , abweichend in den Ne- 
benpersonen, in ihnen aber wieder an die zuerst besproche- 
nen Monumente erinnernd ist: 

Nro.9. Das archaischeOemälde einer Amphora aus 
Caere (Taf. UI. Nro.7.), abgeb. Mus. GregorianolI.48.2.a. 
Wahrend die Hauptgruppe ohne alle Schwierigkeit in der 
Erklärung ist, bieten die Nebenpersonen deren einige dar. 
Dies gilt freilich weder von dem gerüsteten Krieger, der hin- 
ter den Pferden sichtbar wird, und den wir als Amphiaraos 
OefUirten auffassen, noch von dem daselbst erscheinenden 
Manne in Friedenstracht, der fflglich als Pädagog aufgefasst 
werden kann, noch von der dem Wagen zunächst stehenden 
Frau, welche ein Kind trägt, und die wir, nach dem Winke 
der Beschreibung des Kypseloskastens, als die Amme mit dem 
kleinen Amphilochos erklären. Die Schwierigkeit liegt viel- 
mehr in der vor den Pferden stehenden, zweiten, grösser 
dargestellten Frau, die ebenfalls ein Kind auf dem Arme 
trägt, während ein mehr erwachsener Knabe vor ihr steht. 
Ich erkenne, Eriphyle, und kann, wenn es neu und fremd 
scheint , dass auch sie ein Kind trägt , auf die Analogie 
des unten (Nro. 13) anzuführenden Lekythos von Cerve- 
teri verweisen, in dessen unzweifelhafter Darstellung Eri- 
phyle ebenfalls ein Kind trägt. Erkennen wir nun ferner 

iS) Verg]. Catalogue of tbe greck and etruscaii Vases in tbe 
britisli Naseain (Yon Hawking and S. Birch) London 1851. vol. 1. und 
de Wi tte's Dötcriptioir Ifro. 112.; Ry. Thesens und Minotanrof. 
Ovtrbfcki bcroifchf Gatterl«. 7 



in dem erwacbseneren Knaben Alkmaion , so bleibt der Um- 
stand seltsam, das» w&hrend die Scene des Kypselosluistens 
4 Sander des Amphiaraos, 2 Knaben und 2 Mädchen enthielt^ 
hier nur 3 Kinder, und zwar allem Anscheine nach nur Kna- 
ben dargestellt sind, während ein dritter Sohn des Ampliia- 
raos ausser in Virgite freier Fortdichtung Aen. VII. 671. ^^) 
nirgend vorkommt Aber ich glaube l^aum, dass dieser ge- 
ringfügige und an und für sich durch Laune oder Nachlas«- 
sigkeit des Malers weit eher, als manche sonstigen, ebenfalls 
auf diese Rechnung gesetzten Abweichungen erklärbare Um- 
stand die Deutung wesentlich wird beeinträchtigen kön- 
nen *0' 

Wenn wir uns die bisher besprochenen Monumente in 
ihren Aehnlichkeiten und Abweichungen, wie sie die drei auf 
der dritten Tafel abgebildeten Vasen repräsentiren , verge- 
genwärtigen, so wird es weniger kflhn scheinen, wenn ich 
eine nicht ganz unbedeutende Anzahl von anders benannten 
Vasen des britischen Museums mit grösserer oder geringerer 
Bestimmtheit der Reihe von Darstellungen des Amphiaraos«* 
abschiedes einzufügen vorschlage. Diese sämmüichen Vasen 
sind in dem bereits angeführten Katalog als ^Rektors Ab- 
schied^ bezeichnet, wozu vielleicht Micali's (Storia DI. p. 
864) irrige Erklärung von Nro. 5. mitgewirkt hat Das 
Eine halte ich für sicher , dass , wenn nicht Amphiaraos, so 
doch auch nicht Rektors Abschied dargestellt, sondern irgend 
ein Reroenauszug gemeint ist ^^), Am wenigsten stehe ich 

iß) Virgil nennt 3 Söhne: Tibnrtas, KatilliiB und Koras ; das 
Würde mit Alkmaion und Amphilocfaos 5 Knaben deB Amphiaraos ge- 
ben , wenn solche Rechnung erlaubt wSre. — 17) Die Erkl&rung 
erkennt auch Welcher, Alle Denkmftler II. S. 179. Note 15. an. — 
18) Heroenabachiede finden wir häufig auf Vasen, ohne dass wir in 
den meisten Pillen bestimmte Namen mit einiger Sicherheit geben könn- 
ten; siehe z. B. den Katalog des brit. Museums Nro. 453. 2., 468. 1., 
476. 2. , 516. 2. (Catal. Durand 643.), 802. 2., 815. 2. wo AIJ[:L 
beigeschrieb^Df die jScene aber fast dieselbe Ut| wie in einer Reihe 



an, tien folgepden VektofRkclmd i« emm AbscUed im 
Aopphiaraos moinitaiiren : 

Nro.lO., archaischeAmphora im brit.MiK.Nro. 534. 
In der Mitte Amphiaraoa Viergespann^ der Wagenlenker Ba^ 
ton im Wagen, dieZfigel mit beiden Händen, dieOeissel in der 
Lii&en haltend. Hinter dem Wagen Amphiaraos mit Helm und 
Sdiild bewehrt. Er bewegt sich dem Wagen zu und schaut 
zurück zu Eriphyle , die im langen Chiton und Peplos mit 
verschleiertem Haupt, auf der Schulter den kleinen Alkmaion 
oder Amphilochos trftgt Neben den Pferden ein ganz gerii* 
steter Krieger, vor denselben ein alter Mann mit weissem 
Haar und Bart in voller Bekleidung, der Pädagog. Die Ana- 
logien mit den früheren Darstellungen, namentlich mit Nro. S, 
bieten sich von selbst. 

Auch stehe ich nicht an, ab 

Nro. 11., hieher zu ziehen, d i e H y d r i a das. Nro. 462. 2. ^^ 
Wiederum das Viergespann mit dem Wagenlenker in der 
Mitte der Scene ; hinter dem Wagen der ganz gerüstete Held 
mit einer reich bekleideten und verschleierten Frau , welche 
die linke Hand zum Munde (zum Halse ?) erhebt, im Gesprich. 
Vor dem Wagen der sitzende, königliche Greis und ein ganz 
gerüsteter Krieger. — Es ist wahr, der specifisch charakte- 
ristische Zug des Araphiaraosabscirieds, wie er auf dem Kyp- 
seloskasten und in unserer Nummer 5 hervortritt, der kaum zu- 
rückgehaltene Zorn des Helden, ist hier nicht ausgedrückt, 
aber erstens finden wir diesen Zug in einer Heilte gleich zu 
nennender Vasen nicht allein aufgeben, sondern durch einen 
ganz friedlichen Ausdruck ersetzt , und zweitens liegt in der 
Wiederljiolung der Composition, selbst beim Aufgeben des 
schärferen Gharakterismus, namentlich in den Fällen eine 
Gewähr für die fibereinstimmende Erklärung solcher Sce- 

TOB Hektombscbifden. Vgl. noch Berlins ant. Bildw. 661. Rt., 705. 
Rf. Qii4 sonst. — i^) Ans dsr Caoinoscben SammloBgi de Witt« 
D^scripk {Iro. 91. 



ovo«. 



— 1«0 — 

nen, wo eine boebberühmte, epische Ctesdriehte zur vidAi- 
chen , also auch handwerksmassigen Darstellung aufforderte. 
Hektors Absdiied von Andromache ist aber von Homer so ganz 
anders charakterisirt, dass Compositionen der Art, wie die vor- 
liegende, auf ihn bestimmt nicht passen; ja, sollte sieh 
einmal ein solches Vasenbild mit allen Namen finden, so würde 
ich immer noch behaupten, dass diese Namen erst später auf 
eine lang bekannte Composition ziemlich unpassend und ge- 
dankenlos übertragen worden sind , nach Analogie der wie* 
derkehrenden (frdlich oft sdir passenden) Benutzung einer 
Composition in zwei Bedeutungen ^% Etwas Aehnliches, wie 
die Beif&gung troiscber Namen zu einer ursprünglich nicht 
fftr Darstellung einer ilischen Begebenheit componirten Scene, 
ist die Einfügung einzelner troiscber Figuren in dieselbe« 
Hiedurch wird allerdings die Absicht deutlich, in dem einzel- 
nen Falle die troische Begebenheit zu vergegenwärtigen, 
ohne dass damit der Composition selbst ihre ursprüngliche 
Bedeutung genommen würde. Ein Beispiel hievon ist Nro, 
dS9. im Vasenfcatalog des brjlt. Museums, wo ein Krieger 
in phrygischer Tracht eingefügt ist; ähnlich daselbst Nro. 
478.2. 

Ob man aber derartige, nicht charakteristische Darstel- 
lungen, über deren Verhältniss zur Poesie ich in der Ein- 
leitung gesprochen habe, auf die eine oder die andere epi- 
sche Begebenheit beziehe , ist aus dem Grunde nicht gleichr 
giltig, weil aus der Häufigkeit der Darstellung ein l4cht 
auf die Bedeutsamkeit der Po(^sie fallt Die Kritik ist hier 
fireilich oft sehr schwierig. — 

20) Die BenuUung einer and derselben , leichl modificirten Cöm- 
pofiiioB xnr Darstellung versobiedeiier Sc^eo ist.eip^ wob! nllgevein 
anerkannte Thatsacho, welche im antiken KflnaUergeist ihre vollkom- 
men genügende £rklftrung findet. Beispiele sind bekannt genag. Vgl. 
Brenn, ZwOlf Reliefe, au Taf. 3.; Welcker, Alte Denkmäler II. 
S. 319. und Griech. Tragödien III. S. 1168. f. nebst Akad. Kunstmn^ 
aenm Uro. 3il2. f. und Pio Gem. lY. 17.; Gerbard Etratk. and 
Campao« Yasenbb. S. 14. 



— 101 — 

Wenn nun gleidi die suleftst besprochenen Monumente 
(Nro. 6—11.) den eigendichen Charakterumus der Scene des 
Kypseloskastens und des alten Epos aufgeben, dennoch aber, 
wenigstens in der äusseren Anordnung, die Composition 
der am besten charakterisirten Monumente soweit festhal- 
ten, dass sie Amphiaraos entweder auf seinem Wagen oder 
im Begriff in denselben einzusteigen darstellen , ohne den 
Scheidenden in unmittelbare Bertthrung mit seiner falschen 
Gattin zu bringen, so geben die folgenden Monumente auch 
diesen Zug auf, und zeigen uns Abschiede, welche, wenig- 
stens gegenüber der alten Erzählung, nichts Charakteristisches 
bewahrt haben. — Leider fehlen uns bestimmte Anhaltspunkte, 
am über die Frage zu entscheiden, ob diese Bildwerke und 
ihre starken Abweichungen von jenen ältesten einer Laune 
•der Nachlässigkeit der Vasenmaler zuzuschreiben oder ob 
sie auf eine veränderte Tradition zurflckzufflhren sind. Er- 
steres ist schwer zu glauben ; andererseits aber ist es 
nicht möglich, eine poetische Bearbeitung nachzuweisen, wel- 
che, mit gänzlich veränderter Erzählung, einen friedlichen, 
ja freundlichen Abschied des argivischen Sehers von der Gat- 
tin motivirend , die Quelle und Grundlage dieser Bildwerke 
gewesen wäre ^^). 

21) Alle Berichte der Alten sind, bei Abweichungen in den Details, 
aber die Sobald Eriphylen't einig, und bieten die UnmOglicbkeit, einen 
freundlichen Abschied des Ampbiiraos aus ihnen abzuleiten. Nur Ste- 
aichoros hatte anders Aber Eripbyle gedichtet; bei ihm war es nicht 
Geldgier, nicht Bestechung durch Geschmeide oder Peplos, welche 
sie trieb , Amphiaraos zum Feldsuge zu zwingen , sondern Vater- 
landf liebe. Vergl. Sehleiermacher zu Platon's Republik S. 608.; 
Sek ermann, Melampns S. 49. f.; Welcher, Ep. Cycl. II. S. 
391. f.; Ronlez, Annali XV. S. 209. f. In Beiug auf Stesicho- 
res Dichtung scheint mir Roulez a. a. 0. richtig zu urteilen, wenn 
er sagt: il ne parait pas, qne les fictions paradozales du po6te 
d'Uimere aicnt ezerce la moindre influence snr Tart ancien. Ich füge 
n«r noch die eine Bemerkung hinzu , dasa selbst wenn wir einen Ein« 
flnaa dea Stesiehoros auf die bildende Kunsl annehmen wollten, durch 
diesen immer noch ein freundlicher Abschied des Amphiaraos von Eri- 
pbyle kaum moUfirt wire, wie Ronlei a. a. 0. S« 210. aanimmi; 



— 101 — 

Bs bleibt uns also nichts Anderes, als^Ae in Rede stehenden 
Bildwerke anzufahren, ohne über die poetische Quelle der- 
selben eine Vermuthnng; £u wagen. 

Diese Bildwerke sind die folgenden : 

Nro. 12. Vase von Caere, welche nach Rovles 
a. a. 0. S. 211, von Braun 1841 erworben sein soll, die 
ich aber nur am genannten Orte angeführt gefunden habe. 
Ronlez giebt folgende Notiz: Amphiaraos ist auf derselben 
dargestellt, wie er sich von seiner Frau entfernt (also zu 
Fuss), welche mit dem verhängnissvoUen Halsband geschmückt 
ist. Die Beischrift AMOIAPA02 macht die Erklftrung nn- 
zweifelhaft. — Wenngleich hier der Abschied noch kein 
gradezu freundliches Motiv enthalt, und wenngleich das 
Halsband Eriphylens wohl nicht gleichgiltig ist, so trennt 
sich diese Darstellung doch von den bisher besprochenen 
durch veränderte Stimmung und Composition. Diese wieder- 
holt sich ahnlich in 

Nro. 13., einem Lekythos von Cerveteri, über den wir 
im Bulletino von 1811. S.35. folgende Notiz finden : auf neue 
und anmuthige Art ist der Abschied des Amphiaraos von Eri- 
phyle dargestellt ; der bertthmte Seher, bezeichnet durch die 
Beischrift AOIEPE02 [mit ausgefallenem M], hat den Helm 
vom Haupte genommen, und trägt ihn in der Hand, wie dies 
Götter und Heroen in ahnlichen Situationen [d. b. in festli- 
chen und friedlichen Sceuen] zu thun pflegen. Eriphyle e r- 
hebt das verhängnissvolle Halsband, um welches sie den 
Gemahl verkauft hat, und trägt eins ihrer Söhnchen 
auf den Schultern. Diese seltsame Darstellung ist ein- 
geschlossen von zwei Mantelfiguren, welche gewöhnlich den 
Chor bedeuten [?]^ Es ist aus dieser, freilich nicht allzu 

mag ihr Motiv 8oin, welches es will, immer bleibt sie diejenif^e, weU 
che den Gatten swingt, in den gewissen Tod zn geben. — Was Cie. 
Bpist. ad fam. VI. 6. erwfthnt, Amphiaraos sei ansgeiogen vel fama 
bonorum vel pndore vicins dflrite eher anf einen frenndlicben Abschied 
von Eriphyle hinieiten; falls nicht, wieWelckcr, Ep.Cycl. II. S. 345. 
Note 51. annimmt, Amphiaraos mit Alkmaion verwechseil ist. 



— 108 — 

nanenBeschreibanf , welche natnendich die Stellung der Haopt- 
pefsonen ganz unerwähnt lässt, wenigstens die Friedlidikeit 
der Handlung unverkennbar. 

Diese beiden Monumente einer neuen Darstellungsart 
vorausgesandty darf ich hoffen für die Einfttgupg des folgen- 
den «Hektorabschiedes^ aus dem Vasenkatalog des brit Mu- 
seums Zustimmung zu finden: 

Nro. 14. Amphora, mit schwarzer, violetter und 
weisser Malerei auf blassem Grunde , vormals der Durand- 
sehen Sammlung (Catal. Dur. 375.) Nro. S82. (Rv. Parisur- 
teil). Der Held steht in der Mitte der Scene in voller Rtl- 
stang und mit zwei Speeren bewaffnet, er legt einen Gegen- 
stand , etwa ein Ahschiedsgeschenk, in die Hände eines vor 
ihm stehenden nackten Knaben, dessen Haar, wie Amphia- 
raos Helm mit einem Diadem umgeben ist. Hinter dem Kna- 
ben ein Greis mit kahlem Scheitel , weissem Haar und Bart, 
ebenfalls mit dem Diadem geschmtlckt, auf einen Stab ge- 
lehnt, in voller Bekleidung, die linke Hand vorstreckend, 
Oikles; hinter Amphiaraos Eriphyle mit dem Halsband ge- 
schmückt und in voller Bekleidung, in welche die rechte, 
zum Hals erhobene Hand verhüllt ist, hinter ihr ein ebenfalls 
ganz bekleideter Jüngling. — So weit die Beschreibung der 
Herausgeber. Es leuchtet ein, wie wenig die Scene auf Hek- 
tor's , wie sehr sie auf Amphiaraos Abschied passt. Ich will 
auf das Halsband kein entscheidendes Gewicht legen ^^), aber 
die Gruppe des Helden und seines Sohnes scheint mir wich- 
tig f j^ entscheidend. Nicht allein wäre ein vor dem Vater 
stehender Astyanax unerhört , auch die Ueberreichung eines 
Geschenkes passt für die iKsche Scene nicht, ist dagegen 
sehr fein angebracht, wenn wir uns Amphiaraos Abschied von 
seinen Söhnen denken. Denn nicht allein das Vermächtniss sei» 
ner Rache hinterlässt er denselben scheidend, auch weise Leh- 
ren für\s Leben giebt er nach Pindar (fragm. ine. 68—70) 

22) Dirsthnt Ronlez im angefahrten Anfsalz, wie mir scheint, 
zu sehr. 




— 104 — 

fieinem jangeren Sohne Amphilochos , von denen uns 2wei 
Verse aus der Thebais selbst erhalten sind ^^). Wie, wenn 
nun der Vascnmalcr dies geistige Vermttchtuiss des isum Tode 
gehenden Sehers durch ein sichtbares Abschiedsgescbenfc aus- 
gedrückt hätte ? wobei die beiden Söhne in einen susanunen- 
gesogen wären. 

Weniger bestiuimt möchte ich auch noch als Nro. 14. a. 
den Hektorabschied der Amphora ebendas. Nro. 501. 1. hie- 
herziehen, in welchem allerdings der Knabe fehlt , aber die 
Stellung der halsbandgeschmückten, voll bekleideten Frau, 
welche die Hand zum Munde erhebt, hinter dem Haupthel- 
den, lebhaft an dieEriphylc mehrer der besprochenen Monu- 
mente erinnert Als Nro. 14.b. möchte ich ebenfalls mit 
einigem Zweifel eine Vase, früher der Candelori'schen Samm- 
lung, jetzt in München, hieher ziehen, deren Gerhard in 
Berlins ant Bildw. I. S. 105. Erwähnung thut, und auf de- 
ren beiden Seiten wiederholt ein zum Kriege ausziehender 
Held von zwei Kindern Abschied nimmt Und ob nicht auch 
die Berliner Amphora a. a. 0. Nro. 520. hieher am leichte- 
sten und genügendsten zu deuten wäre? 

An diese Darstellungen eines friedlichen Amphiaraos- 
abschiedes schliesst sich das einzige Monument eines wirklich 
freundlichen an, welches, 

Nro. 15., eine Hydria vonVulci-^) (Taf. IV. Nro. 1.), 
die wir zuerst durch eine Beschreibung von Abekenindeh 
Aunali XLS. 261. Note 7. kennen gelernt haben, und welche spä- 
ter, nachdem sie Jahn, Arch. Aufs. S. 157. nach Abeken's 
Beschreibung seiner Reihe von Amphiaraosabschieden einge« 
fügt hatte, in den Monumenten des Instituts Bd. III. Taf. 54. 
herausgegeben und von Roulez, Annali XV. S. 206. und 
212—15. besprochen ist 

23) 6«i Athen. VII. p 317., vergl. Welcher, Ep. Cycl. II. 
346. — 24) Die Zeichnung der Vase ist im schönsten flolanischen 
Stil, jedoch stammt sie ans Vnlci, nnd fand sich 1839. in Hrn. Basseg- 
gio's Vorrftthen. 



— 105 — 

In der Mitte des Gemäldes sehen wir Amphiaraos 
{AMOIAPEOS rückläuf.) in voller Rüstung^, der reich und 
schön bekleideten Eriphyle die Hand reichend, während sie die 
linke Hand sumKinn oder Munde erhebt. Hinter ihr steht eine 
kleinere weibliche Figur mit einem Zweige in der Hand, eine 
ihrer Töchter (nach den genannten Schriftstellern), oder viel- 
leicht eine Dienerin ^^). Diese Gruppe und ihre Bedeutung 
ist klar und unzweifelhaft, Nicht so die Personen , welche 
rechts und links das Bild abschliessen. Links erscheint ein 
mit der Sturmhaube gerösteter, im übrigen nicht kriegerisch, 
sondern in Friedenstracht gekleideter, älterer Mann, abge- 
wandt von der Mittelgruppe, den einen Arm erhoben. Aus 
den Falten seines Mantels scheinen die Enden ziATier Stäbe, 
die er mit der Linken hält, hervorzustecken (?). Auf der an- 
deren Seite des Bildes, rechts, steht auf einer kleinen An- 
höhe ein halb gerüsteter Jüngling, ebenfalls die eine Hand 
yrte redend erhoben, neben ihm ist der Ansatz des Henkels 
des Geßlsses sichtbar. Diese beiden, die Scene einschlies- 
senden Nebenpersonen werden, mit Roulez S. 214. u. 215.9 
Olkles und Baten zu benennen sein ^^). 

• 

M') Für Letzteres spricht ihre Stellang und Haitang, für Erste- 
res besonders ihre Kleidang, welche der Eriphylens fest gans gleich 
koinnit. — 26) Anders freilich Abeken, der a. a. 0. die beiden 
Personen yon der Hanptscene trennt , und , sie zu einer Gmppe ver- 
einigend, in ihnen eine zweite selbsl&adlge Scene , Amphiaraos dem 
Sohne den Eid der Rache abnehmend, erkennt. Zweifel hiegegen äussert 
schon Jahn, die gegrAndelsten Bedenken erhebt R u 1 e s, und ich 
rauss gestehen, dass ich nicht begreife, wie eine solche Auslegung, 
mngesichts des Monumentes überhaupt mOglich gewesen ist. Das Ge- 
mälde hat offenbar nur die eine Seite der Hydria eingenommen, folg- 
lich sind die beiden von Abeken in eine Gruppe vereinigten Eckfi- 
guren so weit, wie nur immer möglich, getrennt. Wenn Abeken 
an die Nachbildang eines anderen Kunstwerkes dachte, auf welchem 
die beiden Figuren einander gegenüber standen, so kann er allerdings 
Beispiele dafür anführen , dass durch Uebertragung eines Kunstwerkes 
auf anderen Raum die Klarheit derComposilion beeinträchtigt wird, aber 
für eine gänzliche Zerreissung derselben, für eine so sinnlose Tien- 



— 108 — 

Mit diesen zwölf oder vierzehn Monumenten scfaliesse 
ich den mannichfaltigen Bilderkreis von Amphiaraos Auszug 
ab, obwohl vielleicht noch manche Vasendarstellong eines 
geringeren Charakterismus hieher gedeutet werden könnte, 
wenn eigene Anschauung derselben oder wirklieh unbefangene 
Beschreibung in den Katalogen ein sicheres Urteil zu bilden, 
gestattete. Wirklich unbefangene Beschreibung aber, da wo 
einmal eine halbwegs passende Benennung versucht wordra, 
gehört zum Schwierigsten und Seltensten. 

Einige Reliefs von etruskischen Aschenkisten ^^), in 
welchen Inghirami nach Lanzi'^) Amphiaraos Abschied 
zu erkennen glaubte, verdienen nur eine ablehnende Er-* 
wahnung. 

noDg einer Gruppe dflrfte denn doch kein Beispiel aufztilrcibeii sein. 
Allerdings bin auch ich der Meinung, dass dies Vasenbild aas einer 
grösseren Coniposition nicht allsu verständig herausgehoben ist, und 
dass durch noch ferner folgende Personen welche sich an die von der 
Hauptgruppe abgewendeten jetzigen Endflguren anschlössen, die Hand- 
lung sowohl des Alten wie des Jflngliogs klar gewesen ist^ so dass 
ich nicht unbedingt mit Roulez Erklärung dieser Handlung aberein- 
stimmen kann. Ofkles ist nicht sowohl (R. p. 215.) von Schmerz ge- 
zwungen sich nach dem Abschied von seinem Sohne abzuwenden, das 
wAre sehr ungeschickt ausgedrückt; er spricht vielmehr offenbar mit 
einer, auf der Vase nicht mehr dargestellten Person, hierin sab 
Ab'oken schärfer; und auch das Erstaunen, welches sich in Batons 
erhobenem Arm ausdrückt, ist schwerlich ohne bestimmtes Motiv in 
der Fortsetzung der Scene gewesen. Beispiele für Abkürzung grösse- 
rer Compositionen in Vasengemälden , sowie für das Ausheben der 
Mittelscene siehe bei Welcher, Alte Denkmäler 111. S. 47, 195, 268, 
274, 301, 304, 530. — »7) Inghirami Mon. Etr. Ser. I. tavv. 19., 
20., 74., 75. — 28y Inghirami a. a. 0. S. 183. und 642. Noch 
Abeken scheint, Annali XI. 261. Note 7. derselben Meinung gewe- 
sen zu sein. 



— 107 — 



III. Archemoroft Ot 

Das erste wich%e und tief bedeatsame Abenteuer, weU 
dies die Helden von Argos auf ihrem Zuge gen Theben zu 
bestdien hatten , war das in Nemea , welches nadi W e 1- 
cker's Annahme ^) den «weiten Gesang der alten Thebais 
füllte. Die Hauptsäge des Mythus sind diese ^). Das argi- 
vische Heer kommt nach Nemea, dessen waldiger Thalkessel 
durch ein Wunder '^) wasserlos und dOrre ist. Das durstende 
Heer sucht Wasser, vergeblich, bis die Fflhrer Hypsipyle 
treffen, welche, nach dem lemnischen Mannermorde hieher 
verkauft, die Rinderwärterin des Opheltes, Sohnes des Ly- 
knrgos , des Kitaigs und Zeuspriesters von Nemea ist Hyp« 
sipyle fahrt, indem sie das Kind verlässt, die Helden en einem 
Brunnen ; eine Schlange tödtet den Knaben ; ihm zu Ehren 
werden , nachdem die Schlange erlegt ist, und nachdem Am- 
phianios des Knaben Tod als Vorzeichen des Krieges gedeu- 
tet, und Opheltes Archemoros genannt hat, nachdem endlich des 
Vaters Zorn versöhnt ist : die nemeischen Spiele eingesetzt, 
und von den sieben argivischen Helden zuerst gefeiert. Dies 
die in allen wesentlichen Punkten in die Thebais zu ver- 
setzende, poetische Grundlage der jetzt zu betrachtenden Mo- 
numente, welche zu den interessantesten heroischen Bild- 
werken gehören. Wir wollen in ihrer Betrachtung von den 

i) Yergl. Gerhard «Archemoros und die HeBpefiden« in den 
Abhii. der berl. Akademie v. J. 1836. S. 253 ff. ^ 2) Bpiaciier Oyclnt 
II. S. 350. ff. ^ 8) Vergl. Apollodor III. 6.4.; Stak Theb. iy.624.ff« 
«nd V. 498 ff. (nach der langen Epiaede aber llypaipyle) ; Hygin. fab. 
74. vgl. fab. 15. nnd 373.; Tsetscs an Lykophron 373.; Arguni. Find. 
Ne«. 3, 3.; Pana. 11. 15. 2., 3.; Anthol. Palat. XIU. p. 530. §^, (Ja- 
coba). lieber veniehiedene Abweichungen in «diesen, der Hanpsaeba 
nach abereinatimmenden Berichten werde ich bei den einaelnen Monn*- 
nenieii in apreeben Gelegenheit haben. — 4) Bakchos der theblfth« 
Gott, lAaat die Quellen yerichattcn gtnt. Theb. IV. 68Ö.9 Tgl. WoU 




^ 108 - 

einfachsten beginnend zu den figurenreichen Vaseudarstellun- 
gen fortschreiten ^). 

Nro. 16. , C a r n e o 1 im Besitze der Frau Mertens- 
SchaaiThausen in Bonn ^) (Taf. III. Nro. 8.). Das Kind von 
der Schlange umwunden, welche den Kopf mit Kamm und 
Bart emporstreckt, wodurch die Darstellung als Theil einer 
gri^sseren sich kund giebt, in der einer der Helden, Kapa- 
neus 0, den Drachen bekämpfend die Scene vervollständigte. 
Der Knabe Opheltes ist erwachsener dargestellt, als er in den 
literarischen Ceberlieferungen ^), ausser etwa bei Eurij^« 
des ^) erscheint; dass in unserer Gemme der Knabe noch 
lebt (wie ebenfalls auf den gleich anzuführenden Münzen), 
darf nicht wundem, und wird die von mir angenommene Si- 
tuation nicht stören ; ein Biss der heiligen *^) Schlange ge- 
nfigt , das Kind zu tddten , dieser ist unstreitig erfolgt, und 
Kapaneus wird nach Erlegung des Drachen aus seinen Win« 

cker fl. «. 0. 351 n. 352. — S) Diese Abweichung von der sonst 
möglichst innegehaltenen kunsthistorischen Folge der Monumente, wird 
mir jeder Kenner der Archemorosbildwerke su Gate halten; eine klare 
Entwickelang scheint mir nur so möglich. — 6) Vergl. Jahrbücher 
des rhein. Alterthumsvereins Heft XV. Taf. 1. Nro. t. Seite 110. und 
S. 127. — 7) Kapaneus wird am passendsten der eineeln die Schlange 
bekftfflpfende Held genannt werden, sowohl weil er als der wildeste der 
Sieben erscheint, und in fast allen Ueberliefernngen bei der Bek&mpfung 
der Schlange voran ist, als auch weil er es ist, der wenigstens bei Stat. 
V. 565 ff. die Schlange erlegt. Gerhard, Archemoros a. a. 0. S. 257 
nennt Adrastos , indem er sich in Note 5. auf Apollodor bezieht , der 
aber durch sein : o^ fiei* *A^qülaxov gewiss die Umgebung des Haupt- 
fAhrers, nicht ihn selbst bezeiehnet, dessen Charakter die frevelhafte 
oder wenigstens rasche That durchaus nicht anpasst. — 8^ Das Ora« 
kel bei Hygin a. a. 0. sagt: ne in tcrram pueram deponeret, ante- 
quam posset ambulare ; Apollod. nennt ihn r^ntoy natda ; vergl. Stat. 
IV. 741., 778., 788. ff.; Anthol. XIII. 631. ~ 9) Bei Enrip. Hypsipyle 
frgm. 5 (Bothe) kommt der Knabe blumenlesend vor, wodurch übri* 
gens ein bedeutend vorgerücktes Alter noch keineswegs sich ergiebt. 
Aehnliches bei Stat. V. 505 u. 6. — 10) Stat. Theb. V. 511. inachio 
•anctum diiere tonantl. Vergl. ibid. 576. ff. , ganz Wie die fiaokoon«* 
schlangen. Vergl. Aen. 11. 225. f. 



Amgcn nur iie Leiche des Knaben befreien. — Verwandt 
sind diesem Oemmenbilde 

Nro. 17. u. 18., die beiden Münzen vonKorinth, 
GOL. COR. unter Domitian (Taf. HI. Nro. 9.) und Septimius 
Sevems geschlagen, abgeb. bei Mi Hin gen, Ancient coins 
of eitles and kings pl. IV. Nro. 14. u. 16. , S. 59. und 09. 
Nicht umringelt , sondern im Rachen der Schlange , die sich 
gegen einen mit dem Schwerdt angreifenden Helden aufbäumt 
erscheint hier das offenbar ebenfalls noch lebende Kind. 
Dieser Darstellungen steht wiederum nahe: 
Nro. 19.y eine etruskische Aschenkiste (Taf. DI. 
Nro. 11.) im öffentlichen Museum von Volterra, abgeb. hei 
Ittghirami Mon. Etr. Ser. I. T. II. tav. 79.^0* Auch hier 
das Kind von der, diesmal geflügelten Schlange nmringelt, 
welche zwei Helden, Kapaiieus und Hippomedon ^^), wie es 
scheint, mit Schwerdtem bekämpfen. 

Als Nro. 19.b. kann noch die in den Jahrbüchern des 
riiein. Alterthumsvereins Heft XV. Tat I. Nro. 2. edirte 
Gemme der Frau Mertens in Bonn hieher gerechnet werden, 
welche uns einen Helden zeigt, der mit dem Schwerdte zmd 
au einem Altar geflohene Schlangen bekämpft; ich erkenne 
Kapaneus. Vergl. die folgende Nummer und für die Flucht 
der Schlange Nummer 2i. u. Stat Theb. V. fi76. ff. 

Dies die einfachsten Darstellungen von geringem Kunst- 
werth; ganz anders erscheint die folgende Reihe figurenrei- 
cherer Bildwerke , welche, bis auf eines zugleich von kfinst» 
lerisch bedeutenderer Ausführung sind. Dies eine künstle* 
risch weniger wichtige Denkmal : 

Nro. 20., das Wandgemälde in den Pitture d'Er- 
colano IV. 6d. entbehrt auch der mythischen Tiefe. Hier sind 

ii) Vergl. S. 657 IT. Dieselbe Ascbenkiste ist ebenda«, ali tav. 
2. Dochmalf abgebildet und S. 519. ff. nnricbtig auf Kadmei erklärt. — 
m) Kapaneaa und Hipponiedon bekftmpfen die Schlange bei Stat Y. 
558. ff. ; Parthenopaios meldel nur das Unglflck , ibid. 555. . . . Mo- 
aitu duci« advolat ardens Areas eqnes, cantarnque refert. An der Ift« 
mragebimg der Helden kann fibrigens Wenig liegen. 



es zwei ßchlangciiy welche das &ind aidit mir getiUltot» 
sondeni auch gefressen haben, so dass von Opheltes rar noch 
der Kopf äbrig ist ^^). Zwei Helden sind auch hier dieBe- 
kämpfer der Unthiere, aber durch der klagenden nnd ver- 
zweifelnden Hypsipyle Anwesenheit ist die Scene bedeutsaa 
erweitert Die am Boden liegende Hydria erinnert an die 
Veranlassung von des Knaben Tod. 

Verwandt, aber besser componirt sind : 

Nro. 21. u. 22. Zwei Reliefs auf römischen 
Grabsteinen, abgeb.in Boissard, Antiquitates Romanae 
Pars VI. Tab. 78. u. 81. In beiden Monumenten sehen wir 
das von der Schlange ^ umringelte Kind sterbend , wahrend 
Hypsipyle , welche die Hydria hingeworfen hat , nebst einem 
der argivischen Helden entsetzt vor dem Anblick entflieht 
Als Grabesbild erscheint diese Darstellung höchst sinnig, 
wenn wir bedenken, dass an Opheltes Tod, dem als Arche« 
moros die argivischen Helden die nemeischen Spiele ein. 
setzten , sich heroische , historisch dauernde '^) Bhre knipft 

Durch hohen Kunstwerth ausgezeichnet reiht sich di»« 
pem Monumente als 

Nro. 23. Das Relief aus Palazzo Spada (Tat 
lU. Nro. 10.) an, abgeb. bei Braun, Zwölf Reliefe aus 
Palazzo Spada cet. Taf. 6. >^) 

iS) Oder scheint dies nur so in der sehr geringen Abbildung? 
und ist das Gemftide vielleicht verletEt? Wenn dem nicht so ist, so 
miut die Composition sinnlos genannt werden, da einerteita beftige, 
gottgestndto Monstra, wie die Laokoonschlangen , Aen. 11. 212. ff.» 
wohl tödten , aber nicht das Opfer als Bente verschlingen , und da 
andererseits an die Bestattung der Leiche des Archemoros sich so Vie- 
les, so Hochwichtiges anknflpft. — 14) Vergl. Pausan. II. 15. 2., 3., 
Slat. V. 536. r. ; Argnm. Find. Nem. 4. 5. Noeh heute geben das Grab 
dea Opheltes und der Zeustempel in Nemea in mftcbtigfn Trimmern 
Zeugnis« von der £|ire des Knaben, vgl. Gerhard^ Archemorpf a. •• 
Q. p. 256. — iS) Früher durchana mangelhaft pbgebiljdet ia Win«^ 
ckolmana's Monumcnti ineditl Nro. 83., welcher die Sc^ae auf Kad- 
IDO« besogi und in dar Gal. myth. 130. 511. -— Vergl. Gerhardt 
Archemoroi a.a, 0. 8.967, HoUi, no4 YU«9aUi Kio Clm« I* 29. 



— 111 — 

Der Knabe , ans desgen geöffnetem Hnnde der Todes* 
schrei so eben hervorbrach, während der «purpurne Tod* 
die Angen bereits geschlossen hat, ist von der gewaltigen 
Schiauge mehrfach umringelt« welche den Kopf den angrei- 
fenden Helden entgegenhebt. Beide bekämpfen das Thier 
mit dem Speere, und diese Gleichheit der Handlung macht 
die Nameogebnng unmöglich und mttssig. Hinter dem einen 
Helden erscheint mit der Geberde der Verzweiflung Hypsi- 
pyle, welche die Hydria zu Boden hat fallen lassen, in einer 
nicht ganz klar gedachten oder mangelhaft ausgeführten Stel- 
lung , den Oberkörper ganz der Scene zugewandt , dennoch, 
wie die Biegung des Beines, die Stellung des Fusses und 
die flatternden Falten ihres langen Gewandes bezeugen, hef- 
tigen Schrittes binwegeilend. D^r Thalkessel von Nemea hat 
seine Versinnlidiung in den Felsenpartien des Mittel- und 
Hintergrundes erhalten, wenn nicht die Felsen im Mitteln 
gründe die Wohnung der Schlange andeuten sollen, von der 
im fragm. 6. von Eurip. Hypsipyle der Ausdruck cfoidf jra^if. 
Xavov avTQOv gebraucht wird *^) , während der Eppich, auf 
dem Opheltes verblutete, und welcher als Siegerkranz die 
Schläfen nemeischer Kämpfer umgab ^'), nicht angedeutet 
ist Ob ein vertrockneter Baum im Hintergrunde im Verein 
mit dem Mangel an Vegetation des Vordergrundes die von 
Dionysos verhängte Dürre andeuten soll, ist zweifelhaft durch 
den grünenden Ast, welcher das Dach des Zeustempels auf 
der Höhe beschattet, und der einem Eichbaum anzugehören 
scheint, also vielleicht den heiligen Hain des Zeus andeutet, 
der von der Verdorrung ausgeschlossen sein mag. 

Wenn schon in diesem Relief wie in den vorhergehenden 
mehre der Hauptmomente der inhaltreichen Sage sinnig zusam- 
mengefasst sind^ so tritt uns die Erzählung noch bedeutsam 
mer dargestellt in den beiden folgenden Vasenbildem ent- 

iß-y Ueber die Lesart äatgoy bei Suid. v. diaiixa/it, vergU 
Welckers griech, Tragödien II. S* 557. Note 1. <- i7) Interpp, 
Hyfitt. M. 7«. 



— 11» — 

gegen, iie recht geeignet sind, um die mythologische Wich- 
tigkeit der Vasenmalereien in helles lacht zu setzen. 

Nro. 24. Grosse ruveser Amphora mit Volu- 
ten, im Besitze des Hrn. Baron Alfr. v.Lotzbeck (Taf. 
IV. Nro. 2.) abgeb. in Braun's Zwölf Reliefen als Vignette 
1. zu Nro. 6. '^). In waldiger und felsiger Gegend liegt in 
der Mitte des Vordergrundes, todt auf seine Chlamys hinge- 
sunken, Opheltes in jlinglinghafter Grösse und Ausbildung '9). 
Sein Todeschrei mag Hypsipyle und die argivischen Helden 
herbeigerufen haben, jene eilt mit verzweifelnder Geberde zu 
dem vernachlässigten Pflegling, diese bekämpfen den Dra- 
dien, welcher sein Opfer verlassen hat, und in der Nähe ei- 
nes Steinhaufens ^% in der zweiten Reihe des Bildes um ei- 
nen Palmbaum geringelt, gegen die angreifenden Helden sich 
emporbaumt. Dieser sind drei , von denen wir zwei nach 
Statins benennen können, Hippomedon nämlich denjenigen, 
welcher mit dem Steinwurf das Thier zu tödten bemtiht ist 
(Stat, V. 558.) , und Kapaneus den anderen , der mit wohl- 
gezieltem Lanzenstoss den Hals der Schlange durchbohren 
wird (Stat ibid. 565. ff.), während ich den dritten, der von 
vorn mit dem Schwerdt angreift, Tydeus zu benennen vor- 
schlage, der zu den verwegensten und ktihnsten der sieben 
Helden gehört, ein würdiger Genoss des Kapaneus, hier noch 
ganz besonders durch den Gegensatz zu Amphiaraos motivirt 

Denn Amphiaraos ist ohne allen Zweifel in dem vier- 
ten Helden hinter dem mit dem Schwerdte kämpfenden zu 
erkennen. Er enthält sich der Theilnahme an der Erlegung 
der Schlange, ruhig hat er den Schild neben sich niederge- 
setzt und hält in derselben Hand den Speer, während er die 

18) Ferner im Balletino Napolctano II. pl. 5. Vgl. S. 90. f. 
und die Zatfttze ibid. III. S. 60. f. und Arch. Zeitnng II. S.378. Rv. 
OretteB Qualen and der Giganlenkampf. An den untergeordneten Stel- 
len ist die Vase mit bedeutsamen Epheubltttern verziert. — i9) Vgl. 
obenS. 108. Note 8 u. 9. und Mi nerv int im Bull. Nap. a. a. 0. — - 
IHO) Vielleicht auch in ihm eine Andeutung der Drachenhöhle. 



— US — 

udere Wunä ndeni umi warnend cilioben hat Denn des 
Sehen ahnnogsvolles Oenttdi schaut tiefer in den yottgefllg- 
ten Znsannenhang der Begebenheit Er eikennt in Ophel- 
tes den Archemoros ^^), das Vorbild des nngiiddidien Aus- 
ganges des diebischen Krieges. — Eine sehr interessante und 
hedeoCende Krwdterang der Scene ist in der weiblichen Fi- 
gnr gegeben, welche in reicher Gewandung, eine Opfersdiale 
haltend, ruhig aber aufmerksam rechte im Vordergrunde er- 
sdieint , enteprechend der versweifelnden Hjrpsipyle links im 
Bilde, SU der sie einen schönen Oegensats darstellt Es 
ist die Nymphe Nemea, weldie, mit Namensbrischrift , auch 
auf der donnftchst au betrachtenden Vase von Neapel erscheint 
So wie auf Hypsipyle's Haupt durch Archemoros Tod Unheil 
hereinbridit , das nur durch Amphiaraos abgewendet wird, 
so ffiesst Olans. auf Nemea aus den Spielen , die au Arche- 
moros Ehre und Andenken eingesetat werden. — UeberEin- 
adheiten unseres Bildes noch kun Folgendes. Links oben 
erscheint ein Stern, welchen Braun als Sirius erklärt, eine 
Anspielung auf die Dürre. Der ihm rechts im BUde ent^re- 
chende Gegenstand ist undeutlich; Braun und Minervini 
(Bull. Nap. a. a. 0.) erkennen die Sonne (?); das Kttstchen 
hinter Hypsipyle deutet letaterer auf Todtenopfer , nebenher 
auf die Lade , in weldier Hypsipyle beim lemnischen Man- 
nermord ihren Vater Thoas verborgen hatte ^^). Das Ge- 
wftcbs unter Archemoros erklärt derselbe, wdil unrichtig, 
für Eppich ^0« 

Der Verfolg der Begebenheiten nach Opheltes Tode wird 
uns verschieden beriditet , und hat in der bildenden Kunst 
demgemäss verschiedene Darstellungen gefunden. 

2i) Apollod. ni. 6. 4. ; Argnm. 1., 3. Pind. Nan. ; Stat. Tbeb. IV. 
718 f. y. 738. f.; el pner, hen noitri Bignttas nomine hü Archemo- 
m; evnctt htee tttperan denifva saprema mente flaunt cet. — 
M) Die Anspielung liegt doch ein wenig weil. — M) Hinter Nemen 
•oll nach dem Bali. Ntp. a. a. 0. eine Andenlang des Mondes sich fin. 
den, Welche anf Hemea's Abstammung von SelCne belogen wird, ich 
vermag sie nicht in entdechen. 

Ofsrbet k« hweissht OaütHti 8 



^ tu ^ 

Vhih aotr Vferäioii ^ebt der Steni der Itteni AnlaM 
,211 offeneii E^dseiigkeken smisAenLykwtgos und Tfdeus^), 
JB/ißm Lyktirfos an Hypsipyle Bache netaneii will. Surcli 
JUipbianad and Adrastos Einschreiteii wird die flache bei^ 
«gelegt Dies war 

Nk0»26« am amyklaischen Throne dargestellt, wHi 
Paisanias III. 18. 7. berichtet: ^Adrastos und Amphiaraoi^ 
hemdien Tydeus undLykmrgos, Pronax Söhn im Kampfe^ ^^y. 

Bine andere Version ^^) ersahft , dass Hypsipyle voik 
Burydite eingekeikert , von ihren Sehnen Thoas und Eoneeib 
,al»er, detam Amphiaraos das GreflUigniss der Nutter »dgt, befreit 
wird. Im fransen Itefiange isl diese Erzählung nicht bBd- 
rlich dargestellt, Wohl aber haben wir Denkmäler, welche 
WS Hypaipyle vor Euryfike flehend, und welche die Versöh- 
aangsversudle des Amphiaraos und die lAImng der Begeben- 
heilen darch der fldtter BatbscMuss und Willen zeigen. Das 
bedeutoadste dieser Denkmäler ist : 

Nro. 26b Die grosse rnveser Amphora mit 
Mäske n henkeln (Taf. III. Nro« 8.), gezdchnet nach 6 er- 
hard, Arehemoros nnd die Hesperiden Taf. 1. ^0 

Das Vasengemälde zerfUlt in drei Beihen , welche je- 

Ii4) So wird unbedingt bei PsuMn« ilL 18^. 7. tu Ie0en teia, 
vergl. We loker, Ep. Uycl. II. 351. und (t er hard, Archemoros •• 
e. 0. S. 257. Note 7. Vergl. Slat. S. 660 ff. nnd Jahn, Arch.Anfsf. 
S. 158., welcher mit gutem Recht den Irrthum bei Paofanias aus einer 
mangelhaften Stellung der Namensbeischriften am Thron von Amyklai 
wie in so manchen VMeDbildern (oad s. B. dem Scarabftni Taf. UI. 
Nro. 2.) ableitet. — 2S) Ueber die Scene selbst und ihre angegeb^ao 
Veranlassung kann kein Zweifel bestehen; in den ersten thebischen 
Krieg versetst die Sache Heyne, Antiquar. Aufss. I. S. 40. und be- 
stimmter in die alte Thebais Welcher,. Ep. Cycl, 11.351. •*- ;9^^Argum. 
2« Find. Nem. p. 424. (&.)• — ^r) Zuerst bekannt gemacht von Ger- 
bard im Bulletino v. 1834. S. 165. und am arch. Intelligenablatt dess. 
Jahres S. 51.; sodann besprochen von Braun im BnUet. y. 1835. 8, 
193 fr. und im arch. Intell. Bi. dess. Jahres S. 14 f.; fenier von Ger« 
hard in den Nonv. Annales de la section fraji^use I« 6. ^SSt ff.; ab- 
gab, daselbst in den Monnmens inödits tab« V. ^r- 



» US -» 

iöch ifli engsten feiytigen Znsammenhange stehen. In dev 
Ifitte des GcBttldes niautti den Hauptjilatis das durch eine 
Sinlenlialle angedeutete Königshaus des Lykurgos ein; vier 
ttcnnassig sohlanke, joniscbe Sinlen tragen das sichtbare 
Gebftik , an dem , wie mehrfach , Bader und Stierschadd 
ndksl ffinebgeweUien aufgehängt sind , und welches von ei- 
nem flachen Giebel gekrönt wird. In der Mitte der Halle 
stcbl in fciniglidier Kldduiig und mit trauernder Gdierde 
Snrydike {BYPTJIKH) die miglüekliche Mutter , die se 
eben die Trauokunde von ihres Kindes Tod erhalten bat 
Zu ihr redet dneiseits Hjrpsipyle {hTVlIlTAH), weldie, 
in demOdiiger Stellung und ihre Rede mit lebhaften Gesten 
begleitend, ihre Vettbetdigung nu führen und Gnade m er» 
flehen bcüflhtisty während andererseits Amphiaraos {AMOIA* 
FjiOS) in voller Rüstung, und zum SSeichen feierlicher Verrf- 
diemng die Hand nnt nwd ausgestreckten Kngem erhebend ^^X 
flypdpyles Vertheidigung folnrt, und der Königin Trost na- 
npricht etwa mit den schönen Worten des Euripides ^^): 
^Efv fup oiicig Sang ov nwst ß^fnwv x. t. X. 

Zu beiden Seiten der HaUe erscheinen je zwei bedeutsame 
Nebenpersonen , bedeutsam sowohl für die vollständige Dar- 
stellung der Begebenheit als fQr die poetische Quelle unseres 
Bildwerkes. Nicht ohne Absicht habe ich an Euripides er- 
innert, seine Hypsipyle erscheint, wenn nicht alle Ueberle^ 
gungen täuschen, als die vollständige und directe Grundlage 
unseres Vasenbildes ^^). Links von der Halle sind die bei- 

2B) Aehalich derselbe auf dem Vasenbild Rro. 24 ; äbnlicb auf unse- 
rer Vase Zeusy Kapaneus und Enneos ; die Geberde kehrt noch mehrfach wie*- 
der, Tergl. Gerhard Archenorot S. 263. mit Note 1 u.3. — 29^ Hypaip. 
fragm. 7. (Bothe). ^ dOj) Vergl. Welcker'sGriech.Trag. IL S.554f. 
Ans der Diehtung des Euripides, welche nach Weicker's durchaf^ 
begrflndeler Annahme, die Wendung im Schicksale Uypsipyli^Sy die aus« 
Mr den aogcf. Schol. Find, nur der nach der Tragödie berichtende üygia« 
fab. 74. kurx berührt , mit dem Tode des Archemoros Terkufipfte, mo- 
liTirt sich in unserem Vasenbild die Anwesenheit der S6bne der Pyf- 
sipjle; foii ihr Dioajios Antheil an der Handloag; au# i|vr» wenn Ich 



— 116 — 

4en Söhne iler Hypsipyle Thons und Enneos ^') f enudt, de* 
ven einer, Euneos (ETNBQS) mit Beiflchrift venehen ist; sie 
koiünien in dem Augenblicke gen Nemea, wo ilire Mutter dtt 
sehwere Unglück trifft , aus welchem sie dieselbe befrcieli 
und nach Lemnos surückfüthren. Reclits sind zwei der sie^ 
ben Helden als Begleiter des Ampbiaraos dargestellt, welche 
uns die Beischriften als Parthenopaios (PAP9EN0P(a)I0S) 
uud Rapaneus {KAPANBT2) kennen lehren. 0er Zweck 
ihrer Anwesenheit ist wohl am einfachsten durch DnterstAtsung 
der Rede des Ampbiaraos xu motiviren/ welche nöthigen&lis 
thatsäehlicb werden würde. — Im innigsten Zusammenhange 
mit der Mittelscene stehen die Personen der unterstes und 
die Götter der obersten Reibe , die glückliche Entwidkelnng 
der traurigen Begebenheit ist in ihnen dargestellt Auf feier- 
lichem Paradebett, unter dem ein Krug zur üblichen Reini- 
gung der Leiche steht, liegt unten Archonoros Leiche (AP^ 
XEM0P02) in reiferer Bildung, als sie in den literarischen 
Ueberlieferungen erwähnt wird (Note 8 u 9.). Um ihn sind 
mehre Personen sorgsam beschttftigt; sunttchst eine ver- 
schleierte Frau, welche dem Knaben einen Myrtfaenkrans ^^) 
aufs Haupt zu setaen im Begriff ist. In dieser Person Hyp- 
sipyle abermals nu erkennen liegt nahe '^). Von beiden Sei- 

nicht ganz im, die WeglsMong des Lyknrgo«, der in der Tragödie 
niclit aafgetreteo seip wird; ins ihr ebenfaiis die feierliche Protheaii 
der Leiche des Archemoros als Andeutang der eiozasetzendeo Todten- 
feier in den nemcischen Spielen, welche selbst auf der Bühne nicht 
dargestellt werden konnten; aus ihr der mit Namensbeischrift darge- 
stellte Pftdagog (Welcher a. a. 0. S. 559); ans ihr mag auch die 
königliche Halle in der Mitte unseres Bildes herstammen. Dass die 
Söhne der Hypsipyle das enripideische Erkennungszeichen des goldenen 
Rebzweiges (Anthol. XlII. p. 630, vergl. Welcher a. a. 0., Ger- 
hard, Archemoros S. 262) in unserem Vasenbilde nicht haben, wird 
nm so weniger stören, als Dionysos sichtliche Anwesenheit yollen Er- 
satz bietet. ^ 3i) Hygin. fab. 15. setzt ffir Thoas, den gewöhnli«- 
ehen Namen, Deiphilos, ApoUodor hat 1. 9. 17. Nebrophonos. — 
8ii) xldiya fivgaCyfjc Eurip. Electra 324; einen Eppichkranz darge- 
itellt zu erwarten liegt allerdings nahe, — 3B) Die Seenöttabfolge 



— nr — 

teil nBlK» v^nBchiedese Personen den Paradebeüe. Za hfkuf* 
tea dewelben steht eine Dienerin, die mit aufgespanntem 
Sonncnschinn die hdssenf Strahlen der Sonne abhält, zu füs« 
sen des Lagers ist sninachst der Padagog {TlAIJArQrO^ 
gemalt, der eine Leier 2ur Andeutung des früheren musi- 
schen Dnteniehts hält, und dessen langer Krununstab auf 
Udberwachuag paUstrischer Uebungen hindeut^i mag. Ihm 
mmidist treten zwei Diener heran, doren erster auf einem 
Tisehchen nnt Thimrklauen an den Fassen eine Anzahl schwarz- 
bebänderter Oefäsae herbeiträgt, Oeräthe der Cho($n, wie ich 
glaube , während er in der Hand ein Beutdchen hält , wel- 
ches den Obolos, die Mitgift der Todten und sonstige 6e^ 
genstände enthalten mag, welche in's Grab mitgegeben wur- 
den. Der zweite Diener trägt auf ähnlichem Tischchen 6e- 
itthe herbei , die mehr dem Gebrauche des Lebens an- 
zugehören sdieinen, und, wie die schlanke Amphora zwi- 
achen beiden Dienern, bestimmt sein mögen, dem Todten in's 
Grab zu folgen ^). — Die beiden von links her zum Lager 
tretende Personen sind, als modeprne Ergänmingen, für uns 
gleiebgiltig. Die ganze untere Reihe mit ihrer feierlichen 
Besorgung der Leiche des Knaben aber deutet die Lösung 
des Knotens, den Erfolg des Amphiaraos au, und enthält eine 
Hinweisung auf die folgenden Leichenspiele, welche die volle 
Bntsühnung und Versöhnung der verletzten Menschen und 
Götter bringen werden. * 

Zu dieser Lösung des Knotens, zu diesem Erfolge aber 
wirken die in der obersten Reihe erscheinenden Götter mit, 
die also im engsten Zusammenhang mit der mittleren Scenc und 
den handelnden Personen stehen. Links auf der Seite der Hyp - 
sipyle und der Ihrigen ist Dionysos (JIONTSOS) gemalt, 

der Tragödie ist zatammengerQckt , dais nicht die argiviachra Helden 
die Leichenfeier besorgen (toy naldtt ^uniovaiy Apollod ), sondern 
Hypaipyle dflrfte ebenfalla direct ans der Tragödie sein ; die Entsflhnong 
liegt darin ausgesprochen. — B4) Ich muss fAr weiteres Detail auf 
Gerh ard'a vortr«riiche ErkJiruDg verweisen. 



— IIS ' 

jtem eia Satyr ^^ in iadie Schale den Trank eiagieflst; 
er htlt die Leier , als versObnender Gott , als ein sangrd- 
cher , den Harmonien gewog^ener Dionysos Melpomenos ^^X 
der aber hier als Schntsfoit der Hypsipyle und ihres Ge« 
schlechtes anwesend ist ^0 , wie er bei EoiipideSy gewisa in 
gleicher Besiehong j als Prolog avftrat ^). Anf der ande- 
ren Seite sehen wir auf kaum angedeateter Felsen^itse Zeus 
(ZETS) in seiner gewöhnlichen Tracht ^% jedoch beschvhl, 
das Adlerscepter in der Rechten haltend, während der Blitz- 
strahl an den Felsen gelehnt ist Mit sni feierlicher B«de 
erhobener Hand (Note 27) redet er zu der tiefer sitnendea 
Nyny»he Nemea (NEMEA)^ welche offenbar als Flehende ihm 
genaht ist, den Fluch abamwenden, der durch Archenio- 
ros Tod ihren Boden, oder ^°) ihren Sohn betroffen hat 
Zeus aber gewahrt der Nymphe Fldien , und Indem er die 
Einsetzung der nemeischen Spiele ihr verkündet, zeigt er 
auch seinerseits sich als versöhnt, er der ebenfalls durch 

86^ In den oberen Theilen restaarirt. Die Frage , ob die aof 
der fraDs6ei«chen Abbildnog (Mon. dell' Inil. sect. frwic. I. V.) ali 
anliit angegebenen, ungewöhnlichen HOrnertpiUen diesea Satyrn wirk- 
lieh alt sind (Gerhard a. n. 0. S. 261. Note 1.) ist meines Wissena 
noch nicht beantwortet. Hörnchen hat übrigens auch der junge Satyr 
oben Tafel I. Nro. 2. — 36;) Pausen. I. 2. 4.; 31. 3. Yergl. Ger- 
hard a. a. 0. S. 260 mit Note 2. n. 3. Aocfa mit den Huseo verbondoa 
Strab. p. 468, Diod. IV. 4.; wie auch Apoilon Dionysodotos bekaaal 
ist. — 37) Vergl. Hom. 11. XIV. 230.; Stat. Theb. lY. 771., Y.266. 
712.; Scbol. Apotlon. Argon. 111; 997. Die enge Verbindung des Ge* 
schlechts der Hypsipyle mit Dionysos wird auch aus dem, vielleicht 
aus Euripides entlehnten, Rebzweige klar, welcher den Sübnen der 
Hypsipyle als Erkennungszeichen der Matter dient, Antkal. XIIL p. 630 
(Jacobs), und der hier Dionysos überschattet. Die angefahrte Motivi- 
rung der Anwesenheit des Dionysos in unserem Vasengemftlde, die zu- 
gleich ihn aufs Engste mit der Handlung, namentlich mit Hypsipyle's 
Schicksal in Bezug bringt, scheint mir die einfachste und klarste. An- 
dere Motivirungen fahrt Gerhard, Archemoros a. a. 0. S. 261 an. — 
38) Eurip. Hypsip. fragm. 1. Vergl. Welcher, Griech. Tragg. II. 
556 f. — 39) Das Himation um die unteren Theile des Körpers geschla- 
gen, wahrend der Oberkörper nackt bleibt; siehe Hflllet^s Handbuch 
$. 350. 1. •— 40) Nach Aischylos im Argum. 3. Find. Nem. p.425(B.) 



TMttiig icv SdilMfe (Nei^ 10) und da» Leid/das tebmi 
Priwter LyknrgvMi traf, verlefst war. Wie aber Dionysos 
m flypaqiyle-s Schicksal, so steht Zeus za dem der arghri*» 
sehe« Helden^ namentlich des Amphiaraos, so steht Nemea, 
die ancb ift dem Vasenhilde oben Nro. 24. in ähnUeher Be- 
ziebung atftfikty speciell au Archemoros in engster Besiehung« 
Und das mag ebenfalls aus der Tragödie sein y die fägUch 
dnroh mne Theophuie geschlossen und gelöst worden sein mag. 
Kcs der überreiehe Inhalt des yorattglichen Vasen- 
bildesy da» ich, iMiiem Zwecke gemäss, nur in gedrängter 
Kirze besdureiben konnte. So sehr wie irgendwo, haben wir 
in ihm ein glänzendes Beispiel der Darsielltng eines Tragd^ 
fienstoffes diirdi die bildende Kunst, eines Mythus, der durch 
die Tragödie in vielen Beziehungen von sonstiger Ueberlie- 
ferung abweichend dargestellt, durch die eigene Spraclie der 
bildenden Kunst in seinen Hauptmomenten reproducirt, sei- 
nem ganzen geistigen Zusammenhange nach uns vorgeführt 
wird. — 

Aus anderen Quellen mögen die folgepden Bildwerke 
entsitfungen sein , die mit Wahncheinliehkeit ebenfaUs auf 
Hypsipyle's Vertheidigung oder Gnadeflehen gedeutet werden. 
Zunächst: 

Nro. 27. eine grosse apulische Amphora in Nefi- 
pel (Taf.IV; Nro. 4.) abgeb; in Gerhard's Apulischen Va^ 
senbildern Taf. B. 10. ^0 

Vor der auf einem Sessel mit verzierten Füssen sitzen- 
den Königin^ steht Hypsipyle , durch Kahlheit des verschlei- 
erten Hanpties als aUtamdo Amme bezeichnet. Sie ^ueht ihre 
Reehtfertlgong vorEurydike zu führen, in deren Mienen und 
Oeberde sich nur Trauer, nicht Zorn ausspricht. Unmittel*- 
bar hinter ihr, der anderen Seite zugewandt steht Lykur- 
gos, dessen reichfaltige, mit breitem Gurt zusammengehal- 
tene Bekleidung die priesterliche Tracht vergegenwärtigt, 

41) Yergl. Gerhard, Archemoros a. a. 0. S. ^57. Kote 8. 




— IM >» 

md der ab K^nig von Nemea das einfiMhe Seepter hUt Er 
scheint gelaasen mit Anpliiaraas oder yielleicbt Adraatos an 
unterliandeln , der von awd jüngeren Gefidirten , Kapanens 
und Parthenopaiosy naeli der vorigen Vase, begleitet, ihn von 
rechts her entgegen tritt ^^). Die Stinuinng des Bildes ist 
eine auffallend friedliche^ fem von der Lebendigkeit und Lei« 
denschaft des vorigen IHonunients. Wer mag sagen, ob dies 
auf eine bestimmte Darstellnng in der Poiteie oder avf man- 
gelhaftere Auffassung des Vasennuden mnrflcksnffihren ist? 
(VgL Note 42.) Die Sterne im oberen Theil des Bildes, die 
aufgehängte Tanie, die Pflani» awischen Lykurgos undAm- 
phiaraos halte idi fillr decorativ ^0* 

Hypsipyle unter den argivischen Helden finden wir noch 
auf dem römischen Belief in Villa Panfili, welches ich weiter 
unten beleuchten werde. 

42) Gerhard, der, Archemoros a. a. 0. die Parioneo ebanio 
wie ich benennt, hat in den apnl. Vuenbildern die Namen Lykurgos 
nnd Amphiaraot vertauscht.' Es ist wahr, die Geberdei beider Perso- 
nen befArworten diese Ansicht , denn der von mir Lykurgos genannte 
ist olTeubar der Redende, nnd der Amphiaraos wiederholt die Geberde 
der trauernden Königin so, dass an die ZnsammengeliOrigkeit beider 
Personen zu denken sehr nahe liegt. Aber die Anordnung der Com* 
Position spricht doch noch stärker gegen diese Annahme; wie sollte 
Amphiaraos so nahe an Eorydike , wie Lykurgos iwischen die argiri- 
schen Helden kommen? Auch das Costnm der drei von rechts her 
kommenden Personen spricht fSr meine Annahme, duseibe ist bei al- 
len dreien wesentlich dasselbe , nur dass der iltere Mann sich mehr 
▼erhflilt hat. Das Costum meines Lykurgos aber ist ein unterscheidend 
anderes. Auf die Geberden mftgte ich kein entscheidendes Gewicht 
legen ; Lykurgos redet in den argivischen iMden ; wohl , wir kennen 
die Poftiie nicht , aus der dies Bild atanunt, nnd kftnnen nicht sagen« 
welche Verhandlungen dort etwa Aber die SAhnung von Opheltes Tod 
und die Einsetzung der Spiele gefAhrt wurden. Ob vielleicht Zeus 
durch den Mund seines Priesters seinen Rathschluss in diesem BetrelF 
kund that ? — 48) Obgleich Ahnliche GegenstAnde oft mehr als deco- 
rativ sind. Der Gegenstand zwischen Amphiaraos und Kapaneus ist su 
undeutlich, um ihn bestimmt fAr einen niedergeselEten Helm aain- 
sprechen. 



— Ml — 

Aoch die etrMÖBdie Kwst seiieiM Hyfsipyk ror Ly-* 
kiirgos dargestellt ssa haben ; wir finden : 

Nro. 27.a. eine Aschenkiste (Tat V. Nro. l.)> abgeb. 
bei Ingbirami Honnmenti Etruschi Ser. I. torao IL tav. 
80. ^'*) Uninreifelhaft ist die Erklärung keineswegs, welche 
hier Hypsipyle vor Lykurgos auf den Knien flehend erkennt, 
umgeben von den hauptsächlichen argivischen Fahrern, wel- 
che m ihrer Vertheidigung selbst nötigenfalls mit Waffen- 
gewalt einzutreten bereit sind ^^)* 



Im weiteren Verfolg der Begebenheiten, welche die 
Thebais enthielt, fügt sich den beiden zuletzt besprochenen 
festen Gruppen von Bildwerken zunächst eine Zahl von Mo« 
numenten an, welche sich nicht eben so zu einem Kreise zu- 
sammenfttgen, sondern, kleinere Gruppen bildend, die her- 
vorleuchtend wichtigen Begebenheiten des Kampfes gegen 
Theben und der Niederlage des Argiverheeres vergegen- 
wärtigen. Ich habe diese Bildwerke als 

44} Ingbirami fflbrt a. a. 0. p. 660eiae Erklirang io nnst« 
rem Sinne von r m a n n i an, der er p. 661. eine noch veniger wahr- 
acheinliche von Lanzi beifflgl, welcher Andromaclie vor Polens Gnade 
flehend nach Enrip. Androm. S. 570 ff. erkennen will. — 4S) leh 
habe daa Monument abbilden lassen, nm dem Leser einmal ein Bei« 
spiel solcher etruskischen Ascbenkistenreliefs von zweifelhafter 
Deutung an geben, welche trotzdem vielfach ohne allen Zweifel wie- 
derholt werden, wie in unserem Falle von Malier, Handbuch {. 412. 3« 
^Hypsipyle den Lykurg flehend«. — Der mit dem Pferde am rechten 
Ende stehende Mann, dem ein gleicher links entsprochen haben wird, 
an dem Ingbirami besonderen Anstoss nimmt, dflrfte die Deutung am 
wenigsten hindern , da solche , fflr uns nicht speciell moti virbare Zn- 
satzpersonen an den hinflgsten Vorkommnissen auf etmsk. Aschenki- 
sten gehftren ; nnd hier kftnnte man obendrein an Uippomedon, dem das 
Pferd als IfameManspielnng beigegeben wire, nnd an Parthenopafos 
dtakeD» den Stet. Theb. V. 555 Areas eques nennt. 



IV« Gruppe: Kampf um Theben und Niederlage des 

Ai|;iyerheere8 

bezeichnet , welche wieder in folgende Theile zerfiüU : 

1. Tydeus und Ismene 0« 

Tydeus tödtet Ismene am Brunnen, als sie, nach Sitte 
der Königstöchter der heroischen Zeit ^) , Wasser zu holen 
vor die Stadt gekommen war. Der Quell wird nach ihr 
Ismene genannt. Diese Erzählung und zwar als eine cha- 
rakteristische für den grimmen Tydeus, gehört wohl unbe- 
denklich in das Epos ^). Die Bildwerke zu diesem Gegen- 
stand sind keineswegs unzweifelhaft, und es ist nicht leicht 
sie von denjenigen zu unterscheiden , welche Achilleus im 
Hinterhalt gegen Troilos und Polyxena darstellen , da auf 
mehren der letzteren Troilos weggelassen ist ^). Zu den am 
wenigsten zweifelhaften Monumenten gehört: 

Nro. 28. eine archaische Amphora (Taf.III. Nra 
12.), abgeb. bei M Illingen, Peintures de Vases de diverses 
coUections pl. S2. ^) 

±) Die wichtige, zwischen dem nemeifchen Abenteuer mid dem 
Ktmpfe vor Theben liegende Sendung das Tydeus zu den Kadmeionen 
(II. IV. 382., Y. 800., X. 284.), so bedeutend sie im alten Bpos ge- 
wesen sein muss (Welcker, Ep. Cycl. II. 3&d ff.), scheint keine 
KnnstdarstaUangen erieugt zu haben, wenigstens keine Charakteristik 
sehen. — 9) Vergl. Welcker, Ep. Cycl. 11. 357- Note 84. — 
3) So auch Welcker, Ep. Cycl. a. a. 0.; anders in der Zeitschrift 
fflr Alterthumswissenschaft von 1850. Nro. 5. S. 36, wo derselbe auf 
den doppelten Zusatz des Minnermos (Arist. Gramm. Arg. Soph. Antig.), 
Ismene sei, verkehrend mit (dem argivischen Seher) Theoklymenos, 
von Tydeus auf Athenes Befehl getödtet worden , einen Zusatz der bei 
Pherecyd. im Schol. zu Eurip. Phoen. 53. (fragm. 52 Sturz.) fehlt, fflr 
das Epos mehr Gewicht legt, als ich thun mögle. — 4) Vergl. Wel- 
cker, 2eHschr. fflr A. W. a. a. 0. Uro. 5. S. 33 ff., «ach Annali 
l«50. S. 75 ff., MilMngen glaubt (Vaies de div. coli, zn 22.) die 
Sc«»« ftfter zu erkennen, nls wir dies Ihdn dfiiüaii. ^^ S} Und wieder 
in Gerhard's Etrusk, und Campau. Vasenbb. Taf. E. Nrp. 11, Vgl* 



— MS — 

ImeM im gestkkten Gewände steht am Bruriaen j den 
efaicn FusB auf den Rand desselben gesetat, neben ihr die 
Hydria, einen OeOssdeclLel erhebt sie in der Hand« Hin- 
ter ihr Tydeus; auch er in gestiefctem Gewände, im Hin- 
terhalte der nm den Brunnen wuchernden Gebasche, welche 
angedeutet sind, lauernd mit vorgestrecktem Doppeispeer ^ 
bereit auteispringen und die yon der Flucht abgeschnittene 
Jungfrau zu fOdten. 

Vielleicht und meiner Ansicht nach sogar wahrschein- 
lich gehören hieher noch die folgenden Vasenbilder % 

Nro. 29. Lekythos aus Syrakus in Carlsruhe, ab- 
geb. bei Creufzer, Zur Gallerie alter Dramatiker Taf. IX. ^) 
Aus dem am Felsen angebrachten Löwenrachen ffiesst Wasser 

Welcker, in der ZUcbr. ffir A. W. a. a. 0. S. 35 und Annali a. a. 
0. S. 78. — 6) Welciier bezieht dieselben im angef. Aursalze ober 
Trotlos (Zeittchrifk für A. W. 1850 und AnnalS a. a. 0.) auf Acbilleui 
und Polyzena. Aber ieh l^ana die Sache nichl ffir ausgemacht haltem 
In der troischen Begebenheit ist Troilos Yerfol^ng nnd Tod die Haupt* 
Sache, alle Monumente^ welche Polyiena mit Beischrift zeigen, stellen 
zugleich Troilos dar , Troilos und Polyzena's Verfolgung werden durch 
sie soaammengefasst , gleichzeitig gesetzt , so dass Troilos Weglassang 
mir bedenklich scheint. In der thebischen Geschichte ist aber ronh* 
mene allein die Rede, hier ist die Beschrinknng der Seene auf dib 
Jnngfraa and den Helden im Hinterhalt grade das Charakteristisebe. 
Ron hat fireilich eine Vase (Dabois Maisonneuve , Introdnction pl. 
51. 3.) bei dem Helden dieBeisehrift^rZ^JV^ worin WeIckerS. 34. 
Uro. 6. ein verschriebenes tY^AJXA erkennt; doch scheint mir dafe 
nicht gewiss und dis Vorkommniss nicht bindend. Damit bin ich je* 
doch weit entfernt, der Ansicht W e I c k e r*s gradezu entgegen zu tra^ 
ten; ich weiss Gerhardts Ausspruch (Etrusk. und Campan. Vason- 
bilder S. 23.) Aber die verhältnissmftssige Seltenheit der Darstellung 
Ihebischer Mythen auf alten Vasen, den Welcher ebenfalls S» 36. 
geltend macht, Tollkommen zu würdigen, bin auch weit entfernt fAr 
eine streitige Gruppe von Bildwerken die ihcblsche Bedeutung in An- 
sprach zu nehmen. Auch handelt es sich hier nor um ein paar arm^ 
selige, nicht charakteristische Vasenbilder, Ober deren Deutung ich nur 
nach dem oben (S. 100) ausgesprochenen Grundsatz d e n Zwei fei nicht 
anfgeben mögt«. — 7y Auch bei Gerhard, Etr. und Campan. Vai- 
aenbb. Taf. B. 16. Vergl. Welcher a. a. 0. S. 33. Nro. 5. 




— IM — 

in eine HyiMat wekhe von einer Juagfran gehalten wird, 
ilie ungleich die Hand auf den Felsen stOlst. Hinter diesen 
avnacbst ein Baum ^)y welcher dem mit vorgehaltenen Spee- 
ren lauernden Helden , der hier nicht hinter dem Madehen , 
sondern ihr gegenaber gemalt ist, als Versteck dient Auf 
dem Felsen ein undeutlicher Gegenstand, wohl ein halb er- 
loschener Vogel y ein Rabe , in Bei^ug auf Apollon , der als 
Ismenios sein Heiligthum vor der Stadt Theben hatte. -* 
Femer : ^ 

Nro. 30. Vase bei Tischbein, Vases d'Hamilton IV. 
68. ^) Im Wesentlichen der vorigen Nummer ahnlidi , nur 
ist der Baum durch Gebüsch , wie in Nro. 28. ersetzt , der 
Rabe auf dem Felsen ist deutlich, und ihm wird von dem 
Nadehen eiii Kranz entgegen gehalten ^°). 

8) Weleker nennt ihn eine „Velonaeicbe, wie sie am Ida 
herrschend sind«; ein Argunenl mehr für Troia alt Scene. Aber ob 
die Speciea wirklich erlcennbar ist? Bei den meisten anf Vasen darge- 
stellten Pflanaen dflrfte das gradezn unmöglich sein. Vergl. auch 
Welcher, Alte Denkmftler 111. S. 18. — 9) Auch bei Qerhard 
a. a. 0. Taf. E.9. Welcher a. a. 0. S. 34. Nro. 7. — 10) Wel- 
cher giebt eine gans andere BrkUrung; er erhennt in der Jungfrau 
Athene, welche In Besng anf den künftigen Sieg des Achillens Über 
Trollos, proleptisch (wie mehrfach anf Vasen vgl. Welcher, Alte 
Oenkm. III. 106, Rote 361, 366 u. sonst) dem Helden den Kraus biete. 
Ich hnnn mich von der Richtigheit dieser Deutnog nicht Qberseugen; 
die sum Volllaufen unter den Wasserstrahl gestellte Hydria ohne 
Schöpferin , Athene an ihrer Stelle , welche von dieser Seite her dem 
Im Hinterhalt lauernden Helden den Kraus reicht, dieldentitAt der Com- 
Position mit anderen, gans anderer Bedeutung, nur durch den Kraus VjDr« 
schieden motirirt, das Alles macht die Sache sehr sweifelhafl. Der Rabe 
des Apolion glaube ich, bietet weniger Schwierigkeit; auch in Theben 
waltet Apolion Ismenios, wie in Troia A. Thymbraios; und der Kraus, 
wie, wenn durch diesen, welchen Ismene dem sie warnenden apolli- 
nischen Vogel darreicht, ein Besng der Jungfrau sum Ismenios, wie 
er in ihrem Namen liegt , angedeutet wAre ? ein Bexug der vielleicht 
anders ausgedrflcht in dem sich wiederfindet, was Mimnermos von Ismene's 
Verhehr mit dem Seher Theoklymenos berichtet (Note 3.) Vor Thebens 
Thoren liegt Apolion Ismenios Heiligthum und werden ihm die Daphnc- 
phorien gefeiert (Paus. 11. 10. 4., IV. 27. 4. u. sonst, vergl. MüUer's 



Wenden wir uns yon diesen nnsiclieren Denkmälern des 
Vorspiels des grossen Kampfes um Hieben su diesem selbst, 
aus welehem, abgesehen Ton der reichen Gruppe der Mo« 
nuroente des Bniderkampfes, namentlich Kapaneus und Tydeus 
Schicksale mehrfach dargestellt hervortreten. 

2. Der Kampf gegen Thebens Mauern 

in zusammenfassenden Bildwerken ist im Gebiete der grie- 
chischen und römischen Kunst nicht nachweisbar , nur einige 
etruskische Aschenkisten stellen mehr oder weniger deutlich 
denselben dar. Zu diesen gehört zunächst: 

Nro. 81. eine Aschenkiste im öffentl. Museum zu Vol« 
terra, (Tat V. Nro. 2.) abgeb. bei I n g h i r a m I, Mon. Etruschi 
Ser* L Tom. IL tav. 87. ^*) Vor den Mauern , die nebst 
einem Stadtthor die ganze Breite des Monumentes einnehmen, 
verschiedene Kämpfergruppen , die wir unbenannt lassen. 
Vor dem Thor aber stürzt von zerbrochener Leiter der rie- 
sige Kapaneus, den Zeus hinabwirft, häuptlings zu Boden, 
wodurch die Scene bezeichnet wird. — Durch ein ähnliches 
einzelnes Indicium scheinen 

Nro. 32 und 33. Zwei ähnliche Aschenkisten, 
abgeb. ebendas. 88 und 89. hieher beziehbar. Wiederum vor 
den Mauern, auf denen die Vertheidiger erscheinen, verschie- 
dene Kämpfer. Einer ■ der Vertheidiger hält einen grossen 
Stein , den er auf das Haupt eines Angreifenden herabzu- 
werfen im BegriiF ist. Vielleicht ist hiedurch Parthenopaios 
Tod dargestellt, dem Amphidikos oder Periklymenos oder 
Dryas ^^) einen Felsblock aufs Haupt wirft Unsicher wird 

Dorier I. S. 236 ff.) ; yor's Thor kommt Itmene Wasser za holen, an einen 
Qaell, der nach ihr Ismene genannt wird (Pherecyd. frgm. d2); wenn 
sich die Sache nrsprflnglich umgekehrt verhalten hitte? Die Jnngfran 
nach dem Gotte, nach dem auch die Quelle hiess, genannt wire? — 
11) Ebenfalls und swar in schönerer Zeichnung in Micali's Monu- 
menti (1833.) tav. lOa 1. — 19) Amphidikos ApoUod. 111. 6. 8. Pe. 
riklymenos in der Thebais Paus. IX. la 4. und M Enripides Phoon. 



' IM «- 



jler Bessng auf PArthenoyaios durch die eiM^e der beiden 
Ascheiikisten , auf welcher zwei Steile gehandhabt werden, 
freilich der eiae gegen einen anfallend jugendlichen An- 
greifer *3). 

Zahlreicherund sicherer ab diese Monumente desKam^ 
pfes im Allgemeinen sind die Darstellungen, welche sich auf 

Kapaneus und sein Ende 
beziehen, in dem Welcker mit Recht den Gipfel des 
Kampfes gegen Theben erblickt *'^). Auf der Sturmleiter, 
deren Erfinder Kapaneus genannt wird ^% hatte der riesen- 
senhafte Held die Mauern Thebens fast erstiegen, sein Sieg, 
der Brand der Stadt schien gewiss; im Siegesflbermuih fiber- 
hob er sich , und prahlte , auch wider die Götter Theben 
einzunehmen , etwa so wie ihn Aischylos reden Iflsst ^^) ; den 
Frevel rächt Zeus , mit dem Blitzstrahl stürzt er den Gött- 
losen von der zertrümmerten Leiter hinab '^). 

Grösstentheils auf geschnittenen Steinen sind Kapaneus 
letzte Schicksale dargestellt, doch fehlen auch einige andere 
Kunstwerke desselben Gegenstandes nicht. Zunächst sehen 
wir in 

Nro.84., einem braunen Sarder der berliner Samm- 
lung bei Tölken Cl. IV. Nro. 32. >») Kapaneus die Sturm- 
leiter ersteigend. Auf dem dargestellten Mauerstück erscheint 
ein Vertheidiger derselben *^). 

1170 ff. (Schau.); Dryas bei Stat. Tbeb. IX. 842 ff. Vgl. Welcker, 
Ep. Cycl. II. 358 f. — 13) Ob der Held , welcher einen abgehaue- 
nen Kopf hftlt, den er eroporzaschleadern im Begriff ist, an das erin- 
nern soll, was Tydens mit Melanippos Kopfe that, weiss ich nicht. Die 
alte Ersfthlung meldet gani Anderes (vgl. unten Gruppe 4) aber ein 
Missverständniss (eine Umdiclitung ?) wftre möglich. Dieselbe Scene 
kehrt auch auf der folgenden (90.) Tafel des Inghiramischen Wer- 
ke« wieder. — 14) Ep. Cycl. 11.359. ^ IS) Bei Yegei IV. 21. -«. 

16) Sept. 409-413. Dies abertreibt Stat. Theb. X. 904. , 925. -^ 

17) Soph. Antig. 131.; Enrip. Phoen. 1196. — 18) Unsicher in der 
Deutung sind nach den mir vorliegendeB Gypsabgasaen die Steine da- 
•elbst Cl. IL 43 und 142. -^ 19) Kapaneus die Leiter emporateigeMl 
•nf dem panUiickea Aelief siehe nuten. 



Aehnlich ist 

Nro. 86., ein S arder (Tat V. Nro, 3) ebendas 
Ttflken Nro. 83. Der Moment ist ein etwas spaterer, der 
BlitastraU erBehmot hinter dem Helden , welcher nach dem^ 
selben nmsehattt. — • Verwandt ist wiederum: 

Nro. 36. eine Gemme in den Impronte gemmarie des 
Instituts III. 6& • 

Aneb in einer MOa^e von Thrakien unter Philip, 
pus L geschlagen, Nro«36.b, id»geb. bei Arigoni Nuntimp« 
Chraec. tab. 12. num« 185. ist^Kapaneus ganz gewa&et und 
den einen Fuss auf die Leiter gesetzt dargestellt 

Die Katastrophe selbst zeigen: 

Nro. 37. u. Nro. 38. 2wei Gemmen in den Imp. 
gemm. des Instituts IIL 27., 28, ; der Held stflrzt von der 
Sturmldter. — - Verwandt ist: 

Nro. 39. Die Gemme aus Lanzi, Saggio ddila Ua- 
gua etnisca U. VIU. Nro. 10. in der GaL myth. 189. 510. 
jedoch ist die Erfindung, nach der Kapaneus vorwärts und 
aufrecht auf SCiicken der Leiter zu Boden stürzt, nicht geist- 
reich. Der Name ist, halb als ziemlich verworrenes Mono- 
gramm, beigeschrieben KAllNO, — Besser erfunden sind: 
Nro. 40. u. 41. Die Gemmen (Taf. V. Nro. 4L u. 5.) 
abgebt in Micali's Monumenti (1833.) tav. 110. Nro. 10. u. 
11«, wo der Blitzstrahl dem stürzenden Kapaneus im Nacken 
erscheint — Auch in : 

Nro. 42. der Gemme in den Impronte des Instituts 
V. 32. wird Kapaneus von der LMter hinabgeblitzt. 

Diesen Gemmenbildern sind nun einige bedeutendere 
Kunstwerke hinzuzufügen , und zwar zunächst zwei , von 
denen wir nur literarische Ueberlieferung haben. 

Nro. 43. S er vi US zu Virg. Aen. L44. berichtet von 
einem Gemälde im Tempel der Dioskvren zu Ardea: nam 
Ardeae in (eroplo Castoris et PoUucis in laeva intrantibns 
post fores Capaneos pictus est, fulmen per utraque tempora 
tniectus. 




Leider wissen wir noch weniger Aber 

Nro. 44, ein Gemälde des Tanrikos ^^), von den 
ans Plinius XXXV. cap. 40. §. 40. nur d^ Namen ^Kapa- 
neus^ angiebt, wenn nicht vielleicht die unmittelbar vorher* 
gehenden Worte (fecit) Polj^nieem regnum repetentem et • • • 
mit €apanea zu einem Bilde zu vereinigen sind. — 

Wichtiger ist uns ein erhaltenes Kunstwerk , 

Nro. 45. das Relief in derVUIaAlbani (Taf. V.Nro, 
ß.)y zuerst abgebildet in Winckelmann's Monumenti ine. 
diti unter Nro. 109., sodann in Zo^ga's Bassirilievi L 47. 
Schon Winckelmann vermuthete unter Vergldchung der 
Gemmen oben Nro. 84. u. 86. nach dem Greifen in den 
Nacken oder an den Hinterkopf ^als ob er einen Schlag 
daran bekommen hätte^ Kapaneus« den der Wettentrahl in 
den Nacken getroffen habe. Z o ^ g a vertheidigt die W i n- 
ckelmann'sche Idee in ihrem Wesentlichen (p. 284), obwohl 
er die Gründe, welche Winckelmanu vorträgt, in ihrer 
Geringfügigkeit nachweist (p. 885.), und nicht ohne selbst 
allerlei Zweifel vorzutragen, von denen mir übrigens nur 
der eine von Bedeutung scheint, dass jede Andeutung des 
Blitzstrahls fehlt. Debrigens muss ich gestehn , dass auch 
der Ausdruck der Krafk und Wildheit in den Zügen selbst 
des sterbenden Kapaneus schärfer gewünscht werden könnte. 

Welcker erinnert, Ep. €ycL IL 860. Note 94.^*) nach 
Erwähnung dieses Reliefis an einen colossalen Kopf in Nea- 
pel ai Stttdi , der , gewöhnlich für Laokoon gehalten , ver- 
muthlich Kapaneus darstelle ^^). 

90) Nur aus dieser Stelle beksnot. — Bi) Dia Bemerkoog itt 
wiederholt xu Mflller's Archftologie J. 156. 1. Der Kopf ist ftos 
Rom, und unter Trflmmern hinter dem faroeiischen Paläste gefunden. 
Winekelmann G. d. K. X. 1. 17. sagt von ihm, dass er Aehn* 
IJchkeit mit dem Kopfe des Laokoon habe, scheiut ihn aber den 
ganxen Znsammenhange jener Stelle naeh, doch nicht fflr Laokoon 
gehalten an haben. — 22) Es sei mir erlaubt eine Vermuthong ans- 
ansprechen , die ich hier nnbegrfindet lassen muss. Sie betriift den 
yon Malier wohl mit Rocht ein „Rftthsel der Archäologie«« genann- 



Abzulehnen seheint mir die Erklärung auf Kapaneus> 
die Gerhard dem Innenbild einer Trinkschale in Berlin, 
abgeb. in den Trinkschalen und GeOssen I. Taf. VI. YD. 
Nro. 4. gegeben hat In dem einzigen charakteristischen 
Moment in Kapaneus Geschichte wird der Held vom Blitze 
des Zeus gestürzt, nicht aber, wie der hier dargestellte, durch ' 
Pfeile in die Fltteht getrieben. ^ 

Eine zweite nicht unbedeutende Gruppe wiederum von 
Gemmenbildem umfasst diejenigen, welche 

4. Tydeos letzte Schicksale 

darstellen. Die Erzählung ist diese ^^). Tydeus wird von 
Melanippos tödtlich verwundet; als nun Tydeus halb todt 
dalag, erbat sich Athene von Zeus ein Heilkraut um ihn un- 
sterblich zu machen. Unterdessen war Melanippos dem ge- 
waltigen Amphiaraos erlegen , der ihn auf Tydeus Bitten be- 
kämpft, und jenem das Haupt des getödteten Gegners ge- 
geben hatte ^); als dieser dasselbe erhielt, spaltete er 
in furchtbarem Wuthausbruch den Schädel , und schlürfte 
das Gehirn. Athene wandte sich bei diesem Anblick schau- 
dernd ab, und entzog ihm die von Zeus erhdtene Gabe der 
Unsterblichkeit, welche sie auf Tydeus Bitten auf seinen Sohn 
Diomedes übertrug. — Aus dieser Erzählung sind drei Mo- 
mente in bildlichen Darstellungai nachweisbar. 

a. Tydeus Verwundung. 
Nro. 46. Etruskischer Carueolscarabäus (Ta- 

tea Kopf des s. g. tlerbendeo Alexander, der mir eritens kein Porträt, 
•ondem ein Ueroenkopf sa sein, und zweitens Kipaneut im Momente, 
wo er getroffen wird, darzustellen scheint. (Vgl. Mflller's Uandb.) 
— M) Nach Apollod. IIL 6. 7.; Pberecyd. bei Schol. II. V. 126. 
(Hiereeyd. fragm. p. 157) ; Enstath. ibid. 255. nnd XXII. 346. ; Paus. 
IX. 18. 1.; Tcets. ad Lyoophr. 1066.; Schol. Find. Nem. X. 12. und 
XI. 43. Vgl. SophocI. fragm. 1. (Bothe) der Lakalnai bei Welcker, 
6r. Tragg. 1. 150. und dessen Bp. Cycl. II. 362. — 24) So Schol. Find. 
Mom. X. 12. Gewisslich die einzig richtige Tradition nach dem Epos ^ 
Ovtrbsek, heroisch« Gallerte. 9 



~ IM — 

fdi V. Nro. 7.) aus iev Stosch'schen Sammluiig ^^) ; jetzt 
ia Berlin, Tölken II. 148. Der Stdn ist verschieden ge- 
deutet worden, Wtnckelmann erkannte den im Hinterhalte 
der Thebaner (II. IV. 898 f.) durch einen Wurfepeer verwun« 
deten Helden, der sich das feindliche OesdKiss aus dem Bein 
niehe. Später ist die Handlung auf dne Ednigung mit der 
Strigilis gedeutet worden ^^) ; wogegen die frühere EiUlU 
rung auf Ausziehen einer WaiFe neuerdings wieder mehr 
zur Geltung gekommen ist. Ich würde sie unbedingt vor- 
ziehen, wenn nicht die Knöpfchen, welche an beiden Enden 
der fraglichen Strigilis oder des Pfeiles, die meine Zeich- 
nung genau darstellt, den Zweifel aufs Neue rege machten, 
ob eine WaiTe gemeint sein kann ^^. — Der Name des Hei« 
den, 3TVT ist beigeschrieben. 

Aehnlich , ja fast gleich ist 

Nro. 46.a., eine Gemme im Besitze der Frau Blerteus 
in Bonn, von mir edirt in den Jahrbb. des rhein. Alterthums- 
vereins XV. Taf. I. Nro. 4. S.117. Nur fehlt der Pfeil und 
die Namensbeischrift. 

In anderer Auffassung sehen wir in 

Nro. 47., einer Gemme, früher in Dehn's Besitz bei 
Winckelmann Mon. ined. Nro. 107. '») Tydeus (ST VT), 
bis auf den am Arm hangenden Schild unbewaffnet, mit 

anderg und nngleich weniger einnToii Apoliodor a.a.O. — fUf) Win- 
c keim an Pierres de Stosch III. 2. 174. und Hon. ined. 106. vgl. 
6. d. K. 111.2. 19.; Lanai Saggto 11. VlII. 8., und daraus in der GaL 
myih. 139. 508.; Maller, Denkmäler 1.' 63. 320, und fonat noch 
mehrrach abgab, und vielfach besprochen. Die Zeichnung auf mei- 
ner Tafel ist neu nach einem Gypsabgusa. — 96) Von Viaoonli| 
Lanziy Tölken a. a. 0. Der weitere Gedanke Vis con ti'a an eine 
Ezpiation wegen unfreiwilligen Mordes nennt Welcker, Ep. Cycl. 
11.363. Note 101. mit Recht y,besonden ungeschickt««. ^ »T) Auch 
eine athletische Stellung eines berflhmten Helden ist nicht nndenkbat ; 
der sich das Haar ansringende Peleus (M filier Denkmäler I. 63.321.) 
dftrfle ebenfalls hieher gehören; an eine Rfickkehr aas dem Meer kann 
ich nicht recht glauben. '- 88) Wiederholt in Ltnai's Saggio i. ■• 
Q, Uro. 9. nod daraus in der Gal. nyth. 140. 509. 



tnimg eskabeoen Haupte, vom täildichen Sürddie getfoiFeii 

voiüker hl die Knie stürzen. 

In abermals yerUnderter Darstelliuig ist in : 

Nro. 48., einem Scarabäus, abgab, bei Micali, 

Antidki Monnmenti (1810) tav. 64. 1. Tydeus (TVTE) dnrcli 

einen Pfdlschvss in den Unterschenkel verwundet. 

b. Amphiaraos mit Melanippos Kopfe. 

Idi scUage für eine nicht unbedeutende Reihe von ge* 
flchnittenen Steine, von denen wohl jede grö&sere Samm- 
lung einen Kepräsentanten besitzt, und von denen ich zwei, 

Nro. 49 und 50., auf meiner Tafel V. (Nro.8. undO)^^ 
ab Beispiele habe abbilden lassen, dne ErklArung vor, wel- 
die mir alle Scbwierigkdten und Zwdfel die bei den bis- 
herigen Deutungen übrig blieben, hinwegmirttumen scheint 
Diese bisherigen Deutungen erkannten entweder Diomedes 
mitDolon's Kopfe (W i uckel m. a. a. 0. 221—224) oder Thro- 
phonios mit dem des Agamedes (ibid. 225), oder Aias mit 
dem Kopfe des Imbrios (nach IL Xül. 202ff. Tölkena.a. 
0. 334 — 336), während dieselben dennoch beiher eine Deu- 
tung auf Tydeus mit Melanippos Kopfe zweifelnd zuliessea 
(WinckeluL Nro. 224., Tölken Nro. 337.). Ich glaube 
in den Jahrbüchern des Vereins v. Alterthumsfreunden, XV. 
S. 120 f. die Schwierigkeiten dieser Erklärungen nachge- 
wiesen zu haben , die übrigens Jedem in die Augen fallen, 
der U. X. 455. und XIII. 202. mit den Steinen vergleicht 
Aber einen Hauptumstand, welcher, wie mir scheint, schla- 
gend für meine Erklärung beweist , habe ich dort , wo ich 
sie zuerst aufstellte, übersehen. Dieser Umstand ist die Ruhe, 
mit welcher der Sieger den abgehauenen Kopf des Feindes 

J^9) Ifro. S. «nt der Stosch'schen SammluBg (W ine keim. 
UI. 224) in Berlin (Tölken IV. 336); Nro. 9. ans der Saromlnog 
der Kren Merten» in Bonn. Denselben Gegenstand enthal^n s. B. noch 
die Berliner Gemmen bei TOlken IV. Nro. 334, 335, 337.; eine ia 
Pelecsbntg (unter den AhgOpsen in Berlin Sehnbfach XXX.3.)i wie in 
Kepenbegea, Daotyl. Mnice W2. n. sonst mehrfach. 



in der Baal hält iiod betrachtet Mit ApolMon Enttiili»i:, 
nach der Amphiaraos dem Tydeus Melanippos Eopf satragt, 
um sich an ihm 2u rächen, da er Athene's Entsetsen und 
die Entziehung der Unsterblichkeit voraussidit, passt die 
Situation allerdings nicht, um so trefflicher aber nu der Ver- 
sion, die ich auch oben (mit Welcker) als die allein rieh- 
üge bezeichnet habe, nach der Tydeus den Kopf des Fein- 
des verlangt. Der fromme Seher will der Bitte seines ster- 
benden Feindes willfahren, er hat den Kopf bereits abge- 
hauen, da erinnert er sich des Gräuels das folgen soll, und 
Mgert, besinnt sich, beschaut nadidenklich den Gegenstand 
der Tydeischen Wuth ; das ist die einzige Situation , welche 
der Eigenthümlichkeit der Ctemmenbilder entspricht, durch 
alle anderen poetischen Grundlagen, die man gewählt hat, 
bleibt dies nachdenkliche Beschauen unmotiyirt ^°). 

c Tydeus mit Melanippos Kopfe. 

Hier kann ich nur ein sicheres Monument anfahren, 
und zwar: 

Nro. 61., den Carneol (Taf. V. Nro. 10.) aus der 
Sammlung der Frau Hertens in Bonn ^*). Tydeus, wohl im 
Panzer, dessen Pteryges sich eigenthümlich in die einzeln 
auseinander stehenden Lederstreifen auflösen, hat das Haupt 
des Melanippos bei den Haaren gepackt und ist im Begriff 
dasselbe mit dem Schwerdt zu spalten. Tydeus steht zwar, 
eifrig über seine Beute gebückt, während ihn ApoUodor halb 
todt liegen lässt, allein er mag sich zum furchtbaren WeilL 
der Rache mit letzter Kraft aufgerafft haben , um dann für 
ewig hinzusinken. — 

30) Sollte man mir die Seltenheit thebanischer Mythen in Dar- 
stellungen der bildenden Knast entgegenhalten , die es bedenklich ma- 
che , so auf einen Sehlag eine ganze Reihe von Geramen tod troischem 
auf Ihebanischen Boden so Terpflanxen, so yerweise ieh einerseits 
auf die sahireichen Kapanens - und Tydeusdarstellungen , die wir ebea 
betrachtet haben, und sodann darauf, dass alle diese Steine nar wenif 
iperflnderte Copien eine« Originals sind. — Si} Von mir xnerst edirl in 
den Jahrbb. des Vereins von Alterthamsfreimdeo XV, Taf. I.IIre.6. p. laif« 



— ISS — 

Zweif^iaft ist ab ein »weites Beispiel der DarsteUanif 
Scene, der Cameol io Berlin, der bei T ö 1 k e n unter 
den Nachträgen S. 459 aufgeführt ist. 

Abralehnen, wenigstens einstweilen, scheinen mir die 
ebenfalls auf unseren Gegenstand bezogenen Reliefs etruskl- 
scber Aschenkisten bei Inghirami Mon. Etr. Ser. L Tom. 
D. tav. 87 u. 88., welche denn docli des Fremdartigen sa 
Viel enthalten , als dass ich sie eiiiigermassen mit Uebervea« 
gng hier rinreihen könnte. *- 

Bagegen wird als 

ö. Menoikeus Opfertod 

nach der tragischen Erweiterung und Dmdichtung des 
Mythus mit ein paar Bildwerken hier einzufügen sein. Euripides 
scheint für diePo(Ssie Urheber und Quelle dieser Neuerung'^). 
Teiresias weissagte ^^)j dass um die Stadt zu retten, zur Süh- 
nung für den Tod des Aresdrachen durch Kadmos, ein Sohn 
aus dem Geschlechte der Sparten geopfert werden müsse. 
Ereon und sein Geschlecht waren die letzten Sprossen dieses 
Stammes, und Menoikeus, Kreons Sohn opferte sich freiwillig 
selbst für die Errettung der Stadt Den Opfertod des Me- 
noikeus finden wir auf einigen Gemmen und einer etruski- 
sehen Aschenkiste. Die Gemmen sind: 

Nro.&2., eine gelbe antike Paste (Taf.VI.Nro. 1.) 
der Stosch'schen Sammlung, jetzt in Berlin (Tölken IV. 34.) 
Anstatt desMauerthurmsauf dem sich Menoikeus bei Euripides 
tddtet, ist hier ein brennender Altar dargestellt, auf welchen 
der Jüngling, sich selbst das Schwerdt in die Brust stossend 
kniet Die Handlung ist ziemlich stark theatralisch. Auf dem 
Schilde ein Vogel in fast heraldischer Form, wohl ein Phö- 
nix , vielleicht als Anspielung auf die Rettung der Stadt. 
Nro.53., eine violette ant Paste von geringerer Er- 

32) Phoen. 882 ff. 928 ff., 947 ff. (SchfiU) Apollod. 111. 6. 7. 
Sekol. la 950., 946., 1008 ff., 1107 ff. — 33) Nach Paut. X. 25. 1. 
befalil ein delphischea Oiakel Menoikeaa Tod. 



— IM — 

haltimg, ebenfalls aus der Stosch'scben Samiding in Berlin 
(Tölken a. a. 0. 35), ist in allen Hauptsachen gleich, auf 
dem Schilde ein Stern ; an dem Altar lehnt eine Fackel. 

Die in diesen Steinen auf Menoikeus allein beschrankte 
Vorstellung erweitert sich in 

Nro. 54., einer etruskischen Aschenkiste im 
Museum zu Volterra (Taf. VI. Nro. 2.) abgeb. bei Inghi- 
rami Mon.Etr.Ser.LTom.II. tar.86. Bei Euripides, wo sich 
Menoikeus auf einem Thurm der Stadt ermordet, geschieht 
dies in der Einsamkeit, heimlich, namentlidi ohne Vorwissen 
Kreons. Schon in den beiden eben besprochenen Steinen 
sahen wir den einsamen Mauerthurm durch -einen brennenden 
Altar ersetzt, und wenn man für die Steine diese Ersetzung in 
künstlerischen Motiven zu suchen und aus der Absicht zu er- 
klären geneigt sein mogte, den Opfertod von einem gewöhnlichen 
Selbstmord, z. B. dem des Aias zu unterscheiden, so lasst der auf 
unserer Aschenkiste wieder erscheinende, vor der regia porta 
stehende Altar die Vermuthung zu, dass durch irgend welche 
Po^ie der Altar und vielleicht auch der Tod des Menoikeus vor 
Zeugen eingeführt gewesen sein inag. Als Zeugen sehen wir 
in einer sehr gut erfundenen und componirten Gruppe zunächst 
Kreon, der im Momente, wo sein Sohn das Schwerdt sich 
in die Brust stossen will, mit heftigem Schritt sich von sei- 
ner Umgebung loszumachen und auf den Altar hinzueilen 
strebt An seinen Schild lehnt sich eine ganz vortrefflich 
erfundene, griechischen Meisseis würdige, weibliche Figur, 
wohl Niemand anders als Jokaste ^), von Entsetzen ergrif- 
fen , weiss sie nicht was sie thut, angstvoll klammert sie sich 
an des Bruders Schild, und hält diesen im Hinzueilen auf^ 
und doch kann sie den Blick von dem furchtbaren Schauspiel 
nicht abwenden. Hinter Kreon ein Begleiter und eine etwas 
kleiner gebildete, fackeltragende etrusk. Furie. 



34) Nach Eurip. Pboen. 1004 Q. 5. des früh rerwuMten Menoi- 
keus zweite Mutler. — 



— las — 

Z« der vierteil Hanptgfnippe thebanigeher blMfrerke, 
weleke den Kampf ani Theben umfaset, gehören freilich auch 
diejenigen, welche den Bruderkampf darstellen. Der grös- 
seren Zahl der Monumente wegen aber kann füglich, als 
eigene Hauptgruppe sosammengefasst, als Abschnitt gelten: 

Y. Der Bruderkanapf. 

In erhaltenen griechischen Kunstwerken ist der Kampf 
der feindlichen Brüder nicht ein einziges Mal nach- 
weisbar j wenn man nicht einige griechisch - römische Gem- 
men und das Relief Panfili hieher rechnen will ^), dage- 
gen haben wir von drei untergangenen , in mehrfachem Be- 
tracht wichtigen Werken dieses Gegenstandes antike Zeug- 
nisse, denen sich auf dem Gebiete der etruskischen Aschen*- 
kistensculptur eine reiche Masse von zum Theil interessan* 
ten Darstellungen dieses Gegenstandes anreiht. Das älteste 
Monument ist 

Nro. 55., die Darstellung auf dem Kypseloskasten. 
Paus. V. 19. 1. berichtet : Von den Söhnen des Oidipus ist Pojy- 
neikeis ins Knie gesunken, ihn bedrängt Eteokles. Hinter Po- 
lyneikes steht ein Weib, welches die Zähne zeigt, wie ein 
wildes Thier und lange Nägel an den Fingern hat; beige- 

i) M All er «agl| Handb. {. 412. 3. Der Braderkampf sei ,,häa- 
f ig ia VaseDgero&lden wie — Gal. myth. 140. 568.« ja, in sol- 
chen Vasenbildero ist allerdings zum Ueberdrass häuGg ein Zweikampf, 
aber nicht der Brnderkampf, sondern ein durchaus uncharak- 
ierfstisoheryauf jeden mythischen Fall, oder besser noch, «uf 
jedeWaffenfibnng besiehbarer Zweikampf dargestellt, der dann 
je nach Laune und Belieben derjenigen Heransgeber, welchen es nur 
auf Zahlen von Monumenten ankommt, wie z.B. Inghirami in roiner 
Galeri« Omerica, bald so, bald so, bald sehr einfach, bald sehr gelehrt, 
aber immer sehr willkuhrlich mit irgend einem mythischen Namen belegt 
wird. — MflUer b&lte besser gethan, das oben aasgesprochene Fac- 
tum , das s kein einaiges , charakteristisches Vasenbild , Belief u. s. w. 
grieeh. Kunst existirt, welches den ßrudcrkampf darstellt, zu consta- 
tirea, als sich den Scheii^ sugeben^ als sei auch er durch solche No- 
mendaturen , wie die bezeichnetea geblendet worden. 



scbrieJkeA ist, dass sie eine Ker ad, und dais dem Palynei- 
kes dem Geschicke gemäss der Tod komme ^ dem Eteokles 
dagegen nach dem Rechte das Ende werde. 

Es ist interessant y dass die von Pausanias angedeu- 
tete Gruppining der kämpfenden Brüder: Polyneikes anfs 
Knie gesunken, Eteokles stehend, andringend, sich so viel- 
fach wiederholt , wo der Kampf im Momente der Entschei- 
dung dargestellt ist. Ungeßlhr entspricht die Situation auch 
der Schilderung bei Euripides Phoen. 1432 ff. (Schütz.) 

In der folgenden Auswahl etruskischer Aschenkisten ^) 
stelle ich zunächst ein Monument voran, welches einen etwas 
fhlheren Moment vergegenwärtigt, nämlich: 

Nro. 56., eine Aschenkiste im Museum zuVolterra 
(Taf. V. Nro. 11.), abgeb. bei Inghirami Mon. Etr. I. II. 
91. An beiden Enden des Reliefs die beiden Brüder kampf- 
fertig die niedergesetzten Schilde erhebend. Zwischen ihnen 
zwei etrusk. weibliche Dämonen, von welchen die eine einen 
Palmzweig hält, an der Stelle jener Ker bei Pausanias, und 
vielleicht eher als Siegesgöttinnen, denn als die gewöhnlichen 
Furien aufzufassen. Beide treiben offenbar die Brüder zum 
Kampfe an. 

Den Kampf im Momente der Entscheidung sehen wir 
am einfachsten in 

Nro. 57., einer Aschenkiste im Museo Oregoriano 
des Vatican (Taf. V. Nro. 12.) abgeb. Mus. Gregor. 1. 93. 3. ^) 
Polyneikes, in 's Knie gesunken wird von Eteokles, dem er 
sein Schwerdt in den Bauch stösst, in den Hals gestochen. 

S) Nor eine solche kann in meiDem Zwecke liegen , da die 
elraskische Konit mir nur ergänxende Nebensache ist. Uebrigens mag 
der Leser die meisten der folgenden Urnen als Reprftsentanten von 
Reihen gleicher oder ähnlicher betrachten. — 3) Absolut gleich, nur 
durch die auf dem Deckel der Aschenkiste Hegend dargestellte Figur 
von dieser unterschieden, ist eine Aschenkiste im britischen Museum, 
Marbles of the brit. Mus. V.9.2. und eine dritte in der Gal. myth. 107. 
512, wo fibrigens die B&rtigkeit des Eteokles ein Fehler des Zeich- 
ners sein wird. Aehnlich die Asohenkisle Mos. Gregor, a. a. 0. 4. 



^- 1« — 

Binter den BrÜdem jt eine etniskisehe Furie, offenbar diesel« 
ben gam Wecbselmord anreisend. 

Die Scene gleich nach dem Kampfe ist mehrfach variirt 
snd umfasst einige wirklich interessante Monumente ; ehe wir 
diese betrachten, werden wir die beiden anderen, literarisch 
fibellieferten Bildweike eioznfUgen haben , deren eines jenen 
nur Erlaoterung dient Ganz kurz leider berichtet uns Ober 

Nro;58., eine Gruppe der kämpfenden Brü- 
der Ton Pythagoras aus Rhegion aus etwa der 80. OL Ta- 
tianos ngoQ **EXX?jvag 54 nur die Existenz; etwas Ausführli- 
cheres dagegen besitzen wir über 

Nro. 50., ein Gemälde des Onatas (ca OL 78.) 
in der Vorhalle des Tempels der Athene Areia in Plataiai, 
und zwar in zwei Stellen des 9. Buches des Paiisanias, cap. 
4. 1. und cap. & & In der ersteren Stelle giebt Pausanias frei- 
lich nur an, es sei von Onatas gemalt gewesen : '^gytiiov ini 
9iißaq ^ ngoxiga axQaxua^ was ganz allgemein zu verste- 
hen sein wird, ein Bild aus dem Krieg gegen Theben, denn 
in der zweiten Stelle heisst es: syqaift kotj;^^ tj)» EvQvyd^ 
PMiav ini jjj fidxfi xmv naiimv j doch aller Wahrscheinlich- 
keit nach von einem und demselben Bilde gesprochen, wel- 
ches schon oben erwähnt wurde, nur anders ausgedrückt 
des andern Zusammenhangs wegen, so dass sich in der Zü- 
sammoifassnng ergiebt : der Zweikampf der feindlichen Brü- 
der in Gegenwart ihrer Mutter^) Euryganeia und wahrschein- 
Itch in grosserer Umgebung argivischer und thebanischer 
Kämpfer. 

Hiemadi erklärt deh 

4) Die Matter, und zwar die richtige Matter, nicht die Stief- 
natter U\ ile, wie Welcher in aagenblichlichem Irrtham Ep. CycU 
II. t360. schrieb, nach dem Epos, Aber welches Welcher selbst 
aofkUrend a. a. 0. S. 314 a. 15. gehandelt hat. Danach hat aach 
Ettripides Nichts geändert, wenn er die Johaste cmn Kampfe der Brü- 
der hemmen Iftsst, als eben den Namen. Jokaste ist in der nacbepi- 
aehen Version die Matter von Oidipas Kindern, wie Euryganeia in der 
epiaehen. 



. IM — 

Nro.60.9 doe Aflchenkiflte in Chiu8i(Taf. V.Mni. 
13.) abgeb. in I n g h i r am i'B Etrusco Museo Chiusino IL IM. 
Die beiden Brüder sind gefallen, zwischen ihnen eine etrusk. 
Furie ruhend , wie nach vollbrachter Arbeit , neben ihr aber 
eine weibliche Figur mit trauriger Miene, die Mutter, gans 
wie bei Onatas , sogar mehr noch , als in der leidensdiafiU 
lieberen Schilderung bei Euripides Phoen. 1478 ff. Zwei 

« 

Kriegsgefidirten unterstützen die sterbenden Brüder, ein drit- 
ter ist anwesend, ohne dass seine Handlung klar ausge- 
drückt wäre. 

Grössere Umgebung sehen wir bei den sterbraden Brtt» 
dem in den folgenden Monumenten. Zunächst in 

Nro. 61., einer Aschenkiste im Museum zu Vol- 
terra, abgebildet bei Inghirami, Mon. Etrusc. L IL 92. 
Ausser den gefallenen Brüdern und einer der obligaten Fu- 
rien oder vielleicht wieder einer Victoria sind einige Waf- 
feng^brten dargestellt, welche die sinkenden Brüder stüt- 
zen ; ein dritter, in eine lange Trompete stossend , verkün- 
digt nicht sowohl den Sieg Thebens, wie Inghirami er- 
klart, als er zum erneuten Kampfe das Signal giebt. Aus- 
serdem ist der seltsam gestaltete Gegenstand zwischen den 
beiden Sterbenden zu bemerken , der , wohl nichts Anderes, 
als ein Blitzstrahl ^ sein soll, ein Zeichen von Zeus, er- 
innernd au das Jiog ä'itaXBieto ßf^vX^^ denn auch die 
Erfüllung der Flüdie des Oidipus gehört in den Bereidi 
des Waltens der Götter, namentlich des Sdiicksalslenkere 
Zeus. Dieser zwischen Kämpfer geworfene Blitz ist übri- 
gens auch sonst in Poesie und Kunst nachweisbar; vergl. II. 
XL 514.; Quint Smym. I. 691. wo Zeus durch einen Blitz 
Ares zurückhält , als er Penthesileia^s Tod an Achilleus rä- 
chen Win , und das alte Vasenbild Bull. . delF Inst. 1885. p. 

^9 Lansi bei Inghir. a. a. 0. p. 693. erkUrte ihn ffir ein 
WurfgeBchoss, Inghirami ibid. p. 694. fflr einen Fichten- oder 
Palmentweig. Beides ohne Wahrscfaeinlicbkeit. Vergl. die folgende 
Nununer. 



tu j in dam Airch einen Mite der Kampf des Herakles mit 
Ares getrennt wird. 

Dieser Blitzstrahl kehrt deutlicher erkennbar ^) nun in 

Biro. 6S«y einer auch sonst verwandten Aschenkiste 
VM Gbinsi (Taf. VI. Nro. S.) wieder, abgeb. in Inghira« 
m i's Mns. Chius. 190* Hier sinken die Brttder, zwischen denen 
diesmal die Florien fehira, tödtlich verwundet in die Arme 
VM zwei Kriegsgenossen, wahrend unter anderen Kriegern sidi 
der Kan^f aufs Neue entzündet, zu dem im vorigen Monu« 
ment der Trompetenblaser das Signal gab, was vollkoottieii 
durch den bei Euripides (Phoen. 1481 IF.) über den zweifel- 
haften und streitigen Sieg des Eteokles oder Polyneikes wie« 
der ausbrechenden Kampf motivirt wird^, der mit der tota- 
len Niederlage der Argiver endet. 

Bedeutender und interessanter als die bisher betradite« 
ten Monumente sind die beiden folgenden, welche beide nach 
denselben Motiven componirt, dabei jedoch so verschieden 
ausgeführt dnd, dass während das erstere zu den besten 
etntskischen Sculpturen zu rechnen ist, das andere durch 
Htsslichkeit sich auszeichnet, ja an Parodie erinnert Beide 
enthalten aber me Schwierigkeit, die ich nicht vollständig 
zu lüsto vermag und zu deren Lösung wahrscheinlich eine 
genaue Untersuchung der Originale das einzige Mittel bietet. 

Diese Monumente sind 

Nro. 69. und Nro. 64. Zwei Aschenkisten imvol» 
terranischen Museum (Nro. 68. Taf. V. Nro. 14), abgd>. bei 
Inghirami Mon. Etr. I. IL 98. u. 94. In Nro. 63. ist dk 
ganze Darstelhug zu beiden Seiten abgeschlossen duttti 
zwei auf viereckigen Basen stehende, fackeltragende Bri- 
nyen Statuen, in Nro. 64. wird ebenfalls das Bild von ru- 
hig stellenden Furien begrenzt, von denen die eine rechte 
w^gebroehen i^ Auf beiden ist ausserdem eine weibliche 

6) Seltoam «ii$h lüer geiiaUet , an eineiii finde in eine Art 
von Hand ansianfend, aber am anderen dwllicli flapnensprflliend. In- 
gliiranii weift fich mit dem Gegenstand gar ni^lil^fu heUap* 




•-- 140 — 

Person anwesend» mit befiigeu Zeichen des Schmerzes, of- 
fenbar Euryganeia , oder , da eine tragische Umdidititng m 
Grunde liegen wird, Jokaste. Auf Nro. 63. ist ausserdem 
noch ein bärtiger, bescepterter Mann dargestellt, der nur 
Kreon sein kann. Alles dieses ist klar und sinnreich, und 
H il 1 1 e r's Ausdruck (Handb. §. 412.8.) „Die Brüder an den Altä- 
ren der Erinyen sterbend^ giebt den wesentlichen Gehalt der 
Denkmäler richtig an. Die Schwierigkeit liegt in der fol- 
genden Gruppe, die sich auf beiden Monumenten wiederholt 
In der Mitte der ganzen Scene ist ein Bärtiger dargesteUt, 
der nur bis an die Knie den Boden überragt, auf beiden Mo- 
numenten hält auch er ein Scepter, auf beiden erhebt er 
die rechte Hand, offenbar eine bedeutende Rede mit lebhaf- 
ter Geberde begleitend. Auf beiden Monumenten ist ihm ein 
jüngerer Gefährte zugesellt, welcher die Hand auf seine 
Schulter legt, und ihn zu halten scheint. Dass hier Oidipus 
dargestellt sei, daran kann kein Mensch zweifeln, aber in 
welcher Situation? Inghirami meint der Greis knie, 
■nd werde von dem Jüngliog unterstützt, der schwache 
und hilflose Oidipus, wie er in Euripides Phönissen ge- 
schildert wird, durch Antigone's Klagen aus der Wohnung 
hervorgerufen, sei durch dies Knien in seiner ganiien In- 
ftrmität dargestellt ^). Aber kniet denn diese Figur wirk- 
lich ? Auf Nro. 64. sieht's einigermassen so aus, auf Nro. 63. 
gewiss nicht. *- Müller stellt (Handb. a. a. 0.) eine ganz 
verschiedene Erklärung auf, indem er sagt „der Schatten 
des Oidipus steige, den Fluch wiederholend aus dem Boden.* 
Aber ist hier ein Schatten dargestellt? kann ein solcher dar- 
gestellt sein sollen? Wie kann der begleitende Jüngling ei- 
nem Schatten die Hand so auf die Schulter legen, ihn hal- 
ten? Die Veimuthung, obwohl sehr geistreich, enthält eben- 
falls grosse Schwierigkeiten wie die minder geistreidie von 

T) Das8 flbri^eDf Oidipui fo icbwacb $t\, das« er nicbl auf- 
recht atehen köane, sagt der Tra|iker keineswegs, sein Schritt ist nn- 
•icher weil er blind ist 



— «1 — 

laghiramiy and, wie gesagt, etoe Entscheidimg Aber 
die aufgestellten Fragen wird lidchstens durch eine neue und 
gaas genaue Untersucliung der Originale in Besug auf diese 
Qeslalt des Oidipus möglich sein ^). 

Diesen Monumenten , welche den Bruderkampf in grlHi* 
serer oder kleinerer Umgebung xeigen, ist nun noch ein Bild- 
werk beizufügen, welches den Streit und den Eampf der BrAp 
der in mehren Momenten misammenfasst Es ist dies 

Nro. föh, ein Sarkophag aus Tarquiüii im Mnseo 
Gregoriaao des Vaticau (Tat V. Nro. 15.) abgebildet , Mus, 
Greg. L 96. 3. ^) In der Mitte ist der Kampf der Brttder 
im Hmnente der Entscheidung in gewohnter Art dargestellt. 

Am aussersten Ende rechts sitzt Eteokles auf dem Thron 
mit der Geberde der Trauer, als ob er ahnte, welches der 
Ausgang des Wortstreites sein werde , in den er mit dem 
Tor ihm stehenden , heftig sprechenden Polyneikes , der die 
Herrschaft zurückfordert, gerathen ist. Am entgegengesetz- 
ten, linken Ende ist die auf einem Felsen sitzende Mutter 
der Brflder (oder Antigene?) die letzte Figur. In den bei- 
den Mittelgruppen werden wir die beiden Brüder nochmals 
zu erkennen haben, die zwei Furien zum Entscheidungskampfe 
treiben; rechts Polyneikes, links Eteokles, welchem Oidipus 
beigesellt ist, den er fortzuführen scheint, und durch den zu- 
gleich die Seite Thebens angedeutet wird. In der Erklärung 
im Mus. Greg, erkennt Braun (?) in dem Jüngling, der Oi- 

6y Wenn Inghirami Recht hat, dass hier der lebende Oidi- 
poj in erkennen itt, dann wird er auch die weibliehe Peraoa rieh« 
tiger Antigene benennen, als ich Jokaste, im andern Falle umgekehrt. 
— Die Frage nach der Qaelle dieser Bildwerke dürfte ebenfalli nicht 
MU beantworten aein, in £aripides Phönlsten tcheint aie aber nicht, 
wenigstens nicht als directe zn liegen. Aach aus dem, was Stat. Theb. 
XL 580 iF. ersflhlt, ist sie schwerlich heraaszafinden. Oidipns beim 
lampfe selbst anwesend , ist schwerlich irgendwo sicher erkennbar 
dargestellt. — 9) Der Sarkophag ist der Linge nach in zwei mit 
Bildwerk geschraackte Hälften getheilt; unsere Seene fallt den oberen 
Streifen, wAkrend im nuteren Klytaimnestra's Mord ebenfells eigen- 
tkümlick dargestellt ist. 



4itiis führt eittent Gefidirten (&€gänm) deBaelben, doch darf 
der zweite Bmder schwerlich fehlen. 

Diesen umfangreicheren Bildwerken ffige ich noch xwei 
Gemnienbilder bei, welche ebenfalls als Repräsentanten saht« 
reieherer Bzempiare betrachtet werden mögen. 

Nro. €6. Braune ant Paste (Taf. VL Nro. 4.) fai 
Berlin , T 5 1 k en IV. 81. Sehr lebendig und gut gearbeitet 
sehen wir hio* den Kampf der BrOder im Momente des Wech- 
selmordes, obwohl Polyneikes nicht kniet, wie gew^lhnlich, 
ist doch die ganze Anordnung der Gruppe den bekannten 
Compositionen wesentlich gleich. Leider ist die Paste zum 
Theil sehr schlecht erhalten. 

Nro. 67. Ein Carneol (Taf. VI. Nro. 6.) aus der 
Stosch'schen Sammlung in Berlin (Tölken a. a. 0.30.), von 
ungleich geringerer Arbeit, zeigt uns den Aagenbliek nach 
dem Kampfe; beide Kämpfer sind sterbend auf die Knie ge- 
sunken ^^). 



Bier werden ein paar Monumente einzufögen sein, wel- 
che sich auf einen der berühmtesten Sprossen des alten the- 
banischen Mythus beziehen, nämlich auf Polyneikes Bestat- 
tung durch Antigene. Das eine dieser Denkmäler ist aller- 
dings nur ein literarisch überliefertes ; von einem erhaltenen 
Kunstwerke, welches Antigone's heldenmtithige That dar- 
stellte ist mir keine Kunde geworden, nur parodirt finden 
wir dieselbe in dem zweiten der hier in Rede stehenden 
Bildwerke. Daserstere ist 

r 

Nro. 68., das G e m ä 1 d e, welches uns Philostr. d. ä., Buch IL 

10} Unsicher ist die Erklärung aaf Polyneikes ond Eteokles 
Kampf fflr den archaischen Carneol auch der Stosch'schen Sammlaag 
in Berlin (T61ken IL 46.), der xwei kAmpfende Helden zeigt , xwi» 
sehen denen eine Pflanze aafspriesst. Abiulehneo wird die von Cla«^ 
ra c, Uns. des scnlptnres pl. 214. 2. p. 637, auf den Brnderkampf beao« 
gene Aschenkisle sein. 



cap. 99l besehreibt ^^). In aller Kürze werden wir vns von dem 
Gemälde etwa folgenden BegriiF zu machen haben. ImHinter- 
gnmde ist die Mauer Thebens gemalt, vor ihr das Schlachtfeld, 
bedeckt mit vielen Leichen, unter welchen man namentlich den 
rieägen Kapaneus erkennt Im Vordergrunde sieht man im un- 
sidiereD Scheine des Mondes Antigone mit Polyneikes Bestat- 
tung beschäftigt. Sie kniet an der Leiche des Bruders nie-^ 
der, und indem sie mit scheuem Blick umhersieht, schaut sie 
doch zugleich auf Polyneikes, die Thränen mit Gewalt zu- 
rückhaltend, damit ihr Weinen sie den Wächtern nicht verra- 
the. — Neben dieses einfach^chöne Bild, welches allen Ansprü- 
chen, die wir an antike Composition zu machen haben, voll- 
kommen genügt, tritt in schneidendem Contrast die bereits 
erwähnte Parodie in 

Nro. 69., einem zuerst von Gerhard, ant Bildwerke 
Taf. 78. bekannt gemachten, sodann von Panofka, Wie- 
seler und Welcker besprochenen Vasengemälde '^). Pa- 
nofka erkannte zuerst die Scene der Antigone (Vs. 890^ 
419.), in welcher die Heldin, beim Leichnam des Bruders 
»läppt, gefangen vor Kreon steht, in drei Figuren, von 
denen die eine als König, die zweite als Häscher bei derber 
Komik dennoch unvei^ennbar charakterisirt sind, währrad 
die dritte, vom Häscher ergriffene durch ein übermässig gros- 
ses Thongefilss , welches sie sehr fest hält , als Antigone 
bezeichnet wird, die von der Spende zurückkehrt Aber 
als eine Antigone der Komödie, eine Antigone eigener Art, 
denn anstatt wie die Heldenjungfirau bei Sophokles dem Herr- 
scher kühn und ihr göttliches Recht vertheidigend entgegen- 
zutreten, reisst diese Pseudoantigone im Momente, wo sie 
der Häscher fortschleppen will, die weibliche Maske ab, und 
erweist sich -» als ein alter Diener , welchen die wirkliche 



ii) Fhilostrati et CtlLiglratns edd. Ja^obt et Welcker p. 
Vgl. die AnmerkimgeB p. 551. — i9) Panofka» AimaH XIX. p. 216, 
UV. d'agg. K., Wieaeler, Tbeateralterihaner Taf. 9. Ifro. 7. S.55f.; 
Welcker, Alte Denkmäler 111. p. 504 ff. Taf. 35. 1. 



Antig^one an ihrer Stelle hinausgesandt bat, um auf alle 
Falle sicher au sein ^'). 



Nadi dieser Episode kehren wir zu unseren echtheroi- 
schen Monumenten zurück und zwar zur letzten Oruppe aus 
dem Kreise der Thebais. 

VI. Amphiaraos Niederfahrt. 

Amphiaraos irdisches Ende bezeichnet zugleich das Ende 
des Kampfes gegen Theben , in« dem alle Fahrer gefallen 
waren; nur noch eine furchtbar ernste Todtenfeier^ die 
Verbrennung der Leichen auf sieben Scheiterhaufen blieb 
dem einzig überlebenden Adrastos übrig, der dann 
«Trauergewand um den Leib, mit Arion dem dunkelgemahnten^ 
nach Argos entkam. Amphiaraos letzte Schicksale werden 
uns im Wesentlichen übereinstimmend von mehren alten 
Schriftstellern berichtet 0- Bei dem Wiederausbruch des 
Kampfes nach dem Tode der Brüder sandte Zeus panischen, 
dämonischen Schrecken in's Argiverheer (Find. Nem.fX.87, 
TgL Pausan. IX. 9. 1.) , Alles floh , auch Amphiaraos Zwei- 
gespann wandte sich zur Flucht, verfolgt von Periklymenos ; 
doch ehe dessen Lanze den Seher erreichte, spaltete Zeus mit 
dem Blitze die Erde, in welche das Gespann mit Helden und 
Wagenlenker versank bei Harma, wo Amphiaraos, von nun 
an unsterblicher Dämon , ein Orakel hatte , das schon den 
Söhnen der gefallenen Helden beim zweiten Kriege gen The- 
ben den Sieg und glücklichen Ausgang verkündigte. — ^ 

Amphiaraos Aufnahme in die Erde ist uns in mehren 
Kunstwerken erhalten, von denen weitaus das bedeutendste ist : 

13) Dies die We Ick einsehe AufTassuog, von welcher die Pa- 
Aorka'i abweicht vud weiche Wiesel er bestreilet. Eine Hilarotra- 
gAdie miist jedenfalia dem Bildwerk za Grunde liegen. 

i) Die Stellen aiod notirt bei Weicker, Ep. Cyol. IL 366. 
Ifote 110. 



- 145 - 

Nro* 70., da3 schöne Relief von Oropos ^) (Taf. VL 
Nro. 6.), zuerst abgebildet in den Monumenten des Instituts IV. 
tav.5.3) Die überaus geistreiche Auffassung und Composition hat 
W e 1 c k e r meisterhaft beschrieben und gewürdigt^ ich kann nur 
die Hauptsachen ausziehen. Von dem gemässigt galoppiren- 
den Viergespann ^) , dessen vorderstes Pferd von dem auf- 
steigenden Dunst des Todtenreichs me gelahmt erscheint, 
wahrend die anderen vor ihm, jedoch ohne Heftigkeit scheuen, 
wird der Wagen dem nicht physisch dargestellten, nur in 
seiner Wirkung zu ahnenden Erdschlunde entgegengeführt. 
Auf dem Wagen steht Amphiaraos in vollster Blüthe der Ju- 
gend und männlichen Schönheit ; als ob ihn Schwindel er- 
fasse, wie ihn der Hauch der Unterwelt berührt, hat er den 
Wagenraud ergriffen, seine Knie wanken, eine unsichtbare 
aber unwiderstehliche Macht zieht ihn hinunter in's Reich der 
Nacht, der Tod hat, wenn auch nur vorübergehend, Macht 
über ihn. Neben ihm steht wunderbar viel ruhiger, un- 
empündlicher sein Wagenlenker Baton , der bärtige Alte ne- 
ben dem herrlichen Jüngling, der unendlich viel Materiellere 
neben dem ganz von Geist Durchdrungenen in höchst bedeu- 
tendem Contrast. 

Auch auf ihn wirkt die Nähe des sich öffnenden Rei- 
ches der Tiefe, aber ganz anders, als auf seinen Helden; 
seine geistige Thätigkeit ist getheilt, er versieht seui Amt, 
indem er wie mechanisch die Zügel der Pferde noch festhält, 

2) In Oropo0, in dessen N&he dies schöne Monnment 1842. ge- 
funden wurde, halte Amphiaraos nach Pausen. I. 34. 2. einen Tempel 
mit dem Marmorbilde des Helden, und dort wurde er nach d. gen. 
Stelle zuerst göttlich verehrt. — 3) Erklärt von Welcher, Annali 
XVI. p. 166 f. Wieder abgebildet in Welcker's alten Oenkm&lera 
IL Taf. IX. 15., vgl. daselbst S. 172 CT. — 4) Das Viergespann ist 
schon von Sophokles (bei Strabon p. 399), dann von Euripides (Suppl. 
501. 930.) und Propertius (II. 34.39) an die Stelle des dem Epos ge- 
mässen Zweigespanns gesetzt, wogegen Antimacbos, Statins u. A. das 
Zweigespann beibehalten haben. Vgl. Weicker, Ep, Cycl. II. 366. 
Rote 110. und Alte Denkmäler 178 f. 

r erb eck| heroische Oallsrle. 10 



und doch ist er weit entfernt, etwa mit rascher Wendung^, 
'fliit angestrengter Kraft und Kunst zu versuchen, dem Ver- 
derhen auszuweichen , nicht einmal der Blick ist nach vom 
gerichtet, sondern er ist dem wankenden Amphialraos zuge- 
wendet , ohne so auf ihn fixirt zu sein , dass wir ein helfen- 
des ITnten^tützen aU Folge erwarten. Feiner konnte der 
Künstler den Unterschied der beiden Charaktere nicht aus- 
drücken, und schwerlich lässt sich ein zweites Motiv der 
Composition ersinnen, in welchem sich die ganze Bedeutung des 
Ereignisses so klar und so tief anspräche, wie in diesem schwin- 
delnden Zusammensinken des Amphiaraos und in dieser halb- 
unwillkübrlichen Theilnahme des Wagenlenkers, welche auch 
unser Gefühl ganz auf den Helden zurücklenkt. Es weht 
uns ein Geisterhauch aus diesem wundervollen Bildwerk ent- 
gegen , und wie wir hier die lähmenden Schauer des Todes 
über dies volle Leben gleiten sehen, werden wir inne, dass 
nur die stumme Poesie der bildenden Kunst einen solchen 
Moment ganz auszudrücken fähig ist. — 

Neben diesem Monumente scheinen die übrigen Darstel- 
lungen der Begebenheit geistlos und dürftig , um so mehr 
aber sind sie geeignet, durch die Vergleicbung den hohen 
Werth des Reliefs von Oropos klar zu machen. Am näch- 
sten steht ihm, aber nur der äusseren Composition nach, in 
der AuiTassung dennoch weit von ihm entfernt. 

Nro. 71., ein Monochrom auf Marmor aus Her- 
culanum (Taf. VI. Nro. 7.) zuerst edirt in Zahn's: Or- 
namente und Gemälde aus Pompeji, Herculanum und Stabia, 
zweite Folge Taf. 1. ^). Die Aehnlichkeit in der äusseren 

SJ Wieder abgeb. in den Annali XVf . lav. d'agg. E. , erklftrt 
Ton Welcker, siehe jetzt dessen Alte Denkmftler II. Taf. X. 16, vgl. 
S. 179 f. Früher für Achill und Automedon , dann von Jahn, Arch. 
Beitr&ge S. 393 ff. fQr Dioroedes auf Nestors Wagen erklflrt, Welche 
Deutung derselbe S. 400 f., wohl mit Recht, nicht unbedingt zurück- 
oimmt, obwohl der Alte schwerlich Nestor sein kann. Welcker 
nennt das ]|[onochrom wiederholt und auBdrücUlch eine Kachblldang 



Composition filUt in die Augen, und das Denkmal J>e4arf nach 
dieser Seite keiner Erklärung mehr. Nur kurz sei auf die 
Unterschiede hingewiesen. Der bedeutendste liegt im dar-^ 
gestellten Moment, dort der Augenblick des Uebergangs 
in's Todtenreich , hier die wildeste Flucht allein, das Yierge» 
spann weniger edler Pferde im sausenden Galopp, dahin spren* 
gend , Baton nur mit ihnen beschäftigt, Amphiafaos umblik- 
kend nach dem Verfolger ^) ; obgleich der Zeichnung nach 
der Gestalt des Reliefs bis auf das umgewandte Raupt ähn- 
lich, dennoch in ganz anderer geistiger Stimmung. Dass in 
dem rasend dahinstürmenden Gespann sich ein dämonischer 
Schrecken ausdrücke, sagt auch Jahn (S. 395.), der pani- 
sche Schrecken von Zeus, der das Argiverheer auseinander 
scheuchte, treibt auch Amphiaraos mit seinem nicht mehr zu 
bändigenden Gespann dem bestimmten Untergange entgegen. 
Neben dieses Gemälde stellen wir als zweites : 
Nro. 72., das von Philostratos I. 27. beschriebene. 
Dasselbe ist dem eben besprochenen der geistigen Auffassung 
nach verwandt, wenn auch äusserlich verschieden. Wilde 
Flucht der weissen, schnaubenden Rosse ist auch hier für 
die Situation bezeichnend, jedoch scheint Amphiaraos allein 
auf seinem Wagen zu stehen , in Waffen bis auf das bereits 
mit einem Kranz von Wolle und Lorbeer umwundene Haupt. 
Im Gesicht des Amphiaraos liegt eine neue Auffassung , der 
Held blickt nicht zurück auf den irdischen Verfolger, wie in 
dem Monochrom, er wird auch nicht von aufsteigendem To- 
desqualm unmebelt, wie auf dem Relief, sondern seine Züge 
lassen schon den verklärten Seher und Orakelgott erkennen 
(ßkinojp iBQov xai xQTjGi^äöeg). Als localbezeichnende Neben- 
personen waren der Ortsdämon von Oropos als Jüngling 
und Meernymphen gemalt; ausserdem sah man den heiligen 

des Reliefs ; es mögte aber doch zweifelhan sein , ob an 'wirkliehe 
Copie zu denken ist, ja, ob der Maler das Relief nur kannte. — 
6) Dass er bereit scheine, vom Wagen abzuspringen, kann ich Jahn 
(a. a, 0. S. 401.) nicht zugeben. 



— 148 — 

r 

Erdschluiid mit dem Thor der Träume an welchem die Wahr- 
heit und der Traum standen ^). 

Auch auf dem Relief von Villa Panfili (siehe unten) 
ist Amphiaraos Niederfahrt dargestellt, ausserdem noch in 

Nro. 73., einer etruskischen Aschenkiste in 
Volterra (Taf. VI. Nro. 8.) abgeb. bei Inghirami, Mon. 
Etr. I. II. iv. 84.^) Solche etruskische Arbeit sieht aus wie 
eine Parodie der griechischen Kunst. Vor dem galoppiren- 
den Viergespann ist der Erdschlund sichtbar aufgerissen, 
eine Furie mit gewaltiger Fackel hat die Pferde am Zügel 
ergriffen und zieht sie mit sich in die Unterwelt, wahrend 
Amphiaraos, nur in dem Anfassen des Wageuhenkels dem 
oropischen ahnlich , zurfickschauend wie der herculanische, 
ziemlich gleichgiltig im Wagen steht. Um so gewaltsamer 
geberdet sich Baton (der doch wohl auch als im Wagen ste- 
hend zu fassen ist) , nur ist es nicht recht klar , ob er mit 
den beiden emporgeworfenen Armen die Pferde antreiben 
oder Entsetzen ausdrückep soll. Unerklärlich und gedan- 
kenlos ist auch die neben Amphiaraos Wagen einherschrei« 
tende Gestalt eines ganz Bewaffneten, der rückwärts schaut 
und vorwärts deutet Wenn überhaupt noch ein künstlerischer 
und geistiger Eindruck in der Sculptur zu vernichten war, so 
geschieht das gründlich durch diese ungehörige Nebenfigur. *^ 

Für die Thebais bleibt uns nun noch ein Bildwerk zu 
betrachten übrig, welches, obwohl aus römischer Zeit, den- 
noch in manchen einzelnen Zügen und Figuren griechische 
Vorbilder erkennen lässt, und in seiner Gesammtheit, wie 
mir scheint, tiefer concipirt ist, als man bisher erkannt hat 
Ich spreche von 

Nro. 7J., dem Relief an der Villa Panfili (Taf. VI. 
Nro. 9.), abgebildet bei Raoul Rochette, Monumens in6d. 
pl. 67. A. ^) Man liat dies Relief als Zusammenfassung der 

T) Vgl. fflr weiteres Detail und dessen Erklftrung Philoslrorumlmagg. 
edd. Jacobs et Welcker p. 366 ff. — 8) Aus Gori, Mus. Etr. 
III. difs. III. tab. 12. — 9) Welcker kann, Alte Denkmäler p. 175 



— 14» — 

Hauptbegebenheiten der Thebais betrachtet, es ist jedoch mehr 
als nur dies, es stellt den Gesammtinhalt der Thebais in ihren 
Hauptmomenten dar. Dies kommt uns aber nur zur An- 
schauung, wenn wir dasselbe nicht von einem Ende zum aiN 
deren , sondern nach dem griechischen Compositionsgesetze 
der graden Responsion ^^) betrachten, die beiden Seiten, 
welche sich um eine Mittelgruppe , einander entsprechend 
schliessen, mit einander verbindend. Freilich wird man mir 
nicht auf den ersten Blick zugestehen , dass dies Bildwerk 
so betrachtet werden müsse, es scheint eine chronologische 
Scenenabfolge von links nach rechts statt zu finden: Nemea, 
Kampf vor Theben, in dem Kapaneus hervortritt, Amphia- 
raos Niederfahrt, der Bruderkampf, Antigone mit Polynei- 
kes Leiche, das Alles, könnte man sagen, mag bei der viel- 
fach veränderten Abfolge der Begebenheiten (man vergleiche 
Apollodor und Statins) recht wohl in irgend einer poetischen 
Bearbeitung so auf einander gefolgt sein. Ein starker Be- 
weis aber, dass dem nicht so ist, liegt in dem Scheiterhaufen, 
der offenbar als Lager der Leichen hinter dem versinken- 
den Amphiaraos dargestellt oder gedacht ist Hiedureh wird 
nicht allein das Ende der Begebenheit in die Mitte verlegt, 
sondern es ergiebt sich aus der Betrachtung dieser Mitte 
selbst der bereits angedeutete Gesichtspunkt. In dieser Mitte 
ist durch die bildende Kunst dasselbe Ziel angestrebt, 
welches Pindar mit einem grossen Worte erreicht , 
wenn er (Ol. VL 38.) den Adrastos, angesichts der Schei- 
terhaufen , welche alle Todten verzehrten , jammernd ausru- 
fen lässt : Ich betraurc das Auge meines Heeres , ihn der als 
Seher trefflich war und als Laiizenknmpfer *'). Hiedureh. 
dnrch fiesen grossarti^en (vc^i^etisatz s^tellt der Dichter Am- 
phiaraos als Mittelpunkt der gan/cn Cieschichte inV hellütr 

and 176. nur dies Relief lueineo, von dem er im augeoblicklichen (rr- 
thom Mgt, es sei noch nicht beiiannt gemacht. — 10) Vgl. IV. Rheio« 
Huieam für Philologie V. S.321. und Yll. S. 435 ff. — ii) Vgl. WcU 
c k e r, £p. Cycl. IL 324 f. 



— 150 — 

Licht, und durcb den Gegensatz des Scheiterhaufens mit den 
Leichen und des mit seinem Zweigespann in die Erde , M^el- 
che durch eine liegende weibliche Figur repräsentirt ist, nie- 
derfahrenden Sehers hat unser Künstler Gleiches gewollt ; 
auch ihm ist Amphiaraos der Mittelpunkt der Composition, 
die anderen Gruppen schliessen sich respondirend links und 
rechts an, von einer invertirfen Abfolge der Begebenheit 
kann nicht die Rede sein. — Zunächst an der Mittelgruppe 
sehen wir rechts den Bruderkampf, die gewohnte Gruppi- 
rung ziemlich geistlos und steif wiederholt, durch schlechte 
Restauration noch mehr entstellt. Links entsprechend ersteigt 
Kapaneus mit gewaltigem Schritte die Sturmleiter, eine vor- 
trefflich gezeichnete flgur, von allen Kapaneusdarstellungen 
die beste. Mit der räumlichen Responsion vereinigt sich hier 
die geistige. Den Gipfel des Furchtbaren und Abscheulichen 
im ersten thebanischen Kriege bildet der Wechselmord der 
Brüder, zugleich die entscheidende Krise, und ebenso bildet 
Kapaneus Sturm auf die Stadt den Gipfel der kühnen Tha- 
ten und der Ruclilosigkeit ; die Brüder treibt des Vaters 
Fluch und Erinys in den Tod, Kapaneus stürzt der belei- 
digte Zeus vom bald erreichten Ziel des kühnen Wagens. 
Der ganze Kampf um Theben ist durch seine beiden Röhen- 
punkte dargestellt *^). Die einander entsprechenden End- 

^2} Dal VerhälbiiBB der hinter Kapaneus stekeod^n Heldenge- 
stalt ist nicht dordiaus klar, doch kann ich kanm anstehen, sie mit 
zu der Grnppe zu nehmen, in welcher sich der Kampf darstellt; ich 
halte sie für Tydeus. Freilich scheint es, als ob die letzte Figur der 
äusseren Gruppe die Hand auf die Schulter der in Rede stehenden Per* 
son legte, wonach diese mit zu jener Gruppe tu zählen seht wftrde. 
Aber ich muss mir hier die Vermathung einer Ungenäuigkeil in der 
Zeichnung auszusprechen erlauben, welche durch den Ort, an dem sich 
das Relief findet und durch die vielfachen Beschädigungen (und Er- 
gänzungen?) desselben ebenso sehr erklärt, wie entschuldigt wird. 
Dasselbe ist nämlich aussen am Hause der Villa Panfili an der an die 
hintere Fa^ade anstossenden Mauer eingelassen, offenbar ziemlich un- 
zugänglich nnd hoch, woraus sich auch die Ungenau igkeiten der Be- 
schreibung bei Welcher, Alte Denkmäler U. 176. erkläten. 



-^. ^ — . 

grmfm, je von 5 Penonea stehen in einem etw«s versehe- 
deneoy aber ähnlichen VerhäUniss zu einander, wie die mitt*' 
leren Gruppen. Links ist die Scene in Nemea auf neue Art. 
dargestellt. Hypsipyle, als alte Frau durch die hangenden 
Brüste bezeichnet y kniet als Gnadeflehende vor Lykurgos 
und Eurydike, wenn nicht in der bärtigen Person Am- 
phiaraos gemeint ist Zwei der argivischen Helden sind 
ab ihre Anwälte zugegen, durch Wort und That sie zu ver- 
theidigen bereit Erinnern wir uns , dass Archemoros Tod 
der Anlass dieses Auftrittes ist, so ist durch diese Gruppe 
deutlich des Verderbens An£ang bezeichnet Auf der rech- 
ten Seite ist Antigone dargestellt, Polyneikes Leiche davon^ 
zu tragen bemäht , neben ihr eine zweite weibliche Person, 
Ismene? und andererseits zwei in Trauer sitzende Krieger. 
Das ist das Ende des Hauses Oidipus. Antigone's Untergang 
ist mit ihrer hochherzigen That angedeutet So schliesseii 
sich alle Theile des Relie£s( zu einem Ganzen, dessen 
räumliches wie geistiges Centrum Araphiaraos Niederfahrt 
bildet, die nur ihn aus der Mitte dieses ganzen Geschlechts 
von Frevlem und Sündigen zu neuem, göttlichem Leben 
hinwegraffit 

Als Schl^ss der Bildwerke zur Thebais seien nodi die 
Bildnissstatuen der Helden gegen Theben erwähnt, von de- 
nen uns einige aus dem Alterthum erwähnt werden. Von 
An^hiaraos Marmorbild in Oropos ist bereits Erwähnung 
gethan (oben S. 14& Note 2.) ; in 

Nro.76^ einer Münze von Oropos (TaLVLNro. 10.) 
abgeb. bei Ca d a 1 v ^ n e, Recueil de mödailles grecques p. 168. 
Nro. 1. sehen wir seinen, dem Asklepios ähnlichen Kopf. — 

Auch in Athen hatte Amphiaraos ein Standbild unter den 
Eponymberoen nach Pausan. L 8. 3. In Delphi aber hatten 
die Argiver als Weihgeschenke*uach einem Siege über die 
Lakedaimonier bei Oinoü etwa um die 100. Olympiade nadi 
Pausan. X. 10.^2. die Standbilder sämmmtlieher sieben* Fflh« 
rer gegen Theben aufgestellt , Werke des Aristogeiton und 



— 158 — 

Hypatodoros ^^). Pausanias nennt nach einander 6 Führer : 
Adrastos , Tydeus , Kapaneus, Eteoklos, Polyneikes und Hip- 
pomedon , dann hebt er für Amphiaraos von neuem an , von 
dem nicht nur das Bild da war, sondern auch der Wagen, 
auf dem sich Baton befand. Mag man sich die Gruppen den- 
ken , wie man will , immer scheint es am natürlichsten Am- 
phiaraos und seinen Wagen als Mittelpunkt anzunehmen. 

Von keinem der 7 Führer gegen Theben ist uns ein 
Idealbild erhalten, nur Baton, Amphiaraos Wagenlenker 
besitzen wir in 

Nro. 76. , einer ausgezeichneten Bronzestatuette 
des älteren Stils in Tübingen, zuerst edirt von Orün- 
eisen, Altgriechische Bronze des Tu x' sehen Cabinets in 
Tübingen '^). Grtineisen nannte die Figur Amphiaraos und 
hatte hierin gewiss richtiger gesehen, als z. B. Walz ^^), 
der Odysseus annahm , der im Dunkeln tappend in das Hei- 
ligthum der Pallas in Uion eindringe. Dass ein auf dem 
Wagen stehender Held gemeint sei, ist doch unverkennbar >^) 
und Rauches Schilderung '^) der Bewegung erschöpft Al- 
les: 9 Amphiaraos in dem Moment, wo er forteilend und die 
Rosse treibend den sich aufthuenden Erdschlund erblickt, 
vor dem sich ohne Zweifel auch die Thiere bäumen, zieht 
mit der Gewalt des nemeischen Wagensiegers die Leinen in 
kräftiger Linken zurück, während er mit dem Körper noch 
immer vorgelehnt ist und die rechte Hand ausstreckt, weil 
die Rosse sich sträuben und in Unordnung zu gerathen dro- 
hen, und ihnen beschwichtigend zuzurufen scheint^ Nur muss 
für Amphiaraos Baton gesetzt werden, wie Welcker un- 

IS) Vgl. über die Künstler S i 1 1 i g, CrIbI. artiUciini v. Arinto- 
gito. — ii) Auch im Kunstblatt v. 1835. IN'ro. 6if. ISeuerdings sbgeb. 
im Atlas lu Knglers Kanstgcscbichte B. Taf. 5. Nro. 15. — i'jj) Jahr- 
bücher de» Vereins von Alterlhumsfreunden im Rheinland X. 47 f. — 
Thierseh'B Deutung auf Pandaros ist völlig verrehlt. — iß) Diese 
Silaation erkennt auch S(chöll) an , in Kugler's Alaseum f. bild. Kunat 
1635. S. 268-275. - IT) Abgedruckt in Welcker'i Alten Denk- 
nuaera IL 181. 



^ ISS — 

mstOttlich erweiset (a. a. 0. S. 188 ff.) schon des Alfters 
wegen y in dem der Held dargesftellft ist , und dann , weil 
namentlich seitdem wir das oropische Relief kennen , eher 
Baten denn Amphiaraos die Zttgel fahren wird. Auch geht 
dem Figttrdien bei aller Vortrefflichkeit der Arbeit die ideale 
Schönheit eines Amphiaraos ab, es ist durchaus eine, mehr 
untergeordnete Person , kein Held ersten Ranges. — 



Zum ersten Hefte bemerke ich nachträglich, dass ich 
für Nro. 2. S. 7. die Anführung des Aufbewahrungsorts ver- 
gessen habe. Es ist Nro. 2. eine grosse ruveser Vase im 
Museo Borbonico, erwähnt in Bull, dell' Inst 1810. p. 188. 
Nro. 9. und in Gerhardts Apul. Vasenbb. im Text su Taf. 
6. Note 7. Die Zeichnung verdanke ich Hrn. Prof. Ger hard, 
welcher aus dem reichen archäologischen Apparat des ber- 
liner Antiquariums y dieser unerschöpflichen Hilfsquelle, eine 
Durchzeichnung fttr mich anfertigen liess. 



f.- \ 



I 



II. a. 



Kreis der Epli^onen. 



i 



Der flüchtigsle Blick in dasjenige , was mit NoUiwen. 
digkeit den Inhalt der Epigonen ausgemacht haben muss, lässt 
uns diese PoiSsie als eine recht schwache Fortsetzung und 
Nachbildung der Thebais erkennen , und je mehr wir in's 
Einzelne dringen, um so klarer wird uns dieses Resultat wer- 
den. Eben so fruchtbar aber, wie die mit primitiver Qe- 
nialitAt erschaffenen Epopöen fflr die spätere Poesie und für 
die bildende Kunst gewesen sind, eben so unfruchtbar sind 
diese späten Nächblflthen einer ersterbenden Epoche der Li- 
teratur geblieben ^). Weder spätere Dichter konnten sich 
durch solche Pol^ie angeregt fühlen, und , wenn der Stoff 
unverwüstlich war, wenn einzelne Charaktere und Momente 
dennoch zu 4ragischer Darstellung sich eigneten und anreiz- 
ten, so sehen wir, dass eben auch nur an dies« sich die 
Tragödie anknüpft, und, auf spätere und locale Fartdichtuog 
ausserhalb des epischen Kreises fortbanend, den Helden mei- 
stens in anderen Situationen darstellt, als das Epos. Aehn- 
liches gilt von der uns hier zunächst iuteressirenden Kunst. 
Ich habe freilich kein Recht, die Richtigkeit einer Wel- 
eker'schen Angabe über Kunstwerke, die ich nicht gese- 
hen , zu bestreiten oder hur anzuzweifeln , und so will ich 
mein Urteil über zwei unten anzuführende Reliefe einstwei- 
len guspendiren, in Bezug aber auf die Kunstwerke, die ich 
selbst prüfen konnte, wage ich es auszusprechen, dass kein 
einziges der auf den Kreis der Epigonen bezogenen Bild, 
werke unzweifelhaft zu demselben gehört 

Den wesentlichen Inhalt der Jßpigonen erzählen uns 
Apollod. III. 7. 2. und Diod. IV. 66. Die Söhne dier im er- 
steh 'Feldzug gefallenen Helden beschliessen ihre Väter zu 
rächen; das pythische Orakel ^) verheisst ihnen unter Alk- 
miuon's Anführung den Sieg, Alkmaion aber, eingedenk des 

i^ Von der Tetegonia gilt dasselbe. — S) Nach Find. Pyth. 
VIII. 39. prophex^t Amphiaraos aus seinem Heiligthom den Sieg der 
Epigoneo , von denen nur Adrastog Sohn Aigialeos fallen wirdt 



RadieavftrmgB seioss Vaters Aüphifttiiw, dierllfaiter m IÜ- 
teu, ehe er m FeUe stellt , weigert sieh, bis er, von ilAr 
abermals bestoehenett EryphUe >) flberrefct , aidi denaadi 
entscbliessL Hier folgt nim die, auch filr ens der anMMfc. 
renden Kunstwerke, wichtigste Abweiehiing in bddta Bisah- 
lungen; nach Diod. tftdtet AUunakMi die Matter gleich, vor 
den Auszug, nach i^olloddr erst aii Ende des Kriegs, bei 
seiner RllcUehr , als er die neue Bestechung Erifhyle's er- 
Abrt Nach ErMueniiig der nemdscben Spiele ^) and nach 
Verwastung der Ortsdiafteü na Theben Mgt die Hai^l- 
schladit bei Glisas , die Thebaaer , gesdMi^ea , Hiehea hi 
die Stadt und aiehen auf Teiresiaa Rath aus ihr ab , sie 
den Feinden fiberlassend» Die Argiirer aber rücken in die 
Stadt ein , reissen die Mauern nieder , sammeln die Beute, 
von wdcher sie« ihrem (ldtbde<geniAss< daa Ashiaste der- 
selben dem pythischen Gott im weüieii, Manto ^), Telre- 
Sias Tochter nach D^hi in Apollons Tempel senden ^). 



Was nun die bildlichen BarsteHungen aus diesem Kreise 
anlangt, so muss ich hier als 

Nro. 1. Den Revers dl^ oben 9. 94. besprochenen 
Neapeler Vase (Taf. DI. Nfo. 7.) anfilbren '). 

Auf einer Quadriga stdhen zwei Gerüstete, deren einem 
API^TOy- (rilckl.) beigesehrieben ist, vor denselben Schreitet 
Eriphyle (ßllWVLE) ^ dem einen Pferde ist der Name 
KAMOOPA gegeben. Die bisher aufgestellten Eitlämn- 

3) Thertaodros , Polyoeiket Sohn, iclieeki ihr den Peplof der 
llarmonia, vgl. Hellnnic. b. Schol. Enrip. Pboen. 71., oder der Aphro- 
dile Diod. a. a. 0., Paus. II. 1.7. — 4;) Paus. X. 25.3. — ^^Diod. 
liennt sie Dapbne. — ß") KOr nibefe Umstflnde, namentlich fftr eini|e 
foMsch vrtdilige, für mu aber irrelevaate vgl. Welcher, Bp. Cycl. 
,|j[.,S. 380 ff. — rj Vargl. Aber die Abbildangea und Befprechua^n 
in S. 9Q, Note 12. Ich habe die Darstellung, nm fQr Wichtigerea 
tQ sparen, niebt abbilden lassen, weil sie ohnehin bekasnt ge* 




im sehmiM mkr vitMiU, ienn, ma^; nan an die oben (S. 
M. Nro. IS.) «igenagene Version des Mythus von Amphiaraos 
cwang^swetsem Anssngp zum Kriege denken, nach derEriphyle 
ibMn Bruder des fiemaMs Versteek anzeigt, und dieser ihr 
dahin folgt ') , oder mag man Briphylc's Verfolgung durch 
Alkmaion erkennen — * im dnen wie im anderen Falle bleibt 
etf wunderiich und unhtgreiflieh , da^s der Held (Adrastos 
oder Alkmaiou) auf der Qvadriga der voranschreitenden 
Eriphyle folgt Ich glaube, dass die Version des Epigonen- 
«ylbns, welche Apoilodor bewahrt hat, die Quelle dieses Bild- 
. Werkes ist, und dass einfach nur der Abschied des Alkniaion 
von der Mutter als Parallele des auf der anderen Seite dar- 
gestellten Abschiedes des AmpUaraos von der Gattin darge- 
slettl ist Der Parallelismus der Poesien hat einen Paralle- 
liamus in diesen bnden Vasendarstellungen hervorgerufen, 
Eripihyie spielt in beiien die Hauptrolle und nwar dieselbe , 
sie bewegt den Sohn , gegen seinen Willen , hinauszuziehen, 
wie sie den Vater gezwungen hat, beidemale bestochen. 
Und so wie auf dem Avers Amphiaraos mit der Beischrift 
seines richtigen Namens, Erifhyte durch ein schmückendes 
Epitheton bezeichnet ist, so ist ihr auf dem Revers ihr rech- 
ter Name gegeben, den Namen des Sohnes aber, Alkmaion, 
das ist der QewaKige ^)f der die Einheit der Epigonen bildet, 
ihr Hauptheld, ihr Bester ist, wie Amphiaraos die Einheit der 
Thebais, diesen Napen hat der Maler leise modificirend eben- 
falls durch ein schmückendes Epitheton , agtoto; , der Beste - 
wieder geigeben, und er konnte dies, da die Scene durch 
Eriphyle bezeichnet war. 

Es entsteht, wenn meine Erklärung anerkannt wird, 
eine neue, nicht unwichtige Frage, nämlich die nach der 
letzten Quelle unseres Bildwerkes, in welchem offenbar der 
Mutteemord des Alkmaiou mit dem Absehied als nicht zusam- 
menfallend gedacht ist. Dass aber Alkmaiou die Mutter vor 

8) Nach der Tragödie g. oben a. a. 0« — 9) Vgl. Wclcker, 
£p. Cycl. IL/B. 386. Note 11. 



Am Amamgf itm Aiifti»ge 4(0 V^tßn gmftn tMtjRt, wie 
dies Diodor berichtet, und wie es A^klepiades (SchoL Ody»i» 
XI. S26) ai|9dracklicb hervprtiebt, diep BimBt Weleker 
nit WahfscbeiiiUelikett für das Epas an % Scheint davaeh 
das Epos nicht die Quelle unseres Bildwerks au sein, so Ueiht 
die Frage offen, ob wir solch alterthfiudiehe Malerei jünger 
als die Tragödie setsen dOrfen » oder ob die Lyrik, uns ua« 
bekannt, sich Mb des Stirffes bemächtigt hat? 

Alle Begdbenheiten aus der Mitte der Erafthlung sind 
ohne bildliche Darstellnngen geblieben ^) , nur aus den letz- 
ten Theilen bleibt Einiges aonführen. 

Die Eroberung Thebens ist nach einer Notis iu 
Welcker's alten Deiduiälern II. S. 196. Note SS in awei 
unedirten, schlechten römischen Beliefen iu Villa Panlllf, 
welche wir als No. 8. u. S. aiblen wollen, dargestdlt 

Es ist hier sodann die von Zoega handschriftlich Un- 
terlassene Erklärung des Reliefii in Wiuckelmann'sMon. 
iaed. tM. nu erwähnen, für welches die von Winckek 
mann aufgestellte Deutung oben (S. W) abgelehnt wurde. 
Zoe g a dachte an Teireaias Auswanderung mit anderen The- 
banem nadi der HauptschkMJit von GUsas. Eine Begrün- 
dung dieser Erklärung hat derselbe nidit gegeben , wie ich 
mich durch Em. Traf. Welcker's Odte ans dessen Papieren 
flberaeugte; das» hier aber viel eher von einem flOchtendea 
Auswandern der sftmmflichen dargesteUten Penonen ab von 
Ausstossung des blinden Ckeises die Bede ist, aeigt ein 



8) Bp. CykL II. 391. — a^ Binigs biiwdien M AlknaloB^i 
Rseke gedentete Vsi «nbilder wio M i U i n g e n , Vaies Coghill M. 2.^ 
aniin, Vatef peists L 44, Tif chbein, Vum d'HamiltOB I. 20 n. 
a. (vgl. Ann. lY. p. 103. Nro. 2, Millingen a. 0. S. 31. Ifro. 1.) 

•teilen dieselbe iicher nicht dar. Von derselben fflhrt Müller, 
Bandb. g. 412. 3. Darstellungen an etrusk. Aschenkisten an; wenn er 
nicht etwa nnedirle im Sinne hatte ^ kann Ich nicht vmhin, diese An- 
gnba Sil bfaursItaHit ailr find kieine ^chenluftpii be^svat« welche die 

.9c«as .^pAlsb^a« ;. , .v 

OTtrbtck» ktreischt OaUerie. H 



Ullck Auf <ai «Unrelk^ an« ÜM^ Ü^ dii BUlänuilK. 
Zoej^a's aller«IUg[« b^ nahe. 

In der EnoMmgy dAss die Bfiigeiieii MM p^AlM^heii 
GDtte das 8ehOii8te tm der Bieilke verlj^raMii^ iidttn bei der 
Brrirenmg ThcA^ns BiHiito ak dM Sdit^Adt» ^kennen, nnd 
6ie dem Af olloa tiieniea , liegt «ta ehevalere Aer Z«f , der 
iMglidier Weise in üeilhelr DarsteUimg; ilen reisettdiAen Tlieil 
der Epigonen aoflmatiltte; Vbd so lielMe es sidl begreifen, 
wanin grade dies einige bHdttdie Darstellfnigen hervor- 
gerufen liat^ wem die büsiier Ueranf iesogttien Knnstweifc« 
in der Erklärung fesMilliden. Es sbid dies die folgen* 
ien MH^i: 

Nro. 4. Altar relief in fihrirrelit, akgek in Ger- 
hardt antiken Bildwerken Taf. 81. '^) Vot* den drei hin- 
langlinh diarakteriaiften ddphlschen Güttera, ApoUon Küha^ 
rodos in der Mitte , Artemis mit langer Fackel links , Leto 
nit Scepter und vo^ohlmerteni BBtupte rechts , hinter wel* 
dien noch der delphische Dreifuss zurBesetchnung des Tem- 
pels sichtbar ist » sfakt asif dem Boden eine tranemde wdh- 
lidie Penon, in welcher Gerhaird imter Miiller's Zn^ 
Stimmung (Handb. $.419.8.) dieiuwh Del|higewdbteMan(o 
erkennt ftener 

Nro. 6«, ein fompeianise4iea Wandgemälde 
(Taf. VL Nro. 11)» abgi*. im Mus. Boihon. VU. 18. >') , in 
weldiem immeihin am eiitfadisten die vor ApoUon traurig 
aitoendia Hanto au erkennen sein wird. — Zweifelhaft ist 
mir die Erklärung aus derselben Begebenheit , welche P a- 
Hofka in der Atdi. Ztg. 1848. Ana. 'S. 74* dem bekann- 
ten RelMf des s. ^g. medieeischen Mailnoitoatets in ilorena 
(abgeb. ^. B. in der 'GaLmyth. 155^ &Bb) giebt, in welchem 
man frfiher eine Opferung der Iphigeneia erkannte. Biege- 
l^en sprach sich schon tJhden in den Schriften der Berl. 
Akad. V. 1812, S. 80 ff. aus ; eine neue Erklärung, das Ge- 

f€f) Vfi. kfth. eif . N. P; % Mit* (1816.) AaMeiger ^. 74*.^ 
ii) Prüher in den Piltare d'Eroolsno 11, 17, dum Ardu'Hlg. i¥. tf.'S*. 



— 1«8 — 

rieht iler achäischen Fflrsteii über Aias wegen des Frevels 
gegen Kassandra bei Dion's Einnahme nach Polygnotos Ge- 
mälden in der Stoa poilule von Athen (Paus. L, 5. 2.) und der 
delphischen Lescfae(Pans. X.26. 3.), gab Jahn, archäol. Bei- 
trage S. 990 t.f wahrend Panofka den Moment von The- 
bens Einnahme erkennt, wo die sieben Fürsten Manto als 
Kriegsgefangne von der Agora und dem Bilde der n)<i'>S* 
frauenbeschfitzenden Artemis^ entführen wollen. — Auch 
die Erklärung, welche Panofka, arch. Ztg. 1845. S.45ff. 
filr eine Jatta'sdie Amphora daselbst Tf. 28 aufstellte, nach der 
Manto nebst ihrer Schwester Historis bei Thebens Einnahme 
als Schutzflehende auf dem Mantositze in Ismenion zu The- 
ben *^) zu erkennen wäre , lässt zu manche Schwierigkeiten 
flbrig, als dass ich sie für die richtige halten könnte. — 

i») Faiif. VIU. 3. 1. IX. 33. 1. 



III. 

Krel8 der Kyprla. 



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Literarbohe Beafk^itmgen. Epof s Mn^m in elf BAebern 
TOB Statinof ton Kyprot *). Inhalt steh dm Bxoerptea aus P r o<* 
klof Chrettoniatbla: 

Zeus bwf^iyhhut mit '^cmli aber den trolschcn Krieg. Bris tber, welche sich 
ya den bd jpeleos Hochtelt Terejpigtei^ Gettem |esellt, entxandet Streit wegen der 
Schönheit iwlschen Athene, Here und Aphrodite, die %n Aleztndros auf den Ida 
nach Zeos Auftrage von Hermes tum Spruch geführt werden; und es entscheidet 
Alexandres, an^do^ durdi die [Versprechung der] Hochielt mit Helena, für Aphro- 
dlt«. Hiernach baut Alezandros auf Aphrodltes Veranlassung sich ein Schiff, und 
Hclenof welssagt Ihm über das Bevorstehende, und Aphrodite helsst Alnetas mit Je- 
nem fahren, und ^assandra enthüllt das Bevorstehende. Landend aber In Lakedal* 
mon wird Alexandros von den Tjudarlden gastlich aufgenommen und darauf von 
Menelaos in Sparta, find der Helena glebt Alexandros über dem Blahl Gesdienke. 
Und hierauf verreist Menelaos nach Kreta, Indem er Helena auftragt, für die Gast« 
nach Gebfi^ tu sorgen bis sie abfahren würden. Hierauf aber führt Aphrodite Ale- 
xandros und Helepa pusammen, und nach der Vermischung bringen sie von den 
Sdiitifn die Mehnahl In's ^chlff, und fahren bei Kacht ab. Aber Hera sendet Ihnen 
einen Sturm entgegen, und nach Sldon verschlagen erobert Alexandros die Stadt 
Nach nion aber helmsdiiffend bestdit er Hochidt mit Helena. 

Unterdessen werden Kastor mit Polydeukes ertappt, wie sie die Rinder des Idlf 
und hfpktns rauben, und Kastor wird von Idas, Idas aber und Lynkens werden von 
PoWdeukcs erst^la^en, ynd Zeus gewahrt ihnen (den Dloskuren) die weohsdnd« 
Unsterbllehkdt — Hlenach meldet Iris dem Mendaos das In seinem Haus« Oescha* 
hpM, der aber, hdmkehrend, berith mit sdnem Bruder über den Fddaug gen lllöia. 
Und tum ItestoT kdBBlt Menelaos. VeMtor aber ertIMt 'Ihm In «Inar Hplsoile wto 
die 8lMl dei Ipopeos, 4er Lylmrgos Tochtfr «eaehJüidai iatto, ft^iftott waH» ar* 
saMt flim die Geschichte von Oldlnus und dem Wahnsinn des Herakles und von 
Thescus und Arladne. 

Darauf vflMammeln d« durch Bdlasrdsend dl« f unten, und eotlarvoi'Od^ 
■eas, der, ■■ nicht adtalchMi n misitn, steh wmhiUuilg ^tellta, bidenf Palancf^ 
Ihnen angUht, eetaei) Sfijbn T^en|acbqs »ur Verstwpmelung, a^i i^^tn, Up^ 
hierauf komppen sie In 4"'^ • ■usaramen onfi opfeip. Uod es gesfhfeht das YfthX' 
seichen mit dem Drachen und deu Sperlingen, und Kalchas verkündet ihnen vorher, 
was geschehen werde. Dann laufen sie mit der Flotte aus, landen in Teuthranlen, 

1} Vgl. W«lcJiff, Ep. Cy/c(. I. S. 



— 1« — 

wddiM sie, et für Trou luütend, verwSsten. Telepbof aber eOt sor Hilfe heihel, 
tödtet Thersandroi Polfnelltes Sobn, and wird selbst von AdilUens verwandet. Als 
sie Aos Mysien fortsebiffen öberfällt sie ein Starm , welcher sie lerstreat. Achilleas 
aber landet in Skyros und helratbet des Lykomedes Toditer Deidamia -> 

Hierauf kommt Telephos auf Gehclss eines Orakels nach Argos and es hellt 
Ihn Achilleas, damit er Föhrer der Fahrt nach Ilion werde. 

Als die Flotte aom iwelten Male in Aalls Tersammelt war, rahmte sich Aga- 
■lemnon , der aaf der Jagd einen Hirsdi erlegt hatte , selbst Artemis bo abertreffen« 
Br«omt hieröber hielt die G5tUn sie von der Fahrt aaröck, Indem sie ihnen Stnrme 
sandte. Als Kalchas den Zorn der Göttin verkündete, and Ipbigenela der Artemis 
M opfsra befahl, holten sie diese vorgeblich mr fiochielt mit AcUUeos herbei, nnd 
waren im Begriffi sie an opfern. Artemis, aber entrückt sie, versetat sie an den 
Taoriem, macht sie ansterblich, and stellt an der Jungfrau Statt eine Hlrschkah an 
den Altar. 

Hierauf schiffen sie nach Tenedos. Bei einem Mahle aber wird Philoktetes von 
einer Wasserschlaoge verwundet und wegen des üblen Geruchs (seiner Wonde) auf 
l^emnos luröckgelassen Achilleos aber hatte sich mit Agamemnon enttweit, weil 
er lu spit eingeladen worden war. 

Als sie auf Illons Boden an's I#and stiegen, bedrängten sie die Troer, und Prot- 
csilaos lallt durch Hektor. Darauf aber treibt sie Achilleus aorück, Indem er ityknos, 
Poseidons Sohn todtet Die Todten werden bestattet, und nidi Trola werden Ge- 
sandte geschickt (Menelaos und Odyssens), welche Helena und die Schatte lurock- 
fordern. Als aber jene kein Gehör geben, belagern die Achaier die Stadt (bekämpfen 
alc die Mauer der Stadt). Dann überaleben sie das f^uid und aerstören die umlie- 
genden Städte. — Darauf verlangt Achilleos Helena au sehen, und Aphrodite und 
flietls fuhren beide an einen Ort «usammen. Spiter halt Achilleus die Aehaler 
^uf, 4ds sie sich bereiten, heim lu fahren. Darauf treibt er die Rinder des Alneias fort 
nad aerstörtLyrnesos nndPedasos und viele der umliegenden Städte. Und er tÖdtet den 
TroTlos. Patroklos aber bringt den (gefangenen) Lykaon nadi Lemnos und veiüaull 
Ihn. Aus der Beute aber erhalt Achilleus Brlseis als Ehrengeschenk und Agamem- 
npn Chryseis. Darauf wird Palamedes Tod eraählt. Und es folgt Zeos Rathschloss, 
die Troer «i erleichtem, indem er Achilleos von der Waffengenossensehafi der Hei. 
If^en abwendig macht, und schliesslich das Veraeicbniss der mit den Troern Ver- 
biiDdet^. — . 

Trilogie TOD Aiaohylo»: BalaftonQioi f 'Iq^ifitftta , 'liQiut^ *)» 
einsela« Titel tob dmb». 2VJlc^oc» JJak^fiil^ii^ *) Tragdäiea^) 

9) Weicker, Trilogie S. 408, wo 'IiQiia$, BaUtfA* *i^ty. an- 
goBOBimoD wer, Rhein. Maa. V. 447-^4669 Griech. Tragg. I. 29. ^ 
8) Von Weicker, dnroh einen nna Arial. Ran. 972. entnomnieDeB 
tatet Xiiityoc ergingt , Gr. Tragg. L 31. ff. , ala Trilogie tafgeitelU. 
4) Sopboklea: jilifay^Qos, Welcker, Gr. Tragg. I. 100. t>(ft/ff- 
ottfg fittiydfAiyog daa. , Sproaae XxvQiut daa. 102, *Iff,iyiyua ssKXv- 
ralftyiiarQa daa. 107, 'AxanSy ovXXoyog daa. HO, IToifiiyig daa. 113, 
^Bliytis änaitnais daa. 117 n. Nachtrag s. Trilogie S. 292, Tf^tittXoe 



rmä S«fliolüe*9 Btripides / Jon (?), Adbaiös, Jophön, SophoklM dem 
Enkel, Agelhon, TimesUbeof, Palroklet von Tbuiioi, Motchion, Asiy- 
damu d« j. Flikomiobo» (?) ; röroisebe von Li?ias Andronicns , Nie« 
yinf, Ennins, AUiui; iip&tes Epos: ansier dem in Bezug aufPeleus 
und Tbetis wohl bieher gehörigen Theil der Peitandriicben ^^oit- 
*tci ^oyafitai *) Kolntboi: 'Eliy/jc ^Qnayijf Txelzei: Ta tiqo 

dat. 124y Jlalafufdns ^* ^29 endlich Kgiois (Parisnrteil) all Satyr« 
spiel nachgewiefen im Nachtrag znr Trilogie S. 305. — Enripidei: 
UUiardgos das. II. 462, Sprosie: SxvQiai das. 476, Ttjlttpos a 
and ß' 477 ,• 0. Jahn Telephot und Troiloi, *J(piyiy€ia iy A^M%. , 
SproMo: HifoniOilaog das. 494, JIalaf$iiSiie das. MX), and der nn* 
echte Tivyiic das. 499. — Jon: Idya/jiifiyfoy , aniicher , vielleicht 
zor Ilias das. 111. 947; Achaios: K^xyos das. 961 und Urlichs 
Achaei Eretriensis fragmm. p. 27ff.; Jophon T^Utpos das. 976; So- 
phokles der Bnkel: Kdafo»Q xai JIokvMxtjt das. 978; Agathen: 
Tijltfpoc das. 989 ; Timesitbeos: KdaxtaQ $tai Jlolv^iijxtif das. 
1046, 'Slirne dnaizii0ie du.; Patrokles von Thnrioi JTaoroi^ Mal 
Jf7olu^€vK9c das. 1048; Mos cht on T^ltqtos das.; Aftydamu d. j. 
JlaXafiidtit das. 1060; Nike machos: *AU^ay&Qos (?) das. 1146. — 
S) Livins Andronicus: Helena, Welcher a. 0. S. 1368; 
If a e V i u s : Iphigenia , das. 1369. E n n i n s : Alezander , Telephns , 
Iphigenia nach Enripides, vtrelcher zn vergl.; Attins: Telephns nach 
Aisehylos — 6) Anderes Einzelne s. nnten zu den dmelnen Bege- 
benheitea. — 7) Femer noch einige nnsichere Titel, die auf Theile 
des StofTes der Kyprien bezogen werden kOnnen, ohne dass sie fAr 
uns Bedeutung bitten. — 



In dem troidohen Kreise, den ^r liitt den Kjrpvieii be^ 
treten y finden wir eine Masse von Knnstdenkmälem , welche 
an's Unglaubliche grenzt, und welche jährlich sowohl durch 
neue Funde als durch neue Erklärungen der Art vermehrt 
wird y dass ich mich von vom herein beschdde , in den fol- 
genden Theilen dieses Werkes nur einen festen Stamm für 
eine immer fortzusetzende Sammlung geben zu können. 
Selbst auf Vollständigkeit mache ich hier nur in sofern An- 
spruchi als kein bedeutendes Monument (ib^fgangen ist Da- 
gegen will ich die Hofinung nicht verschweigen, dass die 
von mir gewählte Gliederung des Steifes im Ganzen wie im 
Einzelnen f&r allen künftigen Zuwachs , er mOge sein wel- 
cher Art er will , eben so passend und natürlich sein wird, 
wie er ai^s der Eigenthüpalichbeit der bisher bekannten Mo- 
numente und deren Gruppen natürlich entnommen ist Auf 
diese Gruppen aber ist in jeder Beziehung, in künstlerischer 
wie in poetischer das meiste Gewicht sni legen; denn in ihnen 
spiegelt sich der Einflnss , den die Po^ie auf die bildende 
Kunst a^nsübte nicht allein quantitativ, sondern eben so sehir 
fualitotiv, ^nd aus ihnen besonders lässt sich das in der Ein? 
leitong bespnoehene Verhältniss der bildenden Kunst zu den 
Poerfeh am klarsten erkennen* Das stofflich wie das in der 
Ausführung bedeutende der Gedichte wirkte auf die Kunst 
ein, und beide Einflüsse sind auch beim flüchtigen Ueberblick 
gerade in den Gruppen der Bildwerke zu erkennen« Es ist 
weder gleichgUtig noch zufällig, dass in den Kyprien ein- 
zelne Gruppen augenscheinlich unter dem Einflnss der poeti- 
schen Ausführung eine Zahl von Bildwerken umfassen, wel- 
che die Bilderreihen zu ganzen Gedichten zum Theil errei- 
chen , zum Theil übertreffen , dass in der Aithiopis die stoff- 
liche Gliederung wirkt , dass in den Kreisen der Iliupersis 
die Fülle der vieltheiligen Handlung sich mehr als in anderen 
Kreisen in zusammenfassenden Kunstwerken abspiegelt, m äh- 
rend die Bildwerke zur Uias sich mit einer Gleichmässigkeit 
auf alle Partien vertheilen , welche wenige oder keine Ein- 



— tfl — 

«daidiiliifinigMi f ewthren Itest , und der BUdnfaeig der 
Mysselä eine ähnliefce Bridieinanf , jedoch oidit so strenge 
seift, tfnd auch das ist nidkt gleicbgiltig , au beobaditev, 
wie die Verschiedenen Gruppai aus versddedenen Kunstepo» 
chen ihre MoBanieate eriialten haben , wie die eine vorwies 
gend archaisdie Bildwerke umfasst, wahrend die andere auf- 
fallend fiele Denkmäler aus spater Zeit und die dritte solche 
aus allen Zeiten und allen Kunstarten aufimweisen hat« -— Ueber 
die Zurttckflthrung der Bildwerke auf die versdhiedenen poe- 
tischen Bearbeitungen der Stoffe enthalt die Einleitung das 
Ausfbhrlichere, hier will ich nur auf eine Aeusserung Berg k's, 
die gerafc mit dar zunächst au besprechenden ersten Gruppe 
der Bildwerke mi den Kyprien in Verbindung steht, Einiges 
entgegnen. Bergk sagt, Ztschr. fllr A. W. IBM, Nro. 61. 
S.d06., Welcker habe den directen Einfluss der kykli- 
schen Diditungen auf die Entwickelung namentlich der Pla- 
stik 2ti h^eh augeschlageti 9 und Ü. 407, in Bezug auf di^ 
Darstdlungen von Peleus und Thetis Liebeskampf und Hoch- 
zeit, es lasse sich nicht nachweisen, dass die kypriscbeii Ge- 
dichte für alle diese Werke der bildenden Kunst das Vo|v 
bild (richtiger die Quelle) waren, jene Begebenheit sei di^rt 
nur erwähnt gewesen, Genaueres darüber sei nirgend berii^i- 
tet, Nichts stehe im Wege auch and^e Einwirkungen anmi« 
nehmen* Ich entgegne hierauf in aller Kilrae: dass erstena 
Peleus und Thetis Hochzeit nicht nur erwähnt, sondern das^ 
sie in den Kyprien ausführlich erzählt war, lässt sich aus 
äusseren und inneren Gründen mit grosser Wahrscheinlidb. 
keitnehUessen 0; €tenalieres wird uns frelKch nicht lierieht^t^ 

i) Itth wAMte la 4«r Thal nicht, weloiie Podgiis mit olebr Notk»- 
wmdtgkeift üui die ErmÜAmng dteser €ef chiqhto ddDgedrftogt wäre , «b 
grade die tiyfntn , datwi efaef Hiiapkaeld , Aictblllettf aa» der Verb»^ 
4wg des Poksü mit der Thetis bertmrgiogL Und e% et wohl dem Stie- 
le det Epj9» «tflffffeelveod Mre, 4ie götterbiigadltte HoehEeit elf lo. 
cal aed ikUnsä de» StbABheiteHieltes nur ze erwAfaeton, wie dies 
die Eicerpt^ Iblin ? Mächtig ipridiC auch die leUageeide Faralltole der 
Eriihlai(^. TOB UMentf s Eraeugaog usd BriieimDg (ßngm. 9. W» vgl. 



— 1« — 

es law! sich aber , wie Welcker thut (Bp. Cyd. D, US), 
aus Homer tntoeluDeii und aus Pindar erweitern. Auch an- 
dere Einwirkungen (politische Quellen der Bildwerke) an^u- 
ndunen steht gewiss Nichts im Wege , nur ist mit dem an- 
nehmen Nichts gewonnen, falls sie nicht nachau weisen 
sind. Wo dies mdglich ist, wie bei dem Vasenbild (outen 
Nro. 16, Taf. VII. Nro. 5«) von dem Bergk ausgeht, da 
kann der Gewinn nur. erfreulich, wo dies aber nicht statt- 
findet , wie in der grossen Mehrzahl der Falle , da dürfte 
der Gewinn aus einer angenommenen lyrische Quelle 
denn doch so gering sein , dass es immer rttthlicher scheint, 
den Einfluss der bekannten epischen Quelle ausaudehnen, 
selbst auf die Gefahr hin , dies oder jenes Bildwerk an eine 
spftter au entdeckende lyrische Poesie abtreten au mttssen. 
Ist und bleibt ja doch das Epos die allgemdne Basis. 

h Peleus und Thetis Liebeskampf und Hochzeit. ^) 

Es ist dies eine der stärksten Gruppen von meistens 
archaischen Bildwerken oder wenigstens solchen aus froherer 
Kunstaeit, unter welcher wir die Darstellung einer älteren und 
«ner geneuerten Erzählung unterscheiden können. Die ältere 
Erzählung, deren poetische Quellen das stasinische und hesio- 
dische ^) Epos waren, deren Gewährsmänner für uns, ausser 
Homer in einzelnen Andeutungen'^), Pindar ^) und die Tra- 

Ep. Cycl. IL 93. 130., nur glaube ich nicht dMs die Fragmente 5. n. 
7. so zu rerbinden siod , wie dies Welcker S. 92 thut) daffir, dasi 
ihnlich Achilleus Urtprang besangen war. Freilich Iheill auch Wel- 
eher a. a. 0. S. 132 die BergVsche Ansicht, dass die Fabel von Fe* 
leos und Thetis in den Kyprien nicht gerade vorkam. » 2) Vgl. de 
Witte, Annali IV. S. 90 ff. — 8) Das Epithalamium des Pelens und 
der Thetis b. Tieti. proleg. ad Lycophr. prooem. Als Theil des xa- 
tAkoyos yv¥ai xtSy ? Vgl. Markscheffel Hesiodi oet. fragmm. p. 314. 
Dass hievon Catnirs Epithalaminm (Carm. LXI.) an yielen Orten eine 
Ifachahmnng sei, wie de Witte Ann. lY. S. 92 annimmt, halte ich 
fflr irrig. ^ 4) II. XVIII. 84, wichtiger das. 432 und XXIY. 59. Fer- 
ner XI. 143. 161. XVI. 867 , XVII , 195 , 443 , XXIII. 277. ^ 
Ö) Pyth. ni. 154 , Rem. III. S4 u. 60 , IV , 101 , Isthm. VUl. 30. 



— IW — 



giker an ein paar Stelleii ^) sind , ist in Wesentlidien die/ 
dass nacli dem Rathscbluss der Götter^ namentlich des Zeus, 
ThetiSy die Zeus selbst geliebt hatte, einem Sterblichen zur 
Ehe gegeben ward, weil Themis geweissagt hatte, dass ihr 
Sohn starker werden würde als sein Vater ^)« Dieser Sterb- 
liche war Peleus, Aiakos Sohn, dem sich aber die OtftUn 
keineswegs willig ergab, sondern dem sie rieh durch neU 
fache Verwandlungen sm entziehen suchte. Durch den Rath 
des weisen Kentauren Cheiron aber, der namentlich bei Pin* 
dar (Nem. III. bi u. 60. IV. 101, vgl. Eurip. a. 0.) an der 
BntwidLelung der Sache starken Antbeil hat ^) , gelingt es 
Peleus, die entfliehende Cröttin zu ereilen und ihren Wider- 
stand zu brechen, als Braut folgt sie ihm in Cheiron's Höhle 
und die Hochzeitfeier beehren alle Ctdtter, gabenbringend, 
mit ihrer Gegenwart — Die spätere Erzählung macht zu 
dem eben dargestellten einfachen Kern der Geschichte einige 
Zusätze, wdche wir bei Apollonios % Koluthos ^% Catull "), 
Ond ^^), Hygin ^^)y Philostratos ^^) undTzetzes ^^ finden, von 
welchen aber das von Ovid beigebrachte, dass Peleus die schla- 
fende Göttin überraschte und knebelte (!) weitaus das Wich- 
tigste ist ^% — 

Für die Darstellung der Kunstwerke trennen wir die 
auf die ältere Erzählung begründeten von denen , welche 
nch auf die Zusätze der neueren bezidien. In der ersteren 
Gruppe ist es wichtig zu unterscheiden: 

6J SophokiM b. Schol. Piod. Rmd. 10. 60 , Earipidei Iphig. 
Aalid. 625— eaa (Boihe) und Andrem. 1232 f. — T) Find. bthm. 
VUI.28., Apollod. 111. 13. 5., Apollon. IV. 800. Nach Anderen (Aefch, 
Proni. 767, Hy^rin. f. 42, Serv. ad Virg. Ecl. 6. 42) war Promethani, 
nach Ovid. Metam. XI. 250 f. Proteas der Weissagende. — 8) Zn sei^ 
ner Tochter machen Thetis Oict. Cret. i. 14., lY. 7.» Taetz. Chil. Yli. 
08., Schol. Apoll. Rhod. I. 558. ~ 9) Ap. Rhod. Argon. IV. 761 ff. 
— iO) Rapt. Hei. 17 ff. — ii) Carm. LXI. 19—30. — 19) Melam. 
XI. 230-265. — IB) Fab. 54. — 14) Heroik. 19. — IS) Chil, 
VI. 98. -— 16) Andere BinielheiMn, weiche fttr Knnstwerke Bedeu» 
lang haben, werde ich bei Gelegenheit dieser aniiehen. 



— «M — 

1. Die V0it0lgnngf S» den Uekcfkanff rnui 
3. die Hochveit. 

1. Die Verfolgung. 

Obgleich hier nur wenige Monumente anzuführen sind, 
fet die Thatsache ron deren Voiliandensein wichtig zur Un- 
terscheidung der alteren Erzählung von der neueren. Ich 
sage wenige Monumente, weil die grosse Zahl von Vasen- 
bildem ^'); welche eine vor einem Manne fliehende Frau dar- 
stellen, ohne dass diese durdi Attribute oder Beiwerk näher 
bezeichnet wäre, eine Erklärung aus einer Reihe von Lie- 
besv^rfolgmigen des griechischen Mythus oder selbst des All- 
tagslebens zulassen, so dass es willkfiriich erscheint, sie 
auf Peleus und f hetis vorzugsweise zu beziehen , wie dies 
IL Rochette, Mon. in<^d. I. p. 11 S. thut Mit Redit hat 
daher schon de Witte Ana. IV. S. 14)8. die Aufnahme 
dieser Vasen abgelehnt ^). Nur die schärfer diarakterisir- 
ten können hier Gdtung haben. 

Nro. 1. Aryballos von freiem Stil (Taf.Vn. Nro.l«) 
abgeb. bei Panofka, Mus^eBIacas TY. XI. 2. Die hier von 
einem leicht bekleideten Jüngling verfolgte Nymphe ist durch 
den Delphin oder sonstigen Rsdi auf s Bestimmteste als Meer- 
gottheit bezeichnet, und die Darstellung demgemäss mit Si- 
cherheit auf unseren Mythus zu beziehen. ^ Ebenfalls gut cha- 
rakterisirt ist : 

Nra. 8^, ein Stamnos mit rothen iPig^ren, von 6er- 
liard itt römischen Kcnsthandel gezeichnet und in den aus- 
erlesenen Vasenbb. IIL Tf. 18S veröffentlicht. Der Avers 
zeigt uns freilich nur eine nicht näher bezeichnete Verfol- 
gung, aber der auf dem Revers sitzend gemalte, Scepter 
und Fisch haltende Greis, zu dem zwei Frauen flächten^ 

IT) R. Roche U«, Mon. ia6d. I. p. l6 spricht von «twa 50 
Stftck. — 18) Fflc die bei Rochette FL IV. 1. gefteichnete njgl. 
Welcher, Alte DenlunJaer )U. 138 ff. Tat lA. 



^ 



nWttcod eine dfitb lidbte ihnfitebti^^ jst^ wie «ns «beBcil* 
fldch m enrilmender Vasen beweiseii NereoSy Theüs Va- 
tüer^ imd jene Frauen sind ihfe Sckweaten die Nereiden ^% 
welcliey eisebreekt Aber die kflhneThat des Sterblidien, anm 
Vater flflditen. Also aneh liier keaeidinet das Attribut des 
FisdM die Seene. Anders in 

Nro. S., ^erftalpitt flMten Stils C^af. VftLNrobS), 
abgeb. bei Milling^a, P^intureti de Vases de dlv. Coli, 
pl. IV. ^0 itt de^ RÜt«e vierfoigt iet lei«htbeUeide«fc 9tltm 
die fliehende Nereide , Welche er im nädisteii Momente er- 
reidien und so mirfassmi WiM, Wie Uns dies die fönende 
ansehnlidie Reibe Tt»ii MoMmenteii zeigt. ÜMIhtg, durck 
blosse Fiueht sieh längt» des Stei^liehen Veifolgung m ent- 
fliehen, begilint die ^m\Ay sici itt veMehiedene OestaMen am 
verwandeln^ was die bOdende Kunst hier wie in viden an^ 
deren Fallen so ausdrückt , dass die angenommeüen OestaK 
ten mm Theil aus der menschücben Gotf^t der ids vefWan- 
delt asa denkenden Gtf ttin hervorragen« Hier ist's eine SlMange, 
ein Meerdrache (Hydra nät Bart und Kamm) und ein Wolf 
oder wolfartiger Hund^^), wdche von der Göttin aus sieh 
Pdens feindlich entgegen wenden , wie denn die Tidere auf 
mandien der folgenden Monumente , um den fortgesetzten 
Widerstand auszudrttdLen , Pdeus körperlich angreifen und 
verletzen ^'). Dass Peleus dennoch als Sieger aus diesem 
Kamjpfe hervorgehen wiid^ deutet der Eros an, welcher, von 
ier ilUk8 gn «nrnersi nddlg neben euicar HyrAe stebeiideB 

M} Dori»» Rweni CleMalilin mwli Cl er hat 4» a. a. 0. S. 71-. 
^ M^ In aiacir denalbea vil Gerhard a. a. 0. Irk s« erfcelMway 
BÖcbte ich nieht wagen, die beiden flflehtenden Midchea linddaroh«. 
auf uidit Terfehieden chiraklerifirt» -« 9i) Vgl. Mi Hinge« a. a. 
0. ^. 7., de Will«, Ann. a. 0. S. 104 f. R. Rochelle, M. J.1. 
p. 3. Ni^e 7. Gerhard, A. V. Ul. S. 68. Note lO.b. .-• Ji9) Dan 
fa den lileraritehen QaeHen dei' Wolf oder »Uund anter den Verwandt 
Mif ta der Thetii in Thiere idoht awdrflcUich genanal wird, wotanf d« 
Wiate, Ana. K x. ao groisei Gewicht legt, halle ich fOr dnrehalts 
gleichgaiif. -^ M) jEfb aacih Find. Rem. IV. 62 tt. (D>. 



Aphiroilitey n der ttj wie ihren Befdil abwartend sortck«- 
blickt, abgesandt y seine Tänie als prophetisebes Siegs- und 
liiebessymbol ^^) entfidtet Hinter Aphrodite erscheint noch 
m zweiter Beistand des Peleus, der sich avf mehren der 
unten su besprechenden Denkmäler wiederfindet, Cheiron 
nttmlich der Kentauren weisester, Achilleus kflnftifer Eraie- 
her, welcher auch in der Poesie an dem Unternehmen zu 
Peleus Gunsten Theil hat^^). Er hält hier schon Pelions ra- 
gende Esche, welche er bei der Vermählung Peleus als Ge* 
schenk geben wird. Rechts von der SOttelgruppe nunächst 
eine Nereide ^^), welche, erschredLt geflohen, einem kahlköpfi- 
gen, reich bekleideten und bescepterten Mann zu Fassen fällt, 
in welchem nach zahlreichen Analogien unten vorsniführen- 
der Kunstwerke ^^) nur Nereus, der Meeresalte erkannt wer- 
den kann. Den Abschluss nach dieser Seite macht eine durch 
Kredemnon ausgezeichnete, auf einem Delphin reitende Meer- 
göttin, welche Doris, Nereus Gattin zu benennen erlaubt 
sein wird. — 

Eigenthflmlich und keineswegs unzweifelhaft ist sodann 
die Verfolgung der Thetis dargestellt in 

Nro. 4. der unedirten ?olcentischen Oinocho6mit schw« 
F. auf weissem Grund in Berlin (Taf. VII. Nro.2)28^. Das mit 

94) Für letztere Bedentnng vgl. Welcker, Alte Denkmftler 
111. S. 312 f. — 2S) Find. Nem. IIL 56. (D) r^fnpivoi JfijQios 
^ijyätQa^ yn» wohl auch durch Apollod. III. 13. 5, wo Cheiron 
Peleiif rith , dem Zauber der GAttin kOhn an widerstehen , Erlinte- 
rnng erhält. Vgl. Eurip. Iph. Anlid. 628 ff. — 96) Diese , weil 
•ie einen leichten Chiton phainomeria trägt, nnd weil dieae leichte 
Tracht beaondera geeignet iat, daa Waten in Sande au erleichtem 
mit de Witte a. a. 0. p. 105. Paamathe an taufen, halte ich fflr eine 
sehr mAiaige Spielerei, in der Manier einer bekannten apitafindigen 
Erklämngaweiae , welche neucirdinga nach Gebühr gewflrdigt Wordeu. 
Vgl. 0. Jahn, die Ficoroniache Ciita, Leipaig 1852. — 97) Vgl. 
auch oben Nro. 2. — 98) Gerhard, nenerw. ant. Denkm. II. 1639, 
ton der ich Hm. Prof. Ger bar d'a Gate die Zeichnung verdanke. 
Deraelbe nennt den Gegenitand „mehr andentnngaweiae ala aogen- 
nuiig« dargeateUt, Vgl. noch Anaeri. Vaaen Ut. S. 67. Note 9. . 



— IW — 

RankeB fielfacb inrehtogene KU seigt uns einen leieht keklei«- 
deten Bftrtigen y im schnellsten Laufe mit gesflcktem Schwerdt 
eine eilends entfliehende Fran verfolgend. Vor ihr, aber kei- 
neswegs mit ihr zusammenhangend , sondern mehr wie an 
dem Ort 9 2U dem sie flüchtet (vgL unten Nro. 34), erliebt 
sich eine grosse, gefleckte Schlange. Möglich allerdings, dass 
hiedurch auf etgenthflmlidle Art die im nächsten Augenblick 
beginnenden Verwandelungen der Göttin angedeutet werden 
sollen, aber dass diese Darstellung von allen ttbrigen ab- 
weicht ^% darf eben so wenig verschwiegen werden, als dass 
Peleus gezücktes Schwerdt, das zur Liebesverfolgung wenig 
stimmt, auf keinem einzigen sicheren Denkmal der Scene nach- 
weisbar ist 

3. Der Liebeskamp£ 

Der Liebeskampf des Peleus und der Thetis ist , bald 
auf die beiden Hauptpersonen beschrankt, bald in verschie- 
den erweiterten Darstellungen ein Lieblingsvorwurf der Va- 
aemnalerei, sowohl der archaischen wie des freien Stiles. 

Das0 Thetis von Peleus ereilt und ergriffen, durch Zau- 
berkünste und Verwandelungen den Helden zu erschrecken^ 
ihm zu entfliehen sucht, ist nach Piildar Vem. IV. 68 ff., nach 
Sophokles ^) nach dem Zeugniss bei ApoUodoros (a. a. 0.) 
und der damit übereinstimmenden Erzählung Ovids >') lA 
dnrchstdiendev Chaiifctmsmus der poötischen Tradition die^ 
ser Begebenheit zu eonstatiren« Unbedingt idier ist ein Wi«» 
derstreben der CMtfln , ist ein Ringen gegen Peleus dar un-> 
abänflerlidie Inhalt der gesammten älteren Version des My- 
thos. Danach sind die Monumente zu gruppiren. Die Haupt- 
masse bilden diqenigep, in welchen Thetis Verwandelungen 
angegeben sind, geringer an Zahl sind diejenigen , wo jenfe 
fehlen; eine nicht gewaltsame Entführung, ein gutwilliges 

My Anner efwt Nro. 38. — 80J Im Troflo« mid In AeUlleuf 
Eruten bei Scbel. Find. Nem. III. 36. - Si) Metam. XI. 243. Vgl. 
aueh-d« Witte. Aimlra, Ok ^ a. 94 f«: 

OTcrkcek» hwolNb« OaUcrl«. 12 



mcheie*w der Gttttm bernbt m Ifm^Uiw mi TlMt 

Voran ist Mer. als ältestes Bildwerk^ Mgkflch autb als 
eu ueiies Zeugniss für den Charakter der alteren po^tisdieii 
BraftUung^ als 

Nro*6. das Relief des Eyps^li^skastens ranen« 
aen< Paus. V. 18« 1* berichtet: dargestellt ist die Juoff^a 
Thetis, es ergreift sie Pelens, T4mi der Hand der Thetis 
windet sich eine Schlange Peleus ehtgegen. 

Bieran reihen wir ranachst: 

Ä, Die arehaischen Vasengemäide. 
a. Der Liebeskampf mit Verwandelangen.i 

Als die einfachsteii Barstelhuigen Afinnen wir : 

Nprp* 6u eioe Amphora in Bass^^o'sVprratbm von 
Gerhard gesehen, iin4 notirt in den Ausi^L Yasenbib. HL 
S. 67 Anipu 9» d. , sodann : 

fiifo..7,, eine Amphora aus dep Qaoino'scliaq (Stamm- 
limgep (Seleqt. Canino Nro. 15S0) jetnt im ,I|rit. .flfuseum 
Nro. fiO0. und 

Nro. 8^ eineJLyathis von Violoi ebenfidls ia brit Mtt^ 
seom Nro. em. ~ Diese drei Vas6n enthdten nur die bei«, 
den Hauptpersonen y Pelmis, welcher Thetis um die Mitte des 
Leibes bat omfMst halt ^ in der tasi iiuner wiederiiehrendett 
Composition. In allen dreien ist audi dieVerwittdelnng mit 
geringen DMHficationen der DaisteUung dunch einen La wen 
angedentei •*- Hicaran schliessen sich folgende SMonumentn» 
deren wiasentliche Abwetchnng . in der* Binnufligttng zweier 
svt bniden Seiten iron der IHittelgnippf^ iiftenden . Nereidmi 
liesleht. 

89) Dt Witte itellt Ann. ■. a. 0. S. 103. alt dritte Claise 

B'ex^tii^e tsttfkiine par iim Convention mutaeUe'^foei» mad ^oohnoi iahln 
S. 124 die nnten folgende Ifommot 44; es lü die» abar^ta bairetf Y*adhca. 



Naro. 9. Lekytho8 im Lowre, notirt bei R. Rö- 
chelte IL I. L p. 11. Note 1. 3^) Die Verwandelimg ist liureb 
eine Schlaoge atigedeutet 

Nr». 10. Skyphos iiftLouvre abgeb. bei R. Rocbette 
IL If pL h 2. ^) Amh hi« iot die Verwandeltuig durch eine 
groMe Scidange abgegeben , wenn nicht die das ganse Bild 
(wie manche andese) bedeckenden Ranken, die von TheÜB 
anaragehen sdieinen» «ine aweite andeuten aoUen ^^). 

Nro. 11. Oinochoß in Mttndhen (Ta£ VIL Niö. S^), 
abgeb. bei Duboia Haiflonnente Intcadnction pl. fO. 3. ^) 
Ala Verwandelungen finden wir einen Lttwcf (Panther nach 
de Witte) ond eine Schlange« 

Nro. 11. OinochoC des Grafen Ponrtalea, abgeb. 
bei Rochette RL L pL I. 1. '0 Asch hier Löwe (oder Pan^ 
tb^, nach de Witte) auf Peleua Nacken und Schlange als 
VerwandeluQgen. Peleus hat die Göttin nicht wie gewtthn«i 
lieh mitten um den Leib g^tCmat, sondern unter dem 
und hebt sie, als wolle er sie flbtr die Schulter werfen, 
IQ einigen unten folgenden eteuskischen Spiegeln. 

Nro. 13. Tyrrhenischo Amphora des Prinflsen 
CawnOy Huaeum ^trusque Nro. 164. ^) Sehteage und Tiger 
(oder Panther y Löwe?) bezeichnen die VerwalidelungeB. 
Die Schlange ringelt sich Aber Thetis Haupte, i^der Tiger hat 
sidi an Peleus Stirn festgdMasen^ Rv.Bakchös uiid Ariadne 
zwischen nWei Satyrn. ^ 

Etwas mdir erweitert bt die Scene in 

da) Aach bei Gerhard a. a. 0. S. 67. Note 9. k. aod h^ 
de Witte a. a. 0. S. 106. nach Uro. 6. — 34) Früher sehr schlecht 
b. Gaylito It. 33. t. YfL Gerh. a. a. 0. Kote 9, ij de VPüie a. a. 
0. S. 108. Nrt>. 6. -* M) Eioaii Baum noaal aater &tn 'Verwände'. 
l«Bgaa (Mi. Metam. a. a. O. -^ 30) Notirt b^i Gerhard a. «; 
0. Ilole 9, c, de Witte & 108. Nro. 6. ^ 3^) Vtrgh das. 
S< 9.^ Gerhard a. a. 0. Hole 9. t de Witte S. 107. Nro.(4. ^ 
33) Auch in Calaloge dt teelto antiohitA etr. del priao. di Canino 
untpv djiff. Sauaaw- Gerb. a. a. 0. Note 9. e«, de Wille S. 108« 
Nro. 7. ; i 



— «w — 

Nro. 14.y einer nündiener A n p b o r a ^^). Hier ist auf 
der Vorderseite die bekannte Gruppe der Ringenden, ein 
Lowe als Zeichen der Verwandelung und eine fliehende Ne-« 
Seide; der Re^^ers xeigt die Fortsefanug der Scene, eine 
sweite Nereide ffieht ersehroeleen md Botschaft bringend £u 
Nereusy welcher beide Hände, in der einen den Stab haltend, 
ihr entgegenstreckt '— An diese einCaehen DarstdHungen 
schliesst sich dann das bedeutendste und ungleich interessan- 
teste Monument dieser ganzen Abtheilung, nämlich 

Nro. 16., die Amphora von Vulci, Arüber des Pcin- 
sen Canino '^) jetat in Mttnchen (Taf. VIL Nro. 6.)V abgeb. 
in Oerhard's auserl. Vasenbb. IH. Tf. 227.^0 Die Gruppe 
dar beiden Hauptfiguren {eETlS rHVaü) bietet wenig 
Neues, nur dass Polens die Göttin etwas anders umfasst, als 
gewöhnlich. Als Zeidien der Verwandelungen sehen wir 
snrei kleine Panther , den einen auf Polens Rflcken , den an«> 
deren in seinen linken Arm verbissen. Ausserdem aber lo- 
dern, von Thetis Schultern Flammen empor ^2). Links, dicht 
hinter Polens, und nu ihm , seinem Schützling , helfend die 
rechte Hand ausstreckend, steht der Kentaur Cheiron (XIPON) 
mit menschlicjien Vorderbeinen wie vielfach in Vasenbildern^ 
auf der Sdudter einen Ast mit zwei daran hangmiden Hasen 
tragend. Anderersete, rechts entflieht eine, hier Pontmeda 
(rONr2if£^ui> genannte Nereide, in welcher allgemein Hie 
bei Apollodor L 2, 7 angeführte Pontomednsa erkannt w)rd# 

— Den interessantesten Znsatz aber bietet nns das zwbcheu 
Cheiron's Beinen geschriebene Wort F^rPOIC; lA Patroklia, 
der Titel eines, wie' B er gk annimmt, lyri^cl^^i^ tiej^^jitesi 

aP^ |«row 100. HsAh deiihandichriftIith«nNoUieD Weköko)r'9J 

— 40) Mvt« 4tni0qa« Nro. 544. reservo. Uro. 6. VsrgL *' Rafl|>. rold. 
Not. 412. ^ 419 Vergl. das. S. 144» d« Witts «. a. 0. S. ttl. fi 
Nro. 15, Bergk in dar ZaiUcbr. Ar AUerlhainiwifMDtdhaft 1850. 
Nro. 51. S. 406. ff. -^ 4») Data aicht FHtgal cwio in Nro. Sd; hl^n4i 
Stirnflagel) geaioint aeieo, iai analÜMiehar bei deW'ftto'a. St'O. afi. 
gaieigt, Faner wird unter TIratia Yerwandelnngen feaannt bor Apoli' 
iod. a. a. 0. '"' 



ia steaAnkiehm Säl , welcbem dann auch der airf dem 
Revers unserer Vase mit eigenthümlichen Neuerungen ^^) dar- 
gestellte Tod des Achilleus au^uscbreiben ware^). 

Auf diese Darstellungen des liebeskampfes nit ange. 
deuteten Verwandelungen der Thetis lassen wk zunächst die 
archaisdien Monumente 

b. de$ liiebeskampf es ohne Verwandelungen 

folgen 9 weldie zum Theil nur ab leichte Variationen der 
besprodienen ersdieinen, und auf deren Mehrzahl die Weg- 
lassung der Verwandelungen auf Bechnung nachlassiger und 
gedaoikeidoser Fabriknadhahrnng zu setzen sein dürfte. Zu- 
nächst finden wir in 

Nrov Wiy t^inet Cakj^aniächeA H^dria ^^^^ j^^^ 
iä München ^), nur die einfachen Gruppen der Hauptfiguren 
in gewöhnter Composition, beiderseits ton einer fliehenden 
Nereide umgeben. Oben, links von Thetis steht das unles- 
bare lanEIiiJ. — Sehr ühnlidi ""0 

Nro. 17., eine Amphora daselbst (Nrö. 71), deren Rv. 
Dionysos zwischen zwei Satyrn zeigt — Wieder ähnlich, 
jedoch von besonders gutem Stil ist 

Nro. 18., eine zweite Amphora daselbst (Nro. 3.) de- 

49") Ich werde dat Bild seiner Zeit briogen und genauer be- 
•prechen. Yergl. Auch die Einleitung. Einatweilen sei hier nur be- 
merkt, dass ausser den im Epos bei Achillens Tode thfttigen Helden, 
Aias und Paris, hier noch Meneisos und Neoptolemos den Sterbenden 
kimpfend umgeben, während Nireus (? 0101 IN) todt am Boden liegt. 
— 44') Ich gestehe mit Freuden, dass Bergk's Besaitet im Gan- 
aen sehr anspricht, kanip aber nicht umhin au behaupten, dass der 
Erweis qamentlich in: Bezug auf AchiUeus Tod nicht frei von Künste- 
lei ist. — . 46) Von der mir ans dem archAolog. Apparat des ber- 
liner Museums durch Gerhard's Güte Durchaeichnung vorliegt. — 
46) Wahrscheinlich Nro. 14. nach Weicker's NoUten. — 47) Die 
folgenden Notizen über Nro. 17, 18, 19, 20, 21 n. 24 nach Weicker's 
handschriftlichen Notaten aus dem Jahre 1840 also vor den Ankäufen 
aus der Reserve ^trusque in Frankfurt 1841. 



fen BJtwtrs den Minotaurenkanipf origiftell tad rfctädi Sar- 
stellt Ferner: 

Nro. 19.9 eine dritte dergleichen (Nro. 146. t) mll 
einem von zwei Zuhörern umgebenen ^ bttrtigen Ritbardden 
anf dem Aevers. Sodann 

Nro. 20. , eine vierte ^^ (Nro. 18.) welche auf Aven 
und Revers Rebsweige in den Feldern zeigt, im Rv. Diony- 
sos und Kora zwischen zwei Satyrn. Endlich: 

Nro. 21., fin kleines Gefäss (Nro^ SSa), auf dem 
der Hauptgruppe nur eine fliehende Nereiie beigegeben ist, 
wahrend die bisher genannten deren zwei haben» — Oanz ohne 
nähere Angaben muss wahrscheinlich hier noch eingeidhi 
werden : 

Nro. 22., ein voleenter Isthmion, welches 6er- 
h^ard im Rapp. volc not. 007. p. 165 anfilhrt, und danach 
auch de Witte a. a. 0. als Nro. 11. notirt. Rv. Apollon, 
Artemis und Herm^ — Erweitert ist die Scene in folgenden 
beiden Vasenbildem , in 

Nro. 28. , einer H y d r i a im leydener Museum Nro. 
1646. ^^), wo die bekannte Mittelgmppe rechts von Cheiron, 
links von einer Nereide umgeben ist, während am Hals 3 
Renner und unter dem Hauptbild Thiere sich finden ; so- 
dann in : 

Nro. 24, einer weit offenen Ampborain München 
(Nro. 146.) Zunächst an der Mittelgruppe Cheiron mit 
menschlichen Vorderbeinen , dann jederseits 2 Nereiden flie- 
hend , vor dem einen Paar noch ein Heros mit Lanze, wahr- 
scheinlich Telamon zu nennen ^^). 

4^9 WIsnn diei nicht die oben FTro. 13 angeführte thyrrheni- 
sche Amphora Canino ist. — 49) Siehe L. J. P. J a n i i e n : De griek- 
ache romeiMcbe en etnirische MonumeirteD van het Mosenm yao Ond- 
heden te Leyden. Vergi. Gerhard a. a. 0. Note 9. b. — ^O^Vergl. 

unten Nro, 37. 



a. Der Liebeskampf mit Verwandelungen. 

Aach hier Unnen wir mit der einfacden, aiif die Gruppe 
der beiden Hauptpersonen beschränkteil Sc<sfie beg^innen« Wir 
finden sie in folgenden Innenbildern siweier Triakschalen: , 

Nre. 25.9 Kylix im berliner Maseusl (TaLVIL Hbto* 
6;) 9 abfeb. bei Gerha^ri, Trlaksobalen Tt 9. 1.^0 In 
8li«ttgen Stil iind zierlichster Ausfibrung, die Natten der 
fmsmm{PEAEV2, 0£d/;S iic) und desKOüsUerg (PEU 
9IN0S ErPA0SEN) , sowie ein palästrischte BrdVornff 
{A9EN0J0T0S KAAOS) beigeschrieben, zeigt uns dies 
aosgezeichnete VasenbiM die bereits bekannte ConpAsitio* 
■it einigen intertsssanten Besonderheiten. Dahin rechne loh 
die Bftandfische Verschlingung von Pdeus Pingem, durch 
welche das unbedingte Feslhallen^^) des Helden eben so naiv 
wie deutlich bezeichnet ist Sodann den Bingel über dem 
Knltahil anPeleuB Bein, den ich übrigens lieber nät W elck e r 
fttr ein V«nebeti des Malers halte, welcher Pileus mit Achit^ 
leus Ferw^chseUe^def mehrfädl durch das eine Episph3nrion 
als nnr an dieser Stelle verwundbar bezeiehaet wird ^^X ^ 
in ihm ntfl Gerhard eüe prokptische Anspielung auf Achil- 
leos zu findeil r Wem nickt Oberhaupt die Andeutung diesem 
dnzeinen Bpyspbyrions zufllllig ist ^\ und dasselbe sich am 
anderen Bein wiederholt htttte , wenn dieses nicht bis auf 
Perse diffch Thetis Gestalt bedeckt wäre. Die Ver- 



Siy Yergl. dat. S. 18 f. , Auserl. Vasenbb. III. S. 68. Note 
11. e, Berlin'8 antike ßildw. Uro. 1005. — 62y Aber ancli aar die- 
•es , Hiebt eio Gej^zavber, namentlieb niiiht eio „neptQiiiaebei'% iHe 
Gor bald a. a. 0, S. 18 u. 19 will, wie nan sieb ielcbc SbenMuifen 
wird, wenn man nur beispielsweise das Vorkommen dieser Fiogerveiu 
scblin^nog ip folgenden beiden Vasenbildern vergleicht: Gerbard, 
Aoserl. Vasenbb. II. Tf. 111, 114. — 63^ Vergl. Weicker, Alte 
DenkmIÜer Itl. S. 405 ff. ■— 64;) Cinen Ringel mn eiar Bein, das 
rechte bat ancb der wssdeftchöne Apoll on im Tityoskampf der Hau«* 

ebener Scbale in Gerbard's Trinkscbalen und Geffttien W. C. 4. 

1 



wanMmigen der Gdtttn sind dmdi einen Lötiren, der ?en ih- 
rer rechten Hand brüllend über Peleus BüclLen gleitet und durch 
3 Schlangen angedeutet , von denen 2 ihn am Kopfe , die 
dritte ihn am Fusse beisst Die Aussenbilder enthalten bei 
Gerbard a. a. 0. Tf. XIV. XV. abgebildete Liebespaare. 

Fast ganii übereinstimmend und von einem eben so 
sierlich sorgfältigen Stil ist 

Nro. 96., das Innenbild einer K y 1 ix im Besitse des H er- 
Sogs von Luynes und von ihm edirt, in der D^scription 
de quelques Vases cet pl. 34. Die Namen REAEFS und 
BETIS sind hinter einander links beigescbrieben. Als Ab- 
weichung ist zu bemerken 9 dass die Schlangen fehlen, dass 
der Löwe beisst j während er in dem vorigen Bilde , über 
Peleus Bücken laufend, ihn nur dnrdi Brüllen au sdirecken 
sucht, femer, dass Peleus Hände ganz natürlich verschränkt 
sind, und dass rechts im Bilde ein Altar zugesetzt ist 

Nahe verwandt ist 

Nro. 2t. ^ eine volcenter Kylix des Cabinets Durand 
Nro. 879. ^^) Die Composition scheint nadi der Besdirdbung 
de Wittens fast identisch, jedoch sind die Verwandelongen 
nur durch einen eben so wie in der Nummer 26 angebrach- 
ten Löwen vertreten. Die Aussenbilder zeigen Hephaistos 
Bückführung in den Oiyknpos ^^) und auf dem Bv. 4 Satyrn, 
welche 2 langbekleidete Frauen verfolgen. — - Sodann finden 
wir die einfache Scene noch einmal in 

Nro. 28., einem Lagynos von Athen, über den Boss 
in der archäolog. Zeitung v. 1843. S. 62 f. berichtet, dass 
die Gruppe von gewohnter Composition und die Verwände- 
lung durch eine Schlange angegeben sei Die Namen {IE\ 
EV und 0ETI) sind beigeschrieben. Bv. Kampf zwischen 
Herakles und Nereus. 

In Bezug auf die Erweiterungen der Scene können wir 

S^y Yergl. Gerhard, Aa«erl. Vaseobb. a: a. 0. Note 11. d. — 
se) Auch auf der Vaae des Klitias and Ergotinog mit Pelev» Hoch- 
leiUiuge yerbandea. 



> 



— 1« ~ 



kief ImC giM dieselben Starfen wie bei des ardiaiBelieii Wi- 
dern verMgen, nur dass die Hinaufügmigen weiter gelien 
and bedeutender werden als in jenen. Am geringfttgigsten 
ist die Erweiterung in : 

Nro. 29. , einer Canino'schen Hydria^O« indem dem 
ringenden Paar eine fliehende Nereide beigegeben ist; die 
Verwandelungen sind reichlich, durch Delphin, Schlange und 
Ldwe vertreten. <— Dann finden wir, wie oben in den Num« 
■ern 9*-13, in 

Nro. SO«, einer Pelike der Sammlung Casnccini in 
Chiusi, welche Gerhard a. a. 0. Note 10. e, ohne nähere 
Angaben als die folgenden notirt, das Paar jederseits von 
einer fliehenden Nereide umgeben, wahrend der Rv. (Ähnlich 
wie oben in Nro. 3. u. 14.)Nereus von einer Nereide umCasstund 
eine zweite daneben zeigt. — Dieselbe Darstellung findet sich 
nach dem BuUetino v. 1829. S- 107 ^) mehrfach auf Amphoren 
ans der Candelorlschen Sammlung in Mflndien ^^), einmal mit 
Zusatz des Nereus* — Grossere Nereidenumgebung finden 
wir in 

Nro. 81., dem Aussenbild einer Canino'schen Kylix, 
bei de Witte, Cabinet ^rusque 185. res. 14. ^^) Die Mit« 
telgruppe, in welcher Thetis Verwandelungen dnreh einen 
Ldwen auf Peleus Schulter angegeben , und welcher die Na- 
men nEAEYS und SETIS beigeschrieben sind ist, von 
KAAVKA, XOPO, EPATO , IPIIIA und KYMATO^ 
9 AI umgeben. Neben der letzteren ein Altar, vielleicht als 
Andeutung des Thetideion ^'). Aehnlich, jedoch ohne Namen in 

Nro. 82., einer Canino'schen Kylix^^'^). Die Mittel^ 

67^ De Witte cabinet ötniique 132, resenre 48. Vergl. Ger- 
hard a a. 0. Note 10. a. — 68) Vergl. de Witte Anoali a. a. 0. 
S. 109. Nro. 9. Gerhard a. a. 0. Note 10. c. — 69) Wenn dies 
nicht die oben (Nro. 17— 21) nnter den archaischen Gefftssen angeführ- 
ten sind. -^ 60) Vergl. Gerhard a. a. 0. Note 11. f. — 
€i) Eorip. Androm. 20. Vgl. oben Nro. 26. und unten Nro. 48. 
* €19) Im Catalogo di scelte antichitA cet. Nro. 1183, im Hnseum 



fh^P^ ist dte bekännley Üt VerwaiMicliiiig diiidi eimi litf^' 
wen bezeichnet , vier Neräden , von denen 2 einen Delphin 
ftls Attribut tragen , umgeben das Paar; diese Seene setnt 
sich auf dem Rv. fort ^ in der Mitte nmfasst Nerens eine sei- 
ner gu ihm g^flUditeten Töchter ^^) , wtthrend vier andere 
diese Mittelgruppe ,umgeben. — Ganz ähnlich ferner in 

Nro. 89., einer n weiten Canino'scben Kylix^). Aveh 
hier bezeichnet ein LOwe die Verwandelung, vier Nereiden 
um die Mittelgruppe, auf dem Rv. Fortsetzung, fünf zn 
Nereus fliehende Nereiden. Innen : Athene dem Herakles ein« 
schenkend , am Henkel HIEPON EROBSEN. 

Eine noch grOss^e Umgebung aber wesentlich dersel- 
ben Art wie in den eben angefahrten Monumenten, nur mit 
ffinzutritt Cbeirons zeigen uns die folgenden 3 Vasenge- 
mälde. 

Bfro. S4. Pelike von Vulci^^) im Cabinet Magnon- 
court Nr*. 48. ^) Neben der gewöhnlichen Blittelgnppe, 
In der Paüfller und Schlange die Verwandelnngen der G6U 
tin bezeichnen, zunächst jederseits eine fliehende Nereide 
von welchen die rechts einen Fisch hält. Zunächst an ihr 
eine zweite Schlange (vergl. Nro. 4«) 9 die halb in einer 
Höhle oder Grotte (des Cheiron ?) verborgen ist Die Com* 
Position detzt sich ohne selbst durch die Henkel unterbrochen 
zu werden, zunächst links durch Oieiron fort, dessen Kopf 

^trnsqoe unter ders. Nummer. Vergl. R. Röchelte M. J. p. 12, de 
Witte Ann. a. a. S. 110. Nro. 14. Gerhard a. a. 0. Notelt.g. 
— 68) Vergl. noch Gerhard im Bulletino t. 1831. p. 143. •— 
64) De Witte Cabinet ^trusque 134. VergK Gerhard a. a. 0. 
Note 11. e. — eS) Die im Ball. v. 1831 p. 6 und 90 erwfthnte Diota 
(Pelike) von Bomarso (vgl. poch de Witte Annali a. a. 0. S. 190. 
Nro. 10. angebt, panathen. Hydria mit schwarzen Figuren, was 
durch Rapp. volc! p. 153. Note 406. c. auch p. 189. Note 795., wi- 
derlegt wirrf) ist wohl deshalb für ein verschiedeiies lllonument xii hal- 
ten, weil de Witte Ann. a. a. 0. u. Catal. MagnOtiCouK sie bestiihmt 
nicht identificirt,^ wie Gerhard mdgle, Anserl. Vatfeilbb. a. a.Ü. Note 
10. d. *-> 66) D e Wilie Gatalog«e dn ra CeHeetiMi d* M. da ]ll(ag.. 
aoneoart). 



- 181» -- 

nnd Oberleib anf ien Henkel gemalt ist, auf diesen folgt 
Nerens, und sodann nach einem auf S Stufen stellenden Altar 
eine Frau , wohl Doris, ruhig stehend nebst einer 2U ihr ubA 
einer zur Mittelgruppe hineilenden Nereide« — Sodann 

Nro. 85. , Bild am Halse der Ama^onenvase von Kar6 
in Neapel ^^. Neben der gewöhnten Mittelgruppe, in der eine 
Schlange Peleus in den Nacken beisst, zu beiden Seiten je 
xwei lliebende Nereiden. Rechts schliesst Cheiron bekränzt, 
mit menschlichen Vorderbeinen, bekleidet, Pelions EscHe 
haltend, die Reihe; links steht Nereus ebenfalls bekränst, 
im weiten Mantel, ein Scepter haltend, mit dem Rflcken dei^ 
Hauptgruppe sragewendet, wahrend eine durch die Stephane 
ausgeiEeichnete Frau eilig meldend ihm entgegentritt. -^ Auf dem 
Kevers ^) Inden wir eine Verfolgungsscene , die in ihrei^ 
Hauptgmppe sehr gewöhnlich , in ihrem Beiwerk sehr auf- 
fallend ist Bin Jftngling mit ^wei Lamren verfolgt Mftd-« 
eben, welche «u zweien rechts und links auseinander fliehen. 
Dann folgt rechts eiii Altar, hinter welchem ein bescepter^ 
ter alterer Mann ruhig steht; eine Savle scMiesst das BM 
aaeh dieser Seite. Links folgt die Sftule gleich auf die flle^ 
benden Mädchen , dann ein zweiter älterer Mann mit Scepter 
neben einem zweiten Altar, welcher zum Theil durch eine 
Thür bedeckt wird. — Schulz erklärt Theseus mit Sinis 
töcbtern nach dem Gegenstand des Haupibildes ; aber die. 
Entscheidung dürfte hier wie bei den m^istep Verfolgungs^ 
scenen kaum möglich sein. 

Drittens in manchem Betracht interessante 
Nro. 90* der Lekanedeckel des Neapler Mnsieums 
(Taf.Vin. Nro. 4.), abgeb. in den Monumenten des Instituts 
I. tv. 37. ^O — Das Gemälde ist mehren der frülier betrach-, 

€7) Sekui«) die AauonenvMe toi Rqvo im Moieam zu 
lleap«l, Lpg. 1851. Taf. 1. ^Is eigenes Denkmal notirl l»ei Gerhardt 
A.Y.IIK68. 10.1.— €S) BeiGerhard a. a. 0.^(01 oberen Streifen'«. -^ 
€9) Vergl. P«nofka Recherches aar lea noma dea vai ea f». 39. Note 2, 
Gerhard AnaetL Yaaenhb^.a» a. 0, IVote II. k. de Witte Ana. a. 
a. 0. S. 115 ff. Nro, 18. hob JUna hier weder: beriohteud noch wl-* 



— 1«8 -^ 

(eleu fthnUdier als man beim ersten Blick auf fie durch das 
umlaufende Rund bedingte Composition glauben sollte; diese 
Uldet nicht, wie de Witte annimmt, 3 Oruppen von je 5 
Personen , sondern ein Oanxes , welches von der Situation 
der Begebenheit beherrscht wird. Unter die um Nereus ver- 
sammelten Nereiden ist plötzlich Peleus mit Cheiron getre- 
ten, nadi kurzer Verfolgung hat er Thetis erreicht, und halt 
sie jetzt unbedingt fest ; erschreckt sind die Nereiden aus 
einander geEfthren, und ganz vortrefflich ist die Verwirrung 
unter ihnen durch dieses Durcheinander - und Hin- und Her- 
rennen ausgedrückt, welches» und somit die ganze Composi- 
tion, man aber nur würdigen kann ^ wenn man, auf die d e 
Witt e'sdien Subtilitaten in der Erklärung verzichtend, alle 
anwesenden Frauen ohne Unterschied als Nereiden oder Meer- 
güttinnen betrachtet, wie denn überall, wo die umgeben«* 
den Personen durch Beischriften bezeichnet sind , die Frauen 
nur als JHeemymphen erscheinen. Den Mittelpunkt bildet 
die Gruppe Peleus und Thetis. Die Verwandelungen der 
Ctottin sind durch eine Schlange, die Peleus in's Bein beisst, 
durch die kleinen Flügel an ihrer Stirn und den Zweig mit 
breitem Blatt, wohl von einer Wasserpflanze, angedeutet, wie ja 

deriefend auf de Witte'i aasfflhrliche Darstellung eingehen, so nö- 
ihig Letxleres auch in mancher Beziehung sein mögte; denn dass s. B. 
die Rundung dieses Deckels den Kreistanz der 60 Nereiden bei Euri- 
pides Iph. Aulld. 1054 ff. darstellen soll, und dass die Blumen denselben 
specieil als den Tanz Sy^ificc hei Athen. XIV. p. 629 bezeichnen sol- 
len, der schon durch das bekannte Tanzliedohen in So h neide win's 
Delectns p. 463* nov ^o» to ^d#R ». t. X. wie durch Athenaios eigene 
Worte als ganz etwas Anderes, nftmlichals ein Banerntanz sich ergiebl, 
dus die Flügel in Thetis Haar weitläufig als die nach einer abgelegenen 
Tradition bei Ptol. Heph. VI. der Thetis später, bei der Hochzeit von 
Zons geschenkten Flftgel der Arke anstatt als Verwandelnngsandentung 
erklärt werden, dass und wie z. B. p. 121 die einzelnen Nereiden 
mit speciellen Namen versehen werden, wobei es wahrlieh nicht n(U 
thig war, das Urteil der „maitres de la science« anzurufen : dies und 
▼ielea Andere dteselben Schlages et Was näher zu beleuchted wflrde wohl 
von Nutzen sein; Ich muss aber hier darauf verzichten. 



wenigiBteoB Oviil ^, Baun und Vogid als Verwan jlelinigei 
der Thetis den sonsther ttberlieferten hinrafügt Zunächst 
an der Mittelgnippe flieheu, wie so hanfig, zwei Nereiden 
nach den beiden entgegengesetaten Richtungen. Dann folgt 
rechts Cheiron, Peleus Beistand, der mit sehr beseichnender 
Geberde der BedenUichkeit mit der rechten Hand den But 
fasst Hier wie in mehren anderen Monumenten tragt er eig- 
nen Hasen als Jagdbeute an einer Stange, avch hat et 
menschliche Vorderbeine und ist auffallend lang beklddet. 
Es folgen drei Nereiden , von welchen zwei im eilfertigsten 
Vorbeilanfeu ein flichtiges Wort des Schreckens oder der 
Entrüstung austauschen. Von diesen 3 Maddien eilen 2 m 
Nereus ^0, der hier wie auf allen übrigen Monumenten ud-^ 
serer Begebenheit in rein menschlicher Form als Künig dar- 
gestellt ist, die dritte läuft wieder dem Schauplatz zu ^% 
Auch von der anderen Seite eilen dem Vater zwei Nereiden 
zu, an zweien anderen vorüber, welche im Wechselgesprteh 
mit einander wieder der Hauptgruppe zustreben , vorbei an 
dnen fischleibigen Meergott, in dessen ausgebreitete Arme 
sich eine gescheuchte Nereide schutzsudiend drangt ^'). Die- 
ser iischleibige Meergott ist ein neuer Zusatz. De Witte 
hat ihn Nereus genannt, und den bescepterten Bärtigen Aia^ 
kos. Preilich kommt Nereus, durch Beischrift gesichert, auch 

70;) Metam. a. a. 0. — 7i) De Witte erkennt in ihn S. 121 enU 
weder den Gott^ des Berget Pelion eder lieber Aiakos, beide« wie mir 
sebeint der' ga^ken Cömpofilion nach besthnmt unrichtig. — T9) Diesig 
und die vor' C&ei^bti befindliche Frisia in diesem als Frau und Töchter 
an ziehen, ^ie de Witt^ S. 119 thni, ist trotz aller tiefsinnigen Ein- 
lelheiten geradezu falscti y wie ein unbefangener Blick auf das Bild 
beweiset. — 73 i Pass Hr. de Witte S. 116 sagt: ses bras ötendas se 
dirigent vers une femme, qui sem^le reponsser ce signe d'aff^cti|0|| 
so wie S. ^21 r la fenme placke derriire lui, doat le front est orai 
d'nne riche st^phanö (nicht im Geringsten reicher als die irgend einet 
anderen) ddit 6tre Doris, ste 6pouse, alarmöe k la Tne de la yiolene^ 
qöe Keröe Yen» exeroeri P^gard de lanymphe qni le reponsse, towlii 
was 122 g^agt wüd, dies ttl geitdesa kothitch. 



üe beiden Han^eraonen 9BTIS und nHjiEVS, letsterea 
slark fragmentirt Der Held hat die Oi^itin erj^ffen '^) 
und sttclit sie dem Wagen anzudrängen. Von hinten verfol- 
gen ihn hier die schreckenden Thiere, LOwe und Drache, 
ausnahmsweise von der sich verwandelnden Göttin getrennt. 
Hinter diesen ist von der nächsten Figur nur ein unkenntli- 
ches Fragment und der Name VjiMAQH übrig geblieben^ der 
uns hier eine der so vielfach dargestellten 2 Nereiden wiederfin- 
den lässt. Bis auf ein Stflck des mit langem Gewände beklei- 
deten Beines ist auch die folgende Person weggebrochen, der 
Rest der Beischrifl aber , AG «<>) lässt uns hier ^0 nm so 
bei^immter Athene erkennen, als diese au Achilleus, der aus 
Peleus und Thetis Vereinigung hervorgehn sollte, eine so 
nahe Stellung hatte. Auf sie folgt als letate Person, eben- 
falla fragmentirt aber unverkennbar sowohl in der Figur als 
in den Resten des Namens : • . • . IJSIN Poseidon, dessen Anwe- 
senheit sich hier von selbst motivirt^^). DerOelbaum hinter 
Poseidon besddinet den Abschluss. Links von der Haupt- 
gmppe sehen wir zunächst ein Viergespann, den Wagenlen- 
ker im Sessel, bemüht die unruhigen Pferde mit straffem Zü- 
gel zurttckmihalten. Von dem dieser Figur beigeschrie- 
benen Namen hat sich A. ... OS erhalten. Dieser Name 
ist verschieden ergänzt und danach das Viergespann ver- 
schieden erklärt worden. Wilkins wollte AnokXanrOS le-> 
tett, was als beseitigt zu betrachten ist, Millingen, ohne 
Berflcksichtigung des A ^wo;i;OJS,Rauul Roche tte ebenso 
HE\OS. De Witte sdilug jiiXiOS vor und Roulez er- 
gänzte AXxifiOS* Keine dieser Ergänzungen kann genflgeni 

TiB) UuB hier die Yerfolgong dargeilelit iMi, boi» ioli ftr ei- 
aen Irrtiiom MilliageVt halten, auch de WiUe't arr^ la döewe 
daaa sa conrse iü nicht richtig. — 80) An deasen Ergftnaang MiU 
lingen versweifelte. — 8i) Hit allen flbrigen Aoslegiem. — . 
8M) 8peeieil begrflndet dieielbe noch Millingen S. 26. Ifote 13. Waf 
Hr. de Witte lagt p. 114: „Ce groape de Pofidon et de son ^poa. 
s e: (!) Atätoö parait dana cette peinture tenir la place de celai dd 
If^röe et de aon epouse Doris« ist bare Abgeachmacktheit. — 



^IB^Sf 



— IM — 

Zmittchst eyigraphiscb fÜUeii de Witte's 3 Buchstaben die 
Ltteke sieht "0 y ^ ^' ^ Buchstaben nöthig^, ausserdem ist 
die Fonn l^iktog für ^HXiog in Vasenbildem unnachweisbar, 
da bekanntlich bei Tischbein I. 28 (33) als die richtige 
Lesung AAK02 erkannt ist ^\ namentlich aber wäre diese 
Form auf einer athenischen Vase so befk*emdlicb ^ dass man 
nnr in der äussersten Noth m ihrer Annahme greifen dürfte« 
Millingen's und Rochette's Ergänzungen sind schon 
wegen Nichtberficksichtigung des A unbrauchbar. Ron leg 
AhiifiOS fallt die Lücke genau, und hat epigraphisch Nichts 
gegen sich, ist aber auch unbrauchbar von Seiten des Sachlichen. 
Um auf dies xu kommen, erkannten Millingen und Rou- 
leü Peleus Gespann und in der Person im Sessel seinen Wa- 
genlenker i^yi'oxog); Rochette und de Witte (mit ihnen 
Gerhard a. a. 0.) ein Göttergespann, und in der Figur im 
Sessel entweder Eos oder Helios. Letzteres halte ich für be- 
stimmt unrichtig. Helios soll anwesend sein , weil nach Ca- 
tolL Carm. LXIV. Vs. 272. ^) die Hochzeit des Peleus bei 
anbrechender Morgenrüthe gefeiert wurde. Aber erstens 
(sdbst Catull's Vers ab massgebend angenommen , was er 
nicht ist) handelt es sich hier gar nicht um die Hochzeit, 
wenn also der Moment der Hochzeit durch die aufgehende 
Sonne bezeichnet wurde, so kann hier der Sonnenwagen 
nicht dargestellt sein. Zweitens aber widerspricht die- Stel- 
lung des Wagens inmitten der Sceae. Man wird sich ver- 
gebens im ganzen hier in Rede kommenden Gebiete der griech- 
ischen Kunst nach einer Analogie für einen solchen in der 
Mitte der Handlung befindlichen Sonnenwagen umsehen. Der 
zeitbezeichaende Aufgang des Sonnenwagens gehört an's Ende 
solcher Bilder, und dort findet er oder sein Analogen sich 

8B) lo alleo Beiscbriflen dieser ausgezeichiieten Vase sind die 
Zwischenweiten der Bachslaben in jedem Hamen so durchaus gleicbi 
dasr man hier, fvie hei den besten Steinschriften, Gewicht auf die 

Ranmerrollung legen kann und muss 84) Vgl. W el ck e r. Alte Denkm. 

III. 8.323. Die Willkflhr/mit der ia der Elite cdramographiqttajyi. 62. 
deutlieh .^^tE^/OJ? geschrieben Ist, yerdient scharfen Tadel. — 84^) Aurora 
OrtTbeek, heroliaht OaUOTit. 13 



— IfM ^ 

mehrfach ^^). So wie hier der Wagen steht , kann er 
Peleus Gespann darstellen, auf welchem der Held, nach Phere^ 
kydes Bericht ({ragm.3. Sturz), die gewonnene Göttin nach 
Pharsalos brachte. Der einzige Binwand der hiegegen von 
Rochette erhoben und von de Witte wiederholt ist^ nltan« 
lieh, dass wenn Peleus Wagen dargestdlt wäre, deni^« 
nur mit den beiden Rossen Xanthos und Balios, die Poseidon 
Peleus bei der Hochzeit schenkte , bespannt sein dflrf te , ist 
gar keiner, denn ganz abgesehen daron, dass Peleus erst 
spater die Rosse erhielt, hat sich die Kunst durdi solche 
Umstände nicht hindern lassen , »das Schönere dem Gddir« 
teren vorzuziehen^ um mit Welcher zu reden "^). Wie 
aber nun der Wagenlenker zu benennen, also das Fragment 
A . . . . OS zu ergänzen sei , weiss ich nicht AUdmos, 
was Roulez wollte, ist nach II. XIX. 398 Achilleus Wa» 
genlenker, nicht der des Peleus. — Zunächst vor dem Wa- 
gen ist die zweite Nereide, hier KYMSHJt)OXHy wohl ver« 
schrieben fQr KvfAoiixti ^0 ^^^^ KvpLodotri ^ Auf sie folgt 
JIAN^ den Mi Hingen gewiss richtiger als Locaibezeich- 
nung des Bergwalds Pelion und der Kluft CSleiron's betradi-i 
tet, als ihn de Witte als Gemahl der jetzt schlieasUcb mit 
nEiea und Eros erscheinenden AOPOJITH begründet, 

exoriente, vagiiab lumina solis. _ SS) Wollte man gelbst das Bild mit 
W i I k i n 8 and D u b o i 8 so zerschneiden, dass der Wagen an's Ende kirne, 
so wflrde immer der ron der Handlong wegeilende Sonnenwtgen den 
Sonnenuntergang, Biemab den SoflneDBufgang beseicboen. -^ StfJAlte 
Denkm. II. 179 in Bezug auf Amphiaraos Vier- oder Zweigespann« 
Vgl. auch oben S. 145. — 87;) De Witte will Xv^iu lesen, und die« 
Wort iron den Buchstaben OXH trennen. Letztere erklärt er als Be- 
aeichnnng des Wagens. Erstens aber ist, wie schon Mi Hingen rich- 
tig bemerkt 6xh ^^^ d;)fOf sprachwidrig und annachweiabar, sweiteaa 
hat auch darin Mi Hin gen bedingtermassen Recht, dass er hier eise 
Beischriit zu einem Gegenstand nicht gelten lassen will. Nur auf ar- 
chaischen Vasen sind in naiver Weise auch Gegenstände mit Beischrifi^ 
ten versehen , wie s. B. auf der Francoisrasc im Pelensbild Tf. IX. 1* 
/3(ü/iOf und im Troilosbild ^oxer» i?(f(<«, aber in Vasen freien St||f 
kommt dergleichen nicht vor. — BS) Nereide 11. XVIU. 39. He». The«(.25X 



— SM — 

taren AnweseahdC hier wie in den vorigen Bilde äcii leicbC 
kegreift. — 

XuB Sehloas dieser üebersidit der Vasenbilder fügen 
wir in aller Kflrze noch diejenigen Ml , wdche 

b, den liebeskanipf ohne Verwandelungen 
in rotben Figuren darstellen. OSe einfachste Compofiition igt 

Nror 89«, die auf einer Canino'schenHydria, notirtioi 
Muaie ^ümqne Nro. liad. ^^) Neben dem Paar eine enU 
fliehende Nerdde ^o). ^ Iq 

Nro. 40«, einer grossen Kyliz von Cometo, im Bla« 
cas'schen Mosemn, notirt in Panof ka's Recherches snr leg 
vthritables noms des vases grecs S. 40. Note 9,^0 ist das 
Ptor beiderseits von 2 fliehenden Nereiden umgeben ^^). Rv. 
Geburt der Athene. — Etwas mehr erweitert ist die Scene in 

Nro. 41., einer Kylix, von Gerhard im romischoi 
Rnnsthandel geseichnet, und in den auserl. Vasenbb« IIL TL 
180—181 publidrty deren Aussenbilder einerseits neben deü 
ringimden Paar, dem ÜEAEYS Name beigeschrieben ist, S 
Nereiden, von denen eine als MEAITB «s) beneichnet ist, 
anderefseits vier Nereiden neigen , die einem Altar, der An» 
dentung des Thetideion zufliehen, neben dem ein Palmbaum 
steht ^). üeher dus Bild des Reverses ist das bekannte 
ILdlS K^^OJS verbratet, innen ein Jflngling neben einem 
Miscbgefftss. — Als 

Nro. 43» fugen wir das von Braun Ann« XI. 321.^0 
ohne genauere Angabe der Form beschriebene alibrandische 
Oe&ss an, auf dessen Vorderseite mehre Nereiden die Haupt- 
personen fliehend umgeben, während die Kehrseite uns Ne» 
reos auf einen durch einen Delphin beaeichneten Wagen sta- 

89y Bei de Witte a. a. 0. £r. l08. Nro. 8. — 90^ Vgl. 
oben Ifro. 21. — Bi") Vergl. Gerbard Rapp. yoIc. (Add. III.) p. 
143. Tfro. 242 , Lenormant et de Witte, Elite cdramogr. p. 211, 
de Witte Anh. a. a. 0. S. HO. Uro. 13, Gerbard, Auserl. Vasenbb. 
tt. a. 0. Note 69. b. — 92") Vergl. oben Nro. 9—13. — 98^ Nereide 
bei Hoiil.U: XVIII. 42. — M^ Vergl. oben Nro.26o.31.— P^> Vergjtj 
Gerbard, Amerl. Vuenbb« ■. a. 0. Note 10. f. 



gend erkennen lilsst, neben dem eine Nereide mit bann ud 
Zweig steht 

Nereiden in grösserer Zahl finden wir nebst Nerens 
auch in folgenden Oieftssen; 

Nro. 48.y eine K y 1 i x von Vuld, im Mnseo Gregoriano 
des Vaticany abgeb. Mus. Greg. II. 84. 1. a. ^) neigt uns 
auf ihren Aussenbildem in sierlichem Stil einersdts neben 
der nauptgruppe nwei fliehende Nereiden, neben Thetis steht, 
unlesbar: KlAAIE^ andererseits drei au Nereus flOchtende 
Meernymphen, Alles ohne Attribute aber durchaus in gewohn- 
ter Composition. — Dieselben Personen, jedoch anders geord- 
net und^ mit Beischriften versehen, finden wir in 

Nro. 44., einem runden Deines der Feolischen Samm- 
lung ^0 (l*^'* ^™- ^^* ^*) ' abgeb. in den Monumenten 
des Institute 1. Taf. 88. ^) Um Peleus HHA . . und The- 
tis &ETIS in bekannter Gruppe sind hier ängstlich durch- 
dnanderlaufend die Nereiden: MEAITH, SnESi, XAAY. 
XE (d. i. rXavK^), KYMA90H, NAQ, VAMA9H «9) 
und KYMATOAÜFH dargestellt, sUmmtlidi bei Homer und 
Hesiod im Nereidenkatalog su finden. Von der IHittelgruppe 
aus rechts den nweiten Plats nimmt in rein menschlicher Ge- 
stalt und ohne Beischrift Nereus ein , dem Schauplatn der 
ausserordentlichen Begebenheit nueilend. — Wieder dieselben 
Personen, jedoch mit einem interessanten Zusatz finden wir in 

Nro. 45., der Kylix (Taf. VII. Nro. 4.) frtther derDu- 
randsdien Sammlung *^), jetzt im britischen Museum ^^0» 
abgeb. in Gerhard's auserL Vasenbb. DI. Taf. 178—179. 
Die beiden Aussenbilder sind durch vier Hippokampen ge- 
trennt; wichtiger als die Seite mit den Hauptpersonen, deren 
Gruppe Thetis Name ( 3 J?r/J) beigeschrieben ist, und auf der 

96) Vergl. Gerhard, naserl. Vaaeobb. a. a. 0. S.69. Notell.i. -« 
W) Campanari Collexzione KeoliMro. 100. — 98) Vgl. de Witte 
a. a. 0. S. 124. Nro. 20, Gerbard a. a, Note 10. g, — 99) Ohne 
Chiton phainomeris I — ±00) De Witte Catal. Durand. 378. — 
iOt) Nro. 828*. 



c%eiitlieh mir der Delphin oder sonstige Fisch in der Hand 
der einen fliehenden Nereide erwähnt xn werden verdient, ist 
die Kehrseite , in deren SKtte Nereus , hier endlich einmal 
nut der Beischrift NEPEVS (rttcklfg.) in rein menschlicher 
Gestalt als kahlköpfiger Alter ^^^), besceptert, einen Fisch 
in der Hechten auf einem viereckigen Sitze (einem homeri- 
schen Xi9og Itarog ?) gemalt ist Hinter ihm zwei herbeieil- 
ende Nereiden » vor ihm ausser einer dritten , ruhiger ste- 
henden j Hermes HEPMES im gewohnten Kostüm, mit Fla- 
gelstiefeln und Kerykeion , eilige Botschaft meldend , gewiss 
nicht, dass die Tochter geraubt werde, vielmehr wohl das 
,z/iOc S^h$X$i'€to ßovXfj^y direct nach dem Epos. Innen 
ein ityphallischer Mann mit Trinkhorn und der Beischrift 
KjijiOS 0EUON. 

Ich schliesse hiemit die Vasenschau dieses Gegenstan- 
des ohne auf Vollstftndigkeit Anspruch zu machen, aber über- 
zeugt , dass der unendliche Reichthum von Variationen der- 
selben Hauptcomposition auch durch diese Reihe und einen 
Blick auf die beiden Tafeln VH. und VOI. zum Bewusstsein 
der Leser kommen wird. — Um aber die Folge der am si- 
chersten auf die altere Tradition beztiglichen Vasenbilder 
nidit durch Fremdartiges, um nicht Griechisches durch Etrus- 
Usdies zu unterbrechen , seien hier gleich 2 bedeutende Mo- 
numente angeschlossen, welche 

3- Die Hochzeit, 

oder , genauer gesprochen das eine Peleus und Thetis Lie- 
besvereinigung in Cheirons Grotte , das andere den Götter- 
zug zur Hochzeit darstellt. Ersteres 

Nro. 46., ist das Bild auf einem S t a m n o s von Clusium 
mit schwarzen Figuren (Taf. VIIL Nro. 6.) , abgebildet in 
Inghirami's Museo Chiusino L Taf. 46—47. ^^^) Peleus 

iOB) Vergl. oben IVro. 3. — 108) Darauf in der Galerie ome- 
rica IL 235. und in den Vasi fittili 1. 77. Vgl Gerhard im Bollet- 
tiao Y. 1631. p.l43, Anserl. Vasenbb. a.a.O. 8.67. Note 8., Panofka 
Mm. Blacti p. 33, de Witte Ann. a. a. 0. 8. 128. Nro. 19. 



1 



Amdauer hat der Ottttin Widerstand besiegt, als achüehteme 
Braut, mit verschämtem Blick folgt sie (QETIS) dem myr- 
thenbekräiuEteii, jugendlichen Bräutigam (IIEAEVS)^ der sie 
nach bekannter Sitte *^) am Handgelenk erfasst mit sich 
fiylkrt 2um hilfreichen, weisen Kentauren Cheiron {KIPON)^ 
welcher aus seiner Grotte , dem Orte des ersten Beilagers 
des jungen Paars , demselben mit allerfreundlichstem Will- 
kommen und Glückwunsch entgegentritt Alles ist ebenso 
klar wie köstlich dargestellt Hinter Peleus noch NiJCO- 
STPjiTOS KAA02. Auf dem Berers ein Alter swisdiea 
nwei Mädchen, Nereus? 

Der Zug der Götter nm Hochzeitfeste des Peleus ist 
uns in der vorjrtglichen Darstellung der unschfttsbaren Am« 
phora des Klitias und Ergotimos (Francoisvase in Florems) 
aufbewahrt, von welcher der hier in Bede kommende Streifen, 

Nro. 47. Tafel IX. Nro. 1. nach der schönen Verklei* 
nerung in der archäologischen Zeitung von 18S0. Taf. S8-* 
84 gezdchnet ist ^^^) 

Zum Bundbau ^^) des Thetideion , in welchem Thetis 
QETIS (rfickl.) im brautlichen Schleier sitst , und vor dem, 
neben einem mit BOfioq bezeichneten Altar auf dem versdite« 
deneGefllsse sich finden ^^0» der Bräutigam Peleus il£^£F2 

t04') Xetg' inl xagn^t vielfach in BratttfAbraDgen , Miliin-» 
gen A. U. H. 32, Gerhard: Trinksch. und Gefässe I. XI. S. 15. 
H. 14, Anserl. Vasen III. (59. 1. S. 54. N. 2. — lOS) Ueber die 
Francoisvase vgl. Gerhard im Ball. 1845. p. 210 ff. und in d. arcb. 
Ztg. III. 123 ff., IV. 319 ff, Vil. Anseiger S. 73 ff., VIII. S. 257 ff., 
Lenormant in der Revue arch^ologiqae VI. S. 605 ff., Birch im 
Bali. 1850. p. 7 ff. nnd im arcb. Ans. 1849. S. 102, Brenn Ann. XX. 
299 ff. woza die grosse Abbildang in den Honnmenten des institnts 
IV. Tav. 54 — 57. Auf diese ausfflhrlicheren Besprechungen mnss ich 
den Leser um so mehr för Einxelbeiten verweisen, je knapper hier 
in der Fälle der Monnmente jedem einzelnen Bildwerke der Raum 
xngemeMen ist. -« 106) Als eigenthfimi icher Rundbau nachgewiesen 
von Braun a. a. 0. S. 306 f. -^ i07) Dass in ihnen, einem Kan- 
tharoB awischen xwei Bechern das stygische Wasser enthalten lei, 
welches Iris lom Bldschwar beibringt (Hee. Jheog. 784 ff.), wie Braun 



I^rtckt) Btefat , naht sich der Gnuetmg. Vonui nebst der 
flOtt«rb«tiB IriB IPI2 der Peleus hilft-elche Kentaur Cheiron, 
der Hraes SchttKliii^i Hand in eigeathamlicher Weise zur 
BflgTüsnug fasst"^). Folgen, neben einander schreitend De- 
Beter JBMsttQ, Bestia HESTIA (rQckl.) und Chariklo 
XAPIAO (rttcU.) Cheirons Gemahlin. <«) Bartig, lang 
bekleidet, eine Amphora auf den Schultern tragend schlJesfit 
ridi DioBysos JIONYSOS (rflckl) an , welchem , wie die 
rorasgeheiiden Gottinnen neben einander schreitend, die flo< 
rea HOP AI folgen. Binter ihnen steht, wie Bber dem Altar 
der Name des Malers; KAITIAS MErPAOlEÜ, der Name 
des Thonbildners dieses grossen Oefhsses: EPFOTIMOl 
MEnOlE2EN'^% NunkomBKB die Paare der grossen Göt- 
ter, tat Viergespannen feierlichst einlierziehend, begleitet von 
den an den verschiedenen Wagen verlheilten Musen und Moi- 
res Biit Beischriften, sowie von anderen Dämonen, deren Den 
Img anf Eileithyien und Nymphen bei dem Fehlen der Bei- 
■duiftcB Itider nicht «i erweisende Vermnlhnng bleibt. Im 
ersten , von Kalliope KAAIOÜE und Vrania OPANIA 
gdeileten Wagen stehen Zeus ZEVS und Bere HEPA 
(McU.) '"); im nreiten Wagea, neben dessen Gespann llia- 

«. a. 0. S. 308 vcrmathet, it\ mfr nicbl wibncheinlicb, wie ich denn 
fllwrhMpt in der UindlaDg toi Peleu*, Irii oad Chairoa die Eldabie- 
fnng del Feleoi In keiner Weiie tDiuerkenacn veroiag. — iOS) B> 
IfotelOT. XltQ' tnl xafnf Tührl der BrAnligam die BriDl, dau ■bei' der 
EbMchwnrvon f leicher Handlung begleiiet war, iii mir lam wenigsten 
gan nnbakinni. Und wie kirne denn Cheiron dam, Feien» den Eid 
akaBBbmtnl Debilfenj fiHt er ibn in d«n Fingern, nicbl im Hand-. 
(elonk. — 105) In Demelor nnd Hexlla wird Niemand die Ehe- aad 
Haal|OUinaa tirkonaen, diMe beiden aber nebit Chariklo als Br«l; 
Feaer nod Wiaier oder Ehe , KlodiehaFl, Haashtii mil S r a d n a. a. 0. 
8. 308 r. anfiahMen, remag icb nicht. — HO) Daa* dieser HaD« 
•inan Abichallt beaeichae oder nach«, wie Gerhard will, halle ick 
m nriekyg, — IJl) Ich kann nicht logeatehen, wa« Ltofd will 
(Oerh. «. a. 0. Hole 20), daas in der Stellnag Here'i hinler Zana 
•Ine Andealuag ikrca (tlaminn^a und Zameng über Hephaialoi Verban- 
MMff engedeaiel liefe. Anch die GBtlin im 6. Wagen aieht hinter des 
Gsdef daaaHere et wnj weiter aartclial eh t, fsi geivi» naerheblich. Sinn. 



ld9L 9j4jiEIA , Eoterpe EVTEPHE, Kldo KuiBO ma 
JUelfomene MEjinOMENE gehen, Poseidon und Ampbitrite, 
die Personen selbst verstümmelt, die Beischriften IloaEUON 
mi jiNOITPITE (rttckl.) zum guten OMck erhalten. Drei 
Musen STESIXOPE ^'^) ^ Erato EPAto und Polymnis 
nO^VMNIS^^^) begleiten das dritte Gespann, in welchem 
Ares APES und Aphrodite AOPOJITE (rflckl.) fahren. 
Die Inhaber und die Begleiteriueu des 4. u« 5. Wagens sind 
leider nicht allein in ihren Personen, sondern auch in den 
Beischriften für uns verloren, und daher als Apollon und Ai* 
temis und Athene und vielleicht Herakles nur unerweislicfa 
ea muthmassen. Personen wie Namen des 6. Paares, Hermes 
HEPMES (rttckl.) und Maia MAIA und seiner Begld* 
terinen , der Moiren MOPA , denen als vierte Themis bei- 
gesellt scheint, sind ganz erhalten. Von dem schliessenden 
7. Wagen dagegen, in dessen Inhabern mit grösserem Rechte 
Nereus und Doris als Kronos und Rhea vermuthet worden, 
sind nur Fragmente der Pferde übrig. Auf diesen Wagen 
folgt endlich Okeanos OKEANOS. Das Fragment eines 
Thierkopfes unter dem Namen lilsst ein Seethier, auf dem 
er reitet schwer erkennen , und so bleibt es jnveifelhaft « ob 
der schnppenbedeckte Leib eines solchen, welcher neben dem 
auf einem Maulthier reitenden Hephaistos HEOAISTOS 
(rttckl.) erscheint, zu dieser Gruppe gehörte. 

An diesen Hochzeitszug *^^) griechischer, archaischer 

Yoll ist die alte KudbI wohl, aber nichi spitzfindif ; was hat hier Up» 
re'f Eifersucht sa than? -^ 112^ Stesichore, wichtige Yariaste Ar 
Terpsichore, schwerlich ohoe weiteren Grand. — ItB^ Polymnit, 
die alte Form fär Polymnia, die Schmidt (bei Brann a. a. 0. S. 
313) mit Recht fflr Hesiod in Ansprach nimmt. ^ i^O ^^^ gAtter- 
besachie Hochxeit selbst oder das Mahl bei derselben als HauptacC (Jl. 
XXIV. 62, Find. Ifem. IV. 66. Catnll. a. a. 0. S. 304) ist in griechi. 
scher Kunst bis jetzt annachweisbar, dass sie auf der Schale des Sosias 
nicht dargestellt sei, ist schon linger bemerkt, dass daselbst Heraklos 
Einf abrang in den Olymp gemalt sei, von Welcher (Alte Denkm&ler 
111. S. 411 ff.) erwiesen. Birch Vermathnng (Ball. 1850. S. % dasf 
die GötteiYersammloBg der voicentischea Schale in G er hard'i Trink« 



KwstiurstelliiDg sdiUessen wir ein rdausebes HonameBt ^ 
dessen literarische Quelle (die altere oder die g^eneuerte Tra- 
dition) sich nicht mit Bestimmtheit angeben lasst, und welches 
lins in eigenthümlicher, iu's Kurze gezogener Darstellung die 
von den Göttern dargebrachten Gaben vergegenwärtigt. 

Nro.48.y das Sarkophagrelief in Villa Albani(Taf. 
Vm. Nro. 8.), abgeb. in Zo^ga's Bassirilievi II. Tf. 52. *>») 
Zu dem neben einander sitzenden Brautpaar, Thetis in briut- 
lieber Verschleierung , treten hier an der Stelle aller Götter 
nur Hephaistos und Athene, jener einen Schild und das be- 
rühmte Schwerdt, auf welches Peleus so stolz war ^^% diese 
Helm und Speer zum Geschenke bringend. Es folgen die 4 
Hören "^) mit symbolischen Geschenken der Fruchtbarkeit 
der Jahreszeiten , sodann ein Knabe , mit gesenkter Fackel 
einem Fackel und Amphora tragenden JAngling vorleuch- 
tend. Ersteren hat Winckelmann Hesperos, letzteren 
Hymenaios genannt ^^^). Den Absdüuss madit eine mit der 
Stephane geschmückte Göttin, welche, soviel ich zu sehen 
vermag, in ruhigem Stande sich auf Eros stfltzt. W i n c k e U 

ichalen u. Gefissen II. Tf. G auf Peleas Hochiell baiflglich sei, ist 
mit keinem hslibaren Grande gestfltzt, ond, trotz des Genymedes (vgl. 
Arch. Ztg. 1850. S. 265. Note 38), gewiss irrig. — Geriiard sagt, 
aber ohne nAhere Angabe, arch. Ztg. a. a. 0. S. 259. fiota 5. d. dar 
GOtlerschmans sei „bie nnd da« nachweisbar, was ich beswei« 
fein moss. --* HS) Frflher in Montfancon's Ant. expl. suppl. V. 
pl. 51, dann in Winckelmann's Honnmenti inedili Nro. 111., Gal. 
mytb. 152, 551. Vgl. Rochette M. J. 1. p. 31, de Witte Ann. IV. 
126 f. — ' H6) Schol. Arisl. Nub. 1095, Uesych y. JJiliwe fidxaiQß, 
Snid. y. fiiyatpQoyitr- — ilT) Ich Itann ZoSga's Eriilirang nicht fflr 
richtig halten , der hier mitten unter den Gittern in den beiden ersten 
Personen nnr GescheniLe bringende Binerinen, in der dritten eine 
Kranzflechterin, in der vierten eineGescheniLe bringende Sciayin erkennen 
will , so wie in den beiden männlichen Personen ebenfalls nnr gewOhn-' 
liehe Menschen. — ii8) Mi II in zur Gal. mylh. a. a. 0. ziehlKomos 
yor, Panofka (Recherches p. 8 f.) will den hochzeitlichen Hydro- 
phoreo erkennen. Hit Recht aber macht de Witte geltend, dass 
hier nnr Übermenschliche Personen gedacht werden dflrfen, und dass 
somit am besten bei Hymenaios als Hydrophor stehen bleibe. 



manu hat, und ilni sind Andere gefolgt, hier die AvMtos- 
suiig der Eris zu erlcennen geglaubt ^^^), oder Themis, wel- 
che durch ihr Orakel die GOtter von Thetis Liebe zurfldc* 
hielt Von Ausstossen kann hier, meine ich, nicht die Rede 
sein , Eris ist nicht im mindesten bezeichnet , und was Mer 
Themis soUe, ist audi nicht begreiflich. Zoüga nhnmt für 
diese Gruppe ein besonderes statuarisches Vorbild an, und 
dieses halte ich auch für wahrscheinlich , möchte aber dann 
die Gruppe nicht anders als Aphrodite auf Eros gelehnt be- 
nennen, welche man hier als Hochzeitbitterin, dem noch 
fortgesetzt zu denkenden Zug der Götter herbeiwinkend ^^), 
betrachten kann. Dass sie mit der übrigen Sculptur nicht or- 
ganisch zur Gruppe verbunden ist, erklttrt sich aus ZoS- 
g a's Ansicht Zwei Bäume bezeichnen den Bergwald Pelion. 
— Aufs Bestimmteste wird das Monument mit unserem Cte- 
genstand in Verbindung gesetzt, sowohl durch die aus See- 
thieren bestehende Arabeskenverzierung des Deckels, wie 
durch die Darstellungen der beiden Schmalseiten, auf deren 
einer Poseidon vor einem Meerungeheoer steht, und auf 
deren zweiter ein Amor auf einem Delphin reitet. — 

Ausser dieser romischen Sculptur sind hier zunächst 
noch zwei auf unseren Gegenstand bezogene römische Re« 
Hefe in der Villa Blattei ^^0 anzufahren, auf welche ich aus 

ii9) Gerhard itft, arch. Ztg. a. a. 0. S. 259. N. 5 f. Eria 
Snmiichaiig gebe aich, jedoch proleptisch, bereili bei Soenen der 
B^raatfflhrong kund, keant jedoch selbst (vgU das. b) ausser der be- 
aprochenen Vase nar ooeh eine Gemme (M All er, Denkm. L' 40. 171), 
welche die Braatfahraog darstellen soll; in diesen Honnmenten ist aber 
von Eris und ihrer Einwirkung in keinerlei Weise die geringste Spur. — 
i^O) Was die Aehren in ihrer Hand bedeuten, die auf Winckelmann's 
wie auf ZoSga's Zeichnung deutlich erscheinen, weiss ich Dichte 
Zoßga nennt sie una coroUa (?), Winckelmann schweigt gana 
davon. — i^ij Beide Reliefe abgebildet in den Honumenta MaUeiana 111. 
32a. 33. Daserstere ausserdem in Bellori'a Admiranda Tb. 24., Moni« 
faucon I. 46» das andere in Bellori'a Adminuda Tb. 22, Spencea 
Polymetif dial. 7. p.8, Wtoekelmanu M. J. 110, Gal.myth. 133,SM. 



9WA Ortaien nieht ntther eingehen kann. ErataH» seheint 
es, dass den Zeichnungen, die unter einander yersehiedett 
sind, xü misstrauen ist, worin mich ein Ausspruch Braun's 
Ann. XI. S. 222 bestärkt ^^^). Zweitens aber, seien immer- 
hin die Darstellungen auf Peieus und Thetis bezüglich , waa 
füglich bezweifelt werden darf (Rochette HL J. I. 84 ff«), 
so beruhen sie auf irgend einer symbolisirenden oder alle« 
gorisirenden Behandlung des Mythus, welche mit der wt^ 
tprünglichen heroischen Geschichte Nichts als den Namen 
gemein hat Denn die götterbesuchte Hochzeit ist etwas An« 
deres als das, was hier dargestellt ist: der Held in Gegen- 
wart aller Götter der schlafenden Göttin zum Beilager nahend. 
Was man in spater Allegorisirerei und Mengerei aus ei« 
nem einfachen epischen Mythus gemacht haben mag, ist für 
die Poesie selbst gleichgiltig , und somit streiche ich die in 
Rede stehenden Reliefe aus der Reihe der heroischen Bild- 
werke. 

Auch ein drittes Relief im Vatican, abgeb. in Ger- 
hardts antiken Bildwerken Taf. 40. ^^^) kann ich mich nicht 
entschliessen hieher zu ziehen. Als Hauptgruppen sind zwei 
Liebesabenteuer dargestellt, rechts Selene und Endymion un- 
verkennbar, links eine schlafende Nymphe, zu der ein bär- 
tiger Krieger herantritt, als Gegenstück. Ein Flussgott mit 
der Urne liegt zu ihren Füssen. Diese Nymphe ist gradezu 
durch Nichts als Thetis bezeichnet, und der Gedanke an 
Mars und Rhea Sylvia liegt viel näher. Im Hintergrunde 
Herakles und Hebe oder eine sonstige Geliebte. 

Von römischen Arbeiten bleibt uns nur noch ein Monu- 
ment zu betrachten, welches ich an das Ende dieser Reihe 

iMy Braun sagt, er wArde aof die Reliefe elDgehen, wena 
er sie bei ihrer «DfflDstigen Stdlong im Eioiehien hftUe prflfeo IlOd- 
aen, woraus lilar genug lieryorgeht, dass er, angeticlits der Origioale, 
den Zeicbanagen niclil traute. -* 128) Vgl. QuattaBi M. J. 1788. 
Fabr. S. X., Beschreibung Roms II. 2. S. 7. 




gcfiteUt habe, weil iu ibm eine neue Version de« Mfytlmi 
deutlich genug ausgedrflcfct ist. Es ist dies 

Nro. 49., die bekannte Portland vase, deren hier 
in Rede stehenden Seite ich Taf. VIIL Nro. 9. habe zeich* 
nen lassen ^^^). Die schon von Winckelmann "^) und 
Anderen ^^^) aufgestellte , aber mehrfach bezweifelte Erklä- 
rung aus unserer Begebenheit halte ich fillr sicher, nur rauss 
man eine ganz andere poetische Basis für dies Monument an- 
ndimen als fflr die alteren. Die Spuren derselben liegen in 
Gatulls Dichtung "0 «»^ Philostrats Erzählung ^^% wo im 
(Gegensatz zu dem Widerstände, den Thetis in der älteren 
Erzählung lebtet , die Gttttin sich dem Helden willig ergiebi 
oder den Schüchternen selbst ermuthigt Diese willige Er- 
gebung, welche ich in dem oben angefahrten Vasenbild (Nro. 
4d.) unbedingt nicht annehmen kann, ist hier unzweideu- 
tig angezeigt Thetis, durch ein attributives Meerungeheuer 
bezeichnet *^^) , liegt in der Mitte der Scene vor dem durch 
einige Pfeiler angedeuteten Heiligthum. Freundlich streckt 
aie den Arm dem Geliebten entgegen , der , ihr nahend , das 
Gewand hingleiten lässt Ihm gegenüber erscheint Poseidon 
wiewohl ohne Trident, doch, wie Millingen richtig be- 
merkt, durch eine vielfach bei diesem Gotte wiederkehrende 
Stellung deutlich genug bezeichnet, als Zeuge der Scene und 
Vertreter des Elements, dem die ganze Angelegenheit ange- 
hört ^ Die Kehrseite , in welcher man die von Peleus be- 
lauschte, schlafende Thetis erkannt hat, kann ich hiefflr nicht 
anerkennen , obwohl ich keine sichere andere Erklärung für 

dieselbe weiss. — 

iB4) Nach Millingeo, Ancient nned. mon. pl. A. Nro. 1. Die 
Vsse ist xn oft herausgef eben (selbst im Pfenniginagaxin), um hier die 
ZeiehnnDgen »Dfflhren in können. — iM) Gesch. d. Kansi B. Xlf. 
Cap.2.8.2d. — ljStf^ygl.Hillingena.a.O. — i;979 A.a.O. Vf.20. 
-r 196) HeroTc XIX. 1. — 129} Dass dieses eine Ihrer Verwände* 
langen andenten solle, ist ein angenscheinlicher Irrthnm MilliDgen't 
a. a. 0. 



Wttbreni in Tonischer Kiiast der Raub der Thetis nidit 
uadiweisbar, ist dieser in etmskischer Kunst die einsige auf 
Spiegeln und Ooidschmuck mehrfach dargestellte 8tme der 
Begebenheit Auf etruskischen Urnen (Aschenkisten) ist sa 
wenig von Peleus und Thetis Verbindung wie von Urteil 
des Paris eine Spur. Von den Spiegeln will ich hier nur 
nwd Repräsentanten anführen« 

Als Nro. 50. sei hier der florentiner Spiegel (Taf. VII. 
Nro.7.) genannt, abgeb. in Gerhardts etr. Sp. U.926.^^) 
An Meeresstrande, der durch einen fast um den ganzen Spie- 
gel laufenden puuktirten Streifen angedeutet ist, hat Polens 
Thetis ergriffen und trägt sie, auf die Schulter geworfen 
trotz alles Sträubens rasch davon. Eine Nereide , welcher 
der NameParsura beigeschrieben ist, entflieht erschreckt nach 
der anderen Seite. Auch die Namen Pole und Thetis sind 
auf dem Rande des Spiegels beigeschrieben ^^*). Verwände- 
delungen sind hier nicht angegeben, diese finden wir da* 
gegen in 

Nro. 61., einen wiener Spiegel, abgeb. bei Gerhard 
a. a. 0. Taf. 225. Das Motiv der Composition ist in sofern 
dasselbe, als Peleus auch hier Thetis auf der Schulter davon 
trftgt , eine Wasserschlange umringelt sein Bein , ein Vogd 
fliegt links oben im Felde, Beides Verwandelungen der Ql^U 
tin. ~ 

Endlich ist der Liebeskampf mit Verwandelungen, mehr* 
fach wiederholt, in 

Nro. 52. , einen etruskischen Qoldschnuck (Hals« 
band) ehenals der Durand' sehen Sammlung, Cat Durani^ 
2169. , jetzt im Cabinet des m^dailles , abgeb. Nouv. Ann. I. 

iSO) FrAher iD Deropster Etraria regalis U. tb. 81. P asser i 
P«rali|ioinena IL 19. in LaBii's Saggio II. 8. 1 (achlechl), dann bei 
Hechelte» M. J. DI. 2. Vgl. de Witte a. a. 0. S. 107. — 
tBi) Den Mafflen Paranra erklArt Ro chatte fdr Pharaala, die Orts« 
■ysiphe. 



4 



fL A« 8, 3. Die aditedia Landlcn des HalslMuides feigen 
i^wechselod eine geflflgelte nackte Frav, welche mit ei- 
nem Fisdi in der Hand den Fuss auf einen Felsen atell^ 
imd welche de Witte Ann, a. a. 0. 8.7bS. als Aphrodite 
Kolias nccbsuweisen snchi ^ und Peleus Raub der Thetia* 
Auch hier tragt Peleus Thetis davoo, wahrend (ähnlich wid 
in Nro. 51.) eine Schlange sich um sein Bein ringelt 

Auf Mflnaen kommt , meines Wissens , der Gegenstand 
nicht vor, auf geschnittenen Steinen eben so wenig die 
Seene, von der wir reden. Jedoch wird die in xwei lU^ 
Präsentanten auf meiner VllL Tafel Nro. 2. u. 3. abgebil- 
dete, häufige Vorstellung eines sich das Haar austrocknen- 
den Peleus (HEjiE) gewähnlich auf Peleus ftäckkebr aus 
dem Meere gedeutet Der Stein Nro. 2. ist der vielfach 
abgebildete ^^^) Carneol, frtther des Dehn'schen Cabinets^, 
Nro, 3. ist von Lansi, Saggio U. tav. 5. Nro. 2. be* 
kannt gemacht 

IL Das Urteil des Alexandros. 

Das Parisurteil ist ohne allen Vergleich der häufigste 
Vorwurf der antiken Kunst aller Epochen und in allen Ar- 
ten der Monumente gewesen ^). Auf die altere Kunst muss 
eine glänzende Darstellung der Begebenheit im Epos gewirkt 
haben ^) , von der wir uns einigermassen eine Vorstellung 
aus den zwei Fragmenten der Kyprien machen können, wel- 
che Aphrodites Schmückung durch Chariten und Hören be- 
treffen % An diese glänzende Poesie war man gern oft» 

182) Winckelm. M. J. 125, Mflller, DeDkmftler I. LXIH. 
321. und sonst. — i) Vgl. Welcker: Le jagement de Paris, Ann. 
XVII. 132—215. anch im Einfelabdrnck, nach dem ich die Sehen an- 
fahre. Ferner R. Röchelte M. J. I. 260 ff. Crenier, dentsehe 
Schriften IL Abtb. zur Arcfalologie. Bd. 3. S. 99 ff. — B) Adsg>anoBl«> 
»en atleia tind die etmskischen Ascheakiften. — d^WeleketS^Sl« 
~ 4} Fragm. 3. a. b (W.) Athen. XV. 682. e. 



wenn awh nur in ausdnicks* and schmneklosen VasenbiMern 
ies aliesten Stils erinnert Der im Epos sinnige und keuseb 
Iiearbeiteto Stoff ^) enthielt aber Elemente genüge , welche, 
mit Veränderung der Motive eine spätere, üppigere Po4^ und 
Kunst in ihrem Sinne ausbeuten konnte, und ausgebeutet 
hat ^). So können wir denn in unserem Gebiete der Kunst 
eine nach Zeiten und Arten gcfgliederte Reihe von Bildern^anfüh- 
ren, welche in kunst- und culturgeschichtlich lehrreicherer 
Mannigfaltigkeit schwer noch einmail «u finden sein dürfte. 
In Bezug auf die Begebenheit können wir drei oder 
vier Scenen unterscheiden: 1. Hermes verkündet den drei 
Göttinnen Zeus Willen , dass Alexandres sie richten soll, 
S. Hermes führt die Göttinnen mim Ida , 3. die Göttinnen 
vor Paris, wo sich wieder zwei Momente unterscheiden las* 
sen, a. Paris Erstaunen und Scheu und Hermes Vermittelung, 
und b. Paris bereit zu urteilen und die Göttinnen zumSprudi 
sich bereitend, dann 4. die Fällung des Urteik nach den 
Gaben oder nach der Persönlichkeit der Göttinnen. Die er« 
steren beiden Scenen sind aber nur in archaischen VasenbU« 
dem , die dritte a. ist nur in Vasenbildern beider Hauptarten 
vertreten, und so ist es erlaubt, die Eintheilung des Stoffei 
ganz kunsthistorisch nach Zeiten und Arten der Kunstwerke 
zu machen, wonach wir voranstellen: 

1. Die Vasengemälde. 

A. Mit schwarzen Figuren. 

Von der ersten der erwähnten Scenen: Hermes den 
Göttinnen Zeus Willen verkündigend ^) ist nur e i n sicheres 
Beispiel anzuführen , 

Ö") Vergl. Welcker •• a. 0. S. 2. uod Ep. CycL 11. S. 89 f, 

— ß") Für die Poesie vergleiche mao nur Propert. IL 2. 14 , Ovid. 
Her. XVII. 115. nnd den Beflex im 20. der GAÜergeiprflche Lukiaoi. 

— 7) Bisher aU Yorbereitnng des Zuge« zum Ida erklärt. Da aber 
aui der Pb€sie sieh eine beithnmte aod durcfhaas nngeswungene Be- 
aM^haang des Ifomenlei ergfebt, ist diese vermaiehcii. Welcher a« 
a. 0. 8. 17. Nro. %, 



Nro. 1. bwenbilii der Kylix des XenoUes (T&f. IX. 
Nro. 2.)y abgeb. bei Roehette M. I. pl. 49. 1. ^) Den drei 
durchaus nicht unterschiedenen Göttinnen steht Hermes in 
gebückter y durch die Form des Bildes bedingter Gestalt ge- 
genüber, des Kerykeion und eine Syrinx ^) haltend. •— Viel- 
leicht gehört hieher auch 

Nro. S.y die von Weloker als Nro. 18. S. 81 ange- 
fahrte volcenter HydriabeiBasseggio^^). Hermesnäm- 
lich steht hier ebenfalls den Göttinnen, wenigstens zweien 
derselben und dem mit anwesenden Dionysos '^) gegenüber, 
während die dritte auch umgekehrt ist ; jedoch wage . ich ohne 
Autopsie des Monuments keinen Widerspruch gegen Wel- 
cker, der hier nur eine Willkürlichkeit des Malers in der 
Anordnung der Gruppe statuirt 

Die zweite Scene , der Zug nach dem Ida, ist häufig, 
entweder auf die drei Göttinnen allein beschränkt, oder durch 
Hermes als Führer oder endlich durch mehre hinzukommende 
Personen erweitert Die drei Göttinnen allein linden wir in 
folgenden Bildern 

Nro. 3. n. 4.-3. Amphora in Copenhagen, abgeb. in 
6 e r h a r d's auserl. Vasenbb. 1. 71. ^^) 4. A m p h o r a von Vulci 
im Mus. Greg. iL 87. 2. ^^ 

Häufiger ist der Zug mit Hermes ganz wie auf dem 
Kypseloskasten Paus. V. 19. 1., in folgenden Monumenten 

Nro. 6.-14. — ^. Prochus (Taf. IX. Nro.a), abgeb. 
bei M i 1 1 i n g e n Vases de Coghil pl. 34. 1 . ''^) Hermes führt 
die drei Göttinnen, alle vier Personen eilen mit luftigem Göt- 
terschritt dahin ; die Göttinnen tragen Scepter, deren Spitzen 

8) Vgl. de Witte Cat. Dorand. 65, Cet. Bengnot 48, 
Brann Ann. XI. 219, Malier Handb. %. 384. 4. — 9) Als Heer- 
dengott? Vgl. Welcker a. a. 0. Note 2. ^ iO) Vgl. Bull. 1843. 
$.60. — II) üeber ihn später. — i^) Welcker S. 18. Nro. 4. 
itv. 4 Krieger mit Händen. ~ 13) Welcker S. 18. ^ro. 5. Rt. 
Pallas in einem Viergespann. — 14) Laborde Vaaes Lamberg. 1.47*9 
■ aller, Denkmiler 1. 18. 94. a. Welcker, S. 16. Nro. U ^ 



SfiUen iHe Penonen besdehnen , die mittlere ist ndlaa 
nacli der Lanzenspitse , die dritte Aphrodite nach der Blune 
auf dem Scepter , die erste folglich Here ; die Verzierung 
ihres Scepters ist nicht deutlich. Die Beischriften sind m- 
lesbar. — 6, Volcenter Amphora ^^) abgeb. bei 
Gerhard, Auserl. Vasenbb. 1. 72. Pallas in der Mitte durch 
die Lanse bezeichnet — 7. Grossgriechischer Le* 
kythos der Durand'schen Sammlung, Cat Durand 374. ^^) 
Pallas in der Mitte mit Helm und Lanze, — 8. Le- 
kythps in Leyden Nro. 1686. — 9, Voleenter Am- 
phora, abgeb. bei Gerhard, Auserl. Vasenbb. IL 
171. *') Hermes mit einem Hunde (wie in Nro. 16.) , Here 
besceptert , Pallas mit Lanze , Aphrodite ohne Attribut. — » 
iO. Millingen'sche Amphora, 1842 in Florenz, jetzt 
im brit. Museum Nro. fifi4*. Aphrodite voran. Welcker 
S. 19. Nro. 9. Rv. Herakles, Jolaos, Pallas und Hermes.— 
11*. Volcenter Amphora Canino, jetzt im brit Museum 
Nro. 580. Hermes Ton einer Ziege begleitet. Rv. Hermes, Athene, 
ApoUon. — 12. Mflnchener Hydria, Welcker S.20.Nro. 
13^ Pallas mit Helm und von einem Reh begleitet ^^). — 
i9. Vasenfuss im Louvre; Hermes nnbärtig, die mittlere 
Göttin verschleiert, mit einem Kranz in der Hand. Welckev 
S. 17. Note 1. — 14. Vase des Grafen Erbach, beschrieben 
voll Cr e uz er: Zur Oallerie alter Dramatiker S. 8$. *^), 
abgeb. in den deutschen Schriften 2, zur Archäologie M. I, 
vgl. S. 286 f. Voran Hermes mit dem Kerykeion ?^) , dann 
Here mit Zweig und Oranatblflthe , Pallas mit dem H^lm 

1^) Welcker S. 17. Nro. 3. R?. Helen»'« WiederftovdaDmg« 
— 10) Welcker S. 18. Nro. 6. — 17) Welcker S., 18. Nro. 7. 
Rv. Ueleoe's Wiedergew innnog. — 18) lieber dieses, in dem schwer- 
lich eine besondere Absicht liegt, sondern welches hier, wie mehrftch, 
aU xahnes Thier mitlinfk s. Welcker S. 13. — 19) Wiener Jahrbb. 
1834. U.S. 203. Welcher S. 19. Ifro. 10. In dem oberen ! Strei- 
fen will Grenzer ein Opfer der Aphrodite fflr den Sieg erkennen, 
was Welcker mit Recht verwirft. — 20) In der 1. Hand ansser- 
deni einen nndentlichen Gegenstand tragend, in dem Creüier einen 
BliU (?) erkennen will. 

OFsrboek» htrolsch« QaUerl«. 14 



tianm Speer lui emen selteanea flor g e aei o » » Afbroüte mk 
eiver Taabe, voo gwei geflügelten Eroten begleiteft. 

Den Zug mit suBfttsIicben Personen können wir in fol« 
genden Monuoienten nachweisen. Erstens mit Zens ^% 
dessen Anwesenheit anf naKve Art die Bedeutsamkeit aus- 
drflckt , welche der Sdiieksalslenker in der Begebenheit er- 
kennt. Er selbst übernimmt demgemftss die Vollstreckung 
seines Gebotes, indem er mit Hermes oder an seiner Statt 
die Göttinnen zu Paris fiibrt 

Nro. 16^-18. — * iS. Mflncheoer Amphora, dnerseitn 
Zeus besceptert und Hermes mit einem Hunde, andererseita 
die 8 Göttinnen, Here besceptert, Athene bewaffnet, Aphro* 
dite mit Weinranke ; W el ck e r S. 20. Nro. 18. — iß. \oU 
center Amphora^^) der Durandschen Sammlung, CatDn^ 
mnd. Nr0b376, j^st im britischen Musonn Nro. 678. ^^) Vov 
Hermes, welchem die 3 Göttinnen, Athene in der Mitte, fol- 
gen, ein in den Mantel eingewickelter Mann mit Soepter, 
in derselben Richtung fortschreitend und umblickend , wahr« 
scheinlicher nach Gerhard Zeus, als nach de Witte der 
fliehende Paris. Rt. Paris nnd Helena vor Henelaos (?)• -— 
17. Vase bei Hm. Fossati, Rochette M. J. 985. Note 6. 
Vor den 8 Göttinen Hermes und ein bescepterter Greis ^'*). ^^ 
Ja OinochoeCanino inRochette'sBesitz. Ganz ähnlich. ^^ 

Zweitens mit Dionysos, welcher als Gott der Ve- 
getation überhaupt, auch des Bergwaldes Ma, in dessen 
Thalem Weinbau betrieben ward , wie Oinone's Namen an- 
deutet, anwesend ist ^^) Ausser in der oben als Nro. 9. 
angefahrten Vase erscheint Dionysos noch in 

Nro. 19., einer mflnchener Vase, in der Hermes fehlt, Dio- 
nysos demZuge der Göttinen folgt; Welcker S.91.Nro. 17. 

2i) Vgl. Welcker S. 6. — 22) Gerhard rapp. yolc. 127. 
Nro. 57. — 28) Welcker.S. 20. Nro. 11. — 24) Welcker S.21. 
Nro. 14, 15. Mehrfach wiederholt. -~ 23) Welcker S.21. Nro. 16. 
Zeas wird Tom Besitxer auch im Jonroal des Saranla 1842. p. 9. be« 
aUUgt. -. 26) Welcker S. 6, 7. 



f 



~ «4 ^ 

Drittel Ml AptlloB ^^)^ wddier Mit scuer Mwifc- 
begkUung fderliehst den Zug leitet Hievon ist nrir nvr 
ein Beispiel bekannt: 

Nro. 80., Volcenter Hydria (Tat IX. Nro. 4.)^ 
abgeb. in Oerbard's Aiiserl. Vasenbb« III. 178. Hermios 
voran y uipblickend 2U dem sehr jugendlichen, kitharspielen- 
den ApoUon^^). Folgen die drei Gottinen, die gewaffiiete 
Athene in der Mitte. 

Den bisher besprochenen Vasen, welche den Ziig mi« 
terwegs 2um Ida darstellen , sind nun diejenigen gan« nahe 
verwandt, in welchen der Augenblick der Ankunft gegeben, 
also Paris den Ankommenden gegenüber anwesend ist An 
häufigsten ist Paris stehend geraalt, die eine Hand staunend 
oder ;rar Begrttssung erhoben ; oder Paris sitzt, und erwarte! 
die Ankommenden ruhig; oder endlich, und dies sind die 
am individuellsten motivirten Bilder, Paris erschrickt v<Hr 
der Göttemähe, und sucht zu fliehen, Hermes hält ihn mit 
Worten oder mit Gewalt zurück. Wir können hier so niem«* 
lieh wieder dieselbe Reihe von Vorstellungen verfolgen, wel« 
che der Zug selbst bietet, jedoch sind die Zusatzpersonen 
zum Theil andere. Auf die Hauptpersonen (Hermes, die S 
Gdttinen und Paris) beschränkt sind folgende Vasenbildor 3 

Nro. 21. — 41. -^ 1. Paris steht ruhig odef 
mit erhobener Hand vor den Ankommenden* *-* 
M.Vase, 1839 bei Ponte dell' Abadia gefunden, WelciCev 
&8d. Nro.S5. — M.Kyathis des Prinzen Vidoni, Paris mk 
Kitbara^ Gerhard, Auserl. Vasenbb. 1.196, Note«, WeU 

2T) Dieser, und nicht eine Muse, wie Weicker S. 5. nnd 
27 f. wollte, ist in der gleich sa nennenden Vtse, jedoch in gleichem 
Sinne in «rkeaMO. — M) Due keine Mute dargestellt eei, erhellt 
daianf , daee die Fignr sehwtri gemtlt ist, wikrend die weiUichen 
Fenonen in den nackten Theilen weiss gefftrbt erscheinen. Aach ha- 
ben letstere linglicke Angen, die Uinner hier, wie fast dnrckgftngig 
in archaischen Vasen, runde. Gerhard, der «. a. 0« S. 61 dasGe- 
ichleeht dieser Pemm tieklig eikaaate^ aeaai sie okn» Wakraeheia. 
liehkeil Paria. 



— 81S — 

cker S. S4. Nn». %ß. — M. Vase Bame^gio 1841. Wel- 
cker S. 2& Nro. 29. — M. Amphora Candelori jet^t in 
Manchen y Paris mit Scepter; Wclcker S.25. Nro. 30.— 
MS. Vase der Panckoucke'schen Sammlung , Dnhois Catal. 
Nro. 91. Paris^, obwohl zum Theil restaurirt, doch unver- 
kennbar ^9). »e, Amphora, von Gerhard im rdm. Kunst- 
handel geiseichnet, und in den auserl. Vasenbb. IIL 172 pu- 
blicirt. Die dritte Göttin ist ausgelassen. Welcker S. 24L 
Nro. 28. — 2. Paris sitzt ruhig vor den Ankom- 
menden. — ;87. Hydria, des Herrn Rogers in London, 
Paris sitzt auf einem behauenen Stein. Welcker S. 2S. 
Nro. 24. — ;98. A m p h o r a Candelori , jetzt in Mttnchen 
(Taf. IX. Nro. 6. ^)). Paris auf einem schlanken Stuhl 
sitzend, unterbricht sein Lyraspiel mit fratzeidiaft verwun- 
dertem Gesicht; Hermes mit sehr grossem Kerykeion tritt 
Hun entgegen, und erhebt in der Linken einen roth gemalten 
Kranz, doch wohl in der Absicht ihn Paris zu geben, damit 
dieser ihn als Siegeszeszeichen ^der Schönsten^ tlberrreiche. 
Hinter Hermes die 8 G^ttinen , Pallas in der Mitte. W e 1- 
eker S. 25. Nro. 81. Rv. Helena's Wiedergewinnung. — 
M9. Schlanke Amphora der Durand'schen Sammlung Nro. 875, 
jetzt im brit. Museum Nro. 582. Welcker S.25. Nro. 82. 
Rv. (nach d. Catal. des brit. Mus.) Hektors (Amphiaraos?) 
Abschied. *-» do. Volcenter Amphora Feoli, Campanari, 
CoILFeoliNro.76^ Welcker S.25. Nro. 88. Rv. Krieger. -^ 
M. Voicenter K r a t e r, 1848 bei Basseggio. Paris von einem 
Hunde begleitet Welcker S. 28. Nro. 84. — B2. Am- 
phora in Lord Pembroke's Versteigerung, notirt von Ger- 
hard in den Etr. u. Campan. Vasenbb. S. 24. Note 5.^^) 
Rv. Herakles mit dem Ldwen , Athene und Joktos. '^ 
88. Desgleichen, früher bei Hm. Pizzati, jetzt bei einem EngUU'- 

$9) Welcker S. 19. Uro. 8. Vgl. da«. Note 1. Rv. btkchiidi. 
-^ 80) Nach einer Dvrehfteichnang im archlol. Apparat des berliner 
MnaeuM, welobe ieh Um. Prof. G^rbtrd'S Gflte Tertfanke. — 
ai} Vgl. Note 2. in Welcker S. 26. Nro. 37—39. Febll Pari»? ' 



ler^ Blayds; B^. bikcbiseb, notirt roa Gerhard ebenda«., 
Welcker S. 26. Nro. 38. — 94. Amphorades Prln. 6or^ 
doa in London , die Bilder auf beide Seiten mit theilweiser 
Wiederholung vertheilt, a. Here mitScepter, Hermes, Aphro- 
dite mit Blume; b. Here nochmals, Athene, Paris sitzend. 
Gerhard a. a. 0. Welcker S. 26. Nro, 87. — as. Aehn- 
liches GrfiUs, a. Hermes zwischen zwei Göttinen mit Sceptem ; 
fe. Paris auf einem Felsen sitzend, Athene bewaffnet, notirt von d e 
Wit<ezuWelckera.a.O.Notel. — 3.Paris wendet sich 
ab und sucht/erschreckt vor den e'rscheinenden 
Gottern zu fliehen. '^) Hermes hält ihn zurOck. 
M. Amphora von Caere bei Alibrahdi in Rom. Paris er- 
schredct abgewandt und im Begriff zu fliehen; Hermes redet zu 
ihm. Rv. Vier Krieger. Wel e k er S. 22. Nro. 19. -^ar^Vo 1. 
Center Amphora in Florenz (Taf. IX. Nro. 5.^^*) Aehnlich, 
Paris mit Kithara entflieht mit grossen Schritten, Hermes streckt 
den Arm aus, ihn zurückzuhalten. Pallas voran, so gemalt, dass 
sie Kopf, Brust und einen Arm Here's verbirgt. Rv. bakchisch. 
Welcker S. 22. Nro. 20. — aa Ganz ähnliches Gefäss, ohne 
Formangabe von Welcker S. 23. Nro. 21. notirt. Aphrodite, 
etwas von den anderen Göttinen getrennt , hält eine Taube, 
und ist von zwei fliegenden Broten begleitet, Pallas gewaffnet, 
Here mit Oranatblüthe. Rv. Bakchisches Opfer. — dP. Ca- 
nino'sche Hy dria im brit Museum Nro. 541. Paris entfernt 
sich schnell. Auf dem Halse Herakles mit Triton ringend, 
daneben Nereus und eine Nereide. — 40. V a s e, 1841 in 
Girgenti bei Hrn. Politi von Welcker ohne Formangabe 
notirt S. 23. Nro. 22. Paris, von fast weiblichem Ansehn, 
abgewandt, von Hermes am Arm ergriffen; Aphrodite mit 
einer Blume, Pallas mit der Eule '^), Here mit dem Löwen 
auf der Hand ^), vor ihr ein undeutlicher Vogel. Unleserli- 
che Namensbeisehriften. — 4i. Vase, bei Po^tedell Abadia 

a2) Gewiss nachdem Bpo« «ndnoeh bei Kolnth. Rept. Hei. 121 ff., 
•elbst bd Liikitn •. •. 0. -« d^a^Unedirt; die Zeichnan^ verdanke ich 
Hrn. Prof. Wvleker. *- aaj Vgl ont. Uro. 51.'— M^Vgl.nnt. Nro. 57. 



— «4 — 

18S9 g«fiuideii ^^); PaDas bewafbet in 4er Mitte, Parifl wie 
in Nro. 86-89. WelciLer S. 88. Nro. 88. — 

Als erweiterte Dantellmigeii nnaerer Soeie mi fol* 
gende sechs VasealMlder anaufllliTeB. 

Nro. 48—47. 1. Mit Iris. Wie wir oben in den Noni« 
mem 15—18. Zeus selbst mit im Zuge sahen, «m die Wichtigkeit 
desselben darzustellen, so ist zu ahnlichem Zweck ^% um die 
Bedeutsamkeit des Auftrags, den Hermes, von Zeus empfimgea 
hat, scharfer zu beleuchten, diesem in folgenden sfwei Monu» 
menten Iris, die Götterbotin dem Götterboten beigegeben. — 
4;9. H y d r i a in Berlin Nro. 16dO. '0 (Tat IX. Nro. 7.), abgeb. 
in Gerhard's etruslüschen und campanischen Vasenbildem 
Tf. 14. ^) Hermes unterhandelt mit Paris, der einigermas* 
sen verlegen aussieht. Hinter Hermes Iris , ungeMgdt, das 
Kerykeion in der Hand , dann die 8 Göttinen , Athene be* 
waffnet voran , Here mit Scepter und Aphrodite ohne ein 
solches. Auf dem Hals: Achilleus, Troilos und Polyxena 
verfolgend; unter dem Hauptbild Herakles im Iiöwenkampf. 
— 48. Ganz ahnliche Hydria, von Welcker 1641 bei 
Hm. Basseggio in Rom notirt , S. 87. Nro^ 41. 

8. Mit Zeus selbst wie in den Nummera IS— 18, 
jedoch hier nur einmal, und in offenbar und allgemein aner* 
kannt parodischer Darstellung in 

Nro. 44. j einer absichtlich archaisirenden, volcenter 
Amphora Candelori in Mflnchen, abgeb. bei G er h a r d, auserl. 
Vasenbb. IIL 170. ^^) In dem rund um den oberen Theil 
der am Bauche mit Sternen verzierten Vase umlaufenden 
Bilde sehen wir dem Zuge voran den parodirten Zeus, das 
Kerykeion in der Hand mit Paris unterhandeln, hinter wd- 
chem eine durch gut gezeichnete Rinder angedeutete Heeide 
des JOnglings Beschäftigung am Ida bezeichnet '^) Hinter 

aS) Jtbn im BsU.v. 1839. S. 22. Nro. 3. — 86) WelokerS.5 
ond 27. -- 89) Ans Canmofchem Betilz, Catalogae Nro. 628. •— 
88) Froher bei Jtbn, Telephes ued Troilo« Taf. Ul-lV. Vgl. S. 78. 
Welcker a. a. 0. S. 27. Nro. 40. -^ 89) Vgl. Bell. 1829. p. 34. 
Nro. 16. Rapp. toIc. p. 124. Nro. 57. ^ 40) Parii in ilteren Mos». 



aSens HenneSy wie Paru, fegen arcMBclieii Vasenbilderbraoch 
mibartigy ebenfalls mit Kerykeion, dann die S Gdttinen in 
fbemaasiger fliarakteristik, Here im weiten Sebleiemanlel, 
Pallas bewaffnet und, wie Gerhard bemerkt bat, mit einer 
iwpch ein Ziegenfell komisch angegebenen Aegis, Aphmdite 
mit einer Liebestanie. ^*) — 

3. Mit Dionysos wie oben in denNummemS ii.lA 
~ Ifro.M. Volcenter Hydria bei Hm.Ba88eggio (ML 
18dS. p. 02) ; Dionysos mit einem Rebsweige hinter den drei 
QMtinen; Weleker 8. 39. Nrs. 44. — Nro. 4^. Aehnliehe 
flydria aus Um. Basseggio's Sesiüi in das kgL Museum 
in Beilin tbergegaagen nach Gerhard, auserl. Vasenbbb 
ID. S. 57. Note 8. c. 

4. Mit einer Muse, die in ahnlidiem Sinne wie oben 
in Nro. 20. Apollon dem Zog beigegeben ist, oder um durch 
Musik Paris Herz fir Aphrodite geneigter jru stimmen ^^). 

Nro. 47. V a s e der Erbachschen Sammlung, C r e u e e r, aur 
Gallerie alter Dramatiker 8. 23. und abgeb. in dessen deut- 
selieu Schriften 2, zur Archaol. 1. Hinter den drei von 
Hermes gefflhrten GMtinen eine auf einem Klappstuhl sitzen- 
de, lyraspielende Muse. Paris ist ausgelassen. ^^) Wel- 
eker S. 28. Nro. 48. 

inenteo als Rinderbirt (ßoi/jas , povxdXog Ear. Androin. 281 , Ipb. A«l. 
1277) , in neueren von Schafen oder Ziegen umgeben. — Was der 
auf dem RQcken des einen Stieres fitzende Rabe bedeute, weiss icb nicht, 
toch Welcher llssl ihn t. a. 0. 5. 30 nnerklArt , Gerhard erkeniit 
In ilini die Andenlang Ton Beziehnngen awisohen Paris, und ApollOB» 
was mir nicht recht wahrscheinlich vorkomnit. Drückt der Rabe nicht 
vielleicht nur Landleben und Wildniss aus? — 4i) S. oben S. 176. 
Note 24. - 42) Vgl. Welcher S. 5., 27. — 43) Oasselbe nahm 
Weleker weil die Personen ruhig stehen fllr Uro. 20. an, jedoeh 
kann dort elken so fflgUch der Augenblick ansgedrAekt sein , wo sieh 
der Zug nnter feierlichem Kitharspiel Apollons in Bewegung setzen 
will, als der Aagenblick der Ankunft, ja Ersteres seheint mir tngleich 
natürlicher. Hier aber wird durch das SiUea der Müse dtor letstefe 
Momedl ausgedrOckt. 



B. Mit rothsH Figuren. 

Obgleieh Cut alle hieber gehörige» Vasenbilder dieses 
Ctegeostandes individueller ausgearbeitete VorsteUuugea ent- 
halten, als die archaischen, lasst sich in ihrer Besprechung 
Hst derselbe Gang, wie bei jenen einhalten, und eine Hohe 
anfistellen, welche von den einfadisten Compositionen bis m 
solchen fortsdirdtet , die mit Zusätsen und Erweiterun- 
gen fast iberladen sind , und welche nugleich die Begeben- 
heit von den Augenblick, wo Hermes mit den Gdttinen vor 
Paris tritt, bis nun erfolgten Spruch in beinahe ununterbro* 
ebener Scenenabfolge in wenigstens sechs Momenten endildt; 
Zum Verst&ndniss der Monumente ist es wichtig , sieh die 
EnftUung des Epos su vergegenwärtigen , wie sie W e 1- 
eker^) ttberneugend festgestellt hat Denn ohne das Epos 
ffir die directe Quelle der folgenden , mm Theil spdten Va- 
senbilder ausngeben , muss ich doch behaupten , dass die 
vom Epos ausgegangene, sinnvolle Erllnduog von den Po^ 
sien der besseren Zeit in ihren wesentlichen llmlen festge- 
halten wurde, bis sie die spfttere Dichtung nugleich ver«- 
llachte und schlüpfrig madite. Das Epos aber ers&hlte wie 
folgt Als Hermes mit den Göttinen vor Paris erschien, ent- 
setnte sich dieser vor der Göttemahe^^) und suchte zu fliehen, 
Hermes aber hielt ihn zurück (Nro. 86^38,40,41,48.) und 
verkündete ihm, dass er hier nach Zeus Willen zu richten habe. 
Hierauf bereiten sich die Göttinen zum Urteil vor ^) (Nro* 
59.), und treten atifs Neue vor Paris (Nro. 54 , 65 , 56) ; 
dieser aber getraut sich nicht, über die Göttinen selbst zu 
richten und es wird der uns von Isofcrates^'), sicher aus dem 
Epos, überlieferte Ausweg getroffen, dass Paris über die ihm 
von den Güttinen gemachten , ihrer Natur gemissen , ihr 

44') JngemoDt de Paris in der Emleitang und Ep. Cyd. II. 8. 
88 IT. — 46) Vor den ulyluiviu aufiaxa bei Enrip. Andrem. 284. — 
46) Aphrodite's Schmflckang im fragm. 3. der Kyprien. — 47) En^ 
kom. Hei. p. 240. (Bekker). 



— nr — 



WiBsen flyadMiorendeii YenBrrediugeo vrtcBt , weldiis gte 
ihn in IftDgerer Bede, die Paris verhflllfteii Blickes anhlM 
(Nro, U.\ roTtrtgen. Here verspricht ihm Herrschaft Ilb0r 
Asieo , Athene Sieg und Kriegsnihm , Aphrodite Helena'ii 
Liebe '*^) (Nro. 57, 66) , und sie trägt den Sieg davon. — 
Ans diesem Kern der Erzählung lässt sich eine Zahl der 
Vasen direct erklären, andere erweitem ihn, aber keine ein«* 
«ge widerspricht ihm wie Wandgemälde, Reliefs, Gemmen, 
Hflnsen und etruskische Spiegel. — Der kunsthistorischen 
Reihe zu Liebe trennen wir die eben angedeutete Scenen* 
folge und betrachten zunächst: 

a. die Vasen etruskischen und campanischen Fondortes. 

Nro. 48. Volcenter Stamnos (Taf. IX. Nro. 8.), 
froher in Caninoschem Besitz ^^) , jetzt im britischen Mu- 
seum ^^), abgab, in Gerhard's auserl. Vaseubb. III. Tf. 
175—176. Höchst charakteristisches Monument der ersten 
Scene. Paris in griechischer Tracht, bekränzten Hauptes, 
die Kithara in der Hand ^') , sucht mit rascher Wendung 
zu fliehen, Hermes, keilbärtig und ebenfalls bekränzt, hat 
ihn mit einem grossen Schritt erreicht, und packt ihn ziem- 
lich derb an der Schulter , ihn zurtickzuhaltetl. Folgen die 
drei Otfttinen, Here voran mit hohem verziertem Polos '^^), 
die eine Hand verwundert erhoben; Athene mit der Aegis 
bekleidet und das Haupt mit der Sieg bedeutenden Tänie 
umwunden , zu Aphrodite zurückgewendet , welche mit der 

48) Dies Versprechen ist In den Excerpten erhellen and dantch 
find die anderen mil Sicherheit Yoransinietsen. Den Uraplinhilt •. 
b. Bnrip. Troad. 935 ff. Vgl. Dio Orat. XX. p. 266; Ofid. Herolde 
XVI. 79 ff. ; XVII. 117, 135; Uygin. fab. 92; Mytb. Vat. I. 280; In. 
kian. Dial. Oeor. XX. 11 ff. Koluth. 136—163. Apnl. Met. X. p. 250. 
(ed. fiip.) — 49) de Witte CaUl. dtruique 130. — M) Nro. 787. 
— Öi) Paria als Kitharöde, mehrfach in Vasen dieser Scene (Nro* 28^ 
37,50,51,54 und sonst) wie in der Poesie (U. III. 54, HoraU Carm. I. 
15. 14). Vgl. Jahn im Ball. v. 1842. S. 26 ff. — Ö») Wie anch t, 
B. fthnlich in Nro. 64. nnd sonst melirfacb, nicht mit einer Maaerkrone, 
wie Welcher, Jngemeni S. 31 schrieb. ' . < 



ISkefhttie gtadmüdki » eine Btane hält m). Der lia wifl 
doreh einen Felsen ror Paris , sein ffirtenleben dnreh ein 
wm diesem Felsen sebattenbaft gemaltes Scbaf bezeichnet ^). 
Bv. Poseidon^ dem Nike (nicht Iris) einschenkt, und Dionysos. 

Von denjenigen Vasen, welche die Göltinen mit Hermes 
rtr Paris darsteüen, und in welchen der Moment der Unter- 
handlungen des Hermes mit Paris ausgedrückt ist, verdient als 

Nro. 49., voran genannt zu werden , die kleine K y a- 
this in Berlin Nro. 1851, abgeb. Annali V.tv. d'agg. E. 1. *^), 
indem in ihr Hermes und Paris Handlung besonders klar ist. 
Paris sitzt in griechischem Kostüm mit zwei Jagdspeeren '^) 
vor einem, wohl nicht absichtlich kahl gemalten Baum; 
vor ihm sein Hund, zu Hermes emporschauend ^^) , der die 
rechte Hand declamirend gegen Paris ^^), die linke mit dem 
Kerykeion auf die drei Göttinnen hinterwärts deutend aus- 
streckt ^^). Die Situation, dass Hermes Paris anzeigt, was 
hier vor sich gehen solle, ist unzweifelhaft klar, und spiegelt 
sich in Paris erstauntem und etwas erschrecktem Zuhören. 
Die drei Göttinen folgen in der gewöhnlichen Ordnung der 
alteren Monumente , Here voran , oberwärts fragmentirt, 
dann Athene, ganz gewaffnet, am Kopfe beschädigt, endlich 
Aphrodite, vor welcher, ausnahmsweise in der Grösse der 
anderen Figuren ^) , Eros im Gespräch mit der Göttin steht 

M) Dan iie diMelbe Paris xeige (Welcker a. a. 0.) acbeint 
mk nlcbl anigedrflckt, noch in die Sitaaiion an patsen. — S4-) Oder 
iit'a ein neb, die Wildniss anzudeaten ? Aehnliche hochbeinige Schafe finden 
wir ein paar Mal, dagegen kommen to langschwinsige Rehekanm vor. — 
ÖÖ) Weloker a. a. 0. S. 37. Nro. 55. — S6) Paris mil Jagdipeeren 
Hl Nro. 53, 59 a. sonst. -* ST) Trotzig ? GerhardBerl. ant. Bildw. a.a.O. 
— S8) Nicht anf den Hnnd deutend, wie Gerhard a. a. 0. sagt. — 
M) Aehni. in Nro. 53. — 60) Dies ist ofTenbar nar durch die Com- 
Position bedingt; die aufTallend weitiAnfig gestellten Kignren reichen 
kaara hin , am den Umkreis der Tasse zu fallen , Eros kleiner darge- 
ftellt wflrde eine LAeke l>edingen. Was demnach Panofka Ann. a. 
a. 0. S. 345 von hochzeitlichem Bezug zwischen Eros und Aphrodite 
apricht, ist verfehlt, was er von gleichem zwischen Hermes und Athene 
uid iwisehoB Here nnd dem, Pan verwandt sein aölienden ^aria Mb- 



— tft -* 

An DttchBten verwandt imd DUehit dieser Kyifbig an 
betten die Situation charalcterisirend ist 

Nro. 60., die volcenter Kylix deg Hieron (Taf. X« Nro* 
4.) j firaher in Caninoscliem Besitz ^0 9 jetzt in Berlin ^^>^ 
abgeb. in Gerhard*s Trinkschaien und CteflUsen I. Tat 
XI— Xn.<^0 Paris {AlfEXSAlüJPOJ) als jngrendlieher Ki* 
tharöde und Hirt, sitzt in grieebischem Kostüm, von 4 Ziegen 
nnd einem Widder nmgelien , auf einem Felsen des Ida ; er 
unterbricbt sein Spiel, indem der bärtige Hermes, auf sek 
nen Stab gelehnt, in der vorgestreckten Rechten eine Blumo^ 
ihm die Botschaft zu verktindigen beginnt, und schaut deb 
Oott naTv verlegen an. Von den drei Göttinen ist Athene 
{ABENAIA) in voller BewafTnung voran, folgt Here 
(HEPA) besceptert und mit einer Tänie als Königin ge^ 
schmflckt, und die von vier Eroten umflatterte, verschleierte 
Aphrodite (AOPOTIJE sie). Die Göttinen halten alle drei 
Blumen , nattlrlich , sie wollen ja hier alle drei schön ^« 
scheinen, Paris für sich stimmen, sein Herz rühren, zu wel« 
chem Zweck auch Hermes die Blume darbietet Aphrodite 
halt ausserdem noch einen Vogel in der linken Hand , den 
Gerhard als Taube erklärt, der aber einem Raubvogel 
viel ähnlicher sieht Rv. Wichtigste Darstellung von Hele- 
na's Entführung durch Paris unten Taf. XIIL Nro. 3. Auf 
dem Henkel steht mit weisser Schrift der Name des Malers : 
HIEPON EnOIESEN. 

Diesen beiden Bildwerken eines vorzüglichen Charak- 
terismus fügen wir zunächst zwei weniger ausdrucksvolle 
derselben Darstellung hinzu : 

laffigt, igt olTenbir eine Abel •ngebrachte Spitzfindigkeit. Diese bei 
vielen Archäologen massenhaft angenommenen hochzeitlichen Bezfige 
sollte man mit gleicher Vorsicht zu behandeln sich zur Pflicht machen, 
wie man angefangen hat, die noch massenhafter statnirten Myste* 
rien- nnd Einweihnngsbezflge mit prflfendem nnd zweifelndem Blicke 
zn betrachten. ~ ei) Hns. «tmsque 2062, de Witte eatal. ^tras- 
qne Nro. 120, röserve 6tr. p. 22. Nro. 15. — Sli) Nro. 1766. «-* 
MJ VgLWeicker ■. a. 0. S. 3|.Nro.4k7. Rockette M. J. S. 265. 4. 



Nro. 51; Binhenkelig^es Gefäss Aer Caninö'schen 
Sammlang. ^) Paris , Lyra und Hirtengtafc haltend , sitot 
anf einem Felsen , vor ihm steht Hermes , auf die Göttinen 
narflckhlickend. Here ist voran , sie hält in der einen Hand 
dn Scepter, in der anderen einen undeutlich g^emalten Pfan ; 
folgt Athene , waffenlos , eine Eule auf der Linken , mit der 
Becbten einen Gegenstand an die Brust haltend , in dem 
Welcker ein Salbfläschchen erkannt hat, wie sie es bei 
Kallimaehos Lavacr. Pall. 25 braucht Aphrodite , wel- 
che Bros krftnxt, steht in dritter Stelle mit einem Zweige. 
Femer 

Nro. 52., die von Gerhard im Rapp. volc. Note 405. 
bas angeführte volcenter Amphora des Prinzen Ca- 
nino , hn Catal. ^tr. 730. <^») 

Die Krone dieser Abtheilung ist, was Composition und 
Ausführung betrifft, die mit der schönen Kadmosvase in 
Berlin (Nro. 1749) ^), zugleich bei Ponte dell' Abadia ge- 
fundene und durchaus ^') als ihr Seitenstttck zu betrach- 
tende Kalpis. 

Nro. 53. (Taf. X. Nro. 5.), abgeb. bei Gerhard, apuL 
Vasenbb. Tf. 6. ^^) — In der ausführlicher als gewöhnlich 
angedeuteten bergigen Landschaft finden wir die bekannte 
Gesellschaft aufs Anmuthigste gruppirt die Mitte des Bildes 
einnehmend. Paris selbst {AAESANJgoci) sitzt, hier zum 
ersten Male in phrygischer Tracht , zwei lange Lanzen in 
der Hand ^^), bequem auf einem Felsabhange, auf Hermes 

64) Welcker a. a. 0. S. 31. Nro. 48. Ich beschreibe nach 
der mir von Welcker freundlichst mitgetheilten Darchseichnung. — 
€5;) Bei Welcker S. 37. Nro. 63. — 66) Abgeb. in Gerhardts 
elrar. n. campan. Vasenbb. Taf. 6. Vgl. Bull. 1840. p. 49 ff., 127, 
1841 p. 178 ff., N. Rhein. Mas. IL S. 609 ff., Arch. Ztg. I. S. 26 ff. 
— 67) Auch in dem dorischen Dialekt der Beischriften. ^ 6B) Vgl. 
tnsser dem Bull. v. 1840. S. 51 : Arch. Ztg. (II) 1844 S. 261 , Ber. 
lins ant. Bildw. Nro. 1750, Welcker a. a. ü. S. 39. Nro. 58. 
•«*- 69) Welcker, welcher nach anderen Besehreibnngen dieses 



(SPMAS) htamiterblickeiMl , der , m eben mit den 
neu angekoBmien , seine Botschaft aiisriditet Aber nicht 
allein Hernes redet su Alexandres, nahe 2u ihm ist Eros 
(EPOS) auf eine Felszacke geflogen , ron der aus er seine 
verlockenden Reden an den jungen Hirten richtet , ein Mo- 
tiv j welches in den späteren Kunstwerken gewöhnlich wird. 
Aphrodites vorwiegender Binfluss auf Paris, ihr endlicher 
Sieg ist hier also schon angedeutet, und demgemftss sehen 
wir sie ebenfsdis hier anm ersten Male in unserer Reihe un-^ 
ter den drei Odttinen den ersten Plats einnehmen. Paris 
gegenüber sitzt sie {AOPOJITa) bequem auf einer An«* 
höhe, im Gesichte den Ausdruck schelmischen Sinnens, im 
vertraulich-heimlichen Gespräch mit dem Dämon der Liebes* 
Sehnsucht (i2O0OJ^, der sie darauf hinweist, wie seinBru^ 
der Eros Paris zu Lust und Thaten altklug räth. Als 
dritter dieser Kleinen von den Ihren lagert hinter Aphro- 
dite Himeros {IMEPOS)^ wie die beiden schon genannten 
geflügelt, während ein vierter, unbenannter und unbeflügel- 
ter Knabe unterhalb Paris auf einem Delphin durch leicht 
äugegebene Wellen reitet, der Göttin Macht auch in diesem 
Elemente anzudeuten. Die zweite Göttin der Reihenfolge naeb 
ist Athene {AB ANA), welche, ganz gewaflhet, in ruhiger 
und einigermasser stolzer Haltung, auf die mit dem ov^iux^^ 
versehenen Lanze aufgestützt, dasteht, während Here (HPA) 
zu hinterst ruhig erwartend auf einem Felsen sitzt , bescep* 
tert wie Aphrodite, durch Strahlenkrone als Königin aus« 
gezeichnet 

Das Reh vor Athene '^) und der Panther unteilialb 
Here's Sitz zeigen sicher nur den Bergwald an, während 
der halb dargestellte Widder Paris Hirtenleben bezeichnet. 
Dies das Hauptbild zwischen den Henkeln. Dieses wird bei- 
derseits von zwei bedeutsamen Personen umgeben, welche 

Honament« arbeiten muMte, sagt a. a. 0., er halte einen Lorbeer- 
kranz; dies ist ein Versehen, der Kranz gehört hier wie in der Ifnm- 
mer 67. aar Stickerei von Paris Chiton. — 70) Vgl. oben Uro. 12. 



eiattier i^eiiaa entopKcheik Reckto, hltter seiner KM^^ki 
SeiM in bekanntem Eeetum auf ein kumes Setter geelfltety 
binblickend auf die Haupipenonen. Ich bin ^ibersengt, daas 
ikv wie in der Carlaniher Vase (unten Nro. 67. Tat XL 
Nro. 1.) Zeus Anwesenheit sieh eben so motivirt, wie in den 
archaischen Vasenbildem in naltveren Ausdruck sein Mitgehn 
im Zuge zum Ida. Ihm gegenttb^ hinter Paris sehen wir 
Ctanymedes ^% beneichnet durch sein, auch sonst nachwms- 
bares Spielzeug, den Rdfen ^')« ChwyiKdes erinnert an 
das frühere Liebesabenteuer^ dessen Schanplats der Ida war, 
und deutet sinnvoll an, welche der drei Oöttinoi hier die herr- 
schende und siegende ist Die beiden äusseisten Stellen neb* 
meui einander entsprechend ApoUon und Artemis , er mit 
langem Lorbeerzweig, sie mit Fackel und Bogen , ein 'Of 
gewiss nicht mir Andeutung hochzeitliehen Bezuges , sonderui 
wie auch Welcher erklärte , als die würdigsten olympi- 
schen Begleiter des Herrschers Zeus. — 

Die jetzt folgende kleine Vasenreihe zeigt uns eine 
etwas spatere Scene. Hermes hat seine Botschaft vollzogen, 
Paris ist bereit zum Richten ; demgemftss sehen wir ihn allein 
dine Hermes mit den drei Göttinen, welche zu ihm, jede 
zu ihren Gunsten reden. — - Obenan in Bezug auf scharfen 
Charakterismus steht hier 

Nro. 54., die vortrefiUche nolanisdie Amphora der 
berzogl. Biacas'schen Sammlung (Tat X* Nro. 1.) , abgeb. in 
Gerhards antiken Bildwerken Taf. 32. '^) — Paris, jugend- 
lich, in griechischer Tracht sitzt auf einem Felsen, seine 
Kithara bat er bei Seite gestellt , drei Sdiafe neben ihm 
hezeichnen ihn als Hirten. Die drei Gttttinen, Here voran und 

Ti) Ihn erkennen hier übereinstimmend mit Brann, Ann. XUL 
S. 88, Welcker ■. a. 0. 5. 40 und Gerhard apnl. Va8enbb.S.32. 
-— 72) Tqoxos, xqUog vgl Mflller Uandb. S*351.6. — 78) Beide, 
#0 wie Zeus and Ganymedes oline Beischrift, aLi Ifebenperaonen, Zu» 
S€bMier. — 74:) Vgl. Bochelte BL J. p. 262-264, Weleker a. 
•» 0. S. 32. Uro. 49. . 



oteihar miint ikre Re4e llalteiid^ treten ikm mtgefea, 4er 
Jttngling aber^ erstaunt über den Bäben Anblick der Olyo^ 
pierioen, varbflllC sein Anttits mit vorgehaltenem Gewände, 
und drückt mit erhobener Rechten sein Staunen aus« Der 
Rerers aber (Nro. 1. b.) zeigt uns Hermes« der, fertig mit 
seinem Auftrag, mit luftigem Otttterschritt vom Ida hinweg« 
dlt Besser konnte die Scene gar nicht beneicbnet werden. 
Here ist durch Scepter und Granatapfel , Athene durch den 
abgenommenen Helm und die Aegis bendehnet Sie wendet 
sich eu Aphrodite zurück, welche, sittsam verschldert, einen 
Eros auf der Hand tragt, der ihr Haar ordnet. Dieser mit 
der Schmückung der Göttin beschäftigte Liebesgott drüdit, 
wie das unten ^^) offenbar werden wird , den Liebreis der 
geschmückten Person aus* — Here wie Aphrodite haben 
KAAE beigeschrieben, während neben Athene wie neben 
Hermes ein undeutlicher Name '^) mit KAAOS steht ** 

In Vergleich mit dieser Vase erscheint eine zweite des» 
selben Gegenstandes unbedeutend : 

'Nro» S5., voleenter Amphora früher des Prinzen 
Canino ^^, dann in der Sammlung Pizzafi in Florenz, abge- 
bildet in Oerhard's auserl. Vasenbb. HL Taf. 176. '^y 
Wesentlich dieselbe Composition wie in der vorigen Nummer. 
Paris ohne Kithara und Schafe sitzt, den Kopf mit dem Peu 
tasos bedeckt, vor den 8 GOttinen. Here voran mit Scepter 
und Stirnkrone, einen nicht deutlich gezeichneten Granat- 
apfel in der Hand ^^), Athene gewafihet und zu der, einen 

TS) In den Bildwerken , welche ParU Tor Helea« seifen. -* 
76) Bti Athene XUN . £2*, bei Herme« X1MAX£E . . Z; WeU 
eher liest XAPMJJES (?]. — 77) Cetalogo di acelte sniichiUi cel.. 
Nro. 713. — 78) Auch im Balletin de l'acad. deBruxellea VII. Uro. 7*. 
(▼00 Ronlei) und in der Londoner ^^chaeologi«*' (Lond« 1830) 
XXIII. Nro. 79. W e 1 c k e r, fl. a. 0. S. 33. Nro. 50. — 79) Der Gef en- : 
ftand ist eiförmig gemalt, aber ganz gewiss nichts Anderes, als der aitrib»»i 
tiye Granatapfel, derErisapfel ist auf Vasen Aberhanpt nicht nach weisbiff,, 
nnd ist in der Altern Darstellung des Parisnrteils als luerkannter Proi« 
der Schönheit sicher nicht Torgekommeo. YgL Welker JngeMenti daFb 



Knns oder Zwrig haltaidcn Aphroiite srarflekgewtndt Kr. 
eiae QuMixiga aml zwei Krieger, 

Etwas renaiGTi ist iieseibe Seene nodunab in 
Nro. 56., einer unedirten voleenter Amphora 
von schöner i Zeichnung bei Heren Basseggio (Tat X. Nro. 
6.) (Welcker S. 38. Nro. 57.) ausgedrOckt '^). Paris 
steht hier ohne jegliches Attribut in griechischer Tracht vor 
ien ebenfalls unbeseichneten Göttinen. Nur die voran ste- 
hende y welche auf die beiden folgenden surfickschaut , hat 
einen Apfel in der einen , eine Blume in der anderen Hand, 
wahrend sie ihr Haar in einem Kekryphalos ^) uusammen- 
gefasst hat Ich kann nicht umhin, in ihr Here und in 
dem Apfel deren attributiven Granatapfel zu erkennen ^*). 
Die zweite Göttin hftlt einen Kranz, sie wie die dritte tra- 
gen Stephanen im Haar. 

Von Vasenbildem des alteren Stils sind uns nun noch 
zwei sehr bedeutende Geftsse übrig, ein noianisches und ein 
clusinisches, welche beide, wenn auch in verschiedener Wdse 
den alten Zug unseres Mythus darstellen , nach welchem die 
Göttinen Paris Versprechungen madien, über die er richtet. 
Am klarsten ist dies in 

S.16. DtM aber nnti vollends Uere den Apfel » Paris reichen soll, dtmlt 
er ihn nach Belieben Tergebe, Ist eine ganx irrige Voratellnng, in besten 
Falle wAre diese Ueberreichung Hermes Sache. — 79^) Die Zeichanng 
Terdanke ich Herrn Prof. Welcker. — 80) Vgl. Gerhardts 
ant. Bildw. Taf. 304. Nro. 21 a. 28 a. b. — 8i} Welcker ent. 
sobejdet sieb S. 38 n. 39 nicht YöUig bestimmt xwischen Here nnd 
Aphrodite, sowie er dem Apfel nicht anbedingt seine Bedeutung an- 
weist« Aber es giebt ausser dem oben besprochenen, von Welcker 
selbst S. 39 fflr neuer angesprochenen Vasenbild Nro. 53. kein voleen- 
ter Vaseubild, wo Aphrodite den ersten Platz einnfthme, schon darin 
wftre also das vorliegende einzig , dann aber ist (abzusehn von dem 
eben Note 79 Ausgesprochenen) der Erisapfel virieder nirgend in Va- 
senbildorn nachzuweisen, also auch darin wftre dies Bild einzig; dies 
erwogen und die Composition der vorigen Nummer mit ihrem undeut- 
lichen Granatapfel sowie die Form des hier in Rede stehenden be- 
trachtet, bin ich nicht zweifelhaft, dass man sich entscheiden wird, 
ailcb hier in der fraglichen Person Here zu ei^kehnen. 



Nro. 57., ier nolanischen Kylix (Taf . X. Nro. S.) 
frttber der Koller'schen Sammlung^ jeixt im berliner Miueim 
(Nro.102909 abgeb. in Gerhardts antiken Bildwerken Taf. 
38—36. ^^) ~ Die Gdttinen kommen hier »^) m Paris Be- 
hansung, welche durch xwei Sftnlen und einen Giebel ab 
sehr prachtvoll beaeichnel wird. Er selbst sitst fast unbe- 
kleidet auf einem Klappstuhl; die Kithara gesenkt in der 
Unken, die Rechte auf das Scepter hoch anfgesttttflst, sieht 
er einigermassen verlegen die Oöttinen mit Hermes nahen, 
der umgewandten Hauptes dieselben naher treten heisst 
Aphrodite, hier voran ^) richtet dieselbe Aufforderung an 
die Gefilhrüuen, und diese folgen derselben, aunachst Athene, 
dann Here. Es ist hier nicht der Raum, Vieles aber die Feinheit 
und Anmuth der Zeichnung su reden, die in der Verkleine- 
rung auf meiner Tafel nicht verloren gegangen ist, wir wen- 
i&k den Blick nur auf die Gegenstände, welche die Göttinen 
auf der Hand tragen. Auf Aphrodite's vorgestreckter Hand 
hockt Eros , einen Kranz fttr Paris in den Händen , Athene 
zeigt den Helm, und Here trägt einen kleinen Löwen. Dass 
hier Eros, Helm und Löwe Paris hingehalten, gezeigt wer- 
den, ist eben so wenig zweifelhaft, als dass sie der sym- 
bolische Ausdruck der Versprechungen sind, welche die Göt- 
tinen Paris machen ; der Löwe bedeutet Herrschaft, der Helm 
Kriegsruhm, der Eros mit seinem bezeichnenden Gest : „dich 
soll die Liebe krönen!^ — 

89) Ich habe mich der RtnmenpaniDg wegen aaf meiner Tafel 
darauf beschränken mflaaen, nur das Stfick der Schale leichnen zu 
laisen , welches die Hauptvorsiellung enthftlt, und etwa «/s des gansen 
Umfangs einnimmt. Grosse Pal meitverzierangen schliessen sich beider- 
seits unter den Handhaben an, und trennen unser Bild von der schö- 
nen Kehrseite (Gerh. Taf. 34), welche das sinnigste Bild von Paris er- 
stem Zusammentreffen mit Helena enthilt und welches Ich auf Taf.XiL 
Uro. 9. beibringe. Innenbild cGerh. Taf. 35.) Heroenabschied, Achilleus ? 
Neoptolemos ? — Vgl. Welcher S. 35. Nro. 52. — 88) Wie U.XXIY. 
29. Vgl. Enrip. Andrem. Vs. 276 (B.) — 84) Es verdient bemerkl zu 
werden, dass wfthrend sonst durehgftngig die GOttinen you rechts nach 
links gewendet sind , hier die Richtung umgekehrt Ist. 
Ot erbeck, kcroisdie OaUerle. 15 



Die Venprechimgtn der GiNtinen siftd noch eimal, 
jedoch in aoderer Weise ausgedrückt in 

Nro. 56., der im angeblichen Grab des Porsenna bei 
Cinsiiun gefiudenen Kalpis, abgeb. in Braun's Laberinto 
di Porsenna tr. 5. und in Gerhardts ayul. Vasenbb. Taf. 
D.l.^^) — Die Comyosition des Hanptbildes ist hier suerst 
dadurch rerftudert, dass Athene von den beiden anderen 
Gdttinen getrennt ist Sie steht links am Ende des Bildes 
in vollem Waffenschmuck ; ihr gegenüber finden wir Aphro- 
dite sitzend y und vor ihr stdit surflckblickend Here. Die 
Mitte aber ndimen, im Gespräch begriffen, Hermes und 
Paris ein, jener nur mit der Glilamys bekleidet, bequem ste- 
hend, dieser in phrygischer Tracht, zwei mit kleinen Schau- 
feln versdiene Hirtenstabe in der Hand, sitst, und eiiiebt mit 
dem Ausdruck der Bedenklichkeit oiet Verlegenheit die rechte 
Hand. Unter ihm liegt sein grosser Hund, rechts, unter 
Aphrodite's Site ein Süer , halb dargestellt wie der Wid- 
der in Nro. 53. Mehr ist, ohne in Details einzugeben von 
dem fein gezeichneten Mittelbilde nicht zu sagen , wichtig 
aber sind die jederseits folgenden zwei Nebenpersonen. Hinter 
Athene zunäclist in würdevoller Gestalt und Haltung ein Mann 
in asiatischer Künigstracht, den Ann hoch auf zwei Speere 
aufgestützt, und hinter jenem eine der zierlichsten Niken, 
welche auf Vasen vorkommen, mit einem in beiden Händen 
gehaltenen Kranz heranschwebend. Andererseits, hinter 
Aphrodite zunächst ein fliegender, grosser Eros und hinter 
diesem eine Stab haltende Frau ^^). Diese vier Personen 
sind verschieden erklärt worden ^^) , jedoch kann ich mit 
Welcker in ihnen nur einen Ausdruck der Versprechun- 

aS) Vgl. Jahn in der Jenaischea Lit. Ztg.- Ztg. 1843 I. &160. 
Zrann Ann. XIII. S. 86, Welcker a. a. 0. S. 48. Nro. 00. ^ 
BS) Dass sie wie schwanger aassieht, was Jahn a. a. 0. fAr di« 
Braan'sche ErkMniDg (Oinonc) anmerkte, wird man nicht llagneü 
kftnaen; ich kann das aber nur fflr infSllig halten, inde» ich Aber- 
sevgt bin, dasa hier Oinone nicht dargestellt sein kann. ^ 87J Vrgl. 
die Zusanunenstellong nebet den firUArongen bei Welokor S. 40 f. 



g^n CKöitfgtlMlii, Sieg, Liebe) seheo, der klarer sein wfli^, 
weaa die Compodtion erstens die Beschränkung auf drei 
Personen anstatt vier und zweitens eine genauere Zuord* 
nung der symbolischen Figven «u den einzelnen Odttem 
erlaubt hatte. Diese aber bedingte in ihrer Entsprechung 
die Hin^nfttgung einer vierten Person redits, jes^r Fraui 
weMie wir mit lirog nusammen als au Aphrodite gehörig 
betrachten mOssen ^)j wenn sie nicht, was bei ihrer im 
Vergleicb mit allen übrigen Personen auffallend gleichgilti* 
gen Stellung und Haltung anaunehmen nicht allau fern liegt, 
nur aur Raumausfftllung vorhanden ist — £s bkibeii uns 
von Vasengemalden noch 

b. Die splUeroi , unteritalischen Fundortes , 
bei deren Betrachtung wir von den einfachsten Compositio» 
nen an den nmonigfaltigsten fortschreiten wdlen. Jedoch 
muss als 

Nro. M. den übrigen voran genannt werden der sehMe 
apnlisch e Krater von Pisticci (Tat X« Nro. 8.), abgeb. 
in den Monumenten des Instituts J846. IV. Taf. XVIU. »9)^ 
welcher die sonst nirgend in Vasenbildem vertretene 8cene 
der Vorbereifung und Schmiickung der Gdttinen aum Urteil 
daCBtellt. Wahrend in der Mitte des Bildes Herme« , an ei-* 
nen Baum gesttttat, mit dem bequem vor ihm sitzeudeny 
griechisch bekleideten aber mit pkrygischer llltttse ^) und 
Schnürstiefeln , sowie mit dem Jagdspeer versehenen Paris 
noch unterhandelt, oder das Gesprach fortsetat, sind die 6öt- 
tinen mit ihrer Toilette besdiaftfgt 9<) und «war jede auf 



88)Uif»e fthnliche VermehriiDg der in gleichem Süme xaAphlodile 
fffkerigen PeniMien erksant We 1 e k e r Alle Deakm&im lU. 8. 331. in depi 
«pnl. VsKP^iW (vntfin Nro. 60.) M Gsfifcard Ap. VmsiiM». TI. XIII. ^ 
B9) FrAhfr in Ralletapo Napol. I. ty. V. VI- nU Mi nervi nfa BrklA. 
rmpg S>UtOfL uoi (184^) in ai^M fm»s genaaer VeiM^incmag in der 
Act b. ZaitSDg U* Taf* ^Vi|L -^ Ip 4eB Anaskn (XVU) befpreshen von 
Wpleker lVro.68^ ia derarch. Z^. a. a. 0. S. ]19 IT. v^ Garkard. — 
9Q) Dis0eib(9 itl m^ tiinen» noduutMoh g aaeickpataa Greif veraierif 
dfirw «er«rck. Jtg. v9Iide^ai«ilt IM. «r- 9i) J>m War aweificeaea oder 



ihre Art ^). Here , links oben in Bilde zieht ridi vor ei- 
nem Handspiegel das Kredemnon zierlich zurecht, und betrach- 
tet sich dabei einigermassen wohlgefällig; Aphrodite auf 
deren Schoss eines ihrer attributiven Tbiere, ein schattenhaft 
gemalter Hai^e liegt ^^)y beschäftigt sich freilich ebenfidls 
mit ihrem Schleier y aber zugleich schmückt ihr ein gar er- 
lauchter Kammerdiener, Eros, der hier die Stelle der im Prag- 
ment der Kyprien mit gleichem Dienste beschäftigt«! Hören 
und Chariten vertritt, die zarte Hand mit goldenem Ge- 
schmeide. Ganz anders Pallas. Sie steht vor einem von 
vier jonischen Säulen gebildeten Brunnenhäuschen, das Paris 
Behausung in der Nähe annehmen lässt, und fiUigt das aus 
zwei Löwenrachen ^) ausströmende Wasser mit den Händen 
auf, um sich das Gesicht ganz in noch heut gebräudilicher 
Weise zu waschen« Pallas Gestalt ist natflilich und naiv 
gezeichnet und die beste Figur des Bildes ; ihre Waffen sind 
abgelegt, auch sie will schön sein, nicht furchtbar. Den 
grossen Hund des Paris kennen wir schon aus mehren Mo- 
numenten , so wie das hier , als ob es der Göttin Eiofluss 
spürte, zu. Aphrodite emporschauende Reh (Nro. 12, &3.). 
Far das mit Votivbildchen geschmückte Brunnenhaus muss 
idi auf Welcker's einfache, und deshalb grade der künst- 
licheren Gerhard 'sehen Deutung vorzuziehende Erklä- 
rung verweisen , da es hier am wenigsten der Ort ist, in 
antiquarische Details einzugehen , die nicht unbedingt zur 

Momente yemiMcbt seien, kann ich Welcker nicht zugeben; so gut 
wie Hermes gleich nach VoUendang seines Auftrags an Parii fortge- 
hen konnte (oben Nro. 54), so gut konnte er bis sum Schlüsse der 
ganzen Angelegenheit gegenwärtig gedacht werden, um den Ausgang 
an Zeus sn berichten. Was blieb ihm während der SchmAcknng der 
Gettinen flbrig, als eine Plauderei mit Paris? — P^jDass alle dreiGAt» 
tinen gebadet haben (wie in Enrip. Andrem. 284—86, Hei. 676), was 
Welcker annimmt, ist wenigstens durch Nichts im Bilde angedeutet. 
— 98) Der in der Zeichnung der arch. Ztg., obwohl im Text erwähnt, 
gauB fehlt. — 94) Die Annahme von Gorgonenköpfen , die in Bezug 
zu Pallas stehen sollen, ist ein Irrthum Gerhard's a. a. 0. S. 292. * 



BrkUning gdhttren. — Br. Odysseus mit Teii^as Schatten. 
Der Zosammenhaiig^ beider Kider ist in der Einleitung be* 
sprochen. — 

Mit sehr wenigen Worten lassen sich ein paar Vasen- 
bilder ansdiliessen, welche die Oöttinen entweder allein oder 
mit Hermes vor Paris oder um Paris versammelt zeigen. 
Allein finden wir sie in 

Nro« 60.y einem calabresischen Aryballos imLou- 
vre, von zerflossener Zeichnung, abgeb. in Gerhard's an- 
tiken Bildw. Taf. 25. und B. R o che tt e's HL J. 49. 2. ^0« Vor 
dem gans phrygisch bekleideten , bequem dasitzenden Paris, 
der seinen Arm auf seinen grossen Hund stützt, steht zu- 
nächst Aphrodite, auf jeder Hand eine weiss gemalte Tau- 
be ^) , auf sie folgt Pallas in übertriebener , theatrali- 
scher Attitüde , und Hera macht sitzend , eine Patera in der 

Hand, den Schluss^O- 

Mit Hermes finden wir die Gtfttinen um Paris versam- 
melt in folgenden zwei Vasenbildern , welche unseren Ge- 
genstand in oberflächlicher, nur halb charakteristischer Weise 
darstellen. 

Nro.61,, lukanisches Oxybaphon derberLSamm- 
lung (Nro. 904), abgeb. in Gerhard's apul. Vasenbb.Taf. 
E« 6. Drei von Hermes und Eros begleitete, um einen in der 
Mitte «tzenden Jüngling versammelte Frauen, von welchen 
die bewaflhete als Athene nicht zweifelhaft sein kann, lassen 
füglich keine andere Erklärung, als die aus unserem Gegen- 
stande zu, wenngleich weder die stehende Göttin als Here 
scharf bezeichnet, noch die rechts sitzende, ein WassergeOss 
battende als Aphrodite anders als durch den über ihr ange- 
brachten Eros charakterisirt ist. — Sodann 

9S) Vgl. Weicker a. a. 0. S. 34. Mro. 57. - 96) WeU 

ckar sagt Taube und Jynz, ich sehe keinen Unterschied in den YO- 

geln. Seltsam ist der Teller , anf welchem die Taube in der Linken 

sUst. — 97) Ich vermag auf keine Weise in diesem Bilde eine An- 

* deutung der Versprechungen sn finden. 



Nro.084) AeöhMAnfftbe der Perm und dcrHeikuftM 
D«bois-Mai8onne«ve,lMtroduetiMipL08nachlftmgpedirle, 
jedenfalls unteritalische Vase von ähnlicher Composition, nur 
dass hier Here von Athene und Aphrodite getrennt ist^ wäh- 
rend sonst Aphrodite allein ani sein pflegt. In den BdschriS- 
ten kann man die Namen der PeiBonen errathen ^). 

Deutlicher ist dieselbe Scene in 

Nro. 68. , einer apvlischen Amphora in Berlin (Nro. 
1020), abgeb. in Gerhard's apuL Vasenbb. Taf. XII. Die 
drei Göttinen sitzen, Aphrodite links, eine Fmchtsdiale in der 
Hand, von dem Aber ihr schwebenden Eros gekraust, Pallas 
in der Mitte neben einem Baum, mit der Lanze, Schild 
und Wehrgehenk abgelegt, nu Hermes redend, der swischen 
ihr und Aphrodite steht, endlich Here rechts am Bnde, mit einem 
in eine dreiblätterige grosse Blume (Granatblathe) ausgehen- 
den Scepter und einem Kranz, zu Paris gewandt , der in 
phrygischer Kleidung , mit zwei Jagdspeeren bewaShet vor 
ihr, auf sie zurflekblickend steht ^). 

^ In den folgenden Vasenbildern feden wir Zasatzper- 
sonen. Die erste Stelle verdient als 

Nro. 61., ein fein gezeichneter Aryballos aus der 
Basilicata, abgek in Gerhardts antiken Bildwerken Taf. 
48. <^) Auch in diesem Gemälde sind die drei GMtinen an 
gesonderten Orten dargestellt, in der Mitte aber diesmal, 

98) Diese Beischrirten , das wage ich troU aller der vieleii 
Nachläsaigkeiten in den Vaseninscbrlfken zu behaupten , haben hier 
durch Schuld des Herausgebers folgende , gewiss auf dem Ori- 
ginal nicht nachweisbare Gestalt : HPMA (Hem9§) ßnPSUlSn (Aphro. 
dite) nrsMU (soll wohi Pallas heissen, Ath«M kann mm niehl her- 
auslesen) a/ti5^i02. (Alezandros ?) HfO (Here). ^ 99) Mehr De* 
tails bei Gerhard. ~ fOO) Ferner in Garginlo's Raccolla ty. 116. 
Das GeMss ist in der Mitte Vcrietit und von den Herausgebern er- 
ginzt. Gerhatd's Keichnuttg giebt der in der Mitte thronenden Here 
(Gerhard hilt sie fflr Libera) eine Patera, die Garginlo's gewiss 
richtiger, und vieltelcht nach antiken Spuren einen Granatapfel. Vgl. 
Welcher a. a. 0. S. 51. Note 1. 



thronend avf reich rerzierten Sitee, dinrdi hohen Poles und 
das Kukukftscepter bezeichnet, Here ^^^). Links über dem in 
phrygische Tracht gekleideten , Jagdspeere haltenden , von 
seinem Honde begleiteten Paris steht Athene im Waffenschmucky 
ihr gegenober links über dem auf sein Kerykeion gelehnten 
Hermes Aphrodite mit dem Spiegel, nicht wenig hetarenhaft 
beideidet und sidi geberdend, Hinaugefttgt ist diesen Per- 
sonen Nike '°^) ; mit einer langen Palme steht sie neben Paris 
oiFenbar in Erwartung des Spruches, mit dem der Sieg einer 
der drei Ottttinen rou Paris entsdiieden ist, also von ihm 
aasgebt — 

Zwei , aber schwerer erklärbare Nebenfiguren sind au- 
gesetat in 

Nro. 65., dner apuüschen Amphora in Berlin (Nro. 
1018.), abgeb. in Gerhard's apul. Vasenbb. Taf. XI. Die 
Gruppe der Haup^rsonen bietet nichts wesentlich Neues. 
Die Mitte, links und rechts von dnem Baum, ndimen Hermes 
und Paris im Gespräch begriflen ein, letaterer phrygisch beklei^ 
det, mit swei kurzen Speeren ; hinter Hermes sitzt Athene be- 
waffiiet und steht Here durch Stephane und Scepter mit Gra- 
natblathe ausgezeichnet. Hinter Paris Aphrodite, üppig von 
dnem Sonnenschirm beschattet, zu der ein geflügelter, kranz«- 
haltender Eros redet. Eingefasst wird das Hauptbild rechts 
von einer geflügelten Prau, welche, bequem sitzend, em 
Alabastron halt, und für welche Gerhard die Namen Te- 
lete oder Iris vorschlagt. Welcker erkennt ^^^ in ihr 
mit grttaserer WaJkrscbeinlichkeit nach Anidogie der Hedoae 
in dimi von ihm erklärten Vasenbild mit Herakles am Schei- 
dewege >^), diese allegorische Figur mit Bezug auf Aphro- 
dite und ihren Sieg. Allein ich kann mich sieht flberzen- 

iOi) Here in Parisurteilen thronend tuflser auf der Vaae Nro. 60. 
mehrfach auf Reliefs and geschnittenen Steinen. — i02) Nike noch 
einmal onten in Nro. 67. — iOS) Alte Deakmftler III. S. 330. ^ 
im;) Allg. Schulstg. 1831. S. 66517., Annali IV. S.379ff., AlteDenkm. 
lU. 310, Tf. XX. 



gen, dass nicht diese Figur wie die am anderen Ende be- 
findliche, männliche, von der es auch Welcker aner- 
kennt ^^^) y ein rein decorativer Zusats des Vasenmaiers sei, 
fftr den er auch Palmetten hatte malen können. Ein in der 
Composition gegebener Znsammenhang dieser Rguren mit 
dem Hauptbild findet sicher nicht statt. — 

Mit ahnlichen Nebenpersonen aber reichlicher ausge« 
stattet ist 

Nro. 06., das Bild einer apulischen Hydria in 
Berlin (Nro. lOll.)» abgeb. in Gerhard's apuL Vasenbb. 
Tat XIII. Das Bild serfUlt in drei Streifen ; vom Hauptbild 
in der Mitte ist hier auch nicht viel su sagen, in der Mitte 
sitzt Paris in phry gischer Tracht mit Speeren, die eine Hand mit 
dem Gest der Veiiegenheit cum Munde erhoben. Vor ihm steht, 
nu ihm redend, Hermes, hinter diesem Here, andererseits 
sehen wir hinter Paris Aphrodite an einen Pfeiler gelehnt, 
von einem schwebenden Eros bekranjBt und Athene, weldie 
mit einem taniennmwuudenen Palnumeig , ihrem Attribut als 
Siegerin in den Kämpfen, ruhig dasteht. Alles bis auf 
Paris Anzug ziemlich oberflächlich gemalt In der untersten 
Reihe sehen wir ausser Paris gewaltigem Hunde und einem gros- 
sen Schmuckkasten eine geflügelte Frau mit Trinkschale und 
eine ungefltigelte mit Fächer und Jynx diesseits und jenseits 
des Schmuckkastens einander gegenüber sitzend ; in der ober- 
sten Reihe drei Frauen ; zunächst links bequem auf ein Pol- 
ster gestützt lagernd eine Spiegel haltende, sodann in der 
Mitte eine mit Schild, Lanze und abgenommenem Helm ver- 
sehene, endlich rechts eine geflügelte, die eine Fruchtschale 
oder Aehnliches halt Die beiden äusseren blicken auf die 
mittlere. In ihnen und den beiden der untersten Reihe er- 
kennt Welcker (alte Denkm. a. a. 0.) vier persouificirte 



iOSy A. a. 0. „Dass aber der MaUr fär gut f efunden hat, eine 
JfingliogsBgor zu setzen u. s. w. das mag er auf eigene Verantwor- 
tung gethan haben.« Gerhardts Annahme eines Eingeweihten (wori 
eingeweiht?) scheint mir gar nicht zu passen , so wenig wie Telele. 



t 



Bigenschaften der Aphrodite ab der Hauptperson des Haupt« 
bildes '°^)y welche in ihrer Uebersahl gegen die mittlre 
der obersten Reihe, welche als Arete beseichnet wird, Aphro« 
dites Udiergewicht andeuten« Welcker hat gewiss Recht, 
wenn er meint , an Namen fflr diese Personen wfirde es nicht 
gefehlt haben, und ich würde seine Erklärung ohne Rttckhalt 
annehmen, wenn ich einsähe, dass und wie die vier Aphro« 
ditepersonificationen im Bilde unter einander und mit der 
Gesammtoomposition zusammenhangen. In den drei Figoren 
der oberen Reihe liegt allerdings Zusammenhang unter ein« 
ander und, nach Analogie so mancher, von dieser Stelle be* 
deutenden Begebenheiten im Hauptbilde zuschaurader Götter, 
auch mit dem Hauptbild; aber die beiden Figuren unten ma« 
eben mir einen unüberwindlich ausserlichen Eindruck; und 
dann fehlt Here's Vertretung. Jedoch ich bescheide mich. -* 

Es bleibt uns jetzt nur noch ein Vasenbild zu betrach«- 
ten übrig, 

Nro. 67., die ruveser Kalpis in Karlsruhe (Taf. 
XL Nro. 1.), gezeichnet nach Gerhard's apul. Vasenbb. 
Taf. D. 2. '^0 — Hie Hauptpersonen bieten der ErkU&rung 
und dem Verständniss keinerlei Schwierigkeit, die Compo«- 
sition ist mehren schon besprochenen ganz ähnlich. Paris 
CA^EXANJPOS) in der Mitte, im Gespräch mit Hermes 
iEPMHS), links von ihm Here QHPA) und Athene (^SH- 
NAiOA) stehend, rechts Aphrodite CAipQOJITH) sitzend. 
Neu ist nur die Art , wie ein kleiner , geflügelter Eros ver- 
traulich heimlich zu Paris redet, ein Motiv, welches sich in 
Reliefs und geschnittenen Steinen wieder findet *^^). Von den 
umgebenden 6 Personen sind fünf durch Beiscbriften be- 

±06) In der 5. Mole werden sie nach ihren Attributen nälier 
auf Lust, Genuss, fieranscbung und Betliörung bezogen. — 107) Aus-« 
sefdem (nngenflgend) abgebildet bei Braun, Giudizio di Faride tav. 1« 
und fn Crenzer'a Gallerie alter Dramatiker Taf. 1., so wie in dessen 
deutschen Schriften, Zur Archäologie Bd. 3. nach S. 223. — Zuerst 

t beschrieben im Bull. v. 1836. S. 165 CT. Vgl. Welcker a. a. O.S. 5t. 
Uro. 59. — 108) Vgl. z, B. unten Nro. 69 a 91. (Taf. XI. Rro.l2u.6.} 



— M4 — 

«eichnet, und leicht erklärt sich Zeus iZETS) AnweseuhMt 
BUS den schon bei seinem trüheren Vorkommen ausgespro- 
dienen Motiv ^^% ohne Schwierigkeit ist auch Eris iEPIS) 
Anwesenheit, welche als die Anstifterin der ganzen Begeben- 
heit halb heimlich über den Felsen her dem Ausgange zu- 
schaut Helios femer iHAlOS)^ der mit seinem Vierge« 
spann eben die steile Himmelsbahn zu erklimmen beginnt, 
dürfte im nftchsten Zusammenhang mit der Crdttin der €Htck- 
lichkeit {EVTVXIA), welche einen Kranz für Paris bereit 
htft, seine von Welcker gegebene, ungezwungene ErkliU 
nmg darin finden, dass Glück und Glanz , Freude und Hel- 
ligkeit natürlich verbundene, fast correlate Begriffe sind. 
Somit bleiben uns noch zwei Personen zu erklären übrig, 
die unbenannte, welche mit Vertraulichkeit und Anmuthsich 
auf Eutychia's Schulter lehnt, und wie diese einen Kranz be- 
reit hält, und jene, am anderen Ende des Bildes unter Zeus 
sitzende Klymene (KjiVMENH). Aber auch der ersteren 
dieser beiden Personen dürfte ihr Recht geschehen sein, wenn 
wir sie als eine der Eutychia schwesterlich verwandte Per- 
sonification auffassen ^'°), für welche gewiss ein dem Namen 
der Schwester synonymer Name nicht gefehlt haben wird, 
wenngleich es für uns Spielerei wäre, einen solchen, z. B. 
EVJAIMOmA (nach der Vase in Stackelberg's Gräbern 
Taf. 39) in die Erklärung setzen zu wollen. Hienach zieht, 
sich alle Schwierigkeit auf die einzige Klymene zusammen. 

t09^ Da» er hier einen Palmsweig hilt, stellt ihn nach 
W elcker'8 sinniger ErkUrung a. a. 0. S. 45 gleichsam als Agono- 
theten des grossen Kampfes hin. — liOJ Welcker benennt sie 
nike, and belegt das Vorkommen der Nike apteros aaf Vasen S. 43. 
Mote 1. Wenn ich diesen Namen nicht annehme, so geschieht das, 
weil die Gdttin mir in mftdchenbaft jagendlich für Nike scheint, und 
"i^etl sich das Ansiassen des Namens bei dieser einzigen Figar des fan- 
len Bildes weit eher begreifen lisst, wenn sie der Eutychia gans nahe 
▼erwandt, als wenn sie eine eigene Idee cn vertreten bestimmt Ist. 
Dass übrigens diese Person den Kranz fallen lasse und zwar g*v^o^f\ 
auf Aphrodites Kopf (Welcker a. a. 0. S. 42) halte ich fAr irrig. 



Uä< ttese iSdiwierigkeil kann ich selbst nach Welcker^s 
ferkl&mn; , einer der geistvollsten , welche die Wissenschaft 
aufzuweisen hat, nicht als unbedingt gelöst betrachten« 
Die Deutung Creuzer's, wonach Klymmie die Gattin und 
hier der Gegensat« des Helios , die G<^tttn des nächtlichen 
Stemenltcbts sein soll, halte idi, obwohl ihr noch Gerhard 
fblgt, ftr gans^ verfehlt, und durch Welcker (S. 46 u. df) 
widerlegt ^^*), ebensowenig haben die anderen bei Welcker 
S. 47 angeführten Erklärungen irgend etwas Wahischeinli- 
ches. Weicker's Erklärung selbst aber nahm den Gestus 
der rediten Band, welchen er, nach der nachlässigen Zeich- 
nung beiCreuner arbeitend, für durchaus eigenthflndich und 
entscheMend hielt ^*^), mm Ausgangspunkt Seitdem ist die Vase 
genauer durch Gerhard publicirt, und es ceigt sich nun, dass die 
C r e « n e rasche Zeichnung alle die Linien weggelassen hatte» 
welche in ungewöhnlicher Ausßihrlichkeit (fast wie in Nro« 
98.) die Felsen als Sitse oder Standpunkte der sämmtK- 
dien Personen angeben '^^), und, auch unter Klymenes Hand 

iii) Da ich Welcker's Widerlegung der Anaicht nur wie- 
derholen köonte, Terweise ich aaf dieselbe. — 112) S. 45. Clymöne 
ftSt de 1a main droite an geste expressif en dtendaot la main derri^re 
•He, gelte rar leqoel il n'eet pas permis de paeeer l^göremeat; ob 
chercherail lofigtempa, avaol de le recontrer one eeconde fois, et tente 
ezplication , qni ne ae rapporterait k ce geste, ne aanrait dtre la v6ri- 
table. Ood S. 47 wird dieser Gestus le point principal , le geste r e* 
ponssaiil de Clymöne genannt. — llBn) Das Torhandensein der 
dentiftb angegebenen Felsenlittien ist fttr die gance Brklimng fo Oberans 
Wiehtig, dass ich es för nOthig hielt, mich fiber dasselbe Tollkom» 
■le« in Tergewissem. Ich wandte mich deshalb brieflich an Herrn 
ProlMeor Hochstetter in Karlsruhe mit einer genau prftcisirlen An«- 
ftnage flb«r die swefrelhaften und in den versehiedenen Sniehttongea 
abweMenden Funkte. Herr frof. Höchst et t er hatte die grosse 
Oflie, ilas Original alsbald fflr mich einer neuen und genauen PrA* 
fang in untMwerfen nnd mich sn ermächtigen, dim einschlagenden 
Stellen »eines frenndliehen Antwortsclireibens d. d. 24. Mai hier an 
verftffentlichen. DiescStellen lanten: „Die Felsen sind mit grosser 
^|lestimmthei t unter allen stehenden und sitxendrn Figuren wie 
unter Eris Hand angegeben. Die Klymeno stfltst sich ohne allen 



erscheiiiend , es klar machen , dass diese sich mit einer him- 
dert Mal nachzuweisenden Stellung rückwärts leicht und 
graxiös auf den Felsen stützt ^^'). 

So lange durch die Schuld der nachlässigen Zeidmung 
dies Auüstützen der Hand nicht erkannt war, musste Wel- 
cker der von ihm angenommene Gestus als eine der Haupt- 
stützen seiner Erklärung erscheinen. Zum guten Glück ist 
er dies nicht absolut , ja sind die anderen Grundlagen der 
Erklärung auch <riine ihn so fest, dass dieselbe nicht allm 
über alle anderen Deutungen siegt , sondern von höchster 
Wahradieinlichkeit ist. Welcker sieht in Klymene , wel«- 
che hier in oiFenbarstem Gegensatz zu Eutychia und ihrer 
Schwester hinter den besiegten Gdttinen, wie jene hinter der 
Siegerin, angebracht ist, eine euphemistisch benannte Todes- 
güttin ^^'^)j welche, die fiirchtbaren Folgen des ParisurteilSy 
den troischen Krieg und den Tod so vieler Helden anzudeu- 
ten anwesend ist Deswegen ist sie zu Zeus gesellt, der 
nach dem ersten Fragment der Kyprien beschlossen hatte, 
durch den Krieg um Ilion und Helena der Erde allzuscbwere 
Last zu erleichtern. So sind die Grundideen des Epos und 
die Composition des Bildes selbst festere Pfeiler dieser Aus- 
legung, als es jener verkannte Gestus sein konnte ; denn dass 
Klymene so wenig wie Zeus und wie Eris handelnd, son- 
dern zuschauend zugegen ist, ist gewiss kein Gegengrund. 

Zweifel mit der rechten Hand anf denFelseo, denn sie berfihrtden» 
selben mit dem Danmen auf das Bestimmteste. Abgesehen davon ist 
in dieser Fignr vollstAndige Rahe dargestellt, und sie ist mit ihrer 
Aofnerksamkeit entschieden nnr nach der Seite des Paris, nicht 
aber anf irgend eine andere Person gewendet. Auch finde ich die 
Handlung der Figur so ganz klar, dass ein Gestns des Abweisens eine 
gans andere Darstellung unbedingt gefordert bitte. Die Beischriftea 
aller Figuren sind fast unerkennbar, nnr die der Erts ist vOllig deutlich*. 
— ii3) So, um nnr ein paar ganz nahe liegeode Beispiele aus un« 
serer Bilderreihe anzuführen bei Here in Nro. 53., bei Aphrodite in 
Nro. 61., bei der Flflgelfignr in Nro. 65., bei der Flttgelfigur in der 
oberen Reihe in Nro. 66, — il4) Wie Hades lilymenos hiess, Paus* 
U. 35. 5, 7 nnd sonst. 



;e VasenbiUer, in welehea nicht alle drei Oottt- 
nen , sondern nur eine derselben vor Paris erkannt wird, 
sollen später in Verbindung^ mit anderen Kunstwerken der- 
selben Darstellung betrachtet werden. — Wir wenden uns 
zunächst 

2. zur Sculptur. 

Hier müssen zuerst die beiden ältesten Monumente unseres 
Ctegenstandesy von welchen wir Kunde haben, erwähnt wer- 
den, die Reliefs des Thrones von AmyUai und desKypseloska- 
stens. Von dem ersteren giebt uns Pausanias UI. 18. 7. 
nur die Notiz: ^Hermes führt die zu richtenden Gottinen 
zum Alexandros^, von letzterem V. 19. 1. die nur an Wor- 
ten reichere : ^Hermes führt zu Alexandros , Priamos Sohn 
die in Bezug auf ihre Schönheit zu richtenden Göttinen, und 
dabei steht der Vers: 
Hermes zeigt Alexandros zur richterlichen Entscheidung 
lieber die Schönheit: Here, Athene und Aphrodite^^ ^**); 
aber in beiden Bemerkungen wird der Inhalt dieser alten 
Reliefs übereinstimmend mit dem vorherrschenden Inhalt 
der archaischen Vasenbilder als der Zug zum Paris, nicht 
die Vorstellung der Göttinen selbst angegeben. — An diese 
altgriechischen Sculpturen reihen wir zunädist ein Denkmal 
aus der Blüthezeit, 

Nro. 68., das von Ross, Reisen auf den griech. In- 
seln II. S. 20 beschriebene Relief von Andros , welches der- 
selbe aus makedonischer Zeit datirt« Das ziemlich schlecht 
erhaltene Kunstwerk zeigt die Göttinen in ungewohnter 
Gruppirung , indem Athene auf einem Felsen zwischen den 

iiS) Dass die jetzt in der BeBchreibaog folgende, Pardel and 
Löwen haltende, geflflgeite Artemis zu unserer Scene gehöre, ist kaum 
anders als unter der Annahme wahrscheinlich, dass sie, die Göttin des 
Wildes, hier als für die Wildniss des Bergwalds localbezeichnend an- 
wesend sei , wie in mehren Vasen in demselben Sinne das Reh und 
einmal (Nro. 53.) der Fanther. 



i 



— iW — 

beiden auderen sUst, die die eiae Hand auf ihre Schulter 
legen. Rechts, den Gdttinen gegenüber Paris, nackt bis auf 
den über die Brust und den linken Arm geworfenen Mantel« 
Der obere Theil des Reliefs wird durch eine hangende Wolke 
gebildet, in deren Mitte man ein Gesicht des gehörnten Dio- 
nysos sieht; über Paris sitzt ein kleiner Pan als Vertreter 
der ländlichen Gegend, dem links nach R's. Vermuthung 
ein mit der Ecke abgebrochener Eros entsprach. Die Ar- 
beit ist sehr gut — 

Sonst haben wir nur griechisch-römische Reliefe ^ firei- 
lich zum Theil sehr schöne zu betrachten. Unter diesen 
gebflrt der erste Platz als 

Nro. 69. , dem Relief in Villa Ludovisi ''^) (Taf. 
XL Nro. 12.), abgebildet in den Monumenten des Instituts 

III. 29. ^^^) Auf einer Anhöhe stehen, von Hermes auf den 
Richter hingewiesen , Here und Athene in würdevoller Hal- 
tung , getrennt von ihnen , vor Hermes Aphrodite , auch sie, 
wenngleich leichter und in der charakteristischen Weise vie- 
ler Statuen '*^) bekleidet. Nach den erhaltenen Hörnern 
und dem Rücken eines Rindes ist dieses und ein zweites lie- 
gend unterhalb Aphrodite ergänzt In der Mitte der Com- 
position sehen wir Paris in sehr anmuthiger und bezeichnen- 
der Situation. Wie in dem schönen Vasenbilde Nro. 67. 
ist Eros heimlich zu ihm getreten, und raunt ihm , vertrau- 
lich auf seine Schulter gelehnt, allerlei Lockendes zu Aphro- 
dites Gunst ins Ohr ; er aber, und darin hat der Bildhauer 

ii<7j Dm Relief iat sam gtouen Theil in Sloeeo erginit, wie 
ich dies auf meiner Tafei durch hellere Haltiuig der moderneB Theile 
habe andeuten lassen. — 117) Früher in firaun's Giudisio di 
Paride. Ferner in den Berichten der sftchs. Ges. d. Wiss. 1849. Tf. 

IV. 3. Vgl. Jahn das. S. 59. und Annali XIII. S. 84 ff., Wel- 
cker a. a. 0. S. 65. Nro. 77; schon erwähnt finden wir das Monu- 
ment bei Winckelmann G. d. K. B. VI. Cap. 2. $.3» und kuri be- 
schrieben von Zoega bei Welcker a. a. 0. — il8) Das Gewund 
Ton der einen Schulter und Brust gleitend, vgl. Millier's Denkmilef 
II. 2i. 263y 265 n. sonst, Handbuch $• 376. 



-fin- 
den VUkac jenes Bildes ttbertroffen , wendet dts Haupt sra 
dem Verführer herum , keineswegs wie überrascht oder mit 
dem Ausdruck der Spannung, sondern, und grade darin liegt 
die Vortrefflicbkeit der Erfindung, wie lassig plaudernd und 
überlegend. Eros, im höchsten Sinne allegorisch, hier wie* 
der, wie von Ursprung die Versinnlichung eines Innerlichen, 
ist für Paris keine unerhörte Erscheinung , er ist ihm ein 
alter Bekannter ; nicht eine augenblickliche Erregung ergreift 
den Jüngling und reisst ihn fort, sein für Aphrodites Ga- 
ben pradestinirtes Empfinden und Denken erhält eben eine 
bestimmte Richtung^, wie Eros ihm von Hellas und der schö« 
nen Helena vorplaudert. Es ist nicht die erste Scene von 
Paris verhängnissvollem Entscheiden für Aphrodite, es ist 
der sich erst entwickelnde Keim der Begebenheit mit ihrer 
ganzen Folgereihe. Und deswegen ist auch Oinone, Paris 
frühere Geliebte und Gattin, welche schon Winckelmann, 
und die nach ihm alle anderen Erklarer in der eine Syrinx 
haltenden Frau erkannt haben, nicht etwa leidenschaftlich 
bewegt oder traurig, sondern ganz naiv heiter und ruhig; 
sie kennt Eros Besuche auf dem Ida und weiss nicht , was 
grade jetzt der Flügelknabe Paris zuflüstert *^^). In ihr 
stellt sich die Vergangenheit wie in der Heerde Paris Ge- 
genwart dar, so wie wir in der Göttinen und Eros Anwe- 
senheit die Zukunft ahnen. — Von den Nebenpersonen 
rechts sind nur der Berggott und die Nymphe neben ihm antik, 
die anderen sind ergänzt, also für uns ohne directes Interesse ^^). 
—Wennschon die hohe Vortrefflichkeit in der Conception der 
Gruppe von Paris und Eros uns in diesem Relief das Nach* 

119') Eine nogeffthr fthnliche Auffassung dieses Kaoslwerki s. bei 
Braun: Zwölf Reliefe cet. zu Taf. 8. — 11^0) Dass diese Erginznn- 
gen alle 9der wenigstens zum Tbeil nach einem uns verlorenen anti« 
ken Muster gearbeitet sind, wie auch Braun und Welclier a.a.O. 
sahen, nnlerliegt um so weniger einem Zweifel, als ein« der ergAn«» 
ten Figuren, der liegende FlusegoU von Rafael benutzt ist (vgl.uniei 
8.243. Note 129). Aber wir kOnnen die Genauigkeit der Nachbi^dong 
nicht controUiren, und somit bleiben uns die Ergänzungen ohne GewAlv« 



— «40 — 

biU irgend eines Musters der besten nnd genialsten Zeit an- 
nehmen lässt, so wird diese Annahme bestärict und bestätigt 
durch das Vorhandensein zweier Relieiiragmente unzweifeU 
haft derselben Seene. Von diesen ist Nro. 69a. von sehr schö- 
ner Arbeit abgebildet, in Br a u n's Zwölf Reliefen cet. Tf. SJ^')^ 
Wir sehen Paris und Eros fast ganz so, wie in dem eben 
besprochnen Denkmal. — Von noch höherem ^Kunstwerth ist 

Nro. 09.b. y ein noch kleineres, aber als selbständige 
Composition zu fassendes, unedirtes Fragment derselben Dar- 
Stellung, früher in Venedig, jetzt in Berlin (Taf. XII. Nro. 1.). 
Eine Erklärung bedarf diese wundervolle Sculptur , deren 
Zeichnung mir Welcker zum Geschenk machte, nicht, es 
zeigt uns die ausgehobene Mittelgruppe von Nro. 09. mit 
geistreichen Variationen, zu denen z. B. das zu rechnen ist, 
dass Eros so ganz klein erscheint, und den träumerisch ihm 
lauschenden Paris am Ohr oder am Haar zupft. — Eine andere 
unbedeutendere, weniger sinnige und mehr sinnliche Compo* 
sition zeigt uns 

Nro. 70., das Relief in Villa Panfili (Taf. XI. 
Nro. 5.), abgeb. Annali XI, tab. d'agg. H. ^^^). Paris sitzt 
bequem nachlässig in der Mitte, fast durchaas nackt , wie 
nberhaupt eine Vorliebe für das Nackte im ganzen Bildwerke 
stark hervortritt. Neben Paris Hermes, vor ihm zunächst 
Aphrodite ganz entkleidet ^^^) , ein Gewandsttick flattert ihr 
in Bogenform um Haupt und Schultern , ein Motiv, welches 
sich ähnlich bei der jetzt folgenden Here wiederholt , der 
gegen sonstige Kunstsitte das Gewand von der einen Schul- 
ter und Brust gleitet. Neben ihr die fast unkenntlichen Re- 
ste ihres Pfauen , während neben Aphrodite ein ganz kleiner 
Eros steht. Die dritte Stelle nimmt die allein ganz beklei« 

i»t) Und in Gnattanr« Mon. ined. VII. 28. — i2») Zuerst, 
aber nicht ganz genau in Roehette'a M. J. pl. 50, vgl. S. 266, dann 
ebenfalls noch nicht ganz genau (verachönert und verdeutlicht) in 
den Monumenten des Instituts III. tv. 3, vgl. Ann, XI. p. 314 ff. — 
12B) Sehr gut sagt Welcker a. a. 0. S. 66: avec la dignitö d'une 
Phryn*. 



— Ml — 

dete Aihette eitt. Den SekluM nach dieser Seite VAitm ab 
Nefeenigtireii oben auf euBea Felsen sitsend Zeus, aaeh schon 
nelirfaeb lies|rxacbeaem Metiv anwesmd, und ein bisher un« 
eikUrter Greis, der ver ihm steht >^). Unten liegt der 
Rnssgott des Skaman^os mit einem Fillbom. Andererseits 
sehen wir hinter Paris drei naekte Franen , alle drei mit 
Hydriea. Diese sind bisher fttr Nymphen , ^dlnymphen des 
Ida (naeh Evrip, Andrem. 180, 19B1) eriilart; ohne dieser 
Deutung grade wideilsprechen au wellen , mögte ich üöch 
wenigstens die Frage anfwtrfen, ob man hier nicht die drd 
Qattinen snun «wdten Male eikennen kl^nste , die sich im 
Bad auf dasUvteU Torbisreiten? (Vergl. oben MNro.S0.) Im 
obenen Tbeile dieser Seite des Bildes sind die Thiere der 
■eerde des Pafcis kleift dugestellt 

Von maoaifaltigmn Interesse ist daa» 

Nro.71.y ein Belief in Villa MedilDis, weldies auerst 
von Beger (l^fcUeg. antiqu. p.fSl, 185, Bellum Troianom 
L7.) nach einer Zeichnung ron Pighi, später von Spence 
(Polymetis pl. 84. p. M6 1.) in einer manirierten Abbildung 
bekannt gemadit, neuerdings, nadidem Welcker a. a. O. 
Nro.70u. 80. S.OTlF. wieder auf dasselbe aufmerksam gemacht 
hatte, von Jahn nach der Zeichnung desPighi auf der ber- 
liner Bibliothek in den Berichten der sttchs. Oes. d. Wiss. v. 
18d9. Taf. IV. 1 genauer publichrt und das. S. 65 ff. aus^ 
f&hrlidi besprochen ist ^^^). Das Belief serfiült in awei 
Scenen , von welchen die links das Parisurteil , die rechts, 
wie Jahn riditig erklart hat, cBe Scene nach dem Sieg 
der Aphrodite, das ZurQckkehren der OOttinen nach dem 
Olympus enthalt ^^^). Die Darstellung des Parisurteils bie« 



iMy Braun'» Erklänipg, diefer »ei Nereaf Ut fchon von 
Welcker widergprochen. ^ iMÖ) Welcker hielt irrtbümlich das 
Beger' sehe nad S p e n c e ' f che Relief f Ar yerf chieden , g . J a h n a. 
a. 0. S. 55. Bin» an Jahn tob Weleker mitgetbeilte volktindlge, 
bandtchririlieh ktateriaaume Beichreibnng ZoAga's 8. «laielbsl. — 
iM) Zo«ga bei Welck0r B.,eS>;L nnd Jahn S. 65 f. wie aneb 
OT«rh«ek« hiroMit OaBcilik 16 



Ui ktkut bcMidere Neubeit»' io€h fichwierigk^ftai itk 
ErUftniBg. Vot den auf einen PelsUock flitsendeii Paris 
stehen in lialbkreisf&niiger, woUfeovdneter Ckmp^ die ArtA 
Odttinen mit Hermes, alle drei gans beideidet. Eros leiml 
an Paris Knie. Apiirodites Sieg ist eqsdiieden y hinter ihr 
schwebt die deutlich charalLterisirle Mke, sie zu kräiuren 
herab, ffinter Pftris nwd ^^0 f^^ g^uiz entkleidete Rraoen, 
iber deren Bedeutung ich zu der Nununer 70. gesprochen 
habe. Paris Heerde, ans Schafen und Rindern bestehend, iilt 
hinter ihm auf den Felsen bis nur H«he des Reliefii gebil« 
dst. •«- Bigenthinriicher ist die nwdte Gruppe. Hechts na 
obefst thront Zens in bekannter Bekkldong, den Blits in der 
9and y den Adlet asben sieh auf der FdsenhOhe des 4Hyni- 
pos. Zu seinen Pflssen sehen wir einen bttrügcn Mam, der 
mit halber Figur ans den Felsen eiipoffrägl lund.mit ausge- 
breiteten Arpen eine Terstflpaipielte W9ltaiQg trügt Jahn 
|iat in ihpn , der in offenbarem Zusanuaenhaiig mit den «n^ 
terbalb lagernden Gottheiten des Meefe$, des/Lafe^des and 
eine« Flussiis ^^®) steht y eben ßo «lekarfaiimig u^ riobtfg 
die Peisonification des HhnmelsgewMbes erkannt und nach« 
gewiesen. Neben Zeus ersdieint oaaächst redite Artemis 
als Selene mit der IHondsiehel ioi Haar und eine VerstOm*« 
pnelte weibliche Figur, links oben eilt Helios^ dem die Dies^ 
kuren voranq^rengen, auf seinen Zwiege^pann daher/Jahn 
haty S. 6S| die HaiDÜgkeit 4er Darstellungen des Zeus als 
Berm des Himmels , umgeben von Helios und Sdene nacb« 
gewiesen. Unmittelbar links neben Zeus steht Hermes i 
der anscheinend nur Dioskurengmppe gehdrt , gewite aber 
nur als Anmelder der sfurtt^kkehrenden Gvttinen auftritt 
Diese sehen wir links unten heraneilen ; Nike, geflügelt, den 
Polmnwdg in der Linken , und wahrscheinlich dndt Kranz 
in der weggebrochenen rechten Band , schwebt voran. Die 

Beger und noob Weiok er erksiOilea den BMit bsi der Hechfteil dfli 
Peleu» und derThcUs. ^ i»7} Ob nicht nnpringlicii did, wie in «de» 
Voiigea Nuainierr ^ iBSy g. Jtkn S. 63. ... 



\t ^ k. 



II t 



— «4» - 



Gruppe Ist lebhaft bewegt util die tiefe ml folgehseiiwere 
Beleiilifiig von PBxh Spmdie iBt auf s Beste fai dieser ErregtheÜ 
und der Feieriidikeft des thronenden Zens ausgesprodien, -^ 
Bae einrige donUe Figur, welche die beiden Hauptgruppen 
des Reliefs trennt, bleibt flbrig, ein rallig nackter, aber mil 
den Schild am erhobenen linken Arm und dem Wdirgehenk 
aber die Brust Tersdhener Mann , dessen gewiss behelmter 
Kopf abgebrodien ist. Zoega erkannte in ihm Ares, «ad 
diese Deutung wird, nachdem Jahn auf dieBifclaröng rtsip*^ 
sichtet hat, ron Gerhard in der ardi. Ztg. r. 1849. S. 
M, festgehalten. Ares soll als nbfer Aphrodites Sieg erfreut 
uwesend sein« Dae^ die Vigor einem Ares n^hr gleiche, 
ak irgend einer anderen Person 9 kann Niemand verkennen, 
aber die Absicht, die Gerh«Tfl t» seine Anwesenheit an- 
nfaamt ^ scheint mir man mindesten sehr migeschickt ansge-^ 
drÄckt, weshalb idi die Deutung nicht zu unterschreiben 
^eimag "*). 

¥iel weniger bedeutend und eigenthilmlidi ist 
Ifro^n., einRelief aua Villa Borg heseuil40uvre 
(Taf.ja. Nro.lS.)» abgeb. in Clara c's Hus^ie de sculpturee 
pL 814. Nro. 885. Paris, an dessen Knie anch hier Sros 
lehnt , sitat mit eiaeii Zwe^j^e in der Halid ror den drei 
Gdttineo, von denen Aphrodite halb entkleidet voransteht, 

i29} Sehr iBterefsaot iit es, diei Relief and daa der Villa La. 
doTifi mit einer durch einen Marc - Anton'scben Stich bekannten Ra- 
faerBchen Composition des Parisnrteils an vergleichen. Dieselbe ist 
bei Jahn a. a. 0. anf Taf. VI. beigebracht, und es ergiebt sich, dass 
alle wesentlichen Motive derselben ans den beiden genannten ReilefeU 
eataommea sind. Aus dem anserigen die Gmppen des Peris vnd der 
GOttiaeB mit Nike, die Nymphen, Helios nod die Dioskuren« Zens und 
seine Umgebung mit dem als Windgott versehenen Uimmelstrilger, end- 
Heb die asten lagefnde GMippe, der Fhiss- und tteergöttef, aitsgenom- 
mea des ein Ruder haltenden Flussgott, weleher offeHbiir die rosian- 
ffirte Figdr des Lndovisi'sehea Reliefs wiedergiebt. Die schon von 
Bfaan (Ann. XIII. p. 89 f.) und Welcher «asgesprochene Vemai 
mkv^f desB die Resteimitiettett am Lnd^vlsi'ichen Reltef nhch dMkeä 
ÜmnefA seiea, wird Mednreh bestätigt. Imf UeMgbn vgl.' Jahn i:«. 
0. S. 67 ff. ' i 



Here ia der Mitte thrent, Alheiie im Waffensdiiaiick den dril- 
teii Plats einnimmt. Ausserdem sehen wir Hermes, der Un- 
ter Eros stehend einen bekannten md sehr spreebenden Cte* 
stus macht ^^^). Am interessantesten ist an diesem Relirf, dass 
in ihm num ersten Haie in unserer Reihe die Uebergabe des 
Apfels an Aphrodite ausg^drOckt ist, und dass dies so fe* 
sdiieht, als habe Eros den SchOnheitspreis Paris halb wider 
seinen Willen abgelockt und abgeschwatst. Die Ausführung 
ist unbedeutend. 

Verwandt, nur gann wenig anders componirt ist 

Nro. 78., ein «weites Bdief ebendaselbst, Ton einem in der 

Nihe von Bordeaux gefimdenen Sarkophag , abgeb. ebendas. 

pl. 14». Nro. sas. '^) In diesem BeUef empfingt Aphnodite 

den Apfel direct aus Paris Hand , wahrend Eros «wischen 

beiden mit brennender Fackel auf Paris ^schreitet AphrOf- 

dite wendet sich , ihren Sieg ankündigend n den OefUir- 

tinen «irfick, von denen Here thronend eine lange Fackel hilt. 

Von Paris sdlst eriialli Aphrodite den Apfel feiner in 

Nro. Td., einem bei Dgon eingemauerten, von Miliin 

in seinem Voyage dans le midi de la France I. p. M8 er^ 

wtthnten Relirf. <— 

In Hermes Hand sehen wir den Apfel in 
Nro. 75. , dem Relief vom oft abgebildeten ^'0 Altar 
des Faventius (Ära Casali) , welches sich ausserdem nur 
durch die unbeschreiblich freche Hältung der halbnackten 
Aphrodite auszeichnet, welche den beiden anderen Gtfttinen 
voransteht 

Bin nadi Winckelmann M« J. p. 6 (vgl. Weleker 
a. a. 0. S. '71. Nro. 84), vom Herzog von Anhalt Dessau 

i29^) Vgl. Jorio, Miiiiic« degii aaticW W. IL p. 354. a.t¥.2l. 
Nro. 7. — laO) AüBBwd^m in Rociiette's JI.J.pl.76. 1 nnd ioMil- 
lin'i Voyage dang le midi de la Fraoce pl. 76. 1. — iSi) Hont- 
faoeon AnU eipl. ton. I, pl. 47, Fabretti Colonp. Traiani p. 9% 
Belle ri Adoiiraiida lb4 I. und aepal, anlegt vea Wie« e 1er: die. Ära 
CasaU, iGöttiogen 18M. Unser Relief. ap<A neck io InghiKami'i 
Gel. Om. I. tv. 9. . t. 



geiMfta» BelikdR bt 'Mir mnraos iiesejf fMHi beltut ; Um» 
hat a«f delDselben dne Faiidcel wie in Nro. 72 und 78. 

Dicsai SteiardiefiB sind dann kurz nach zwei Terra« 
eo ttarel ief s beisntfBfen, von deren eincoiy in Corfn befind«- 
Hdien, Welcker S. 71. Nro. 88., ans einem Briefe eimes 
Htn. Paflsaiendi an den Bisehof Mflnter in Copenhagen NMm 
iMkBy wikrend der§elbe ein zweites (Nro. 89. S. 7i) bei 
■erm Veseovafi in Rom adi. 

Anf thOnemen Lampen findet sich das Parignrteil mehr- 
fadi, TergL a. B. Passeri Lucerbae 11.17. und Bar- 
ba^lt, Recenil de dirMi monnnenta p. 97. '^^) 

Was endlieh das Belief auf einem Sehwerdtgriff an« 
langt, von dem Welcker S.«>72. Nro. M. als von einer 
riwht hisslieben ParoiHe redet, so lieg^ dasselbe in einer zu 
abscheulich schlechten Zeichnung in den sehr geringen Ab-* 
hUdmgtn au Creuaer's Symbolik und Mythologie Taf. SO. 
v«r, Als dasa ich nach derselben beschreiben und urteilen 
mftgte. 

Dnrch dttee Debersidit der Scnlptnren sind wir von 
dem ecbtgriechischen Boden der Vasen auf rtaisches Kunst- 
gebiet gdLommeii^ weldiem denn auch * 

3. die Wandgemälde^ 

angf^ren; wenn diese aydiiwpr. cfine kleine ReOie bilden, 
und in ihrem besten BepcaseutanteA was die Idee anlugt 
•Wieit untet den VaeenbiUmm stdien» versfaitteii sie doch diien 
Gang von ziemlich würdiger Darstellung bis zu. itiedrigov 
Carricatur zu nehmea 

Der Ausfllhrunghach dürfte obenan stehen, 

Nro. 76.JI das pompeianische Gemälde Tafel XI« 

Nror 1 1 . abgebildet im Museo Borbonico Vol. XI. ta v. 26. * '^) Anf 

einer AnhOhe steht Athene behelmt und thront Here den Schleier 

vom Gesichte ziehend vor dem phrygischen Hirten voll Ruhe 

iS9) Vcrgl. Welekcr S. 72. Nro. 90— 92. Beide Werke habe 
ich nicht einfehen können. — 188) Welekei* fegt S. 62: en com- 



md Aii8teB& Aphrodite, fast gaM taMIMtt steht Iteivi 
aber aiidi sie fern von der Prediheit maaeher Bdiefe uil 
Oenmea. Auf sie raiachst weist Heraes, der hiater Paris 
steht» desseu Blicke, Tiefer Siaii liegt nicht in dieser Gom«* 
Position 9 aier sie ist in ihrer Rohe fem von der Sinalieh- 
kck und selbst Oemeinheit maadier aaderen , dahei in dar 
Zdchnong alles Lobes werth. Hoher hiaaaf aai Berge siM 
unter Bäumen ein phrygischer JAngUng mit Lagohaten aad 
Eiiharay der am eiafadistea als Pari% Paris ia der fiinsam- 
k^ijt, vor dem Besudi derQSttliien zu erklsrea ist ^ Acha- 
lichy aber minder gut aasgefiOhrt» soll nach dem Tcott im Mas« 
Borb. a. a. 0. ein aweites, bisher oaedirtes pampejaaisches 
Wandgemälde seia. 

Heralich uabedeatead in der Ei^ndnng, dber eben&Hs 
firei von sinnlicher Gemeinheit, ist 

Nro. 77., das^ Gemälde aas dem Grab der Masoaea 
(TlafelXL Nro.8.), ahgek in Bartoli, Sepolcro dei Nasoat 
pl. 84. '^) In landschaftlicher Umgebung sitaen die dni 
CMMtine» neben fjnaadarin der Batfernuag, Bvos^ steht seit- 
samer Weise; aaAthene^^^); mn Paris, dem im Vordetgroade 
Hermes den Apfel reicht, trennt dte Gttttinen ei» Unss, an 
dessen Ufern diesseits Paris Rinder weidep, jenseite ein Wild 
dem Walde zueilt. 

An diese w^n attdi uabeientenden, so doch emstbaften 
aad sittigen VaisteHangea reihen wir die in Appigerem iMaa 
erfundenen, die bis mir Carricatur reidito. Hier wird 
voran als: 

parant le caract^re de cea personnag ef , lels qu'iU te noDtrent ici, 
ayec la contepance et la digDitö^ qo'iU conservent, dans lei m^iUenn 
dessins des vases on comprend toute la difförence des 6po- 
qaes; il Caot louer cependant dans cetle eomposKion d'ane inven- 
U^n si pell nable rexöottlion et le desfin. Ein Urteil» alt dem 
ich nicht ganz fibereinstimmen kann. -> 194) Auch in Montfau» 
con^B Ant. ezpl. I. 1. pl. 113. 3. und in der Gal. oiylh. 167, 687. — 
iaS) aasf Athene ihn amFlAgel inrickhait« (Welokd'r a.6t), ver- 
maa ich nicht su unteracheideD. 



. Unk ra, 4n0 w fra Barlo^lt'» Manudcrlpl iiii Vaü^ 
cftn >^^> foL 9S. bewibrte Gc»iälde n B^noeB ma, welch» 
FlMPia> il«r iei Afid hält , geceBüber 4ie drei CKHÜBeB bid 
auf ein um ihre Hflften flatteraica PeplUiim aackl zeigt, i» 
fimtf b^kMQtoi Chaiätegnqipen Ferwaadten Coaipoihion ^^0 

Dageigan flodea mr- ia 

Ndo» Ta^ rawlB GeBiälde aus den Bädern de6 
Ti1us<Msariptioftdes biuBs d^ lltus Par. tt»} foL f die 
Oüttiaea ^tatnanMlfig aaf BaaeB stehekd, fast Backt» Athen» 
Mittoty Herft vom Ffa« begleitel '^). ^ 

Endlieh ist alt Cbrricatur 

NfD.SAi, BBütnMn, ein pompejaBiadhesader her- 
cBlaai a dbaa Qenlä 1 de im g<^heimen Cab« desNeapler Mii^ 
aoHais, abgeb. iadeBPeuubirts^ bronzetelslatu^t^tati^aeada 
cabiflci sectet dn Mvs^ roy. de N. von F(amin) pL 54 Dia 
Caritcaftav bemebl sich hiev, wie Weleker a. a. 0. & 68 
ikhtig hemetfct, nicht auf die Damtellangea deg Oegeastaades 
(wie die Vase obett Nro. 4iiX wndani auf den Gegenstand 
selbst in seiner obseMen «id fläcbtigen Aafliassiing. Anstatt 
der drei filtttinen s^dienhier Bttmliob dcei Vtf gel, eine Truthenne, 
dae Oaas und eine Ente, nicht dem Paris , senden eiaeai 
ityphallisehin Haha gegeailber. - 

Zu den Air spiteve ZusamneBstiilUBg veservirlen Va- 
senbüdera (f ben S. fSOf) ist ebaifalk ein Wandgeiaidde an 
figea, von dem Hatea« 

Aaf röfflisdiea» uad rttmisch -• griechischen Euiistgebiqt 
hleibea uns ma aoete 

4. die geschnittenen Steine 

zu betrachten, denen die Münzen anzuschliessen sind. In 
verti^ft^ feschnifteueii Steinen ist, der Gegenstand seltener als 
auf. Kameen , ivofflr eia tuaeci^ Grund darip liegt, dass für 

iMy BiblieUii Ceppfsas Nrn. 1»^ ^ ±a7jy%h Weichet 
S. 62. — tS8) Vgl. unten den gcfcMiU^ncn Sx^ I>(ro. 94« 



SUegelbilder (^ler tieSsfte Siim ia eafsten Rasa« wie Goethe 
sagt) das Parisnrteil weniger paMt, ak für directen Sdnock 
der HeDschen^ von deren Zeit wir reden. Von Intaglio's 
fliad mir nur folgende bekannt : ^ 

Nro. 81— 6S. Drei nahe verwandte Stooeh'acbe Paat^, 
wovon 8 in Berlin (T o e 1 k e n I V. CL Nro. ttf n. 886) '^^). Eine 
derselben (Nro. 885.) ist Taf.XL Nro.a abgehUdet Paris sitst 
nnter einem Bamn mit weitschattenden Aesten auf caben FoIä 
sen, nebra ihm dn Schaf. Hermes hat im drei gana be^ 
kleideten Göttinen, Here voran, Apkrodite in dritter Stelle^ 
herangeführt, und scheint mit Paris au mteiAandeln. 

Femer , Paris und die drei GOttinen itf t Hermes , 
Nro. 84—86. 84. Carneol der Sanunlung Jenkins, ah- 
geb. inO 1 c e's Baccolta 16. *'^) Pallas voran, Aphrodite, Here 
auletat, sitaend, Bros neben Paris, Hermes führt die Göttinen. 
«-*- as. Carneol des Hm. Macgowan, Tassie- Haspe Mdd. 
— 66. Gameol in der Sammlung des Baron Bohr, 1846 
bdg. Gesandter in Constantinopel. VgL de Witte bei 
Welcher S. 7ft. Note 1. -^ Olme Hermes: 

Nro. 8r--8e. 87. Carneol in Lippert's Daetylio^ 
thekU.180, Tassie-Raspe 91^ — 88. Stosch'scheSchwe- 
felpaste T.-R. 9143. — 89. Antfte Paste der Townley** 
sehen Sammlung T.-R. 9158. -^ M. Desgl. daselbst, Eros 
anwesend. T.*K. 9154. ^"^0 ~ ^^^^ ^^ Grappe deir 8 
Gottinen ohne Paris ist suweilen dargestdlt, vgl. Tassie* 
Raspe Nro.9]S8, 9160, 9161, (Lipp ort 1.898) 9168,9169, 
9170, 9171 u. 9178 ^"^O- Ebenso ist Paris allein, stehebl 
oder sitzend mit dem Apfel häufig. — Auch Hermes allein 
mit dem Apfel kommt vor, s. ' Inpronte gemm. deir inst IV. 
16, Bull. 1834. p. 184. 

139) WiD ekel mann F. d. St. III. 195^197. — i40) Vgl. 
ViBCOBti opere Tarie II. p. 269. Uro. 3(!»5, Weleker S. 74. Ifro. 100. 
Tasfie-Raspe 9146. — 141) Unecht T.-R. 9147-9152. — 149) Un- 
echt 9157 (Lipperi III. A. 426) nsd 9158, Mst^roNanmer der bei- 
getchriebenen Namen wegen verdtehlig. 



btereflsaater sind die Cameen^ ron deac» Uer «ne füdne 
Auswahl; unter ihnen ist obenan zu stellen 

Nre. 91.. der Onyxcameo der Florentiner Oallerie 
(faf. XI. Nro. 6.), abgab, in Zanoni's Oal« di Firense, 
Canun. tav. 22. 1. Hermes unterhandelt mit Paris, von den 
Oöttinen ist Athene voran , Here sitzt in dritter Stelle , alle 
drei bekleidet Eros steht hinter Paris, ihm zuflflstemd. wie 
in der Vase oben Nro. 67. und den Reliefen Nro. 09. a. b. 

Auf Nro. 92., einem Carneolcameo des Hrn. Mac* 
gowan (Tassie-Raspe 9145) fehlt Hermes; auf 

Nro.93., einem Oranatcameo des Herz. vonMarlbo- 
rongh (Tasde-Raspe 9156), welcher die drei Oöttinen zeigt, 
wird Aphrodite in der Mitte von Eros bekränzt ^^^). — In die- 
sen Steinen ist die Darstellung sittig und ernst, dagegen sehen 
wir die bei den Relie& schon vorgefundene Ueppigkeit in , 

Nro, 91., einem Onyxcameo des Florentiner Cabinets 
(Taf. XI. Nro. 7.), bei Zauoni a. a. 0. Nro. 2. Die drei 
Qdttinen stehen anf einer B#sis ahnlich wie in dem Gemälde 
Nro. 79. Paris, hier mit Speeren bewaffnet^ gebietet ihnen, 
sich zu entkleiden, was sie mit Frechheit thun. — Ganz aacM 
sehen wir die Göttinen in 

Nro. 9S., dem Maffei'schen Cameo (Taf. XI. Nrf^^ 
9.), al^eb. bei Montfaucon a. a. 0. Nro. 2. Pallas, in 
der Iffitfte , hat den Hdm anf dem Kopfe. Wie viel vofk dei\ 
Hllssliehkeit dieses Bildes auf Rechnupg des Steinsplineidfir^ 
wie viel auf die des Zeichners kommt, ist sehr die Frage 
(vgl. Note 143). 

i4S) Der von Beger Thef. Brandenb. I. 43, Bell. Troian. 7, 
JlontfaacoD Ant. ezpl. I. 108. 1. abgebildete Stein ist, wie Wel- 
eker S. 74. Ifro. 101. bereit« aofübrt, anecht. Ich kann dies nach 
dem mir vorliegenden Gypsabgnss bestAtigen, der Übrigens eine fast 
miglanbiiche Uogenanigkeft der genannten Abbildungen darthnt. Die 
Bchtheit dietea Steines wird anfs Nene behanptet yon Toelken in 
dessen Seadschreibea an d. kais. Akad. in Petersburg , ilber die An« 
griffe des eel. Köhler 1852. S. 7. and 37. 



T«f.l8& finden wir die Gruppe 1er drei (Mttineii allein alt 
den Bciflcliriften Turan , Me(nerf)a , Aedie ^'^). 

In folgenden sechs Spiegeln sind nachlässiger Weise 
imstatt der drei Oöttinen pur sswei gezeichnet: 

Nro. 107— 112., Gerhard: Taf. 192^195, In ghi- 
rami BL E.II.iv.«0 und CataL Durand. 1988. Zweifelhaft 
ist die Deutung fär den Spiegel bei De la Chausse Mus. 

Bon. IL 91, Gerhard Taf. 207. 2. ~ Erwähnung Ferdienl 
hier, schon seines Fundortes wegen , als 

Nro. IIS., ein im Museum zu Lausanne bewahrter, 
auf helvetischem Bodeu gefundener Spiegel, der nach dem ar- 

chäol. Am. 1852. Nro. 38. 89. & 154 eine der gefälligsten 
Darstellungen des Parisurteils enthält. 

Als Gipfel der Gemeinheit und Schmutaigkeit und als 
ein merkwürdiges Beispiel, bis zu welcher Art von Auffas- 
sung ein ursprünglich tiefsinniger Mythus gelangen kann, 
schliesse diese Beihe als 

Nro. 114., der von Gori Mus.etr. DL 129 abgebildete, 
bei Gerhard Taf. 207. 4 wieder zu findende SpiegcL Aus 
der Mitte der beiden anderen, ganz bekleideten Gtfttinen tritt 
Aphrodite entbUsst Paris entgegen, der sitzend seinerseits 

das Gewand aufhebt. Man begreift, was vorgehen soll, und 
warum Paris Aphrodite vorzog ^^9). 

Eine kleine Beihe von Monumenten habe ich his zum 
Sdilusse ziirfickgestellt, weil sie zusammen behandelt wer- 
den wollen , um in's rechte Licht zu treten. Es sind das 
diejenigen, welche anstatt der drei GOttinen eine Htoelben 
altdn vor Piaris zeigen. Dass in irgend einer nadiepischeti 
Po6sie die Gättinen einzeln mit Paris unteihandelten , ihm 
einzeln ihre Versprechungen machten, ist eine leicht zube- 

148) Nach Gerhard ssArIhe, Arteinis-Here ? Vgl. deDS. ober 
ä. MelalUpiegel d. Etrusker, Nro. 131. e. and Bull. 1833. p. 96. — 
i49) Ich muBB tB fflr Praderie halten, wenn hier Röchelte M. J. 
p. 265. Note 5. eine einfache, abfiehtlose Ungeschkklichkeit sehn will. 
— Gerhard erklirt den Spiegel gam andere, aber ich kann rofek 
nicht von der Richtigkeit feiner üentong Aberieogen. 



gleiche üMHefttfaii ier imprflngikhcii BiUlilung , mm 
der wir werngstens bei Lddaii Dial. Deor. eap. 10 v. 11 
eise Spw haben , 4er hierin selbständig na eitnden schwer- 
lich Veranlissong hatte. Dieses Motiv dker drücken die 
Kunstwerke ans, und nwar kUnnen wir alle drei Gdttinen 
einaeln vor Paris nachweisen« 

1. Here. Nro.115. Apulischer Aryballos, abgeb« 
in den Monumenten des Instituts I. 57. A. 1. und in Mül- 
le r's Denkmälern U. 27. 294 ^^) Zerflossene Dantdlung ; 
nicht die Güttin selbst , sondern ihr sie Hermes redet mit Ei- 
fer zu dem in der Mitte sitnenden , phrygisch bekleideten, 
Scepter und Schwerdt haltenden Paris , hinter welchem die 
fMttin , durch hohen Polos bezeichnet , steht , bereit , wenn 
Hermes ausgeredet hat, vorzutreten und ihre Veriieissung 
vorzutragen. •— Häuflger und audi sicherer *^0 ^^ 

2. Athene nachzuweisen. Nro. 110. Vase im Museo 
Borbonico in Neapel (Mus. Borb. H. 29.) ^^^) , von verschie- 
denen Erklttrem verschieden gedeutet *^^)y von Jahn a. L 
0. S. 25, wie mir schdnt richtig hieher bezogen und im 
Einzelnen genflgend begründet — Paris sitzt als griechisdl 
bddeidetery jugendlicher, bekränzter Kitharspieler ^^) aii^ 
einer Felsspitze des Ida, neben ihm ein Baum als Andeutung 

iSO) Vgl. Jahn im Ball. t. 1842. 8.26. — iSi) OitfZweU 
fei flbrig bleiben, ob in dem eben befprocbenen Monument nicht 
Aphrodite , wie M fl 1 1 e r wollte, zn erkennen sei , will ich nicht ver. 
schweigen. — iS2) Aach abgeb. Arch. Ztg. 1845. Taf. 29. 2. '-^ 
iS3') Mflnter: Nachrichten y. Neapel n. Sicilien I. p. 61 erkannte 
Kasgandra vor Apollon, ihm folgte Böttiger, Ranb der Cafaandra p« 
30; Gerhard im Tflbinger Knnftblatt 1825. Nro. 97. wollte MantOTor 
Apollon erkennen, dagegen Fanofka in Neaper» ant. Bildw. S. 367, 
der aeinerseits Marpetaa von Uermea sn Apollon geführt gehen wollte* 
In der Arch. Ztg. a. a. 0. verzichtet .Gerhard anf die Erklinmf. 
Horkel das. S. 197 wollte Apollon ondAlkestiserkl&ren. — id>0 Pa- 
ris griechisch bekleidet oben in einer ganzen Reibe von Vasen, erat 
die spflteren zeigen ihr in pbrygischem Koslnm ; Paria sehr jugendlich 
s. B. oben Nro. 48, 55 und sonst; Paria als Kitharspieler oben in ei- 
ner grossen Zahl Von* Tasen , bekrinit ebenso. ^ 



4ßB Berfwaldtt , vor ito stob Pallan diiie BiUiy tivici in 
Fielen Vasen als firieiliehe, zu gefallen strebende, durch den 
langen Speer bezeichnel. Hinter ihr Hermes^ 'der sie nn P^ 
lis gdeltothat, und dessen Anweseuheit , die si^li. an ein- 
fachsten, wenn niehl allein aus den Mythus des Parisuiteila 
begründet 9 hier dea Ausschlag giebt — Zu krtftqier Statie 
gereichen dieser Erklärung nwei andere HonunentVi in wel- 
chen Pallas Anwesenheit keinen Zweifel unterliegt , 

Nro. 117^ das bekannte, von Fra.Bartoli aufbewahrte« 
bei WiockelQiann M. J. IIS abgdkildete Wandgemälde, 
in dem Pallas Paris eine Tanie, das bekannte Symbol des 
Sieges hinhalt, also eben dabei ist, ihm in der Sondenmter« 
handlung ihre Verheissung des &riegsruhnis nu machen ; &mfif 

Nro. US«, der nach einer Zeichnung Inghtra* 
mi's bei Gerhard, etr» Spiegel II. IM. publicirto elrusk^ 
Spiegel, in welchem Athene vertraulich nu dem phrygisch 
bekleideten Paris redet , wahrend ein Genius mit Kninn auf 
ihn hemiederschwebt und hinter Athene eine nwciite weibli*« 
che Person steht, in welcher die ungeflttgelteNike au erkennen 
Min wird ^^^). Diese scheint einen Schild , passendes Synir 
hol der Kriegsstarke zu halten, wenn nicht in diesem Ge^ 
genstand eine grosse Tanie zu sehen ist, die Inghirami 
nidit erkannte, und welche daher in der Zeichnung leicht 
1^ SeUIdrand erscheinen konnte. — Endlich i^t 

8. Aphrodite allein mit Paris unterhandelnd in fol- 
genden awei Spiegeln zu erkennen: 

Nro. 119* Spiegel in Gerhard's Besitz, abgd». in 
ilessen etr. Spiegeln IL 189. Zwischen dem rechts sit^^hden 
l^aris und der links, ihm gegenüber fast nackt stehenden 
Aphrodite sU^t Hermes , welcher der Göttin den eifftnaig 
jccnieiehneten ApM Unhait 

Femer Nto. 120. , Spiegel ebendas. äbgeb. das. Taf. 
idi). Bier ist Aphrodite ganz bekleidet und sitzt Paris auf 

iÖS) Gewitf nicht Oinone wie Gerhard wilL , i 



Mum ThroB gagenaber. Varis MhMftt eteii sete VrtnD m 
fUkii. Ifcniies glnchgUtif in d«r Mittei Afehkeklvraiide«- 
tngeii im ffintergninde. 

Diesen einseln vbt Paris erscheinenden Gdttinen wird 
dann ab 

Nro. ISl. der sehr bekannte Sf iegel des Beiiiner Ma- 
smois anmischliessen seia, auf weldiem Hermes (IHIRQVRiOS) 
Paris (ALDOMTROM) anf seine Fonctien als Richter yorbe- 
reitet; abgeb. zuletnt in Oerhard's etr. fi^. IL 169. ^^y-^ 

Anders ist endlich Nnw 192, die Vase des brit Mnsenms bei 
M i 1 1 in g en Ancient nnedited monnments 1. 17. nu betrachten; 
hier sind zwei von den drei Gröttioen, Here nnd Aphrodite 
voll Hermes vor Paris gefillhrt'^O« Bere steht hinter Paris, 
AphrsiKte^ sitnt vor ihm mit einem Gegenstand in der Rech«- 
ttii, in dem viiiUeicht der fafi^kio^ nkanov^^ wie Millini- 
gen erklarte, m erkennen ist Athene ist aus Mangri an Rann^ 
oder, richtiger gesprochen, ans Nachlässigkeit ausgelassen^ '^ 

Ich schMesse hiemit die Uebersicht der Denkmaler des 
Parisnrteils, gleiehmttssig ttbenseugt, dass die Masse dersel- 
ben nieht erschöpft ist , und dass ich keine besonders di»- 
rakteristiadie Monumente, soweit sie ausserhalb Italien be- 
kamt sind , flbergangen habe. — 

III. Paris und Oinone. 

Den Gang des Epos müssen wir auf einen Augenblick 
anterbrechen, und, um einige Bildwerke einzuschalten, etwas 
znraek^eifed. Sthon auf dem Relief Ludovisi toit dem Pa- 

tS6yl>^ U Ghansse Mof^ Rom. IL III. 20^ LCnii Safgio II. 
tv. 8. a, Inf hin mi GM. os. II. 223, Gsl. mi/ih. 151, 535. ^ 
iS7) Die ersU BrUftrsdg veoViscomti P.Cl. IV. Tt.A. 1» derPhri^ 
zet und Helle erkeniitii Wollte, idt als beseitigt la betrscHtefei; aber 
aueh lilliDgeD's bekaoiiteErklflruäg, nach weichet dKe Gettia hia^ 
tar Paria Apürodil« aaia toUy die Paria Helena veriprecke, afenl naeh 
welcher, difcae in der rechte aiAienden Fran ka erkennen wäre» ill M 
kflnatfiehfl um noek geglanbt an werden« Ygh Welcher 0. 51. Jlfa. 
62. — i) Vgl. Jahn, Arch. Beitriga, fli 380 ff, ^ > 



iteirteU (obenS.S89) stikm wir Mnme, Piris mite fSrnMif- 
Ik «nwesMid ^>. Sein Ensammeiilekeii mit Uir s«woM vmp 
dem sdiieksalvoUen Besuch der Oöttfiien als nach dnmsd«* 
be» finden wir in einer kleinen Denkmälwreihe. — Das 
friedliche und freundliche Zusammensein *) neig;t uns 

Nre. 1.» das Relief einer Thonlampe in Berlin 
(Taf. XIL Nro. SL), abgeb. in Millingens A. U. M. IL 
la SL % dessen BeischriAen PARIS und OENONB die Dar- 
Stellung unsweifelhaft machen. Wir sehen aber das Paar 
in felsiger Waldgegend sich umarmen , während Paris Rin- 
der aus denFluthen des in bekannter Gestalt liegenden Stro- 
mes Skamandros trinken« 

Die übrigen Monumente geben spätere Scenen. Ab^ 
gesehen von dem früher auf Oinone gedeuteten VasenbiUe 
bei Miliin gen Vases de div* colL 4S, welchem diese Br^ 
Uftmng von Welcher ^) abgestritten wkd, sowie von 
einem «weiten, von Welcker hieher benogenen ^)f dessoi 
EriLÜHing ich aber nicht annehmen kamt ^) ; haben wir nunächst 

Nro. 2«, ein pompejanisches Wandgemälde, 
abgeb. bei Zah n Wandgem. u. Omam. ILSl. ^) nu betrachten* 
Bs ist hier die Zeit dargestellt, in weldier Paris Begehren der 
schonen Hellenin zur Leidenschaft anwächst, die von Aphro- 
dite genährt, ihn «um Bau der unglflckbeginnenden SchiiTe 
(y^sg dQxi^axoi II. V. HS) treibt. Von Oinone ist sein Hers 

B) OinODe, Tochter def Flofses Kehren, warnt PariB vergeheng, 
J^n Helens'f Rauhe aasinfahren Apoll. ilL 12. 5. Waf der spAtere 
Hythnt von ihr weiter en&hlte a. du. n. hei Konon Narr. XXIII, Par- 
then. Narr. IV. XXXIV. , Lycophr. 57 ff. n. das. Tietz., Qaint. Smyrn. 
T. 259 ff. -> a^ OTid. Herold. V. 9*32. — 4J Auch in Brnnn'f 12 
Reliefen cet. ala Vifn. I. zu Taf. 8. und Giudizio di Paride Vign. p. 
Vgl. Welcher, Jngement de Paria S. 56. Jahn a. a. 0. S. 334.— 
6;) h d. P. p. 54 f. _ e;) Mon. deir Inat. I. 57. A. 2. Blite e^ran. 
U. 89, Gar^ulo Racc tv. 115., Weleher a. a. 0. S. 53. *• 
fy Aach Jahn lehnt dieaelhe ah, a. a. 0. S. 348. Note 69. ^ S^Vmi 
Zahn und v. Schul i, Ann« X. 157. unrichtig Parif und Helena he* 
annnt. Vgl. die von Welcker ansgegangene richtige RrUteoag J. 
d« F. S. 55f.y Jahn a. a. 0. 348* / i 



achMi dbgewet^ desludb sehen wir sie traoernd dasiteea^). 
Der Verfiihrer aber , den AphrodHe schon während des Dr- 
tdls au 9ma sandte, Eros, ist hier meder> nadringlich 
Iraiiiich mit Paris beschäftigt, den, wie er in seiner ffirten-^ 
tracht hinter Qinone steht , der SchallL Aber die Schidter 
schaut, und das Kinn mit dem Händchen hertthrt, um Patis 
Gesicht und Sinn ganz zu sich herum asu wenden. 

Noch einen Sehtitt Weiter fm Oange der Begebenhei- 
ten führen uns zwei Reliefe, welche zusammen betrachtet 
eine sichere Deutung zulassen. Ich meine 

Nro. 3 u. 4. das Relief im Palast Spa da (Taf. 
XIL Nro. 5.) ^% abgeb. in Braun's Zwölf Reliefen Tf. 8. 
und ein Relief der Villa Ludovisi, Winckelmann M. J. 
unter Nro. lie. '0- Früher für Paris und Helena erklärt, die 
im Begriffe sind, von Sparta abzufahren, hat das erstere Relief 
durch die neuere Interpretation seinen richtigeren Namen, 
Paris von Oinone vor der Fahrt nach HeUas gewarnt, er- 
halten, welcher durch das zweite Monument, in welchem Paris 
eine phrygische Mütze uud einen Hirtenstab trägt, bestätigt 
wird. Auf einem Felsenhange des Ida, welcher auf dem Spada'- 
schen Reliefe durch den unten liegenden Flussgott Skamandros 
bezeichnet wird, und der eine Aussicht auf das Meer und eines 
der verhängnissvollen Schiffe , sowie auf Ilion , die durch 
Paris Fahrt mit Verderben bedrohte Stadt gewährt, sehen 
wir das Paar, ihn sitzend, Oinone in ländlicher Tracht *^) 
vor ihm stehend, im Gespräche. Oinone's Hinweisung auf 
das Schiff lässt uns den Inhalt des Gesprächs bestimmt er- 

• 

9) Auf die sehr charakteristische Bewegung der H|nde pinone's 
machen Welcher und Jahn mit etwas verschiedi^nen Worten aaf- 
merksam. — iO) Bei Sta. Agnese geronden, Winckflmann M. J. 
lia» Gnattani U. h 1805. Taf. 20, Jahn, areh. Beitr. S. 349 f . ^ 
ii) Braun, Berl. Jahrbh. IL S. 142. Jahn a. a. 0. ^ t2) Be^ 
lüehnend ist das Kopflneh, welches sie anchr auf dem Befiel mit dem 
PMüanell Taf. XI. Hro. 12. trifl , nid das in keiner Weise flQr H0^ 
Jena patoi; ..,..-]. ,. »^t.. 

O ▼ «rhcek« hsroMit Oalltrlt. 17 



rAihea, es iit ife Wainwif iat Nyiiplie) wridie Ae dhte 
asgexofeiieii Stellen der MyliMignipiicii ms berichten. — 

Abermals mttssen wir Ton dem Gegenstand dieses Denk- 
mals einmi Schritt nurttck thnn , nm eine in den Bxcerpten 
niiAt erwähnte, aber für das Epos mit Sicherheit vorausn- 
seliMde Begebenheit '^) nachmibolen , nandich 

IV. AlexaodrM Erkennung. 

Der Mythus erzählt ') : als Hekabe mit Alexandros 
schwanger war, träumte sie, eine Fackel zu gebaren, welche 
die ganze Stadt verzehrte. Den Traum deutete Kassandra 
oder Aisakos ^) und verlangte Ttf dtung des zu gebarenden Kin- 
des, das aber Hekabe nur aussetzte. Paris wachst unter Hirten 
auf, die ihn seiner Mannhaftigkeit gegen Räuber wegen 
Alexandros nennen. Der Jflngling hatte einen Lieblingsstier; 
diesen fflhren Diener des Königs fort als Preis in Wettspie- 
len, die Priamos zu Ehren des todtgeglaubten Sohnes an- 
stellen lässt. Nachdem Paris sich vergebens der Wegfiihrung 
seines Stiers widersetzt, beschliesst er, selbst mit zu kämpfen 
und thut dies mit solchem Glück, dass er alle seine Brüder, 
auch Hektor, Deiphobos und Ilioneus besiegt. Heftiger 
Streit folgt, Deiphobos zieht das Schwerdt gegen den ein- 
gedrungenen Hirten, der, auf den Altar des Zeus HeiiLeios 
geflüchtet, als Priamide durch Kassandra's Wahrsagung er- 
kannt wird. — Diese letzte Scene ist es , die uns freilich in 
keinem griechischen Kunstwerk, wohl aber in einer beträcht- 
lichen Heihe etruskischer Aschenkisten vorliegt ^). Das Ge- 

id> t((l. Welek^r, &)>. Cycl. II. $, 90 f. Jahn, 6ellrige 
S. S40 ff. - f > IK« TragekUeti dei Sophokles , Enripldes otid BÜ^ 
aioi sind erwtkni. tgl. Hygio. fhib. 91 , ApolloNi. III. 12. 5. dtiC 
Heroid. 16, 39-^0f, nad dl» Bi^ilnailgtii te dto TragOditai EuHp. 
Troad. MU 031, Andren. SM -^301, IpL A«lid;575. aebfl denScftdll. 
IHiIl. UI« Wh Kwflip. Androm. 30« , 1^« Aalid. U8&. *^ ;»> Oder 
Ap^lhm 4mh eiiea W«fgtiigert,fiic l^ I. fti oder die Sftylle ll«i#i 
phüe Paof. X. 12. 1. -« B) Die richtige Dentang dieser üMtf$iM 



• 1 1 i'f - ■ V. < M, .'•■..' j '' y «^ 



mttiiaMie dieser Homlmeate, von taiM idi uür eiaif e al» 
besonders meifcwardig: Btther besehreibe ^), ist, ihss Pa- 
ris, die Palme des erfochienen Sieges in der Hand, auf den 
Aliar des Zeas vw dem Rttnigspalast kniet, vr&breiad ihn 
eia^ seiner Brüder öder awei, aneh drei denwlben mMi Waf« 
fen bedrdieo. Auf diese Han^eisonen und eine geft- 
gelte, w Paris stehend Göttin besdmuikl ist die DanM- 
lung in 

Uro. l.y einem von Jahn, Bdtr. Taf. Xin. 1. v^röf- 
ftotlichten , sehr sserstörf en, aber gut eonponirten Aschen- 
kistenretief ^). «- Reicher an Nebenpersonen siikd andere Exem- 
plare , von denen ich, als durch Einzelheiten meiiLwürdf jt, 
nur folgende ausheben iMU. 

Nro. 2., ein zuerst von Micali, Italia avanti il doihf- 
Mo dei Roman (Flor« 1610) tav. 46 und danach bei Jahn 
Beitr. Taf. 9 publidrtes, nach einer genaueren neuen Zeich- 
nung bei Jahn Taf. 18. 9 nochmals abgebildetes Relief. 
Paris wird hier von dreien seiner Brider , Hektor, Dei- 
pbobos und Ilioneus zugleieh angegrüfen, die neben ümi 
stehende geflügelte Gttttin ^) erhebt schtttsead das Ge- 

von Dliden, Sehr. d. berL Akad. 1828 S. 234 IL aiugegsogeu ; |fi- 
ghirami nahm sie in den QsserTacioni sopra i monnm. antichi p. 
129 auf, ansfahrticlie Erörterungen bei Ro chatte M. J. p. 253—59. 
Vgl. Jahn, Beitr. 341 ff. — 4) Bekannt lind folgende Eiemplare. l.im 
Call« def antiquaa tu Paria Roehetteflf.J.p. 254. lioU 5 ; 2-^^111 im Hos. 
Ton Volterra (nnedirt); Roohette a. a. 0.; Uhden a. a,(K; 13-^15. 
daselbst bei Cinci, Roohette a. a. 0. ; 16. im Musenm von Tonlonse 
Ro eh Otto a. a. 0. ; 17. im Moseo Gregoriano des Vatican, Mos. 
Qreg. i. 94. 4.; 16. im Hosenm von Verona, Mos. Veron. V. 1.; 
U^2i. im Mos. Gaaroacci tab. IX. 1» XVIO. n. XIX. 2.; 22. ^24. 
im JUasenm in Leyden, Janssen De griefcschen ena. Monmnenten 
van het Miis. te Leyden , ausser den dreien im Text angefahrten Mo« 
nnmenten. — Ö) Frflher in noch besser erhaltenem Znstande bei 
6«rl.M«ai etr. iL 174. 2. geseichnet. ^ ej ÜHAngen iil den Flfi« 
fslis, . Wie aiehrfaoh solohe etmslu iMm4n«ii' He>chelle hfali sie 
(a. n. Q. «^ ,9^ ) 46f Apliradile , wia nnt sebeiot ohm^ i Wldurfchüa» 
lichkeit. „ ,• ,, i.d.r. ( -r .. ./ ..U .; .\*\tr/< 



•« 1 



wand «nl hilt eiae Eolk^ Der eine* der von ]Mm heran- 
slflmiendeB Brüder wird von einer weiblichen Penon aurflck- 
gehalten , die offenbar ein pltttriieh auf ihn wirkendes , he- 
dentendea Wort spricht , and nur die Paris Ursprung ver- 
kindende Kassandra sein kann. Auch der von rechts her- 
antrstende JOngling wird von einer sceptertragenden Person 
surflckgehalten 9 welche hier weiblich erscheint, durch Ver- 
gleichung eines aweiten Reliefs (Note 4. Nro. 17.) abörsich 
als Priamos auswdst Sehr interessant und die lotsten Fi- 
guren linfcs, ein Bärtiger, welcher einen Knaben fortführt. 
Jahn's Erklärung (S. 348), dass hier der alte Hirte, der 
auch Paris gerettet hat zu erkennen sei ^), wie er Paris 
und Oinonens Sohn Korythos fortbringt» unterliegt wohl kett 
nem ZweifeL 

In anderem Betracht interessant und auch durch seine 
Ausfitthrung beachteaswerth ist 

Nro.3.9 das bei Röchet te BL J.pl.51.^) abgeb. Exem- 
plar (TCXIL Nro. 8). Paris, die Göttin neben ihm, die angrei- 
fenden Brttder links und Kassandra, welche den einen der- 
selben am Ann amückkält, sind fast genau so, wie in der 
vorigen Nummer, der Hirt mit dem Knaben fehlt, dafür ist 
der rechts ersdieinende Priamos sehr leicht kenntlich und 
mit seiner Geberde , in der sich Schrecken über die Gewalt- 
that und Freude über den unerwartet wiedergewonnenen 
Sohn paaren, viurtrefBich und ausdrucksvoll charakterisirt 
An der Stelle des in Nro. 2. befindlichen dritten angreifen- 
den Bruders sehen wir hier eine Person, deren Arme freilich 
weggebrochen sind, deren Handlung demnach unklar ist, die 
sich aber durch das Kostüm von den beiden anderen Brü- 
dern unterscheidet. Rochette (S. 368) erkennt in ihr He- 



7) Ifsch früherer nogenaner Zeiohming tchien diMO Pertoa 
weiblich uod wurde toi J«hs fär Oiooae crklirt. Der HIrta hicw 
■ach ApoUod. s. •« 0. u. Tssu. ad. Lyeaphr. 188. Arahelaoi, nrndk 
Schel. U. lU. 325. Archidof . — 8) FMher hsl DeapttM. 



— IM — 

lenos ; ich bin zweifelhaft , ob sie nicht vielleidit vreiblicfi 
und dann ak Hekabe zu deuten ist. 



Die unerwartet glänzende Wendung in seinem Schick- 
sal Hess Paris HeUas und Helena vergessen , so motivirt 
Welcker ^) gar ansprechend das, was Proklos erzählt, 
dass Aphrodite den Günstling zum Schiffbau antreibt Dies 
glaubte derselbe, doch nicht ohne einigen Zweifel ^% in ei- 
nem Vasenbilde * ') ausgedrückt zu finden , in welchem frfi- 
ber ein Parisurteil erkannt war. So wenig wie ich zu der 
alleren Erklärung zurückkehren mag, kann ich die neuere 
für schlagend halten. 



Die nächste, sehr interessante Denkmälergruppe zeigt 
uns Paris in Hellas. Paris wird nach Proklos zuerst von 
den Tyndariden, dann von Menelaos gastlidi aufgenommen. 
Nach Weicker's Vermuthung (Ep. Cycl. II. 92.) war hier 
die Erzählung von Helena's Erzeugung eingeflochten (firgm. 
7. W.) '), vielleicht, ja wahrscheinlich auch die von der 
Bewerbung der griechischen Fürsten um Helena's Hand und 
Menelaos Sieg in der Bewerbung , sowie der Eid der Für- 
sten, den Gewählten zu schützen. Der Kriegszug gen Troia 
musste auch hier angeknüpft werden. Danach dürften die 
als episodische Gruppe hier einzuschaltenden Monumente , 
die uns 

V. Meoelaos BrautführuDg 

zeigen, ihre letzte Quelle in ^en Kyprien haben. Voran zu 
nenpen ist als 

Nro. 1., ein etruskischer Spiegel in Neapel(Tiaf. 

9) Ep. Cycl. II. S. 92. — iO) J. d. F. S. 54 f. — ii) II Ü- 
I in gen Peintares d« TUCi de div. cqI]. 13. *— i) Vgl. Schneide- 
Win ia Philolofuf 1849. Heft IV. 8. 744 ff. 



Xn. Nro. 70, abgr^biUet in Oe r h a r d's etr. Sp. IL Taf. 197. ^ 
Er zeigt uns Menelaos (MENAE) und Helena's (EfINA 
rckL) erste Liebesvereinigung unter Aphrodites {TYP AN) 
Vermittelung. 

Hiernftchst zwei Vasenbilder von nahe verwandter Com* 
Position; 

Nro. 2. Lekythos von Armento in der BasUicata, 
früher in der Bartoldy 'sehen SanunL^ jetzt in Berlin (Nro. 851.) 
abgeb« bei Miliin gen A. u* Mon, L 32. ^). XmZq ini m^n^ 
gefasst ^), führt der friedlich bekleidete, jedoch mit Helm 
und Speer versehene Menelaos {MENEJfEOS) die schttne 
Braut, auf die er freundlich zurückschaut ^) und die ihm 
im bräutlicheu Schleier züchtigen Schrittes folgt Diese Er- 
klärung wird bestätigt durch 

Nro« 3«^ eine volcentische Kalpis (Taf. XIL 
9^rQ.4.) in München^ abgeb. inOerhard's auserl. Vasenbb. 
m. 129. 1. ^) mer fehlt f^eiUch die Beischrift und Menelaos 
i9t ganz gerüstet '), ausser der Gharakteristischea Fährung 
am Hiindgelenk aber kommt hier noch die von Helena ge« 
haltene Granate oder Quitte als hochzeitliches Symbol ^) 
Ifinzu, mn die von augenßllliger Aehnlichkeit mit Nro. 2. 
und der Pra^a^eoz epischer Stoffe getragene EiUarung m 
sljtttzen« 

Eine etwas grössere Zahl archaischer Vasenbilder zei«^ 
gen ||ns Qel^na's Wiedergewinnung bei Troias Einnahme; 

2) Und «oDft noch mehrfach , Pio Gl. IV. B. I. Inghifani 
M.E.I1. 117,, Gal. om. III. 16, Malier D. a.K. 1.306. Gal. myth. 162, 611*. 
a^ Vgl. P an ofka ,1)1,9^^1 ^ftojld.'p. V^XfV^ ffilli^gen erkUrte daa 
Bild ans der EriAhlung von Helena'B Wiedergewi nnnng bei Ilions Ein- 
nahme. —#9 Vgl. oben S. 198. Note 104. P a n o fka, Bilder ant. Lebens IL 
2, 3. — ^9 M i 1 1 i n g e n nahm an, erstarre voll Rachegedanken aü Boden, 
was gewiss nicht im Bilde liegt. -* 6") FrQher sehr verkleinert M. d.' 
Ji.l;: 27t %&f Yfl. I|app> Volc. Note 415. -^7;) Es würdiS diher an 
Hippomenes nnd Atalante gedacht von Kossali Bull. 1829.p*109., oder 
an Ar<^^j^nd Aphrodite nach der Vörstellniig aaf dem K^psefoskasten 
vob Panöfkai Rteherches p/39. N. 1.' — 9^ Qitiitte: Plnt. *QüiWH. 
rom. 65. Die Granate ist bekAnnt; 



in to ' Coüviatoitf «n iK« MtiMhteteD aäbe vifrwattdt Äiiler.» 
MMdMi ne Mtk voa ikaea iftdiirck , Attsa Ikftelaiks HelD&ä 
nidH an 4er Haaiworairt sooriteni am Schleier edel* Oewaad, 
«iba gewaltoaüer e^glSffen nach sieh arfehC ?). — Naeh die« 
•er ^^ode betrachten wir die D6iikaialer^ weldie 

VL Paria id Hellas 

zeigen, und zwar grösstentheils sein und Helena's Begegneq^ 
endlich ihre Flucht. Die hier zu besprechenden Kunstdepik- 
mäler gehören zu denen , welche eine der interessantesteii 
und anmuthigsteh Reihen eines verschieden aufgefassten Mo- 
mentes und eines verschieden abgestuften Ausdruckes dar- 
bieten ')• Dieser Ausdruck wird zum Theil bedingt diirch 
den Zeitpunkt der Begebenheit, welcher dem Künstler vor- 
schwebte, zum Theil durch den verschiedenen Geist der Epo- 
chen, in denen die Kunstwerke entstanden. |n Jedem Be- 
tracht den übrigen voran zu nennen ist 

Nro^ 1., Das Beversbild der Schale, deren ebe 
Balfte mit einem vorzüglichen Parisurteil Taf. X. Nro. 9» 
abgebildet ist (Taf. XII. Nro. 9.), aus Gerhardts antiken 
Bildw. Taf. 34. ^) In Sparta nimmt Menelaos Paris und 
seinen Begleiter Aineias gastlich auf, so unbesorgt wegen 
Helena, dass er spater nach Kreta reist, und Helenen die 
Gäste ferner freundlich bewirthen beisst Das ist der Schlüs- 
sel des Vasenbildes. Von Amyklai, wo sie bei den Diosku- 
iren bestens etapfangen wurden, kommen eben Päriä und Ai- 
neias iq leichtem Wanderkleide zur grossen, ujnhügelten 
Sta4t Lakedaimptt« Der würdige Bdierrscher lMenda(»s ^) 
hat sie begrttsst und führt sie über die Sehwelle des gastli- 

B) Vfl. Aroli. Ziff. 1S51. 6. 357 iF. — O ^f** ^^^^ J»h^ 
m des BOTicbUn der k. fftcbt. Gaf. d. Wiif. 18MI S. 176 ff» -^ 
;a> Oarbtrd wird miü erste Deuteag^: ProMsitaoe und Liodamia 
fewiM edlioii laolie enffegebett'lilrben. — ^ 3) Jebn benennt ihn ntch 
AMiofie dtoa nntali Uro^ 14. nntfflbrenden Bilde» Tyndareos; neue 
ErkJimng folgt genen dem Epoe. 



eben Hauges, dessen Inneres und BDttelpankt doreh Hdenas 
Gemach beseichnet ist In diesem ist die sdiOne Fran ebca 
mit ihrer Sehmflcknng^ beschftftift) 2u der ihr eine Dienerin^) 
den Spiegel hält, und Eros seihst, xu Helenas Füssen kniend, 
hehilflich ist ^) ; da tritt Paris ein ; noch ehe die Dienerin 
dies nur bemerkt , hat der erste flflchti|^e Anblick auf Hele- 
nas Gemflth gewirkt, und verwirrt, erschreckend wendet sie 
sich ab, und verbirgt, den Arm auf die StiihUehne gestfitst, 
ihr Gesicht in die Hand. Aber auch Paris braucht Helena 
nicht lange 2U betrachten , um es ;ni empfinden , dass er an 
dem von Aphrodite verheissenen Ziele stehe, dies ist es, was 
er, zu Aineias zurückgewendet auszusprechen scheint, wah- 
rend dieser mit zurückgewendetem Schritte einigermassen Lust 
zu haben scheint, die so gefährliche SchweUe nicht zu betreten. 
Ohne volle lleberzeugung füge ich von dieser ersten 
Scene ein zweites Beispiel an, welches sich nach der Erklft- 
rung de Witte's in dem Reversbilde eines oben angeführ- 
ten Parisurteils (Nro. 16.) auf einer volcenter Amphora mit 
schwarzen Figuren , Catal. Durand. Nro. 376. findet Nach 
dem Verf. soll der bärtige und bescepterte Menelaos auf 
einem Klappstuhl sitzen , eingehüllt in weiten Mantel, zu ihm 
trete Paris , eben angekommen , gerüstet, und hinter diesem 
stehe Helena die Hände im Peplos verborgen ^). — Dies 
das erste Moment, wir sehn die Leidenschaft werden und 
können sie schrittweise verfolgen. Der besprochenen Vase steht 

4) Gewisi nicht Aphrodite wie Jahn S. 181 meinte, troti def 
erhobenen linken Armeg; man beitrachte nnr den Ansng und dag kurze 
Haar. — S) Aehnlich bei Frauenschmflckung befchäftigt , finden wir 
ihn mehrfach wieder, hnd darfen ihn in dieser Sitnation, wie ich dies 
an einem anderen Orte auaznfflhren and zu beweisen heffe» als sym* 
bolischen Ausdruck des Liebreises der von ihm geschmflckten oder be- 
dienten Person belitchten. Es ist ein Anderes ,- wenn' Broa' den Lieb- 
haber cur Schönen hinKhrt oder hindringt (a. B. nnten in Nro. 9), hier 
Ist er der Ausdruck far die Empfindung der Liebe bei deijenigen P^i^* 
son , der er so beigeordaet ist. — 6) Die Schwierigkeiten dieser Er» 
kltrnng leuchten ein, aber ohne eigne Anschanunf der Zeichnung 
man sie nicht widerlegen oder bessern. 



Mwohl im daffestdUen HiliiieDte als der Fmheift «nd daM 
Sittigkdt im Ansdmck beider Hauptp^sonen nach am näcbsten 

Nro. 3*9 daa herculanische Waadgemalde Taf« 
XI. Nro* lOy verideinert nach Ternite'a aoch noedirtct 
Zeidiaiiiig 0* Wahrend in anderen Monnmenten dieser Scene 
Gatter, Aphrodite und die Ihrigen anwesend sind als spre« 
elender Ansdnick dessen , was in den Hauptpersonen vor- 
geht, ist hier die Darstellung auf diese allein beschränkt, 
dennoch aber von höchster Klarheit und bei aller Einfach- 
heit unvergleichlich fein und zart gefühlt Paris ganz in 
phrygischer Tracht , mit seinem Bogen in der Linken steht 
bescheiden freundlich vor Helena, die Rechte zur Begleitung 
der einschmeichelnden Rede erhoben. Sie aber sitzt in einer 
Kleidung welche an die Aphrodites erinnert, vor ihm auf 
zierlichem Sessel, etwas verschämt, doch auch ganz leise 
coquett , beides liegt in dem charakteristischen Anfassen des 
Schleiers, im Ganzen freundlich aber durchaus in den Gren^ 
zen fmnen Anstandes. — Dass dieses Wandgemälde in unse- 
rer Reihe unmittelbar hinter eine so vorzflgliche Vase , wi^ 
die besprochene eingereiht werden muss , und mit jener zu- 
sammen alle folgenden Monumente weit hinter sich lässt, 
dürfte kein geringes Zeugniss seiner Vortrefflichkeit sein. 
Namentlich ist diese keusche Einfachheit in den Wandmale- 
reien nicht allzu häufig vertreten. — Am nächsten steht 
noch sowohl der Composition als dem Moment nach: 

Nro. 8., ein Lukanisches Oxybaphon in Berlin 
(Nro. 955.) (Taf. XII. Nro. 8.), abgeb. bei Miliin gen, Peint. 
de Vases de div. coli. 42. ^) Hier steht der phrygisch beklei- 

7) Ich TerdaDke dieselbe Welcker's FrenDdlichkeil , mit des- 
sen Commeotar bekanntlich Ternite's schAne Zeicbnnngen begleitet 
werden. Die neue Zeichnung , von der meine Tafel eine genaue 
VerldeiiierMig glebt, ist mehrfach Terschieden von der ersten AbbiU 
dang in den Pitinre d'Brcdlano 111. t?. 6; Tgl. auch Jorio: Deseript 
de qoelipies peint. ant. Ilaptes 1835* pl. 3. p. 64 nnil Mos. Horb. IX. 
51. Die bedentendste Abweicbang ist, dass dort HeleM den Fioger 
drohend erhebt, anstatt den Sohleier in fassen. — ^^ Vgl. BOtti- 
ger's kl. Sehriflen heransg. v. SlUig 11. S. 



4e<e Paris aiil ndend eriMbener Buid vor dar ▼wicldeurt 
äUrendan ^) Helena. Diese hat Eros auf dea Ksieii und 
spielt mit ihoi , vr alirend er sieli liebkosend mit den Falten 
Hires feinen Chiton su schaffen macht. Hier ist ein Ausdruck 
der Coquetterie, am den man die antike Kunst beneiden miisd. 
Eros ist auch hier der Aasdmck von Helena's UAreisij und 
sie spielt mit ihm, oder halt ihn s&rtlieh mit beiden Hkn- 
den '^). — Bedeutend sinnlicher wenigstens in Benng auf die 
AuflSussungf Helenas finden wir ungefähr dieselbe Scene wie 
in den besprochenen Monumenten in 

Nro. 4., einer ruveser Amphora (Taf. XII. Nro. 
6.) y abgeb. bei R o c h e 1 1 e M. J. 49. A. Helena sitst hier 
auf einer prachtigen KHhe '') f^t ganji nackt, mit dem An- 
mig und Schmuck beschäftigt und darin von ihren Frauen 
aufs Anmuthlgste bedient , indem die eine vor ihr kniend, 
ihr eben den nachlassig ausgestreckten rediten Fuss mit der 
Sandale bekleiden will, die «weite ihr einen Kraus aufs 
Haupt ssu sfet^en im Begriff ist, die dritte Spiegel und Schmuck- 
kästchen halt , aus dem eben das Diadem und die Armban- 
der entnommen sind. In diesem Augenblick naht Paris, rer- 
schamter Geberde steht er noch im Hinterg^nde, und scheint 
nidit recht zu wissen , ob die Üppige Schöne ihn in dem 
Costum, in dem sie sich jetzt findet, zu empfangen bereit Ist, 
oder ob er noch warten muss. Ihre erhobene rechte Hand 
zeigt deutlich , dass sie um seine Nähe weiss , doch treibt 
sie die Frauen nicht grade zu grösserer Eile an. lieber ihr 
schwebt Eros mit der Tänie. Siegreiche Schönheit! *^) ^ 
Die Kehrseite zeigt uns eine ahnliche Scene , welche aber 
meiner Ueberzeugung nach unter Menschen des Alltagslebens 
vorgeht und in jenem Bilde das erhöhte Vorbild findet '^) — 

346 ff. Taf. 5. ^ 9) Ob wirklich auf eiiiMn KleiderlititeB ? Jaks «. 
a. 0. S. 162. Note. — äO) Jaha Targleiclit Aea. I. 7i7 ff. — 
ii) DalB diaa aiaa kkiyq ^fiip^xti („lit Baplial<«)^M> wird man dem 
Herausgeber p. 260 aieht angeben dArfen. «- tHy Andern Eiaaelhei* 
ten bei Roehette, der den GeaamaitanadnidL «Iwaa aad#ri aiiSiaMl. 
— id^ Welcker, Rh#in: Map. fU. (1836) 8. 596, weleher ttH ga- 



Hkran iehliessen wir ein durch eine Besonderheit in^ 
teressantes Vasenbild, welches erst neuerding^s irerMFentliehl 
worden ist^ und in unserem Zusammenban; sich leicht erlilart : 

Nro.ft. TarquiniensischeKalpisder Restnerseben 
Saamlonp, (Taf. XIII. Nro. 1.), abgeb. in der arch« Zeitung 
18&1. Taf. 36., vgl. das. Nro. 85 y 36. S. 387 ff. Helena 
ritat, elegant und leicht bekleidet auf einem zierliehen Stuhle, 
den rechten Arm naehlissig vornehm über die Lehne gelegt 
erhebt sie auf der linken Hand einen Vogel , ein Spielwerk 
der Liebe. Sie schaut ernst und gelassen auf Paris, der 
mit Schwerdt und Wanderstab, in der Chlamys, pbrj^gisehen 
Mutze und mit Stiefeln angethan, als Wanderer vor ihr steht, 
auch er in bequem nachlässiger Haltung. Nebeh Helena er- 
seheint eine Dienerin , welche das Kästchen , aus dem oben 
der Herrin Schmuck vollendet wurde , davontragt« Interes« 
sanier ist Paris Begleitung. Hermes selbst bat den Jflngling 
geleitet, ein sehr bedeutsamer Zug , der unü einen Blick iii 
den gottgefügten Zusammenhang dieser ganzen Begebenheit 
thun lässt; denn Hermes kann nur nach Zeus Willen hier 
auftreten. — Die erotische Bedeutung des Reihers hinter ^a- 
ris hat Gerhard (S. 387. N. 3 u. il.) gut nachgewiesen. 
Die ganze Scene spielt im Preien wie die Steine desBodentf 
und wie ein Rebzweig zeigt, der laubenartig Aber den Per- 
sonen aufgehangen ist '^). 

Bin neues Motiv wesentlich derselben Scene bringen 

fem Recht Sowohl R o c h e 1 1 o'b G^niet des mystdres abweist, als auch 
bemerkt , dass in dem sweiten Bilde oicbts Hieratisches sei , wie R o- 
ehette anAahm, hÜt dieses fdr ebinralls auf Helena und Nris be- 
tfligllch, wovon ich mich nicht fibersengen kann. — i4J Die von Pa- 
hotk^ S. 391. Note tl vorgetragene ErklArnng ist unbedingt irrig, 
weil sie sich an Aeasserrfchkeiten anhängt und eine Basis in abgelege* 
nett Mylhenkreisen sucht (Achilleus auf Leuke), i^m nur einige Beson- 
detbeiten in d6^ Darstellung eines nahe liegenden and'popuIflrenMyihua 
nicht ätixutorkeniken. „Willst du itamer weiter schwelten? sieh das Gnte 
Kegl so nah.« ^^ Gerhard nennt Helena Aphrodite nnd die DieneriA 
HehMi , das ist aber na^h der Handhmg toi Bilde Mlbst und nach Atta* 
logieiler aodcren (i. B. fffb. 1) inieh^'rküttg. ^ 



008 dne Vase und ehAge Reliefe, vom denen nach CMieeption 
ind Ansfiilbning obenan steht 

Nro. 6., das Relief fMher des Hersogs CaraCa 
Noja, jelat im Hnseo Borbonieo (Taf. XUL Nro^S.)» abgeb. 
in Moseo Borb. DIL 40. ^'^) In dem Vasenbild Nro. 1. sahen 
wir den plötsUchen EindruclL dargestellt , den Paris erster 
Anblick auf Helena machte , hier ist das langsamere Werden 
nnd Wachsen ihrer Leidenschaft gebildet Verlegen, ver- 
wirrt sitnt Helena (EAENH) dem schonen Gaste, der n5- 
gemd vor ihr steht , gegenüber , ndien ihr Aphrodite 
{AOP0JITH)f den einen Arm vertraulich um ihren Nacken 
gelegt, mit der wenig erhobenen Linken verstohlen auf Alex- 
andros (Aj^ESavigog) ^^) deutend, welcher, in griechi« 
scher Chlamys jedoch mit Stiefeln, das Schwerdt umgegttr- 
tet, die Linke auf die weggebrochene Laune hoch aufge- 
stfltnt ^^) seinerseits im sehr vertraulichen Oesprftch mit dem 
Jttngling &0S begriffen ist. Die Situation, welche in Hele- 
na's Ausdruck gegeben ist, findet ihre bestimmte symbolische 
Bezeichnung in der Göttin der Ueberredung, Peitho ^0 
(nieSi), die hinter Aphrodite als ihre GehHftn beim Werke 
der Verfilhrung auf einem Pfeiler sitst. — Diesem Relief ist 
ein sweites im Wesentlichen ähnlich , 

Nro. T., Relief im Vatican, sehr vom Wetter an* 
gegriffen und ohne die Inschriften der vorigen Nummer, ab« 
geb. in Guattani's M. J. 1785, Giugno 1. ^^) Die Gruppe 
der Hauptpersonen ist bis auf kleine Abweichungen dieselbe ', 

14) Anfferdem noch oft, WinckelmaDD M. J. 115, in 
Branni Zwölf Reliefen Vign. 2. za Taf. 8., 6al. mytb. 173,540. Vgl. 
lioapers ant. Bildw. S. 69, Otto Jahn Peitho S. 19 ff. — tS) So 
lieft Panofka a. a. 0., Winckelmann AAESJNJ^ und Brann 
hat den Namen AAEBAN.dPOZ ganz, im Mus. Borb. steht AAB- 
£ANJPO£ — 1^^ DaM er, wie Braun a. a. 0. meint, „mit han^ 
ger Scheu gen Himmel deute« und zdgere, ist wohl ein Irrthnm. — 
17) Brenn fasst diese Figur als ein Bild der Peitho, was sich schwer 
begründen lassen wird. — i8) VgLZoöga ß., R. I. p.d8, Besehreib. 
Roms II. 2. S. 195, U, Jahn Ber. d. sftchs. Gos. a. a. O. S. 183. 



einen interessanten localbeseichnenlen Znsatis bildet dn Un- 
ter Paris auf runder Basis stehendes, archaistisches Apollon- 
bild mit ausgestreckter Rechten , in der Linken den Bogen, 
in bekannter Gestalt. Dieser Apollon war auf Delphi ^^) 
und auf Troia ^) belogen worden, als Jahn a. a. 0. S. 189, 
gestfltst auf Ovid. Her. II. 5 f. und Statins Achill. L 90 f., 
nach wdchen Stellen die Entführung von Amyklai ausging, 
die unbedingt richtige Erklärung dieser ApoUonstatue gab, 
in welcher der Gott von Amyklai nu erkennen ist — Hier 
mOgte der Ort sein , um als 

Nro. 8., des Gemaides einer Lekythos in Athen 
{^tfi$fig dgx^^oX. Nro. 723. ^Oi Gerhard Ann. IX. p. 130^ 
Welcker m Temite's Taf. 81.) zu gedenken. Das Motiv 
der Reliefe ist allerdings vereinfacht , aber dennoch im We» 
seotlichen wiederholt. Helena sitnt auf dnem Stuhl , ein 
Sdimuckgefiu» neben ihr, Eros, welcher Paris vorangeSo- 
gen ist, berflhrt ihre Stirn, vertritt also hier Aphrodites Stelle. 
Ptais, in ein Pantherfell gehüllt, steht beschdden wartend 
nur Sdte. Neben ihm ein kraterartiges GefiU» nur Anden* 
tnng der Gastli^kdt oder des Hauses. An beiden Enden je 
eine Dienerin. -— Wiederum verwandt , aber in aUen Mott- 
vea verflacht und vergröbert ist dann 

Nro. 9., ein drittes Relief, jetst im Besitz des Hm. 
J. Smith Barry, abgeb. in denSpecimens ofancient sculpture 
II. 16. ^^). Paris verändertes Costum ist wenig bedeutend, 
wichtig aber erscheint die Veränderung, die mit Aphrodites 
Haltung vorgegangen, indem sie die ziemlich coquett ver- 
legene Helena mit wdt erhobenem Arm gradezu auf Paris 
hinweist. Auch Eros Umwandlung ist bezeichnend, aus dem 
Jttngling ist ein Knabe geworden, der nicht mehr zu Paris 
redet , sondern diesen , der scheinbar zaudert , mit Hast und 

±9) Von Morrifoii bei Gaattsni a. a.O.p. 53ff. — 90) Von 
Jahn, Peiiho S. 24. — »i) Die ZeichauDg ist gaoa Bcblerbt. *- 
MM) Auiienlen nebrfeeh, to bei Mflller d. A. K. II. 27. 295, Gel, 
mytb. 159. ö4t. ( . 



Anttreftigttiig «u fielMia kcransidit Eafllidi ist es bansr« 
kenswerth , dass an die Stelle der Peilho hinter Aphrodite S 
Musen , Polymnia , Suterpe mit der Doppelflöfe und Erato 
mit der Lyra in bei^annter Gestalt {getreten sind. Nicht sowoiil 
eine hocbseitliche Bedeutung (Musik des Hymenaios) mögte 
ich mit Jahn a. a« 0. S. 185 in diesen Musen erkennen« 
als vidmehr einen mehrfach wiederkehrenden Ausdruck des 
Verlockenden und Verführerischen in der Musik ^^)» sind sie 
doch an Peitho's Stelle gesetzt ^^). 

Am meisten abgeschwächt ist die Darstellimg in 
Nro.lO», einem herculanlsch^n Wandgemälde, 
abgeb. in den Pitt di fircol. II, 25. ^^) Hier i^ namentUeh 
die Gruppe der Helena und Aphrodite schwadi« Weit enU 
femt y dass die Güttiu mit einschmeichelnder Deberredung 
die verschämte Schöne für Paris Liebe gewönne, scheinen 
beide Frauen mit mnander in gleicbgütifem Gesprich be« 
griffen , bei dem besonders Helena , die rechte Hand hinten 
hnf den Sessel auf gesttttat, die Linke erhoben , sich redit 
nadUlssig benimmt ; auch Bros , der awischen dieser Gruppe 
und dem ruhig stehenden Paris sich befindet , ist durchana 
unbeadcbnend gebildet , er schreitet, zu Helena nurfickblik« 
kend, gleichsam als Liebesbote auf Paris an» Dieser halt in 
der erhobenen Hechten eine Blume. An der SteHe der Pei- 
tho oder der Musen finden wir zwei Dienerinen mit einer 
VnichtschOssd , die ich mit Jahn a. a. O. S. 187 deshalb 
nur als mflssige Haumausfilllung betrachten kann, weil es 
zu merkwürdig wäre , wenn in diesem späten KunslweilL 
ddi ein beiläufiger Zag des Epos erhalten hätte. Nach 4cm 
Bpos macht Paris der Helena beim Mahle die ersten Ge* 
schenke, und dies Mahl, also der Zdtpunkt der Damtellung 

M) Vgl. oben S. 215. Nro. 47. Zu Ähnlichem Zweck werden 
die Seirenen Terwendet,. vgl. Duc. de Luyne», Ann. L S. 2fiO.« Wel- 
cker, Alte Denkm. III. 451. — 24) lieber die Inschrift vgl. Jahp 
ms. 0. S. 186 f. Note» ^ M) YerUeisert in Milliiigen> A 
U. H. I. tab. B. 4. 



— »I — 

kttimte u iAeam DieieriBen gefunden wetd^n, — wenn wir 
ein Vasenbild aus guter alter Zeit vot uns hätten« — Als 

Nro« 11. , dürfte hier schliesslich noch ein in einer 
Zeichnung Barleli's aufbewahrtes^ bei Winckelmann 
HL J. 114 abgebildetes Wandgemälde «rwäiint werden, weU 
ches unsere Scene in nemlich verschiedener Weise aäsdrflckt 
Helena sitfft auf einem Stuhl, auf dessen Rfleklehne sich 
Aphrodite stiltst. Sie reicht dem Tor ihr stehenden Bros^ 
knaben den Bogen, damit er ihn nebst dem Pfeil, den er in 
der rechten Hand erhebt, gegen Paris verwende. Dieser steht 
in Chlamys und phrygischer WütBe Helena ruhig gegenüber, 
und deutet auf sie, oder, dies ist nicht gans klar, berührt 
Bros Pfeil , als reiche er ihn dar zum Gebrauch gegen He* 
lena. Das Oanve sieht einigermassen modern aus, was aber 
OTB Theil auf Rechnung der Zeichnoog bei WinckeU 
mann kommen rnng« 

Dies die Bcenen der werdenden liebe; weiter fortge* 
schritten «nd auf ihrer Höhe sehen wir sie in : 

Nr#,19., einem ruveser Balsamar in Carlsriihe ^^X 
wo HeleMt und Paris msammen auf der Kline sitaen, mi der 
Btfos In grosser Figur heraueilt. — Von hier ist nur noch 
ein Schritt n dem, was uns 

Nro. 13., das Innenbild einer Kylix zeigt ^'), 
nämlich, dass Paris durch die phrygische Mtttse bezeichnet, 
der Helena auf den Knien sitzt, während Bros ihn zu ihrem 
Kusse hindrängt ^^). — 

Gewonnen Ist Helena fär Paris ; sie sich zu erhallen, 
muss tr sie aus der Hefanath entführen, und dies können wir 
als die dritte Scene in einem vortreCBlchen Vasenbild uni 
einem schdnen Relief nachweisen , ersteres , 

M) Von dem WeUker Machricht giebl, zu Teffaite's Taf.dl. 
JÜ9H 7. ^ IBt) Kaeh Welokera. a. 0. Note 5, der die Mchnwg 
1842 bei Braun in Rom tah. ^ 98) Wenn ntalich hier wirklidi 
Pttrta aad« Helesa dar^eetelU sind, Und nicht vieimehr.Apiirodile nnd 
Aachisea eder Adonis. Die Harstellniff mntlie« mich In vneerer Reihte 
•o fremd an, und fOr Aackiae» ediir MoM 'palat die Sitoatkm •• |atl 



Nt0. 14. , ftidet sidi auf der zwciteii HftlfCe der Kylk 
des Hieron^^) (Taf. XllL Nro. 3.), abgeb. in Gerhard'« 
Triakschalen und Oefitaen L 11, 12. ^ Alexandras {AAEX^ 
SANA POS) y in griechischer Tracht, mit awei Speeren, dea 
Reisehat mrflckgevrorfen fahrt Helena (HELENE) , welche 
er am Handgelenk gefasst hat, und su der er umblickt, ent- 
schiedenen Schrittes mit sich fort Helena, im branttichen 
Schleier fdgt ihm aögemd, es ist der letzte Kampf der Liebe 
und Pflicht , nichts Anderes , nicht eine euphemistisch aur 
HeimfObrung msgestaltete, gewaltsame Entführung der wirk* 
lieh widerstrebenden Prau ^^) ist ausgedrückt Zunächst hin- 
ter Helena sehen wir einen bartigen Genossen des Paris, 
dem die Beiscbrift fehlt, den wir aber ohne Bedenken Ai- 
neias nennen, bemüht, eine den Fliehenden nacheilende Juog<* 
frau, Timandra (TIM AAP A), Helena's Schwester '0 «- 
rttckzuhalten und abzuwehren. Eine zweke GeAÜMÜn He- 
lena's, für welche der Haler den Namen (EVOPIS) erfun- 
den hat ^^) , verzichtet auf die Verfolgung , sie wendet sich 
vielmehr zu zwei den Abschluss des Bildes machenden Grei- 
sen zurück, welche enchreckt und verwundert, unfthig zu 
helfen auf ihre Stabe gestützt die Hand mit bezeichnender 
Geberde erheben 3^). Diese Greise sind Tyndareos {TVTA- 
PEOS) Helena's Vater und sein Bruder Ikarios (IKAPIOS). 
Tyndareos ist Herrscher in Amyklai, und so wird uns Amyklai 

29) Die entere Hälfte mit dem Parisurleil Taf. X. Nro. 4. — 
80) Wie Jahn meinte Ber. der sAchs. Ges. a. a. 0. S. 177. — 
at) Hesiod. b. Schol. Find. Ol. X. 79, ApoUod. III. 10, 6. Psna. Ylll. 
5. 1, Serv. i. Virg. Aeo. VUI. 130. — B») Vgl. Jahn a. a. 0. S. 
180 j der anch die Blnmenranke in ihrer Hand als bei EntfAhrnngssce- 
nen gewöhnliches Vorkommniss nachweist, nnd gut daraus begrflndet, 
dass beim heiteren Spiel des Blnmenpflflckens der Rntfflhrer den gfln- 
Biigen Angenblick benflUte; a. a. 0. S. 178, was aUerdingt hiarnicht 
streng genommen werden darf. Diese Blnmenranke ist hier ans ande- 
ren Terwandleo Seenen cooTentionell überkommen» •* SB) Welck 
vortreffliehen Ansdmek fAr das Gelingen der finiffibrnng darin liege, 
dass bei solehen Seeaen nnr wehrlose Greise in der Hfthe sind, bebt 
Jahn herror a. a. 0. 8. 179, vgl. das. S. 178. 



— WS — 

als Loeal auch dieser EntfÜlhniDg wie der oben (Nro. 7.) 
erwähnten Zusammenkunft der Liebenden angedeutet — 
Beschränkt auf die beiden Hauptpersonen , aber nicht min- 
der klar ist die Vorstellung in 

Nro. 15.y einem bei Cumae gefundenen Relief , Bul- 
lettino Napoletano V. 1. 1. Paris in phrygischer Tracht 
schreitet voran, und zieht die verschleierte Helena nach sich, 
mit einer mehrfach zu belegenden Geberde ^), indem sie 
die linke Hand an die Wange legt, und den Arm mit dem 
Ellenbogen auf die rechte Hand stutzt, drückt sie Nachdenk- 
lichkeit und Scham aus, welche sich bei aller ihrer Liebe 
für den schönen Räuber aus der Situation dieses entschei- 
denden Momentes, der ihr später so viele Thränen kosten 
sollte, vollständig erklärt Zwischen beiden ein weiblicher 
Kopf, Aithra, oder ist's Aphrodite ^^). — 

Paris und Helena gehen dann bei Nacht, und viele Schätze 
mitnehmend zu Schiffe , dies ist uns in mehren, meistens sehr 
gut gearbeiteten, etruskischen Aschenkistenrelieüs bewahrt, 
welche freilich auch anders erklärt worden '^). Auch eine 
lei^der bisher unedirte griechische Vase von Vulci soll nach 
Gerhardts Rapp. volc. Ann. UI. p. 153. Note 405^ die 
Einschiffung Helena's ^') enthalten. — - Was aber die erwähn- 
ten Reliefs anlangt, so ist ihr gemeinsamer, allerdings ziem* 
lieh auffallender Charakter , dass Paris ruhig am Ufer des 
Meeres neben seinem Schiffe auf einem Stuhl sitzt, während 
Helena mit mehr oder weniger entschiedenem Sträuben her- 
beigeführt wird. Letztere Wendung lässt sich wohl denken, 
sie ist in demselben Geiste erfunden , in welchem Helena in 
den beiden eben betrachteten Monumenten wenigstens zögert, 
Paris zu folgen. Wie Paris zu dieser Ruhe kommt, weiss 

34) Vgl. Jahn Telephos ond Troilos S. 53 f. — SS) Lelste- 
refl nimmt Jahn, Ber. d. sflchs. Ges. a. a. 0. an. So klar unter die- 
ser Auffassung das Bildwerk ist, so sehr wurde es missverstanden. 
Vgl. Welcker lu Ternite Taf. 31. Rote 13. — 86) Vgl. Ro- 
ch ette H. I. p. 6. Note 2. — 37) Leider giebt Gerhard Nichts, 
■U die Worte: Imbareo d'Elena. 

Orarkatk, iMrotodia Galltria. ig 



— «74 — 

idh nicht au sagen , dennodi aber kalte ich tte Bffclärung 
aus dem hier in Rede stehenden Mythus fOr die fiberwiegend 
einfachste und natürlichste. Am klarsten ist dies in 

Nro. 16., einer Aschenkiste im Lonvre (Taf. 
Xin. Nro. IS.)» ^ihg^h' bei Clara c 214 bis, 792. Das Schiff 
ist mit Troern besetzt, von denen einer schon das Ruder 
gefiisst hat , die schleunige Abfahrt anzudeuten. Ein ande- 
rer halt ein Gefüss, und streckt den rechten Arm aus, ein 
zweites zu empfangen, welches einGenoss herbeitragt, sowie 
ein zweiter rechts noch eines. Offenbar sind diese Gefässe 
von Gold und Silber zu denken, und die deutlichste und 
schönste Form für die mit Helena geraubten x$ifiijXia des 
Menelaos. Auch die Handlung des Herbeibringens und der 
Sinlegung in's Schiff vOUig klar. Helena wird von zwei 
Männern herangefilhrt Ihre Haltung wie ihre reiche und 
Bchtf ne Kleidung nebst dem Schleier ist sehr bezeichnend ; 
sie sträubt sich keineswegs, sondern tritt nur etwas zögem- 
dim Schrittes und wenig geneigten Hauptes zu dem pbry- 
gisch leicht bekleideten Paris, der als SchijBsherr bis die 
Einbringimg der Schatze vollendet ist , am Ufer sitzt Was 
die hier hinter Helena befindliche , auf anderen Exemplaren 
in anderer Situation wiederkehrende Flfigelfigur bedeute, 
weiss ich nicht, wenn sie nicht ganz allgemein ausdrücken 
soll, dass hier etwas Aussergewöhnliches, ein geheimer Fre- 
vel vorgeht, mit dem solche etruskische Dämonen zu thun 
haben mogten. — 

Weniger klar ist die Handlung in 

Nro. 17., dem aus Tischbein's Homer nach Antiken 
I. Nro. 4. ») in der Gal. myth. 157, 542. abgebildeten Relief. 
Das Schiff ist ganz dargestellt , der Steuermann am Ruder, 
eine fackeltragende Frau mit lebhafter Bewegung ^') im Schiff, 

38) Hier Bttllte Heyne snertl die richlise Erklflrasg ■af, die 
gleickseitig ff orcelli, Indicaiione anliq. della Villa Albani p. 3 f. TOnchlaf . 
— 39) Gewiss nicht Aphrodite, wie «. a. Oi. angenoviaea iat^ 



— w - 

Pari» nbif iitaeiid am Ufer, HdeM halb nackt, je4«ph ver- 
fMJileiert von awei Troern und einen Knaben '*^) unter aiein- 
lieh kräftigem Sträuben zu Paris hingedrängt, — 

Zwischen die Darstellungen dieser bdden Szemplara 
fallen die der übrigen , welche einer Beschreibung im Bin* 
jzelnen nicht bedürfen und von denen ich hier kura nodi 
folgende anführen will : 

Nro. 18 — 27. j im Museo Oregoriano L 9A. 5, bei 
Zo^ga Bassirilieri I. 8.176.'"'), Oori, Mus. Str. DL 1S8 n^ 
139, Guarnacci 5, Naffei, Mus. Veron. Titelblatt snd 
tab. 5y 2, Vicar 6aL di Piren2e31,4, Zannoni Illustrax. 
di due urne etrusche tav. 2, 1, ^% Marbres of the brit Mus. 
XIX. 34. — 

Schliesslich sei hier noch der etruskischen Spiegel ge- 
dacht, deren eine ganxe Reihe bei Gerhard, Etr. Sp. IL 
198 ff. Helena und Paris bald mit Menelaos, bald mit defi 
Dioskuren darstellen soll. Dass Helena und ihre Schicksale 
ein sehr passender Vorwurf für die Zeichnungen auf Toi- 
lettespiegeln sein musste, ist klar genug , dennoch sind die 
hier in Rede stehenden Darstellungen uncharakteristisch und 
in ihrer Deutung ^sweifelhaft Jedenfalls lässt sich für un- 
sere Zwecke Nichts aus ihnen gewinnen. 

Vn. WerbuDgeD, Abschiede. 

Menelaos erfährt durch Iris das in seinem Hause Ge- 
schehene. Zurttckgekehrt beräth er mit Agamemnon den Zug 
genTroia, und kommt dann mi Nestor , mit welchem er auf 
einem Werbezug durch Hellas die HeerfQhrer zusammenbringt. 

40) Ein solcher Knabe stAtit auch die zum Schiffe geleitete 
Chryseis in dem bei Roche tte M. J. pl. 15 geseichneten Wandge- 
aiilde; ao Eroa darf sicher nicht gedacht werden. — 4i) ZoAga 
«hlitt, Bugenieheinlich nnriehüg Hypaipyle an Lyhnrgoa yerM^ft. 
^ 4MJ Der «eine, p. 29 ff. gegebene ErhMnpg in dem an ft(P- 
«hette geaehenkten Kieaiplar haadachiiftlich widerruft, wd die fic^- 
tige anniflinit, a. Aochette M. J. p. 6. Rote 2.i 



— 176 -^ 

Die Werbungen und die Abschiede der Heroen von den 
Ihrigen, namentlich von den alternden Vätern mögen im Epos 
charakteristisch genug ausgebildet gewesen sein, ohne dass 
dieser Charakterismus sich bis in die bildende Kunst fortge- 
fflanst hat. So kommt es , dass die Heroenabschiede im 
Ailgemdnen zu den allerzahlreiclisten Monumentgruppen ge- 
hören Oy obue dass wir mehr als einige Exemplare , und 
auch diese zum Theil nur durch Äussere Merkmale geleitet, 
mit individuellem Namen belegen können. Diese wenigen 
bestimmbaren Abschiedsscenen sind folgende. 

1« Aias und Teukros von Telamon scheidend. 

Schlanke apul. Amphora mit gedrehten Henkeln 
bei Hm. Gargiulo in Neapel (Taf. XIII. Nro. 7.), abgeb. in 
Rochette's M. J. pl. 71. 2. >) Mit der Geberde tiefster 
Trauer steht der kahlköpfige Telamon auf seinen Krückstock 
gestützt vor Aias, der in voller Riistung, eine gewaltige 
Heldengestalt, sich noch einmal zum Vater und zu der Mut- 
ter Periboia ernst zurückwendet. Letztere, welche ebenfalls 
kahlköpfig scheint, das Haar in Trauer geschoren, erhebt 
das Gewand vor das Gesicht, die queUenden Thränen zu ver. 
hüllen. Andererseits eilt munteren Schrittes Teukros, einen 
Reisesack ^) tragend hinweg. Durch geringere Grösse und 
leichte Kleidung unterscheidet er sich auflallend von Aias, 
wofür Welcker, gewiss richtig, als Grund angiebt, dass er 
Bastard ist. Auch dass ihm der Abschied offenbar leichter 
wird, dürfte sich daher erklaren. Die Namen sind den Man- 
nem , jedoch mit Vertauschung beigeschrieben. Ceber Tela- 
mon steht AIAS und TEVKPOS, über Teukros TEAA^ 
MON *). 

i) Vgl. Welcker A. D. 111. S. 349, 407 f., 469 f., Bo* 
cbette H. J. S.311. Note 3. -^ ») Vgl. dat. S. 311, Annali IV. 88 
utid Welcker im Rhein. M«f. lil. (183d) S. 622. — 8) Von Ro- 
ch dtte MWhgewieBeii a. a. Q. Nota 3. Tgl. das. ß. 161. — 4) VfL 
oben S. 114. Note 24. 



— a*y — 

3. Achilleas und Patroklos Abschied von Peleus und 

Menoitios. 

Grosser Krater früher im Vatican , jetzt im Louvre, 
abgeb. in Millingen's A. U.M. I. pl. (20. im Ganzen) 21. 
(u. 22.) ^). — Die Erklärung, welche Miliin gen dem 
hier in Rede stehenden Bilde gab, und die ich wiederhole, ist 
keineswegs unzweifelhaft , dennoch aber passend und wahr- 
scheinlich. Und weiter scheint man mit dieser Darstellung nicht 
kommen zu können, als bis zu einer passenden Erklärung ^). 

ö) Früher gans ungeDan in Dempster's Etmria regalit I. 47 n. 
48 und davon abhingig bei d'Hancarville II. 106 u. 129 u. III. 110 u. 
138, indem er das Bildwerk vier verflchiedenen Vasen caBchrieb. Aach 
bei Inghirami, Gal. om. II. iav. 120. — 6) Streng genommen, 
•eheiot also diese firklimng in den „provisorischen Wahrheiten« zn ge« 
hören , welche Jahn Ficoron. Cista S. II. mit dem grOssten Rechte 
von der Welt unbedingt beliämprt und verwirft. Aber, und es dürfte 
hier am Orte sein , ein Wort Ober die „provisorischen Wahrheilen« 
oder „provisorischen ErklArnngen" Oberhaupt an sagen , da es mtss* 
verstanden worden su sein scheint, was Jahn mit dem Ausdruck* 
meinte, aber sage ich, unter provisorischen Erklftrungen sind doch 
nur solche zu verstehen , welche der Erklftrer ohne innere Ueberzen* 
guDg von ihrer Richtigkeit aufstellt, nur um nicht ein Denkmal ganz 
anbenannt zu lassen, und etwa in der Hoffnung, dass spAter ein An« 
derer das Rechte treffe. Unmöglich kann Jahn unrichtige, irrthflmli- 
che Deutungen gemeint haben, denn diese verdammen zu wollen, ohne 
uns Menschen Unfehlbarkeit geben zu können, wftre absurd. Die wirk- 
lichen provisorischen Erklärungen im eben angegebenen Sinne aber 
gehören nebst den allzukQbnen „divinatorischen Resultaten'« wirklich 
zum Verwerflichsten in der Wissenschaft. Jeder Ilame, auch der un- 
richtigste, den man einer Kunstdarstellnng giebt , wenn er nur nicht 
ganz aus der Luft gegriffen und absolut unpassend ist, wirkt fort, und 
wird fortgepflanzt, allein schon deshalb, weil er die bequemste Bezeich- 
nung bietet, wflhrend lange das Richtige gefunden sein könnte, wenn 
der Herausgeber ohne provisorische Erklärung nur eine genaue Be- 
schreibung gegeben, und schon dadurch angedeutet bitte, dass das 
Werk noch nnerklftrt sei. Die provisorischen Erklftrungen und wenig- 
stens manche divinatorische Resultate streifen an den Leichtsinn. Man 
wird wohl durch Divination, durch ein Apper^u, wie Goethe es nannte, 
zur Erklftrung eines Kunstwerks gelangen, aber man darf sich dabei 
nicht beruhigen, noch dabei stehen bleiben, und sollte wenigstens das 



In der Mitte des Bildes hält ein Viergespann , der Lenker, 
die Zügel straff gefasst, besteigt so eben den Wagensit^. Bei 
den Pferden steht ein gerüsteter JQngling, den Helm auf der 
recliten Hand, die Linke hoch auf die Lanze aufgestützt, 
neben ihm ein wie der Wagenlenker nur mit dem Chiton 
bekleideter Jüngling. Rechts und links im Bilde sitzt je ein 
bärtiger Mann, deijenige links auf einem l^sarog Xt&og^ dem 
Sitz der Fürsten, deijenige rechts auf einem Klappstuhl. 
Diesem giebt ein leicht bekleideter , jedoch mit Helm , gros- 
sem Schild und Lanze bewehrter Jüngling offenbar zum 
Scheidegruss die Rechte, welche der Aeltere fest in der 
seinigen hält. Dabei schaut er dem Jüngling freundlich ernst 
in's Antlitz und spricht zu ihm, die Rede mit der erhobenen 
Linken bekräftigend, ein ermahnendes Abschiedswort. Wenn 
wir Menoitios Abschiedswort an seinen Patroklos 11. XL 
785 lesen, so stimmt das so ganz mit dem Ausdruck unse« 
rer Gruppe, dass es schwer wird , nicht diese Scene zu er- 
kennen. Dies angenommen kann der andere ältere Mann, 
der, reicher bekleidet, links sitzt, nur Peleus sein, und den 
Jüngling in der Mitte, den einzigen künstlich gerüsteten, 
müssen wir Achilleus nennen. Unter diesen Namen betrach* 
tet, scheint diese Gruppe fein charakterisirt Achilleus, der 
feurige, hat sich schneller vom Vater losgemacht, als der 
milde Patroklos, er ist vorgeschritten, und schaut nur noch 
einmal zu Peleus zurück , wie dieser in unverkennbarer 6e- 
berde ein Gebet für das Wohl seines Sohnes zum Olympos 
empor sendet. Reine Trauer um Achilleus Auszug, so wenig 
wie Peleus solche in der Ilias ausdrückt ^), eher die freu- 
lUge Ueberzeugung , Achilleus werde, was er ihm als Er- 
mahnung mitgiebt: 

nicht Beweisbare als Vermutliaog oder als uDstcher liinstelleB. — Nach 
dem Gesagten wird man die Erkllrnng des in Rede stehenden Vasen« 
bildes nicht zu den proTisorischen rechnen , ich bin von ihrer Rich- 
tigkeit flbeneogt, aber beweisen kann ich sie so wenig, wie Tielleicht 
irgend Jemand. — T) Vgl. II. IX. 343, 439, XL 763. 



miiv dQi0TSvsiv xai vnst'^oxog SfAfiMvai aXXmv (IL XL a. a* 0.); 
spricht fflch in seinem Gesichte aus. — Ein Jflngling in Frie- 
denstracbt hinter Peleus auf seinen Stab gelehnt drückt als Be- 
gleiter dessen FttrstenwOrde aus, wahrend durch xwei Säulen 
neben Menoitios das Haus beneichnet wird. Pdeus, Achilleus, 
der Wagenlenker und AchiUeus GeAhrte sind bekrinast ^). 

3. AchiUeus Abschied von Nereus. 

Krater von Girgenti(Taf.XIII. Nro.lO.), abgeb. in 
Welcker's Alten Denkmälern Taf. 25. 9) — Die in der 
Ueberschrift angegebene Weicker'sche Erklärung dieses 
Vaseubildes wird kaum streng zu beweisen sein, wenn man 
nicht den einen Fussringel als Beweisstück für AchiUeus gel- 
ten lassen wiU, was mehr und mehr fraglich werden dürfte ^^), 
aber diese Erklärung ist von allen aufgesteUten die wahr- 
scheinlichste. Denn weder Hephaistos, an den der Hersog 
von Luynes dachte, ist dargesteUty noch Theseus nachdem 
bei Pausan. L 17. 3 und Rygin^ Poet. Astr. 9. ^ berichte« 
ten Mythus der Art charakterisirt, dass nicht von aUen äus- 
seren Merkmalen äbsusehen , AchiUeus leichter sm erkennen 
wäre, als jener attische Heros. 

Wir fassen also das Bild mit Welcker als eine Dar- 
stellung von AchiUeus Abschied von Nereus , welcher inner» 
lieb poetisch so wohl begründet ist, dass ich nicht nweifel- 
haft bin , ilin in die Kyprien zu setzen , um so weniger , da 
wir aus U. I. 896 wissen, dass AchiUeus im Hause des Ne- 
reus , in seiner silbernen Grotte (II. XVIU. M.) verkehrte. 
Nereus sitzt, durch die Triaina als Meergott ^*) charakttri- 
sirt auf seinem Thron, freundlich hält er des Jünglings 
Hand, welcher, iu der bekannten leichten Ephebentracht und 

8) Für ßittselh«iteD nameniUch des Kostunit vgl. Millingen 
a. a. 0. S. 56 ff. — P) Ausserdem Hon. dell' Inst. I. 52« 53 vgl. 
Panofka Ann. V. 364; Duo de Luynes, Description de quelques 
Vases pl. 21y 22; vgl. Bröndstedin den Ann. Secl. fran9. I. 139, 
Welcker a. a. 0. S. 401 ff. und Jahn, arch. Aufss. S. 20. — 
iO) Vgl. oben S. 183. flöte 53, 54. — ii) Die Nachweise fOr Mereoa 
in dieser Gestalt siehe bei Welcker a. a. 0. S. 408. Note 6. 



in frisch kräftiger Gestalt vnr ihm steht Dass das elneEpi- 
sphyrion den aus anderen Gründen erkannten Aehilleus be- 
zeichnen mag , darf nicht in Abrede gestellt werden. Hinter 
Nereus eine Nereide mit einem Kranz für Achillens, wie auf 
der , der Raumersparung wegen auf meiner Tafel nicht mit 
abgebildeten Kehrseite, welche die Vorstellung fortsetzt, Do- 
ris auf einem Stuhl sitzend einen zweiten halt ; vor ihr eine 
Nereide mit Blumenranke, hinter Doris Stuhle eine dritte, 
Oinochoe und Trinkschale zum Abschiedstrank für Aehilleus 
nach bekannter Sitte ^^) bereit haltend. 

Ein Kantharos des Herzogs von Luynes, abgeb. 
Ann. XXII. tav. dagg.H. J, der in zwei Abschiedsscenen seines 
Averses und Reverses einerseits Agamemnon, Aehilleus, Kymo- 
thea und Dkalegon, andererseits Nestor, Antilochos, Patroklos 
und Thetis, alle mit Beischriften vereinigt, ist von L. Schmidt 
a. a. 0. S. 143 S. erklärt und als aussermythisch nachgewiesen. — 

4. Odysseus von Palamedes entlarvt. 

Wie viel oder wie wenig die einzelnen Werbungen im 
Epos individuell ausgebildet waren, ist schwer zu sagen, 
nur einige specielle Züge sind auf uns gekommen. Zu die- 
sen gehört ganz besonders die Geschichte von Odysseus durch 
List erzwungenen Theilnahme am Zug gen Troia. — Die 
Erzählung ist bei Hygin fab. 93. ^^): Odysseus, der seine 
künftigen Schicksale kennt, versucht durch geheuchelten Wahn- 
sinn dem Zuge zu entgehen , indem er Pferd und Rind zu- 
sammen an den Pflug spannt; Palamedes entlarvt ihn, indem 
er den kleinen Telemachos entweder (nach den Kyprien) '^) 
ergreift und zu tödten droht, oder ihn vor Odysseus Pflug in 
die Furche legt. Die Vaterliebe siegt, Odysseus rettet sein 
Kind und zieht mit gen Troia. 

Wir haben literarische Erwähnungen mehrer Kunstdar- 

19) W elcker a. a. 0. S. 408. Ifole 7. — 18) Vgl. Tsets. 
ad Lykophr. 318, 384, Scrv. ad Virg. Acn. II. 21., Qaint Smyrn. V. 
191. — 14) Vgl. unten Nro. 3. 



- &6i — 

Stellungen dieses für Maler des Ethos offenbar höchst fhiehC- 
baren Stoffes, leider aber nur gans kurze Notizen ^ so er- 
fahren wir von 

Nro. 1., einem Bilde dieses Gegenstandes von Par- 
rhasios bei Plutarch. De aud. po(;t 8. und von 

Nro. 2. j einem Bilde des Euphranor in Ephesos, 
durch Plin. H. N. XXXV. 40 sect. 25 nur die Existenz^ bei 
letzterem mit dem Zusatz j dass das Zusammenschirren von 
Pferd und Rind dargestellt war. 

Nro. 3. Lukian beschreibt'^) ein Gemälde dieses Stof- 
fes , welches mit der Erzählung der Kyprien genauer als 
die besprochenen übereinstimmt. Bei Proklos heisst es, dass 
die Werber auf Palamedes Rath den kleinen Telemachos zur 
Verstflmmelung '^) ergriffen , dass das Rind in die Furche 
gelegt wird scheint spätere Erfindung (der Tragödie). Auf 
dem in Rede stehenden Bilde hatte Palamedes das Rind er- 
griffen, und bedrohte es unter dem Scheine des Zornes über 
Odysseus Weigerung mit gezacktem Schwerdt 

Dagegen sehn wir in 

Nro. 4., einem geschnittenen Stein (Tafel XIII. 
Nro. 4.), abgeb. in den Annalen des Instituts VII. tav. d'agg. 
H. 4. die gewöhnliche Erzählung ausgedrückt ; Telemachos 
liegt vor den Pflugstieren, denn zwei Stiere anstatt Stier 
und Pferd sind angespannt, Odysseus, von dem über den 
Stieren halb sichtbaren Palamedes entlarvt, wirft mit dem 
Ausdruck lebhaften Schmerzes beide Arme in die Höhe. 



VII. a. Achilleus Jugend. 

Die Werbung um Achilleus Theilnahme am Zuge gen 
Troia wird im Epos den Anlass gegeben haben, von des Hel- 
den Rindheits- und Jugendgeschichte die bedeutendsten Daten 

i^) De domo vol. HL p. 203. — i6) ini xolovaty mitWel- 
cker Ep. Cycl. II. 100 für das handschriftliche xolaawt das keinen 
oder einen yerkehrten Sinn giebt. — i) Vgl. Roulei im Ball, de 
l'acad. de Bruxelles IX. Nro. 10. S. 456 ff. 



qHSodiscb ;ni enttblen, wenigstew wüflrte ich keinen an- 
deren Ort y der so einfach und ganz nach epischer Schick- 
lichkeit hiezu geeignet gewesen wäre. Dass aher von Achil- 
leus Erziehung durch Cheiron im Epos dieEede war, dafür 
bttrgen uns einige archaische Vasenbilder, die alsbald aaxu- 
fahren sind , und deren Quelle, da alte lyrische Bearbeitung 
des Stoffes nicht bekannt ist , anderswo als im Epos sm su- 
chen sehr künstlich sein würde ^). -— Achilleus Kindheits- 
und Jugendgeschichte ist bekannter, als manches Andere, da 
«e späte Dichter behandelten. Dass ihn Thetis an der Ferse 
gefasst in die Styx tauchte ^), dass er darauf an Cheiron 
von Peleus oder Thetis selbst ^) 2ur Ermehung übergeben 
ward, dass ihn Cheiron in Jagd und Musik eraog, ist in kur- 
zem der Gesammtinhalt von Achilleus Jugendgeschichte. Wie 
viel davon dem Epos gehört, ist nicht bestimmt auszumachen, 
jedenfalls aber die wohl auch sonst in alter Poesie (U. XI. 
831, Find. a. a. 0.) erwähnte Erziehung beim Kentauren ^). 
Die Ueberbringung des Kindes an diesen ist denn auch der 
Inhalt der erwähnten alterthümlicfaen Vasenbilder, welche 
wir den übrigen Monumenten voranstellen. 

Nro. 1. Kylix der Feolischen Sammlung (Campanari 
Coli. Feoli 84), abgeb. in Micali's antichi Monumenti (Fi- 
renje 1883) tav. 86. 1. ^) Peleus mit dem Kind Achilleus 



S) PindarUche Erwftbnnngen, wie in unserem Falle Nem. IV. 
43 ff. fflr Qiellen von Bildwerken sa nehroen , halte icli fflr noch be- 
denliliclier als epische kurze nod gelegentliche Berichte als solche an 
Btatairen (S. oben S. 87. Note 17.) Jedenfalls sollen wir die ausfähr- 
liehen direclen Ersfthlangen der alten Poesien immer zuerst als mög- 
liche und wahrscheinliche^ Qnelien In Anspruch nehmen. — 8) Sta- 
tins Achill. I. 269 , Fnlgent. Myth. 3. 7. — 4) Orph. Arg. 383. ^ 
S) Vom Bad in der Styx ist dies zweifelhaft, da über die Art, wie 
Thetis ihren Sohn von der Sterblichkeit zu befreien strebte, verschie- 
dene Versionen vorhanden sind, vgl. mit den angvfAhrten Stellen Ptol« 
Hcph. 7. — 6) Ganz klein M. d. J. 1. 27. Nro. 40. unter den Vasen- 
formeu. Vgl. Rapp. volc. Note 407. a. und Roulez a. a. 0. S. 459. 
Unser Gegenstand ist das Aossenbild der einen Seite , die andere ist 
bakchisch. 



— «8» — 

im Ann eilt nit gnisseii Schritten auf den ihm begegnenden 
Kentauren m, Idnterdem 3 Frauen, nach Roulez Nymphen 
des Pelion , Chariklo , Philyra , EndeKs , wie hinter Peleos 
Thetis sich indet Diese Vase seigt uns «also Achilleus nech 
als Kind in des Vaters Annen, dagegen finden wir in 

Nro. 2., einer Hydria, die Gerhard bei Bafr- 
seggie in Rom zeichnen liess (Taf. XIV. Nro. S.) und in den 
auserL Vasen III. Taf. 188. herausgab ^^ den Knaben sdion 
erwachsener dem liehrer zugeführt. Rechts im Bilde sehen 
wir den Kentauren mit seinem schon ans den Darstellungen 
von Peleus und Thetis uns bekannten, mit Jagdbeute behau» 
genen Ast oder Baumstamm. Er empAngt ruhig Peleus, der 
in leichter heroischer Wanderkleidung ihm den Sohn vor- 
stellt. Achilleus erhebt wie begriissend die linke Hand» wah- 
rend er in der rechten einen Gegenstand hält, den Ger« 
hard einen Kranz, Roulez eine Tänie nennt, den ich 
aber lieber als Reifen (rgoxo^) aufEassen mögte, wie ihn 
Oanymedes hat ^), und wie er zur Andeutung knaben- 
hafter Belustigung sich vorzfiglich eignet. Hinter Peleus sein 
Gespann, neben dem Thetis reichlich bekränzt und von ei- 
nem grossen Hunde ^) begleitet steht, auch sie Cheiron be- 
griissend. Im Felde unleserliche Inschriften. — Am Hals des 
OeOsses Herakles im Ltfwenkampf in reicher Götterumge- 
bung, ein Vorbild aller Heldenkraft und somit auch des 
Sohnes der Thetis. — 

Sehr ähnlich ist 

Nro. S., eine zweite Basseggio'sche H y d r i a, abgeb. bei 
Roulez a. a. 0. pL 2. Die Gruppe Peleus, Achilleus und 
Cheiron ist fast ganz dieselbe , nur hat Achilleus nicht den 
Reifen, sondern streckt dem Kentauren beide Arme zur Be- 

T) Wahrscheinlich das auch Ann. 1836. p. 63 angefahrte Ge- 
Asf. Eine zweile Abbildung bei Roulez a. a. O. pl. 1. — 8) Vgl. 
oben S. 222. Ifote 72. — 9) Kur als solchen, als den so hBufig den 
Helden begleilenden Hund vermag ich das wunderlich gezeichnete Thier 
sofnifaBsen; dodi vergL Qerliard n. a. 0. 8*73. and Ronles 
S. 466. 



— «84 — 

grüssung entgegen. An Cheiron's Baum hangen keine Hasen, 
wohl aber steht eine «weite Stange mit dieser Jagdbeute und ei- 
nen Fuchs weiter links neben dem nach links gewandten Wagen 
desPeleus, in dessen Sitz derWagenlenker, und neben dessen 
nur zum kleinsten Theil sichtbaren Pferden Thetis steht. — Am 
Hals des Oeftsses zwei Viergespanne im Lauf, ein Hoplit 
zwischen ihnen, ohne bestimmten mythisch-poetischen Bezug 
zum Hauptbilde. — Drei andere Vasen dieses Gegenstandes, 
Nro. 4j 5, 6. habe ich nicht selbst einsehen können ; sie sind 
notirt im Mus^ ^trusque du prince de Canino Nro. 1510, 
im Catalogue ^tru6i|ue p. 85. Nro. 136, in beiden sind Peleus 
Achilleus und Cheirons Namen beigeschrieben, die dritte fin- 
den wir in Gerhardts Rapp. volc. p. 176.407. a. *^) 

In Kunstwerken spaterer Zeit Iftsst sich eine grössere 
Mannigfaltigkeit von Begebenheiten aus Achilleus Kindheits- 
und Erziehungsgeschichte nachweisen; so zeigt uns 

Nro. 7., die bekannte capitolinische Brunnenmttn- 
dung mit den Schicksalen des Achilleus von seiner Geburt 
bis zur Schleifung Hektor's , abgeb. im Mus. Capitol. IV. 
tav. 17. *^) ausser der erwähnten Geburt und ersten Wa- 
schung des Kindes ^^) (M. C a. a. 0. 1. 2.), seine Eintauchung 
in die Styx (Tafel XIV. Nro. 3.) M. C. a. a. 0. 3. Thetis 
hat den Sohn dicht über dem Fussgelenk , genau da , wo in 
den Araber erwähnten Achilleusbildern das fk'agliche Bpi- 
sphyrion sitzt, am Bein ergriffen, und taucht ihn tiber Kopf 
in's Wasser. Die Styx ist keineswegs wie Toelken zur 
Gal. myth. a. a. 0. wohl der Sprache zu Liebe (^ 2tvl§) 
sagt, als Nymphe, sondern in der gewöhnlichen Flussgötter- 
gestalt als bartiger Mann dargestellt. — Sodann finden wir 
die Uebergabe an den Kentauren (a. a. 0. 4.) nicht durch 

iO) Vgl. Roalez a. a. 0. S. 460. — ii) Danach sehr kleio, 
Gal. myih. 153, 532. ~ 19) Acbilleas Waachang in einer Gemme 
der Stoflch'scheii Sammlung, bei Winckelmann II. 208 ist mir nach 
der Besclireibang allein nicht unverdichtig genng, nm das Monument 
hier einiureihen. — 



f 



^ 285 — 

PeleuS) sondern durch die ganz versebleierte Tketis^ end- 
lich (a. a. 0. 5.) Achilleus Unterweisung in der Jagd. Er 
reuet auf dem Rücken seines rossleibigen Meisters , der in 
gesprengten Galopp einen bereits durch einen Pfeil verwun- 
deten Lftwen verfolgt >^). — Eine Ersiebungsscene neigt uns 
wahrscheinlich auch 

Nro. 8., die eine Schmalseite des Sarkophags von 
Barile >^), abgeb. Ann. IV. tavv. d'agg. D. u. E. vgl. S. 
828 ff. Cheiron sitzt ähnlich, wie in dem unten anmiftthren- 
den Wandgemälde mit dem Lyraunterricht , vor ihm steht 
Achilleus, in lebhafter Bewegung die Arme erhoben, mit 
dem rechten Bein vortretend, den Oberkörper zurückgewor- 
fen. Es scheint, dass eine Hebung im Speerwurf oder im 
Faustkampf ^^) dargestellt war , doch ist das Relief zu sehr 
beschädigt, um bestimmt zu entscheiden. — 

Nro. 9. Zwei Scenen der Jagderziehung beschreibt 
uns Pbilostratos II. 2. , einmal Achilleus auf Chirons Rtlk- 
ken reitend (wie in Nro. 7. 5.) , sodann Cheiron vor seiner 
Grotte sitzend, wie er dem Jfingling als Lohn für heimge- 
brachte Jagdbeute Aepfel und Honig darreicht. — Auch in 

Nro. 10., einer antiken Paste des Stosch'schen Cabi- 
nets (Winckelmann HL 209., ToelkenIV. 246) wie in 

Nro. 11., einer Gemme in Gorlaeus Daktylioth. 
IL 516 ist Achilleus auf Cheirons Rücken reitend dargestdit 

Weitaus am anmuthigsten sind aber die einigemal nach* 
weisbaren Darstellungen des Unterrichts im Lyraspiel. Un- 
ter diesen steht obenan 
• 

iS) Wie Orph. Arg. 383. — 14) üeber ein Belief im Masettm 
tu Tarin (Mann. Tanrin. II. 23., p. 13. welches Achilleus in Cheirons 
Grotte YOn den Lymphen gepflegt darstellen soll, aber Terdftehtig ist 
a. Welcker zn Philostr. p. 409 u. Ronlez a. a. 0. S. 467. — 
iS) Hanptseite Achilleus auf Skyros, unten S. 288. Nro. 4. — 
16) Gegen einen anfgehftngten Sack wie der Argonaut auf der Pico- 
Tonisehen Cista* So eben weist Osann die Uebnng des Fanstkampfk 
gegen den Sack (xtoQvxog) als bekannt palAstrisch nach. S. Arch.Ztg. 
1852. Nro. 40, 41. 8. 447. 



Nro« 19. , das sdiöne ponqpeiiinisdie Qtmlklde (Taf. 
XIV. Nro. 6.}, abgeb. bei Zahn IIL SS. >0- Der Kentaur 
aitet mit dem Rogsldb, die vorderen Beine anfeatematy 
vor ihm, von seinen Armen uni£asst AdiiUeus wundervolle 
JiingUngsgestalt Er hält die Lyra und schaut aufmerksam 
fragenden Blicks zum Lehrer empor, welcher ihn des Plek- 
tron HU handhaben unterweist Der dunkel gefilrbte Körper 
des Kentauren und der lichte, schlanke Leib des schdnen 
Jftnglings bilden einen der herrlichsten malerischen Effecte ^^) 
der alten Kunst Das Ganze ist von reicher ardiitektoni- 
sdier Umgebung eingefinsst — Dieselbe Scene indet sich in 
geschnittenen Steinen mehrfach wieder, von denen 

Nro. 13, eine Gemme in Gori's Mus. Clorent II. 
SS. 2 ^9) am bdkanntesten und berühmtesten ist — Sehr 
ähnlich ist 

Nro« 14., ein quergestreifter Sardonyx aus der Slosch'- 
gchen Sammlung (Win cfc elm ann III. SlO) in Berlin, Tool* 
ken n. 146 und 

Nro. 1&, eine antike Paste (Winckelmann DI. 
SU.), ebendas. (Tafel XU. Nro. 11), Toelken IV. 847. 
Zur Seite steht eine bärtige Herme , das Zeichen des Gym- 
naai«m. — In 

Nro. 16., einem Achatonyx derselben Sammlung 
(Winckelmann a. a. 0. SIS), ebmidas. Toelken a. a. 
O. S48 derselbe Gegenstand, nur dass an der Herme ein 
Spiess lehnt 



Auf diese Episode lassen wir eine zweite folgen , in- 

iT) Daselbst Taf. 38 der obere Theil des Bildes id natariicher 
Grösse; das Gänse aach JMus. Borb. I. 7. — ±8) Roulez meint, 
a. a. 0. S. 469-, sowohl das Wandgemfllde als die folgende Gemme 
sei eine Nachahmung eines berühmten Scnlpturwerks ; möglich ist di^ 
immerhin, nachweisbar sicher nicht, «nd echi malerisch, erst in der 
|l«terei ganx xn genieseen ist daaUnetwerk ohneFmge. «« lP;)Da&> 
ans Gal. myth. 146, 553. 



dem wir eine Reibe auf is^äteter Umdiehtrai^ ftetnheailMr 
Bildwerke einsehalten , wddie 

Vn. b. Achilleus Abholung von Skyros 

darstellen. 

Die Erzählung ist bekanntlich diese ^): besorgt ge« 
macht durch das Orakel, welches Achilleus Heldenruhm aber 
frühen Tod verhiess, brachte Thetis den Knaben in weibli- 
cher Kleidung nach Skyros zum Lykomedesy mit dessen Töch- 
tern er erzogen wurde. Den Jüngling fesselte Liebe zu DeY- 
damia, der ältesten von jenen. Als aber Kalchas beim Be- 
ginn des Zugs gen Troia verkündet hatte, dass nur mit 
Achilleus Hilfe der Kampf zum Ende geführt werden könney 
wurden Diomedes und Odysseus ausgesandt, ihn zu suchen. 
Nachdem sie ihn auf Skyros aufgespürt hatten , Lykomedes 
aber ihn verleugnete, entlarvte ihn Odysseus durch dieListi 
dass er unter Geschenken für die Mädchen Waffen legen, 
und dann falschen Kriegslärm machen Hess ,. worauf Achil- 
leus kampfesmuthig zu den Waffen griff, und, also entlarvt, 
mit den Achaeern zog. 

Von älteren Kunstwerken dieses wie es scheint belieb- 
ten und nicht selten dargestellten Stoffes ^) sind folgende 
zwei bekannt: 

Nro. 1., eiu Gemälde des PoIygno|;os, erwähut bei 
Pausan« I. 22. 6., 

Nro. 2., ein Bild von Athenion von Maronea, OL 
120 nach Plin. XXXV. 11. 8ect40. — Der erhaltenen Denk- 

i) lieber die vdUig yerschiedeiie firifthlnng von AchlUeaB 
Aorenthalt aaf Skyros in den Kyprien vgl. W e 1 c k e r , Ep. Cycl. II. 
S. 141 mit der Note. Ueber die Quellen der spftter so vielfach be- 
baadelten Dkhtong von des vefkleidaten «nd versteckten Achillens 
Leben nnter den T^cbtem des Lykomedes sind wir noch iauner nidit 
im Reinen, nur wissen wir des Sophokles wie Enripides den Stoff in 
TragAdiea behandelten. Vgl. Welcher 6r. Trag. L 202 ff. Heyne 
das vermeintL. Grpibmal Honters 3. 32 ff., Jahn arcb. Beitrages. 
382 ff. ^ B) Vgl. ApoUod. III. 13. 8, Hygin. fab. 96, Stat. Achill« 
M. 16 ff. ^ 3) Vgl. Achilles Titias VI. i. 



Haler ^) ist eine grosse Reihe. Am häufigsten finden wir 
den bis auf Modificationen im Einseinen sehr ähnlichen (Ge- 
genstand in SarkophagreliefSy die mit grösseren oder gerin- 
geren Variationen dieselbe Composition enthalten , und von 
welchen folgende anzuführen sind: 

Nro. 3., In Petersburg, durch Pasch van Krienen auf 
Jos gefunden, der ihn für Homeros Sarkophag ausgab. Vgl. 
Heyne, das vermeinte Grabmal Homers, Lpz. 179 i, M u r a 1 1, 
Achilles und seine Denkmäler ausser Süd-Russland u. s. w. 
Petersburg 1839. ^) 

Nro. 4. , am nächsten verwandt : in Barile, in zwei 
ungenauen Zeichnungen abgeb. Ann. IV. tav. d'agg. D. u. 
E. ^). Beide Sarkophage zeigen im Mittelpunkt Achilleus, 
der Schild und Lanze ergriffen hat, in heftiger Bewegung, 
neben ihm Del'damia , in Nro. 3 kniend , in Nro. 4 stehend, 
bemüht, ihn zurückzuhalten, ffinter ihr, in Nro. 3 deutlich 
bezeichnet, in den beiden Abbildungen von Nro. 4 seltsam 
entstellt ^) ihre Amme , unmittelbar neben dieser sitzend, 
eine Schwester DeKdamias mit einer Spindel und endlich die 
Gruppe: Agyrtes der Trompetenbläser ^) , Odysseus, Dio- 
medes. Nach der anderen Seite bilden eine sitzende und 
mehre stehende Töchter des Lykomedes mit leichten Unter- 
schieden in Nro. 3 u. 4 die abschliessende Gruppe. An den 
Ecken beider Sarkophage Hernien wie mehrfach an Sarko- 
phagen. — 

Eine zweite unter sich ähnliche Gruppe bilden 

Nro. 6., früher in Villa Belvedere in Frascati, 
jetzt in England beim Herzog von Bedford ; abgeb. Woburn 
marbles 7. ^) 

4) Yergl. Welcker, Zeitschrift fflr alte Kanst S. 423 ff. und 
die graoÄiche Bearbeitung J a h n'i arch. Beiträge S. 352 ff. , die ich 
wesentlich nur ausziehen kaun. — S) Göthe's Programm snr A. Lit. 
Ztg. 1802. bei Boas, Pfachtrftge 111. S. 194. — 6) Vgl. Roche tte 
das. p. 320 ff. und Bnll. 1830. p. 25 und Ann. V. p. 164 ff., Jahn 
a. a. 0. 355 f. -~ 7) Vgl. Jahn a. a. 0. S. 355 mit Note 9. -- 
8) Nach Stat. a. a. ,0. 200. _ 9) Vgl. Wiocfcelmann M. 1. 



f 



Nvo. «., in der Villa Panfili, abgeb. bei R. Ro- 
chette M. L pL 12. ^^) 

Nr».7.y In der Villa Carpeg^na, Pragmenty Zoilga, 
a. a. 0. S. 426, 5. 

Nro. a, im Vatican (Tat XIV. Nro. (k), abgeb.im 
Mus. F. CL V. 17. ") 

Gemeinsaai ist diesen Monmienteii 1) AebllleiM Gertalt 
Im langen, abfidlenden Frauengewande stfirmt er, die Lanm 
orgrifen, redits hin; 2) in 5, 6, 7 Defdamia, welche vor 
Aehilleos kniet ; in Nro. 8 eilt rie ihm mit gelüftetem Schleier 
entgegen ; 8) in 5^ 6, 8 die , obgleidi modillcirte Gruppe der 
S Männer , Odyssens , Agyrtes , Diomedes , in dem Fragment 
7 fehlt diese Gruppe ; 4) links von der Mittelgmppe die 
ebenfalls im Einwlnen verschiedene Gruppe der Schwestern 
der Deldamia. In Nro. 6 und 8 findet sich nwisehen Achil- 
leus und Deidamia ein nackter Enabe, in § kniend, in 8 
Achilleus Brust umfassend. Dieser ist fiüher Bros genannt 
worden , aber sowohl seine Stellung als die Analogie des 
Monumentes unter Nro. 13 veranlassen mich , ihn mit Be« 
stimmtheit als den kleinen Neoptolemos au erklaren, wie dies 
für Nro. 8 vor mir Jahn a. a. 0. S. 368 that. Freilich 
soll in Nro. 5 ausser ihm sich noch eiu «weiter, geflügelter 
Knabe finden , der Achilleus Laune fasst ") , aber mag es 
sich mit dem oder mit den beiden Enaben dieses Monuments 
verhalten wie es will, in Nro. 6 u. 8^ und gans besonders 
in § ist nur Neoptolemos au erkennen. Wiederum fthnlich 

Nro. 9. , aus Villa Albani bei Vescovali .in Rom, 
abgeb. bei Winckelmann M. I. 87 und Rochette M. 
I. la B. '0 

toy Auch Inghirami, 6al. on. IL 180, Tgl. Zofig« ■• •• 
0. S. 424, 3. — ii) Danach GaL myth. 154, 555, vgl. ZoAga a.a. 
0. S. 423, Gerhard in der Beichreibnng Roms II. 2. S. 126 f., 
Goatho a. a. 0. — 18) Die Abbildang konnte ich nicht einiehen. 
— iS) Dasi diese Abbildungen von einen nnd demselben Relief sind, 
was schon Jahn S. 359. Rote 15 fSr mOglich und selbst wahrschein- 
lich hielt, scheint mir aniweif elhaft in sein. Vgl. noch Ann. IV. S. 330 f. 
OTtrbtelr« hcrolMh« flaltarie. 19 



Ifro, 40m im Pal^t Nani in^ Bfimt ZoCf a 4U a. 0. 
S. 423 f. 

A^m^iw itt yoQ einen Rokebett aiifgesf nuigM , das 
weibliche Gewand ist abgeworfen , und der H^ >ist bi» 
^iif die uni den Arm flattemde CUamys näcfct; Mfdamia 
umschlingt auf den Knien liegend sein JMn.. Rechts die 
QTUn^ der drei IW&nner» links die sehr bewegte der Töch- 
ter das l<ykQmfidl»9f beide Cfmifeii dflne« vm Nre. A— 8 
idwUcb^ so da9^ die HauptmodificatiM is Acbilleus Ctttstalt 
ii«d der Zmetemg der Eline liegt 

Sudaan 9inl von Jahn a. a^ O« S* 305 if. nach «wei 
giiiB anders and sehr wriehtig erMurte IteMefe, von denen 
s^hon Zo^ga*^) unter Rochette'B*^) und Welcker^s ^<^) 
2imümaimkg das eine ia unseren Kreis gesogen hat^ in die-* 
sew üit.sfeUagendea Gründen vertheidigt ^^). 

Nro« U.y im IiOuvr& Die rier Seiten sind getrennt 
Mid abgebildet ; 

II« a. Vorderseite mit unseiser Darstellung bei Win^ 
cicelmanii W. L ISd. V») 

11. b. Winekelmann M. I. 183. '^) 

11. c Bouillon ni. 8. ^'') 

11. d. Winekelmann M. i. 134. »0 

Nro. 13., im Cajpitolinisehen Museum, abgeb. 
bei Bartoli, Sepolcri 81-*83^^), und die einaelnen Seiten: 

13* a. Vorderseite mit unserem Gegenstande bei In- 
gbirami O. 0. 33. 

i4) A. a. 0. S. 427. -r- iö) M. 1. p. 71 f., 416 f., Ann. lY. 
p: 331 f. — iß) Ann. V. p. 159^ — 17) Die früheren unrichlSgen 
ErklArnngen fibergehe ich , da sie durch Jahn abgethan aind: -^ 
18) Clarac 111, 339, Inghirami 6. 0. 23. — 49j Qlai^gc 112, 
241, inghirami 6. 0. 185. — 20) Clarac 1^9, 47, Rpchetts 
M. I. 22, 2, -^ il^ Clarac 111, 243. — 22) Auch Piranesi 
antich. Rom* it. 33 ff, Mus. CapiL lY.l— 4. Yj^l. Y^nuii spiegaaione 
de' bassirilievi deir nrna della d'AIessandro Severo Rom. 175^,. Fiale 
sopra aicuni monnmenti di R. ant. Roma 1933, f latnsr^ Betchreib. 
Rom» 111. 1. S. 151 ff. 



i9. b. Iteselbst IflS. 

12. c. Das. 36. 

Die Vorderseitea 11.». und 12.,». zeigen beide AßbiUew 
in der Mitte, daa das FnMieagewapd fmi gaji^ »bgirfaUMi 
isty mit dem Schild und Sichwerdt. Nebeo ihm link» tHSÜBm 
mia mit der Geberde des ScBtaunen» , ndl^ea ihr j« 13 mae 

ihrer jSchwe^tf^iro , wabrfiPd ifi 11 recibts ?op AckiU^ns in^ 
reo 2 sichtbar sind. - . 

In beiden Reliefen sitzt auf beid^ Sei^f) jp ß\u älte- 
rer, bescepterter Mann, Lykomed^s upd Ph9i|iix oder p|^ 
Jahn a. a. 0. S. 367. Nestor. In 12 neben dem Herrscher 
zur Rechten sehr deutlich Odysseus, und neben ihm, durch 
heroische Nacktheit ausgezeichnet, wohl Dio^iedes , aiif bei- 
den ausserdem mehre junge Krieger, welche Pferde halten, 
raümausfüllende Vertreter des griechischen Heeres« — Auch 
die Schmalseiten dieser Sarkophage gehören unserem Stoffe 
ün, und zeigen frühere und spätere Scenen. Die Schmalseite 
1 I.e. zeigt Achilleus als Kitharspieler sitzend zwischen zwei 
Töchtern des Lykomedes, neben welchen die Amme steht ^^), 
während Agyrtes in's Schlachthorn stossend heraneilt, wo- 
durch sich seine Abwesenheit auf der Vorderseite erklärt. 
Auffallender Weise ist keinerlei Eindruck auf Achilleus be- 
merkbar. Die Schmalseiten ll.b. und 12.b. zeigen Achilleus 
Waffnuug nach der Entdeckung und 12.c. lässt uns seinen 
Abschied vom sitzenden Lykomedes, bei dem Del'damia steht^ 
erkennen. — 

Nicht uninteressant ist ferner 

Nro. 13., das Relief eines runden, elfenbeinernen 
Kästchens in Xanten, aus später Zeit, abgeb. in den Jahrbb. 
des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande V* VI. 
Taf. 7, 8, vgl. Drl ich 6 das. S. 369 ff. Achilleus Gestalt 
ist die bekannte, vor ihm finden wir, sehr leicht kenntlich, 
Odysseus , Agyrtes und Diomedes , während a^l^ererseiti 

J^a) Vgl. if^M S. 364, I« der Zeichnong bei Rochetie 
scheint iie behelmt. 



AdiUIeus Deldania nadieilt, den Sobn auf beiden Banden 
erhoben 9 damit sein Anblick den Vater zurOckhalte. Hinter 
Deldamia eine Gruppe von 4 Frauen mit Spinnen und Hnsik 
beBch&ftii^y 2a denen nochmals Odysseus mit einem nicht sra 
bestimmenden Gegenstand , offenbar dem Geschenke tritt 
Dies ist also ähnlich eine fiühere Scene derselben Hand- 
Img wie in der Schmalseite des thea besprochenen Sarko- 
phags Nro. 11.^"^) 

Von Reliefen dieses Gegenstandes sind noch zwü Bmch- 
stacke, Nro. 14 im britischen Museum ^^) und Nro. 15 im 
Hus^e Napoleon 11. 60 zu erwähnen. 

Sodann sind einige pompejanische Wandgemälde an- 
2ttftthren ^ welche in der Composition von den Reliefen be- 
deutend abweichen y denen hingegen Nro. 16 , ein 1773 bei 
Vienne gefundenes Mosaik^ abgeb. bei Artaud, Recueildes 
mosaiques de Lyon cet 18 ^^) ganz nahe verwandt ist. Die 
Wandgemälde, von denen eines, 

Nro. 17. (Tafel XIV. Nro. &) 1828 ausgegraben ^Ot 
ein zweites , Nro. 18. 1834 gefunden wurde , zeigen im 
Hintergrund eine Säulenhalle mit einer in's Innere des Pa- 
lastes führenden Thttr und vorliegender breiter Treppe, von 
deren unterster Stufe AchiUeus, noch halbwegs weiblichen 
Ansehens, mit langen Locken, zierlichen Schuhen, fliegen- 
dem Peplos, jedoch das Schwerdt in der Hand und nach 
dem Schild greifend, stürmisch dem vermeinten Feinde ent- 
gegen herabeilt. Odysseus und Diomedes von beiden Seiten 
herantretend ergreifen ihn an den Armen. Im Hintergrunde 
links Agyrtes trompetend ^% in der Mitte Lykomedes, rechts 
erschreckt fliehend Deldamia. Noch entfernter 2 Krieger. 

ii4) Ueber den, anter dem Schlosse decorativ aogebncliten 
Adler Tgl. Jahn S. 362. Note 17. — 2S) Ancieot marblee of thabr. 
M. X. 36. » 26) Vgl. Jahn a. a. 0. S. 369. Note 30. — 27) Ab- 
geb. Mus. Borb. IX. 6. Vgl. Jahn a. a. 0. Note 31. — 28) D. h. 
Vragoüente dieser Figor , die Trompete und der Helm , die ihn aber 
hinreichend sicher stellen. 



Auf lern SchilAe, den Aebilleus ergreift, igt er selbst darge^ 
stellt, wie er von dieiron im Leierspiel unterrichtet wird^ 
eine auch sonst in WandfemAlden nachweisbare Composi- 
tion ^^). Mit leichten Modificationen glebt diese ausdrucksvolle, 
malerische Composition 

Nro. 19. y ein pompejanisches Mosaik , wie* 
der 9 aber welches Schul je im BulL 1841. p. M f. und 
Jahn a. a. 0. 8. 870 sm vergleichen sind. Dagegen ist ein 
drittes , sehr schlecht erhaltenes Gemälde , Nro. 20 , abgeb. 
hü Maaois, ruines de Pompeii ü. 48, verschieden erfiin- 
den. Achilleus, noch im Frauengewand, greift nach dem 
Schilde und DeYdamia sucht ihn zurfickzuhalten, während 
eine Figur im Hintergrunde , die den Finger an den Mund 
legt , ohne sonst als Odysseus charakterisirt zu sein , doch 
vielleicht mit seinem Namen zu belegen ist. 

Völlig verschieden endlich von allen hier aogefilbrten 
Compositionen ist das Bild Nro. 21, das uns in einer recht schwül* 
stigen und unklaren Beschreibung niilostratos des jOngeren 1 
erhalten ist, über welche Welck er in seiner Ausgabe S. 581 
und J a h n a. a. 0. 8. 372 zu vergleichen sind. — Auf Vasen ist 
der Gegenstand bisher nicht nachweisbar gewesen, denn die 8 
Vasenbilder, Millingen, Peintures de Vases de dlv. Coli. 
57, RochetteM.I.80. und J ahn, Beiträge Taf. 11, welche 
auf denselben bezogen worden, stellen ihn sicher nicht dar. — 



Nach Beendigung der Werbungen sammeln sich Heer 
und Flotte der Achaeer in Aulis; beim Opfer geschieht das 
bekannte Wunderzeichen durch die Schlange mit dem Sper- 
lingsnest 0> Kalches deutet es, und die Flotte läuft aus. 
Jedoch verfehlt man Troas, und landet feindlich in Teuthra- 
niea, Telephos Gebiet, welches, für Troas gehalten, verwü- 
stet wird. Telephos eilt zu Hilfe , todtet Thersandros , Po- 

»9) Vgl oben S. 285. ~ 1) U. II. 300 ff. 



- MI — 

Ijneifces Sohn ^) und schlftgt, obwohl von Achilleus tetwuil- 
deft) difc Grieeben ab« Diese kehren durch Sturm irerstreut 
ItagsanI nach Hellas aurick« Tdejphos Wunde heilt nicht ; 
e^ erhalt das Orakel; Der dich rerwKndete #ird dich hei- 
len, kommt nach Argos und wird, unter der BedingUlig:, 
Fibrer aach Ilion 2tt sein , durch Aehilleus Lanzeorost ge- 
heilt. Dies in Umrissen der Inhalt einer Erweiterang der 
tfoischen Sage durch Staiiinos, welche We Icke r Ep. Oycl. 
II. S. 196 mit Recht die grösste Bereicherung nennt , und 
welche, ron der Tragödie ausgebildet, die Quelle einer Reihe 
interessanter Kunstdenkmiüer geworden ist. Als Abschnitt 

VIII. Telephos ') 

wollen wir sie zusammenfassen. In demselben unteriächeiden 
wir drei Scenen: 1. Kampf am Kaikos, 2. Telephos 
im Ofiechenlager, 3. Telephos Heilung. 

1* Kampf am Kalkes 

Hier haben wir zuerst ein sehr bedeutendes unterge- 
gangenes Kunstwerk au besprechen. Im hinteren Giebelfeld 
des Tempels der Athene Alea in Tegea '^) hatte Skopas 
nach Pausan. VIU. 45. 4. Telephos Kampf gegen Achilleus 
in der Ebene des Kaikos dargestellt ^). Aus Pausanias er- 
fahren wir über dies Kunstwerk Nichts als die angegebenen 
Worte, behandelt ist dasselbe neuerdings von Gerhard: 
Die» Heilung des Telephos S. 11 ff., voki Wieselet Gott, 
gel. Anzz. 1844. S. 1075—79, von Jahn, Arch. Auf^. S. 

JS) Find. Ol. 11. 76. mit d. Schol. IX. 105. — 3) FQr die Be- 
arbeiiuDg des Mythus in Euripides „Telephos" ist besonders Jahn's 
schÖil6 Monographie Troilos und Telephos, Kiel 1841. zu vergleichen. 
-» 4y Auge, Telephos Müller von Herakles, war Priesterin der Athene 
Alea. Ueber die terschiedenen Sagen von Auge und von Telephos 
Jugend s. Jahn Telephos und Troilos S. 46 ff. und Arch. Aufss. S. 
160 r. ~ S) Vgl. Piad. Ol. U. 43, Istbm, lY. 41, YIL 49.' 



IM ft ilild von W^lokiir^ Alte Benliflttlerl. Ml 0, Ab 
üdier k«nji itur FolgieBdeg gelten: iaas die Gn^e aus we« 
mggtens 15> vidkidü^ naeh Welcker's Anndune^ avs Sl 
Kgtrm bestand , dass Aclnllens und Tele^hos im Kämpft 
f^gm ciaandeT die Mute einnahmen, etwa to^ wie Athene 
md FMddan im hinteren Parthenong^el^l. Sehr wahnehel»- 
licN kt eiy dass der Moment ren Telephos siegreichem Vor- 
düngen 9 niäit der seiner Verwtandliag dureh Aehillevs dar^- 
festelU war ^), da Telephbs Hauptheld ist; s^weifelhaft istp 
oh deir Kampf um Thenandros Leiehe geftthrt wurde, wais 
Gerhard a. a« 0. S. 11. Note S7 annahm, und was ich 
nidit so unbedingt wie Welcker a. a. 0. S. 201 yetweri- 
fen mftgte '). — Telephos Gestalt ktonen wir ans noch ei^ 

6) MbgWch wire, meiDemGefflhle nach, freilich auch die«, T^ 
lephoa Verwandang war der TrichUgste und folgeoFeich«!« Momenl dei 
Mythus, and diese Yerwondung ist ja keineswegs einer Niederlage 
gleich zu achten, sondern macht nur den Griechen den RficlLsug mög- 
lich. — 79 Welcker's Vermnthung S. 202, dass hinter Achilleus 
fheriiandros hfnsinkehd, und auf der anderen Seite Patroklos ver- 
froMlai sitaand dargesMlIt war, ist sehen deshalb «nhaltbar, weil diera 
andere Seite die des Teliiphos war. — Uabar die Compositioa des Yor« 
deren Giebelfeldes dieses Tempels , welches die kalydonische Eberjagd 
enthielt, sei mir hier beiläufig eine Vermuthung erlaubt. Die Schwie- 
rigkeiten ^ P^nsaniaä Worte mit der nothwendigeh Aoordnudg der l^i- 
gartfa im Oiabeldrefetfk zn Teitinfgen, bat Weleker a. a. 0. S.lWf. 
klar, jenaohl ; i«b. glaube sie durch di« Composition des ReMefs MiH 
Capit. IV. bO (d'Agincourt Sculptur Taf. 1. 25) vollatlndig heben, an 
können. Atalante erscheint hier allein zu Ross in der Mitte, alle an- 
deren Personen hämpfen zu Pubs, so dass der Mittelpunkt der Gmppi- 
nmg mtk Ifatfirlichste durch M Haupiheldin' gegeben isf. Auch di^ 
Stellung des Ebers enlspricht genau Pausaoias Worten, er sei fast 
(fidUata) in der Mftte. So sehr ist die pyrartililale Aufstellung in 
diesem Relief gegeben, dass der Yerferttger desselben rechts und liiiks 
von Atalante Bflttme zusdiaen mnsste , Hin seinen quadraten Raum zu 
fOileil. — Ankaios aber muss gewiss hinter dem Eber, wie in allen 
Reliefdarslellungen des Mythus , nicht vor ihm gedacht werden. Hur 
wMm Aifkains bis Ueberwltltlgter hinter dem Thier liegt, und dieses 
aioti ^^ge«' Atalante wendet, vHrd Ihre. That und Bedeutung klar. Der 
Eher kai AttkalOS im AlMriifgen terwundet, er rennt weiter, da (rlitt 

ihn Atakaia^y ond^'W wltd htM%%, .^ ^ 



■IfenBaflwii reifegMwiitigai, uditm Jahn a. a. <l» 8*Mr* 
es sehr wahrscheiiilidi genacht hat , dass in dem nit SehiM 
Uni Sdiwerdt vordringenden Helden auf Mflnsen von Tegea 
(Taf. XL Nro. 4.) % welche gann ähnlich auf Mflmen der 
opnntischen Lokrer als Aias und auf Mannen von Trikka 
wiederkehrt, ein Abbild des Telephos von Skopas evhallen 
sei ^). — Sehr nweifelhaft dagegen scheint nur die Brkli- 
mng nweier erhaltenen Denbnaler aas diesem Mythus , ob- 
gleich ich gern gestehe , keine bessere gebra nn können. 
Das erstere dieser Bildwerke ist das Bild auf dem Beven 
der oben (S. S77f.) besprochenen Darstellung von Achilieus 
und Patroklos Abschied bei Hillingen A. U.1ILL88. Das 
andere ist das Belief auf dem Altar des TL Qand. Faven- 
linusy der sog. Ära Casali, weldies Wieseler, die Ära 
Gasali , Göttingen 1844L S. 31 (vgl das. Tat S.) sehr ge- 
schickt durch Telephos und Achilieus Kampf aber Thersan- 
dros erklärt hat Jahn stimmt dieser Erklärung durchaus 
bei (Arch. Aufiw. S. 161 ff.) und auch Welcker (a.a. 0. 
S. 908) erklärt sich bedingtermassen fOr dieselbe , jedoch 
nicht ohne hervonniheben , dass Telephos für ein römi- 
sches Denkmal weit hergeholt seL Ich kann nicht um« 
hin, aussusprechen y dass ich nicht begreife, wie die Ge* 
schichte von Telephos und Achilieus Meher unter lauter 
Darstellungen, die mit Bom in engor mythischer Verbindung 
stdien, gerathen sein sollte, sowie mir auch der Zusammen- 
hang, den Wieseler den Bildwerken giebt, nicht einleuch- 
ten will ^^). — Als Telephos gewaltig gegen die Griechen 

8) Pfach Jahn, Areh. Aofai. Taf. I. llro.5, au Bröndaitdt» 
Voyagea et recherchef 11. S. 233. — 9) Eine Aehnliehkeit dieaer Fi. 
gor nit dem Telephos de» Skopa», nar nicht eine eigentliche Hach. 
bildang erkennt anch Welcker a. a. 0. S. 203 an; ea acheini mir 
aber, da die Fignr für die angenonmene Situation dnrchana paiat, andi 
letiterea keineswegs namAglich. — 10) Anch die Aehnliehkeit swi- 
sehen diesem angeblichen Telephos und dem der tegeatiaehen Mflnsen 
will mir sehr entfernt scheinen. Wie soll man denn am Ende du 
Vordringen mit Schild und Schwerdt wueatlich aadera dnisleUen ? -* 



— «r — 

vordraagy stand PatroUos allein mit Achilleus ihm entge- 
gelten , und Adiilleus , welcher seinen Muth und gewalcigea 
Sinn erkannte, machte ihn zu seinem nnaertrennlichen Waf- 
fengefiüirten '0 und Freund, wie wir ihn aus der Iliaa 
kennen« Ein berühmtes Vasengemalde , die Schale des 
Sosias (Tafel XUL Nro. &), abgebildet in Gerhard's 
Trinksehalen Tat 7. ^^) giebt uns aus diesem Kampfe einen 
literarisch nicht aberlieferten Zug. Die Darstellung mit bei^ 
geschriebenen Namen AXIAEVS und RATPOKAOS spricht 
so durchaus fOr sich selbst, dass jede Brklftrung ttberflOssig 
ist. PatroUos ist durch einen Pfeilschuss , also nicht von 
Telephos , im Arm verwundet , Achilleus , der von Cheiron 
auch die Heilkunde gelernt hat ^^), legt ihm eine kunstge- 
mttsse Bandage um die Wunde. Für diese Verwundung des 
PatroUos und Achilleus wundärztliche Thätigkeit wird man 
sich im ganzen Gebiete der heroischen Sage vergeblich nach 
einem anderen Zeitpunkt als dem hier in Rede stehenden um- 
sdben, und dieser ist denn auch von Weicker a. a« 0. S. 
dld mit völliger Sicherheit nachgewiesen. — 

Zahlreicher und sicherer sind die Denkmäler , welche 
uns die zweite Scene unseres Mythus , weldie uns 

% Telephos im Griechenlager 

vorfahren. Zum grössten Theile sind es freilich etruskische 
Aschenkisten, die hier anzuführen sind, und deren poe- 
tische Grundlage Jahn in der oben genannten Schrift über- 
zeugend in Euripides Telephos nachgewiesen hat ; aber es 
mnd uns auch einige griechische Kunstwerke erhalten , bei 
denen die Frage ihre Berechtigung hat, ob auch für sie die 
Tragödie oder nicht vielmehr das Epos die Quelle ist. Die 

t±y Plodar. Ol. IX. 70, Tgl. Weicker, Ep. Cycl. 11. S. 138. 
— 12) Zaent in den Monunenlen des Instituts I. 34, 25, danach in 
MAller's 0. n. K. I. 45, 210. Vergl. den Ueriog von Luynes Ann. 
111. 238, and Weicker, Alle Denkmftler III. S. 410 ff. - iB) II. 
XI. 829 ff. 



eiirfbche von 4em ntBxken Pathos der Reliefs weit eiiltenite 
NaIVetAt dieser Vasenbilder muss uns sehr geuei^ machen, 
sie aufs Epos zurttekzufQhren , nur bleibt uns ein Zweifel 
iAwigy ob wir die List des Telephos, den kleinen Orestes 
SU ergreifen und zu bedrohen in's Epos setzen, und dieselbe 
ohne die gründliche Moüvimng der Tragödie von Rly- 
iainnestra's Einrerständniss *^) eingeführt glauben dürfen. Bs 
wird sich dies vielleicht nicht erweisen lassen, dennoch aber, 
meine ich, müssen die gleich zn nennende« Vasenbilder einen 
80 mächtigen Eindruck auf uns machen, dass wir geneigt 
werden die Frage mit Ja zu beantworten. Diese Vasenbil- 
der sind : 

Nro. 1. Olpe mit rothen Figuren (Tafel XIII. Nro.9.), 
im römischen Kunsthandel gezeichnet, und abgeb. in Jahn's 
ardi. Aufss. Taf. 2. *^) Telephos sitzt, den verwundeten 
Sdienkel mit einer kunstgerecht gewickelten Binde umwun- 
den auf dem Altar, bekränzt, im heroischen Kostüm, keines- 
wegs in Bettlerkleidung, mit dem Schwerdt umgürtet, die 
Rechte auf die Lanze aufgestützt. IHH der linken Hand hält 
er das Kind Orestes , welches seine Hftnde einem mit ent- 
schiedenem Schritt herantretenden Helden entgegenstreckt, in 
dem wir nur Agamemnon erkennen können. Agaroemnon's 
Geberde drückt Verwunderung, keineswegs aber Zorn oder 
Schreck aus, Telephos erscheint durchaus ruhige das Kind ist 
keineswegs augenblicklich von ihm bedroht, der ganze gemäs- 
sigte Ausdruck des Bildes erinnert uns an eine schlichte Poiisie, 
fern von dem Pathetischen der euripideüschen Tragödie ^^). 

14) S. Jahn Telephos und Troilos S. 21 f. Die Tragödie des 
EuripideB nftmlich verlegt Iphigeneia's Oprernng vor die Heilang d60 
Tidephos, wahrend ai« in Epos jenem folgt. Nor aus dem Geriet 
des Schmerzes und der Rache wegen der Opferung ihrer Tochter er- 
klftrt sich das Einterslflndniss Klytaimnesfra's mit dem Feinde M ein- 
fache und liefsinnige Art. Frerttch ist TelcrphoS fJst auch ohne Mit- 
wirken Klylaimneslra's denkbar und tielleiehl (wie auch Jahn thut, 
arch. Aufss. S. 173) für das Epos anzUnefameD. — IS) Vgl. S. tH 
u. 73. — iß) Die von Roc hefte, Choix de peintures de Fon^* 



Sodltiin Nro. 2., das verwandte Oemftlde efaie^ 
Kraters im Museo Borbonico (Nro. 1S72), welche Wel^ 
cker in Bull. Napolet.183]. h S.9S. auch A.D.III.S.50». 
8» beschrieben hat ^'): Telephos mit dem mysischetfHut hat, 
in Arglos erkannt, den kleinen Orestes ergriffen, und sich mit 
ihm anf den Altar gerettet, indem er das Kind mit dein 
Schwerdte zu durchbohren droht, wenn man ihn antaste. 
Der linke Schenkel ist mit einer weissen Binde umwickelt 
unter welcher Blut herabfliesst Gegenüber steht Agamem^ 
non *^). — Um die Simplicitat dieser beiden Bilder recht m 
ftthlen vergleiche man als 

Nro. 8., eine Vase in welcher ich (wie auch Jahn a.a. 
O. S. 414 mit einigem Zweifel) nur unsere Scene zu erkennen 
vermag *^), die aber sicher nicht aus dem Epos herstammt, abgeb. 
bei Tischbein Vases d'Hamilton II. 6 und danach Gal. mytk. 
163,010.'^ Telephos kniet hier mit dem Knaben Orestes, den 
er mit dem Schwerdte bedroht, auf einer zu beiden Seiteik 
mit Sphinxen vorn aber mit Bildnerei verzierten Erhöhung. 
Er siebt gespannten Blickes auf einen mit der Lanze bewaff- 
neten Mann, der sich, von einer Frau gedrflngt, unwilligen 
Schrittes entfernt, während eine zweite Frau zu dem be- 
drohten Knaben heraneilt. — Crewöhnlkh wird hier Astyä- 
nax Todiung erkannt, jene Erhöhung fasst man als die Zin- 
nen des Tburms , von welchen der Knabe binabgeschlendett 
werden soll, den Mann, der ihn hält, als einen Griechen^ iTe^ 

peji p. 81 f. im Cal. Darand. 68 (Gebart des DioDysos) nacbgowieaene 
Telephosvase Ut wohl ohne Zweifel mit dieser eioerlei, s. Jahn areh. 
Beitr. S. 359. Note 15. -— 17) Welcker leitet die Beschreibung so 
ein: „in den Kreis der epischen und tragischen Fabel fallen« u. s. 
w. ; da er nun anf der folgenden Seite zwei auf euripideTsche Tragö- 
dien gegründete Bilder bespricht, scheint auch er für unsere Vase opih. 
sehe Grundlage anzunehmen. — 18) Welcker sagt S. 530, das Ge- 
maide gehöre zu denen, die anf Vasen aus vollständigeren Darstellun- 
gen abgekürzt ausgehoben sind, worin ich nicht beizustimmen vermag. 

— 19) Woran Welcker a. a. 0. «weifelt. — 20) Vgl. noch Mil- 
iin PeiDtorea de vases II. p. 56 und Roche ite M. I. p. 324. 






Oijsseüs Befehl zur Tödtung des Enaben erwartet, den sich 
Botfemenden als Odysseus, die Frau neben ihm als Andro- 
nacbey weldie vergebens um des Kindes Leben fleht; die 
MWtiie Praa als die Amme. Die schon von Miliin und 
Eochette aum Theii erkannten, von Jahn Uar nachge- 
wiesenen Schwierigkeiten dieser Erklärung sind aber fast 
so zahlreich wie ihre Momente. Jene Erhöhung kann nicht 
die Zinnen eines Thunnes darstellen (Jahn S. 15, Miliin 
und Eochette a. a. 0.)> Astyanax wird lebendig vom 
Thurm hinabgeschleudert, hier bedroht ihn der Mann mit 
dem Schwerdte, wozu das? wie käme Odysseus su diesem 
Zurückweichen? und woher käme die in die Augen fallende 
Aehnlichkeit mit den Telephosdarstellungen der Aschenkisten ? 
Fassen wir die Sadie recht scharf in's Auge, so werden wir 
gestehen müssen , dass unsere Scene das Bildwerk durchaus 
erklärt , und dass jene Erhöhung die einarige Schwierigkeit 
macht Diese Schwierigkeit vermag ich nicht bestimmt zu 
heben, aber es liesse sich allenfalls denken, dass wir in 
dem fraglichen Gegenstande die Basis, das Bema des Altars 
jra erkennen hätten, und dass dieser Altar, der zum grössten 
Theil hinter Telephos zu denken ist, entweder in derZeich- 
nong übersehen, oder in der Malerei aus Nachlässigkeit aus- 
gelassen wäre. Die Personen erklären sich von selbst, und 
die zum Orestes heraneilende Frau als Dienerin der Elytaim- 
nestra, als Amme des Eindes gefasst, lässt sich sogar aus 
wenigstens einer der folgenden Aschenkisten (unten Nro.ll) 
nachweisen. Ich bin überzeugt, dass wir hier einen Tele- 
phos vor uns haben und zwar einen auf die Tragödie ge- 
gründeten, und werde diese Deutung trotz der Schwierigkeit 
die sie übrig lässt, nur gegen eine absolut schlagende neue, 
die ich nicht errathe, aufgeben. 

Aus griechisch-römischem Eunstkreise ist hier dann noch 

Nro. 4., eine Carneolgemme im Besitze der Frau 

Mertens - Schaaffhausen in Bonn (Taf. XIIl. Nro. &•) zu er- 

Wähnen, edirt von Drlichs in den Jahrbb. d. Vereins v. 



— »Ol — 

Altertlüiiiisfireiuiden im Rheinland Bd. m. Taf. 8. 1. S. M A 
Telepbos, vMlig nackt und durch {gewaltige Eörperfonnen 
ausgezeichnet , ist mit dem Kinde Orestes auf den Altar ge« 
flüchtet und halt dasSchwerdt bereit^ jenes zu durchbohren. 
Eine Wunde oder ein Verband an Telephos Schenkel ist in 
dieser in's Kurze gezogenen Composition nicht angedeutet. — 

Zahlreicher sind die etruskischen Kunstwerke (Aschen- 
kistenreliefe) ; ihre gemeinsame Grundlage bt der euripidei- 
sehe Telephos in seiner effectvoUen Peripetie ^0- Telephos 
ist, als Bettler rerUeidet, in's Griechenlager gekommen, hat 
sich mit Klytaimnestra über die List , Orestes zu bedrohen 
verständigt, wozu die Königin wahrscheinlich (JahnS.Slf.) 
das Rachegefühl wegen Iphigeneias Opferung, die Euripi- 
des vor Telephos Heilung setzt, antreibt. Ein stolzes Wort 
gegenüber Beleidigungen der Griechen verrath ihn (Jahn 
S. S8), er entflieht mit Orestes auf den Altar und, indem nun 
Agamemnon, für sein Kind bangend, dem Feinde nachgeben, 
Achilleus rücksichtslos denselben tödten will, stellt Klytaim- 
nestra sich als Mitverschworene des Hilfesuchenden dar, und 
es wird endlich durch Odysseus ruhigen Verstand der dunkle 
Sinn beider Orakel dahin gelöst , dass Achilleus Lanze die 
verwundende und heilende und dass Telephos der nöthige 
Führer gen Ilion sei, worauf die Heilung erfolgt. Hienach 
bedürfen die anzuführenden Kunstwerke kaum einer anderen 
Erklärung, als die, welche sich auf die charakteristischen 
Eigenthüffllichkeiten jedes derselben bezieht. — Am genaue- 
sten schliesst sich, wie schon bemerkt , diesem Tragödienin« 
halt an: 

Nro. 6., die von Rochette M. L pl. 07. 2. ^^) ver« 
öffentlichte Aschenkiste Taf. XUI. Nro. 11. Telephos im 
Bettlerkostum , die Binde um den verwundeten Oberschen-« 
kel, hat, so eben erkannt, das Kind ergriffnen und ist mit 
ihm auf den Altar vor dem Palast geflohen. Er sitzt auf 

2i) Vgl. Jahn, Telephos and Trolles S. 29 und arch. AnfM. 
S. 174. — ß») Aach bei Jahn, Telephos and Trolloa Taf. 1. 



^ 30» — 

den Alter und hftlt das Schwerdt gezflckt Qb^ 4im KniM* 
heu ^0, der nächste Augenblick entscheidet über Tod und 
Leben. Vor diesem Anblick schreckt Agamemnon ^^) »uruckt 
den Blick voll Zorn auf den Feind gewendet, weicht er doch 
von Telepbos, zurückgedrängt von KlytaHunestra» welche 
voll mütterlicher Angst, das upwiederbringlicbe Dabeü abzu- 
wenden, sich zwischen die erhitaten AläQuer gßworfm hat 
Noch ist die Sache in der Schwebe, denn hiirter AglMMwaos 
driiigen Achilleus mit ganzer Heftigkeit und MeneUos ein 
wenig zögernder auf Telephos ein , die h^mg ist nicht an- 
gedeutet, die höchst efFectvoUe Katastrophe toirt -^ 1>h 
übrigen Kunstwerke weichen mehr oder weniger von 4er eu- 
ripideisdien Scene ab ; am nAchstea steht den betrachteten 
Relief 

Nro. 6., eine Aschenkiste im bojarrn, abgeb. in 
Clarac's Nus^e de sculptures pl. $14 bis Nro* 798. Hier 
kpiet Telephos mit einem Bein auf den Altar ^^), auf weL> 
chc^n er Orestes, der in dem von der Figur erhaltenen Fragment 
in der Grösse eines Erwachsenen erscheint ^% niederdrückt Ne- 
ben Telephos eine etruskische Furie. Gegen ihn dringt Agamem- 



M) Wie Mnesilochos in der Parodie Ariit. Thesmoph. 693. — 
M4y IHiis orientaligche» KosiBm wie es hier Agamemnon trftgt aafeimi- 
kischen Reliefen auch Griechen , Bamentlich Alteren Peraonen und Kö- 
nigen gegeben wird, ist lange bemerkt und bewiesen. Ich halte es 
ffir unzweifelhaft, dass wir in ihm nichts Anderes als ein MissverstAnd« 
Bisa des tragischen Bfihnenkostnms an erkennen haben. — 2S) Dies mit 
eiBBB Bein auf den Altar knien ist in griechischen und elraskischen 
MoBumeoteo die gewöhnliche Stellung derer, welche in dringender 
Gefahr am Altar Schutz und Reitung suchen, so oben Paris in roelpren 
Reliefen , so Orestes von den Erinnyen verfolgt und andere ; daraus 
erklärt sich diese erste nnd bedeutendste Abweichung sehr einfach. — 
M) Dasa er auch bei Enripides nicht als Kind, sondern als Jüngling 
(jarga^telU gewesen, und dass ihm der Vers (fragm. 21) 
cu 4»otß* "IdnolXoy uivxUf xt 719x4 fi'iQy da €$; 
Euzuschreiben sei, möchte ich aus solchen etrnskischen Arbeiten denn 
doch mit J a h n, Telephos S. 29 nicht schliessen, dies wörde der Scene 
leicht alle Einheit der Handlung apd des Pathos n^t der Wahnchein- 
lichkeit benehmen. 



HOB mit Sdvid Uni Schwevitt ei«» dam «ksb KlFtMimieBtiii 
zu Fttfisen gestürzt bat, mit beiden Händett ihn «urOckhal- 
tend. Die Grupf« gehört ^um Besten, welches efniskiscbe Scidp- 
tnr hervorgebracht hat Hinter Aganeuwoii stehen ruhig 
noch zwei Helden, der eine bis auf die Chlamys nack(^ durch 
diBO Piios ala Odysseu^^ bezeichnet , der andere, reich beUei«> 
dety Menelaoiu Odysaeus war es nach Hygin fab. XQLf weU 
eher die Deutung der Orakel gab. — Einigermagsen ver« 
Wimdt ist sodann 

Nro. 7.y eine bei Gori, BI|i9. etr. III. d. S- t 6, t 
ziemlich ungonttgend abgebildete Ascheaki/$to. Tekpbo» 
steht vor den» Aliar, aufweichen er den Kwb^n dfflck^ 
der recbte Arm, mit dem er denselben bedrohte, fehlt, Aga* 
meinnon driogt nicht heraq, sondern wendet sich aükwebrend 
AchillettB und OIcaclaQs entgegen > der Moment i^t ateo ein 
etwas spaterer , und demgeinttss ist auch Klytainwestra an- 
statt au Agamemnon j^ Telephos und ihrem Kinde hinge- 
wendet fiiimm api Bodefi lii^geaden , in der SSeicbaung wun 
deutUchen Gegenstände, der ein («eichnam zu sein scheinti 
kann ich vor genauer jBevision des Dri|^nals keine diese 
ISrUMrung geßihrdende Bedeutung einitlumen^ In. 

Nro. 8., einer von Jahn, arch. Aufss« Tuf- 3 edirten 
Aschenkiste, tritt eine nach unseren literarischen lieber- 
lieferungen unerkiärlid^e Pe^qn ein. Telephos steht auch 
hier am Altar, auf welchem der von ihm bedrohte Knabe 
sitzt. Klytaimnestra wendet sich mit heftigem Sehritt, jedoch 
zn Telephos zurückblickend Agamemnon entgegen, welcher, 
von einem bis anf die Ohlamys nackten jnngen Manne, de? 
Hm entgegeneilt , ziirflckgehalten , heftig berandringt Üiei 
ser junge Mann ist nicht benemibar, vgl. Jahn a. a. (K 
S^ 177 , kehrt jedoch wieder in 

Nro. 9 und 10, zwei fast ganz gleichen Aschenki*^ 
sten, deren eine foet Rochette, M. I. pl. 67. 1 edirt, die 
andere, uiieiirt) bei Jahn ^ arch. Aufes, S. 176 besprechen 
ist Die drei Figuren: Agamenmon, der junge .BJann und 



Klytainnestray sind wesentlich diesdbeii wie in Nro. 8, ibife- 
gen fehlt der Altar ganz, und Telephos hat den halhwfldi- 
sigen Knaben Orestes am linken Arm ergriffen , bei Seite 
gedrängt , und hält ihm das Schwerdt auf die Brust. — In 
dem Exemplar bei J a h n a. a. 0. entfernt sich hinter Aga- 
memnon noch ein «weiter junger Mann mit dem AusdmA 
des Erstaunens. — Anstatt des rathselhaften jungen Blannes 
finden wir in 

Nro. 11. y einer unedirten, bei Jahn a. a. 0. S. If6 
beschriebenen Aschenkiste neben Klytaimnestra noch eine 
weibliche Figur , welche als Amme und Dienerin ^^) Idcht 
erklärbar erscheint. Sie steht mit dem Ausdruck des Er- 
staunens zunächst neben Telephos, welcher das Schwerdt 
gegen den auf dem Altar knieenden Orestes gezflckt hält 
Auffallender als die Hinsnifflgung der Dienerin ist es, dass 
Agamemnon hier nicht deutlich besdchnet ist, indem Kly- 
taimnestra ihre lebhafte Rede gegen dnen jugendlichen, nur 
mit der Chlamys bekleideten , mit Schild und Schwerdt ge- 
gen Telephos andringenden IHann richtet, dem ein nwdter, 
ahnlicher folgt. Ein undeutlicher Gegenstand, wie der Kor- 
per eines Gefallenen liegt auch in diesem Monument, wie in 
Nro. f. am Boden. 

3. Telephos Heilung. 

Als der Sinn der dunkeln Orakel beiderseits erkannt 
war, heilte Achilleus Telephos Wunde mit dem Rost seiner 
Lanaenspitse. Wir können diesen Stoff einige Male in bild- 
lichen Darstellungen nachweisen und dttrfen aus unten ann- 
führenden Worten des Plinius schliessen, dass er sa den 
häufiger von der Kunst behandelten gehört habe. Von grie- 
chischen Arbeiten ist zunächst als 

Nro. 1., ein Bild des Parrhasios anzufahren, des- 
sen Inhalt Plinius Bist, nat XXXV. 10 fireilidi nur dahin 

BZ) Vergl. die enUprechende Person der Vaie oben Ifro. 3. 



gieM: lavdaiitttr et Amicüs Cutor^ue et PolTiix in eadeü 
tabula, item Telephus, Acbilles, Agamemneo, 
Ulizesy welches aber schon Jahn, Telephos S. 9, geWisa 
mit Hecht, anf unsere Scene belogen hat Ohne alten Zwei* 
fei besieht sich das item vor den vier Heröennamen auf die 
Worte pkixit ... in eadem tabato, wonach kein Mythiii 
gefunden werden kann, welcher diese Vereinigung begrün- 
dete, als eben unserer. Allenfalls kUnnte man auch an die 
nweile Scene unseres Mythus denken, anstatt an die dritte, 
aber gewiss mit geringerer Wahrsdieinlichkeit «-* 

Zwei andere Stellen des Pliiws, Bist, nat XXV. 5»4ft 
und XXXIV. 16. 152 lassen uns, ohne dass sie eine AnfOh*? 
rung bestimmter Monumente enthalten, Telephos Heilung als 
mehr/ach wiederholten Gegenstand erkennen. Plinius sagt 
an der ersteren Stdle: Alii primum aeruginem invenisf» 
(AchiUem dicunt) utilissimam emplastris, ideoque pingi- 
tur a cuspide decutiens eam giadio in vulnus 
T e 1 e p h i , und an der zweiten : est et rubigo^ ipsa in re-^ 
mediis , et sie Telephum proditur sanasse Achilles , sive fer- 
rea cuspide fedt; ita certe pingitur eam decfutiens 
giadio. Jahn hat, Telephos S. 10, ber^ts nachgewie« 
sen , dass hijcr pingere gewiss nicht allein von Malerei, son- 
dern dass es ganz aligemein von bildlicher Darstellung m 
verstehen sei^ wonach auch der Bezug dieser beiden Stellen 
auf Parrbasios Bild wegfällt« und dieselben eine weit allge- 
meinere Bedeutung erhalten. Dies wird um so klarer, wenn 
wir beachten, dass es Plinius hier gar nicht auf eine my- 
thische oder Runstnotiz ankommt , sondern auf eine medici« 
nische Notiz, die er aus bekannten Runstdarstellungen be- 
legt. — Ausser etruskischen Kunstwerken haben wir nur ei- 
nen geschnittenen Stein unseres Gegenstandes anzuführen. 

Nro. 2., Antike Paste in Berlin ^^) (Tafel XII. 

28y Winckelmann Pierret de Stofch 111. 3. 235. Bei ToeK 
ken Cl. IV. 255 unter dem Pf amen: Enrypyloi von Patroklos verbun- 
den. Wirklich ist nach dem mir vorliegenden Gypsabgass die ältere 
BwtmtUüg sweifelktft. 

Ot erbeck, beroiicfae Oallerie. 20 



Rro« 18.), abgekildet in Winekeltaann's Monmiieiiti 
inediti Nro. 132. Die Erhaltmig der Paste ist sehr scblecht 
md es Ittsst sieb unsere SecStae niebl mit Sicherbdt ^ken- 
nen, indem es nicht klar ist, ob ein Verband angelegt 
wird, oder das Abschaben des Lanzenrestes gemeint ist Der 
Verwundete sitnt, die Reckte auf die Lance hoch anfgestitnt, 
den linken Arm ebenfalls^ ganz^ erhoben, als wolle er hin- 
terwärts, riellddit im Sdime» der Wunde, einen Halt suchen. 
Bin Ma» sldit gebeugt vor ihm, und ist a» seinem Sehens 
kel beschäftigt Hinter ihm ein bis auf die CJiIamys nackter 
Hann, der ein Scepter nn kalten scheint, hinter dem ffitnenden 
ein zweiter , ganz unbekleideter. Dass in diesen Mannern 
nicht die beiden Asklepiaden, wie Winckelmann lyrollte, 
sondern sowohl nach der Analogie der oben angefahrten Mo- 
numente und der Vergleiehung unserer Nummer 1, als auch 
nach dem Mythus, Agamemnon und Odysseus ssü erkennen 
seien, ist, unseren Mythus vorausgesetzt, wohl klar, obwohl 
beide in der Zeichnung nicht charakterisirt sind. — 

Andere Gemmen, wie Inghirami Gal. om. 65, 128 
stellen sicher eine ganz andere Heilung eines in den Schenkel 
verwundeten Helden durch Verband dar und hatten selbst 
nicht zweifelnd von Jahn hieher gezogen werden sollen 
(Tel. u. Troil. S. 8. Note 4.) 

Ausserdem haben wir noch einige etruskische Kunst- 
werke, von denen zwei von ungewöhnlichem Werdie sind, 
anzuführen, welche Telephos Heilung darstellen, 

Nro. 8, eine Aschenkiste im Museum von Vol- 
terra, nach einer Zeichnung im archttol. Apparat des ber- 
liner Museums von Jahn in der arch. Zeitung von 1849 
Taf. 8. S. 81 ff. veröffentlicht Telephos sitzt auf einem 
Sessel, jugendlich, in der Chlamys, mit dem Schwerdt 
umgürtet. Mit der Rechten hält er Achilleus Speer, um die 
heilsame Spitze auf seine Wunde im Schenkel zu lenken , 
während Achilleus , in voller Rüstung , den Speer nur am 
untersten Ende ruhig gefasst hält, ohne den Rost ahzur 



sdiaben. H^t 4ff I4nk«i hat Telephos unwiQlüMrlicli , m 
Schmers ; ron der Wunde des Rand des Sessels gefiMPsti 
eine seltene Feinheit in etruskischen Arbeiten« Zwischup 
ihm und Achillens steht eine etniski^e flurie, hinter ibiil 
Ag^jnemnen, wie hinter Achilleus &ly taimnestra , welcihe^ 
die Hand redend erhaben» ihre Vermittlerrolle noch forüra^ 
setfsep scheifit Als ein ziemlich gleiehgiltiger Zusate er-r 
scheint neben Telephos ein Krieger (nicht Odysseus), dea 
Avsgiinges gespannt harrend , a)s, ein sehr ipiteressanter da- 
geg^i hinter Rlytaimnestra der Pädagog ^^)i der den gcr 
retteten Knaben Orestes hinwegftthrt. — Sodann 

Nro. 4., der ausgezeichnete Spiegel ^) (Tafel XIV«^ 
Nro. 1.) in Gerhard's Besitze, abgeb. in Gerhardts etf« 
Spiegeln H. 229. ^0 Telephos (T£F£[(Z>£i) rttckl. »^ bar* 

ti«^?P |WWMf^»> ?VJ«« JW!«n R?W«^ fria auf; den )in. 
ken Schenkel frei Bisst und mit einem Zipfel Über die linke 

Schulter Mit, sitzt auf einem Gegenstand, der als Sessel 
oder Felsen nicht deutlich erkennbar ist, das verwundete 
rechte Bein, das er, von heftigen Schmerzen gefoltert, mit 
der Hand am Knie gefasst hält, auf einen Schemel aufge- 
stützt. Achilleus , dessen Namen AXIE (rückl.) auf dem 
Rand eines aufgehängten Schildes geschrieben steht, eine 
schöne, halbbekleidete jugendliche Figur, steht vor Telephos, 
und schabt mit einem sichelförmigen Messer den Rost vo|i 
seiner Lanze in die blutende Wunde des Feindes. Sorgfältige 
Theilnahme in Haltung und Gesichtszügen ausdrückend steht 

S9) Schwerlich Odysseas, wie Jahn zweifelnd Vorschlag. — 
80y Der frQher tor Lanzi, Saggio II. p. 176 und Malier $. 4l5. 1 
anf Telephos Ueilnng bezogene Spiegel bei Inghirami Mon. Etr.II. 
39 nB4.Gal, qiq. 50 ateilt nach den loschriften Phiioktetea Heilnag 
durch Machaon dar. Vgl. Jahn, Telephos S.8f. — 31) Ff Ahfar alUia 
heraosgegeben in der Monographie: Die Hei lang des Telephos, Berlin 
18^. WiednMt bei Panofka: Vit Qeilgötter der Griechef II. 7. 
YgLanch: '^er d. Metallspiegel d. ^trosker S. 27. Ifro. I57.a. (Sckir. 
d. B^fl. A|ia(l« 1836. S. 347.) -^ 32} Dip l^eiflen letzen BaclislabjBa 
sind difricii Bos( w^ggefrf^xsen, das <l> aber |ioch in einer Spar eyrkeqnf 
Wfjfi^9,sii^,J«^h,n, arc^.^a^s..^« i8Q. Nolei 43. 



hinter Aebilleus AgamemiKm {jiXM^MPfN rüekl.) in ei- 
nen Mantel gehüllt, der den Oberkörper fast ganz Mos Iftsst, 
and auf sein Scepter gestützt. Der Spiegel gehurt zu den 
vortrefBichsten Zeichnungen etmskischer Kunst und hat, 
wenn auch nicht die Eleganz und Weichheit des berühmten 
Semelespiegels , mit dem er verglichen worden , vielleicht 
vor diesem grössere Kraft voraus. — > Von geringerer Be- 
deutung ist 

Nro. 6., der von Gerhard, Metallspiegel der B(ras- 
ker a. a. 0. erwähnte, beiBiancani, de pateris antiquo- 
rum cet, ed. Schiasi, Bonon. 1814 tab. 6. p. S8 f. her- 
ausgegebene Spiegd unseres Gegenstandes, den ich nur aus 
Anführungen kenne. — 

IX. Lager in Aulis; Bretspielerj Opferung der 

Iphigeneia. 

Nach Telephos, des neu gewonnenen Führers gen Ilion, 
Heilung kommt das Heer der Griechen zum anderen Male 
in Aulis zusammen, wird aber durch widrige Winde, die 
Artemis, durch Agamemnon's Ueberhebung beleidigt, sendet, 
daselbst lange in unfreiwilliger Müsse zurückgehalten , bis 
Agamemnon sich demüthigt, und als Sühne für die erzürnte 
Gottheit dieser seine Tochter Iphigeneia opfert. In die Zeit 
dieser Ruhe in Aulis fällt Palamedes Erfindung des Bretspiels 
und der Würfel ^ , mit denen sich die Helden die Zeit ver- 
treiben. In. Euripides Iphigeneia a. a. 0. spielen Pialamedes 
selbst und Protesilaos Würfel, und in der älteren Bearbeitung 
seines Telephos hatte derselbe Dichter würfelspielende Helden 
dargestdlt, später aber weggelassen ^). 

i) Utaaovg xiißovg tt Soph. fragm. 380 (H), Eurip. Ipb. Anl. 
194, Myth. Vatic. II. 200, EnsUiih. td II. II. 308., Paus. X. 31. 1^ 
Plin. H. II. VII. 57. Vgl. Jahn, Palamedes p.27. — 2) Vgl. Jahn, 
Telepboa S. 24 f., Weleker , Alte Denkmftler III. S. 4, iind aiehe 
Schol. Arial. Ran. 1400 nebit Euatath. p. 1084. 2 and ZiBiiobii tL8S. 



Diese Beichlftigiuigeii der mflsageii Helden mit deii 
Spiel sind schwerlich eine Erfindung der Tragödie , sie sind 
jni beseichnend für den gestnunten Zustand des Heeres in 
seiner Ruhe , als dass man nicht von vom herein geneigt 
sein mtlsste , ihre DarsteUung fär die Haupthelden dem Epos 
mmsprechen '). Die Vermuthung findet eine Bestätigung 
dadurch , dass eine nicht unbedeutende Reibe von alterthüm« 
Beben Vaseogemäl^n die Heldenwfliier und Bretspider ent* 
hält Es sind dies Vasengemälde, welche einerseits so wenige 
künstlerisch bedeutende Momente enthalten, und der Sache 
nach enthalten können, dass man sie kaum aus einem ande- 
ren Grunde entstanden denken kann, als weil eine interessante 
PoHsie vorhanden war, an welche man gern auf jede Weise 
erinnert war ^) , welche andererseits aber 9u einCsch , naiv 
und «u alt scheinen , als dass man ihre Quelle in einer Ne* 
benscene einer Tragödie , namentlich einer esripidelschen 
Tragödie suchen ditarfte. Ueberhaupt legen Vas.engemälde 
des Schlages, wie die gleich anzuführenden, und die in häu- 
figen , einförmigen Wiederholungen , wie die massenhaften 
alten Parisurteile, vorhanden sind, die Annahme epischer 
Quellen sehr nahe* — Diesen Vasenbildem voran ist aber als 

Nro. !• , ein etruskischer Carneolscarabäus (Taf. 
XU. Nro. 18) nu nennen , der , frfiher im Besitae des Hrn. 

Boripides toll mit seinen würfelnden Helden verspottet worden sein, und 
die Scene deshalb weggelassen haben, aus welcher der in Aristophanes 
Frdsehen 1400 erhaltene Vers: 

Ton den Grammatikern später In Enripides nicht mehr gefunden warde. 
Auch in Aischylos Myromidonen würfelte der vom Kampfe zurückge- 
sogeileAchilleus. — 3J In das Epos verlegt die Sache anchWelcker, 
Kp. Cycl. 11. 8. 101. Dass Froklos, namentlich bei des l^ühe der hoch- 
bedeutenden Opferung der Iphigeneia, solche Umstünde übergeht, ist 
sehr natürlich. — 4) In Bexug auf das Parisurteil sagt Welcher in 
ühalioh^m Sinne : Jugement de Paris p. 2 : cette composition n'eut assu- 
rteent pas autrefois si souvent ezerc^ le talent des scnlptenrs, des 
ciseleurs et des p^intres, s'il ne s'y ^tait raUach^ des sonvenirs dfnne 
poSsiCy qui avait aggrandi revdnement et avait su )e rendre interessant. 



Vabois in Parii , jetvt vm mliekaiuiteBi AilfbewahnuigBort, 
hl der Revue arcbeolo^ne von 1847. 1. pL68) 3. abgebiUet, 
und das. S. 294 von A. v. Montigny besprocben ist, indem 
dieser interessante Stein vns den Erfinder des W&rfel- nnd 
Bretspiels , Palamedes selbst mit seiner Brfindug beschnftift 
neigt Der HeM , welchem der etmskische Name Talmedii 
(rflcU.) beigeschrieben ist ^) , steht eifrig vorgebeugt und 
atf seine Lani^ gestflt^ vor einem FelsblodL ^) , auf dem 
vier oder fttnf Wiirfelsteitte liegen; mit der rechten Hand, 
deren Finger getrennt erscheinen, ist er ün Begriff die Steine 
nu rttcken , als wolle er seine Combination durch die Praxis 
prüfen. Der Ausdruck ist naiv deudieb , der Schnitt sehr 
gut archaisch. 

In Beirag auf die Vasenbilder, welche Bret-« ttadWir-^ 
felspieler darsteQen , sind wesentlich snvei Classen gann ver*^ 
schiedener Bedeuteng nach Welcker's erschöpfender Aus^ 
fühnmg in den alten Denkmftlem 111. S. 1 ff. nu treanen, 
nämlich die, welche die Spieler entweder allein nder nrit Um- 
gebung auf einem Felsen oder Tisch würfelnd und sehidbend 
Iteigen, und diejenigen, in welchen hinter dieseili Tische oder 
l^^lsen eine Gottheit (Athene) oder auch ein Baum erscheint 
Nur enitere gehen uns an, letztere beziehen sich auf Wiirfel- 
ttnd Loosorakel zu den Füssen der befragten Gottheit, oder 
ihres Bildes, oder an ihrem heiligen Baum (WelckerS.18), 
upd haben mit unserer heroischen Scene Nichts : zu tfaun. 
Unter den hier in Betracht kommenden archaischen Vasen^ 
bildem (mit schw. Fig.) werden wir als das Wichtigste vor- 
anstellen dürfen. ' 

Nro. 2., die Amphora des Exekias {EXSEKIAS 

EP DIESEN} {Takl XIV. Nro. 4.), abgeb. in den Mona- 



vT^ Alt Paltmedefl ^rt^iä Ukg^ inetfiannt, vgk M o i» t i (f u y s. sl O. 
^ 6) Pölemon d«r P^rieget fAhrte in Miner fi^schreibang von llibn 
{IT€Qiijpf(nf *fUov) den Stein an, anf welchem Palamedea die Griechen 
Würfel fQ vpielen gelehrt hatte, 0. Preller, PolemoiäB Periegetse 
fragaim. p. 64 fragtn. 32. 



wmt» i» Uiatitato IL 97, ') In bitahst sorgfiUtiger Male- 
rei 2eigt UDB dies Gefilss Achilleus (AXI\EOS) und Aiai 
{AIANTOS) a«f niedrigen, bebaueiiea Steinen sitsend und 
eifrig vorilbergekengt auf einem niedrigen, viereckigen Steine 
brctafielend d^ Bewegung der Figuren nach, wjOrMnd nack 
den beigeschriebenen Worten TE2APA und TPIA^ riooa^ 
und T^i'tfy die iffeiAar nur auf die Wttrfelangeji geben kön- 
nen; auch ist nicbty wie in anderen Bildern, die Reihe dcf 
abwechsdad schwarzen und weissen Steine sichtbar. Die 
Beiden sind im vollen WaffeBBchnnicke , das Lagerleben zu 
beimebnen^ nur die Sehttde haben beide und Aias.dam den 
HefaB hinter sich gesetzt Der Revers neigt den Auszug der 
Dioskuren. — Dies ist die in allen wesentlicfaen Theilen wie^ 
disri^ebrende, höchst einfache Conposttioa , deren Wiederho- 
lungen dedudb ganz knrz aufzuzahlen erlaiibl sein wisd^)« 
Am nächsten steht 

Nro. 3., eine candelorische Amphora jetzt in Mün- 
chen y indem auch auf ihrem Hauptbild den Helden die Na* 
pen AXIf EVS und AIA2 beigesfhneben sind ^). — 
Rv. Herakles im Amazonenkampf. -- Ohne Namensbeischrif^ 
ten y und daher uns freistellend die Namen Achilleus und 
Aias nach den betrachteten Nummern, oder Protesilaas und 
Palamedes aus der euripideKschen Stelle zu wählen , sdilies^ 
sen sich noch folgende GefiLsse an. 

Nro. 4L, eine zweite candelorische Amphora daselbst, 
abgebildet in den Monumenten des Institats I. 26, vergib 
Bull. 1829. p. 77, wo das ang^bliehe Bewegen der Bretstdne 
ut den Lanzen auf Irrthum beruht ; i der abwechsdnd schwar- 
zen und weissen Steine and zehn. — Rv. Herakles und 
Antaio^. 

7) Aach Mas. Greg. I. 53 ond in Gerhard'« etnuk, and eam- 
p«D, Vuenbl^. lüUfUfel R. Nro. 23. -*- S) Vgl. Welcker, Alle 
Deokm. III. S. 20 ff. — 9) Interessant ist es, dass dieselben Namens- 
beischriflen auch einmal bei einer der Darstellnngen mit dem Bilde der 
AlhMto vorkomtoen,' an einer kleinen Amphora bei D. Braun in Rom, 
tgU Welcker, Alte Deakoi. a. a. 0. 5. 13. Nro. 17. 



— SM — 

Nro. &.y dne vierte dergleichen ebendaselbst Rv. Kampf 
Patroklos Leiche. 

Nro. 6.J vormals Darand'sche (Caftal. Durand. 389) 
jetet im Besitae des Grafen Pourtal^Oorf ier (Ant. du cab. 
Ponrt-Oorg. Nro. 209) befindliche. Rv. Dionysos nwisdien 
Hermes und Rora. 

Nro. 7.y ebenfalls vormals Durand'scke (Cat dOl), 
jeist im brit. Museum (Nro. 654) befindliche Oinocho«. 

Nro. 8., Amphora ebendaselbst Nro. 906 mit der be- 
merkenswerthen Eigenthümlichkeit , dass unser Aversbild 
schwarz nebst weiss und violett auf rothem Grund , das Re- 
versbild , Herakles im Löwenkampfe roth auf schwanem 
Grunde ist Fundort nicht angegeben. 

Nro. 9,j Amphora inR.Roc1iette's BesitSy erwfthnt 
in dessen Antiqnit^s chr^tiranes 3. Mte. p. 106. Note 1. Bin 
Vogel fliegt über dem Quaderstein in der Mitte. 

Nro 10 und 11. Zwei im Rapp. volc Note 169. a an- 
geführte Hydrien, Caninoschen Resitzes. 

Nro. 18. Amphora im Besitz des Hm. Rodgers in 
London , der Gegenstand ist auf beiden Seiten , auf der ei- 
nen mit unleserlicher Schrift wiederholt 

Nro. 13. Lekythos aus Aigina, statt der Waffen 
hinter den Helden nur ornamentale Palmetten, BuU. 1641. 
p. 97. 

Nro. 14. Amphora der Panckoucke'schen Sammlung 
(Dubois Cat de la Coli. P. Nro. 9S.), Rv. ein Krieger, ein 
Weib, ein Bphebe und ein Greis. 

Nro. 15. Amphora von Nola, nach dem BulL v. 
1632. p. 70 im Museum zu Neapel, vgl. Hyperb. rOm. Stu- 
dien S. 165, und Panofka im Tübinger Kunstblatt v. 16S9, 
Si 160. 

Alle diese Gefksse zeigen die Darstellung auf die bei* 
den Helden beschränkt, dagegen finden wir in folgenden 
beiden, die ich nicht anstehe, ebenfalls hieher zu rechnen, 
hinter jedem Helden eine Frau zugesetzt, die mit lebhafter 



— SIS - 

CMberde Ihre Theiloahme an dem Wurf oder Zug des Han- 
neg kuodgiebt Wer sich daran erinnert, wie in der Ilias 
die Helden in ihren Zelten im Umgang mit ihren kriegsge- 
Cangenen Schienen leben, wird nicht zweifelhaft sein, in die- 
sen Frauen fortgesetzte Charakterismen des Lagerlebens zu 
erkennen ^°). Die GeOsse sind : 

Nro. 16., Amphora in Gerhard's Besitze, abgeb. 
in dessen etr. und camp. Vasenbb. Taf. E. Nro. 21— SS. Die 
Helden knien, die Weiber hinter ihnen nehmen sehr lebhaft 
Antheil, das neuerfundene Spiel mit seinen launenhaften Wech- 
selfilllen ist sehr interessant, sehr bedeutsam, jeder Zug und 
Wurf der Helden, in dem sich sein Verstand oder sein Glttck, 
bekundet ein natfirlicher Gegenstand der Bewunderung. Ran- 
ken im Felde^ Rv. Bakchisch. -« Aehnlich 

Nro. 17«, Amphora im Mus^e Thorwaldsen Nro. 12. 
Von beiden Seiten nähert sich lebhaft eine Frau. Rv. Kora 
in den Olymp geführt. — In noch grösserer Umgebung selieil 
wir das Würfelspiel in 

Nro. 18., den tibereinstimmenden Aussenbildern 
einer Kylix, von denen Caylus, ReceuilH. 21 eine schat- 
tenhafte Zeichnung gegeben hat. Hinter jedem der Wttrfler 
zuerst sein ^eganiov behelmt und beschildet, dann ein ätzen- 
des Weib. — Auch in 

Nro. 19., einer volcenter Kylix, im Mus. Grego- 
riano II. 68. 2.a. '0 sehen wir die Wttrfler in gröss^er Um- 
gebung und mit einer interessanten Veränderung in den Haupt- 
personen der auf beiden Seiten wiederholten Darstellung. 
Einerseits nämlich geben sich die von einem Krieger, einem 
Bärtigen im Mantel und einem Epheben umstandenen Helden 

iO) Mit der W e 1 c k e r'schen Annahme, alte Denkm. 111. S.20. 
Note f. „dem alten Bild homerischer Helden sei ein Zug aus den 
Sitten seiner Zeit, worin viele Männer ihr VermAgen verwürfelten, 
TOm Maler mit freier Laune beigemiseht'S kann ich mich nicht berreun- 
den, sie scheint mir noch gar nicht aftthig. -— ii) VgK Abeken 
im Intelligensbl. der «all. Lit. Ztg. 1838. S. 286. 



— S14 — 

dia Hand , andererseits ist der Wurf erfolgt In dem BMe 
der ersteren Seite mag ich lieber einen Vertrag Tor dem 
Spiel (mit dem Eridarer des Mus. Greg.) als eiue Versah- 
nimg nach demselben (mit Abeken) erkennen. — 

In Vasenbildern mit rothen Figuren ist der Gegenstand 
bisher nur zweimal bekannt geivorden, nämlich 

Nro. 90., am Halse einer Kalpis vormals dem Hm. 
Campanari gelidrig, n<^t bei 6er ha rd, Auserl. Vasenbb. 
III. S. 97. Note 79* b und 

Nro« SI.9 als Theil des unten zu besprechenden Trol- 
losbildesy einer Durand'schen Rylix Nro. 3S&7y abgeb. in 
Gerhardts auserl. Vasenbb. ID. Taf. 186. ^^) 

Opferung der Iphigeneia *). 

Die poi^tisch-mythisebe Erzählung von der Opferung der 
Iphigeneia ist uns zu geläufig, als dass ich sie hier wieder- 
holen müsste. Diese Opferung gehört nicht grade zu den 
sehr häufigen Vorwürfen der alten Kunst , jedoch hat sie 
ausgezeichnet scbOne Darstellungen hervorgerufen, unter de- 
nen sowohl venchiedene Scenen als auch verschiedene Auf« 
fassungen bestammt unterschieden werden kttnnen. Letztere 
sind weitaus das Wichtigere, und so wollen wir, auch hier 
die fcunsthistorlsche Folge einhaltend, mit einem sehr berühm- 
ten, literarisch überlieferten Kunstwerke, 

Nro. 1., dem Gemälde des Timanthes beginnen« 
Timantlies von Sikyon ^) oder von Kyihnos ^) war Zeitge* 
noss des Zeuxis und Parrhasios ^), also mit seiner Blüthe der 
96. Olympiade angehdrig ^). Seine Gemälde der Opferung der 
Iphigeneia war im Alterthum wegen seiner feinen und tiefen 
Charakteristik aufs Höchste bewundert, wovon uns folgende 

i») Vgl. Welcker ZtsMir. für A. W. 1850. S. 42. Nro. 27. 
-* i) Vgl. Olto Jahn, arch. Beitr. 8. 378 ff. -^ 2) EoBlath. ad 
II. XXIV. 163. ^ S) Ouintil. IL 13. — 4) Vlin. XXXV. 9. 36. — 
Ö) Sillig C. A. a. t. Timanthea. 



— SI& — 

ßitMea fldt mnander verglichen ZeHgnüe geben': Cioevo; 
Orater 29, QuintiL IL 13, Plin. XXXV. 10. 86, Val^. Max. 
VIII. 11, Ettstath. a. a. 0. ^). Aus diesen Stellen geht frei, 
lieh weder der Moment der Handlung noch auch die Coni^*> 
sition in ihrem ganzen Zusammenhang hervor , für die Auf- 
fassung aber und fttr einen in mehren erhaltenen Kunstwer- 
ken bewahrten Zug sind dieselben so wichtig , dass ich: die 
bedeutendsten derselben hersetzen muss. Cicero sagt: pkior 
ille vidit , quura immolanda Iphigenia tristis Calchas esset, 
moestior lllysses , moereret Menelaus , obvolvendnm esse ea^ 
put Agamemnonis, quoniam summüm illum luctum penicillb 
noB posset imitari 0* Qutntilian spricht schärfer so: in 
oraliooe operienda sunt quaedam, sive ostendi non debent, 
sive exprimi pro diguitate non possunt Ita fecit Timantheft 
Ht opinor Cydinius , in ea tabula , qua Coloten Teium victt 
Nam qutim in Iphigeniae immolatione pinsusset tristem Cal- 
chantem , tristiorem Ulyssem , addidisset Menelao quem sum** 
mum poterat ars efficere moerorem, consumptis affectibus non 
reperiens, quo digno modo patris vultum posset exprim^e, 
velavit eius caput , et suo euiqae anino dedit aesCimandura. 
Bndlich Plinius: Timanthi plurimum adfuit ingenii. Eius 
enim est Iphigenia, oratorum laudibus celebrata, qua s tan te 
ad aram peritura, quum maestos pinxisset omnes, prae^ 
cipue patruum , et tristitiae omaem imaginem consumpsisset, 
patris ipsius vultum velavit, quem digne non poterat osien^i 
dere. Für die Composition ergiebt sich aus diesen Aussprü- 
chen zunächst, dass ausser Kalchas, der das Opfer vollzie- 
hen sollte , Odysseus Menelaos und Agamemnon anwesend 
waren, ob nicht ausserdem Nebenfiguren, Opferdiener, ist 
kaum zu sagen, gewiss aber nicht Achilleus; sodann aus 
Plinius Worten, dass Iphigeneia am Altar stand, woraus wir 
im Zusammenhang mit den ganzen Schilderungen entnehmen 

€y Bine sinnig« ond gute Ztt8ainmeii8t6liQng und WQrdignog 
dieser Urteile Ton Lsnge s. in Jahn'» Jabrbb. d. Phil, und Pied. 
1838. Bd. 8. S. 316 ff. — T) Aehnlich Vaier Max. a. a. 0. 



— S16 — 

ktanea, dass der entseheidende Aagenblick dargestellt war; 
endlich, dass Agamemnon mit verhülltem Haupt offenbar zar 
Seite stand. Was aber die Schriftsteller, selbst nidit mit 
richtiger Einsicht oder nicht mit der nOthigen Sdiftrfe des 
Ausdrucks Aber die Steigerung in der Darstellung des Schmemes 
bri den verschiedenen Personen gesagt haben , ist in neue- 
rer Zeit aufs Verschiedenste missverstanden worden ^). Sdbst 
Lessing ^) fasste die Sache nicht ganz richtig, indem er, 
ausgehend von der Idee , dass die bildende Kunst die allzu 
heftigen Affecte herabsetze auf ein mittleres Mass innerhalb 
der Grenzen der Schönheit, glaubte, Timanthes habe „die 
Grenzen gekannt, welche die Grazien seiner Kunst setzen,^ 
und den Schmerz des Vaters, als ausserhalb jener Grenzen 
liegend, verhüllt — Die richtige Ansicht stellte Lange 
S. 320 auf, nämlich , dass Timanthes durch Verhüllung von 
Agamemnon's Gesicht in der Phantasie jedes Betrachters un- 
endlich viel mehr erreichte, als er durdi eine offene Darstel- 
lung jemals hätte erreichen können , wobei jedoch weder 
übersehen werden darf, dass Verhüllung und Schweigenein 
namentlich im Alterthum natürlicher und oft gebrauchter Aus- 
druck des tiefsten Schmerzes ist *°), noch dass grade für 
Agamemnon in dieser Scene Euripides dem Maler vorange- 
gangen war in der Iphigenia in AuUs Vs. 1546 ff. — 

Das Motiv dieses verhüllten Agamemnon geben mehre 
erhaltene Kunstwerke wieder, deren Betrachtung wir jedoch 
die eines der vorzüglichsten Vasenbilder voransenden , des 
einzigen bisher bekannten dieses Gegenstandes« 

8) Vgl Voltaire, Caylut Falconet and Köhler bei 
Lange a. a. 0. S. 317. — 9) Laokoon S.18. — iO) Vgl. II. XXIV. 
24 u. 162, und ausser Earip. Suppl. 110, 287, Uerc. far. 1214, Hip- 
pol. 130, Soph. El. 1468, Ai. 1082. besonders die Nachricht Aber 
Aiachyios Erfindung, der sowohl den um Patroklos tranernden Aehillens 
als auch Niobe nach ihrem entsetzlichen Unglück in hartaickigem 
Schweigen verhüllt auf der Bühne sitzen Hess, wührend der Chor „los- 
vtünnte Lied auf Lieder«'. Arist. Ran. 942* Siehe noch Lange a. a. 
0. S. 318. 



— aif — 

Nro.S. Grosse Amphora mit Maskenhenkdn (Taf. XIV« 
Nro.9.), abgab. inR.RochettesM.LpL26.b. ^0. Es ist der 
Moment der Opferung selbst gewählt ; Ralchas steht hinter dem 
Altar, das Opfermesser sum Streich gegen Iphigeneia erho- 
ben. Die königliche Jungfrau aber tritt allein, nicht gehal« 
ten , nicht geführt, nicht unterstützt, mit festem Schritte und 
Idse gesenktem Haupte dem Priester entgegen, Adel und 
Grazie in jeder Bewegung , eine des grössten Meisters wiir« 
dige Figur. Wie grossartig und tief diese gottergebene Ruhe 
aufgefasst und empfunden ist, wie klar hier mächtig wal- 
tende, sittlidie Ideen ausgesprochen sind, das zeigt am besten 
eine Vergleichung mit mehren der folgenden Monumente, 
in deren keinem Iphigeneia so erhaben dasteht, wie in die- 
sem, wenngleich sie dieses in Rührung und Erschütterung 
des Beschauers übertreffen mögen. Je mächtiger aber diese 
Iphigeneia auf unser Gemüth wirkt , um so wohlthuender ist 
es , dass der Maler auf eine überaus geistreiche Weise die 
Lttsung des Knotens durch das Walten der Gottheit, die Ret- 
tung der Jungfrau, ihre Vertretung durch das von Artemis 
gesandte Opferthier ausgedrückt hat. Fast ganz von Iphi- 
geneia's Körper gedeckt, aus ihrer Figur sich gleichsam ent- 
wickelnd, springt die Hirschkuh dem Streiche des Opfermes? 
sers entgegen, der, das sieht man deutlich, nur den Kopf des 
Thieres , nicht das Haupt der Jungfrau treffen wird ^^). -^ 
An der entgegengesetzten Seite des Altars steht ein mini- 
strirender Jüngling mit Schüssel und Giesskanne und etwas 
weiter zurück eine Frau. In oberer Reihe sehen wir Artemis, 
die waltende und rettende Gottheit, mit Bogen und Jagd- 

li) Vgl. S. 127 ff. Auch abgeb. in Inghirami'f Vasi fittili 
251, vgl. de Witte cat. Durand. 381, cat. Beagnot 49, Dubo.it cat. 
Pourtalös ^08, Grenzer, Zur Archäologie I. 165 f., Jahn a. a. 
0. S« 387. — i/9j Nichts wunderlicher, alf dass Panofka (Ana, IL 
p. 131) diese Gmppe ladelt; man sieht wie die Gew<^hnnng an SpiU^ 
fiadigkeiIeD dep Geist fflr die Empfindung des einfach SinuTollen ab*; 
stttilpft nUd völlig nnffthig macht. 



— SIS — 

Speer mid aeben ihr ihren Bruder ApoUoii nlt dem Lor- 
keerzweig. — 

Nächst dieser Vase verdient als 

Nro.3., den ersten Platz der Altar des Kleomenes 
{KjiEOMElSHS ETIOIET) *3) in der Gallerie zu Florenz «*), 
(Taf. XIV. Nro. 7.), abgeb. bei R. R o c h e 1 1 e, M. 1. 26. 1. «*) 
Der Moment der Darstellung ist ein früherer, nicht die 
Opferung selbst , sondern die Weihung zu derselben durch 
Abschneiden einer Locke nach der bekannten Sitte, dem 
Opferthier das Stirnhaar abzuschneiden, und dies in die Flamme 
des Altars zu werfen *^). Iphigeneia steht im langen Chiton 
und Schleier mit schmerzlicher aber ruhiger Fassung, mit 
bezeichnendem 6est die rechte Hand von der linken unter- 
stfttzt an's Kinn gehoben '^, ron einem jungen Manne zart 
Ton hinten unterstützt, vor dem Priester, der, im aufge- 
schürzten Gewände mit seinem Schwerdt der Jungft'au eine 
der langen Locken an der Stirn abschneidet. Mit Recht 
preist Jahn a. a. 0. S. 383 die Gruppe dieser drei Perso- 
nen, namentlich aber auch die zarte Intention des Künstlers, 
die in diesem ohne Weichheit innig theilnehmenden Jüngling 
dem ernsten Priester gegenüber liegt, als eine der schönsten 
nnd reinsten Offenbarungen des Geistes griechischer Kuns^ 
aber mit Unrecht glaube ich giebt er Panofka (a. a. 0. 
S. 25) zu , dass dieser Jüngling Achilleus genannt werden 

iB') Der Altar n\ unter diesem NiuiieB in bekannt, nn ihv den- 
lalben sa nehmen, die Infchrift ist freilieb ein späterer ZosatXj s. 
Jahn a. a. 0. S. 380. Die hie nnd da stehenden, verschieden gelese- 
nen, sowie die mehrfach wiederkehrenden Bachstahen ^j4 OS sind 
bedeutungsloses Gekritzel. — i4t') Nach einer unrichtigen Erklärung 
von Lanzi (real gall. äi Fir. p. 166 f. auf Alkestis) richtig erklärt 
von Uhden in den Schrr. der Berl. Akad. v. 1812. S. 74 (T. ^ 
±6') Zderst bei Oh den a. a. 0. — Vgl. noch: Rochette a. a. 0: 
p. 139^ f., Welcher, Trilogie S. 412 f., Akad. Knnstmns. Nro.3l4b. 
Feuer ba eh, Vatioab. Apollon. S. 374 , Panofka, BiMer antiken 
Lebens 13, 1. Jahn a. a. 0. 379 f. -^ iß') iTorii^xcates, laeh«« 
gewiesen bei J ahn a. a. 0. S. 381. ^ i>7y Jahn «. a. O. S. 380. 



fcllBne. Achillciis visste ienn doch noch gana? anders eha- 
rakterisirt gdn ; dass der Held bd Bmripides die Opfenm j^ 
der Iphigeneia, die nan unter dem Vorwand einer Verlo- 
bung mil ihm herbeUockte, geschehen läset, streift schon an 
die Grenze dessen, was wir als möglich zugeben können; 
dass er sie selbst und zwar so zum Altar fähre, liegt weit 
jenseit dieser Grenze. Und grade darin , dass in einem ein- 
fachen Reprüsentanten des Heeres und Volkes , für den ich, 
natttrlicb ohne an das als sinnlos erkannte AA02 zu den- 
ken , den Jüngling halten muss , sich diese zarte und innige 
Theilnahme am furchtbaren Schicksal der Jungfrau offenbart, 
liegt anendlich viel mehr sinniger Ausdruck der Rihrung, 
des eigentlich Tragischen , als wenn diese Person ein be- 
stimmter und namhaft zu machender der naher interessirten 
Haupthelden wäre. Hinter Kalchas ein ministrirender junger 
Opferdiener der eine Frachtsdbale erhoben hat, andererseits 
neben der berühmten Platane von Anlis ^^), abgewendet, 
nach Timanthes Erfindung tief in das über den Kopf gezo- 
gene Gewand gehüllt, Agamemnon. -— 

Dieselbe Scene drückt etwas anders , weniger schön in 
Erfindung und Ausführung 

Nro. 4., ein 183ft zu Pompeii aufjgefundenes Gemäl- 
de, abgebildet bei Zahn n«61. aus.^^) Auch hier die Wei- 
hung durch Abschneiden des Haares. Iphigeneia und Kal^ 
dias sind den Figuren des Reliefs sehr ähnlich, bei der 
Jungfrau sehen wir dieselbe bezeichnende Stellung der an 
den Mund oder das Kinn erhobenen Hand, nur dass dies 
hier die linke ist , während sie mit der rechtai auf den Bo- 
den deutet Sie steht hier wie in der schönen Vase* ganz 
frei und allein vor dem Priester , der hier wie in dem Relief 
mit ernster Würde, aber ohne Zeichen herziger Theilnahme 
sein trauriges Amt vollzieht — Hinter Iphigeneia, den 
Rücken ihr zugewandt, sitzt auf feinem Sessel ein unbärtiger 

JiS) II. II. 307. — i^ iah 11 s. t. 0. S. 378. Vgl. «tch. low 
teil. -Blau 1835. S. 34. — 



JHaQn , der die Lanse hält und das Haupt in die mk dem 
Ellenbogen auf das Bein anfgestfitzte Hand lehnt lieber das 
JBlaupt hat er von hinten den Mantel gezogen. Die Analogie 
der übrigen Denkmäler lässt uns hier nur Agamemnon er- 
kennen , obgleich seine Unbärtigkeit auffiült, und ein Eros, 
der auf dem flachen Dache des hinter dieser Person darge- 
stellten Zeltes in eiligem Lauf und winkend dargestellt ist, 
kaum eine genügende Erklärung zulässt, welche sdion nä- 
her liegen würde, wenn man bei der sitzenden Person an 
Adbilleus denken dürfte. Dafür aber mag ich mich nicht ent- 
scheiden , und so bleibt uns nur übrig, an eine einigermassen 
gedankenlose Bearbeitung durch rdmische Hand zu denken. — » 
Einen ganz anderen Moment stellt in ebenfalls ganz 
verschiedener Weise: 

Nro. 6., ein zweites pompeianisches Gemälde 
(TaL XIV. Nro. 10.) dar, abgeb. im Museo Borbonico IV. 8. ^®) 
Es ist der Augenblick, wo die Opferung vollzogen werden 
soll , der Iphigeneia nicht wie in der schonen Vase Nro. 1. 
mit erhabener Ergebung entgegengeht, sondern zu der sie 
in vollster Verzweiflung und mit entsetztem Hilferuf zu der 
Gottheit von zwei Opferdienern, einem älteren und einem 
jüngeren getragen wird. Die gewaltsam pathetische Situa- 
tion ist meisterhaft ausgedrückt, nicht allein in der Gestalt 
der Jungfrau selbst, sondern auch in der Weise, wie die 
Männer sie mit Mühe tragen. Diese AuffiRssung ist erschüt- 
ternd und würde peinlich sein, wenn der Künstler es nicht 
verstanden hätte, die freundlichere Wendung der Katastro- 
phe, die Rettung und Versöhnung fein anzudeuten. Fein 
sage ich, und zwar deshalb , weil nicht allein die rettende 

20) Auch bei Röchelte, maisoD da pofile tragique 14 vnd 
M. I. 27« Tgl. 8. 133 IT., Zahn, neuentd. Wandgemftlde 19, GellPom- 
peiana II. 46, M filier, Denkmäler I. 44.206., Panofka Bilder anl. 
Lebeni 13. 2. Vgl. Gerhard im Kunstblatt v. 1836 Nro. 9., F6r. 
• ler im Berliner Kunstblatt 1828. S. 20 f., Feverbach, Vatican. 
Apollon S. 344 f., Jahn, Beitrflge S. 385. 



— SSI — 

Ctotflieit, Artemis oben in den Wolken erscheint, einer Nym- 
phe g^ebietend , das herbeigebrachte Thier an der Jungfrau 
Stelle zu schaffen, und jene zu entrücken, sondern weil diese 
gattliche Nahe und Rettung sich in dem Gemüthe der Men- 
schen spiegelt. Besonders ist es Kalchas, welcher dies Ele- 
ment vertritt. Das Opfermesser gezückt, bereit den Die- 
nern zu folgen, halt er den Schritt an, erhebt er die Hand 
sinnend zum Munde, und blickt in begeistertem Schauen, wie 
einer Offenbarung lauschend empor. Aber nicht der Priester 
allein empfindet die Ahnung der OOttemahe , sein geistiges 
Schauen findet den nächsten Abglanz in dem jüngeren der 
beiden Trager, welcher, von Iphigeneia abgewandt, staunend 
auf des Priesters Gebahren blickt Und auch darin , dass 
Iphigeneia nicht allein den Angstruf des Todesgrauens, son- 
dern mit ihm ein Gebet zur Gottheit ausstösst , was die fle- , 
hend ausgebreiteten Arme beweisen, ist der Zusammenhang 
der furchtbaren Gegenwart mit der nahenden Rettung ge- 
wahrt. Erstere aber, wie sie ihren Antheil an Iphigeneia's 
Haltung hat , äussert ihre Wirkung in den beiden noch übri- 
gen Personen des Bildes , milder in dem alteren Trager, der 
mitleidig den weinenden Vater betrachtet , mit ganzer Kraft 
in diesem selbst , der , wiederum verhüllt jenseits des Altars 
und einer Säule steht, die ein archaisch-steifes Artemisbild- 
dien tragt ^So sehen wir^, um mit den schönen Worten 
Otto Jahn's a. a. 0. S. 887 zu schliessen, „hier in einer 
anderen, aber kaum minder bedeutungsvollen Weise, als auf 
dem Gemälde des Timanthes, eine Abstufunjf in denEmpfin- 
dmogen der Theilnehmenden ^ welche die verschiedenen Ele- 
mente zur Einheit venchmilzt^ — 

Der äusseren Gomposition nach sind diesem Wandge- 
mälde die ziemlich zahlreichen etruskischen Aschenkistenre- 
UeCs dieses StQffes verwandt, freUich, ohne zugleich den 
gcistigeli Gehalt des Gemaides zu fcesitven« Ehe wir dieseW 
bea kär» anffUhrte muss Hbch als 

Nro. 6., eine Gemme erwähnt werden, welche P a n o f k a 



nach einer Mittheilung bei Jahn a. a^ 0. S» 898. N. 29^ 
herausgeben wollte, ohne dies bisher gethan zuhaben. Diese 
Genune ist namentlich dadurch interessant, dass sie das scbOne 
Motiv der Stellvertretung in der Vase wiedergiebt Kalcbas 
steht mit dem Messer dem Altar gegenüber, hinter welchem 
Iphi^eneia und vor dieser der Oberkörper d^f an ihrer Statt 
zu opfernden Hindin sich zeigt, — 

Von den etruskischen Aschenfcistenrelie£s ^*) hebe ich 
nur einige Beispiele hervor , da die meisten Exemplare, ein- ' 
ander ganz ahnlich , in der Hauptgruppe Iphigeneia, die fle- 
hend die Arme ausbreitet, von zwei Kriegern über den AI* 
tar gehalten zeigen. Andererseits steht hinter dem Altai; 
ein Mann, Kalchas, im Mantel, zuweilen im Harnisch, der 
die Spende auf Iphigeneia's Haupt ausgiesst. Auf den mei- 
sten Exemplaren findet sich ferner Artemis im hochgeschürz- 
ten Chiton, die in beiden Armen die stellvertretende Hindin 
herbeitragt. Allerlei Nebenpersonen kommen bald in grösse- 
rer, bald in geringerer Zahl hinzu, ohne wesentliche, neue, 
Elemente und etwas mehr als eine Erfüllung oder CeberfüU 
lung des Raumes zu bieten. Dies ist jedoch nicht der Fall in 

Nro. 7., einem von Braun herausgegebenen Sarko?- 
phag ^^). Die in der gewohnten Art gearbeitete M^t|^l- 
gnippe ist hier zunächst von zwei knieenden Personen sym- 
metrisch umgeben , rechts von einer. Friiu, d|e , im langen , 
Gewände , die Arme wie flehend erl^ebt , links vqn einen^ 
nackten Jüngling , der die linke Hand auf die E^e stemmt^, 
und die rechte erhebt ^^). Hinter di^eip pine seh|r veiiptfijpT,, 

Si) Am hanfigiten in der Gegend von Perugia gefnnden, nn^ 
beiprochen yon Lansi, Saggio (neue Aufg. Fir. 1925) Bd. d^.Uhieii 
in den Schrr. d. Berl. Akad. y. 1812 S. 32, u. v. 191.6^17 S.^40 ff. 
Röchelte M. I. S. 121 ff., Fenerbach Vatican. Apollon S. 375, 
Jahn a. a. 0. S. 390 ff. — 22) Braun, il sagriBzio dlfigenia, Bas- 
eorilievo d*nnia Etroaca spiegato, Perngia 1840. loh habe dieae Modo- 
graphif nicht aini^hen h^nneiik -*- 99) Aehnliohe aber nndeatllehe. 
Figuren finden sich, wie Braun bemerkt bat, anph ,in^fUtf|fren,Bf|lifi^o 
Wieder, s. B. Gori M. E. II. 172. 1, Micali 19. ' / 



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1(1. i II "».i •• •( ,1 j:><' I •» / O 



meite W«IIMcbe Kfir (eme etr. Farief) nd dann eitf^KH«^ 
gt^.i^T eint Schüssel mit der mola salsa bftk. Neben deni 
OyfectideBy der bier einen deutUdien Bamiseh trägst; einM 
Figiir «lil Fackel (eine zweite Forie?) und ein' gepanzerter' 
Krieger. Im Hintergrund vier gleichgiltigere Per^oniibL U 
den beiden Knienden erkennt Braun unter Jabn's Zustim- 
mung Acbilleufr^ d^tf ib«fö^enMif'Bil&Utl|;äm ubd Klytoimne- 
stra , die verrathene Mutter. Und gewiss Ittsst sieb biegegen 
Nichts einwenden, wenngleich ich diese Rolle des Achilleus 
dech nur als eine etruskische Vergrtfberung einer griedii- 
schen TtagOdiensituation betrachten kann. 

Sehr gut weist sodann Jahn ^^) als altere Tradition 
nadi, dass der Vater selbst der Priester, und dass dieser in 
dem gepanzerten Opferer zu erkennen sei, der hier wie in 
anderen Reliefen füngirt. — In dem Krieger hinter ihm er- 
kennt Jahn Menelaos. 

Als Repitüsentant der gewöhnlichen Darstellungen mttg;e 
Nro. 8., eine Aschenkiste im Vatican gelten, abge- 
bfldet im Museo Gregoriano I. 94. 5. Iphigeneia wird hier 
von den beiden Ttftgel'n auf den Altar geworfen, der 
Opfernde giesst ihr die Spende aufs Haupt — Aehnlich 
die Aschenkiste in Inghirami's Sluseo GHiusino II. 144; 
wahrend zwei andere, abgeb. in R o c h e 1 1 e's M. I. 26. 2* 
und 26. A. 1. die Herbeischleppung der Jungfrau zeigen ^^). — 



Von den namentlieh poetisch widitigen Begebisnhdtett, 
wie der erste Streit zwischen Agamemnon und Achilleus bei 

je4) "Auf Aeteh. Ag. 2li4f., Etfrfp. Ipli. Taur. 8 a. 360, Hygin. 
fab«'98, TOn welchen Stellen mir di^ sWeite tili der Taori'sclien Ipbi- 
geBemi Iq$vs d'ir 6 ycKnJo'oc ^atij^ beweisend scheint, während 
die andereta aafcb eitle' allgenidttere Erklftrun'g sulässen. Da dies bei 
EiOripides 'eMnrIfaM ward, begreift man , wie es aut elruskischen Uönfi-* 
mdnM «ieh Wiederthdet -^ Böy Andisre Abbildungen sind notirt iei 
Jabn a. ■• 0. S. 390. Rote 35. 



dem Mab! auf Tenedos ^\ welche Bwiscken die Abfhlirt von 
Aldis und die Landung in Troas fallen , hat sich in bildli» 
eben Denkmälern Nichts erhalten« Nur PhilakteCes Sdiiebsal 
ist ein paar Mal in bildlichen Darstellungen nachwdsbar, wel- 
che wir hier als 

X. Philoktetes Verwuadung 

einschalten. Nach dem Epos wird PhilolLtetes in Tenedos 
von der Schlange gebissen, und erst auf der Weiterfahrt von 
den Griechen wegen des Übeln Geruchs der nicht heilenden 
Wunde auf Lemnos zurückgelassen ^); nach anderen Erzäh- 
lungen des Mythus ist das Local des Schlangenbisses ein an- 
deres ^) , und auch die Veranlassung wird verschieden er- 
zählt ^). Welche die im Epos genannte gewesen, ist nicht 
gewiss /am wahrscheinlichsten aber bleibt es, dass Philok- 
tetes an dem Altar der Athene Ghryse , den Jason gebaut, 
auf dem Herakles geopfert hatte , und den Philoktetes, als 
Argonaut Herakles Begleiter, den Griechen zeigen wollte^ 
von der Schlange gebissen wurde. Den auch sonst in Kunst- 
werken ^) nachweisbaren Altar der Chryse finden wir auf 
den uns hier interessirenden Kunstwerken wieder , von wel- 
chen am bedeutendsten die einzige bisher bekannte Vasen- 
darstellung , 

Nro. 1., auf einem schönen, aber leider grttsstentheils 
fragmentirten Krater, abgeb. in Millingen's Peintures 
de vases de div. coli. pl. 50. ^) ist Hinter dem aus rohen 
Steinen, aufgeschichteten Altar neben dem zwischen zwei Säu- 

i^ Welcker, £p. Cycl. II. 103. — 2;) Weieker a. «. 0. 
S. 102 f. ^ 8) Die Insel Cbry»e Soph, Phil. 264 oder flea (Neai) 
Schol. Soph. |. L, auch Lemnos selbst, Hyg. 102, ^ 4) Soph. Phil. 
1327, Pbilostr, Imagg. 17, Enslath. ad. II. p. 330, Tsets. ad Lycophr* 
911. vergl. mit Schol. Soph. Phil. 266 oder mit Dictys IL 14. — 
^j In swei Vasenbildern, Arch. Ztg. 1845. Tafel 35. Vgl. das. S. 
1^1 ff. -^ 6) Anch in der arch. Ztg. «. a. 0. Nro. 3. Aefera AehiU 
leüs nnd Memnon. i . •. i < 



len das archaische Bild der Gdttin Chryse avf einer Stele 
steht y springt die Schlange hervor, uai beisst den aurflck- 
weichenden Philoktetes in die Wade. Rechts neben diesem 
ist das Fragment des Beines fou einem herbeieilenden Bewaff- 
neten , in dem man Odysseus erkennen wollte ^, und dier 
wahrscheinlicher Palamedes xu nennen sein wird ^. Links 
finden wir die etwas bedeutenderen Reste eines langbeUei- 
deten, bartigen, sceptertragenden nnd bekrännten Mannes, 
den man als Priester oder ab Kalchas (?) aufgefasst hat, 
sowie eines zweiten, ebenfalls nicht gewaffneten Mannes, delr 
schwer zu benennen sdn dürfte. — Ausser dieser einen Vase 
haben wir nur noch ein paar Gemmenbilder des Gegenstan- 
des zu erwähnen, von welchen 

Nro. 2., eine Stosch'sche Karneolgemme in Berlin 
(Taf.XII. Nro. 14.), abgeb. in Winckelmanns Momined. 
Nro. 118. '®) ohne Schwierigkeit sich erklart. Philoktetes 
mit dem Bogen in der Hand , nackt bis auf die über den 
Rflcken hangende Chlamys beugt sich über den brennenden 
Altar, hinter dem die Schlange gegen sein Bein vorspringt 
Philoktetes scheint nach der Schlange zu greifen, was aBer- 
dlngs nicht literarisch überliefert , aber eine sehr natürliche 
Handlung ist. — * Ganz dieselbe Darstellung, jedoch mit Aus- 
lassung der Schlange zeigt 

Nro. 3., eine von mir in den Jahrbüchern des Vereines 
von Alterthumsfreunden im Rheinland XV. Taf. L Nro. 7. 
S. 124 edirte Gemme der Frau Mertens - Schaaffhausen in 
Bonn. Eine interessante Variante bietet 

Nro. 4. , eine Goethe'sche n y x g e m m e. Sie zeigt 
Philoktetes , der mit Mantel und Seh werdt steht, und mit bei- 
den Händen die Schlange fasst, welche seinen linken Fuss 
zweimal umschlungen hat. Vgl. Goethe's Kunstsammlungen 
n. s. w. II. S. 6. Nro. 29. 

7) Bei Dictys a. a. 0. tödtet OdyMeus die Schlange. — 8) Vgl. 
unten lo Nro. 5. — 9J Winck^lttann P. d. St. lil. 299, ToeU 
ken II. 147. ^ iO) Wieder in der Revae irch^oK 1687. 1. pl. 68.2. 



Dngleidi bedetttender ist aber 

Nro. S.j ein etniskischer KarneolscarabAus (Ta- 
S»l XU. Nro. 15«), neuerdings abgebildet in der Berae ar- 
cböologique 1847. IV. 1. pl. 68. 1. und in der arch. Ztg. 
1849. Taf. VI. 2. *0 Der rohe, ländliche Altar erscheint 
in der Mitte , unter ihm kriecht die Sdilange , xn der Phi- 
loktetes, sie wegzuschleudern, sich niederbeugt. Hieran sucht 
ihn aber sein bei Dictys II. 14 genannter '^), hier ait seinem 
etrnskischen Namen (T^/ ME@I rflckl.) bezeichneter Ge- 
fkhrte Palamedes xu verhindern, indem er ihn am rechten Arm 
ergreift Philoktetes halt seinmi berühmten heraklelischen 
Bogep« 



Nadi Zurücklassung des Philoktetes auf Lemnps , wo 
wir ihn später an seiner Wunde leidend, und von den Grie- 
chen angesucht wiederfinden werden, fuhr die Flotte nach 
Troasi und die Grieche landeten an der Küste. Die Troer 
unter Hektors Führung begegnen ihnen, und Hektor tödtet 
in dieser Landungsschlacht Protesilaos, Achüleus aber PoseU 
donsSohn, Ryknos, worauf die Troer weichen ^ und die Grie- 
chen sich in einem vorläufig befestigten Schiffslager an der 
Küste niederlassen ^), 

Aus dieser Begebenheit ist nur ein Zug, oder richti- 
ger, nur die fortgebildete Erzählung eines Theiles bildlich 
nachweisbar ^). Es ist dies der namentlich von der Tragö- 
die ausgebildete Mythus von Protesilaos und seiner Gattin 
Laodameia ^). Von den Kunstwerken, welche 

11) Vgl. Rev. arcb. a. a. 0. S. 294 a. arch. Zig. a. a. 0. S. 
51 ff. — 1») Vgl. Dederich za Uict. p. 409 f. ~ i) Vgl. W el- 
cker, Ep. Cycl. II. 103, 125, 145. — 2) Eine archaische Hydri« 
aas der Sammlung Durand (Nro. 868) im britischen Museum Nro. 
444, die eine gewaltsame Laridnng und die Abwehr derselben durch 
Bewaffnete zeigt , mag die Landung in Troas bedeuten sollen , aber 
diee ist niebt in beweiset. ^ d^ im Epos Polydora, llelMgros Toob* 
ier. Welcker a. a. 0. 



— 8S7 — 

XI^ ' Pfotesilaoft und Laodameia 



dirstelleiiy ist ein Sarkophagfirefief im Museo Pio-Clementiiiö 
vielfach besprochen und sehr bekannt , ein zweites, erst in 
Mnerer Zeit mit der richtigen 'Erklärung bekannt gemachtes 
«nd erkllrtes rerfient aber Jenem vorangenannt zu werden, 
flur Brlattemng beider Reliefe erinnere ich an folgende Züge 
des Mythus. Protesilaois, Fflrst von Phylake in ThessaKen, 
liesSy gen Ition ifiahrend, sein jungvermähltes Weib Laodameia 
dieifl zurück, welche in ihrer Einsamkeit nach Ovid. Herold. 
Xin. 49, 87, 98 von finsteren Ahnungen Aber den Tod ih- 
res Gatten gequält wurde. Und wirklich fiel Protesilaos als 
der eilBte, der troischen Boden betrat, entweder durdi Hek- 
tor ^) oder Achates ^) oder Aineias ^). Als Laodameia des 
Gatten Tod erfabreil hatte , bat sie die Götter um eine Un- 
terhaltung von wenigen Stunden mit dem Verstorbenen, wel- 
die Bitte gewährt ward. Hermes führte Protesilaos auf die 
Oberwelt zurflck, der aber nach kurzem Wiedersehen der 
treuen Frau zum zweiten Male zoin Hades gehn musste *)• 
Da folgte ihm Laodameia freiwillig in den Tod nach. 

Dies ist die einfache mythische Grundlage des eben so 
einfach componhrten ersteren der beiden Reliefe des Gegen- 
standes. 

Nro. i. Sarkophag in Sta. Cbiara in Neapel, ab- 
geb. in den Monumenten des Instituts IH. tav. 40. A. ^) und 
efrklärt von Welcker in den Annalen XIV. p. 32 ff. 9) Die 
Langseite stellt eine einheitliche Handlung dar. Laodameia 
ist, umgeben von vier Dienerinen, in ihrem durch ein Pata- 

4) Lician. Ditl. mork. 23. 1, Hygin fib. 103, Ovid. Mekam. 
XIL 67, Tietz. ad. Lykophr. 245, 528. — S) Eastath. ad IL p. 326. 
(ed. Born.) — €) Dictys Cret. II. 11. — 7) So Uygio a. EuBtatb. a. 
a. 0. und Philostrat. Her. 2. Anders Lnkiao. a. a. 0. > wo Protesi- 
laos um die Erlanbniss zur kurzen Röckkebr in's Leben bittet , nach 
Enripides, s. SchoL Aristid. I. p. 288. (ed. Jebb.) — 8) ^rOher in 
Montfancons Diar.ItaLp.3i4« -^ 9) Auch Alte üenkm. UL S. 553 ff. 



petasma beseichnefen Oenp^ch miApok M Ovfii a. a. O. be- 
schriebenen Opfer beschäftigt gewesen, sie selbst hält ein 
Gefäss zur Spende, eine Dienerin trftgt eine Fmehtscbale 
auf dem Kopf, auf dem Altar ist HoIj aufgeschichtet Hin- 
ter dem über eine bftrtige Herme gehängten Parapetasma 
erscheint das verschleierte Phantom des Verstorbenen, dem 
das Stthnopfer galt; also wieder wie bd Ovid. In diesem 
AugenblidL tritt Protesilaos in der Gestalt eines Lebendigen 
links aus der Pforte der Unterwelt, geführt ?on dem, trotz des 
Fehlens der Attribute, leicht kenntlichen Hermes psychago« 
gos und einem zweiten, schwerer zu erklärenden, bärtigen, 
mit einem kurzen Scepter versehenen Mann, den Welcke.r 
Hades , Braun in einer Note zu dieser Stelle trotz des Wi- 
derspruches Weicker's Charon benennt ^'^). Laodameia, bat 
den geliebten Gatten alsbald erblickt, ist in heftigem Er- 
schrecken zu Boden gesunken, und winkt in dieser Stellung 
em Nahenden. Ihren Schrecken theilt eine Dien erin, wäh- 
rend eine zweite dem Herrn entgegengeht * ^) und eine dritte 
sich um die Herrin bemüht Die ganze Vorstellung ist links 
von Selene's, rechts von Helios Bildern eingeschlossen ^^). — 
Die rechte Schmalseite zeigt den Abschied der treumi Gat- 
ten ; Laodameia hält den Dolch , der ihr Leben enden soll, 
wie sie bei Ovid schwort , dem Gatten in's Schattenreich zu 
folgen und dies nach anderen Erzählungen ^^) wirklich thut 
Eros zwischen beiden. Die linke Schmalseite zeigt uns Pro- 
tesilaos durch die Verschleierung als Schatten bezeichnet, 

iO) Die beideneito aufgestelllen GrAnde sind roo Gewicht, die 
Enlacheidang iat schwierig , und dftrfle so lange sn Yerachieben sein, 
bis ein so leicht und kurz beklefdeter, nnköniglicher Hades, oder ein 
Charon ausserhalb des Nachens und io anderer Bezeichnung, denn als 
FAhrmann der Schatten lum zweiten Male nachweisbar wird. — 
ii) Ueher den undeutlichen Gegenstand den diese trflgt, s. Brenn 
in der Note t zu Weicker's Aufsatz a. a 0. S. 35. -^ 12) lieber 
ihre Bedeutung als die Götter, welche den Anfang und das Ende ^tn 
Protesilaos geschenkten Tages bezeichnen, Weicker a. a. 0. S. 33. 
— iSy S. ausser den aogef. Stellen Hygin. f. 104. 



— w» — 

wie er von dem («um grdssten Theil weggebrodieiien) Htdefl, 
neben dem Persephone steht, die Erlaubnis» zur Rttekkdar 
in's Leben bittet Eros fflbrt ihn mit heftiger Bewegong: jn 
Hades Thron hin; wie wahr und rtthrend schön; ist esdocb 
seine im Lethe nicht vergessene Liebe, die ihn au dieser 
Bitte treibt »*). — 

Diesem Belief von einfacher Composition und guter 
Ausführung gegenüber erscheint 

Nro. 2. , das viel bekannte und oft publicirte Relief, 
im Museum Pio-Clementinum, in der Weise späterer Kunst 
überladen , abgeb. Pio Clem. V. tav. 18, 19. ^^). Das Relief 
ist von Winckelmann und von Visconti so aufgefasst, 
dass in ihm sechs Momente derselben Handlung von links 
nach rechts auf einander folgen. Und hiegegen wird sieh 
kaum Etwas einwenden lassen. Wir sehen demgemäss au* 
nächst links die Landungsscene in Troas mehr angedeutet 
als dargestellt. Von einem SchiSe, dessen Vordertheil gebil- 
det ist , steigt auf einer an's Ufer geworfenen Treppe ein 
Krieger^ der Vertreter des landenden Griechenheeres, ihm 
steht ein zweiter, der Vertreter der abwehrenden Troer ge- 
genüber, während die Leiche eines dritten Protesilaos Tod 
vergegenwärtigt. Die zweite Scene bilden zwei Personen, 
Protesilaos als Schatten im Leichenhemde und Hermes psyclw 
agogos , der den Schatten zur Zusammenkunft mit der Gat- 
tin fortführen will, in der dritten, durch dieselben Perso- 
nen dargestellten Scene, sehen wir Protesilaos wieder als 
Lebenden mit Hermes unterwegs. Die vierte stellt das Ge- 
spräch der Gatten vor der Thür des Palastes dar. Die fünfte 

i4) Et ist dies hier sngleich eis gans klares and sehr inteTes- 
sADtes Beispiel fflr die Anweedang des handelnden Eros als Ansdruek 
einer Empfindung, interessant besonders deshalb, weil hier eine ge- 
wisse Abstraction nicht zu verkennen ist. — IS) Zuerst von ßeger 
in einer Monographie: Alcestis pro marito moriens u. s. w., dann mit 
derselben Deutung in Bartoli's Admiranda 75, 76, mit der bis auf 
Einzelnes richtigen Erklämng in Winckelmann's M. I. Ifro. 123. 
Aach Gal. myth. 156, 561. Vgl. Beschreibung Borns II. 2. S. 225. 



-Migi^itiisLaeilanieia auf ihrem Lager, in heftigem Schmerz, 
'ttedlicht von dem Eidolon des wieder gestorbenen Gemahls. 
Auf dem Lager sitzt zu ihren Füssen der Schwiegervater 
iphilLlos, auch er in tiefe Trauer versenkt Das Beiwerk, 
welches Laodameia's Lager umgiebt, die am Boden liegenden 
Flttten und Handpauken, sowie die von Winckelmann 
ab Pröterilaos Bildniss versehene bakchische Maske an der 
Wand haben ihre richtige Erklärung durch Visconti a. a. 
0. S. 121 f. gefunden, der in ihnen die Symbole bakchiscber 
Orgien in orphischem Sinne angewandt erkennt. Die Schluss- 
soene zeigt uns den wieder gestorbenen Protesilaos von Her- 
mes dem in sdnem Nachen in der stygischen Pforte erschei- 
nenden Charon zugeführt Auf den Schmalseiten sehen wir 
iiilks die Abschiedsscene der treuen Gatten , rechts die Dn- 
Unrweltflstrafen des Sisyphos, Ixion und Tantalos, deren Gom- 
Irhiation mit den übrigen Darstellungen des Reliefs von ziem- 
lich oberflächlicher Auffassung zeugt — 

Am Schlüsse seines mehrfach angeführten Artikels (Ann. 
XIX. S.37) sagt Weicker, Protesilaos Abschied von Lao- 
damela finde sich noch einmal in einem Relief des Museum 
Worsleyanum. Ich kenne nur die 1 — 6. Lieferung dieses 
Werkes, in welchen ich die Darstellung nicht gefunden habe, 
fklls nicht Tafel 3. gemeint ist , die mir jedoch eine nicht 
heroische Abschiedsscene, wie sie so häufig in Grabreliefs 
rieh wiederfindet, zu enthalten scheint. — 

Auch etruskische Aschenkistenreliefs (z. B. Inghira- 
mi, M6n. Etr. L 19, Mus. Gregor. I. 94. 1, Mon. deir )[nst 
ni. 40. B. und mehrfach sonst mit geringen Modificationen 
wiederholt) , die euie auf einem Lager liegende, weibliche 
Person zeigen , zu der eine tief verhüllte männliche tritt, 
sind auf unseren Gegenstand, auf die Erscheinung von Pro- 
tesilaos Schatten bezogen worden ^^), ohne dass ich bezeich- 

16) Aach von Mdller, tlandb. $. 413. 1. Das Relief in dep 
k. d. 1. wird YOD (Sranert Ann. XIV. S. 40 bu( Adioetos nod Alke- 
atia belogen. Wie mir scheint ohne genügende GrAnde. 



fSiiiitei>>Ciharakleriflliii8 ^enug m ihneii flnden kau^ iimirie 
«kierfSelbttt aabangsweisey einzureiheii. Wir kemien diecttilB- 
Juschen Grabes - und TodesvorsteUoBfeii und was damit «n- 
aammenhangt n«ch sieht voUstiUi^ genug, um Beroisehes 
Fon Nichtheroischem in allen BUIen saadem m könnca. 
Für die hier in Bede kommende heroische Scene durfte die 
euripidek'sche ■earbeituiq^ allerdings mit eiiligem Gewkhie 
jn die Wagscbale fällen. -- 

Ob die unanständige Carneolgemme d^s peterdiurger 
CabinetsinEckheTs Choix de pierres graFtes S6 echt antik 
sei , ist noch zweifelhaft , aber selbst die Echtheit angenom« 
men, und den Bezog auf unseren Gegenstand (Protesilaos 
und Laodameia's kurze eheliche Wiedervereinigung uiller 
Benies Aufiricht) zugegeben, kann uns das Monument mir 
sehr g^eichgiltig sein , indem eine durch Personen des B^ 
coenm^thus dargestellte Obscönität dadurch nodi lange nicht 
zu einem Denkmal des Mythus selbst wird. Jedenfalls ist 
also die Gemme zu streichen. — 



XII. Helenas Zurückfordening. 

Nachdem die ersten Kampfe um die Landung gekämpft 
uftd die Todten bestattet sind, so berichtet uns Prcddos, M* 
dem die Griechen Belena und die Schatze zurfick. Dies ge- 
schieht durch die in der Uias lU. 20& und XL 12S, 1^9 ei*- 
wAhntefiesandtochaft des Mendaos und Odysseus nach Troia % 
ud dieses war der Gegenstand der sophokleVschen Tragödie 
'£A»^c dnantfoit. — Sehr wahrscheinlich hat sieh von die- 
ser Begebenheit eine monumentale Erinnerung mehr als Dar- 
stellung in zwei Vasenbildern erhalten, welche Inghirami 
zum 3. Buche der Ilias rangirt, und die Welcker in 
seiner Receiision in der Hall. Allg. Lit. Zig. 1836. S. 595 

t) Vgl. Welcker, Ep. Cycl. II. S. 104 and 125» Griech. 
lyaff. 1. 117 ir. 



gegen den sonst auch foii ihm festf^dhaltenen Gmnisats, iie 
Bildwerke auf die Poesien 2U besiehen , welche den Oegfen- 
•tand dired und ausführlich behandelten , nicht auf Erwah- 
nunf^en in anderen Gedichten, in diesem Kreise belasst Hier 
dilrfte die Tra|[^ddie die Quelle sein. — 

Nro. 1. Vasengemälde, abgeb. bei Dubois-Mai- 
sonneuve, Introduction pl. 68 und danach in der Gal« 
omerica I. 58. Priamos {IIFIAMOS) kahlköpfig, wie wir 
ihn mehrfach kennen lernen werden, auf den KrAckstabge- 
ättttst spricht mit zwei Kriegern, von denen der ihm aunachst 
gegenttbentehende bartig und schwer gerüstet , der zweite 
nnbartig und Idcht gerüstet ist Im ersteren Mcnelaos m 
«rkennen hat keinen Anstand, dass Odysseus jugendlich er- 
scheint , fiUlt allerdings auf, erklärt sich aber aus dem mehr- 
fach bemerkten Gebrauch, einem Bärtigen einen unbärtigen 
GeflLhrten 2U geben. Hinter Priamos steht eine Frau mit 
einer Oinochoe, Hekabe. Wie in derllias die beiden griechi- 
schen Helden von Laomedon gastlich aufgenommen werden, 
so ist als ein anderer Ausdruck derselben Sache hier Hekabe 
mit dem gastlichen Trank dargestellt. Die Gesandtschaft ist 
ja der letzte Versuch friedlicher Ausgleichung. — Ganz ähn- 
lich in Auffassung und Gruppirung ist 

Nro. 2., ein aus Tisch bein's Vases d'Hamilton I. 
1& in der Gal. om. I. 57 abgebildetes Vasenbild ohne Na- 
mensbeischriften. Priamos bekränzt, im weiten Himation, 
den linken Arm auf das Scepter hoch aufgestützt , also als 
Kdnig, steht mit dem ganz gerüsteten, aber anstatt des Helms 
den Petasos tragenden Menelaos im Gespräch auf einer in 
der Mitte angegebenen Erhöhung. Hinter Menelaos der auch 
.hier jugendliche und leicht gerüstete Odysseus , wie hinter 
Priamos Hekabe mit dem gastlichen Trank in Oinocho« und 
Trinkschale, welche sie darbietet. 



So wie wir schon oben eine Scene aus dem mysigehen 



Kanpfey PalroUos durch Addlleus verbunden ^ die uns lite- 
rarisch nicht ans dem Epos Oberliefert ist, durch ein Vasen- 
bild kennen gelernt haben, so haben wir auch hier eine nur 
durch ein Vasengemftlde uns bekannte Begebenheit einffofül- 
gen, welche mit Nothweudigkeit in den Theil der Kyprien 
fUli 9 von dem wir reden. 

XIIL Ein aufgehobener Zweikampf des Achilleus 

und Hektor 

kann nur aus der erstisn Zeit der Kampfe gegen Troia datireU) 
und ist für diesen Zeitpunkt nach dem Gemälde einer 
Amphora von Vulci (Tafel XV. Nro. 4.)^ abgeb. Mon. 
dell' Inst I. 35, 86 und danach in We Ick er 's alten Denk- 
mälern m. Taf. XXVI. 1. 2 von Welcker a. a. 0. 8. 
428 ff. mit Bestimmtheit nachgewiesen 0« 

Auf dem Avers und Revers der Vase sehen wir die 
beiden Helden in voller Rüstung von einem Greise an der 
Hand aus dem Kampfe geführt. Beide Helden sehen unmu- 
thig und noch immer kampflustig auf einander zurück. Achil- 
leus Name ist nicht beigeschrieben, dafür ist sein Führer als 
O0INIX[2\ (Phoinix) bezeichnet ^ während der Name des 
Greises, der Hektor (HEKToq rückl.) führt, leider fehlt. 
Da aber Phoinix nicht ein Herold ^) ist , vielmehr zu Achil- 
leus in dem zärtlicheren Verhältniss eines väterlichen Pfle- 
gers steht, bin ich nicht zweifelhaft, dass jener Greis auf 
Hektors Seite Priamos ') zu benennen sei. Der Kampf aber, 

i) Gerbard hatte Ann. III. 380 an einea Abschied des Achil- 
leus TOD Phoinix und des Hektor von Priamos gedacht , während der 
Herzog von Lnynes Ann. IV. 84 einen aufgehobenen Zweikampf rich- 
tig erkannte. — Dass dieser Zweikampf über Troflos Leiche sich an- 
gesponnen habe, war ein Irrthum J a h n*Sy Telephos und Troflos S. 90 f., 
gegen den Grotefend Ann. VII. 220 und Welcker a/a. 0. S.43d. 
auftraten. — 2) Herolde heben den Zweikampf des Aias and Hektor, 
11. VII. 273 ff., der das Vorbild des ansrigen ist, auf. — 3^ Wel- 
eli e t* #ilV ««dh hi^r (S. 429. D. 434), iinr einen Pfleger („einen Phönix 



dmi hier- die beMeii Beiden gAMipU kabea, wird dipidi ein* 
Beiwerk aufs Unsweifelhafteste bestiflimt : durch das Schwerdt 
nänlicby wekhes der durch sein Episema, einen AiUmpen^ 
proleplisch als Memnon' s Sieger bezeichnete Achillens^, . od' 
denGurt, denHektor trttgt, werden die genseiligen Bhiengie^ 
schenke dargestellt, welche die Kftmpfondentsicb^liieftHiy nach»* 
dem sie sich im Kampfe als ebenbürtige Gegner erkannt 
habenj gpmz wie wir dies in der Uias VII...303;C sfhjE^. 
Hienach ist es gewiss, dass wir nicht an einen Kampf über 
eine Leiche, oder irgend einen der vielfältigen sonstigen 
Kämpfe des Epos, sondern nur an einen solchen bestimmtea^ 
Zweikampf zu denken haben, den die ersten Helden der bei-* 
den Heere gegen einander nach Loos oder Uebereinknnft ftif 
die Gesammtheit aosfechten. — 



An diese nur durch ein Kunstwerk erhaltene, echt epi- 
sche Scene schliessen wir eine Begebenheit an, die allerdings 
Proklos in den Excerpten erwähnt, die aber bisher in kei- 
nem Kunstwerke nachweisbar gewesen ist, und die erst g^nz 
neuerdings Welcker mit jener Feinheit der Erklärung, die 
Wenigen neben ihm eigen, und die ohne seine umfassende 
und eindringende Kenntniss der heroischen Podien gradezu 
unmöglich ist, in einem schon seit längerer Zeit veröffent- 
lichten Wandgemälde nachgewiesen hat, welches 

des Hektor«) » nicht den Vater anerkennen, ich lebe nicht. wanim. 
Ifamentlich in den ersten Zeiten des Krieges ist ein solches Eingrei- 
fen und persönliches Erscheinen des Priaraos sehr wohl denkbar, Pria* 
mos nehmen auch Malier, D. a. K. I. 44. 209. und Rochette Bl. 
I. 311. u. 279. Note 2. an, freilich unter der irrigen Voraussetzung, 
die Helden eilten zum Kampfe. Es ist ganz etwas Anderes , dass hier 
der Kampf ausgeglichen» gelrennt wird, warum soll dabei Priamos nicht 
so. gu^ thAtig sein^ wie bei. der etwa dem Karoff vorassgegangpfien i 
Sfi^jlidß^ieg ywtr^.übtx ien Zweikampf, ftlmUch wie 11^ )lJLll64ff.?. 



XTV« Achillw8 and Helena von Thetis und AphnH^ 

dite zuftammengeftthrt 

darstellt Deber den bei Proklos, wie i^esagt, angedeuteten, 
h4(ehst interessanten nnd mannigfach reichen Stoff nur Fol- 
gendes 0- I^i^ ersten Kämpfe gegen Troia sind gekämpft, 
Protesilaos ist durch Hektor, aber Kyknos ist dorch Achil- 
leos gefallen, die Griechen haben im Feindeslande festen Fuss 
gefasst, Hektor und Aehilleus die Kräfte und den Muth im* 
Zweikampf gemessen. Der kühne Vorkämpfer der Griechen ' 
aber hat sie niemals gesehn, um welche die Milben der Fahrt^ 
und die Gefahr der Schlachten bestanden war, sie, die treu-' 
lose Helena, welche dem verletzten Gemahl wiederzugewin- 
nen sich dieses ganze gewaltige Heer verbändet hat. Und' 
doch ist Achillen» Gemttth auch darin echt ritterlieh , dass 
Frauenschönheit ihn leicht und tief erregt. Der verwunde- 
ten Penthesileia Flehen um Schonung liess seinen Kriegszorn 
so schnell erlahmen, dass eines Thersites Spott sich an Aehil- 
leus Rähruug knüpfen konnte, und noch nach seinem Tode 
forderte sein Schatten Polyxena, welche der Lebende begehrt 
hatte. — Was Wunder, dass ein solcher Held auch Helena 
zu sehen verlangt, und dass ihr Anblick später so entschie« 
den auf ihn wirkt, dass er das unmuthig den Abzug for- 
dernde Heer zurückhält, und nur selbst um so kühner vor- 
dringt. Thetis und Aphrodite vermitteln die Zusammenkunft,' 
die ohne Wunder und göttliche Hilfe nicht möglich war, und 
sehr fein hebt Welcker hervor, wie gern bereit Aphrodite 

4 

■ 

i) Vgl. Weloker's ep. Cycl. S. 103 n. 146 f. Aaiterdem i 
verweise ich liier auf Welcker*« aaiffibrlichere Aaseiiiaoderfetsiingi 
welche Ternite's 29. Tafel begleiten wird. Denn es tritt hier der 
seltene Fisfl ein, dass ich sowohl die neue Zeichnung des in Rede 
stehenden G^mAldes fraher, als das Original erscheint, in einer Ver- 
Idisiaoriuig veföffoBtUchen, als auch Weicheres Text Tor seiner Her- 
aasgibe ])?)Butzep kanq, heiles "darql^ Welcker's persOipliobK Güte 
nnd Frenndlichkeit. 



: vnr fcomiMli 8b der Mstes' stuften »fin^ifai ^ii<1Nid*> 
werken nweret Krdses/ welche, fast f ans ans VasenUMen 
beytebendly den aagenseheinfiebsten und unaweifielhafteateli 
Zssanunenhang mit dem Epos bat» welcher von Weleker 
mü Recht aofs Schftrfiite betont und^ fiHnAch nadigewie« 
Ben worden. Ich spreche von den Kuistdenkniilem die una 



XV. Troiloa Tod 



■{' 



dvreh Aehilteus vergegenwärtigen. In die Zeiten der ersten 
Kampfe y der kleinen Treffen y welche sicih die Griechen und 
Troer gegenseitig liefern , der Raubzüge durch's Land , der 
Zerstörung umliegender Städte , in diese Zeit fällt eine Be- 
gebenheit, fie, obwohl äe einen interessanten und sehr be« 
zeichnenden Theil der episehen Erzählung ausgemacht haben 
muss, doch sehr wenig allgemein bekannt ist Daran ist 
ffie Dürre der Berichte aber Trollos Tod durch Achiüeus bei 
Dio Or. XI. 338 (R.) und dem Myth. Vatican. 11.210, sowi6 
der gelegentlichen Anführungen ans dem TroTlos des Sopho- 
kles, wie Scholl, n. XXIV. 257 ^), und die Verwirrung 
Schuld , welche durch spatere Umdichtungen in einen der 
einfachsten aber zugleich aufs hö'chste charakteristischen 
Mythen gekommen ist ^). Diesen Mythus in seiner epischen 
Gestalt im Umriss herzustellen ist leicht genug: Griechen 
und Troer begegneten sich nicht in der Felschlacht , nur 
Achilleus ist unermttdlich, dem Feinde aus dem Hinterhalt 
Schaden zu thun. Aus dem Hinterhalt tüdtet er auch Trotf- 

i) VergL Weleker in der ZeUichrift fflr die Alterthoms« 
wissenschafi 1850. Nro. 4 ff. u. 13 f. and in den Aonalen dei Initi- 
tau 18(50. S. 66 if., Jabii, Telephos und Troflos. — B) In dem 
awiiitea Bokolion s,n dieser Stelle halte ich das YOa Weleker fflr 
das handachriftliche d;^<ti^jy^a* vorgeichlagene Ip^^cv^^o» fflr rieb« 
tiger ab das von Cavedoni eoiendirte ilo;^^^^!^«». S... Weleker 
a. a. 0. S. 30. Note n. är. Tragg. I. 124. — 3) Vgl. Virg. Aeo. 
I. 474 , Seneca Agam. 747 , auch Quini. Smyrn. lY. 422, 433, TzeU. 
F9|thf>m,.,39^. Vgl. Heyne K;^c, XVIL #9 A(piv L iiii4W^loker 
auwer a. a. Ö. Gr. Tragg. I. 129. , , .... ,, ,,,1 , „ 

«, \i .9«iOlla«> -»rirj/jouit ,iJr>-»dit» vO 



109, Prioiios jfingtftai Sokn / der ia jafettOidl ükeiniittilig«t 
Sidlerheil es gewagt hatte , vor der Stadt seine Rosse zu 
tiunneln , d« h. sur Uebung , nidit ut der Absieht M kam- 
p&n ^)« Reidiores Material mr ReeonstnictlM dio* episehen 
Bnablmig bieten ns die Bildwerke, in flinen k5nn«ii wir 
die Begebenheit dnroh vier genan an einander scMiess^Dde 
Soenea verfolgen, ans denen ein sehr reidies Ganzes hervor-^ 
geht , und ans ihnen lernen wir ausserdem Elnz6lheit«D ken«> 
nen, welche es mis mttglieh maehen, nns das Bild mit leh^ 
haften Farben aosmmialeny wie das nidit allzn bänflg^ aber, 
doch hie and da, z. B. filr Penthesileia möglich ist Bie 
vier, von Weicker anfigesteHten Scenen sind diese: 

1. Achtlleus imHidterhalt hinter dem Brnn« 
neu, 8. Verfolgnng des Trollos und t.a. der P^o- 
lyxena» 8. TroVios Tod und 4. Kampf Aber flie 
Leiche. Dass diese Scenen in allen ihren wesentlichen: 
Theilen und in Einzelheiten von echt epischer Firbnng, aus 
dem Epos, und zwar direct ans dem Epos entnommen sind, 
hat schon Weicker a. a« 0. S. 105 als seine feststehende 
Ueberzeugung ausgesprochen, und ich zweifle keinen Augen- 
blick , dass meine Leser nach Kenntnissnahme von der fol- 
genden üebersicht diese Ueberzeugung mit mir unterschrei- 
ben werden. Einige, aber nur wenige Mddifioationen lassen 
sich leicht aussondern und erklären , und fOr ein paar Mo- 
numente, die auch ich nicht als ^isch begründet betrachte, 
bietet sich in Sophokles Trollös enie ^elte, die NiMau« 
ab ungenflgeud ansprechen wird. — 

1. Achilleus im Hinterhalt hinter dciia Brunnen. 



w 



^ Der Brunnen vor der Stadt, aus dem das Wasser ge- 
holt y bef dem die Wasche besorgt whrd, Ist deijenige Ort, 

-i . . . ,.... . < ■■ . ■/ . •■ ■• ■- 

«^ Trollos ist II. XXIV. 257. InTHOxagfin^ woran sich das BpSi-^ 
tore.MJMvefmRdiiisi! t^kz^ft haty welelies Mi TiÜIlöls/ lern Ton 
AtohaUtou terlplgten Und gembrdcDeai \Ai^$qiikk^ oinM Manätltad <Gto|ii 
ner idaailTalefdin naehte^ • '' '^ 



_ MO — 

so den ,(a€h am naMrltehsten die Bctegperten begeben, -wenn 
sie die Stadt verlassoi wollen. Er isl aber nit den diditen 
und scbatlif en Bäumen, die ihn umg^eben, mg^leich der pas- 
sendste Hinterhalt für einen Helden, der, die Oefahr verachtend, 
sidi in die unmittelbare Nähe der Stadt wag^, wie AchiUeus. 
Aueh bmene wird von Tydeus am Brunnen fiberfallen ; das 
Local und ier Zug ist echt episch. Zum Brunnen kommt 
Troflos, der seine Pferde für den kttnfiigen Gebrauch am 
Kriegswagen anigeritien hat, um sie zu tranken; nun Brun- 
nen Kommt, wie andere königliche Jungfrauen, auch Poly- 
xeüa. Dass Manner, Krieger dieselbe 2ur Deckung beglei- 
ten ist epne aus den erwähnten Umstanden leicht erklärbare 
Erweiterung^ Acbilleus lauert hinter dem Brunnen gehockt, 
gekaiiert, den günstigen Augenblick abwartend, wo er her- 
ausbrechen känne. Pies der Gesammtinhalt der Vasenbilder 
der ersten Scene, die wir einzeln folgen lassen. 

Nro. 1. Gemälde an einer grossen Hydria aus 
Voici (Tafel XV. Nro. 2.), abgeb. Ann, 1850. tav. d'agg. 
E. 1. 0* In der Mitte das Brunnenhaus , hinter den der 
schwergewappnete Achilleus lauert ; davor Polyxena , bereit 
die Hydria unter den Erguss zu halten, aus dem ein Was- 
serstrahl in eine bereits dastehende Amphora iliesst — Dann 
folgt TroHos mit seinen beiden Pferden, vortrefflich geseich- 
net; der Knabenjttngling sitzt auf dem vorderen dunklen 
Pferde, das hintere, weisse beugt den Kopf zum überllies- 
senden Wasser um zu trinken. Dann drei Gerftstete in ru- 
higer Stellung, Polyxena's Bedeckung, oder zur proleptischen 
Andeutung des folgenden Kampfes, welchen andererseits hin- 
ter Achilleus drei Götter entsprechen, Athene und Hermes, 
die sich noch mehrfach wiederfinden, und ein dritter Gott, 
der bärtig, im Mantel, eine Lanze hält, und den ich nicht 
so bestimmt wie Welcker ffir Zeus ansprechen mag, wel- 

^) Vgl. Braim im ^mischen Tiberino 1842 , p. 3i » Feuer, 
bach^ Ball. 1840, p. 124, Urliehs ebendai. 1839. p. 70 (danal^ 
war daaGeftM in Masignano), Welcker an 4^ angef. Meaüra.!.-^ 



~ S41 ~ 



dier Uer nach ähnfiehem Motiv, wie in den Parisurteilen an« 
wesend sein soll. — Anf den Bmnnen ein Rabe, mit geöff- 
netem Schnabel gegen Polyxena und Troüos schreiend, des« 
sen Bedeutung als des apollinischen Vogels, der den Troern 
bevorstehendes Unheil warnend andeutet, Welcker fest 
begrfladet hat — Ziemlich nahe steht 

Niro. 8. , das Bild am Halse einer canino'sdien Hy- 
dria bei de Witte: Di^scription de la colleetion du p. d. 
C. (18S7) p. 71. Nro. 122 ^). AchiUeus hinter da* dori- 
sdien Bmnnensaule, vor welcher Polyxena, die Epheuxweige 
httlt , das aus dnem Pantherkopf ausfliessende Wasser in eine 
untergehaltene Hydria anfltngt ; hinter ihr Troflos, nackt mi 
Pferd, das uwdte Pferd am Ztigel ; endlich ein ebenfiills 
nackter, aber mit zwei Speeren bewafiieter Troer , an der 
Stelle und in der Bedeutung der drei Gerttoteten in Nro. 1. 
Der Vogel auf der Sttule ist nicht erwähnt ^ Auf die drei 
Hauptpersonen beschrankt sind die beiden folgenden Vasen- 
bilder : 

Nro. 8., Amphora, aus Basseggio's Besitz 1641 in 
den des berliner Museums (Nro. 171S.) übergegangen und in 
Gerhards Etr. u. Campan. Vasenbb. Taf. 11 geaeichnetO* 
Achilleus hinter der dorischen Brunnensaule, hier mit Wins- 
sem Capitell, auf dem der sdireiende Rabe sitst, wie ge^ 
wtthnlich, nur ist AchiUeus von rechts nach links gewendet ; 
ihm gegentiber, ebenfitUs in gewohnter Weise, Polyxena, die 
ihren Krug auf ein kleines Bassin aufgestellt hat, in welches 
das Wasser aus dem LOwenrachen liiesst Hinter ihr der 
jugendliche Troflos , bArftmit , eine Gerte in der Hand mit 
seinen beiden stolz dastehenden Pferden. — Die Krieger, 
welche wir in Nro. 1. u. 8. fanden, sind hier nicht auf dem 
HauptbUde anwesend , dagegen sehreiten auf dem Revers 
drei Schwergerastete eiligen Ganges nun Kampfe, welche 

0) Am Bauche des Gef&faes ein Kampf von 5 Kriegern mit der 
Beiachrift: Leagroa. Welcker Uro. 4. Daa Gaflaa iat jeUt imbrit 
Moiaom Hro. 409. -« f) Welcher Hro. 2. 



mit dem HmiptbiU zu verbinden , uns die Analoge der be« 
trachteten Monumente gewiss veranlasst. Aber sie sind hier 
sicher nicht Bedeckung der Königstochter j sondern biUkm 
die unten mehrfach nachsnweisende sweite Scene, in der 
HdLtor mit andern Troern cu Hilfie I^ommt — Oahn weg« 
gelassen sind diese Krieger in 

Nro» 4.y einer von Gerhard bei Basseggio in Rom 
gezeichaeten und a. a. 0. Tat B. IVro. 11/ 12 publioirteä 
Amphora^) (Taf. XV. Nro. 9.), die Composition ist der 
vorigen gans ihnlieh , nur anders gewendet Sie SHule, auf 
der der ftabe Pelyxena entgegen flattert, was dasselbe sagt^ 
als wenn er schreit, ist wie das Hidchen seltsam und kun 
gedrungen gezeichnet. Polyzena hftit noch die Hydria, unter 
dem fliessendeu Brannenrohr stdit ein Gefilss zum Aulfangea 
des Wassers in der Form der Kylix. Troflos auf seinen 
Pferden (das hintere vom v^Hrderen ganz gedeckt) ganz wi^ 
in Nro. S, nur unbdknuizt und ohne Stecken. «-» Bevers<i 
Achilleus und Memnons Zweikampf zwischen den Müttern. «^ 
^ Diesdibe Composition mit einigen seltsamen Modifica- 
tionai giebt 

Nro* 6*9 eine flydria, jetzt im brit. Museum (Nro. 
474.), abgeb. in Oerbard's auserl. VasenbkU. 02 9). Die 
SlUile des Brunnens ist in einen Felsen verwanddty an dem 
sich der wasserspeiende Lllwenkopf befindet, und hint^ dem 
Achilleus mit einem grossen Schilde gewappnet, in gewohn- 
ter Weise hockt Banken geben von dem Felsen aus , daä 
Dickicht des HinterbaUes anzudeuten. Die Hydria ist unter 
de« Wasserstrahl gestellt , die Jungfrau , welche sie getr»^ 
gen, beobachtet hier nicht wie auf mehren anderen Monu- 
uMBiwteii dercai Vollaufen, sondern wendet sich zurück zu 
eipw Manne, der zu Pferd, ein Handpferd am Zil|gel zum 
Brunnen komnrt, seine Thiere zu trftnken, und zugldch er^ 
hebt sie in der Bechten eine Gerte, augenscheinlich mit der- 
selben den Beiter oder seine Pferde bedrohend. Dieser Mmu 

By Welcker Nro. 3* t«^ PJ WeUkier Nro. 8^^ 



!!>*' ^-1' 



auf ioA Bbrd ist bivfig; auflseriem isl der flabe^ der sich' 
luer atf dem Felsen wiederfindet , nicht liegen die Prau^ 
sondem liegen AchiUeiiä gewendet Dies sind die Moditea« 
tionen, die WelclLer sni einer theiiweise gand; neuen Brw 
klarung veranlasst haben , indem er in der Fran nicht Po^ 
lyxe&a, sondem Tbetis erUIckt , welche in der Vnnuissicbt, 
dass Trollos dnrdh ApoUen spaier an ; ihrem Sehne weid^ 
gierächt wtirden, den Kiiaben wegnuiehenehen suche, dam 
Treileb nimmt trete der wunderlichen Bärtigkeit auch Wel- 
eker aii. ich kami dieser Erkiftmng nicht heitreten, Thetia 
sebduit mir tuer mif llltsliehin eine bekannte, wenig medifieirte 
Composition ^^) einautreten, auch ist es wunderliioh , daiEis'^ 
den TroUos mit einenl Stecken f erjagen will, fast eben so 
wttliderlieh als ike Mhere Annahme Oerhard's, hier iei 
Ismene dargeateDt, die ndt dem StedLen Adrastos rertreibe. 
Ich kann die erwähnten ModÜcationen nicht für so ' bedeutend 
halten , dass ich darum zu einer irgendwie neuen BiUftrun|f 
mi greifen mich gendtingt glaube, idi erkenne Poljxena, und 
uwar wie sie sich herumdreht, um mit ihrem Stecken die 
Pferde des Trofles nurttekzutreiben, die ihr offenbar nu nahe 
amf den Leib rftcken, sie vom Trunk abiuhalten, bis ihre 
Hydria voligelautei ist Seilte man mir die Sdtimheit eines 
solchen individuellen, nicht streng in den nothwendigen Thei- 
len des Mythus gegA^M, ha^bWegs genreartigen und hu- 
moristischen 2Suges in alten Vasen entgegen halten, so muss 
ich die Seltenheit zugeben, ohne mir damit eine wesentliche 
Stütze zu nehmen. Die alten Künstler , auch die „Topfma- 
leir^ ginl'keitie Pedanten ") gewesen ' isiki warum ^sdlÜte es 

< f 03 Aehnlieiiei mmste idi mIiMi eiMni S. IIM; Hole 10 fegen 
die^on Welcher •. a. O. S. 34. Uro. 7; erksnate Athene fslteid 
BUdiMi. ^ ily Wosa sie^in^ gtfHsse^ in der llt»^fMfindi||fcelt kflluia 
RffklAranysart nur gar su g«rn ^nMben nitgle, indem 0I« ffaven aller* 
lei abcrwttiiget Spiel mit MalenlanTen -^ tind VaienformlMBügen anf 
den Inhett der Bilder oder nmgcikelirt anfcnMlBgen inefat, was zvhi 
Heil ' der Wiaaeaaelaifl üehr aad nelir in feiner AbgMehnMktbeit er«- 
kanni wird. — 



nicht einmal einem von ihnen eing^efUUen sein ^ iite yielfBudh 
lari^estelUe Polyxena in der angegebenen Art indiviiudler sn 
mnciien , namentlicb da er damit gleich so gut motivirte, 
warum die beiden Geschwister den lauernden Helden gar 
nicht merkten. — 

Einige andere Monumente derselben Scene mit leiditen 
Verftnderungen der Darstellung hat Welcker a. a. 0. S.tt 
notirt , eine Lekythoa in München, ein anderes, daselbst mit 
Nro. 88 beseichnetes Gefkss, welche wieder ausser den Haupt- 
personen nwei Krieger enthält, und andere; eine Vase in 
Toscandla, die auch nichts Anderes als unsem Ckgenstand 
mthldt, notirt Urlichs BdL 1889 p. 78. 

Auf unseren Gegenstand berieht Welcker dann noch 
(ab Nro. 6, 6, 7) mehre Vasenbilder , welche angeblich Po- 
lyxena alldn ohne TroHos von Adiilleus belauert darstellen 
sollen. Ich habe mich schon frtthw (S. 124) hiegegen er- 
klärt, und wiederhole, dass ich so lange diejenigen Monu- 
mente, in welchen die Hauptperson unseres Mythus, Troüos, 
fehlt, nicht hieher beriehen kann, bis einmal eine Beischrift, 
die mehr Ddierneugendes hat, als das unsichere ATS AHA 
bei Dubois Haisonneuve 51. 3., oder eine solche neben der 
Frau fiesdbe unnwetfdhaft als Polyzena beneichnet ^^). 

% Die ,y erfolgimg. 

Die zweite Scene unserer Begebenheit, die sich an die 
Darstellungen der ersten mit Genauigkeit anschliesst, ist in 

t2J Der Ton, in welchem Crenier, der eelbsi Ton der bei 
Welcker als Uro. 5. gezählten Lekythos ui Carlsnihe, in seiner 
Schrift lor Gnllerie alter Dramaliker 6. 76 eine gani ilnwahrscheinli- 
ehe Erklimns gegeben h«t , nenerdings (ia den mflnehener gelehrt. 
t«n Aiiseigen 1852. S. 328) der Welcker' sehen entgegeutreleu 
sn dfirfen glanbt, yerdient den Tadel selbst eines Jflngeren gegen ei- 
nen Yiel älteren Mann. Die Sache ist noch keineswegs entschie- 
den, am wenigsten durch Crenier, Welcker kann noch immer 
Becht heben, wenngleich seine bisher infgestelltcn Grinde nicht dotcfc. 
Mhlagen. -* 



«Mr reiehereii Aiusabl von Moaumenten vertreten als jene/ 
<— AcbiUeus ist plötslich aas seinem Versteck benrorf espmn«- 
f en y Rudit is das Einzige , worin sowohl Trollos wie Po-^ 
Ipcena Hdl und Rettung hoffen können , und so sehen wir 
sie denn auch, von Achilleus verfolgt, dahineilen mit allen 
Zeichen einer pldtslichen Deberrasdiung, in der a. B. Poly- 
xena die Hydria fallen lasst TroHos flieht auf seinem Pferi 
im gestreckten Galopp, und zwar er immer zunächst vor 
Achilleus , ihm voran Polyxena , denn nur so konnten die 
Kflnstler ausdrOcken , dass dem Knaben , nicht der Jungflrau 
sunächst des Peleiden Verfolgung gelte. — Die Bilderschau 
des Gegenstandes beginnen wir mit 

Nro. 6., dem Gemälde am Halse der Vase des KU- 
tias nnd Ergotimos (Francoisvase) (Taf. XV, NroJ 
1.) ^0, abgeb. in den Monumenten des Instituts IV. TatS5i 
An der Stelle der Brunnensaule sehen wir hier ein ganzee 
Brunnenhaus mit runder Bedachung, ähnlich dem Thetideion 
auf Taf. IX. 1. , KPBNE ist Aber dem einen PantherkopT 
beigeschrieben , unter dem eine Hydria steht , während unter 
den zweiten Ausfluss des Wassers ein nackter Mann eine 
andere Hydria stellt. Dieser nidit näher bezeichnete ManUy 
ein Troer, drückt den Augenblick vor demjenigen aus, den das 
Haoptbild darstellt, und erinnert an Polyxena's Wasserholen.' 
Neben dem Brunnenhause steht links Apollon, APOAON^ 
im leidifen Chlamydion, die Arme bewegt erhoben. Er Ui 
Troia's Sehutzgott, derselbe, welcher Achilleus fällte, und 
an dessen Heiligthum schon die Tragödie unsere Scene ver«^ 
legte. Das Wort TPOON^ Tgümv^ das rückläufig unter sei- 
aem Arme steht, ist obwohl nicht mit dem Wort Apdlon 
direct verbunden, doch eher zu diesem zu ziehen ^% als mk 
KPENB zu verbinden, oder als in der Form des Geni- 
tiv pluralis ganz ungewöhnliche Beischrift dem wasser- 

i8) Die Ponn Taf. IX, der HanpUlreifen des BaHches mil dem 
GAlierang m Peleas mid Thetie Uochieit dae. Nro. 1. — f #> Wel eket 
erieneri andai: „twi^ m^dav^uap <molimp** epidawilcherloflchrifleD. 



_ Half —. 

holmdeii Troer goxusprecheii. Hioter Apcdloii mwA wegf&-> 
worfele Gdttiaeii ohae Beischriften , die wohl ak Artemis 
iiiiil Leto Bit Apolloft zu verbinden sind. Aber wieApolloa 
mit htMg auf Troflos und Troia, und auch Schtttngfilter 
des Aebilleus rechts yom Brunnenbause anwesend , ausser 
Tbelis, 0ETIS (rOckL) noch Rhodia '0^ POJIA (r«^.)» 
^»e nweite WassergOltin ^^) und Hermes, HEPME2 (rttckL). 
Büesea dreien , welche ihre Theilnahme und ihr Eistaunen 
üit lebhaften Ceberden ausdrackeui voran finden wir Athene, 
^9Eliji nicht gerüstet , ruhiger als die anderen Gfttter. 
Vaf ihr sehen wir den Best der Gestalt des in gewaltigem 
Lauf hineilenden Achilleus, der den auf seinen Pferdea dahia 
strengenden Troflos, TPOIAOS (rOckL) nahe verfolgt Un- 
ter den Pferden die Hydria, HYJPIA (rackL) , welche die 
voranlaufende , num Theil firagmentirte , aber in den Resten 
des Namens (noXvlENe rückL) sicher erkennbare Prriyxena 
weggeworfen hat. Die Verfolgung ist schon bis nahe au 
üe Stadt gekommen, vor deren Thor Priamos, n PIA MOS 
auf einem Sitee, QAKOS , die Hand auf das Scepter hoch 
aufgesiatzty sunt, und von Antenor, dessen Oestalt nun Thdl 
Itegmentirt, dessen Beischrift, ANTBVOP aber erhdten ist, 
oiKge Botschaft von dem nahenden Verderben seines Sohnes 
em^fimgi Wie lebendig macht dieser Zug und das, wasmail 
sÜBt ihm vorhergehend denken muss , wie nämlidi Antenor 
all Späh^ ausgesehn hat, nicht allein das Bild, sondetü auch 
tasere Vorstellung von dessen episdier Qudle! Priamos 
kann dem Sohne nicht zu Hilfe eilen , aus dem : Thor aber 
sehreiten schwergerttstet Rektor, HEKTOP <rfickl.) und Po- 
Utes» nOAlTES (rllckl.) zur Abwehr des gewaltigen Fein- 
ies. Zur Rettung des Knaben kommen auch sie zu spttt^ 
wie uns die Monumente der dritten Scene zeigen, aberAdne 
Leiche befraen sie im Kampfe gegen Achilleus aus dessen 

tSy Otfi tie aaf ein«r Art Uaftis, einer Stofe oder Schwelle 
de» BtwmealibiM» steht, hat «dmn^ Weichet aUaiilftlKg angetpro^ 
ehsa. ^ ±9J Wieael^D Braan AdilXX* «nd Welcher benerlBtSBi 



Hand. «**- IHeft diß ohne Frage sowohl ftf urenreichsle wicl» 
bedeutendste I^arstellong von TroYlos Verfolgung ; iae ttbri« 
gen noeb anzuführenden Monumente sind entweder auf dio 
Hauptpersoneii (AchiUeus, TroKlos, Polyxena) besdiränkij 
oder «eigen ausser diesen nur wenige Nebenpersoneu ^ nm^ 
stens Göiler* *^ Nur die drei erwähnten Personen enthalt ; 

Nro. 7.J das eine Aussenbild der Kylix des Xeioklei^ 
«bgeb. bei Roc bette M. LpL49.1. B. ^0« Troflos «prengt 
in elgenthümlicher Kleidung dahin, verfolgt von Aehilleuii^ 
AXI^EVS; vorau die übertrieben gross und sdiwerfKlUg 
dargestdlte Polyxena ^ welehe ihre unter den Pferden siciit^ 
bare Hydria fallen gelassen hat — Zun Theil gan^ rok 
finden wir diese selbe Vorstellung in 

Nro. 8„ einer OinochoO, von Campanari bekannt 
gemacht und nach Ann. VIL tav. d'agg. D.2 in Oerfaard^a 
etr. u. camp. Vasenbb. Taf. E. 7 (S. Form) abgebildet ^% 
TroYlosi gan0 nackt, wendet sich umschauend nurfldL Auoht 
Polyxena ^^) , welche die zerbrechende Hydria weggeworfen 
hat, ist ganz nackt, Achilleus ohne Besonderheit« -^Aueh m 

Nrob 9. , einer kleinen zwischen drei Füssen bangendevt 
Büchse aus Nola in Berlin (Nro. 975») > abgeb. in Qtrm 
bard's etr« u. camp« Vasenbb. Taf. 13« 9^% finden wir mift 

i7) Und aaf Gerhard's Tafel E, 1. 2 in den etr. n. campiMl» 
Vaienbb. Vgl. Cat. Durand Uro. 65, Gab. Beugnot Nro 48, Wel- 
cker Uro. 10. Innenbild: Farisurteil Taf. IX. Nro. 2. ~ 18) Vgl. 
Gerkard a. a. 0. S: IP. Note 2 f., S. 20 n. S. 46, Jahi, Tele- 
phoa U, Trollof 3.85, Welcker Nro. 18. — i9) Die Figur ist gaiif 
abaeheuljob gemalt^ und als weiblich kanm zu erkennen, von Ger- 
hard'« Zeichner verdeutlicht. Aber man hfttte doch nicht an ihrer 
Bedeutung aweifeln, oder sie fflr männlich halten aoHen, >vie Jahn 
a.a.O., Cavedoni Bull. 1844 S. 68 Braun das. S.75 und Panolka 
Ann* V|I. SMiPf. (Telepbos!). Selbst wenn Alles noch undeutlicher wftre, 
stünde die Erkiflrnng unbedingt fest durch die Vergleichnng mit den 
awtOTflto I Exemplaren .y PotyMnaiH aber achon allein dMrcb di0 Hydria 
bewieieo. Dasa sie nackt iai, iat bloaiQjGtfdankttilosigheil des Malaw»* 
aabwerliob wie Welcker tadenut „^in aeklechtes Hotiv, iie Wfidhalt 
dar floiue SBilideaten«. -.m*^ W> Wel obf r Uro« 19. • «, .v 



1 



•^ Hift ^m 

^^ OVO ^^ 

«He 8 Personen wieder , Troflos hat nur ein Pferd and die 
gamie Darstellung bewegt sich von rechts nach links anstatt 
rnngekehrt^ wie gewöhnlich, die Hydria fehlt — Ein swei- 
tes Bild am Bauch der Büchse zeigt eine Wappnung (Schie- 
nenanlegung) y ein drittes eine scheusslidi lascive Scene, der 
Deckel KlUnpfer su Fuss und zu Pferd. — Wiederum das- 
selbe finden wir in 

Nro. 10., einer Amphora im Museo Gregoriano IL 
SS. 1 ^Oy jedoch* mit rOthlidien Figuren, in der gewohnten 
Richtung und TroVlos mit 2 Pferden. Auch die Hydria fehlt 
nicht. — Die beiden folgenden Monumente geben wieder die 
bekannte Darstellung, jedoch durch die Anwesenheit von 
Athene und Hermes erweitert 

Nro. 11. Hydria in Berlin (Nro. 1640.), abgeb. in 
Oerhard's etr. u. camp. Vasenbb. Taf. 14. ^^). Das Brun- 
nenhaus , welches wir auch aus Nro. 6. kennen , ist durch 
eine Sttule mit Bedachung, ein Bassin und den wasserspeien- 
den Löwenkopf links zu äusserst angegeben. An die Säule 
hat Achllleus Schild und Speer angelehnt, um, leichter ge- 
rtstet, schneller verfolgen zu können. Hinter der in ge- 
wohnter Weise gemalten Gruppe der Hauptpersonen, von 
denen Trollos eine lange Lanze hält , stehen Hermes und 
Athene ruhig, jedodi mit erhobener Hand Theilnahme für 
Achilleus ausdrückend. Diese Gottheiten, die wir auch in 
Nro. 6, sahen, finden wir zum dritten Male in 

Nro. 12. , einer dreihenkeligen , 2 Palm 2 Zoll hohen 
Vase des Prinzen Canino, welche auch die beiden anderen 
Scenen unseres GefiUses enthalt, Catalogo di scelte antichitä 
etrusche cet Viterbo 1820. S. 44. Nro. 623. ^^. Das Brun- 
nenhaus fehlt 

In den drei folgenden Nummern sehen wir an der Stelle 

M) Welcker Nro. 2t. — M) Frfther bei Jahn, Telepkof 
ud Troiloi Taf. 4. Am Bauch dar Zag der GOttinen mit Iris ra Paris 
Tkf. IX. Uro. 6, darunter Herakles im Löweokampf. We Ick er Uro. 
11. — MJ Im Museum ötmsque nicht ailigefahrt. Welcher Ilfo.ll.a. 



lieser CMtter eine nädg stehende FraUy die Nidito aleAtliene 
beseiclinety und die aueh nicht dne Begldterin der Polyxenn 
iuinn darstellen sollen, weil sie keinerlei Sdirecken verrttth, 
wie dies in einigen unten anzufahrenden Bildern, von einer 
oder mehren nusfttzlichen Frauen allerdings geschieht IMese 
Frau , welche in der folgenden Nro. 13. durch einen fiher 
das Haupt gesogenen Schleier ausgeadchnet ist, hat W e le- 
cker mit der grOssten Wahrscheinlichkeit Thetis benannt, 
wofür in deren Anwesenheit in Nro. 6. eine sehr bestinuate 
Unterstützung gegeben ist, und die sich hier aufs Natür- 
lichste selbst begründet 

Nro. 18b Amphora in Borlin (Nro. IMS) abgeb. ia 
Gerhard's etr. u. camp. Vasenbb. Tat 20. ^) Die Haupt« 
gruppe ist in bekannter Weise dargestellt, nur ist Achilleus, der 
mit Schild und Speer verfolgt, und den ein Hund begleitet, 
dem umblickenden Troflos bereits sehr nahe. Polyxena, auch 
umschauend, voran, die Hydria unter den Pferden. Hinter 
Achilleus steht Thetis, wie bereits angeführt im Schleier, 
den sie mit der linken Hand erhebt , ndiig da. Was W e le- 
cker sagt, Thetis fiftsse Achilleus am Arm, ein Zeiidien^ 
dass sie ihn von der schicksalvollen That zurückhalten mügte^ 
vermag ich nicht zu sehen, und halte es auch nicht für rieh« 
tig. — Revers : Astyanax Tod durch Neoptolemos, später zu 
besprechen. — In 

Nro. 14., einer ehemals Bassegio'schen Amphora^'^) 
(Taf. XV. Nro. 10.), ist dasselbe mit leiser Modification ge« 
geben. Achilleus verfolgt nur mit dem Schwerdt, Troflog 
wendet sich nicht allein herum, sondern erhebt auch, wie zur 
Vertheidigung, die geballte rechte Faust Polyxena und die 
Hydria an den bekannten Plfttzen in bekannter Art Etwas 
weiter als in Nro. 18. steht Thetis von AcMUeus getrennt, 
hier sehr dentUoh nicht abmahnend oder zurückhaltend, son« 
dem ermunternd, antreibend. — Rv. Quadriga. — BndfiA 
laden wir Thetis in 

M4) W«lcker Nro. 15. — M) Weicker Nro, I& > 



Nf04. Ifiu, einelr Kyllx, die Welcter Uro. IT Mk 
iem MiAeam in Neapel notirt bat ,, Voran das ftehende 
WeA , dann der Knabe mit fliegendem Mantel, za Robs spren-* 
gend y der Krieger nachsctaend mit avsgestrecktem Schild, 
noch eine Frau wie gebietend (?) und in der ausgestreckten 
Baüd etwas haltend, Thetis. Rr. Ein Beliehnter mit ausge^ 
stredLten Armen zwischen zwei gleichen Gruppen von je 
drei Kriegern , deren einer entwafihet wird, bmen ein ge-i 
flttgelter Jüngling mit Lilie/^ — 

. Aber nicht allein su AcUlleus stehende Nebenpersonen 
finden wir, auch solche, die zu TroKlos und Polyxena ge- 
hireii sind nachweisban Die ein£Gu;hste Erweiterung ist es, 
wenn an^er den beiden Hai^tpeinsonen noch andere fUcb^ 
lende angegeben sind« Diese finden wir efaiige Male, h 

: Nro. 16., dem oberen. Theile einer Folcenter Hydria 
des Prinaen Canino (Cab. ^tr. Nro. 7&), die Gerhard, 
etr. o. camp« Vasenbb. S. 19. Note S und Jahn, Telephos 
md Troflofl S. 88 , sowie Welcker unter Nro. 22 anfüh- 
ren , ist ausser Polyzena eine zweite Jungfrau , auch sie mit 
einfir . Hydria gemalt. Ausserdem findet sich neben AchiUeus 
nodi ein zweiter Krieger, dessen Stellung und Handlung 
nicht genau angegeben wird, den de Witte Tennes, 6er* 
hjif d PatroUos nennt Nach Jahn befindet er sich hinter 
der Jungfrau mit Hydria , scheint also zu Ar zu gehören» 
Dies dürfte einigemaasen auch dadurch unterstützt werden, 
dass wir in den beiden folgenden Nummern einen Solehen 
OMBitfidicben Krieger deutlicher als Paris charakterisirt finden^ 
Nro. 17., Oinocbo<( in Mflndien, VM Rrauu itt 
BnlL V. 18dd. S. 73 beschrieben ^<^> ^Trollos, bekleide« »it 
eioetti Rock (gonello, wohl wie inNro.7¥), und bedeckrmit 
einem; weiten Beitermantel , mit zwei Lanzen in dbr BAtid^ 
reitet ein PCsrd und führt ein anderes an der Handy untef 

Mtrden das zerbrochene Geftak Achilleus, voDstandtg 






— «M — 

gemtiffnti} verfolgfl ihn eu ¥am. Wäi Mise ConqNMlIMi 
wichtig^ macht ist die D«ratelliuig desParis^ der ohne Ueber- 
^t&mmg aber hinlänglich beeilt sich vor dem Peleiden asa^ 
rickneht^ — Fehlt wixUich Polyxenaf— 

Nro. 18) das Bild am Halse ^ner mttnchener Hydria 
mit dem Parisartefl (oben S. M9 Nro. Ifl.)^ wird von W e 1 e k e r 
miter Nro. 13 wie folgt beschrieben 2 j^der mit swei Pferdeii 
ffiehende Troflos ist mit schwäre gestreiftem Mantel ange» 
tlian. Vor ihm her flieht ein Bogenscbfliz (Paris) and 
eine Troerin (Polyxena), die ein am Boden liegendes drei^ 
henkeliges Geftss bat fallen lassen, in raschem Laaf. Kb^ 
ter AchUleus ein Hoplit, sein Waffengefthrte , ein 2W«ites 
Weib flieht uadi der anderen Seite. Bin «weiter Bog»* 
schatie beschliesst die Darstellong zor Linken , der so det 
Synuaetrie wegen migesetzt scheint, wie sonst auch Poly- 
xena (?) oder eine Begleiterin von ihr hinter den Adiilleus 
f esetst wird.* -^ 

Eine solche Begleiterin der Polyxena , die wir sAon 
einmd gesehen haben (Nro. 16.) 9 finden wir in 

Rhk la, dem Obertheil einer depoletti'schen ffydria 
(Taf. XV. Nro. 3.), die ganz in Gerhard's auseri. Va^ 
senbb. I. 14. gezeichnet ist Unser Bild , welches nodi eine 
zweite Besonderheit darbietet, ist auch bei Oerhard , etr. 
0. camp. Vasenbb. Taf. E. 10 gegeben ^0. Die Banpt^ 
Personen sind in bekannter Weise gezeichnet, Achillöos ver* 
folgt mit Schild nnd Lanze, die Hydria fehlt. Polyxena 
entqireeheMd entflieht die CkfilbrtiB in entgegengesetzter Bich- 
teag; Vor Polyxena sitzt auf einem Stein eine Person ei|en^ 
thümlicher Art« Sie ist mit Chiton und Chlamys bekleid«^ 
sdketnt eine Sturmhaube ohne Busch auf dem Baupt du tra- 
gen> stutzt die rechte Hand hoch auf ein Seeptef od^lr elikell 
langen Stab auf, und blickt von der VerfolgongsMeiie, M^ 
sie Mge wandt sitzt, hinweg. Welcker erkennt tiacl 

»rjyf ticket Nro. 12. { 



». t i, 



-- SU ~ 

Aililogie rtn Nro. A Prianos , der ror dem TlMve aitw, 
und das Oesidit vor Entsetzen abwende. Aber dieser Mann 
ist ganji entschieden jung, unbärtig und scheint wie behelmt 
nu sein, was Alles für Priamos wenig passt Aber vieUeicIit 
Usst uns eine andere Analogie von Nro. 6. eine andere Er- 
klärung inden. Dort meldet Antenor Priamos das Gesche« 
hene, das er offenbar als Späher auf der Warte , dem be- 
kannten Mahle des Ilos oder sonstwo erkundet hat Sollten 
wir hier nicht einen Späher wiedererkennen können y den 
wir ja nicht Antenor zu nennen brauchen , weil dieser auch 
bärtig sein mtisste, wie Priamos. Ein jugendlicher, Iddit 
gertlateter Späher scheint mir sehr am Orte, und der Sitz 
4icser Person ist auch kein behauener Sitzstein, wie er dem 
Priamos gebührt, sondern scheint ein blosser Felsblock sein 
zu sollen, der die einsame Warte fttglich ausdrücken mag. — 

Eine andere, eben£EiIls zu Trolles gehörende Neben- 
person, zeigen in zwei verschiedenen Situationen Nro. 2Q 
u« Sl, «wei Tasenbilder, von welchen Welcker unter Nro. 
M u. 25. Folgendes angiebt «Von zwei anderen Vasen, 
deren vollständige und sichere Beschreibung mir fehlt , ist 
die Besonderheit zu merken, dass auf der einen unter den 
Pferden des fliehenden und von Achilleus verfolgten Troflos 
ein Alter wie entseelt liegt, der fQr dessen in eiliger Flucht 
oder in Entsetzen hingesunkenen Pädagogen zu halten ist, 
auf der anderen eilt derselbe nach der Stadt voran.^ Sdlte 
man im letzteren Falle nicht an Antenor denken dürfen? 

Es bleiben uns in dieser Abtheilung , der Verfolgung, 
noch fünf Vasenbilder zu betrachten, von denen zweien durdi 
ganz kurze Anführung Genüge geschieht, ich meine 

Nro. SS., eine durch ihre rothen Figuren merkwürdige 
volcenter Amphora, ehemals im Gab. Durand (Cat. 
Nro. 888.) 3^), welche der fliehenden Polyxena eine Binie 
(Tänie) in die Hand giebt, auch die zerbrochene Hydrin 

28) Welcker Nro. 20, vgl. Gerhard etr. und camp. Ya- 
ffenbb. S. 19. 



— Sfit — 

uDücr Trolfhs Pferden nicht vergiMt , wohl aber AchiHetu 
ansdässt; sodami 

Nro. 23. y eine von Welcker als Nro. 2a. cüirte 
KyliXi welche Rochette in seinen Lettres arch^ölogicpMS 
z« ediren versprach , aber noch nicht edirt hat Rv. Saty- 
resk-obscün. — 

Deber swei andere Vasen iLönnen wir mskt so leicht 
hinwegkommen , ttber eine dendbcn ist vidleicht die Bnt- 
scheiding in bestünmtem Sinne ttberhaupt nicht möglich. Dio 
erstere dieser beiden Vasen , 

Nro. 24.^ ist eine Caaino'sdieAmphoray die Gerhard 
in den aoserL Vasenbb. DI. Taf. 185 bduuNit gemacht hat >''). 
INe sdir alterthindich und «um Theit roh, obwohl in dnaeU 
nen. Partien wieder sehr iebensvoli md iaäflig bemalte Am- 
idhora ist in drei Streifen getheilt , von dcMB der antaste 
eine Reibe Vögel, der mittlere satyreske ObseOnitaten zwi- 
schen Sphinxen dngefasst zeigt Der obere darch die Hen- 
kel m^fbrochene Streifen enthalt die Bilder, die ans hiop 
aagdin. Einerseits sehen wir bei cineni Ldweiibninneny na- 
ter dessen Wasserstrahl ein Oefiiss steht, und vor dem eine 
Pflanze, die Abkttmng des Dickichts wadist, einen mit zwei 
Pferden eilig dahin sprengenden Knaben von einem geniste- 
ten Krieger im Laufe eingeholt, an den üaarm m*griflbn, 
nadi hinten gerissen, nnl mdt dem Sdiwerdt bedroht, von 
dem nur der weisse Griff mit Auslassmig der Klinge gemalt 
ist «^ Auf der Kehrseite flii^t eine Jongfirau zu einm Al- 
tar, auf dem ein Schwan sitzt '^), vor dem Altar 5 Stufen, 
welche das von zwei Kriegern verfolgte Mädchen tut einem 

29) Vgl. Welcker Nro. 26. und in der Ztochr. Hlt A. W. 
ii. a. 0. S. 43 ff., Ann. a. a. 0. S. 89 ff., Crenxer in den Wienet 
J«hrbb..LXYI. S, 202 f., Lenormant in de WiUe's Gab. Dofsad 
Nro. 65, de WiUe, Gab. £tr. Nro. 75, Gerhard, Nenerworb. Denlu 
mftler sa Nro. 1640 a. 1642, anserl. Yafenbb. an I. Tat. 14, Etr. n. 
Camp. Vasenbb. S. 19 ff. , Jahn, Telephoa nnd Trolloa S. 82 ff.. 
Brenn im Bnll. ¥. 1844. S. 74. — 80) Nach Welcker mit Nach« 
aknnag apoUiniaeker lleiKgtliasMry in donsa Sehwftne gekallSB wnrdea. 
OTerbeek, hwotaih« OaUerlt. 23 



Schritt m enteifffäi im Begriff ist, indem de sidl ngkieh 
mit abwehrend erhobener Hand zu den VerCdfem ttagstfioli 
zurückwendet. Von diesen ist der yordere eben im Begriff^ 
sdun wieder mit weiflsem Griff gemaltes Scfawerdt ans der 
Scheide zu zid^n^ der andere schwingt SdiiU und Lanze. 
An diesem letzteren springt ein Hund empor , wie Hunde die 
Helden mehrlsch hegleittn. Mit dem Vogel der zwischen 
dieses Helden Beinen genmlt ist , weiss ich so wenig Etwas 
aanufangen, wie meine Vorginger. -— AUe bisherigen BrUireri 
mogten sie nun, wie Creuzer, Lenormant u.A.die8p&te 
Geschichte von Tennes nnd Hendthea , oder mogten sie, wie 
Weieker, Trollos daigesteiU sehen, pngen ron der Anrieht 
aus, dass die beiden hetraditeten Seilen zwei JMomente oder 
Ssenen deiselben Handlung, oder wenigstens zwei in uamit« 
lelborem Zusammenhang stehende Begobenhriten enthatteUi 
welche, mit thmlweiser Wiederholung ziemlich willktriidi 
getrennt smn. Ich bin anderer Meinung nnd glanbe nach 
einer neuen Erklftrang die zMisten der übrig gebüebenen 
Sdiwierigkeiten. heben zn fcttnnen. -*- Auf der einen Seite 
int aUmrdings TroUos dargestellt, das sdieintmir milBerfldu 
sidktigttng der betradtteten BeOie yüUig unzweifelhaft. Auch 
der dargestellte AugeahMok wird , obgleich hier allma ge» 
geben, völlig in den Zusammenhang der Geschichte gerückt, 
wenn wir an das Bfld Ta£ XV. Nro. & denken, in wd- 
chem AchiBeus den Knaben an den Haaren schleift. *— We 
Kehrsdta zeigt Polyzena, das glaube anch ich , aber nicht 
die mit TroXlos zugleich von AchiUeus verfolgte^ sondern die 
hei. Uiott's Hinnahme von Neoptolemos. ereilte, gefangene und 
ap AchiUeus Grabe geopferte Polyxena. Wie dic^Qeachichte 
VQH >^c)u)lei|s u|i4 Polyxena in ihren ciinzelien« UmsjUUideii 
i)rztüat ivar, können wir freilich nicht wissen, aber das Bhiö 
steht doch wohl aus der Vergteichnng der Bildwerke ftst^ 
dä89 nicht davon die Rede gewesen Mt, noch hat sein l^ÖnneUi 
ißßa, AchiUeus ißs ll|ä4ch^n erficht un4 ge^gjOVi Iffilk^ 
Alles besdurftnkl sich dam^ dasaPotyieuamil Tvpaezi am 



V «» 



Bmmeft betröAsn wkil , der Veifolgmqi; aber eiitgeM; ^ dtar 
TroKlos erlief Hieran Bfwaai die spätere Po^Ssie an tmd 
weiter. Aber ist dies in Hnseron Bilde «osgedrfickt^ und 
nicht vielmehr das direete Gregentheii ? bl es niehl laupf- 
diarakterismiiSy dass die Juoffiraa nicbt entkommt, däss sie 
oreilt wirdy vnd als letalen Retlangsyefsndi die Besteifaiif 
des Altais wagtl Und sseigi nrebt die Handionf des tMsI-' 
genden Helden , ier jetat ertt daa Sehwerdt aieiit , was ^e^ 
sdiehen wird, oder Htest er uns nidit wenigstens atecnf^ dlws 
des MAdehens Leben und des Attara ifciliglLeit in QtUkt 
sind ? kb glaube mit eimgem Heeht htemuf Ja antworten 
an dürfen; danB aber bietet sieh der von alir angenogene 
Mytilan '') als leichteste HrklArung. Und diese Hegt nm so 
nftber^ da der ZusaaunenhAng mit der Keftrseite sieh «age^ 
awnngen giebt. Dort fehit Polyxena, fie Achilievs müTroT^ 
los zusammen sah^ die er im Leben begehrte^ md nodinacb 
Atel Tode ab Opfer verlangte , hier ist die HrMlnng^ das 
■nde^ wie dort der Anlass melir ids der Anfang. Solche 
VelflLnlipfungen sind nicht selten ^>)4 

Wenn ich bofien daif , durch diese SiiMlemiig die im« 
taressante An^hora ihrer Erkitaranf nidMr gebracht au . häben^ 
80 BNiss ich fflr das folgende Oefitas auf eine posittre EMdlU 
mng von vom iwrein veraiohten , )a mir sdieint es am go-> 
mthensten, mit dieser Vase den kleinen Vorraih nnerUirba- 
rtr, weil aus launenhafter WillkOhr entstandener Denfanaler 
an vermehren. 

Nro. S6.^ Kylix von Vulci^ aus dem Cabittet Du- 
snnd (Nro. 385) ^ jetat im britischen Maseum Nro. 885, ab- 
gebe in Gerhards auserl. Vasenbb. ilL Taf. 18S »0- Auf 

8ty Das Iflhere Aber Polyiena's Opfernng 0. nnteo m denlfo- 
•ten« — 82) Die durch nehrfache ErUiniDgaverMich« nad verachi»* 
dene Irrihümer in deaselben waillftufigen Akten legt Weloker a* a. 
0. mit Ansfahrlichkeit and Klarheit dvr ; ich muss darauf versichten, 
die inleregsante Frage in's Detail zu verfolgen, obgleich meine Erkli- 
roag^ daiureh aar va Keatigkdt geWkioea ktanfe; vor Kundigen halld 
i* Aei>9bm «nah ao fili bepSadet« — M> Vgl. Weleket Rro. 27. 



I 



ien ersten Bliek glaidkt man auf der einen Seite eine TMT- 
losverfolgung in gewohnter Darstellung zu sehen, und ist 
geneigt, den beigeschriebenen Namen r£^£<D02 mit Jahn, 
Telephos und Troflos S. 86 f., dem auch Gerhard bei- 
stimmt, in TF0IA02 2u yerwandeln. Aber, abgesdien 
davon, dass es sich doch schwer würde nachweisen lassen, 
wie die Verwechselung dieser beiden Namen entstanden sein 
soUte, ist dnrch diesen Vorschlag, wie Welcker gezeigt 
hat. Nichts gewonnen. Denn der Name steht nicht an dem 
auf einem Pferde dahin sprengenden Knaben , sondern über 
einem Nackten, jedoch bekränzten und mit der Lanze ge« 
waffineten Epheben , der jenem yoraneilt , wahrend der Ver« 
folgende, dessen Episema, awei Delphine, ihn als Acfaiileos 
bezeichnen , das Haupt und die Lanze nach hinten wendet, 
und wie erschreckt die Hand auf den Helm legt Die Schwie- 
rigkeit , die schon hierin gegeben ist , wird durch die Be« 
trachtung der Kehrseite nur yemehrt, auf welcher HEXTOP 
zu Ross nebst einem zweiten Hopliten zu Fuss, einen durch 
dasselbe Episema bezeichneten Helden verfolgt An den 
Kampf, der zwischen Achilleus und Hektar über Troflos 
Leiche, aber auch nur über diese entstand, erinnert fiese 
Darstellnng , aber in einer Weise , die gewiss keine Quelle 
in irgend einer Po^e oder einer ernsthaften Version des 
Mythus hat ; Achilleus von Hektor zu Ross verfolgt ist eb^ 
80 undenkbar, wie ein bei Troflos Verfolgung auf den herbei-* 
eilenden Hektor ängstlich zurückschauender Achilleus« Um 
die Verwirrung auf den Gipfel zu bringen, ist zwischen die 
beiden besprochenen Gruppen die bekannte Gruppe der Würier 
eingeschoben , die aber wieder nicht an der Würfel - oder 
Bretspielbasis, dem Steine hocken, sondern rechts und links 
an einem Thor, welches nur das skaiische kann bedeuten 
sollen. Von diesen Bildern reimt sich Nichts zusammen, und 
wenn Welcker scherzweise sagt, die Sphinx im Innern der 
Kylix mOge andeuten , dass in den Figuren umher Rathsei 
aufgegeben werden , so mag er nicht Unrecht haben^ und h 



flge hinztt, dass es bekanntticb geOlirlich kt, ilas RAthsel 
der Sphinx durchaus lösen zu wollen. — ObWelcker 
ganz den richtigen Ausdruck getroflfen hat, wenn er zum 
Schlüsse sagt, es scheine dass hier der ganzen Manier der 
alten Vasencomposition auf feine Weise gespottet sei, mag 
ich nicht entscheiden, doch glaube ich, dass diese Vase, wie 
sie bisher unserer Auslegungen und Combinationen gespottet 
hat , auch femer derselben spotten wird, falls wir uns nicht 
entschliesseu, dem Spott durch das Aufgeben fernerer Ver- 
suche zu begegnen. — 

Von Vasenbildern dieses Gegenstandes ist als 

Nro. 20», das Bild eines Lamberg'schen K r a t e r's (jetzt in 
Wien?) im späten Stile anzuführen, abgebildet in La bor de-s 
Vases Lamberg pL18. Troflos, als nackter Knabe dargestellt, 
flieht auf einem Pferd«^ vor Achilleus, zu dem er sich mit angst- 
licher Miene, die rechte Hand wie abwehrend ausgestreckt, 
zurückwendet. Der Peleide verfolgt ganz gerflstet und zwar 
andii er nicht, wie in den alteren Vasenbildem, den Fliehen- 
den nur zu erreichen, um den vom Pftrde Gerissenen dann 
zu tödten , sondern er zttckt seinen Speer, den Jflngling auf 
tarn Pferde zu durchbohren. — 

So reich wie die Auswahl von Vasen dieses Gegen- 
standes ist, so sind es doch nicht Vasen allein , auf denen 
wir ihm begegnen. Welcker berichtet von zwei Reliefen, 
VMi denen eines unedirt ist 

Nro. 27. Marmor imMuseum zu Brescia, im Hu- 
foo Bresoiano nicht verOifentlicbt. Welcker sehreibt unter 
Nro. i9, (vgl. das. Nro. 28.) Achilleus reisse TroHos vom 
Pferde, hinter ihm stehe noch ein Kilmpfer , sein Patroklös, 
und zum TroIIos gehdre ein Phryger mit der Mütze , der 

Pidagrog. 

Nro. 28. Das zweite Relief, in Mantua, abgeb. im 

Haseo di Maniova III. tav. 9. kenne ich ebenfalls nur aus 

Welcker's Beschreibung a. a. O. unter Nro. 90. ),Der 

nodr zwischen dem Troflos uttS^ dem Achilleus,* welcher die^ 



Ben amHMT getarnt hat, streckt bkteiul dieBUide anSySwk 
scbeo AchUInis und seinem WaffengefthrteB ist luif den Onind 
poeh eia andinrer Krieger angedeutet Tr^flos hat hier einen 
Schild an Arm, was nur dann richtig sein würde, wenn er 
im Gefecht mit A^ilieus fielen wie hei spateren Dichtem; 
aber dann sollten ihm auch Helm und Chlamirs nidit fehlen'. 
-— Dpes^n heiden ReUelen entspricht je ein anderes^ welches 
flbereinstimmend ein in Traner sitnendes Weib und nwei Die* 
nmnen rer ihr , so wie eine dritte , altere hinter ihr ent- 
halt. Auf dem mantuaner Marmor ist diese Vmtellnng yrnt 
S Säulen eingefaast — * 

Nro. S9. Auch in einem geschnittenen Steine , einem 
Onyxkameo in Mantua, abgeh. im IHuseum Worsleyanum 
tav. 80. 14 ist imsere Scene und nwär der Augenblick dar- 
gestellt , wo Aehilleus den flflchtigen Knaben erreicht hat, 
imd ihn am Haar ergriffen vom Pferde rdsst Die Arbeit 
ist flberaus nicilich. — 

In aller Kfirae sei diesen grieehischen und ramischen 
Arbeiten die Erwähnung «inerbetraehtliohenBeihe Fonetras^ 
kischen AsehenkistenreUe£B beigefilg«, in denen schon la h n, 
Telephos u. TroKL S. 74 ff., C a v e d o n i in der Indicanone anti«» 
qnaria6.M£ und Welcher a. a* 0. Nro. ai-^S7. die Scene 
von Troflos Verfolgung durch Aohillens wohl mit Recht eriiuumt 
haben. Die unverdachtigsien dieser DarsleDiuigen neigen 
den Augenblick , wo Aehilleus wie in der Vase Nro. M. ien 
hifOt immer auf einem Pferde dahinsprengtaden TroUos er- 
reicht hat^ und an den Haaren oder auch am Hdm (dann 
Troflos erscheint gerttstet) oder am Arm vom Pferde reissi 
Die meisten Exemplare (80, 81 1 8S, S8, M) haben den Pa« 
dagegen, der bald unter dem Pferde liegt , wie oben in dem 
Vasenbild Nro. 20. (80, 31 ? 38, in Nro. 32. ist der Hrügi 
Alte dardi einen nackten JflngUng entetat), oder fussfailig 
Schonung flehend gegen Aehilleus gewendet ist <83) , oder 
storr vor Sehreckm dasteht (84). In einem Exempbr (88) 
sind die au Hilfe eilenden Krieger, wenn auch ansdruekska 



Mg^g^ei ^ irtn Anä^KtB (M) enthält «iiifli «it TröIMg iir^ 
henden Gefährten, einige (31, 32, 37) zeigen einen Geftkr4 
ten des Acbilleitt (PatroUtst wie oben Nro. 97, 98.), ein 
Exemplar endlich (88) bietet Polyxena. ~ Die in Eede ste* 
benden Aacbenkiiten sind folgende : 

Nrob 3<k, Im Hnseuin au Florenz von Welcke^ als 
NfAi 9U nolirt; 

Nro. 81., Im Museum von Catajo^ Cavedoni, ladi- 
caaione aatiquaria p* 16. Nro. 1., Welcker Nro» 82. 

Nro. 88. , ebendaselbst S. 6C Nro. 8S8. an emer Urtt 
?0B Thoa, Welcker Nro. 88; 

Nro« 88., aus der Gegend von Cbiusi, Bull. 1846. S. 
168. Welcker NriK 88. (34); 

Nro. 84», ebendaher, BtaU. 1849. S. 6 L, Welcker 
Nro. 84 (86); 

Nrob 86*, ebendaher und daselbst im Museum, InghU 
fani, Etrusco Huseo Chiusino 11.147., von Jahn, Telephos 
und Troilos S. 76 hieher bezogen, Welcker Nro. 86(86); 

Nrow 86.^ in Gori's Mus. etruseum 11.134^ Wolcker 
Nio« 86 (87) , endlidi einigermassen zweifelhaft ^ 

Nro. 87«, in Dempster's Etruria regaUs L 68; 1, 
Welcker Nro. 87 (88). 

Darstellungen wie im Mus. Chius* I. 2B und Mon. Etr. 
L 88^ die Jahn S. 74 u. Cavedoni S. 17 ebenfalls hieher 
bezieheii^ und die schon Welcker ablehnt, kann ich in 
dkMr Beibo auf keine Weise aberkennen. -^ 

Viel weniger zablreidi) aber nicht weniger interessant, 
ja individueller ausgearbeitet als die Monmbente der zweiten 
Scene sind diejenigen, welche 

3. Troilos Tod 

uns vorführen. Voran sind hier die Vasenbild^r zu nennen, 
welche Troflos Ermordung in mehren Momenten und in ver- 
schiedener Weise anfgefinssi enthalteii. Am unniitttlbavsten 
an die oben betrachtete VMe Vrb. 84 y in der wir TnilliB 



von AduUeus creOt anii ja i^a Haarw rom PteH itiisum 
sahen, schliesst sich 

Nro. S8, das Anssenhild der Kylix des Baphroni- 
os (Taf. XV. Nro. 6.) aa ^), ah^eb. in Oerhard's aus- 
erl. Vasenbb. m. Taf. 234 u. 836 <«). Nahe bei dem Altar 
des ApoUon , der als solcher aufs Bestimmteste darch den 
Dreifüss neben demselben und durch zwei Palmen beaeichnet 
wird y weldie den heiligen Berirk bedeuten , den Achilleus 
durch Mord entweiht, istTroYlos rPO/^iOJ (rOckl.) an den 
Haaren von seinen nach links davon sprengenden Pferden 
gerissen, und wird vom ganz und sorgfUtig gerüsteten Adiil^ 
leus zu dem Altar hingeschleppt , an dem er sterben soll. 
Daneben noch der fremde Name AVKOX -— Die Kehrseite, 
welcher der Name des Töpfers E[YOPOJ!9I02 EnO[I\E2EN 
beigeschrieben ist, zeigt eine eilige Rüstung mehrer Helden, 
«ugenscheinlich des Hektor , Polites und der Andere , wel- 
che demnächst gegen Achilleus um die Leiche düd jttngtien 
Pfiamiden kämpfen wollen. -^ 

Nro. 9^. Das I n n e n b i 1 d derselbisn Trinksdiale (Taf. 
XV. Nro. &.) , enthält dieselbe Scene in einem etwas fort^ 
gerfldLten Moment Bis an den Altar hat Achilleus {AXU 
AEVV2 sie, rückL), den Knaben TPOI^OiS aA Blaarge- 
sddeppt, Mi der letzten Anstrengvng hat dieser sidi wie- 
der auf die FOsse emporgearbeitet und des ftircbtbaKn Geg- 
ners Hand ergriffen ; mit aller Kraft arbeitet er, sieh Idszu^ 
machen , zugleich aber streckt er , Angesichts des fiirdltba« 
ren Schwerdthiebes, ssa dem Achilleus ausholt, und mit dem 
er des Knaben Haupt vom Rumpfe trennen wird, die mhtt 
Hand zu des Peleiden Kinn wie flehend aus. ^ . • 

Anders und zwar in der Darstellung mehr andeutungs- 
weise, so dass man den Zusammenhang mehr hinzudenken 
muss , fasst Trollos Ermordung 

S4) Intemsant igt es, daiB diese Vase in ein e m Grabe in Volci 
mit der Vue Ifro. 40. gefundeo ist. ^ B6) Alis Canino'schem Be- 
sMm, ioiemn dtrasqne dtf p. d. C. ÖllB» 



Nm. 40. , Une > o 1 cen t er Bydris, sM 18M kekiniii 
und mehrfach besproeben ^^) (Taf. XV. Nro. 11.) ^0* I^n* 
fem von Tbore, bei dem hohen, in swei Stufen an^e* 
mauerten Altar des Apollon hat Achilleus (AXIAEVS) den 
Knaben erreicht, aber nicht in dem Vierf espum verfolgend, 
dessen Pferde links im Bilde gewiss nur decorativ zugesellt 
fibd , wie rechts andere vier Pferde des Bektör. Trolba 
(I/JIOi, lies TP0I[A02\) ist entsetzt auf den Altar ge. 
ihichtet , umsonst , Achilleus betritt dessen unteren' Absatz, 
und bedroht den Knaben, dessen Hände er geCasst hUt, mit 
dem Schweirdte. Troilos steht, von Angst erlahmt, ^eif und 
regungslos da, fast genan so wie in dem bekannten Lyknr« 
gosrelief in Welcker^s alten Denkmalern II. Taf. 8. 8 der, 
wie unser Troflos, fär eine Ootterstatne versehene Knabe» 
Welcher hat dies schon bemerkt, und das an Lftcherlieh« 
keit grenzende Versehen, in unserem Bilde einie Apolloostar 
tue, die AchiUeus mit dem Schwerdt bedrohe^ zu erkenoetti 
giebt der Erklärung Welcker's fillr jenes Relief einis neiie^' 
gute Stttlae« — r Rechts ist das skaüsche ThoY angMental, nua 
dem Rektor und ein Oenoss, nach der nsaneoisvase Piriites 
hervortreten , während zwischen den Zinnen der Maner die 
Kiftpfe anderer Troer sichtbar werden. Sehr fein hat der 
Maler enyfunden , dass er seinen Hektar nur in lfi|higem 
Schritt aarickend, nicht zum Kampf ausfallend dlürsteUen 
durfte, da cor, zwei räumlich und zeitlich getrennte Seinen 
in den engen Raum seines Rüdes zusammenzmücken genO« 

^ff;) IrHbamer oder Fälschnogen and swar der aogealftlligitea 
Art haben die Akten Aber dietef , leider mit allen Fehlern in den In- 
Mhrifleir häi: Gerha? d ebsebildete G^fftü 0tarlü> aäwadifen lassen, 
ohne da« sie irgetd ein fanleresse böteti. Man findel äe - dargelegt 
und die AhbilAingen notSri bei Welok;er a. a. 0. Unter If ro. 39. 
^ 87) Ich habe die Zeichnung nach der bei Gerhard machen las- 
ten, da g^geni'die' Getttnigkeit derselben in den Figuren Ifichls vor« 
liegt, die Beisehtiften- sind genan neeb der kleinen Zeiehttnng einge« 
tragen , die W«l-eker'» Anfsataiio den Annalin a. a« 0. tar. d'agg. 
£. F. Nro/3.!bf|gegeä^n ilti!i^-i>/ ' 1 t : .'\ ..,;[/ 



thigt, iütA leHiaftMre Bbwegnir Hektora die gtiiM iSache 
verwirrly und die keideo Memente als i^eioliMitig feseist 
Ilaben wttrde. «^ Zwisclieit Acliilleus und Trolles stdiea 
noeh die Sest^ eines KAAOX -*-« 

Selnr eigenHiüflilich ist die DarsteUnig im nerten Mo* 
manente unserer Scene und »war der Art eigenthimlich, daas 
der anrichtige Name ^) , unter dem dasselbe verdiFentlicltt 
werden ist, bei weniger g^aner PiHfung den Vornag Vor 
dem richtigen, den Weicker ihm gegeben liat, nu verdie- 
nen scheint. 

Nro. 41. Hydria Candelori, jetnt in Hinchen, ab- 
gab. Mon* dell' Inst l. 84. ^9) Das HanpAUd am Bauche 
des Oefftsses und das Nebenbild auf seinem Balse gehören 
hier, was sehr selten ist, als eine Darstellung nosammen, 
mid das Nebeabild giebt das Local , die Zinnen der Mauer 
Iteias, die wir schon auf df»n vorigen Monument dem Schaum 
platn der Begebenheit sehr nahe gerflckt fanden. Im Haupl« 
bild sdien wtr den sehwergertlsteten Achillens ^), der den 
naiiei Knaben Trollos am Bein ergriffen hat , grade so wie 
Neoptolemos den Sohn des Hektor auf unten au betrachten« 
den Vasenbüdbm , und ihn liauptlings gegen den auf drei« 
stüfi g fe m Benia stehenden Dreifuss des ApoUon m sdunetteni 
im Begriff ißt. Schon dieser Dreifiiss entscheidet gegen Astya- 
nax Tod, und Usst uns hier nur den stärksten Ausdruck so* 
wohl von Achilleus Wuth als von seinem Frevelmath gegen 
.^ollon ^kennen, der des Gottes Rache hervorrief, und den 
etwas gemildert auch die vorigen Monumente enthielten. Bei 
Ilion's Einnahme bleibt Apollon ganz atts dein S^id und sein 

9SJUl flu <Mi PriRBiidei, d. h. Aityinfts f4»d divdi Ileoptole* 
laof, 0. Seklafllig, Ann. Ili. 363. Seben Ambrosoli wies di0. 
S. 369 ff. nieli, 4k$§ die Seeae aulierlialb Anr Tlioro fUeuV sei, alte 
Tor die Binnalmie Ilioti'i falle. Diese Brkiftriinf Solilallig's faieli 
Boeii Mfliler Im Handlraca $• ^^^- 'est. <U SB) Aubh in Inghira* 
ni's Vasi flttili lY. 340. Weicker Ifre. 38. -*^ 40} Die Beisclirir. 
tea sind anlesbares Gekritsel, mit dest sioK firoüefend is der ttalt. 
Allg. Lit. Ztg. 1834. L 0. 300. Tergeblithe MMe fcmaehi kat. ^ 



Heiiigfliiiin wirl niehf entweikt Daiiii sinl aber auch Ad 
Maaersrnmen im Nebenbild bezeidisend , auf deneii sich ftaf 
Männer, zom Theil 2ur Abwehr kämpfend ^0 vnd drei jam<« 
memde nnd haarranfende Pranen befinden. Auch dass vm 
links her neben vier heransprengenden Pferden 2Wei Oerth^ 
stete, Hektor und Polites zu Bilfe heraneilen, ist nur tut 
unsere Begebenheit denkbar. 

Diesen steht, paUadienartig gemalt ^^), Athene, die wif 
schon in mehren der vorher betrachteten Honumente anwe^ 
send sahen, abwehrend und mirflekhaltend entgegen; hinter 
ihr hockt, von Schreck und Angst gelähmt, TroYlos Pida- 
gog am Boden. — Das ist eine freilich alterthttmlioh rohe; 
aber sehr charakteristische Malerei, wie wir in dem grosseil 
Vasenvorrath nicht alLra viele haben. — ^ 

An die Nummer 24, 88 u. 90 kntipfe ich an, um einedi 
bisher gann anders erklärten, und eigentlich gar nicht er^ 
kürten, berflhmten Sculpturwerk in unserem Kreise seftien 
Plata anauweisen. 

Nro. dS. Statue des sogenannten knieenden Nio« 
biden, in der mflnchener Glyptothek Nro. 1S5. abgebildet 
ohne die Ergänmmgen (Kopf, Arme, Zehen des rechten fW 
ses) im Kunstblatt von 1688 Stück 45, danach in Müllerei 
Denkmälern d. a. Kunst I. 84. E. "*') 

Dte bisherige Erklärung sieht einen Mobiden , der, li 
Angst vor den furchtbaren Pfeilen Apollons, Haupt und Armi^ 
nach oben wende ^ um von der Gottheit Gnade zu erfldien 

4iJ P«M einer dieser MAnner eben aiu einem Rhy ton. trinkt, be- 
gründet Welcker aus dem Ungestflm des Krieges, der das Tragische 
nnd das AlUftglicbe lannenhaft and anmittelbar veriuiOpft. — 49) Vgl. 
Gerhard, Etr. n. Cainpan. Yasenbb. S. 7. Ui dagegen Welcker »• 
a. 0. 8. 08. -^ 4B) Diese Zeichnongen sind yiel in hart, vnd gebfen 
von den glattem jngendlichen Formen des schOnen Körpers keinen Be^ 
griff. Diesen Zeicbnangen gegenaber wird man meine Erklirnog viel- 
leicht roissbilligen , weil der Körper zu alt, der dydQdnatg zn jüng- 
Hnghaft erscheM, aber man urteile dem Original, oder, wie ich, einem 
gntM Gypmbgois gagmUbft. 



— SM — 

oder die Geschosse abzuwehreo. Aber Qnadeflohen ist hier 
gewiss nicht ausgedrückt, die energische Wendung des Kdr- 
pers nach rechts hemm, die grössere Eiiiebang des rechten 
Armes, die Art wie der Oberkörper, wie gewaltsam, nach 
links und liinten übergebogen wird , dies Alles zeigt, dass 
von Flehen nicht die Rede sein kann , sondern nur von Ab- 
wehr. Aber was wird abgewehrt? ApoUons Geschoss, das 
ipnfehlbare, das weither fliegende? Nein, nimmermehr, nur 
eine in unmittelbarer NAhe befindliche, aus unmittelbarer Nähe 
augenblicklich und sichtbar wirkende (Gefahr kann dieses 
Ausweichen und dies Abwehren hervorbringen, nur der Spiüse 
einer Lan» , der gezückten Klinge eines Schwerdtes , das 
4er nahe Feind schwingt, gegenüber kann sich der Jüng-^ 
ling so geberden wie er thut. Femer, warum kniet der 
Jfüngling ? Ist er getroffen f nein , er wehrt ja noch ab ; ist 
er vor Angst auf die Knie gesunken? danach äeht er 
mbt aus. Und dann, wie gewaltsam ist diese Stellung, 
wie ringt er gegen sie, und mOgte mit angestrengter Kraft 
namentlich der Fflsse sich gern wieder aus derselben erhe- 
ben. Hier giebt es nur eine Erklärang ; eine stäriLere Kraft 
hat den «arten Jüngling so auf den Boden geworfen, und 
fliese stüffkere Kraft bedroht ihn jetzt mit dem Tode. Mit 
anderen Worten : es ist TroYlos , den Achilleus vom Pferd 
gf rissen hat, gegen den er jetzt, unmittelbar vor ihm stehend, 
fipm Todesstreich das Sehwerdt erhebt — 

4. Kampf um die Leiche. 

Hier sind nur zwei sichere Monumente anzuflihren. 
, . Nro. 48. Volcenter Amphora aus Canino'schem 
Besitz (Mus. iix. 529, Reserve Nrp. 57.) , jetzt in München 
(Taf. XV. Nrb.l2.), abgeb. in Gerhard's auserh Vasenbb. 
IIL Ta£ 228. In der Mitte der Altar, hier wieder einmal 
mit Beischrift BÖMOS versehen , an dem Achilleus TroVlos 
tttdtete , dessen Leiche TF0IA02 (rückL) neben demselben 
am Boden liegt Der Körper des Knaben ist, um dessen 



Zaftheit wäi Jogend a«8ziidiilekeD, wete genialt, wie Framri 
gemaU werden, nnd hier Athene erscheint Es scheint, dass 
Achillens {AXIAEV2 rfickl.) , Troflos Hanpt abgeschnitten 
hat , und dasselbe an der Spitve seiner LaaM den heranei* 
lenden Troern höhnend entgegenhält , obgleich das nicht 
gans deutlich gemalt ist, und man nicht einsieht, wie AchU- 
lens mit der beschwerten Lanne kämpfen will. Doch ist der 
Kopf zwischen den beiden Lanzen des AdiiUeus und Hektor 
(HEKTOP rflckl.) sonst schwer zu erklären. Hinter Achill 
leus, einen Kranz für den Sieger in der Hand, in ruhiger 
Haltung Athene und bewegter Hermes (HEPMBS) während 
andererseits ausser Hektor Aineias (AINEA2 rflckl.) Dei* 
phobos (JEIOVBOS rflckl. ric) und noch ein dritter Troer 
andringt , den wir nach der Fraa^oisrase PoBtes nennen 
dflrfen. Auf dem Bevets dieses Streifens sowie auf den ande* 
ren Streifen der in drei Felder getheilten Vase Thierftgur^, "— 

Nro. 44., Hydria einst Canino'schen Besitzes, de 
Witte Cab. Mr. 1887 Nro. 148. Troflos Leichnam in der 
EphebengrOsse liegt Aber den regelmässig anfgemauerten AI« 
tar. Achilleus, hinter dem sein Viergespann hält, setzt den 
einen Fuss auf den Altar und erbebt, mit der Linken auf 
zwei Speere aufgestfltzt, in der Bechten des abgehauene 
Haupt des Troflos gegen Hektor und einen zweiten Oefiüifi 
ten , die mit den Speeren drohend auf der anderen Seite des 
Altars sich befinden. Der Moment ist also ein etwas frohe- 
rer, als der in der vorigen Nummer dargestellte, die ich 
jedoch als das durch Inschriften in seiner Deutung unzwei- 
felhafte Monument voranstellte. — 

Eine fOnfte Scene , die Schlussscene unserer tragischen 
und verhangnissvollen Begebenheit, liefert uns nicht ein Va^ 
senbild sondern ein grosses Sculpturwerk. 

Nro. 45. Marmor gruppe in Neapel (Tafel XV. 
Nro. 7.)y lange Zeit verborgen und vergessen, endlich wie- 
der hervorgezogen und von BochetteM. L pl. 79 unter 
dem Namen Atreus mit dem Sohne des Thyostes beransgege« 



kaufen wirkUdi öe Steiniguiig beieute, lul daf» fie griedd- 
sdie Kunst so dargestellt hat, dass sie einen Steiidianfen in 
dem nidit etwa die Leiche des Gesteinigten liegt , sondern 
aus dem der zu steinigende Mensch so empomgt wie hier^ 
für die Steinigung selbst setate. Dies zugegeben, folgt das 
Uebrige von selbst, und da der mythischen Stdnigungea 
nicht eben manche bekannt sind, wird man unwillkArlidi 
auf die des Palamedes hingeüOlirt, was unter Zugeständniso 
der Prämisse nie hätte bezweifelt werden sollen. 

Ich habe mich aber. bisher nicht davon an flbeneugen 
vermocht, dass hier wirklich Steinigung gemeint sei, wdl 
mir für diese Art des Ausdrucks in der griechilEichen Kunst 
die Analogien fehlen. Eben so wenig aber halte ich irgend 
eine der anderen Deutungen, die versucht wurden, für irgend 
zulassig, noch mag ich die Echtheit der seltsamen Darstel- 
lung anzweifeln. Mögen deshalb die Akten einstwddlen noch 
offen gehalten werden. — 



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IV. 

Kreis der Ilias. 



OT«rk««k, hiTfllMln G>Mrt> 



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Literarische BearlieitHiigeD : fip«i: lUac ^on Honer; 

frilogU voo Aliehyloi «); TrJtgOidUn ') yod: SoffcokhM» JBnd« 
pid« , J^ffiflarciiM too Tefoiij TlaoMilhgM » Qlai|y,si«ii T^n Sjrraku» 
MiM«rton tm AsUm aniiclicrar unter dam Titel: j^UUvgf die auch 
in die Aithiopia gehören können *}; römiiche ^) von NaeTias, En- 
nina , Attloa ; die f piteren Bearbeitang an des BloVe» der Ilias foii ei- 
nem Txetxee n. A. können hier, wo das Epos selbst erhalten ist, in 
keinen Betracht liommen. 

■ ff ■ ■ < • 

i) Aitehyloi JkfvQfuddtf^^ NtiQitkf (?) , ^H^ -v 'JEüa^gq^ 
luiga^ Welcher, Trilogie jS. 415 ff.» Griech. Tra^g« l. S. 33 ff.^ 
6. Hermann, De Aeschyli Myrmidonibus , Nereldibns, Phrygibus in 
den Opascnlis V. 136 ff. — 2) Sophokles: 'pQvyee (^toQOS 
XvTQo), Welcher, Gr. Tragg. 1. S. 135; Eari pides^Pi^iTOf, vgl. 
Welcker a. a. 0. 11. 511 o. HI. S. 1101 ; Aristarchos von Tegea, 
jijf^XMg das. 8. 9Q^\ Timesitheos? lB«roi^oc it'r^«; ebendas« 
lti46; Dioaysioa I. "Sxto^oc liiw^m i« einem Vcrae dei Tsetsea 
Chil. y. 17B ff.^handas. 1232. ^ B) So von Agathoa das. 989^ Ip- 
phon^ Klcopbon, Piogcnes, Karkinos d. j. a.A. Vgl. das. in der lieber- 
sieht UI* S. 1486. — ^^Naevlns: Hector proficiscens, das. 1059 
nnd 1369; Ennins: Achilles nach Aristarchos, Uectoris lytra nach 
Sophokles; Attins; Achilles =sHyrmidones nach Aischylos, Epinän- 
simachia nach denselben, Hektöris lytra ebenso, Ifyclegrei^ia Wel- 
cker a. a. 0. fll. S. 1102 ff. o. 1139 ff. 



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.1 f • .;.'"»»i . ' ». ; I..»' i i 11 ,.\ • • yl ; . ■? 



I 



— 878 — 

Ehe wir die Zusammeiistelliiiig und Erkläning der Bild- 
werke zu den einzelnen Gesängen und Begebenheiten der 
Ilias beginnen y sind voran einige Monumente zu nennen, 
welche in grosserer Ausdehnung mehre Begebenheiten zu- 
sammen&ssen, oder den Oesammtinhalt darzustellen auf ihre 
Weise versuchen. Einer ähnlichen Erscheinung sind wir erst 
einmal , und zwar im Kreise der Thebals in dem Panii- 
lischen Relief begegnet ^ welches (oben S. 148) die Haupt- 
begebenheiten d^r Tbebalsiy um Amphiaraos Niederfohrt als 
CentruB gnpppirt^ uns vorführt. Hier findet Aehnliches in 
weit ausgedehnterem aber auch lange nicht so tief poetischem 
Sinne Statt. — Das älteste , literarisch tlberiiefierte Beispiel 
dieser Art sind: 

Nro. 1. y die Mosaikfussböden in Hieron's U. von 
Syrakus (OL 187. 3—148) grossem Frachtschiff^ welches uns 
Athen. V. 806 ffl beschreibt , woselbst von diesen Mosaik- 
fiissböden 807. c Folgendes berichtet wird. „Das Schiff 
hätte drei Säle {xgixXivov^ &akäfxovg) , von denen der nach 
dem Schiffsschnabel zu liegende die Küche war. Alles die- 
ses hatte FussbOden aus Mosaik von buntfarbigen Steinen 
zusammengesetzt, in denen der ganze Mythus Aber die Ilias 
(nag d n$(^i r^v *lXidia fiv9og) bewunderungswürdig darge- 
stellt war.^ Obgleich diese Worte keineswiegs klar und treffend 
sind, so scheint doch wohl eine grössere Bilderreihe nach Be- 
gebenheiten der Ilias das Einzige zu sein, woran bei diesen 
Fussbodenmosaiken gedacht werden kann. — Femer gehört 
doch wohl auch hierher: 

Nro. 8., ein bellum Troianum pluribus tabulis, 
quod est in Philippi porticibus, nebst einigen anderen heroi- 
schen Scenen (Orestes mordet Klytaimnestra und Aigisthos, 
Kassandra) O^ von einem sonst nicht bekannten Maler Theo- 
doros, den Hüller, Handb. §. 415. in die 180, Sillig im 
C. A. in die 118 Ol. setzt. Freilich ist mit Plinius Notiz 

IJ S. Weleker so Philoitrat. Inisgf. p. 459.* 



H. N. XXV. 40. seot 40. bei ihrer KUrxe und VerdueluBif 
nicht Viel xu maclieD, aber ein troiscber Kriege in ein^Reilie 
von Tafelgemälden iargeatellt, mnss dodi eine Folge , einen 
Znsanunenhang gehabt haben, oder Pliaius Ausdruck ist gann 
unrichtig. Somit haben wir hier ein zweites Beispid einer 
ReUiencomposition troischer Scenen. — Diesen wiridich 
vorhanden gewesenen Kunstwerken wird es erlaubt sein, eine 
äusserst charakteristische Dichterfiction von ganz Aehnlichem 
anzuschliessen, die, obgleich an sich nicht in unsere Beihe 
anünmehnien, dennoch ganz gewiss auf Wirkliches hinweist 
und für die Gewöhnlichkeit der Darstellung troischer Scenen 
in grosserer Abfolge ein wichtiges Zeugniss giebt. Virgil 
schreibt Aen. L 4S6 von BiUweik (Malereien), das er in den 
Tempel der Hert in Karthago setzt: 

• • • videt Iliacas ex ordine pugnas 
Bdlaque iam fama totnm volgata per orbem, 
Atridas , Priamumque , et saevum ambobus Achillem. 
Wenn schon die pugnae ex ordine ganz das bezeichnen, wo- 
von wir hier reden, reihenweise Darstellungen troischor 
Kampfe , so wird dies bestätigt durch die genauere Angabe 
von Einzelheiten, Vs. 406 ff. Patroklos Tod und die Flucht 
der Griechen, dann Achilleus in den Kampf eilend, BJiesos 
nächtlich von Diomedes flberfisllen , TroHos von Achilleus 
verfolgt nach dner neueren Tradition, als die wir eben ken- 
nen gelernt hiben, das Gebet der troischen Weiber zu Athene, 
Hektor's Schleifung, Memnon mit seinen Aithlopen und Pen-* 
thesileia : dies sind die Scenen, die nach einander beschrieben 
werden, und die einander so augenscheinlidi entsprechen^ 
dass biedureh , indem eine der durchgreifendsten Composi- 
tionsarten der alten Kimst^ die Responsion bewdirt ist, ein 
nicht geringer Beweis fftr meine Annahme geliefert wird, 
dass Wirkliches dem Dichter vorgeschwebt habe. Und dies 
wird wiederum dadurch bestätigt, dass Vitruv VIL 5 als 
gewöhnliche Gegenstände ;. der iNegalographie in Wandgemäl- 
de» ausierGilt^abeltf troisch^ Käihpfe ilnd IrMshrten 



iIh Mjifsiiiii iteiiiit ; wie Math PetroniiB eaff. S9 Toa et« 
Mtr Halle mit OeMaMeo* itdend, ala «kren Gegeosti&de 
Iliftda et Odirssean anfiebc; was dhtn ancb mir tm Oe- 
■ttUe- oder Scsneorriheit beider fiedidUe veralaode» wer- 
den kann« -^ 

Aach nnter den erhaltenen Ennatwerken habcs wir etai 
Btiapitl sokher ReihendarBidhiBgen. aus der Iliae in den 
Wandgemälden des sogenannteiir Tempek der Voma kr Fem* 
pe» kl V. Steinbücfters anlifnarischem Atlas Ta£. VliL Jk 
CD. ven denen unten im Binaelnen die Hede sei» wird. -*• 

Von den erhaltenen BQdweiken , wddie den Hauptin- 
halt des ganaen ilischen Mythus zusanunennnfusaen streben, 
behaupten die riMnisdien SchuMafclh ein eigenes Interesse; 
Von diesen Schultafeln sind mekre grössere and kleinere 
Fragmente auf uns gekommen, weiche dos Gemeinsame ha- 
ben j dass sie in einen Folge tfber einander Hegender und 
aum TheÜ ein Haupt- und MittelbiM unmehliesacnlelr Strei- 
fen die bedeutendsten Begebenkeken in einigew dnrch Bd- 
scfcriAen erklärten Peiuoncn danicUen, in der augenachein-» 
liehen und durdi zwei Verse auf der glefch aw^beschfeibenK 
den Tabula liiaca bestianal ausgesproebenen Absicht, den 
Schülern eine leicht fasdiche und im Qedacktniss au bewah- 
rende Uebersicht des Bemerkcnswerthesten aas der Heldea** 
poiSsie au geben» Aus später Zeit, dem 3 aier 4 chriBtBdien 
Jahrhundert stammend , opfSem sie ihremi SchufatfwedL die A» 
genflich kttustlerigche Behandlung, ihr Interesse ist dahet 
vielmehr ein Itterar- und culturhiatorisches als ein artiatisabes 
und knnstgeschidkliches , weshalb ich arit einer mttf^idist 
kuracn Beschreibung , ahne Abbildungen au geben , diesen 
Tafeln genug au thun gkwbe. Die bekannteste derselben ist 

Nra« d., die sogenannte Tabula Iliäca, abgeb. im 
Maseo Capitolino IV. 68. ^>. Zur fiAIärung des alten Ba- 

2) Und mehrfach sonst, so in Mflller, de cyclo epico Grae- 
coram e^U, in der dal. nyfh. pl. 150, und gtni klein in Inffbira- 
mrs ttiL om. l 3, la def ach, dercb die Made aeMMir^ die eiasel* 



^ 



\ 



- 3« — 

ger : MH^ääet MMAÜm Trifte 1099, iiM(, Att«h vei^sdile^e- 
tten $tkiettn Bkh&aMMkgWy d«reh^eifelid und absehÜefliseiiX 
ein AuBmAz Weleker'd M den AAnalen des Institute I. 9/ 
M(7 f . -^ J>i0 TäM, mos Sl«cc# gearkeitet, serftel in itBi^ 
dttreh Jiwei RMIel geir^iMto CelumilfM , von detien wir die 
iMlOef^ wkA afe räi^ie liaften« Die miniere, kreitere 0^ 
lahfale iMfi^chen ita awei Ffettern , auf wekhcki dae vbii 
der Tdchopöiia Ms au Heklors BegralmiBfi auf ietä t^hU» 
Pfeiler e^hattene prosaiselie lofhaltoaugabe der llias geachrie- 
htä war, eathUt iai Mkr^lbÜd eiu^ DamellffR^ der Hiu^er^ 
sia uadi St^icboros ^) tiii^ besoHdereai ftezug Auf Afrieias, 
den Gründer y6ä Honi als Neuiifon ^). lieber deui M{t(di 
feldie ündiei Meb ^in Streifen iaitScenen desr ersten Gesanges 
ier lUas'^ unter deia Hau^tbilde dagegen sind 2 wer SHt^tfen, 
i^on deiü^n der ^bert Scenen der Aithiopis, der nnCere sei- 
die aüa 4er KMflfen iHas enCliilt. Auf einer Lmte ttber d^otf 
abereb dieser beMetr Streifen steht, fortlaufend in einer 2eile, 
das Diatkbaü : 

otpQä iaiig Haarig fiivgov c^^jg ao<fiaq ^) , 

wetln der Zweck der Arbeit deatlieh angegeben ist JHisi 
HauptMd aeigt ianerhatt der Mauern Troias das botzeraer 
Pferd, ttttf unMP verschiedenen Seetien des Kamfpfes und der' 
Zersttfrang PrianMis Tod> Menelaas und Helena's Begegnung, 
Atthra mk ükren Enkeln , Aineiais , bemiüift die HeiligdMInier 
au retten; aua dem Thor entflieht, von Hermes gefihrt At- 
aelaa, AitfKlisei^, der die Heüfgthamer trägt auf den SchnU 
tera, AsUßktSm ad der tand. Vor der Mauer links an ttek^ 

Den Streifen etwas grösser gegeben werden. Vergl. Aber die sonsti- 
gen Abbitdottgen nnd'Bes|)recNnngen Welekef, Ann. Y. 227. Note 1 

lt. t. ^ ay lAtöT rmpzix kata srnzi^opow, — 4y Die 

Ineeüriffr neben dem weh einsckiflisnden Aineins ist AfKHJZ £YN^ 
TOi£ ^JiQlXAn^iPSm Ein THU KSaEPiAN^ Die ferneren 
Beweise bei w'elcker S. 233 ff. 238 n. 39. -^ Ö) tjQiioy nach rO- 
nriediep Aneepmobe , wie aQob ^/iViC^JV , APtS;9MA>y wie ftXOZ 
and Anderes. Weicker, S. 230 mit Note 6. > '^ ' 



tor's Grabe travemde Troemneo, AiklrMttdie mil AftyaMi:, 
Kassandra , Hekabe und Helenos aweima!, rechts Polyzeaa's 
Opferung an Acbilleus Grabe. Darunter Aineias schon er- 
wähnte Einschiffung und links entsprechend die griechisdie 
FloUe (NAYSTjiQMON AXAIQN). Zwischen Hektar'« 
und Achilleus Grabe die Inschrift lAIOY HBEJIS KATA 
STHSIXOPON] darunter in grösserer Schrift TPQIKOS 
seil. niNAS ^) ; unter den Schiffen der Griedien die An- 
gäbe der hier in ihrem Hauptinhalt dargestdlteu Gedichte : 
lAIAS KATA OMHPON, AI9I0niS KATA APK- 
TINON TON MIAHSION, lAIAS H MIKPA AE. 
rOMBNH KATA AEIXHN HYPPAION. ~ 

Der Streifen über dem Hauptbild giebt von links nach rechts 
folgende Scenen des 1« Gesanges der Ilias: Chryses dem ApoUon 
Smintheus opfernd ; die Pest ; Kalchas Wahrsagung und der 
Streit der Fürsten ; Darbringung der Hekatombe an ApoUon 
und Chryses seine zurttckgegebene Tochter umarmend. Deber 
dem Pfeiler mit der Inhaltsangabe der Ilias: Thetis vonZeua. 
Rache für Achilleus flehend. — Die Streifen rechts vom 
Hauptbild enthalten mit den Zahlaeichen der Gesänge und 
Namensbeischriften der Personen versehen, von unten nach 
oben die Hauptbegebenheiten des XIH— XXIV. Gesanges der 
nias, die hier einzeiu aufzuzahlen zu weit fahren würde. End- 
lich in den Streifen unter dem Hauptfelde sehen wir im obe- 
ren folgende Scenen der Aithiopis von links nach rechts; 
Penthesiieia's Tod; Thersites Züchtigung; Memnon's Tod; 
Achilleus Tod ; Odysseus und Aias Achilleus Leiche rettend ; 
Achilleus von Thetis und den Musen beklagt, Aias un Wahn- 
sinn. Der untere Streifen giebt , ebenfalls von links nach 
rechts aus der Kleinen Ilias Folgendes: einen nicht naher 
bezeichneten Kampf, wahrscheinlich Paris Tod durch Phi- 
loktetes ; Eurypylos und Neoptolemos ; Palladienranb ; Ein- 
bringung des hölzernen Pferdes (ANArOTSI TON ITl- 

tfj S. Weleker S. 240. -. 7) Hievon maclii nur Streifen 5 y..< 
a. (II. JP) eine AosDalime. 



JlOlf); PriamM and Sinon; endJUeh Kassaajlra's En(ehnin(|f 
ihireh Aias. — 

Von den kleineren Fragmenten ähnlicher Sehnllafeln 
steht der Tabula Iliaca am nächsten 

Nro. 4., dn Stuccorelief, ehemals im Besitze Bian« 
cUni's in Verona , später in Paris, jetzt nach Verona mi- 
rtd^f ebracht ®), abgdi. in Choiseul-Oouffier's Voyago 
pittoresqne de la Ortee II. p. 346. ^. Das Mittelfeld , von 
dem die linke obere Ecke erhalten ist, enthielt wie die Ta- 
bula Iliaca eine Ilinpersis. Es ist nur ein Theil derManem 
nnd Banliehkeiten Troias erhalten und von den Personen 
ein Kopf desAineias neben einem Tempel, auf dessen Wand 
die Beischrift AINEI^S ^^) steht; sodann eine Frau mit ei« 
nem Kinde, von der sich ein Gerttsteter rasch entfernt, wohl 
in Bezug anf Astyanaz Tod. Auf der Rahmeuleiste des Mit- 
telfeldes steht oben 1AIA2 0[mQov\^ seitwärts Anden sich 
die Zahlzeichen des 1—5 Gesanges der Dias neben den eat^ 
sprechenden Pigurenstreifen, nur dass der Streifen des ersten 
Gesanges wie bei der Tabula Iliaca sidi Aber das Mittelfeld 
erstreckt Der Rest dieses Streifens enthält Chryses Bitte 
vor Agamemnon. Links sehen wir die Versammlung der 
Pttrsten, von denen AKIAAEY2 und JIOMHJHS mit' 
Beischriften verseben sind, dann KPYSHS vor AFAMEM^ 
NSiN knieend , endlich rechts auf einem Karren die darge* 
brachte AH Ol NA. Der folgende Streifen, neben dem B 
und MINI2 (sie) steht, enthält der Streit der Forsten ; der 
dritte mit F bezeichnete , ausser einem mit der Unterschrift 

SJ S. Inghirami G. 0. I. S. 18. —9) Prflher ungenau bei 
MontfaocoD, Ant. eipl. soppl. IV. pl. 38, bei Maffei, Has. Veron., 
Inscript. variae p. 468, vgl. Poggini, Miu. Capit. tom. IV. p. 356. 
Welcker, Ann. 1. p. 230 f. Nach Choiaeol-Gonffier , abgab, 
in Inghirami's G. 0. L pl. V. — iO) Diese Form allein mnsste 
nebst dem gleich au erwflhnenden älOMHdOTX APlXTElA allein 
hinrefehen, am, abgesehen von den Haassen dds Fragments, die Nicht- 
lagehdrigMt snr Tabola Iliaca au beweüen , die Montfancon an- 
nahm, Maffei abwies. -* ^ : 



nPIAMOS v^rsdeaisn Vfägmeatj Sie Bettmif 4es Pätb 
durch Aphrodite nach dem Zweikampf mit RlenekMis. Bie 
U04erschriflea gekrn AQyfOJlTH, HAPU (sie) «ad M^^ 
vsXaog]. Der vierte Streifeii enlhftll , mit ^ und OPKIOlN 
SYrXY2I2 InmeidkMt die Vertrtgsspcnfen vor dem Zwei- 
kampf des Mbn/ekto» «ad Pimris sowie Pandmros Venratb gt* 
gen Bienelaod. finllick inden wir ün untersten fiMreifen» 
neben den E wid JI0MHJ0Y2 uiPISTEUl steht, Aph». 
dites Verwofldlmg durch IKomedes , den Athene anfeuert j 
hhgAUtL Der Rest fcUt ~ 

Der Vollständigkeit wegen sei hier nodh ein anderes 
fragment , 

Nro. &,y eben£alb von dnem S^tfeeeorelief in der 
CapUelsbiUiothek in Verona, ahgeK faHontfaucon^s Ant 
exp). atlppl. IV. fL 38. 'Oy angeschlossen, welches streng 
genommen, ntchA in den Kreis der llias gehttrt. Dasselbe 
bietet freilich in dieai Mittelfelde, von dem nur gann geringe 
Reste des linken Randes übrig sini, dem Anscheine nadi 
dkenfaUa eine HiH|ieEsis , indem Fragmente der Mauern unil 
Thttrme Troia'a erkennbar sind, in den erhaltenen , in nwei 
Columaen eingetheilten Seitenstreifen der linken Seite jedodi 
nicht Scenen der Hias, sondere soldie ata anderen Gedichten Ars 
CycbiBi Die nvischen den Bilderfeldem angebrachten Pfeilern 
chen enthalten Innchrüten , denen die links davon befindli^ 
oben Rildeiehen entspsechen. Ich werde dieselben gelegent- 
fich an geeigneten Orten im Einnelnen anführen, r» 



Erft^ulicher als diese Producte sp&ter Runsfeeit sind die 
Denkmaler, welche uns die einzelnen Begebenheiten der llias 

ti) Hienacli in Inghicaml's G^ 0. L lav. 0. die an. beMea 
Ort«n «ehr «luUatlicIieii loaahriClMii si«bt otme: AMtldnng der ifignien 
feaaner Maff^i Moi. Veron. p. 468. 



in einer ntemlicb vMlflttadigen Beihenfoige damdren^ dÜweU 
CS nkte Teifedmiegen werden dnrf, sondern victaielir »la ein 
nerkwtrdiges Factan herrorgehoben watAem muBB, dtss du 
Honnaente nnm Kreise der Ilias wedeF an Zdtt noch an 
Interesse die BildcnnasBe des Kreises dSar Kyprien erreidie» 
und an Interesse und künstlerischer Bedeutung auch hinter 
den Bildwerken mancher anderen Kreise wenigstens gros« 
sentheils zurückbleiben. Dies ist erklärbar, wenn man die 
Natur des Gedichtes, .«ki^ eis) «bI TiirUelt und dem bildneri- 
schen Altertbum vorlag, genauer betrachtet. * Käumlich wer- 
den die grMsteni Theile ducob KimpfUsehrelbuti^ gefüllt, 
welche allerdings in der poetischen Darstellung meistens eU 
genthfimlicb genug bervoortveten , aber d» bilCcien Bepro- 
dttction. weniig' fielegenheit nu chärafeiemtHoher Enttiiltung 
bieten. Aber audb das ist hiebti nieU im Yergessen, dass 
nrir den flilieriüreis innr Käs wohl ailf die dbppdte SJEkhlve« 
ll«ninu»teä häBgen kOnntni , w«nn Wir üe grasse Masse 
von Kanqpf - und Bistungsscenen aiof gemaHeB Vasen nai 
anderen Monunifttte» auf bestimmte B^ebenheUei» der lUas 
bestehen kttonlen , wie sie wahrseheinKdi in der Tbäi mir 
Ilifls gdiOnn. Die» Keaiellinig auf bestinmie ffin»lheiten 
tritt aber ii. dem alktineisten Fällen wicht bervor ^ und so 
wlrde ea bare Wii&ir sei» , wenn man sie beiiebiff snppli« 
reu edev Tocanssetaen woBte. Unbetzeielinendo Bildweffce 
kommen nUecdings aneh su andere» fiediciitai vor , iriber 
seftst die daraktodosesle DanteUung* des Pai«urteila und 
«iHdiolMir Begnbedicite» Ittsst sich evkoMCB, nicht so ein 
Kainpf Mriicfaen nwei^ ibei und mekren Helden, w» Hamen»* 
b^tadnsften lehlcm. Um also der Blas in ihrem Bininss a«f 
die bildende Kunst naoMatlich der ftltere» Seit und hand- 
worksnMsaigai Debung- geredil sn sein, nn ihve Popnlaritftt 
aneh voa dieses Seite nielit mit itm leisesien' Zweifel nn 
berilhreri, sniss Insr ausgcs^ooben werde», daas wir die 
ssMreicIieBiSoUaichi« niid «üstengsdaffBAdlnngen üi ihrer 
UDiSftoB IhsaealBi* JMgean inr IBis Mspr^ehe», obwoU 



wir darauf veraichten/ sie einzeln anauMbten. — Wir 
es also im Folgenden fiist durchaus mit charakteristisdien 
Darstellungen ilischer Scenen au thun, fitr welche wir die 
in den Gesängen des grossen Gedichtes gegebene , bequem 
ttbersichtlidie Eintbeilung festhalten wollen. — 



I. Erster Gesang. 



1. Vers 25**34. Agamemnon and Ghryses. 



Reihe unserer Diasbildwerke eröffnen wir mit 
Nro. 6.y einon Relief von parischem Marmor 
and von echt griechischer Erfindung (Taf. XVI. Nro. 11.), 
im Besitae des Herrn Disney in England , abgeb. im Museum 
Disneianum pL S9. Dargestellt ist der Augenblick, wo Aga- 
BKmnon in heftiger Rede au Chryses die Worte gesprochen 
hat : fifj OB j yiQOv xot'Xtjaiy iyto naga vfjvoi xi^c/a und 
wo Chryses erschrickt und , der ihn wegweisenden Rede 
gehorchend, schweigend zum Strande des weitaufrauschen- 
den Meeres geht, zu seinem Gott au flehen. Er wendet sich, im 
langen Gewand j den Schleier über den Kopf gezogen , das 
Scepter des Apollon in der Hand, gesenkten Hauptes hinweg 
von den achftischen Pursten, unter denen Agamemnon mit leb* 
hafter Geberde sein rasches Wort begleitend voranstdit. Auf 
diesen folgte nachdenklieh auf seine Lanze gestützt, Mendaos, 
neben dem Odysseus steht , seinen Bogen in der Hand, seine 
Schiffermfltze auf dem Haupt Auch er schaut dem geschmäh- 
ten Priester mit bedenklichem Blicke nach, denn er, wie der be- 
dttchtigere der Atreiden mag ahnen oder fühlen, dass Agamem* 
non's zommflthiges Benehmen böse Polgen haben kann. Aebn- 
liches scheinen sidi zwei jugendliche Helden , welche nadi 
rechts den Abschluss machen, und die wir Achilleus und Aiaa 
den TelaaMriiden oder Womedes nennte k#nnen, 4ii Ooifiiicfc 



Mä aleriegen^ SMir gut Jiat abp icr Ktinsttor M^feirttcfet, 
was iiet Dkliter sagt : daß gaue Heer welUe des Priesteia 
Bitte m LüeiiDf seiner Tocbter gewttbrt wisieBy uad fein 
hat er die Aelfteren und die Jüngeten ven einander unter«* 
scheidead chacakterisirt , jene sehweigen^ wo der Kdnig rem 
det ondbeftehlfy aber sie sdiweigen^innaehdenklicherTratterf 
diese reden, vieUeiehft ein Wort des Unmuthes, wie es spftter 
AeUUens gegen Agamenuion heraussttfssti aut einander ans- 
tanachend. — Dass die Tabula Veronensis (Nro* 4) Ghryses 
Bitte entlmlt, ist erwtthnt 

2. Vers 187 tL Achilleas und Agamemnon im Streit« 



Wir haben hier mit Ablehnungen unriditig belogener 
Monumente zu beginnen. Der Prinz von Caaino hatte dem 
einen Aussenbild einer volcenter Kyliz seines Beritses (Hu- 
s^ ^trusque Nro. 1737), die jetat im brit Museum Nro. 886 
sieh befindet, und in der londoner Archaeologia ▼ol. XXXII» 
pl. 10 abgebildet ist, den Streit des AchiUeus und Agamem- 
non zu erkennen geglaubt So unwahrscheinlich nun selbst 
nach der blossen Beschreibung ^) die gegebene Deutung sein 
musste (denn zwei mit gezogenen Schwerdtem wflthead auf 
einander losstflrzende Krieger, welche je zwei Qeftbrtett mit 
Mtthe zurfleUialten und zu entwaflhen streben , während ein 
fOnfter mitten zwischen den Gruppen in lebhafter Bewegung 
erscheint, dies, sollte ich denken, ist doch wohl deutlidige* 
nug etwas ganz Anderes, als die Scene der lUas, wo AcUl- 
leus allein sein Schwerdt halb zieht und vm Athene durch 

ij Archaeologia or misoellaneona tracto relatiof to anliqaiij 
pnbliihed by the lociety of antiquaries of London. — 2) Anch 
Welcker hat, freilich nar mit des Prinzen eignen Worten das Va* 
lenbild in feine Ergänzungen zn Inghirami'i Galerie omerica in 
der Hallisch. Allgemein. Literat. Zeitang. 1836. 1. S. 595. anfgenem. 
äien. Diego wiehligen nachlrlge werde ich fortan so ciliren: WeU 
eher SU Ingh. 6. 0. 



IJ 



WmtUf weMk^duMm wkl% so liat me Mh Ar ritotteihc 
«■inrer YtiNi Nieltfolge i^ftMeOf üe gliciEiidMtfweise «b 
HmüI akgeUUety ato der Krtfnag cmes JUm FH^gfelegC 
siodL Eb mi die Mgefticaflefftflie: «rehaJschel^dria 
in britiflcheD Miiseui Nie. 405 , ^ibgeb. Ardueolog» •. m. 
0. ^. IS; Kylix Ciaoke ebendas. Uro. «9 irit 9#thtti K. 
gwep y abgeb. dw. pL 12 «nd eine zweite KyliK dasalbift 
Km. Ttl Bit Mhw. Vig. , mck — edirt. Diew Ctefitee «d* 
gen, wttuk 9mA nui iDleiMien Kerichiedaihiitea dinwlbi Vt 
Personen in derselben Handlung maA fiesMtliek dansdbfla 
Gruppirung wie die zuerst angeführte Kyiix, sie alle stellen 
1^ 4ie TeMMPt|ie(e.9cene.9iifhw<i|i^( dar. . >E^;neipe#eu« 
tung theilte mir Otto Jahn persönlich mit, die ich für viel 
iRahiiBobfdnli<|icr aehte^ iimm VfVöf^atlMkMilg iipb aber mei- 
nem Kreonde.Mdit vorweg nehmen mag. -^ Audi im Q^ 
ftes .in>40 WiUe'^ Catalcigae Beagnot Nro.ö9. (A?,) atettt 
Bihweiiich vinUich var, was 4erflera^i«geber annahm, .A^chä- 
hm vmA Agameamoa im Wortwechsel. Der 9fape AXIA- 
AEY2 in ^ana U^ner, kaum lesbarer (poar ainsi dire Uli- 
gible) Sehrift, jat wie de Wilte seibat sagt, dHCchaus un- 
sicher <iin fiouENit y relreuver les M^aiens dra nom d'A., 
mms riea ü'est flUMus oertaia.). Wenn; er aieiat, die Scenr 
sei. aiiA ahne Alamea aasreichend fibarakterisirt, m iupm icb 
dieser Aameht niabt beipflichtea. J>ie Anweseabu^ 4^ an* 
gaUtehen au A|;aBiemoon stehenden Chryses, njfiht:^wa des 
wk im aehönea fteljaf Nra. 6« wefigewi9sene% macht die 
Sache ganz unwiahrscheialiGh» — 

YttUig sicher dagegen stellt eine Soeae des StiaHes : 
Nro. 7. , ein Wandgemälde aus dem s. g. Tempel 
der Venus in Pompeji (Täf. XVI. Nri^. 1.) dar, leider nur 
ungenügend abgeb. in A. v. Steinbfichers antiquarischem 
Atlas Taf. VII|L B. 1. Es ist der Augenblick ifewahlt,^ wo 
AduUeus gegen Agamemnon das Schwerdt isi^hn will. »Der 
Bdeide, aaekt his aaf dasiiahfaltettde, and am. de^ nUn)^ 
Arm und den rechten Schenkel flatternde i Otwiand ^ ist laiae 



UhM uii BchMe Hgto «ni «s ttt feiiiy4aiB «r skli nicht 
imgpatlbper bewegt , da er ^ von Athene , die famter Abb «r« 
Mbeint« fewunit , «ein^ Brohung ndit wahr maehen wird. 
Die CMbnltaidttit «1 2on, welche üerlNN^hler in eemer Weise 
Misterlicih darstellt, .irt «nah hier iv^hl MSfeiriekt Afaw 
■MauieB, der KMif ritzt, dhenftdb eine got^ftseldttiete QeetaK, 
auf eineü ThMne, das Unge iSccfier in der Band , mit in« 
MidMFellsr CMiende vcir Aehifleas , ala sei er nweK^aft 
ob er aii&prin|;en eeUe. Bin zum Tiieil IhtfaieBlirter Bär- 
tiger, weU Neeter JiUt ihn aorfick. Hinter AgaBMomon rier 
Irieger , aaai Theil irichtkar und ein IftnAer Kof£ IM die- 
ser wiiUich MiUich, wie es scheint, eo kann nnr ^as 
Mlfdltin foneint sein. Aber das der Stncit ansbradi, un4 
wir hätten hier wirklich ein Motiv welches Mher aittf awel 
mit Unrecht hieher bezogenen Monumenten, zwei Sarkophag- 
reliefen angenommen wurde, «denen ich ob^n unter den Dar- 
stellungen des Achilleus auf Skyros ihren Platz angewiesen 
habe «). 

Ven Seulpiur gehört dagegen ziemlich ohne Zweifel 
in unsere Scene 

Nro. 8», ein Relieffragment aus Capri, welches^ 
nach Tisch bein's Homer nach Antiken in der Galerm 
omerica L 2& abgebildet , Achilleus darstellt , wie er das 
Schwerdt in die Scheide zurüciLstdsst , nachdem Atfiene sei- 
nen gegen Agamemnon überwallenden Zorn gemässigt hat — 

Sodnn sei daran erinnert, dass die Tabula Iliaca (oben 
Nro. 8.) Chryses Vlehen zum Apollon um Rache, die Pest 
im Lager nnd den Slrdt der Fftrsten in dem Momente ent- 
hält, wo Achiüeus sein Sehwerdt gegen Agamemnon zlcfhii 
wiU ^) und Ton Athene zUrOckgehaUen wird. 

8) OMb S.288. l!fro.3. u. S. 290 Uro. 11. Doch siehe Welch er 
cn fiigh. a. 4X S. €07. — 4) ßeilAnßg sei hier bemerkt, äass 
darch die bildlichen Uarstellaogen von Achilleus Zorn gegen Agamem- 
nim der yß^ I|«I«9I9 iaJVerbibdiiBg mil Vers 194 seine e^Aehe ffir^ 
ldii(iWg ündeA,, I ¥ei» Dl^üleftl AcftillaHk>idib UeM an den'ScliweWiU 
griir, wAhrend er Vers 194 das Schiftttdl «dboii fm^gnt ^^, WAS 



Dun 4aif jucht ttnerwfthnt Ueibeu , itias das nerk- 
wOriige, hechaUerlhflinliehe Belieffraf ment ans Sa- 
mothrake, abgeb. OaL «m. L SO, welches Aganeuoii 
Mtjiead, Talth)rbio0 uai Bpeios hinter seinem Stahle steheui 
(alle drei bekanntlich mit Namäisbeischrift) ndgt, filglidi 
auf die Versaiiualang des Heeres im 1. Gesänge , abar andi 
auf die im 8ten oder die im 8ten Gesänge oder endlich aof 
die Versamminng vor der Abfiahrt, in der sich die nween 
Atrdden entaweiten, bezogen werden kann ^). -— Avch ei- 
nige alte Vasenbilder, wie n.B. im brit Museom Nro. 597, SM, 
sind aof eine Rathsversammlnng des Achfteriieeies , Mglich 
also die des ersten Gesanges , belogen worden, natürlich 
aber rihae dass irgwd Jemand dafür Gewilhr leisten kMnte 
oder mdgte. — 

3« ChryseVs Einschiffung. Vers 310. 

Ich gebe einem Wandgemaide einen Namen zurück, den 
es längere Zeit getragen, neuerdings aber yerloren hat, wie 
mir scheint ohne genügenden Grund. 

Nro. 9. Pompeianisches Wandgemälde (Taf. 
XVI. Nro. 4), abgeb. Mus. Borb. IL 67, Boche tte, HL L 
15, Gal. Om. L 21 und II. 246 mit der gleich an be^rc« 
chenden neuen Erklärung. 

Eine schönbekleidete Frau wird Aber einen schmalen 
Steg vom Lande in ein Schiff, dessen Schnabel nchtbarist, 
sorgfältig vorsichtig von einem Manne geleitet, der seiner 
Bildung nach nicht als ein bestimmter Heros erscheinl, wäh- 
rend ein Knabe, ihr pagenartig folgend, sie nntenttttst, nnd 
im Hintergrunde ein jugendlicher und ein älterer , bärtiges* 
Held ihr nachschauend stehen, welche ich Piomede» und 
Odysseus am benennen nicht anstehe. Man erkannte hier 

aar mögliob ift, weoa er das Schwerdt niehl mehr «If helb ftot der 
aehjHda »og , wie alle bildlichen Dantellonf eo angeben. -^ öy S. 
Wi^lcker w Iwgh* 6. 0« S. 607. 



mmF9i 



CSiryselbs Einscbilfaiig nach dem vorangestellteii 810. Verse 
des 1. Bncheg der Ilias , nnd ich sehe in der That nicht ein, 
wamm man diese Deutung aufgeben woUte. Der Bischof 
Mflnter hat sie brieflich gegen Inghirami (vgl. 6aL om. 
II. S.381) zuerst angefochten , indem er dafür Andromache's 
Einschiffung nach Ilion^s Zerstörung vorschhig , eine Erkla* 
mng, welche auch Welcker zu Ingh. €(.. 0. S. 005. 
als „offenbar richtiger^ aufnahm , nur dass er den Rnabeki 
als Astyanax ablehnte. Aber MinteVs Grand ^scheint mir 
wenig stichhaltig zu sdn. Dean däss der Kranz und Lor- 
beerzweig an dem Schiffsschnabel mit Bestimnilheit aiif Sieg 
deute, also ein achftisches Schiff nach Ilidn's Zerstörung be^ 
zeichne, halte ich fttr keineswegs ausgemacht. Wie irielo. iN^U 
die Verzienmgen kommen i^or , ohne; dass man sie lipeciell 
in dieser Weise deuten Mrfte. Auch was Welcker sagt: 
^es sei die Abführung eines schönen , sieb yöniehm halt<m«* 
den Weibes nach dem Schiffe dargestellt^ spridit gewiss nidit 
gegen die ältere Erklärung, eher für dieselbe. DennChry- 
selis, in diesem Augenblick eine sdir wichtige Person, hatte 
mindestens eben so viele, wenn nicht grössere Veranlassung, 
sich vornehm zu halten, als die gefangene, als Sklavin weg- 
geführte , dabei auf s^ Tiefste betrttbte Andromache. Andre* 
mache würde ich in diesem Augenblick viel eher weinend, 
den Schleier Aber das Haupt gezogen zu sehn erwarte, als 
In vornehmer Haltung. Es kommt der Nebennmstand hinzu, 
dass die Architektur im Hintergrunde weit eher das Königs- 
zeit Agaraemnon's darstellt, als die Trümmer der zerstörten 
Troia. Aber durchschlagender als das Gesagte scheint mir 
der Umstand zu sein, dass jene Erzählung von Androma- 
che's Einschiffung kaum so populär war, wie die von Chry- 
selb Zurttckführung an ihren Vater, von der eine zweite 
Scene , der Empfang durdi Chryses wenigstens noch einmal 
auf der Tabula Iliaca , vielleicht, nach der Vermuthung des 
Prinzen Canino, auch auf einer Vase (Mus4^e i^trusque 
Nito. 1188, vgl. WeUker za Ingk Q. O. & 6M.> vor- 

Ov erb eck, h«roif«ht Oalkrlt. 25 



kmmit — Bei Himiei (II. L vs. Sil) iil fetiikh MyasM» 
alldn Pflhrer der Fahrt , hier ist ihm eil «weiter Beld bei-« 
gesdlt ; aber ein Beld , der nur DiMtedes sein kann , Dio* 
medesy der mit Odysseus durch mehr ak Zufall oder Laune 
gfldchsam als ergiazender Widerpart yerbondene j den der 
Kftnstler sehr woU um sda Bild «n bereichern hier ans ei- 
gener Erfindung einfuhren koimte. In dem bärtigen H^den 
aber Odysseus su erkennen, ebgleich er seinen Files nicht 
trägt, scheint mir sdur kacht ^ 

In dem sehen erwähnten Vasenbilde des Empfangs der 
Ghryseis dorch ihren Vater (IL L 440.) nmfiumt nadi der 
Beschreibung der Priester seine Tochter in Anwesenheit von 
4 Aranea «^ 

Hier sei es erlaubt, nwei Vasenbilder eisusnfiigen, wel- 
ehe streng genommen, virileicht ausgesctdomen bleiben mflssr 
ten , da sie keine bestinunle ficene der IKas^ sondern ohne 
spedelle Bandhmg 2wei Personen des Gewebtes, näudidi 

4. Achilleus und Brisei^s 

enthalten« Achilleus trauliches Zusammenleben mit der schtf« 
nen und lieben Gefangenen wird aber bei Gelegenheit ihrer 
Wegfiährung durdi Agamemnon's Gewaltstreich vom Dichter 
so rührend und lieblich geschildert, dass es sehr natftrlidl 
erscheint, wenn wir den Hdden und das Mädchen, nur alä 
Idealfiguren ohne einzelne Situation in Kunstwerken finden^ 
die ihre Quelle so gnt und so sicher in der Iliefl hnbei, wie 
die meisten Darstellingen ein^dner Seeneiiw Dass aber snl- 
che Bilder aus der Dias genonmen wurden , wie dies nie bei 
anderen Kreisen der Fall ist, das seigt deutlicher ab man- 
ches Andere die Popidarität des Gedidites. Bas iind Bilder 
wie unsere modernen „Shakqpere's beauties^ oder »Frauen« 
Schönheiten aus Byron's Gedichten^ und Adlnliches. Die 
üonument^ wdche ich meine, sind 

Nro^ 10., Amphera, vonnala der DMraäd'0cheft Sämai>' 



r 



— «r — 

hmg Kro. i&S ^)^ jetet im brit Maseimi Nre. 808., abgdb* 
in Oerhard'g anserl. Vasenbb. HI. 187. Einerseits Aehil- 
leos (AXIAEV2) gan« gerfistet, andererseits BriseYs {BPU 
SEIS) in zierlich reicher Kleidung, eine Blimie in der Hand. 
Anf den Henkeln der Name dte Malers EVX3I9E0S MnO^ 
lESEN ^ tfekwan auf rothem Orundei. — Ungleich lieHi- 
dier y ja ab ein Beispiel der vollendet «arten Oefkbnmialen^ 
«rsebeint 

Nro. 11», eine zweite Amphora im gregorianischen 
Moseum des Yatican, sehr mgenflgend abgeb. im Mus. Greg. 
H. 58. Sy sehr schön dagegen in Oei^bard^s auserl. Va- 
senbb. HL 184. Ich konnte es mir nicht versagen, das lieb- 
Hehe Kunstwerk ab Sclnnnck ndner XVL Tafel ab Nro. S. 
anfisunehmen. Auch hier einerseits Achinetts(^Xiu^^JBF2) 
sorgfidtig gerastet , die lange Lanse Aber die Schalter ge- 
legt 0» andererseits Briseb ohne Bebchrift, aber dnrdi die 
vorige Nummer gesichert, in einfacher aber zierlicher, häus- 
licher Kleidung Oinocho^ und Kylix in der Hand, um ihrem 
schonen Herrn den Trank einzuschenken. — 

Nach diesen Bildern des traulichen Zusammenseins las- 
sen wir als 

5. Briseis Wegfuhriing, Vs. 300—345. 

folgen. Hier führe ich zuerst ein Vasenbild auf, welches 
^hei* ganz anders erklärt bt, d'essen Üeutujig äuf unserjs];^ 
Scene l^ei mir seU mehren Jahren ^r Veh^X9mgm% gewor- 
den, «und die jetzt neuerdings auch von den Herausgebend den 
VaEsenfcatälogs des- brit. Maseams aufgeistellt ist — - 

Nrp. 12« Kylix früher Canino'schen Besitzes, jf^tzt 
im britbcben Jlusenm Nro. 831. (Tafieil icVL Nro. &), ah- 
geb^'iin fierliArd^s Trinksehabn uiid Oeftesen desMas^m^ 



ey Rapp. tok» Rote 8O0iw '.^■•Tflmruäimt ZeMurnng JH flv 
oben gekOnt, um fOr die Figur 4ei MMifi 4Miail AI gminüm «u^./^ 



Berlin u. apd. SammU. L Taf. E. 7. ^). Aussenbflil A. b 
einem Zelte «itat, tief in seinen Mantel, eingehüllt, avf einen 
g^pnbterten Klappstuhl trauernd Achilleus ; hinter und vor 
ihm je ein bärtiger Manu , die man Phönix und vielleidit 
Patroklos mannen darf, da es nichts Ungewöhnliches ist, jn- 
gendlichen Helden bärtige Genossen beigegeben zu sehn. 
Lintu aber iOhiren die owei Qerolde Agamemnon's BriseiBK 
hinweg und zwar so, ^dass der Voranschreitende sie ziemlich 
derb amArm gefasst nach sich zieht Das Kostüm beider ist 
so gleich , d j^s es kaum mehr als vorübergehend stört, dass 
der hintere Herold kein Kerykeion führt, oder dasselbe un» 
ter seinqn Blantel trägt ^ Auf dem Revers, Aussenbild B, 
erkennen die ^Herausgeber des Vasenkatalogs des brit Mu- 
9eupi Brifelfl^ yofi den zwei Herojden in Agamemnons Zelt 
gebracht,. 4?cb;:^^M 9^u* hier eher eine Hinaus - ab ein^ 
Bineinf ühning in 4ic d^di zwei Säulen anged^euiete Bäi^ak 
lichkeit dai|[estellt, wonach ich BriseKs Zurückführung ler^ 
kennen mögte, di^. des Parallelismus mit der Kehrs^. we- 
gen, abweichend vou^ der Erzählung im XV|IL Gesänge df^ 
Ilias , auch hier von den zwei Herolden besorgt wird ^). — 
Bei beiden Bildern unbezügliche Inschriften. Innenbild: zwei 
Männer, ein kahlköpfiger sitzend und ein bärtiger stehend *^) 
im Gespräch, umher sinnlose Buchstaben. — 

Auf Aes für unseren Kreis hoffentlich neu gewonnene, 
als Vasenbild wichtige Monument lasse ich ein längst be- 

8) Gerhard's Erklämiig heisft: y,doppeIter Uermet«. -^ 
9) Auch Panofka in der archäol. Zeitang von 1848 S. 336 erkennt 
die Vaie aU heroisch, nnd fasst das Ayersbild wesentlich flbereinstim- 
mend mit mir auf. In Reversbild erkennt er Chrysels Weg Akhninf 
ans Agamemnons Zelt. Je mehr ich mich dieser Uebereinstimmang mit 
Panofka in einer einfachen Erklärung gegenflber der sehrkflnst- 
liehen von Gerhard frene, nm so weniger mag ich Aber die Er- 
klftrang des Reversbildes mit ihm streiten. Ich glaube, dass unsere 
boidea Auffassungen möglich sind, wer aber Recht habe, ist achwer- 
lich mit Sicherheit su entscheiden. — iO) Panofka erkennt Chryses 
vor Ag^iBMulOB bittend, worin. ich nicht snstimmeat kanii^ Wie k&me 
AgamennM an dar fcahlea Fiatte ? -^ . 



kanntes taiM in seiner Aettdbf eiieD «o^ muiWiifelhafleSy wie 
anerkanntes Kunstwerk folgen , über das icli mit Anführung 
der Abbildungen gan^ kur^ hinweggehn kann. 

Nro. 13. Pomp e ianisches Wandgemälde, 
abgebildet im Mus. Borbon. 11. 68 '^ ; sodann Idein , in 
den Farben des Originals, aber nicht besonders schön in 
der Galeria omerica L 82, besser (schwarz) bei Rochet- 
te, M. I. 19; in grosser farbiger Ausführung von Ter- 
nite herausgegeben *^). Achilleus sitzt vor seinem Zelt 
in leiditer Friedenstracht , halbnackt, besceptert Mit der 
rechten Hand winkt er seinem Patroklos das weinende Mad- 
chen dem Herolde Agamemnons zu übergeben , der rechts 
neben ihm steht Fünf Krieger füllen den übrigen Raum 
des Bildes. — 

In der blauen antiken Paste in Berlin in welcher T o e 1- 
ken in seinem Verzeichniss Classe IV. Nro. 253 Briseis 
WegfUhrung erkennt, glaube ich vielmehr Aithra zwischen 
ihren Söhnen Akamas und Demophon bei Uion's Zerstörung 
sehen zu dürfen. — 

Ob ein geschnittener Stein der Florentiner 6allerie| 
zuerst edirt von Gori Mus. Flor. IL 26, 111 und danach 
wiederholt in der 6al. om. 1. 34, welcher wahrscheinlich 
Achilleus in der Einsamkeit unmuthig dasitzend zeigt, das 
Schwerdt und den Schild an einen Felsen aufgehängt, und 
angelehnt , ob diese Gemme grade in unsern ersten Gesang 
Vers 360 gehört, ist bei der mehrfachen Erwähnung und 
Schilderung von Achilleus Trauer und Zorn zweifelhaft, aber 
immerhin möglich. — 

iij Ich habe das bekannte Gedulde niehi abbilden lauen, weil 
die Hanptgache, Charakter nnd Ausdnick der Kdpfe in der Ve^kleine- 
rangf, filst no'thwettdig yerlören geht. ^'JSelbst farbige^ Copien jn der 
Grosse des Originals genflgen ditisem nicht. ~ 12) Nach dieser Ab- 
bildadg nennt Go ethe den Helden der ifias jugendlich edel und 
wabrhaA hatbgOttlich dargestelll. Vgf. l^elcker zu logh. Gl 0. 
S. 1505. — 



5. Tk^tis vor Zeus flehend, Ten 550 ff. 



ist ausser der kleinen Gruppe der Tabula Diaca 
bei Ingbirami 6. 0. L 87 nur 

Nro, 14., ein Relief (Taf. XVI. Nro. 12.) anzuf Obren, 
dasjenige des Diadumenus aus Turin ^'), in Paris zu- 
rflckgeblieben ^% Ein Abguss im Bonner Museum ^^). Zuerst 
sitzt in bekannter Gestalt und Bekleidung, als FOrst des Olym- 
pos auf einem behauenen Stein Zeus, zu Thetis umgewendet, 
weldie hier nicht vor ihm kniet, sondern vertraulich zu ihm 
redend, den rechten Arm auf seine Schulter gelegt hat. 
Dazu war allerdings in den Versen der Ilias das Moti? nicht 
gegeben , aber Thetis ganzes Verhältniss zu Zeus (war sie 
ja von ihm geliebt), verstattete dem Künstler wohl diese 
originelle Auffassung , welche durch Here's eifersflchtiges 
Schmalen gegen Zeus U. L 536 ff., noch gar wohl unter- 
stützt wird. Dieselbe Rücksicht mag die ebenfalls bei 
Homer nicht gegebene Anwesenheit der Here veranlasst ha- 
ben, jedoch scheint mir, dass diese Figur erst durch die 
Copie (und dass unser Werk eine Copie sei, ist namentlich 
durch Bouillon's Entdeckung symmetrischer Eintheilung am 
oberen Rande sehr wahrscheinlich) in die Composition gekom- 
men ist, theils weil sie sich dem Stil nach von den anderen 
Personen unterscheidet, theils weil die Gruppe des Zeus und 
der Thetis in sich abgeschlossen ist, so dass Here ftusserlich 
daneben steht. Auch ihr mit dem Scepter des Zeus parallel 
laufendes Scepter , ist nicht gefallig und nicht im Geiste der 
übrigen Tbeile der Arbeit Die Inschrift am Sitze des Zeus 
ist, wie ich mich am Gyps fiberzeugte DIADVMENI nicht 
Diadumenius noch Diadummi wie sie mehrheh gegeben ist *^). 

id) Abgeb. im 2t0n Tbeile der Marmor« TAarineBsja , «Qcb im 
Mof. Ven^n. p. 211. ^ i4t) Bouillon Mdb. des ant. L 75, Hos. 
Krane. III. Mos. Napol. L 4, Gal. om. I. 39, Clara c pl. 200. — 
iS-) Weleker akad. Gypsmoa. 2. Aoag. S. 113. NfO. 339» (1* Aufg« 
S. 98. Nro. 178); Tgl. denf. in Ingh. G. 0. S. 608. and Vifo^onU 
ii den ZiuAtien lom Pio-Clem. III. 41. — !€) Ueber dieiea griechi- 



Das iaf^rUhsdkäfteildieffn^lMfft ih derBöiiuille ik* 
yniican. Mdseutiii^ wekkcs Visconti P. Cl. IV. II uadnaicli 
ilM Inghirami 6. 0. I. taT. 4a p. 88 auf Vmi 578 ies 
«Nten Qeaangrs ätt Utas besog, schwerlich wiiUich hieher 
gehttia, iflt schan von AndercH beaeikt. Siehe Welckar 
in akad. Gypsam. (S. Alisg.) S. 119. Nro. 380. 



Der «weite Gesang der*Ilias ist, ahgesehen von dem 
eutsprechenden Streifen der Taiiala Varoneatis (Nro. 4.) 
ohne Bildwerke« — 



IL Dritter GeMog« 



1. Die Greise auf dem skaiischen Thor, Vers 145 ff. 



Nro. 15. Reliefbruchstficky abgebildet 
Winckelmann M. 1. 162, jetst in der mOnchener Glyp- 
tothek VL Nro. 136; mit einer durchaus befiriedigenden 
Erklärung neu gezeichnet herausgegeben von Thierse h, 
im Jahresbericht der ki^nigl. bairisch. Akademie von 1829 
—81. S. 60 ff. I^as Relief umfasste wahrscheinlich die 
sftmmtlichen bei Homer genannten Demogeronten , sowie ih- 
nen gegenüber Helena von ihren Dienerinen begleitet ^). Er- 
halten sind drei Köpfe , in welche der Künstler den ver- 
schiedenen Ausdruck der Bewunderung vortrefflich zu legen 
verstanden hat , wie auch der Stil und die Arbeit alles Lob 
verdienen. — 

Sehr ansprechend ist die Vermuthung Welcker's ^X 

sehen Namen mit kleinU^lmii B^o|i^mHii , MWie Aber ähnliche Bei- 
spiele ygl« Welcher, ahad. Gypfmnseam a. a. 0. ^ ij Wel- 
cher an Ingh. G. 0. S. 608. -> 9J Daas sie ron Iria gefahn gewe- 
aen sei, wie Tb i er ach annimmt, acheint mir ohne (imnd sn aeio. — 
8J Za Ingh. 6, 0. & 005 v. ,(K^ . 



dass die Stataeii des Pwidioos, Thymoiteg, Kljrtios md Lam- * 
pos, von denen Christodor S46-*5S berichtel, ebenfalls als 
beransgerissene (Jruppe zu einer grossen Darstellung dersel- 
ben Scene gehörten, da kaum eine andere Veranlassung ab- 
zusehn ist, nach der diese 4 zusanunen genannt sein sollten. 
Was Christodor von dem verschiedenen Ausdruck von Zorn 
und Trauer sagt , der in diesen Köpfen lag, ist , wie eben- 
falls W e 1 c k e r richtig bemerkt , von dem verschieden mo- 
diftcirten Ausdruck der Neugier zu verstehn y mit dem die 
Alten die Schäne betrachteten« — • 

% Das Vertragsopfer, Vers 270 ff. 

findet sich nur auf der Tabula Veronensis (Nro. 4.) zum 4. 
Gesänge, indem zugleidi der Biiich des Vertrags durch Pan- 
daros dargestellt ist 

3. Menelaos und Alexandres Zweikampf, Vers 340 ff» 

Auf die Verfolgung des Paris durch Menelaos ist ein 
aus Tischbeines Hamilton'schen Vasen IV. 9 (21 der er- 
fiten Ausg.) in die Galeria omerica L tav. 60 aufgenommenes 
Vasenbild bezogen werden ^). Allein ich vermag in der ver- 
folgten, mit Bogen und Streitaxt bewaffneten Person nur 
eine Amazone zu erkennen , wonach das Bild an einen an- 
deren Platz, in die Aithiopis, Penthesileia von Achilleus be- 
drängt gehört, woselbst ich es fest zu begründen hoffe. — 

Auf der Tabula Veronensis (Nro. 4.) findet sich der 
Augenblick dargestellt, wo Aphrodite den von Menelaos am 
Helm ergriffenen Paris entrückt. 

DI. Vierter Gesang. 
Den Streit zwischen Zeus und Here , Vers 25 ff. stellt 

O Aach Ton Weloker la Ingh. G. 0. S. 595. 



ein von Barbanlt, Mon. ant pI. 40 und danach i» der^ 
C(al. om. I. tav. 61 abgebildetes Marmorrelief dar, welches 
aber äusserst iinantik compouirt ist, indem die beiden Per- 
sonen y in der Mitte einen leeren Raum lassend, an den bei« 
den Enden des Reliefe einander gegenüber sitsen. Auch die 
Gesticulation Here's und das ganz motivlose Bauschen von 
Zeus Gewand scheint mir modern 0* Ich wage nichts dieses 
Monument in die Reihe der echt antiken auCeunehmen. 

Pandaros Bruch des Vertrages durch den Pfeilscbuss 
auf Menelaosy Vers 126 fL auf der Tabula Veronensis ist 
erwähnt — Den durch diesen Pfeilscbuss im Leib verwun- 
deten Menelaos in zwei Gemmen erkennen zu wollen , wel- 
che GaL om. Ltav.tfS abgebildet, einen im Schenkel ver- 
wundeten Helden niedersinkend, und einen ebendaselbst ver- 
bundenen zeigen, ist bare Willkühr Inghirami's. 

IV. Fünfter Gesang. 

Zum fünften Gesang sind sehr wenige unzweifelhafte 
Bildwerke anzuführen^ denn, ganz von den Bildern des Ambro« 
sianischen iliascodex abzusehn , dieinghirami hier wie 
überall den antiken Monumenten einfügt, erscheinen auch 
die meisten wirklich antiken Denkmaler nur mit Willkfirlich- 
keit hieher bezogen. So giebt er L tav. 68 eine Gemme^ 
welche einen Krieger von hinten durch einen anderen nie- 
dergehauen zeigt; dies soU, auf Vers 80 bezogen , Hypse- 
nor's Tod durch Eurypylos darstellen. Die Handlung lässt 
sich wohl so denken, aber der Niedergehauene ist durch den 
mondfttrmigen Schild und die Gesichtsbildung deutlich genug 
als Aithiope charakterisirt Tafel 69 soll ein Vasengemälde 
aus Tischbein's hamiltonschen Vasen IV. 61 nach Vers 
M5 Diomedes darstellen, der mit dem Strtiwmrf Aineias 
verfolgt, begleitet von Pallas. Diese Pallas et^cheint hier 

i) Verdacht der Unechtheit erregt daf Stflck ench bei WeU 
okor la Ingh. G. 0. 8^ 609. 



< 



idme WdTM, in Miaiitel und Hanbe, «wodtirdi*^ wie Wel- 
eker SU Ingh. 0.0. S.595 mit idser Ironie schreibt, «viel- 
Mcht ausgedrückt sein soll, dass sie^ so wie hier unkemit- 
lidi j in der Poesie als unsichtbar verstanden sei^. — Dass 
die Gemme auf der folgenden Tafel 70 den nadi Vers 800 
reo Diomedes Steinwttrf an der Hflfte getroliien niedersinken« 
den Aineias darstellen soll, ist wieder bare Willkttr ^). 



1. Aineias von Aphrodite davongetragen^ Vers 312 ff. 

Hier muss ich wieder mit einer Ablehnung beginnen, 
denn ich kann mich nicht überreden, dass die Erklärung 
des ardiaischcn Amphora der Feolischen Sammlung (Coli. 
Feoli Nro. 13), abgeb. in Gerhardts auserL Vasenbb« DL 
103« (8) und Mon. delF Inst DL 50 die richtige sei. Ger- 
hard a. a. 0. S. 91 £r fiowie A^Witifö Ann. XV. p.OOlL 
erkennen hier Aineias Rettung durch Aphrodite. Aber „eine 
d^m Mythus nur ganz obenhin sich anschliessende Will- 
kür der Darstellung und Gruppirung^ , die „etruski- 
sche l^Dvincialmanier*^ , „die Ersetzung des Steinwurfes des 
Diomedes durch einen Schwerdthieb" , «die Beflügelung der 
Göttin'', dies Alles, was Gerhard anerkennt, lässt so viele 
Zweifel übrig , dass ich nicht sehe , welchen Gewinn man 
aus der Einreibung dieser Vase in den Bilderkreis der Ilias 
ziehen könnte. Die Verknüpfung aber der anderen Bilder 
der Vase mit diesem scheint mir vollends so geringe Gewahr 
zu haben, dass man zu deren Anerkennung noch etwas mehr 
voraussetzen muss, als was Gerhard S. 99 als vorauszu- 
setzen anspricht — > Dagegen können wir zwei von Inghi- 

±y MsB halte es mir su Gole, daai ich lii«r einan Asgeahlick 
in die Form einer Recenfion meines Vorg&n gen yerfalle; einer gansen 
Reilie Ton eben so willkflrlich aaf Begebenlielten der Ilias durch In- 
gbirami belogenen Bildwerken, bin ioh achweigcnd yorflbergegangen, 
hier aber mnaste einmal beispielsweise abgelehnt we^eiit. ,. , 



ra^jül acnf sascr Tl. Tafel beigdMMbte OMmMn k iMeien 
Kreiae stehn lassen. 

Nio. !#. Karneolscarabftuft Ton sfehr alterthOm^ 
lieh robor Ariicit. Der Held mit wankendeat Kniea, ouridu- 
bfidLfmd, gebl neben oder rär der sehr roh ge^hnittcaea Gtltti% 
die^ mit der Stephaue im Haar, in einen unförmlich gMmm 
Mantel ganz eingewickelt ist — Dieselbe Scene giebt 

Nro. 17., eine besser geschnittene Gemme des Ponia- 
towsky 'sehen Cabiii<et9(TM^^y|f\|}]ro« 5.)k Aineias sinkt ohn- 
mächtig yorflberi die Göttin schreitet neben ihm; dass sie ihn 
trage oder stütae» ist auch hier nicht ausgedrückt. *- DieFori- 
tl^Wf^S ^^ Aiiu^ias durch seine Mutter finden wir agch anf 
der Tabula VeronenMs sum Gesang E, MOMVUIOYS AFI- 
^TEIA abgebildet. Diomedes dringt auf di^ Gilttin ein , 
von Pallas angereiai 



Die blaue antike Paste der Stosch'schea Sammlung \a 
Berlin (IV. SdS), abgeb. bei Inghirami tav* 73 ist, wi^ 
ipir scheint, eherauf die Abweisung desPatroklas vonTroiaV 
Mauern (IL XVL 696 £), als auf die des Diope^es von Ai<- 
neias Verfolgung (Vers 440 t unseres Gesäuges) zu beaier 
hen. Die Darstellung der Mauer und des Thores ist fOr 
jene Scene bezeichnend, nicht für unsere. — 



Das anf Vers 885, Athene auf Diomedes Wagen beno- 
gene Gemmenfragment der Sammlung Jenkins ^), abgeb. 
in inghirami's G. 0. tav. 78 sowie die Gemme gldchen 
Inhalts in den Impronte gemm. VI. 99, ist einigermassen 
nweifelhaft , mag aber doch hier seine Stelle finden. — 



Abiebnen muss ich zwei auf Vers 825 und 855 be;2o- 

2)^ Uei^llfgsgeben laei^t io Gf aUaniV M« J. L p« fiS.tiid la 
Visconti'» Opere varic 1. p. 121. ,.„/ , / . 



grae Visea, fie ebie4StackeIber|r'g Orftbera iw HcUe- 
nen 14. 1 ^) und die andere in Inghirami^s 6. 0. tar.79. 
Beide sollen Ares von Athene angegriffen darstellen , beide 
aber stellen , wie ich fest überzeugt bin , nur eine Scene 
des Oigantenkampfes dar, wie sie ähnlich noch mehrfach 
vorkonunt 



V. Sechster Gesang. 

grosse und interessante Reihe von Denkmalem, 
diejenigen y welche Bellerophon's Schicksale und Thaten 
Mm Gegenstande haben , glaube ich nach dem Prinzip mei- 
ner Sammlung , die politischen Quellen der BildweAe , die 
Kreise der Po^e als Grundlage der Eintheilung und Anord- 
nung festzuhalten , hier ausschliessen und für eine andere 
Abtheilung dieser Arbeit vorbehalten zu müssen. Allerdings 
erzählt die Dias Bellerophon's Leben (VI. Vs. 1&5 ff.), und 
manche Kunstdeukmäler stimmen in ihrer Darstellung mit 
den homerischen Versen überein. Aber erstens ist die Er- 
zählung bei Homer eine Episode und der schon von Wel- 
cker zu Ingh. G. 0. S. 593 aufgestellte Grundsatz ist fest- 
zuhalten , dass episodisch eingeflochtene Begebenheiten aus 
dem Kreise der Gedichte zu entfernen sind , welche sie ge- 
legentlich berühren ^). Dann aber zeigt hier besonders deut- 
lich die Vergleichung der Denkmaler unter einander^), dass 
sie ihre Quelle in anderer Po^ie , in der auf localen korin- 
thischen Mythus begründeten euripidetschen Tragüdie (oder 
zum Theil in diesem localen Mythus selbst) haben, so dass wir 

3) S. Welcker la Ingh. 6. 0. S. 596. — i) Inghirami 
hst dies nicht gethtD, and daher eothäU dann seine „Galeria omerica^ 
ein buntes Gewirr aller denkbaren Heroenmythen , welche anch nur 
mit einem Worte in der Ilias oder Odysseia berflhrt sind. Darin ist 
kein Prinaip. — ^^ M Alleles Handb. g. 414. 1. S. 701 f. der nene- 
ften (Welch or'fchen) Ausgabe. 



9ie hier aussehliessen mfissen. Denn nieht darauf kann es 
ans ankommen, möglichst alle Verse Homer's mit Bildern 
gleichsam «n illustriren , sondern nur darauf, durch Zusam« 
menordnen der Poesien und der Knnstdenkmaler die Einwir- 
kung zu bezeugen, welche die verschiedenen Mythen- und 
auf die bildende Kunst gehabt haben. 

1. Diomedes und Glaakos Waffentausch ^ Vers 315 ff. 

» 
Ausser zweien geschnittenen Steinen haben wir h|er 

ein alterthfimliches Vasenbild anzufiOhren, welches in and<|u- 
tungsweise nalVer Manier, wo nicht gewiss^ so doch sehr 
wahrscheinlich nnsere Sceue enthalt 

Nro. 18. Lekythos von Attika in der Sammlunf 
des Consul Fauvel in Athen (Taf. XVI. Nro. 13.), abgeb. in 
V. StackeLberg's: IKe Gräber der Hellenen Taf. XI. I. 
Die beiden Hauptpersonen stehen einander so gegenflber, dass 
ihre mit den Lanzen bewehrten Hände sich kreuzen , worin 
wohl nur ein gegenseitiges Darreichen der Waffen aus^e* 
drfldLt sein kann, indem Aehnliches in allgemdner^r Bedeu«* 
tnng gewiss nicht vorkommt Es scheint, dass auch die Schilde 
gewechselt werden sollen, wenigstens hat der links stehende 
Krieger den seinen vor sich auf den Boden gestellt Umge- 
ben sind diese 'beiden Hauptpersonen von zwei mit den Ge- 
berden des Erstaunens wegeilenden phrygischen Bogenschflt- 
zen, einer sehr passenden Andeutung des trolschen Schladit- 
feldes. 

Von den erwähnten geschnittenen Steinen ist 
Nro. 19., in der florentiner Oallerie (Taf.XVL 
Nro. 6.), bereits von Oori, Mus. Florent Gemmae H. 39. 1 
und danach von Inghirami in der GaL cm. I. 85 (auch 
Gal. Myth. 151. 569.) edirt Die beiden Helden halten sich 
zärtlich umarmt, wahrend der eine derselben Schild und 
Lanze af^gelegt hat Der Umstand, das Beide ganz gerflstet 
ersehdnen, lAsst uns hier nicht an irgend eine Daistellunf 



eines der berfihmten griediischen Freondespaare dtAen^ 
aondern macht es klar, dass hier eine Vers^hninii; nach 
dem Kampf oder Aehnliehes gebildet werden sollte» Blefttr 
ist aber unsere homerische Stelle ein eben so bertthmtes wie 
passendes Vorbild. -^ Die Mwette Ckmme 

Nro. 20. f bisher unedift, ein Carneol in iMin(TaCi 
XVI. Nro. 7.), bei Toelken ü. 158, zeigt ebenfalls eine 
Vmarmnng. gerosteter Krieger, wenngleich mit weniger thea-r 
tralischem Vortrag. An die kostbare , goldene Rflstnng, 
welche Olankos , von Zens Terblendet, gegen Diomedes viel 
geringere hingab, hat der Künstler erinnert, indem er die 
Rtlsfung des links stehenden Helden aufs Sierliehste arnar« 
beitete , wtthrend der rechts stehende (Diomedes) keben Hbr- 
nisch , sondern mar Helm und Schild trägt 

2. Beki&t in Troia , Vers 358 ff. 

Die hochpoetische ErMhlung von Hektor's Besneh ija 
der Stadt , als Diomedes furchtbar drängte, sein Zusammen- 
treSen mit der Mutter und der Gattin, sowie sein Abschied 
von dieser, ist nicht ohne bildliche Darstellung geblieben^ 
wenngleich die nunttcbst ausfahrenden Vasenbilder Hektor's 
Begegnung mit der Mutter unter dem Einfluss der vielf«* 
choi HeldenrttBtuiigs - und Abschiedsscenen darstellen» 

Hektor mit Hekabe und dem vom Künstler nach d^at 
erwftbnten Motive binzugeCOgten Priamos sehn wir m* 
nächst in 

Nro. 81., einer Amphora mit gewundenen Henkeln im 
vaticanischen MuseMm (Hfis. Greg. U.60l2X (TaCXVk Nro. 
1^)» <thgeb* in^erbard's anserl^ Vasenbb. iO< 189^). la 
der Mitte des. vortrefflich gezeichneten Bildes steht Hektar. 
(IL^jiOS EKTQP) gaw gerüstet, bärüg, er reicht eiae 

8J Früher einzela heraasgegeben yon Campanari, il congedo dt 
Ettore, Collo; vgl. Boll. 1834* p. 60, 177 tind W dicker m IngU. 0; 



THnksdMle der jagendlich acten gematten Sekabe hin , dt^ 
reo Namen (EKABH) avft Versehen ebenfalls zu ihm steht, 
und die eine Oinocho^ hält, aus der sie ihm den Trank ge- 
geben bat Hinter seinem Sohne steht, ron vom gesehen, 
was auf Vasen sehr selten ist , Priamos {ILPIAMOS) eia 
würdiger, königlicher Greis, nachdenklich, etwas tra«ri|; 
auf seinen Stab gelehnt, die rechte Hand zum Haupt evh«» 
ben. Gerhard, wie auch der erste Herausgeber, will hier 
nicht unsere Scene der Uias anerkennen , in der Hektor des 
ihm von der Mutter gebotenen Trank hastig ablehnt; udd 
darin hat er gewiss Recht , dass wir eine Illustration suf 
Blas hier so wenig, wie Oberhaupt in alter Kunst babeai 
Gerhard setzt den Abschied des zum Kampfe ausziehenden 
Hektor an die Stelle, scheint mir aber vergfessen zu habeo, ei»« 
nerselts dass, so wenig Hektor, gleich anderen Helden^ die in dke 
Premde zum Kampfe gehn, ein bestimmtes Mal zum Kampfe 
auszog, da er ja in der belagerten Vaterstadt ab deren^Tdr-^ 
theidiger blieb, und also gar nidit oder tagKch wieder auszog, 
dass, sage ich von einem in der Poesie geschilderten Auszug Hek* 
tors ebensowenig irgend eine Spur ist ; andererseits, dass der 
6. Gesang der Iliaa zu den schönsten und berfihmtesten gehörte^ 
so wie dass die Tragödie sich des Stoffes bemächtigt hatte. Ob ii 
dieser das flOchtige Begegnen Hektor's mit seiner Mutter w 
einen so förmlichen Abschied von seinen Eltera verwafld A 
worden sei , wie wir ihn hier sehn , wissen wir nichts mög*' 
lieh ist's wohl, und danach könnte füglich die Tragidiu 
als Qudle unseres schönen Vasenbildes gelten; aber nö^ 
Aig ist dies nicht, felis man sich nur des fein g^Hgeii 
Verhältnisses erinnert, in dem die bildende Kunst zur:Po4(sia 
stand,, und, den schoa oben berührten Einfluss häufig wieder- 
holter Mulereien, wie Abschiede, Btistungen u. dgL* m«, auf 
die Dairstelliittg individuell zu fassender Seenen in Anschlag 
bringt. Ich zweifle danach' ebenso wenig; wie Welckei^a. 
a. 0»,.dasß dies Bild zu unserer Scene gehört« -* Stilist 
von dem folgenden Vasenbilde muss . ich nodi dasa^lbci^^ b«« 



^, otron ,] 



~ in — 

bMipten f obgk^ 4ies sieb noch weiter von dkm n eutinr. 
nen scheint, was Homer ers&blt bat. 

Nro. 29. Tyrrbenische Ampbora, aus Caniiio'- 
scbem Besitae, jetzt in München ^), abgeb. in Gerbaril's 
auserL Vasenbb. IIL 188. Die Gruppirung ist dieselbe wie 
in iler vorigen Nvmmer , nvr ist nicht die Darreichiing des 
Abschiedstrankes , sondern die ROstong des sehr jugendli- 
dien Hektor {HEKTOP) gemalt, der sich die AchseU 
klappen des Panzers festzuziehen scheint. Oder er Offnet, 
lüftet den Panzer, denn dass er ihn anziehe ist wenigstens 
nicht dentlicb. Hekabe, die auch hier als blühende Frau 
dargestellt ist {HEKABE) ^) reicht ihm den Hehn dar. An- 
dererseits steht, kahlkopfig , greisenhaft auf seinen Stab ge- 
lehnt, Priamos (JIP/^MO^), die rechte Hand fast mehr mit 
dem Gestus des Belehrens als der väterlichen Ermahnung an 
seinen Sohn erhoben. Ueber Priamos noch die Malerinscbiifl 
EFPAOIES EVQYMUESO nOAIO A9B ist olloXiov seil. 
vMQ 6). — Diese Darstellung entfernt sich wie> bemerkt, noch 
mehr von Homer's Erzählung als die der vorigen Nummer, 
und dennoch, wenn man nur Hekabe's Darreichung, oder viel- 
leicht das Abnehmen des Helms, als Act der Freundlichkeit, 
ab eine Sichtbarmachung ihrer gegen den Sohn IL VI. 264 ff. 
ausgesprochenen, mütterlichen Vorsorge und Tbeilnahme auf* 
fiust , ist das Bildwerk von jener Stelle und Situation we- 
niger fem, ab es auf den ersten Blick scheinen mdgte ''). 
Priamos bt hier wie in der vorigen Nummer aus gewühnli- 
chen AbschiedsBcenen, aber nicht ohne Ausdruck hinzugefügt. 
Noch das verdient bemerkt zu werden , dass die Haler um 
so eberAnlasB hatten, unsere Scene mehr im Sinne der Hei« 

4;) Vgl. Hofl. 6tr. 1386, R^enre 33 , Boll. 1^9. p. 137 , 182, 
Rapp. Tolc. Ifote 400, 698; Rochette im Journal des Savonto ; 1835, 
p. 217, Weleker aa logh. G. 0. S. 596. ^ 6^ Nach Rochette 
a. a. 0. Bteht die iolischeForm HEKVBE auf der Vase, unsere Zeich« 
nung hat deutlich das archaische A mit schrflgem Querstrich. — 
6^ Vgl. noch Gerhard a. a. 0. S. 82. Note 8. — 7) Aehnlich 
MSfl Weleker die Sache a. a. 0. S. 596. 



— 4111 — 

denabfldiiMle «n fiusdh^ ä\n Hektor imVelrfoIg desMbenOe- 
BBBgeSy 80 von Androoiaebe sich ilrenht, als sei es beim er* 
sten Ansjrag^y und mit dem mehr oder weniger kla^n Bewusst- 
srin y dass es der leiste vor seinem Tode ist Dass dies die 
Kunst auch auf die Eltern überträgt, scheint mir kein albra 
weiter Schritt ~ Der Revers ist bi&chisch. —Ohne die Bei- 
Schriften encheint fast gans dieselbe Gruppe wie in Nro. 21 auf 
einer Amphora des Grafen Lamberg, abgeb.in Laborde's 
Vases Lamberg pl. 21. Hier hat Hektor den Helm in der 
Handy Hekabe halt Trinkschale und Oinochoft, und scheint 
dem Sohne den Trank darzubieten, den dil^er aber, zum 
Weggehn bereit und auf die Mutter zurflckblidLend , ab* 
lehnt Links steht Priamos bekränzt , nicht auf den Stab 
gelehnt , sondern mit dem Scepter. Hektor's sehr gut ge^ 
zeichnete Figur entspricht mit ihrem Gestus der Ableh- 
nung und des Fortstrebens den homerischen Versen von 
den drei Vasen am meisten; da aber die Beischriften feh- 
len , kann auch eine Abschiedsscene allgemeinerer Art ge- 
meint sein. — 

Etwas Anderes scheint es allerdings um die folgenden 
Bildwerke zu sein, die ich zu den Kyprien angefahrt haben 
wfirde , wenn wir ans den Kyprien die Spur von einer al- 
lerdings vorauszusetzenden allgemeinen Rüstung, einem Aus* 
Zug der Troer bei der Landung der Griechen hätten. Und 
doch gehören sie vielleicht zu den Kyprien ; nur lässt das 
sich nicht entscheiden« — Diese Bildwerke zeigen Rüstungen 
und Abschiede durchaus oder wenigstens zum Theil trotsch 
kostumirter oder mit troKschen Namen bezeichneter , sonst 
aber wenig charakterisirter Personen , die also , wo die Na- 
mensbeisdiriften fehlen , mit einzelnen Helden der Dias zu 
identificiren , verlorene Mühe ist Den grtfssten Reichthum 
an Namen bietet hier 

a) eine noch unedirte Kelebe der Sammlung Campana 
Mtirt bei Gerhard, auserl. Vasenbb. IH. S. 81. Nro. 2. 
Wir finden ügiafiog, faxaßoy Ehjoqj H$nnofjiaxog, Ktfigio^ 

OT«rb«ek» hwglwha O i Mf k. 20 



vßCf J50>^fo Jßt^ovoi^ Jl9i^yßf f,Mßf^^ y 4/k¥H i^tUr 
vuao) und K4oviQ. VergL iif»cb i^. Zeit« v.lSMw Ni^. 4S. 

b) Eipe fast *ebei|8o figurcn- uii4 inschTifteweidie 
Amphora, froher in Durapd's Be^iüse (Nr^, 3fM) »), j^M 
im pariser Mfliizcal^net , ahgeb« in Qerhard's auserL Va- 
senhb. IIL 190, 191. Die Inscbriften geben jedoidi niobt im 
wirklichen, sondern symbolische Namen, Ober w^ldm kh 
anf Oerhard's Text verweise. 

c) Ohne Inschriften finden wir eine gan^ ihidicbe EilSr 
tungsscene auf einem athenischen Lekythos, abgeb. in 
Stack elberg's Gräbern der Hellenen Tal 10. 1. Die Deiii. 
tiing der eimtehien Personen scheint mir sdir precär % 

d. e. f) Drei Vasen der Feolischen Sammlung, inCam» 
panari's Verxeichniss Nro. 105, 106, 107 sollen Heklpr's 
Abschied von Priamos und Hekabe, bald in Anwesenheit 
von Paris, bald ohne dieselbe enthalten, sowie 

g) ein viertes Gefass derselben Sammlung (Nro. 104), 
Hektor in Unterredung mit Hekabe vor riner Halle, dann An- 
dromache mit Astyanax, Priamos mit Paris nahe am skaii- 
schen Thore darstellen solL — Auf solche eben so schwül* 
stige wie unklare Beschreibungen ist aber wenig Gewicht nu 
legen , weshalb ich auch die Bezeichnung, welche der Prin« 
von Ganino einem Gefksse in seinem Besitze (Nro. 1118.) 
gab: «Hector partant pour le combat^ lieber auf sich be- 
ruhen lasse ^% — 



In verwandter freier Weise wie die Künstler Hektors 

6J Vgl.. Kram«r, aber Stil uifd H«rkaoft der benuilten Thon- 
gefAsf» 9. 6t f. , arcli. Inlelligenxblatt 18ai6. 8, M>> — l^y Vgl. 
Welcker zu Ingh. G. 0. S. 597 and G|^rhar4 i« fh 0. S.Si.Hote^» 
— ±0) Eine Reihe von Vasen im britischen Mqsßum , jiind in dessen 
Katalog mit der Beseichnung „the parting of Hector« versehto, ohnö 
daas in der Beiehrsilimig wenigstena eine fitowftbr Hge. fis JfndAua- 
sngs- und ROitnngmeaen vm Tbeil mit «lagffqiicbtea troifchea 
Figuren. 



- m - 

B^geffnimg mit Hektbe in einen Abschied des Helden von 
beiden Dltern verwandelt haben, scheint Hektgr's Besuch ii| 
Paris Behausung bei Helena und seinem vom Kampfe snrttck- 
geaogenen Bruder (D. VI. Vs» 312 £) , n|it seinem Ab- 
schied y0i| Andromache comhinirt zu sein in 

Nro. 23, einer volcenter Kebele bei Hrn. FeoU 
in Rom, von der Panofka in der archaoL Zeitung von 
1847. Beilage Nro. 2 S. 24^ Nro. 22 Folgendes berichtet; 
„auf einer Kelebe phOnizischen Stils, ebenfalls neuester Aua« 
grabung von Volci erblicken wir Paris gegenüber der He« 
lena, ersteren mit dem Bogen in der Hand, dem Kilcher 
auf den Rücken, Flügeln an den Füssen (?), darauf An- 
dropficbe verschleiert gegenüber dem Rektor in voller 
Rüsfping, dafiinter einen jungen Kqappen mit jswei Pferden, 
Kebriones, sammtliche Figuren init paläograpU- 
scher Namensbeischrift^. — Es ist auch aus der Be- 
schreibung dünkt mich , klar , dass hier vielbekannte Ab- 
sdnedsscenen auf die Darstellung einer speciell und anders 
in der Poi^sie charakterisirten Begebenheit ihren Binflus» ge- 
übt haben. — Auf den Zwischenact im Hause des Paris be- 
sieht Welcker zu Ingh. 6. 0. S. fi07 vermuthungsweise 
die Amphora des Prinzen Canino im Mus. etr. Nro. Uli. 
(mit uuleserlicheu Inschrifteu). Ein ganz gerüsteter Krieger 
wiend^ sich zum Fortgehn , neben ihm ein Hund , wie sie 
mehrfach bei Heroen vorkommen, vor jenem ein phrygisch 
bekleideter, Bogen und Streitaxt haltender Krieger, dann ein 
Greis im Mantel, den Kopf trauernd auf die Hand gestützt. 
Es ist allerdings sehr möglich, dass hier in frder Wejse die 
Scene wiedergegeben sein soll, wo Rektor und Paris zum 
Kampfe gdin, aber auch hier dieselben Einflüsse, die schon 
mehrfach hervorgehoben sind, und welche auch PriamosZu- 
fflgung veranlasst haben. -^ Dass die in Rede stehende Scene 
in Paris Behausung in den Vasenbilde ausgedrückt sei, wel- 
dtes Inghirami in seiner Gal. om. U. tav. 251 nachträg- 
lich nach einer Deutuiig 4^ Bischof Mfl^^r ver(^4¥itlicht 



i 



— 4M — 

hat, glaab€ ich nicht , obgleich Weicker m bgh. 6.^0. 
S. 697 deoselben zunstimmen scheint Mit grösserer Wahr- 
scheinlichkeit ist auf Hektor's Besuch in Paris Hause 

Nro. S4., ein pompeianisches Wandgemtlde, 
abgeb. im Mus. Borb. XI. 7 besidibar. Bektor sitst, gegen 
die Erzählung in der Ilias, auf Helena's Bitten ansruhend. 
Vor ihm steht in phrygischer Tradit eine Figur, welche, trotz- 
dem dass der Kopf fehlt, wohl als Paris zu erkennen ist 
Diesem bringt Helena in langem Gewände einen Helm , fie 
wiedererwachte Kampflust des Gemahles anzufeuern und zu 
bestarken. Als gewiss gebe ich die Deutung nicht, aber sie 
ist sehr wahrscheinlich trotz der Abweichungen vom Dichter. 
— Auch in etruskischen Spiegeln wird der Gegenstand er- 
kannt , ohne dass ich jedoch die Deutung vertreten mOgte. 
Siehe die arch. Zeitung v. 1848. S. 2d0. — 



Auch der berühmte Abschied Rektors von Andromache 
(Vers 328—393) ist nicht ohne Kunstdenkmäler geblieben; 
von den zwei ausser einigen geschnittenen Steinen erhalte- 
nen , ist aber leider nur eines , und zwar das spätere und 
minder sichere publicirt , ein schönes Vasenbild im brit Mu- 
seum noch unedirt Voran aber müssen wir als 

Nro. 25., ein nur literarisch überliefertes Monument 
anführen, das Gemälde zu Velia in Lucanien, welches 
nach Plut Brut cap. 23 die Porcia zu Thränen rührte. Ge- 
naueres giebt uns der Schriftsteller nicht an, ab^ wenigstens 
den dargestellten Augenblick, wo Andromache ihr Kind von 
Hektor, der den Knaben geküsst hatte, zurückempftngt^ 
und wo sie den Gemahl mit dem ahnungsvollen Blick zärt- 
lich anschaut — 

Nro. 26. Volcenter Amphora mit rothen Figu- 
ren, früher in Canino'schem Besitz (Mus. ätr. 1002.), jetzt 
im britischen Museum Nro. 810 ' 0* So wie wir in Nro. 10. 

ii) Vgl. Rapp. volc. p. 153. Note 309. 



IL 11.^ AshiUeiig oocl Brisels auf Avers und Revers der 6e- 
filsse getrennt sahen, finden wir hier Hektor und Androna- 
che mit Astyanaz. Hektor steht in griechischer Weise ge« 
rflsfet, die Rechte auf den Speer gestützt , mit langen, auf 
die Schultern herabfallenden Locken (wie in Nro. 21.) auf 
dem Avers, auf dem Revers Andromache den Knaben Astya- 
nax, weldier die Hftnde gegen den Vater ausstreckt , auf 
dem linken Arm. Andromache trägt eine eng anliegende 
Haube , welche mit einem Diadem über der Stirn befestigt 
ist, dne Stephane (? crown) und Ohrringe, ist bekleidet 
mit langem Chiton und Peplos, erscheint also feierlich als 
Ftirslin. Sie blickt zurttck und scheint ebenfalls nach hin- 
ten einer INenerin zu winken, — 

Ziemlich charakterlos erscheint sodann das dritte Denk« 
mal dieser schonen Scene, 

Nro. 27., ein Relief in Villa Mattei in Rom (Tafel 
XVI. Nro. 17.) , abgeb. in den IHon. Matteiana vol. II. am 
Schluss und danach in der 6al. om. L 90 ^^). Die beiden 
in der Ilias so tief bewegten, so zärtlichen Gatten stehen 
hier ruhig neben einander, Hektor mit erhobener Linken 
redend zu Andromache , die sich zum Weggehen zu wenden 
scheint) aber auf den Gemahl zurttckschaut Astyanax fehlt 
Welcker's in der Note migefldirte Worte können sich 
woM nur auf den Mangel an Charakter beziehen, denn eine 
andere Erklärung scheint kaum möglich, da Grabreliefe, 
welche ein scheidendes Ehepaar zeigen, woran man denken 
könnte, durdigehends anders aufgeftsst sind. — 

NaYv und anmuthig ist sodann die Scene in 

Nro. 28«, einer unedirten Gemme von gestreiftem 
Sardonyx (TafelXVI. Nro. 14.), in Rerlin (Toelken IV. 
284) dargestellt. Hektor, den Schild abgesetzt, steht vor 
seiner Andromache und streckt die Hände aus, um sein Söhn- 
chen zu empfangen, das, auf den Armen der Mutter getragen, 

12) Vgl. Welcker lu logh. 6. 0. S. 609. „Nicht sicher, 
abe^'doeh oicbl vnwfthrscheiDKcli.«« — 



- 40» - 

sidi an ihre Brndt drängt , Erschreckt vtfr dem HiäLendeit 
Hefanbiuch des Vaters. Von dem Reüi der homerischen Verse 
ist Etwas in diesen gut {geschnittenen Stein übergegang^en. — 

Viel weniger bedeutend ist: 

Nro. 29., eine braune antike Paste (Taf. XVI. Nro. 
lA.), ebendas. (T o e 1 k e n IV. S85), ebenfalls nnedirt Rektor 
wendet sich , zurückblickend, zum Weggehn , das Knäbcben 
auf Andromache's Arm streckt ihm die Hand nach. — Sehr 
dgenthflmlidi ist sodann die Vorstellung in 

Nro. ao. y einer Karneolgemme (Taf. XVl. Nro.a), 
ebenfaUs der Stosch'schen Sammlung (Winckelmann DI. 
Nro. 964.), audi in Berlin (Toelken IV. 188), abgeb. in 
der O. 0. II. 205. Man sieht die Mauern und Tbflrmf^ 
Troias nebst dem skaUschen Thor, vor welchem Androma- 
che mit dem Kinde auf dem Arme steht Sie sowohl, wie 
der von ihr forteilende, riesig gross gebildete Bektor sehen 
auf die links an der Mauer klein dargestellte Sdileiflfng des 
Hektor. Ist das Gedankenlosigkeit, oder ist etwas Sinnvolled 
nur ungeschickt ausgedrflckt? indem durch Hektors späteres 
Schicksal sein Abschied als ein solcher ffir ewig beseich^ 
net wird? — 

VI. Siebenter Gesang. 

1. Aias und Hektor's Zweikampf. Vers 162 ff. 

Eine Reihe von Zweikämpfen oder voti Kämmen zweier 
Krieger in Vasenbildem lassen sich auf diesen beziehen , so 
gut wie auf jeden anderen Kampf , und sind auf denselben 
bezogen worden ; wir halten uns mit diesen Dingen nicht auf, 
sondern wenden uns zu einem der bedeutendsten, wenn auch 
nur literarisch überlieferten Kunstwerke des Alterthttms , zu 

Nro. 31., der Statuengruppe desOnatas in Olym- 
pia, als Weihgeschenk der Achäer. üeber dieses grossar- 
tige , etwa den letzten siebenziger Olympiaden angebörige 
Brzgusswerk eines der bedeutendsten griechischen Bfldner 



^ 40f ^ 

berichtet nns Paus^fiitt V'« 2liiSialeiiilicl'Aa8fahrUehesy wenn 
auch nicht Ausreidiendes, . Es w^r der. Augenblick gewählt, 
wo nach Hektor^s Ausforderung sich neun Helden zum Zwei* 
knüpf mit ihm bereu erklärt hatten , Agamemnon , Diome- 
de§, dieaimAias^ Idomeneus, Iferiones, Burypylos, Thoäs^ 
Odfssevi, dei^n Loose Nestor in dem Helm sammelte. INe 
genannftn 9 Helden, vin denen Nero den Odysseis noch 
Born geschleppt haben soll , so dass Pausanias nur 8 sah^ 
standen auf gemeinsamer Basis, wahrscheinlich im Halbkreis 
anfüestelit, ihnen gegenüber auf eigener Basis Nestor mit 
dem Looshelm. Nur Agamemnon war der Name beigeschrie* 
ben, von Idomenens giebt Pausanias das Sehildneidien (ei* 
nen Hahn) an. Auf demselben Schilde hatte der Kfinstler 
sich in einem Dutichon genannt. Die gans» Bedeutsamkeit 
eines so ausgedehnten Werkes ftthlt man besonders lebhaft 
nach Brunnes feiner Charakteristik der Kunst des Onatas*). 
Nro. 33. Der Zweikampf seljist war nach Pausan. V. 
19. 1 an iem Kypseloskasten dargestellt {Swischen den bei-^ 
den Heiden erschien die allegorisehe Figur der Bris von 
seheassUebcm Anebn. -^ 



m 

Der wesentlich nur Kämpfe enthaltende VIH. CkMBg 
dMr Dias ist, abgesehn von ein paar nicht bestimmt bezieh- 
baren Gemmen (O. 0. L er , 98 u. A.) ohne Bildweifee ; 
denn der Zweikampf des Dlomedes und Hd^tor aber ^ 
Leicie eines mü SKYBES beneiehneten Kriegers auf einer 
in Qerkard's ammri. Vasenbb. IH. 192 abgebildeten afchai- 
seheo Am^ora Msst sich mit dem Zweikampf beider Helden 
Vera 117 ff. unsere» Gesanges nicht identifieiren ^). 



iy S. H einrieb Briiiin, Grieehiflche Kflnstlergesohicbte 1652, 
1. S. 88f. ^ ii) Vgl. Ober 4Je Vmi noek Jahn, «rcb. Beitr. S.d9?, 
Gerhard ■« ■. 0. S.90fi uiid W«lcket'0 «Itto Deabm. HI. 8.443r. 



- 4«a — 

Vn. Neunter Gesang. 

1. Gesandscbaft an Acbilleos. Vers 173 ff. 

Die Gesandscbaft, welche der Krieprath der hartke« 
drftngten Griechen an Achilleus mit AgaMennön's Aussdh«- 
nugvorschlftgen absendet, ist in swei dgenthttmlichea Va-. 
senbildem nachweisbar. Bekanntlich treffen die Gesandten 
Phoinix , Aias der Telamoniery Odysseus und die beiden He- 
rolde Hodios und Eurybates den Peleiden in seinen Zdte 
leierspielend und Kleaandron singend (Vs. 180^ 1890* IMe- 
sen in der Einsamkeit leierspielenden Achilleus stdlen ein 
pompeianisches Wandgemälde und mehre geschnittene Stdne 
dar, welche nur nicht immer sein Zelt, sondern nach arti- 
stisch verdeutlichendem Ausdruck mehrfach eine Einöde, Fel- 
sen u. dgL als Local bezeichnen. In 

Nro. 82., einer Vivenmo'schen Gemme (Taf. XVL 
Nro. 21.) 9 abgeb. Gal. om. I. tav. 100. Ot ^^^ '^ ^^ '^^ 
ein über den Rücken fallendes Chlamydion nackte, bekränirte 
Held leierspielend auf einem kunstvoll behanenen Steinsitse 
vor einer Säule, an der seine Lanze lehnt und ftber der seia 
Helm aufgestellt ist Neben der Säule eine Amphora. Hier 
mOgte das Zelt ausgedrückt sein. — Dagegen sehen wir die 
besprochene Felsenttde in 

Nro. 38., der Gemme des Pamphilos {RAMOU 
AOY)ym Pariser Mflnzcabinet (Taf. XVL Nro. 20), abgdi. 
in der Gal. om. L 99 ^). Achilleus sitat auf einem Felsen, 
leierspielend und singend nach der emporgerichteten Haltung 
des Kopfes. An einen darren Baumstamm hat er seinen 
Schild gelehnt, auf dem in der Mitte ein Medusenhaupt, 
ringsum ein Wagenrennen in Relief gearbmtet ist ; an dem- 
selben Baumstämme hangt sdn Schwerdt, während der Helm 

f") Nach ViTensio, Gemme antiche per la pia parte inedite 
I. 5. — 9) Hier fehlt der Name des Steintchneidera , den wir in der 
Gal. mytb. 153, 567 in einer flbrigeni ^ringen Abbildimg finden ; a. 
.nach Bracci, ||e«ior. di ant.' ineis. yoI. IL !«▼. 110. 



— 4(» — 

neben (lan Helden auf dem Felsen stebt •— Bin drittem. 
Bzenplar, 

Nro. 34. y findet sich in den Impronte genun. des Insti- 
tuts 1. 78, doch kommen auch sonst noch mehre vor. — Nahe 
verwandt sind solche Vorstellungen, welche AchiUeus nicht 
lautenspielend, sondern in Trauer versunken in der Einsam« 
keit darstellen, wie z. B. 

Nro. 84. a., eine Gemme des Florentiner Musenms 
(Mus. Flor. n. gemmae ant. tab. 25. Nro. 3»), den Inghi« 
rami 6aL om. L tav. 34 mit Unrecht auf die Scene des 1, 
Buches Vs. 300 beaieht, wo Achilleus am Meeresstrande die 
Mutter anruft Er sitHt auch hier auf einem Felsen, die 
Waffen an einen Baumstamm gelehnt und gehangt, mit be- 
zeichnender Oeberde der Trauer, das linke Knie mit den Hän- 
den umfassend, wie Polygnotos in der delphischen Lesche 
Hd^tor in der Unterwelt dargestellt hatte ^). 

, Aehnlich ist diesem trauernden Achilleus in der Stel- 
lung die berühmte sitzende Statue des Mars Ludovisi, abgeb. 
n. A. bei Rochette M. I. pL 11 , Gal. om. II. 179, den 
Boohettefür den in der Einsamkeit trauernden Achilleus 
nahm. Aber, abgesehn von dem Beiwerk, dem Harnisch 
auf dem die Figur sitzt, dem Eros und Anderem ist im Aus- 
druck des Kopfes keinerlei Betrübniss und in der Stellung, 
mit der er sein Knie fasst, nur eine sehr oberflächliche Aehn* 
liehkeit mit der Stellung der Trauer, so dass ich mich von 
der Richtigkeit dieser Erklärung nicht überreden kann. — 

Nro. 35. Das oben erwähnte Wandgemälde unseres 
Gegenstandes , abgeb. Mus. Borb. XUI. 37 ist eigenthttmlicb 
genug. Achilleus , auf reichem , mit Sphinxen verziertem 
Sessel sitzend, spielt und singt. Auf die Lehne seines Sitzes 
stützt sich, bescheiden aufmerksam zuhorchend sein Patroklos, 
während rechts im Vordergrunde zwei Mädchen, kriegsgrfan- 
gene Sklavinen zu sehn sind, deren eine, auf behauenem 

a> Vgl. nch Roohette M. L p. €2. :— Biaige yerwasülto 
Gemnen fahrt Weleker la Ingh. G. 0. S. 613 an.. 



— 410 — 

Btäne siteend ans einem Blatte mitihisingett , die ttden) iM 
erhobener Hand sie auf Achilleus und etwa die Deglei^ng 
des Instnnnentes hinauweisen sclieint. Ein hinten aufgehäng- 
tes Parapetasma deutet Achilleus Zelt als Scene an. — 

IHe Cksandscbaft selbst aber finden wir in folgenden 
ffwei Vasenbildem : 

Nro. 36., Krater in Neapel (Taf. XVI. Nro. la)» 
abgeb. bei R. Roch et te, M. I. IS u. 14 ^). Achilleus 
empAngt leierspielend die Gesandten. Sieben Personen um- 
her. Zunlchst hinter Achilleus ein Redender, der einnige 
Im Bilde, welcher dadurch, wie Welcker ^) aufgestdlt 
hat, fDglich alsödysseus charakterisirt ist^). Den ihm ent- 
sprechenden Mann vor Achilleus, der ruhig in sdnen Man- 
tel eingehüllt und auf seine Speere gelehnt dasteht, werden 
wir wegen seiner Nühe am Centrum als Aias jni fassen ha- 
ben, den hinter ihm in Trauer Aber Achilleus HartnadLig-» 
keit Sitnendenden als den greiflen Phoinix. Als Patroklos 
giebt sich der einitige ausser Achilleus leicht bekleidete von 
selbst 2u erkennen , der mit den beiden Herolden Hodios und 
Burybafes, wie sein grosserer und höherer Waübngenoss mH 
den Gesandten sich unterhalt Hinter Odysseus ist eine Per* 
son der Cksandschafi mehr angegeben , als wir bei Homer 
benannt finden. — Die nwei Pferde mögen ^^ «wOlf be- 
deuten, welche bei Homer (Vs. 128, 965) unter den Aus- 
aOhttungsgeschenken angeboten werden, vertreten aber wohl 
diese Gtifeiehenke Oberhaupt. Dass sie zu diesem Zwecke 
etwas wunderHch angebracht sind, sieht Jeder leidit Im 
Ganzen wird man sagen mflssen , dass das Vaiienbild dordl 



4J Ferner im Hu8. Borb. IX, 12, in der Gal. om. 11. 252. Vgl.Neapel'B 
•nt. Bildwerke S. 242. -^ ö) Zn Ingh. G.O.S. ö97f. — 6) Welcker 
«etat hinzu : „et l9% mir , dais er sieh dem roitbaren nad mit teinem 
Spiel beichftftagten Peliden nicht unter die Angtfn «teilt, wAhrend tr 
dem UartnAckigen die Anträge macht«. Ich kann dem nicht beiitim- 
men , sondern sehe nur Ungeschicklichkeit der unbeholfenen und Aus* 
«Mehea JMalerei. ^ 7J'WI« die ter«ehiedenei» Ei^hlirei* ebMinstim- 
mead anaehmen» 



— 411 — 

iie VttgliAcMng unserer homerischen Stelle allerdings er^ 
klärt trird, dass aber für die künstleris(;he Reproduetion d^r 
PoiSsle ans solchen Monumenten wenig zn gewinnen ist -^ 

Die zweite Darstellung dieser Oesandschaft findet sidx 
in einem mehrfach abgebildeten und verschieden erklärten 
VasengemäldOy welches durch eine seltsame Combination und 
Verschmelzung zweier Scenen , so viel ich weiss , einzig in 
seiner Art ist. 

Nro. 37. Amphora im Vatican (Taf. XVI. Nro. 1.) 
abgeb. in Millin's Peintures de Vases L 14—16 *)• Alle 
Erklarer hatten die durch den rechts sitzenden Krieger schein* 
bar vermittelten und in Eins verbundenen beiden Reihen 
dieses Bildes wirklich für ein Ganzes genommen, wonach nur 
die Deberbringung der Waffen an Achilletis verstanden wer- 
den konnte. Unter Voraussetzung dieser blieb aber Manches 
räthselhaft oder konnte nur künstlich erklärt werden. Wel- 
cker schlug vor, beide Reihen getrennt zu betrachten, als 
zwei Scenen, welche so allerdings sich sehr gut erklären 
lassen. In der oberen Reihe sehen wir die Gesandschaft an 
Achilleus. Der Held sitzt in der BDtte zwischen Odysseus; 
der, durch seinen Pilus unzweifelhaft charakterisirt und mit 
einem hier ebenfalls bezeichneten Oelkranze gekränzt, zum 
Peleiden spricht, welcher sich von ihm abwendet, und Aiäs 
auf der anderen Seite , welcher ihm als Ermunterung, zum 
Kampfe einen Schild weis't Den Bärtigen hinter Odysseus, 
der ebenfalls Achilleus zuspricht, werden wir Phoinix nen- 
nen dürfen, den i:echts,.sitzendoi jugendlichen Helden am 
besten unbenannt lassen. Achilleus stützt den Arm auf einen 
Gegenstand, der unter dem Einfluss verschiedener Erklärun- 
gen als ein Gewandstück (Passeri), als ein Palladium 
(M i 1 1 i n's Zeichiier), als eine Beinsdiieoe (Win ekel mann), 

Sy Zatfst id Pa88#ri's Piotarae Etroscorum inVaienlis lil. 276, 
du« M Winekelmann M. I. Idl, 6«l. iqyth. f60» 585, GiL om. 
IL 170. Vgl Roehette M. I. 1. p. 4a> 66 , Welsker m Itagi. 0. 
0. S. 598. 



1 
l 



— 41S -- 

wddie AchiUeas von der neuen Rflstung bereits empfiuigeB 
habe, anfgefasst worden ist Eine Note M i 1 1 i n's 9) beweiset "*' * 
Undentlidikeit des Gegenstandes, in dem Welcker, wie ü 
glavbe, mit bestem Rechte, die Leier zu erkennen yorsehlägt, 
die vielfach so gehalten vorkommt, und durch welche das 
ganze Bild Haltung und Zusammenhang gewinnt — 

Die untere Reihe zeigt dann die unten mehrfach nach* 
zuweisende Waffenbringung durch Thetis. Wenn wir den 
Äusseren Znsammenhang beider Reihen aufgeben, dürfm wir 
an deren inneren, idealen wohl denken. Denn oben wei- 
gert Achilleus sich, um der Griechen gemeinsamer Nofh wil- 
len, von seinem Zorne nachzulassen, die untere Darsteliung' 
aber geh((rt der Zeit an , wo Achflleus Groll durch den 
schweren Schicksalsschlag gebrochen ist, der ihn im Tode 
seines Patroklos getrolien hatte, und wo er um seiner Rache 
willen in den Kampf und in seinen frühen Tod ging. Sol- 
che geistige Combinationen zweier Momente sind auf dem 
Avers und Revers der Vasen nicht selten, aber in zwei Rei- 
hen eines Bildes mir bisher nicht bekannt , namentlich nicht 
in zwei getrennt zu fassenden Reihen , welche der äusseren 
Darstellung , der Composition nach , so sehr ein Ganzes im 
bilden scheinen , wie diese , durch den in einer Mittelreihe 
sitzenden Helden scheinbar so eng verbundenen. -- 



VIDI. Zehnter Gesang. 

1. Doloneia. Vers 330—461. 
Die nachtliche Kundschaft gegen das Lager der Troer 

9) P. d. V. a. a. 0. Note 6: sein Zeichaer habe ein PaUadiom 
aogenonmea, „yerleitet par qnelqnet traces qoi paraiaMient iadiqver 
des jimbes töparftetf et no bonclier«^. Diese traces, ofltobar gride, 
▼erticale Linien sind von Bedentnng. 



— 41« — 

i* adint^ Bnebe der llias, ist die älteste poeflsehe Bnih«» 
lung^, ia der Klugheit und Starke sieh in Odyssens undDio- 
nedes verbinden zu einem Bunde, den seines poütisch-psycbo-» 
logisdien Interesses wegen, die spateren Gedichte nehrfaeh 
benutaen und erneuern. Unter den Kriegsscenen der Dias 
dfirfte diese nachtliche Expedition nebst dem Deberfall des 
Lagers der neuangekommenen Thraker unter Rhesos n den 
dichterisch am reichsten ausgestatteten , zu den interessan* 
testen , spannendsten und mannigfaltigsten gehören , woraus 
allein schon sich eine häufigere Darstellung ihrer Scenen in 
der bildenden Kunst leicht erklärt Debrigens ist nicht n 
vergessen, dass Rhesos Tod zu den von der Tragödie beban- 
delten Tbeilen der Uias gehört. Zahlreich sind allerdings die 
Monumente nicht, aber da sie den verschiedensten Epochen der 
Kunst angeboren, kann uns ihre an sich geringe Menge als 
Zufall der Erhaltung erscheinen , und darf uns eine durch 
Jahrhunderte fortgesetzte, oder oft erneuerte Kunstthätigkeit 
ffir diesen Gegenstand vertreten. — 

Wir beginnen unsere Bilderschau mit einem gar origi^* 
nellen und vortrefflichen Vasenbilde , 

Nro.a8., derKylix desEuphronios ') ([£Y<DP]0. 
NI02 IBnOIjBSEir) im Besitze des Herzogs von Luy- 
nes (Taf. XVn. Nro. 2.), abgeb. in den Monumenten des 
Instituts II. 10. A. ^) Dolon, ganz in das WolCsfell, wel- 
ches er bei Homer umhängt, so gekleidet, dass sich dasselbe 
seinem ganzen KOrper eng anschliesst , ausserdem mit Helm 
und Wehrgehenk versehen, wird fliehend von Diomedes 
(JIOMJBS, so, rückl.) und Odyssens {OAVTEVS rttckl.) 
ergriffen und von beiden Seiten bedroht. Es ist ganz die 
Situation, welche Homer in den Versen 976 u. 77 ausspricht 
— Diesen bei Homer handelnden Personen hat der Künstler 
noch zwei Gottheiten als Zeugen hinzugefügt, Athene, die 

ij Derselbe Kfliislleniame auf der TroUosscbale Taf. XV. Nro. 
6 V. 7. ^ ;S9 Vgl. de Witte, Ann. VI. 295 und Welcker s« 
Ingh. 6. 0. S. 598 f. 



Ofübwrai Yen 4Mi ff. vor «lleii GMIerii awrftt Jl#i» A». 
wefeaheit also p^sünlich 2a OMchen dem Künstler se^r nahe 
lag, und Hermes, der so oft die Heroen begleitet nnd mit 
4tbeae «isammen Zeuge ihrer Thaten ist, der aber hier als 
Id^llieniies recht eigfsotfich an seinem Platae ist — Es iist dies 
W hd seiper, selbst in den vortreffllich vom Besitaer restan- 
nrten Fragmenten, unverkennbar guten Zeiehnung durch ori- 
giUfplle Reproduction der Poiisie in alle Wege ausgeaeidine« 
Uß Yasenbild« — Ungleich unbedeutender, jedoch nicht ohne 
^enthttmlichf^ Verdienst ist 

Nro. 38. , ein aus Tischbeines Homer nach Antiken 
in Ifighiraipi's OaL om. I. 105 wieder abgebildetes ar* 
cha'i'sches Vasepgemälde, welches einen frtthorenMo- 
ifient nicht ungeschickt ausdrückt In der Mitte sehen w|r 
Dolon rechtshin schreitend, indem er zurflckschaut Er ist 
4^^ phrjrgische Tracht (Mütze und Anaxyriden) sowie 4VF1JI 
den Wol£9schwan2 bezeichnet , der als einziger erkepuli^p^ 
Theil des Felles, in das er gekleidet ist, ähnlich herabbungl, 
wie bei dem Dolon unserer vorigen Nummer. Es scheint, 
dass er die Tritte der ihm entgegenkommenden griechischen 
KMn^siifiaften hürt, denn er schreitet giir behuts^mi weiter, 
und hat Schild und l^anze hoch erhoben, wodurch Qespaiutr 
heit und die Bereitschaft, bei nahender Gefahr in raschf 
Flucht übermigehen, gar bezeichnend angedeutet ist — Völ-r 
lig gleich gemalt erscheinen zu beiden Seiten , nach rechts 
bipschreitend Odysseus und Diomedes in deren schleifendem, 
kufzem Tritt sich der G^ng der horchenden Kundschafter 
audi nicht pid^tj^ch ausspricht Die (Situation is$ die, weU 
che Homer ii| den Versen 343 ff. ausspricht, wo Odysseys 
iflth, den Eflgfg^komm^nden erst vorüber zu lassf», um 
ilup dfMin den Rückweg zi|m troischen Lager zif vertraten 
Ufl4 abzuschneiden. — Ganz ähnlich ist dieser Vaf^ 

Nro. 40., das Ton Welcker ^) hieher bezogene Bild 
^iner archaischen Amphora der Lamberg'schen Sammlu|i( 

8) Za iDgh. G. 0. S. 599. 



M LabArde L 88, anr 480^ P^lm nusbt so deutliefa ilaB 
Wolfsfell trägt« Phrygische Tracht beseicbnet ihn audi hier 
' uod die CompiNiition ist bis auf die Binzelheiten der ^ewe^* 
gong der Personen beinahe identisch, so dass füglich fceiaZwet» 
fei an der Deutung bestehn kann, nur ist freilich die Male4 
jei nicht so lebendig und dmr Ausdruck mcht so scharf, wie 
in der vorigen Nummer. Der Revers ist bakchisch. — 

Auch unserer Rylix Nro. 38 können wir ein was die 
Mittelgnippe betrifft, gan^ ähnlich componirtes, freilich viel 
späteres , aber in manchem Betracht merkwürdiges Vas<w- 
bild an die Seite stellen, 

Nro. 41., einen apulischenKrateraus Pisticci(Taf. 
XVIL Nro. 4.), im Besitze des Kunsthändlers Barone in Nea^ 
' pel und abgeb. iia Bullettino ardieol. Napoletano Vol. L tav. 
f. Der Schauplatz, das freie Feld mit dem Vs. 466 erw)ihn«> 
teu Tamariskengesträuch, hat seine Andeutung in ungewOhn^ 
lieber Ausführlichkeit ip 5 verschiedenen Bäumen gefunden, 
ifwischen deti^n die drei Personen der Bßndlung sich bewc^ 
gen. In allen dreien ist 4as vorsichtig leise , dabei ahejr 
picht langsame Schleidien fast komisch , nicht allein durch 
weite tanzartige Schritte, sondern durch die stark vorgo^ 
tragene Gesticulation des ganzen Körpers ausgedrückt. Do« 
Ion in der Mitte , auf dem Haupt eine Art von Pelzmütze, 
als welche der Maler die homerische anüij xvvifj (Vs. 458) 
missverstanden zu haben scheint ^), um die Schultern einen 
zottigen Mantel , welcher das WolMeU vertreten soll , mit 
dem Speer, aber auch mit Bogen und Köcher bewehrt. Er 
eilt nach links , hat aber die Nähe des ihn verfolgenden 
Ffinde? bemerk^ gegen den er umblickt und den Speer er* 
b^^bt. Diomedes, im reichverzierten HeUn und mit zwei Spee« 
rfm bewaffipet , bat den Fliehendcfi eingeholt , nicht in rfir 
8p^W:liiM|fe,.wie bei Homer upd in unserer Kylix, wo d«0 
Bewegung der Helden heftig ist, sondern im Schleichschritt, 
Ü^d streckt eben die rechte Hand aus, Dolon am Mantel fes^ 

4) Mit ilim der IfflftplAr ^IdifV ^, 117. -> 



L 



— 416 — ^ • 

mbaiten. Von der anderen Seite iehleidit Odysseas , dmriA 
den Pilofi kezeidinet , mit gesflcktem Sdiwerdt heran , die 
um den linken Arm gewickelte Chlamys als Schntnwaffe be- 
dachtsam vorgehalten. — Charakter ist in diesem Bilde, das 
ist gewiss y ob aber der Zug von Komik, der mir eben so 
unverkennbar scheint , absichtlich ist, wage ich nicht nu ent- 
scheiden. — Der Revers ist aassermy thisch, Mäddien welche 
JingUngen Kranze bieten. — 

IHe bekannte Vasendarstellung eines von nwei Männern 
beiderseits angegriffenen Unbewaffneten , aus Tiscbbein's 
Vases d'Hamilton I. 23 in der 6aL om. L 66 ^) wieder ab« 
gebildet, mit der seltsamen Inschrift Corp. Inscriptt. Nro. 5. 
versehen, wird auf Dolon zwischen Odysseus und Diomedes, 
wohl richtiger aber auf Aigisthos Mord durch Orestes und 
Pylades bezogen % — Dolon's Tod dagegen ftnden wir 
sicher in 

Nro. 48. , dem Innenbild einer Canino'schen v o 1- 
center Kylix, jetzt in München (Taf. XVII. Nro. 3.), 
abgeb. in Gerhardts Trinkschalen und Gefilssen L Taf. C. 
•^ Bei Homer schwingt Diomedes Dolon das Schwerdt in 
den Nacken im Augenblick , wo dieser ihm , Schonung fle- 
hend das Kinn berühren will (Vs. 454 f.), hier bohrt er ihm 
das Schwerdt in die Brust, indem der knieende JOngliDg 
die HlUide sowohl flehend, wie zum Versuch der Abwehr 
erhebt. Odysseus steht aufmerksam spähend zur Seite, hier, 
wie vielfach in Vasenbildern, eben so gerüstet, wie andere 
Helden. Rechts liegt, local- und zeitbezeichnend, ein phry- 
gisch reich bekleideter Mann, offenbar schlafend, wie die 
über den Kopf erhobenen Hände , trotz der gedffiieten Au- 
gen beweisen, ein Repräsentant der um Rhesos schlafenden 
Thraker, denen die Fortsetzung dieser nächtUchm Expedi- 
tion gilt — Dolon ist in eigenthümlicher Art dargestellt, 

SJ Auch Gal. myth. 150, 572. — 6) S. Wclcker in Ingh. G. 
0. S. 591, RochetteM. I. S. 284 f. , wogegen Mflller^s Uandb. 
f. 415. 1. — T) Röienre ^ir. oonpet Uro. 40. 



■^^ 



iäs WolMdl imil die phrygische Tracht f ewohnlidher Art 
ist einer eigenen 9 aus doppeltem Gflrteldiiton bestehenden 
Ctewandnng gewiehen, die Mitra im firauenartig langen Haar, 
ist die einnge flbrig gebliebene Andeutung orientalisdien Ko« 
stuns, nebst Armbändern und sogar Ohrringen für den 
Kriegor und Kundschafter wenig passend, den uns iber- 
banpt der xarte JflngUng ') nicht vergegenwärtigt Den- 
noch werden wir für die Erklärung des Bildes nur zwi- 
schen Dolon's und Rhesos Tod zu wählen haben , und die 
zuerst von Gerhard gegebene Eridärung vorziehen, weil 
bei Rhesos die Ermordung tan Schlaf zu durchaus charakte- 
ristisch, und der hier QetOdtete von dem schlafenden Thra- 
ker im Kostüm zu bestimmt unterschieden ist — Dies Va^ 
sengemälde gehört zu denjenigen, in welchen der Ausdrud^ 
aber der Ausführung des äberzierlichen Details vernachläs- 
sigt ist — Ein OHAIS KAA02 steht neben Odysseus Bein, 
die Aussenbilder enhalten Rüstungen. — 

Auss^ diesen Vasengemälden haben wir noch einige 
Gemmen anzufahren. Die von Inghirami G* 0. L 111 
auf den Auszug der beiden Helden zur nächtlichen Kund- 
schaft bezogene gebort freilich, wie schon Welcker^) an- 
nahm, ungleich wahrscheinliehev zum Palladienraub; dage- 
gen stell! 

Nro. 48. , die bertthmte Blacas'sche Gemme (Tat 
XVL Nro. 19.)f abgeb. G. 0. L 107 ^^) unseren Gegenstand 
eben so unzweifelhaft wie schön dar. Nicht zu Diomedes, 
wie bei Homer, sondern zu dem mit dem Pilos versehenen 
Qdy/wus streckt Dolon , knieend zwischen beiden Helden 
und bekleidet mit dein Wolftfell, die Linke flehend empor, 
während er mit der Rechten des. Helden Knie umfinut Dio- 
medes aber hat ihn am Haar ergriffen, und ist eben berdt, 

ifi^.Den der Prios von Caniiio fftr eine Frim iiieU: y^S^siiramit , 
Mie per soa filt««. ^ Sy Zu Ingh. G. 0.S.591. -. iO> Aoch Choi- 
ieniUOoufrier Voy. pitt. II. p. 177^ Tiichbein, Uoner nteh 
Ani III. 3 , Gel. mytb. 136, 571. 

OTerbtck« hvotocht OtfMt. 27 



ihn Ma Ktopf rom Roilpfe n treinen ^ Wmu «r ili kütfO^ 
ger HaiHllimg ien rinen Fugs auf die Beine de» KnieeaAn 
gefüllt hat -^ Es ist fein, daäi derKflnstkr auf dieae Wcüife 
beide Bddea sdaeT Onqipe in die Handfamg gesogen hat^ 
wAhrend bei genauerem AnscUusa an die Verse des Gedich- 
tes Odysseus als nfissiger Zuschauer nebM der in sich ein^ 
heitlichen 6iiin»e des Diomedes und Dolon gestanden bafeei 
wilde. *- 

Nro. 44. a-*<. Ein Scarabftns in den fenprobte 
gciim. des Instituts 10.35, eine antike Paste das^I. 80 und 
ein^ nufeifte andklB Paste aus der Stoseb'sdien SannillNig in 
Beilhi (Vaf. XVi. Nrc. 9.)» bei Toelken IV. 84a sleHeii 
detiselben Gegenstand/ jedoch in weit geringerer Cbneeptioä 
und AusfQhmng dar , während es zweifelhaft bleibt, ob fir 
einen gestreiften Sardonyx in BerUn, ebendas. Nro. 850 die 
aufgestellte Erklärung : Diouiedes iin Begdff , dem ror ihm 
knieenden Dolon das Haupt abzuhauen , feststeht > da Odys^ 
seus, durch welchen allein die Scene unnweifelhaft charak- 
terisirt würde , friilt — 

Eine bare Erfindung des Künstlers ist 

Nro. 45., die Oemmendarstellung (Ta^ XVI. Nro. 
10.), äbgek in der G. 0. I. 109, welche IHoaMdes mit 
dem abgehauenen Kopfe des Dolon in der Hand und Odys- 
seus einander gegenflber wie im Cksprädie zeigt, indem die 
Beraubung des Leichnams Vs» 458 sehr ungeschickt durdi 
das HaMen eines Kopfes mit piffygischer Mitue nusgedrtickt 
wärö "). 

Dass wirklich auf dem einen £lilbergeftos von Beiliny, 
abfeb. bei Rocbette N. I. pl. SB, Dolon's und Odysseus 
Begegmng dargestellt sei, kann idi mich durriiaun ttidit 
.flbafUengen. «— 

lij Eiac Reihe von anderen Gemmen^ die ^ineu Helden mit 
einiriK abgehaneilen Kopfe in der HAnd darstellen und die ▼eiifhi e idu n 
Mü&ci worden sind, hab* idi oben 6. id| mK einer asaea , widtf- 
scbeinlicheren Deutung versehen. tl 

' n .f'..i »■;■»'•. 'i' t-j ''ti •> 7 •> 



— 410 — 

2* Ermordang des Rhesos und Erbeutung seiner Röss^ 

(Vers 469—525.) 

Ich kann hier nur ein Tttllig sicheres und charakteristi- 
sches Monument anführen, welches die letzte Scene dieser Bege- 
benheit, die Abführung der erbeuteten, weissen Rossfs darstellt 

Nro. 46. Apulischer Eimer aus Ruvo (t'af.XVIL 
Nro« 5.), im Museo Borbonico in Neapel, abgeb. in ißer- 
hard's Trinkschalen und Gefässen II. Taf. K. ^^) — DieThat 
des Diomedes ist vollbracht, im Schlafe ist die thrakische 
Jugend um Rhesos hingemordet, drei Leiclien liegen in un- 
serem Bilde im Hinterg|?|i|l4e/:49M4iiren;9tellungen der Maler 
es fein auszudrücken gewusst hat, dass sie weder käqipfend 
hoch überhaupt stehend, sondern liegend und speciell im 
Schlaf liegend getödtet sind; daher noch eioige natürliche 

Schlafstellungen netten dem matten Daliegen der Leichen sieb 

-• • . . . . ■« . » * ■ ^ . . • 

finden. Athene hat den zu weiterem Morde bereiten Helden 
gewarnt, und sich zurückziehen geheissen; unterdessen hat 
Odysseus die weissen Rosse vom Wagensitz gelöst, an den 
sie gebunden waren, und hat sie aus dem Gemetzel fortge- 
führt dem Lager zu. Wir sehen ihn, durch den Pilos un- 
verkennbar charakterisirt , mit gezücktem Schwerdt zwi- 
schen den beiden muthigen Rossen schreitend nach rechts hiq, 
während der leichtbekleidete jugendliche Diomedes ihn ein- 
geholt hat, und, sich mehr links wendend ihm winkt, dahin 
zu folgen ^^). In dieser verschiedenen Richtung welche die 
beiden Helden einschlagen , ist es angedeutet , dass Nach! 
das Feld bedeckt, und dass der rechte Weg, den Odysseus 
bei Homer leicht kennbar bezeichnet, um ihn nicht zu ver- 
fehlen (Vs. 467) , wohl verfehlt werden könnte. — Der tiie- 
w^ i9t unbezetchnend bakcbisch. -^ Ge^nitt^p l^tein^)^ 
welche einen Krieger mit zwei Pferden zeigen, wie 6. 0. 

ii) ZaerM beschrieben von H. W. Sc hüls im Ball, des IdsU- 
luts von 1837. S. 18 f., vgl. Bnll. von 1840. S. 190. Nro. 9. — 
IBJ Vw dies, aiebt einea besonderen Av^dniek der ffAfanbeit-, wie 
Gerhard wollte, Tennag ich iä Pfc—adas Stallimg. an 



— 420 — 

hlU (Gal. mylh« 188, 664, aus Tisch bei n's Homer HL 6), 
sind auf Oilysseus mit Rhesos Eossen besogen , können aber 
auch mehre andere Helden in mehren anderen Situationen 
darstellen sollen, und mOssen deshalb als unbeseichnend hier 
ausgeschlossen bleiben. — Auch dass das bekannte Silberrelief 
lei M ica 1 i, HL 1. 45. 1 (auch M i 1 1 i n g e n, Ancient monuments 
11.14 und Malier, D.a.K.L 60.301) die beiden vom Mord 
der Thraker auf Rhesos Rossen zurflckkehrenden Helden dar- 
stelle, wie in der arch. Ztg. v. 1852 Anss. S. 170 angenom- 
men wird, scheint mir sweifelhaft, obgleich wohl möglich. — 

IX. Eilfter Gesang. 

Der ganje eilfte Gesang ist von Kampfiscenen angefollt, 
in denen die bedeutendsten Helden der Griechen verwundet 
werden , so Agamemnon , Diomedes , Odysseus , Machaon, 
Eurypylos. — Eine ganne Reihe geschnittener Steine stellt 
verschiedenartig verwundete Helden dar, ebenso wie man eine 
ganse Suite kämpfender findet Auch das Verbinden der 
Verwundeten ist häufig genug. Es kann nun nicht fehlen, 
dass man diese Steine unter die Verwundeten und Verbun- 
deneu aus diesem Gesang , unter Menelaos aus dem dritten, 
Diomedes aus dem sechsten Gesänge und noch einige andere 
Helden mit willkürlicher Freigebigkeit vertheilt findet Da 
aber fast in allen Fällen die Charakterismen so durchaus 
fehlen, dass mit Deberzeugung kein Name gegeben werden 
kann, da femer alle diese Steine völlig ausdruckslos und 
unbedeutend sind, so übergehen wir sie. — Nur eine Scene 
dieses Gesanges ist in zwei charaktervollen und interessan- 
ten Kunstwerken erhalten : 

i. Nestor reicht Machaon den Heiltrank (aus Vers 624 ffi) 

Aus oder nach den homerischen Versen, sage idi, sind 
die gleich anzuführenden Kunstwerke hervorgebildet , denn 
das was ihren naXv vorgetragenen Hauptinhalt bildet , das 
Ameicingeben, spricht Bomer nicbt aus« 



Nt9k 4ir. Teifra^ottarelief in brHiidhea Miummi' 
(Taf. XVIL Nro. 7.), abgek in Taylor Combe's Temu 
coltas of the brit Museum Nro. 20 0- Die Darstellung^ ist 
«nfa^ und klar; einen jug^endlichen Mannen der auf aier- 
liebem Stuhle der Art sitst, dass man ahnen mag, er empfinde 
Sehmerzen (die Haltung der linken Hand ist beaeiehnend), 
hat ein Aelterer in einem grossen Becher mi trinken gege- 
ben. Der Jängling halt das Gefilss auf der Hand und bliekt 
wie atfgemd drttber fort , der Alte aber hat mit der linken 
Hand seinen Arm , mit der rechten das Ctefilss selbst gefasst 
and ist augenscheinlich bemüht, ihm den Trank auEzundthi- 
gen, 3»wodnrch^y wie Welcker richtig sagt, »das Anmei- 
eingeben ntir und vollkommen ausgedrückt ist**. — DasAl-- 
ter der beiden Personen passt vollständig fQr Machaon und 
Nestor, und wenn Homer auch nicht von Arzneieingeben 
spricht, so konnte dieses doch aus dem Weinmussdarreichea, 
welches doch auch eine Stärkung nach der Verwundung war, 
Idcht herausgebildet weiHen. Die bei Homer namentlich er- 
wähnte Hekamede steht hinter Machaon's Stuhle, awei an- 
dere kriegsge&ngene Weiber finden wir hinter Nestor. — 

Nro« 47. a« , ein Bruchstflek derselben Vorstellung % 
abgeb. in Winckelmann's M. L 127 und danach in der 
GaL om. n. 119 sowie 6al. myth. 168, 577 enthUt die Köpfe 
and Oberkörper der beiden Mittelflgaren, Machaon und Ne- 
stor, in denen die Handlung völlig so klar ist, wie in dem 
vollständigen Exemplar. — 

X. Zwölfter bis sechzehnter Gesang j Epinausimadie« 
Der Gipfel der Grösse und des Sieges Hektors und der 

ty Danach in der 6al. om. IL 117. VfL Welelier ta Inyh« 
6. 0. S. 609 nnd die gana abweichende, aber yewiia irrige BrUlnuf 
M alleres in den GAU. gel. Ana. 1834. S.925, Uandb. g. 412. 1. Vgl. 
jedoch den Widenprnch Jahn't, arch. Aofti. S. 185. Note 6. — 
2J Welcher a. a. 0. setit binin: „and vielleicht deraelben Frietef«' 
wovon ich den Grand nicht einiehe, da tchwerlich ein Fries dieselbe 
Seen« aweimal enthielt. 



Trvor ^» iler Eamft oi das Lager imil die SehiA der Grie- 
chen bis SU den AugeDblidce, wo Protesilaos ScIiiiT brennt, 
und PatraUe« in Achilleus Rflatung aussieht and die Troer 
vertreibt, füllt ganne fünf Gesänge der Ilias , weklie wir 
liier ab ein mannigfaltiges Gannes nusaaunenfassen mAssen, 
wdl die SU den einndnen Partien dieser Erzählung gehöri- 
gen Bildwerke sonst gar zu sehr zersplittert werden. Wir 
fidgen demnach auch hier dem Faden , welchen die Kunst- 
gesdiiehte und die Gattungen der Monumente uns gegeben 
haben. — Dass der Kampf um die Schiffe ein im Alterthum 
vldfiach behandelter Vorwurf der bildenden Kunst gewesen 
isty können wir aus einem Epigramm des Lucilius (AnalL 
IL 341, 115) entnehmen , in dem es heisst : ygaimiv iv toi* 
X^' ' ••«{$. ^^0^ iativj iimy Ti)y ini vaval ftixV* 
-—Bestätigt wird uns dies wenigstens einigermassen dadurch, 
dass die wenigen erhalteneu Kunstweike verschiedenen Zei- 
ten und Gattungen angehören. Wir beginnen mit 

Nro. 48, , einem Gemälde des Kalliphon aus Sa- 
mos ^)y im Tempel der ephesischen Artemis, wdiches vielleicht 
einer grösseren Reihe troiseher Seenen desselben Künstlers 
angehört, indem Pausanias X. 85. 3 wenigstens noch eine 
BQstung des Patroklos in demselben Tempel von Kalliphon 
erwähnt Von unserem Bilde berichtet derselbe Schriftstel- 
ler V. 19. 1 nur dies: KalXiipcip Scißiog sp 'AQtifuiog Is^^ 
TQC ^ycaioc inottjatv ^EgiVy xriv fidx*i^ YQ^H^^^ "^^1^ sni rntg 
vavaiv ^EkXr^v<ov^ woraus weder für dieScene dieser Kämpfe, 
noch für Composition und Auffassung des Gemäldes sich Be-^ 
stiiitttisH^isWklieji*^ lä^Bf. -^ "- 

. Um so erfreulicher ist uns der Besitz einer lebensvollen 
Darstellung der Epinausimache in 

^ Nro. 49., einem candelorischen Stamnos von Volci^), 
jetzt iii Mflnehcn (Taf. XVII. Nro. 6.), abgab, in Ger- 

ij Pie Z«it der Erbanang des eph9ti0Ob«ii Artenistempeli, das 
IV. Torchrlstl. Jahrhundert bietet, wie auch Sillig, Cat. art 0. v.CaU 
liphon bemerkt, weDigsteag keinen sicheren Anhalt aU Zeitbattimnvng 
dea «onit nnbekanntenKflostlers« ~ <e) Rapp. Tolf . Kalia401« 



?.' •> 



kt^rd^ i|0til. VageMk. Hl. Taf. t»: ^ Dei^ Augenblick 
kl ftwa dar i» 15. Gesänge VenVlS anggedrflekte, wo dar 
fd&greidi vordrkigande Bektor den Seinen Mrtkiknift : olaivs 
nuti 9 &f*(» i*avtot d^Xkisg o^iyvr' dvtij» l oder derjeidgay 
Wdkken dar !€. Gesang Vers 135 ff. darsMMy wo Aiaa 
aadlich weidity and Hakior nit den Seinigea Proleailaoa Sebiff 
wiHüich äAattttdet Der Schnabel and Voidertheil des Sdiif« 
fw ist links fkhtfcar, der lel^fto Vertheidiger , Am wir nvr 
nicht Aias nennen dttrfen, wefaikt heftigen Schrittes, Hektor 
driagt nnwidantehlieh havan^ kämpfend nit dem Speer, wtii« 
r^d am Ganasa , jenem Zuruf in der llias gemäss, ihm dia 
Fackel zutragt , wekbe er in das Schiff schtendem wUlJ 
Verschiedene andere jetat folgende Kämpfer können wir mit 
den Namen Sarpedon^ Aiapias. Pe)jphdl)osji. s. jfp der Haupthelden 
des Kampfs um die Schliffe belegen, ohne natürlich jeden einzel- 
nen bezeichnen zu wpllen ; nur Paris )L||nnen wir in dem Bogen- 
schützen erkennen, welcher eilen einen Pfeil abschiesst. — 
Denken wir daran , dass hier aigentlicb dar Aiigeablick der 
gr^^tfß Herrliichlu^it Refctor'a, seines kühnsten Vordringens, 
saines |f rchtbaimtaa tkfQlgcA dargestellt ist, so wird uns der 
tiefyofttisch^ Sinn di^es f^teii »Topfoialeirs^ erp-eifen , wel- 
ker di? Rüi^Meitfi iiJi^BfiB G^fikaaes, mit ^em seiner Zeit im 
l^etra^tendeR Bilde sahmOckte, in welchem Vriaapos ror Achil* 
lauf, llehand u/ß des Sohilfs. Leicbe, kniet — 

Aussar diesem Vasei|bilda und einem in Venadig b<!find* 
li^b^li B^ef des Oagepstaadss , Nro. 50 , welches ich nur 
aiiC dcti? Apfabnmg bei Gerhard, ausarl. Vaaenbb. m* S. 
90. Nol# 88 kenne«! aowia dm ia der Gal. om. U. 135 ab* 
ff bildi«t(»i Streifea der Tabula Iliaca , der auf ein besseres 
VorbUd *wr|kk weist, bubpn wir nur nofih ein paar gescbnit. 
Iftae^tfaae aiiziiCfthraat Vob diesen zeigt uns 

Nri>f 51m ^in ^^n Inghirami in der Gal. om« II. 187, 
zuerst edirter (Taf. XVII. Nro. 8) , wahrscheinlich Hektar 
aiH gesaakter Fackel neben dem Vordertbeil eines Schiffes; 



Nro. (M. (Tafel XYH. Nro. 9.) iini Nro. 8S, jener aae 
der florentiner Gallerie (Mus. Flor. IL 87 , a«ch GaL nyfh. 
IST. 576), dieser aus Millia's Pierres gravtoi ind Oal. 
mydi. 168, &7&, abgeb. in der 6al. obl IL 1S8 il 196 da- 
gegen enthalteB die Vertheidigimg des Sdiiffei« luer dorch 
Aiasy der mit der Lanae, und den kleiner dargestdlt» Ten- 
kro8, der nüt den Bogen kämpft, dort dnrdi Aias allein^ 
welcher mit dem Steinwarf die angrdfenden Troer Yon dem 
Schiffe abavwebren strebt Gau ähnlich sind Nro. &2. a« b. 
und Nro. 58. a. drn Gemmen, yen denen nwei in BerÜn, 
bei Toelkeu IV. Nro. S2&. und Nro. 696 und einer in den 
Impronte gemm. des Instituts L 69 ftch findet — 

XL Sechzehnter Gesang. 

1. Patroklos Auszag und Tod. 

Patrokios Rüstung enthielt 

Nro. 54., das schon erwähnte Gemälde des Kalli- 
phon von Samos im ephesischeu Artemistempel , Paus. X. 
65. 2. ^ In einem Relief in Bouillon's Nus6e des An- 
tiques III. 28. 1, Gal. om. II. 256 erkennt Welcker au 
Ingh. G. 0. S* 609 Achilleus, welcher, das Feuer in den 
Schiffen erblickend, Patroklos sich rttsten heisse. Aber daas 
die drei Personen der unroUständigen Scene, denn eine solche ist 
das Relief offenbar, nadi einer Seite schauen, sowie dass Adiil- 
leus Waffen hinter ihm sichtbar sind, dies scheint mir bei dem 
für diesen Moment viel au ruhigen Ausdruck der Personen, nidit 
charakteristisch genug , um mich von dieser Bridärung an 
überaeugen. — Eine Reihe von lUstungen auf Vasen und 
in Gemmen ktfnnte man nach herkömmlicher Art mit Patro- 
klos Namen versehen , ohne dass Gewähr und Gewinn darin 
läge. — 

Patroklos Kampf gegen die Troer , sein Tod durch 
ApoUon, Euphorbos und Hektor mag, wie angenoBMuen wor- 



— 4S5 — 

den^ in einii^en Vasenbildern und g^eschnittenen Steinen ent- 
halten sein, deren Darstellungen aber zu wenig charakteri- 
stisch sind, als dass wir sie hiermit irgend welchei^i Rechte 
einreihen kftnnten. Auch dass der etruskische Spiegel in 
der 6aL om. IL 142. grade Patroklos Tod durch Hektor's 
Lamse darstelle 0» scheint mir durchaus ungewiss. — Paf- 
troUos in die Troer eindringend, enthält derselbe Streifen 
der Tabula Iliaca (GaL om. II. 139) , in welchem die Ge- 
sandsehaft an Achilleus und Patroklos Rüstung dargestellt ist 
Den Moment , wo Patroklos ApoUon von der Verfolgung dar 
Troer im Stadtthor zurttckweist, finden wir, wie schon oben 
S* 395 erwähnt, in der meisterhaft geschnittenen Paste in 
Berl», bei Toelken IV. 348, Taf. XVn. Nro. 13. 
Btouflger und sicherer als sein Tod ist nach 

XII. dem sechzehnten und siebenzehnten Gesang 

1. der Kampf um Patroklos Leiche 



völlig sicher sind hier freilich auch nur we- 
A nige Denkmäler, aber, da von allen Kämpfen über eine Lei- 
che der über Patroklos nicht allein zu den bedeutendsten 
und berflhmtesten, und zu den in der Poesie, soviel wir we- 
nigstens urteilen k((nnen , am meisten ausgeführten gehört, 
werden wir mit grosserem Rechte auf ihn , als auf manche 
andere Kämpfe auch nur halbwegs charakteristische Mqnu- 
mente beziehen dürfen. Nur müssen wir uns hüten , den 
Kampf um die Leiche des Achilleus nicht mit dem um Patro«> 
klos zu verwechseln, was von Früheren mehrfach gethan 
ist *- Wir beginnen mit archaischen Vasenbildern. Das ein- 
zige durch Namensbeischriften völlig sichere ist 

Nro. Ji5., eine Kylix, früher bei Depoletti in Rom, 
jetzt in England, abgeb. in Gerhardts auserl. Vasenb. III. 
191^191. Nro. 4 0* Patroklos bereits der Waffen beraubte 

ij Wie Welcker s« logh. & 0. S. 612 mit dem Uerautge- 
bsv •anabm» •« i') Datellwl Nro. 3 die Forni, unter den Henkel ein: 



Leiche liegt in der Milte^ Ober sie ' kämpfen svBflebst lekttr 
(HEKfOPso) und Aias') (AI AS rttdd.), dmu beideneits 
nocli swei schwergerttstete LanzenlLäaipfer, auf Aias (lektor's) 
Seite ein dritter, phrygisch bekleideter (Note fi) auf der des 
Hektor (Aias) ein hellenischer Bogenschfitz, Teukros. EndKch 
sebliessen rechts drei heransprengende, IdchtgerQstete Reiter, 
linlLS zwei dergleichen und ein zurückweichender Lanmer 
die Scene ab. — Rv. Rüstung und Auszug gldchgiltifer Art 
— Sodann glaube ich von allen übrigen DanteUungen alz 

Nro. 56., noch am sichersten die Kylix desBxe- 
kias des Prinzen Canino (Taf. XVIII. Nro. 1.), hier eind- 
ben zu dürfen, abgeb. in der Oal. om. IL 2S9 ')• Den 
grössten Raum ndimen zwei Paare jener grossiln Augett en, 
die wir auf archaischen GeAssbildem so vielfach kennen ; 
zunächst an den Henkeln und unter ihnen zweimal ein Kämpf 
um eine Leiche, einmal um eine gerüstete, das anderemal 
um eine nackte, beide Male von je srxhs Kämpfern zu Dreien 
gegen einander. Der Kampf um die der Waffen beraubte 
Leiche, in der ich Patroklos erkenne, ist in ein paarSBigen 
individueller gemalt, als die entgegenstehende, indem einn* 
der Helden in der Gruppe links sich niederbeugt, und die 
Leiche zu sich herüberzuziehen sucht, einer der entgegen- 
stehenden wenigstens den Schild hoch empor hält, v^renl 
alle 6 Kämpfer der entgegengesetzten Seite absolut gleleh- 
mässig steif gegen einander stehen. Das Herüber- und Hitt^ 
überziehen von Patroklos Leiche zwischen Griechen und Troern 
ist in der llias so besonders bestimmt betont und beschrieb 
ben , dass ich nicht zweifelhaft bin , die Andeutung hieroo 
in unserem Gemälde neben der grüsseren ZaM der Käm- 
pfenden dürfe uns zu bestimmter Nomendatur leiten. — ^ In 

ZTPOJBOS KAAOZ. Dieselbe Schale ifihlt Gerhard a. a. 0. S.88. 
Note 34 f. Dochmali mit dem Zasatz : „wo befindlich ?« — 9') Di9 Ka- 
men sind vertauscht, wenigstens ficht anf der Seite des Aias eijjdiry- 
gisch bekleideter Lanzner. — S) Früher in den Vases dn prince Ca- 
nioo 9, dann in Gerhard's auserl. Vasenbb. 1.49. Vgl.Mnseom^tnis. 
4|M Nro. 1000, ßapp. volc. Note 259. d, Wolcker z« Ingh.G.O.8.0Oe. 



II» ' — I 



i^m- «äderen Kampfe um üb gerisUte Ldche cflrikeine leh 
weder (mit laghirami) den mn SarjiedoDy noch (mit Get^ 
bard) eine WiederiMilang dessen um PatroUoa, isöndern 
nir den um Acbüieus. Achilleus Leiche wafd, wie hier, mit 
der EQstung^ gerettet^ um weldie Aias und Odysseus stritten. 
Zugleich ist es am meisten poetisch diese Kimpfe um di« 
Leidien der beiden Freunde combinirt au denken« -«^ innen^' 
bild: Dionysos im Schiff. *- Die übrigen von Gerhard ^X 
aufgeaahlten archaischen Vaseubilder des Oegenstandes sind 
mehr oder minder unsicher und unbestimmbar % Vielleicht 
gthMri hidier nodi 

Nro. S6. a», eine Amphora Lucian Bonaparte's (R^ 
aave itr. Nro.&), auf der vier Helden um eine Leiche 
kämpfen. Es ist nftmlich wohl au unterscheiden awiscbea 
den Monomachien Aber Leichen und diesen Kämpfen mehrev 
Personen ; um Patroklos kämpfen viele Helden. Freilich kann 
auch Achilleus gemeint sein. -^ Aus dem angefahrten Grunde 
sehliesse ich den Einnelkampf der Amphora bei Gerhard 
a. a. 0. Taf. 198. 1. 9 Note 84. d. aus , da es mir kdnes« 
Wegs fest0ustehn scheint, dass die Kehrseite ^Patroklos Aber 
den Schiffen^ darstdle. Die von Gerhard a. a. 0. als b, 
^9 8 auflgeföhrten Vasengemalde mflsste man abgebildet se^ 
hen j um ein Urteil zu fällen ; einstweilen theUe ich die 
Weloker'sche Skepsis. -— Dagegen lasst mch ein Gefilsi 
mit rotben Figuren wegen der beigeschriebenen Namen mit 
voller Si^rheit hier einreihen, eines der bedeutendsten Mo-^ 
numente alterthilndicher Vasenmalerei. 

Nro« 57. Kylix des Pol tos und Euxitheos voa 
Volci (nOATOS 9y0aq>SEN, EIVXSI9E0S EHOIESEIf}; 
jeiat in BerUn (Nro. 17€f) (Tafel XVIII. Nro. S.)» abgeb; 
in den Vases du prince de Canino 4, 6 ^). Ueber di6 HräC 

.4) Auaerl. Vasen III. S. 68. Note 34. — S) Dass Welcker 
a. B. OU dl« arebaiscb^li J>eQb«iSler dIeMl Kampfes ^,alUki sktpüsck 
beaweif^U h^h^*^ mrdsG»rh%td nidil zagegeben werden. dflrfoti. Das' 
ist sehr heilMue ^Skepsi». tr- OAsob Oid. om. M. 255, MtlleifirlH 



ftolcMe Leiche des Pttrokk» (JI^TP0J!C^dK)2rickL) kfUKpBoä 
von Seiten der Griechen Aias (AIAS) und Diomedes (zi/0. 
MBJES rttckl.) , Airchaus schwer gerügtet gegen die an- 
greifenden, ebenEAlls schwer gerflsteten Troer Aineias {AI^ 
NB AS rflckl.) und Hippasos (HIHASOS rflcU.) DasCknse 
iB besten archaischen StiL Grosse Palmettenveniemagen 
trennen dieses Bild Ton dem weit helangreicheren und oriei- 
nelleren zweiten Aussenbilde , welches., 

Nro. 58., (TafeL XVIIL Nro. S.) 0» obwohl eine qia- 
tere Scene darstellend, doch des nahen Zusammenhangs we« 
gen hier eingefügt werden möge. Der Gegenstand ist die 
Meldung von Patroklos Tode an Achilleus. Derselbe ist 
jedoch in rein freier und gdstiger Weise vom Haler behau« 
delt , nicht genau nach Homer , sondern nach den Motiven, 
die in den handelnden Personen und ihrem Charakter liegen, 
componirt — Antilochos (ANTIAOXOS rflckl.) besteigt 
das Viergespann , um die Botschaft nu überbringen. Auf 
dem Wagenstuhl aber steht als Lenker, die Zügel in der 
Hand Phoinix (OOINIXS rückL). Dass hievon das Verhalt- 
niss, in dem Phoinix zu Achilleus als väterlicher Freund und 
Pfleger steht, der Grund sei, scheint mir sehr klar. Er ge» 
seilt sich aber nu dem Jüngling , den Achilleus nächst und 
nach Patroklos am meisten liebte, als der altere Freund und 
Vertraute, die schmerzliche Runde so milde wie mtfglidi an- 
nubringen. -« Neben den Pferden steht Iris {JPI2 rflckl.), die 
C(Otterbotin, göttliches Walten, welches erst Sarpedon durch 
Patroklos , dann Patroklos selbst fallen liess, und endlidi 
nach Achilleus Haupt den Reren dahingab , auch in diesem 
Thun der Menschen anzudeuten. — Die Gruppe vor den 
Pferden, Achilleus {AXIAAevg rflckl.) und Nestor (NS- 
2T0P)y unter dem Handschlag mit einander redend, erfordert 
ganz ideale Auffassung, welche überhaupt das Bild beheoMbt. 

a. K. I. 207. Vgl. Ball. 1830, S. 144, Rapp. toIc. Note 802. b. , 
Weleker lo logh. 6. 0. S. 599, Malier in den gOtt. gel. Aas. 
1831, S. 134. — T) S. Weleker sa Ingh. 6. 0. S. MM^. 



?i 



^ 4» ^ 

Mcht der Handschlag der Verstfhnung ia Folge der Verthei- 
digung der Leiche , wie der Prins von Caiiino und mit ihm 
Mfiller ^) wollte^ ist es, den Achilleos hier dem Nestor 
giebt , dieser Handschlag deutet anf die Folge des Unglfleks 
hin, das Achillens erlebte , das seinen starren Sinn brach 
und ihn der Sache der Griechen miraclDEilhrte ; Nestor ist 
hier, wie Welcker treffend sagt, als der Bedner und Vor- 
sorger Überhaupt, oder wie man hinrosetsen kannte, als der 
ulibetheiligtste Repräsentant des Heeres in sein^ Gesammt* 
heit vom Maler sehr sinnrddi gewttUt — Dass hier andere 
Poteie als die Ilias «i Grunde liege, glaube ich nicht, we- 
nigstens ist keine solche nachweisbar; es ist dies ein Bei* 
spiel freien Schaffens der «Topfinaler^, welches man fkneilicii 
nur anerkennen wird, wenn man sich abgewohnt bat, diese 
alten Efinstler in Bausch und Bogen aber die Achsel anffii- 
sehn. — Innen: ein trompetender Krieger, den Gerhard 
Aineias nennt; warum, weiss ich nidit — 

Die BrkUmng Panofka's ^) für die Schale Nro. lOOd. 
des berl. Museums, welche er »sur Bestätigung der ägunetischen 
Statuenordnung^ aufstellte , kann ich fttr keine Bestätigung 
dieser halten, da die Beischriften fehlen. Vielmehr hat die Er« 
klärung der Giebelstatuen von Aigina, aus dem Kampf Aber 
Patroklos Leiche dieselbe Deutung des Kampfes auf unserer 
Schale hervorgerufen, so dass, wer, wie ich, mit Welcker 
dort Achilleus, nicht Patroklos Tod annimmt, auch hier lieber 
den Kampf über Achilleus statuiren wird« Aber es ist hierabev 
nidit abzusprechen, die Aehnlichkeit der Gruppirung nOthigt 
keineswegs für die Statuengruppe und das Vasenbild dieselbe 
Erklärung aufzustellen. Es mag immerhin hier Patroklos Tod 
dargestellt sein, obwohl die Bewaffnung des Gefallenen einiger 
«assen dagegen spricht. Es ist fttr den Kampf über Pätrokloa 
bezeichnend, dass der Leiche die Wehr geraubt ist '^). — 

8) Gott. gel. Adi. •• a. 0. — 9) Der Tod def Skiron und dei 
Pstrokles , Berl. 1836w 4. Dauicb in Gerhard'g drei Yorletiugea 
Aber GyptabgüMe Taf. i mit derselben ErkiAnmg. — iO) Die Ali^ 



Wai entUdi das s«4her iauner, auch vonWeleker ^^) 
auf PatnUoS'Tod besogMe, figurenreiche Vasenbild in 
MilHn's Peininres de Vases I. 49 ^^) anlangt, so sehe ich 
wirklidi nicht ein, was dasselbe speciell als auf Pttrekloa * 
Tod besQglioh tbarakttrisiren solL Bin troiscber Kampf 
icheinl dargestellt) aber welcher, wilsste ich nicht im sagen *')• 

Von anderen Gattungen ron Kunstwerken haben Wir 
ausser dem Reliefstreifen der Tabula Uiaca (Gal.om.ILlM), 
nmr gesdinittene Steine, und von diesen wieder nur einen 
gann sicheren «nzufühfenk 

Nro. W. Kn^meo Ludoräi (Taf. XVII. Mro. M), 
abgeb.' GA om. ü. 158 ^'^). Redit lebendig ist hier der Au'> 
|j[eiibiick des Kampfes wiedergegeben, woHektor, vonPbor- 
kys unterstfltst , die Griechen so weit surückgedrftngt bat, 
dass Hippothoos ein Seil hier an dem einen Arm, wie in der 
liias am Bein des Patroklos befestigen konnte, an dem er 
die Leiche zu sich zu ziehen bemüht isti Auf griecbkcher 
Seite kAmpfe» weniger stürmisdi, als die Troer drei Seiden, 
nach der Ilias etW4 Menelaos und die zwei Aias. Patroklos 

Wie Panofka S. 11 Skiron und Patroklos in Verbindang bringt, bat 
oatfirlicb Tttr d«il kein Gewicht , der Wohl an einen vielfach sieh fin. 
deaden, meiitena pofttitchen, leicht verstindllchen Zosamnienhaog der 
Yergchiedenea Bilder ejaer Vase, nicht aber an einen aolehen Paaof- 
ka'schen, mythisch-genealogi^cben Zasammenhang deraelben glaubt.— 
Üeber ein ganz Ähnliches Gefdss bei Herrn Basseggio in Rom , s. 
ijlrchfiolog. Zeitg. von 1S47. Beilage S. 23. — ii) Za logh. 0. 0. S. 
MO. — iS) Auch GaL myth. 158* 580 and Gal. om. I. 149, -> 
^8) Das mag hyperwelcker'scher Skepticiamug sein, aber tagt doch 
Gerhard, auserl. Yaaenbb. HI. S. 87. Note 33: »,Uienach konnten 
denn aber auch andere fthnliche Kampfscenen um einen Leichnam die- 
sem berflhmtevteir aller verwandten mythischen Gegenstände (? AchiU 
kos Tod) «ieht ohne Obertriebenen Skeptioiamna abgesproehea Wer'. 
Alo.<« r— ^elir wehr; wir werben algo besser thiiD| den SkeptidiWUi 
schon hier beginnen zu lassen, damit er festen Bodeo behalte. — - 
14) Nach Winckelmann, M. I. 128, auch Miliin, Peintores de 
Vases I. 72 aad danach Gal. myth. 162, 531, Dolee, Bacoolta III. 
AW^ Ygk Yiesonti im P. Gl. VL p. 30 nnd Welck«r ■« Ingh. 
i^O. 8. 6U. 



LeitAe üthier iMch bewehrt --^ VM^dek s^msfigen g». 
schnitteuen Steinen die hieher bezogen sind, rmag ich nolr 
noch als 

Nro. 60. y den geschnittenen Stein des französischen 
Cabinets bei M^^r^iet^e^ J^^rrjec^tgr^v^eft; j^ cabinet du roi 
II. 114 ^^) hier aufnehmen, den man sehr unpassend mit der 
Jkerfihntett flo^entiner Statuengruppe ^^) zusammengestellt hat, 
welche Aias mit Achilleu» Leiche darstelU ^H. Grade we& 
der Stdn, welcher eine jugendfiehe MOkte Leiche von eiiieni 
gerüsteten Bärtigen erhoben oder unterstützt zeigt, Her Gfvppfe 
im Wesentlichen der Compositiou nicht gleicht, kann sie 
JjufPtttrokio6 bezf^en werHen. ' Sfeide dageg«te Wie €181. oiii. 
II. 145, ISO, 154 und Toelken IV. Nro. 250—263 (ganz 
nach der florentiner Gruppe), stellen bestimmt und unzwei- 
felhaft AchiOeus Leiche von Odysseus und Aias vertheidigt, 
von Aias gehoben, wahrend Odysseuis abwehrt, öder Aias 
als Trttger von Achilleus Leiche, gewiss nicht' Patroklos dar. 
— Andere, wie Gal. om. 144, 146, 147, Ttflken ü, 15<I 
sind ohne bestimmten Charakter. — 

Schliesslich sei hier als 

Nro. 61., die Münze vonilion, Mionnet 11.666,237 
erwähnt, welche den Kampf um Patroklos Leiche enthält. — 

Dass der berühmte, fragmentirte Onyxkameo Gal« 
om. II. 157 (Gal. my th. 133, 534) '»), sowie das Relief daselbst 
158 ^^), welche als Darstellungen der Botschaft des Antilo- 
chos an den trauernden Achilleus gedeutet worden, nicht diese, 
sondern Orestes und Pylades in Tauris darstellen, hat scboii 
Welcker zu Ingh. G. 0. S. 591 bemerkt Unsere Num- 

iS) Auch bei Mi Hin, peintoref de rase« L72, danach in d^r 
Gal. myth. 160, 582, Gal. om. II. 155. S. Walcker m ingh. 6. 

0. S. 614. — My khgth. tarn Beispiel bei Mi II in, Peiiit. de Vasea 

1. 72, 3, Gal. myth. 157, 583, Gal. om. II. 156. — 17) Siehe WeU 
«her, Akad. Konstmtaseom tu Bonüi (2. Ausg.) S. t5. — iii) Auch 

-Winekelmann, M. 1. 129, Tisehb^in'a Hotaer n. Ant. IX. 4 mld 
sOBit. Von anderer Hand ergfinat Gal. om. 1.31. — 19) Aus Wtlif- 
<4kMk»att'a M. I. IM. 



^■er 66 Mcabt demnach das einsige MomuBent dieser bedeu- 
tenden Scene. 



XIII. Achtzehnter Gesang. 

Achilleiis Klage um Patroklos findet sich nnr in dea 
Qal. om. II. 160 abgebildeten Streifen der Tabula Iliaca nut 
der Waffensehmiede des Hepbaistos combinirt ^ Dagegen 
können wir 

1. Die Waffenschmiede des Hephaistos, Vers 367 £ 

einige Haie in Kunstwerken nachweisen. — Zunächst ist 
hier das räthselhafte Reliefbruchstflck von Ostia im Vatican, 
abgeb. Mon. deir Inst I. tav. 12. 3 '^ erwähnen , wel- 
ches Zoega in Welcker's Zeitschrift fttr alte Kunst S. 
865 ff. dahin erklarte , es stelle Thetis vor, welche von 
Hepbaistos die Waffen fordere. Ganx anderS| als Erziehung 
des Erichthonios y fasste das Monument Panofka, Ann. L 
S. 308 (vgL S. 396). Vgl. noch Gerhard, Beschreibung 
Roms IL 2 S. 228 und Welcker im akad. Kunstmuseum 
(2. Ausg.) Nro. 380, S. 119, Clarac, Melanges d'antiquit^ 
p. 43 ff. und Döscript du JWus. roy. 1830 p. 846 f. So we- 
nig, wie ich der Erlüäning Panofka's beistimmen kann, 
80 wenig scheint mir die Z o ä g a'sche alle Schwierigkeiten 
zu heben , und ich ziehe es darum vor , das Relief als un- 
erklärt zu bezeichnen ^). 

Von den sicheren Denkmalern unserer Scene stellen 
tdr den ttbrigen als das älteste voran: 

Nro. 62., das Relief am Kypseloskasten. Pansa^ 

i) Aoch Mas. Pio-Clem. IV. 11, Gebart der Paadora, Gel. om. 
L40, auf II. 1.578 gewiss anrichtig bezogen. ^ 2) Die Welekei^- 
fc^^ Note 153 a. a. 0. kann nicht genag behenigt werben*. Esgiebl 
kein Mass jedes Kunstwerk sa erklären. S. noeh oben S. 277. Meto 6. 



mmmm^^i^^^^f^ 



(Weiber a«f ien Wagen jtdieiid , die BMee habm geideiie 
fffigel y wmi ein Mann: glebt dnen Wdke Walen. <MFenbar 
ieiiebIflMi dies auf PatroUasTM, oüdBiiiddie Weiber Nto.. 
iMieA, «nnd eB|ftngt llfllii dirWaffeii vw Hq^haiatoB. Delm 
jUMievleäi Bteb< auch der di^ Wafen Sehende nicht <Bat aflf 
aehite FiBBeD^ nnd ea folgt ihm Unten ein IHeüery dnr eine 
#ineiMiite tiigt^ ~ Alles Weitere geiittri nleht n dieaer 
-VirateUlteg; -^ 

ttemniihit lauen iffcr ala ^ 

Mm. €Bw, ein vettreflikbeaivrole enter Vnaenbild 
dea börttiier MoMna (Uro. IMB) (Ta&l XVÜL Nni. «.) 
•ia%en , da» iancnbild der befihniten nnd yon Oerba:rd»Bo 
IhibMbeÜMcvteDScbalejnitderEragiiaacici, abgab. in diaa- 
aMCaitpea giee^nea et dmMqica du mnate de JBedin Tf. UL 
<dte BtägieMiei in den Anncnbiideni das. Taf. Xil, XliL) 
^ IbpMdittDa iat eben mit der Arbdt fortig, dep Ifeannclr 
-ttMi in de» BeeMen, aitzt er .rär Tbetia, der er M dm 
-aelwa 'emtflageiien Schild ind Sfiaar den sehr ataMithapi 
•ai aierlieUen Hehn aal irr Linken <d|urrrifht,iaahrttid die 
^MiaabiaAen. an dar Wand bangCBL Ambea ntei einen Mräi- 
'ian AaÜHri aehen' #ir . hinter: TheAia. An.; der: Steile idia 
reichen Bilderachmackea am Schilde desAchilleus in.ddr.Jliaa 
'Ahdcntarfehkif als SehilAaeiehen einen Adter, der eine Schlange 
ignbaat hat, bekaanflich ^ ein Olflek und Sieg yerkiadaii- 
idaa WdiraeichcD. ^ Bis ^etehgUÜffm HjHS KAAOS 
>tel^iUi»iPeMiBeri beigeBchcieben. -^ ,.-,.. .■ 

Aasaer in diesem Vaaenbüde i«t dia SehflHttdeaeene n«r 
Mochlini. ein paar Beliafi»!»: eiai^ Wakidgemtlde und" in ge- 
acknittenan Staineb nachweisbar» 

^ . Nl». 6i. Belief kn. Loarre (Taf.XVIU. Sbf.A.), 
abgeb. in C 1 a r a c's Has^e des scalptures 11. pl. 181 . Nro. 8d ^). 

MxW ».>a>'ai(s» & IL XU.| V/Bf»! MO ff^. fmh. \i^ «efl^ikiW^O». paoh- 

-gfHtHMea taa G^arbardi &il7,iI<oif 9- —,uiH Qamiffl» in MO^U^r*« 

DeDkmileni II. 18. IM. Ancbin Booillon's N. d« bcx^ \)\. WAdb* 



bpliaktot, to sOm wtrfflgwr QfWiiri Irt st eben JiepuMfiigip 
die Haadhabe (o;i;aiiei') an den Schild m befesüginii^ denttiai 
eineii seiner Schniedegisseilen , ein Salfr httit. Sinter Um 
stdit auf einor fitele der flämisch nehst dem Schmerdi Att 
Passe dier Stde pelirt ein sweilrr Schnuedcseseli des finli- 
les platt anf dem Boden sitsend eiftigst an einer Beinsehiane» 
ftfll noch eifriger, gann in seb Thun versenkt, ist anf der 
entgegcngeSelaten fle^e «n dritter:Oesel] , ffai k|friacs ^ ds 
Handwerker beideidetes, altes Mannchen mit deqiiBidm ^bl^ 
schafttgt, wahrend ein vierten CMhtlfe deit flsWoSy dter wie 
jener ante den mcfalsnntsägen flksehieeht der<Sat)nDii: annn- 
gehdren seheint, Oelt gefruiden hat, Unter. dem Schsliede^ 
«rfi» hervor den Alten nn necken, tndeai^ er ihni^Ae Krifel- 
mfltae abunstossen sliaebt P). -rr Dnghdch'iienigerrMbntnnd 
siM dies launig erfundene und selita ausgeftfirte Belief ist 

Nro. tt., ein Relief im Sapiloi^ Sdmmlseite eilMs 
Saikophags mit der Uebergabe der Waffen m AeUlkfs (Oal. 
am. iL 18L)^ abgeb. in der GaL om. ILlav^^ieftfl)^ i-r: fle- 
phaistos ist in sdner fidpiiiede, deren Thflr mdifs anget^ 
ben ist, mit drei gewaltig hämmernden SeseUen an imn 
jfehilde beschäftigt, welches er sitsend nif den Ambes AAL 
Btoeben liegt Hammer und Zange und dne Beinsehienfe^ miß 
'-es - sciieint» ••'>'< 

In gann ahnfieher Weise stelt die Verfoitiguuff idSs 
Schildes die Tabula Iliaca (Oal. om. H. lav. 160) dar|rhi«r 
steht neben den Schmiedenden Thetis unt einer begleitenden 
Nereide. — Das Wandgemälde, wdohes uns eben&dls^ioDeher- 
gabe der Waffen an Thetis verfitthit ist ; 

Nn». 06. , ausiVompeji , abgebe hn Mnpeei Barbi > X. 
tav. 18. Hephaistos, nackt bis 4uf mnen Schuw^iinlBht 
mit dem Hammer in der Hand rahig da, denSchüi mit 8 

S) lieber die Satyrn nnd deren zweifelhafte Bedentang Tgl. 
4lFelcker Ami. V. p. 164, wo tun Setyrspiel M Ornndlage ^eaBild- 
werib tngCDÖamien wkd. — €) Vgl. Hori, «enltar^ M Mof ;• duf. 
•toi. II. p. 19S." •' "■ ■ -'* ■■' .j»..Im.»»i 



S4^hta9iVi«bv.miaMia ml am >Äiamiu im IfiMi, m den 
andi die Kneniden gelehnt sind, halteod. Helm und Sdiwerdt 

cM^hp» g)V«pabflr lehnt der fliiPiM)* A^i 4wKW Sitfip 

f4t|rt T^ati« nftchdenkMfd^ IniWF^d» . d«g JKVm ßf/f :^ Jß)Hfi^ 

mvlMrt., wmI i#eMit dw ^P M MnMlMimj .^ ikr 

Gott ihr Torweist Neben ihr erscliwil AIH |toi|ffto|<if 
JMIlMb' dw^AiUui ^ KflWtWn, (!w W»«»^ WWi (iiw Jelden, 

JierAiisfiBknHMr mKhjhe cvt> ^n 

araU amAesin ak Welekfiv!^ Wtetea^ ^an 

HNiMw 07« BaidHrter Stein bti lüg kiramitefu UM 
<UL XVIL lin^llO^Hepliaiiim Waften Mhi^^ Xhaib 
Mltot am hdstflhendl ; IM btkanildt^ 
- ' Ndo. m. Ehefafidlftimeliiil^ M Inirhiräni tttr.dUHL 
ißefUuÜim aaflcUld arhflittBd, oBgehm if4U| jnneiMielai- 
tn^ abo jfaicgagn ^) ; gm« amyewtMaiHch » Ihn^ gagOHfUirtr 
ndtis.cisgtBiaiildt, :^ui%, ntt eiq^ fihft ttnlar lich. 
-Tra9tiitirtc.aii8 Hydliui äi Vmia/ wit oft ia dtn ObiqifiMb- 



I > .t 



I t-I. ! J|'-i:i:-. Jif .'* 



'.h I; 



XIV« NflOtogelmter Giaang« 

!• Thetis bringt Achilleus die Waffen. 

ii : Dan KunsIvcilLin , meUk» die^ Debargake der WaSm 
adbat : danldleii^ viii^att wü hier eiät gmaia Zähl ma Var 
mm und nananflidi -vte Ildiefe ;aageiilfart werden ^ iFjpiahe 
«üieft^iBi Epas aiiM: aag^daatateii Aigy den aber «HUtofe 
Vo«a|e iMauaffAiMel m/haban sphelntf), in flppigatevWaiae 
vMiiannigfiucht gebte ,: naidvdi e 

JlMik>ift.(iMle(iMWtm Y«rwttMl«Bf »t>n Kia)iBe«y>«iil Korrbaaica nr^ 

Blectra Vf. 404 iL (B.) .tMuh tiu\: lU uul^unni r-ui ■ AtA-i/t 



^ 4M ^ 



Freie Kflastlerphaiitame beniehtig^ sich des malnisdieB 
üegeimtanfles : sebttne FraoengestoKen anf Meenrn g ehcaent 
Miin reitend y Waffen trag^end, wodvrcii den Werken der 
Konst ihr bedeutsamer und ahnangsvoller, mythisdier Hinter» 
t^fjg^d gegeben wird. 

Die taiylliologiflch - poetische WtchtigikeX dieser Bbna- 
mehte ist firriüeii geringer als die inancher anderen Omp- 
pen von Bildwerken , denn es sind nnr Variättotaen '^in«a 
MotiTs «nd xwar eines wesentlith kfingfleffiseben ; aber diese 
NereidenMge haben knnidiislorisdies «Inieftssew Denn wenn 
trir in den ftlteren VäsM eine streng gehaKene , anf Thetis 
allein, jöder die.CMttin ndt einigen Bfigldterinen beschrinkte 
Darstellung finden, wenn wir diese Ditstibllnng dann mnftdiflft 
«mehmen sehen an Figvreimiil, an Zalil der cinneinen Mo- 
üve der Gomposition, wenn femer üe Belieb eintreten, in 
liehen die schinen jiiMkten PraneniU^rper anf und ini Con» 
Irnst mit itn Meerungahenem dahmgleitend durch die Icidit- 
betregte Fluth, in yielfach wechsdnden SteDungen , den el- 
gentlidien Gegenstand und Vorwurf de^ Sjinstler bilden, 
wenn endlich die mythische Bedeutung so weit nurAcktritI, 
dass allerlei e|a0ilsdie^Motite'«ing(uiischt^v^ri^ dass das 
Gänse bis in's Spielende geht, und dass Thetis Seenug kaum 
durch ein Anderes, als durch die getragenen Waffen ausser- 
lich von anderen Darstellungen der Meerdftmonen in ihrem 
Jltenent sidi »usserlich untiotscbcidet ?): so ist darin dn 
'Keugniss für den wediselnden Geist der iBpoehen der Kunst 
geg^n, wie es in aludicher Volhtiadigkeit in einem Ge- 
gfnMande nicht all^ htufig sieh wiederfinden lllss( '). --^ 
Es kann hier nicht meine Angabe und mnixk Zweck s^, 



i\i. 



2y\lfi. MOller^s HMdbneh (. 402. 2li* 3. -^' ^ J !■ wife* 
«en KrMie Melen wohl nur die Piriturtdle •M illetdiafs noeh TOlk 
Hiindigarei Seitbiiitfldk , lugleich ton grOs^MWfiiMlealiliy f Ar disBaU 
wickelnng dtf po^tigchen Nythiu gelbtt, — 



dfc gaüre Beilie dicier MomimeBie anfiMwHhlen md .die^i^f 
bea im Bfaudnen jra bcsebrdben uil so beleachten, diebo»^ 
AnfUirunf dner cbarftkteridrenden Auswahl iniiaB vuA 
«•fe Uer gentgen. ~ 

Zonächst von Vasenbildern (mit rotlieiiFlfweB,ift;8«lr 
dien mit schwaraen ist mir der Gegenstand nisht Muinut)| 
nennen wir folgende : 

Nro. 09., Thetis allein mit Sdiild und Helm aiifeinwi^ 
Delphin im Cabinet Poartal<^ 41. 1. 

Nro. 70. Thetis mit Schild und Lanie aikf einem Hip- 
pokampen bei Dnbois-Maisonneave, Introdnction M^lf 
Oal. om. IL 171. 

Nro. 71. Thetis auf einem Delphin nut dem fll^lal in 
der Hand, geftUig sitzend, eine Nereide mit dem Sehwerdt 
auf dnem phantastischen Seethier. Zwd Seiten dner Vam^ 
bd Rochette, M. I. pl. 6. l.» Oal. om. D. tav. 168. *^ 
Von einer Nereide begleitet sitzt Thetis mit dem Harnisch 
auf einem Hippokampen in dem unteren Theil des oben (Mtarow 
S7.) besprochenen Vasenbildes mit der Gesandsdiaft an Aehib- 
leus (Taf. XVU. Nro. 1.) 

Nro. 72. Ein grosser Zug von Nerdden mif Waffen 
auf Delphinen , Thetis mit dem ISchilde durch den Hippo- 
kampen , auf dem sie reitet , ausgezeichnet , das Ganze sehr 
anmuthig und reich componirt, jedoch noch in gehaltener 
Manier, auf einer mveser Vase in Jatta's Sammlung in Nea- 
pel (Taf. itCVIII. Nro. 18.) , abgeb. in den Monumenten des 
Instituts ni. tar.SO. Vgl. Braun Annali XH. S.lSfff ;~ 

Nro? 78. Schon weniger streng dem Mythus ' gemäss 
ist das Bild Taf. XVHI. Nro. 8. aus d'Hancarville IH. 
18 in der Gal. om. H. 166. Thetis in der Mitte mit dem 
Schilde auf einem Hippokampen reitend, ihr voran schreitet 
ein grosser, beschwingter Eros, «so dass also auch die Ma- 
lerei Thetis mit der Meerestochter Aphrodite verschmilzt^"^). 

4) Welcher m lufh. 6. 0. S. 601. 



Vdy ikry äher ik' eäigtigengeBtslaM KMäng^ ^^ 
füt ätm Bätni^ ftfif «iiiiwi MpiiUi, hinter llietb auf ei<t 
um Tßättaäö^tÜ^n SeethMr eise i^ette NereMe ohne ;W«fr 
fen. Unterwärts mehre kleinere und grdaaaee IMie fm^ mnA 
h^MchwiflHMettt^ ^ 

Diegen Chatakter sehen wir dann in den H^lieien stilr* 
ker hervortreten , welche zugleich die . in VaMnhilderQ bo^ 
kl«MM^ ^) N^etden nackt darstellen. Hi^ton maeht eine 
Ausnahme 

Btoo. 74^, das Relief eines Marmor kraters von 
Bbodofl in der Glyptothek in München , abgeb» in den üo«* 
numenten des Instituts DD. tav. 19. Vgl. Braun, Ann* XtU 
8i IM^lSd. 

Da» BeUef ^ in einem Streifen um den Bauch des Qe^ 
ftases lauiend , enthält einen Zug von eilf Nereiden, die mit 
iea Waffen abwechselnd auf Ddphinen, Hippokampen und 
phantastischen Seethieren , ähnlich denen auf Vasen reiteuf 
Nor drei von ihnen sind nicht g$xm beUf^det, völlig nackt 
eiseheint keine. In einem oberen Streifen geflügelte Nikon 
auf Viergespannen. — Auch in y 

Nro. 76.y einem Sarkophagrelief im Fio-Clemen- 
tinischen Museum, ahgeb. Pio^^Clem, V. 9Q^ und danach GaL 
om. n. 164 finden wir Gewandstflcfce bei den Nereideo, aber, 
nur flatternd und keineswegs die schönen Körper irgendwie 
verhüllend. Vier Nereiden mit den Hauptwaffenstiicken rei- 
ten in verschiedener Richtung auf Delphinen in aamntbigen, 
flppigen Stellungen. — 

Nro. 76. In diesem aus Caussei Mus. .rom..IL p. 
114 in der Gal. om. II. 169 abgebildeten Relief sind aa die 
Stelle von Delphinen und Hippokampen Tritonen gesetzt, auf 
denen die Nereiden reiten. Hier ist das Mythische kaum, 
mehr, als der Anlass der Composition. — In ähnlichem Sinne 
sind dann erfunden Reliefe wie Pio - Clem. IV. 33 und Mus^ 
Capitol. IV. 62, wo noch eine ganze Reihe ähnlicher Dar« 

S) In Nro. 72 ist 4m KerMdo' bdfamiie ftiw dfaue lle(*iiig. 



sMhflfHk MgUart wiBL ^ Aiüserdeni jMfelfe kh hio4i den 
Firies iuito Ctaräbcb eu lAmAil« in der Barilicnli, woVon feiii 
Stack In Rocbette's ■.!, S^IBnoi diemcili9€hel}rakflni 
ebendaselbst pl. 6. 2 (vgl« p. 18)^ welche Tbelis idlein, den 
■elin tiHfend^ enAftlt Audi dn Thoi^efiU» (eottus) mit 
BMtf im Catäli Mdckoncke Nto.89 enthält ThMs mit Achi^' 
Mb Schilde auf einem Hippdfeäniptt reitend. 

Als ein Beispiel der Dantellnng des Qegenstaades in 
Wnndnudcrei mg hier 

Nrn. 77. 9 das pompeialiische WandgemaldCi abgeb. 
fan Hhtt. Bork X. tav. 7 seine Stelle flhden. Wie in der 
Gemme (unten Nro» 79) reitet hier Tlietis «der eine Nereide 
mit dem Sduld, lilcht atif eidem Ddphiü oder einem sonsti- 
gen SMhier^ sondern auf dem Rüekeil «aeii bärtigen Tri- 
ton^ der den mätn Arm nutraulidh anf ihre Schulter legt 
uMd sie Verliebt aabliokt. Die Nereide ist nicht gan2 daek^ 
doefr dient der wiiteFeplos nur, den grOsstenttieils enthOH^ 
teü schönen KOrper nu limrahmen. Ueppig •» ausserliiy tldseiie 
Composiüon. 

Die gesdtnittenes Steine, in dctfen ebenüMi UM Sce- 
ne , wenn auch auf eine Neftide MsfeKcInlii , hiuig vufi 
kouMt, uatuffscheidm sieh in soicbe init einfiieU ruMger, 
sMfcger an deii Mythus aigelehnter Bestellung nnämMtrif^ 
die 4n Hfipigen Ce'ftpositionen kaum noch «n doiiselben erU« 
nenii fewei Bdupiele der eruieren Art 

Mlb. TBf, uns fliuouiatdtti, MedtgL p. !!• in der 
tUL diyih« lftl4 5M und 

Uro. 78i&, ätatike rnste ial BerHli (Taf. X?ln. 
m^ ll>>y bei Toelken IT. M». Bdd4y Mai^ Tbetm oder 
eiiifc IMreide mit dem Schilde auf ein<tfi Hippokampen. -^ 

fon d«** anreltik Art ist ein Beispiel m-o. 79^ der Stein U der 

OMIiom.lL it»i j^THette mit di#€N»rgoiienrthlHd nuf eiMrirjun- 

gen, sdioneh Triton #eiteifd, reu Aiiorin^il umgeben; beiie ter- 

liebt Galante Slegann^ wobei der Mythus nur als Folie dient^ % 

-9) Wtfle^kor ia li«b. tti 0. ». eio. 



Amsh $Mt NlBBen ki der BtgetaUai na d iw ei tl tt r, 
«ehe iit Mttnsen von LmpMkM in Cboise«l<^6«iif% 
fier's Voyage pittnes^pw II. 117, 88. — 

ficUiegslich sd hier noch als 

Nro. 80.vder f ravirle Deckel der praeBestudiehea 
Cista des Herrn IRinl erwähnt, deren HanptbUd das Ted- 
tenopfer Ar Patroklos (Taf. XIX. Nre. 16.) enthftU , abgek 
ans Bocbette's M. I. pl. 80. 2 in der Qal. om. D. 177. 
Drei nackte, von einem Delphin, einem Hippokampen und 
einem sonstigen phantastischen Meerthier getragene Nereiden 
bringen das Schwerdt und die Knemiden des Achillens dnrch'a 
Heer. Vortreflüche, lebensvolle Zeicbnnng. — 

Wenn wir den Bilderreichthnm dieses Gegenstandes iber«^ 
blicken, so wird es klar, mit wie viel grosserem flechte 
Welcker ^) anf diesen Gegenstand eine Stelle des Plinins 
besieht, die uns von einem der grossartigsten Sodptnrwerke 
Naehricht giebt, als Btfttiger ^), dieselbe ans dem Zöge 
des Acbilleos nach den Inseln der Seligen eifclttren migte. 
Wir Mahlen als 

Nro. 61., dne Marmorgrnppe den Skopas, von 
der Plinins H. N. XXXVI. 4. 7 Folgendes anfilhrt : sed in 
nuuuma dignatione Cn. Domitii delnbro in cinco Flamiaio 
Neptnniis ipse et Tlielfs atque Achilles, Nereides snpniDiel- 
phinos et hippocampos sedentes , item Tritones chomsqne 
Phorci et pistrices ac molta alia marina, omnia eivsdemma- 
nus, praeclamm opus, etiamsi totins vitae fuisset. Dass die 
Nereiden Waffen tragen, ist allerdings nidit gesagt, und dass 
Aehilleus, wie Welcker aanallm, «in Entfernong gedacht^ 
war , mir nicht wahracheinlidi, Poseidon's Einmischung seit«- 
sam, aber gewiss nicht «nmi^lich. Wenn man sich den An- 
genMÜck denkt, wo Thetis an's Land getreten ist^ nnd, ne- 
ben dem Sohne stehend, demselben entweder die Waffen giebt, 
oder die Hand reicht, wahrend Poseidon auf der anderen 

7) Trilogie S. 424, la Ingh. G. 0. 3. 606, Boon. Kanstiinii. [% Aatg.) 
S. 34. -. 8) Aadeaiangeqi ^ 1^4 Vorles^iOilfr .ViiMtopft^ 3.^1*8. 



— 4ktt -^ 

Seite i^^tsftf^hm tttfgfte , scf Ist ittcf Vn^CtB^AtV» AdAUe«« 
als Mittelgrappe , nra die sich nach beiden Seiten in pyra- 
midaler Aofstellung die übrigen genannten Gestalten anschlos« 
sen, völlig klar und das Ganze , so grassartig reich es im- 
mer sein mogte , sehr wohl denkbar. Aensserst unwahr- 
scheinlich dagegen ist der Zug nach den Inseln der Seligen 
als Gegenstand dieser Gruppe , indem derselbe , wenn audH 
vielleicht in der Aithiopis und im Anschluss an diese von 
lyrischer Po(^e behandelt, in bildender Kunst nirgend nach- 
weisbar ist — Dass freilich, wie Welcker annimmt, der 
bekannte Achilleus Borghese aus dieser Gruppe stamme , ja 
selbst dass diese Statue einen Achilleus in dem Momente dar- 
stelle, wo er die Waffen empfängt 9), ist mir durchaus nicht 
wahrscheinlich , so sehr ich die MAssigung und Zurflckhal- 
tung der altenKunst anerkenne. — 

Ein angebliches Wandgemälde , welches bei S. Martina 
a' Monti entdeckt, und, im Original verloren, von S. Bartoli 
^oder seinen Schillern copirt^ seih soll , darstellend Thetis 
und die Nereiden , Achilleus die Waffen bringend , abgeA»i 
Mön, detr Institute III. 21. ist auf so schreiende Art 
modern, dasü ich nicht begreife (und Anderen geht es eMri 
so). Wie irgendjemand dasselbe fbr antik halten, geschwetgi^ 
wie Emil Braun dasselbe Ann. XII. S. itW ff. als anttlE 
publiciren konnte *^). — 



Wir kehren nach dieser , halbwegs epi^discken Be- 
trachtung mehr seitab liegender Kunstwerke zu den stren- 
get mythisehen Bildwerken zurück, md zWat betraehten wir 



9J .Eioe AchQlkbheit 4er Statae «lil ifgend einer VMep - öden 
GenuDtttdeiwtotliiBg des Achi Heue in dieeer SMuaMou, j» Welcker, 
UunMkmmjg. S: 0, lierahl wehl «Qf IrEthenif «« iO^ Derselbe Band 
der HonDnenAi entbftll Tef. &4 lein «ttdercs, .eben so krass aMdernea, 
BicAl Ortd güoMliiea BUd^AbetfiflliyjQKo Jabn in der.Ajrch^.iZeitg. 
TOB 18691 Uroi 39« Sj 4M) g«eproobea> baft. -^ . :)inia. m>vi n 



h üe Jfiibm$0i^ Mt. W^fm m Adiißmu. (Fm S^ifl). 



*•» 



Den myijiiscb-po^lischeii Boden ^ den wir betreteoi be- 
«eichnet das Wiedererscheinen der so eben vermisaten, ar- 
chaiscben Vasengemälde ^ mit denea.wir beginnen. — 

Uro. 82. Amphora Caaino (Taf. XVIIL Nro. 4.), 
alifeb« in Micali's Monunenti (Flor. 1833) tay. 88. 1. 8. 
Bs ist die Waflnnng des Achilleus selbst in Beisein der The- 
tiSy die häufigere Scene auch in anderen Arten Fon Mona- 
nenten. Achilleus , den Fuss auf den am Boden stehenden 
Beim gesetzt y schon mit dem Schwerdt umgürtet ^ legt sich 
die Beinschiene an. Vor ihm , den Schild und «wei Landen 
haltend die Mutier , andererseits symmetrisch entsprechend, 
ein gans gerosteter Therapon , «um Weggehn bereit , um- 
blickend. Die Myrmidonen sind gerüstet und 2um Aufbruch 
gegen die Troer bereit, noch eine kurse Weile, und Achil- 
leus bricht an ihrer Spitae hervor. — Sehr ähnlich ist 

Nro. 83>, eine aweite Amphora aus Chiusi, abgeb. 
(iaselhst Tat S». 1. 2 ^% Thetis steht ihrem Sohne mit dem 
Hehn auf der Hand gegenaber, den Schild Jiiedergesetat, die 
Laaae im Arm. Achilleus hält einen wunderlich gemalten Ge- 
genstand, der aber nur den Harnisch kann bedeuten sollen. 
Das Sdiwerdt hat er bereits umgegürtet. Hinter ihm ein 
Alter mit weissem Haar und Bart, der swei Knemiden hält ^^), 
wir nennen ihn wohl am sichersten Phoinix. 

An der Stelle des Phoinix finden wir eine Nereide in 

N#0i 64.^ einer Amphora der Sammlung Feoli Nro. 7. 

11> UsM t« die gause Fonn mit dem Bild, onlar 2 da« Bild 
■Hein ; aber sind das niclit iwei yerschiedene , sehr ähnliche Bilder ? 
wenigstens weichen sie in einem Umstand von einander ab. Derweiss- 
äarige M%ti dev in beiden Bildern hinter AeMilleb» sieht, hält In dem 
elaeik «wel Knemiden^ in dem anderen ein Seepter. A«ek ist die Gewan-i» 
dtts^ vefsöbieden. — Dasa Welch er <ta Infii. 0. 0^ S. 591 sagt, ei 
stehe efae Iferdide hinter Aehilleas, luinti fnr diase ffmlimer mir ein 
eliiraehei Verseben seid, -u 1;9> Diese wMeUea tims der gewöhnü^ 
dien Poim darinab , dass sie sich liit aber die FAsse erstitochea. 



- 44» — 

Thetwhit Tor ieiii ^iidi die SeMMIei^n aldef eiileii ILoUi^ 
leus Helm und Schild auf deii Bo An gelegt iiäd iiAIt. diel 
liMMei. iHinleir Atbüleos die begleittede Nereide^ ~ 

Auf Thetis und Achilleus allein ist die Dantdlug l^. 
sfhiririLt ia 

Nro« 8&i, einer anderen Anpbora derselben Saanu 
hBig Krotf 101 ^ te der Thetis den Helm des Hephaistos aaf 
der Ilatid trftgt, wahrend sie sieb mit der anderen auf de« 
niedergesetfftifn Schild stfltzti — Deiisdben Gegenstand mU 
halten ail Variatieden neeta die Amphoren derselben Sanua^ 
lang Nro. lOS u* M13w -^ 

Oaeselbe Motiv der Composltion findet sich dann in f^ 
nigen Yaien, m% rothen Figiiren wieder ^ 00 in 

Nro. 86.| eiMr neapeler Vase (Tafi XVOI. Nro. r.)^ 
abg^ in Rocbette's M. L pL 10 und dimaeh in der Qab 
oAi Hl 174 IHe Nebenftgitf hinter Acbillens ist weggelas* 
seni der HeH imd die Qottin schüeseen allein die 6m|^« 
Er legt ^ Knemideil an^ wobei er den Fnss auf eine vier'« 
eckige Basis Itellt) de« Hella hat er bMreitt auf dtt».BMpli 
Thetis steh*. ihii, SehWerdt und Lance halteid; gegen« 
über» Ueber beiden Baüptpersoncin . litM; eine gfossbe«* 
schwingte« Nike null einet' Tanie ^ Achilles Sieg jtt verans 
anzodenten, zugleich Halerisch äl^ sehr gefiiHiger ^Mbscblnsa 
des Bildes« -« ,. 1 v 

, Bis auf Binnelheiten ähnlich sind dieser Vase folgen^f 
drei|.wekbe jedoch die Nike nicht nil epthalten : 

> JjTpfo, 67#> Vase in Millin's Peintures de vases 1*99 
in.,splKer 11114. charakterloser Zeicbnunf, «nerst von Ro- 
chp^y^ti^f HL L {; 84 richtig erfcfinnt und erklärt; , 

Nro. 88. y im Museum Karls X. ^ Ancient fond Nro. 10^ 
notir^ y.en.)&ochette a^ a. 0. und 

, J|7ro^. 89i 9 ^ Am p h or a von Volci , aus Canino'schem 
Besitz j(AI. IE;. 1377), , im britischien Museum Nro. 742. Wenn**, 
gleich hier die Handlung des WaiFnens selbst nicht bestimmt 
aosgedltekt ist^ so ditttrUegt dieBrklarung deaBiktel^wel- 



I 



« 4M ~ 

ctes ThetfB odt SchiU wiHelm ihrem Sduie gefentfber enb 
hm, dodi kaum einem ZweifeL — 

Nach anderem Motive componirt stellt einen frflliereB 
Moment dar : 

Nro. 90.) eine Amphora von Corneto (Taf. XVIIL 
Uro. lt.), abgeb. in R o c h e 1 1 e's M. I. pL 80. In tiefeter Trauer 
iber PatroUos f^anz in seinen Mantel dng^ehflllt ''), sitzt in 
der Mitte des Bildes AchiUeos auf einem erhöht stehenden, 
zierlidien Stuhle , ohne auf die Mutter zu achten , weldie 
von zwei Nerdden begleitet die hephaistisdien Waffen bringt 
Thetis steht mit Schild und Lanze vor ihrem Sohne, neben 
ilir eine Nereide mit dem Helm auf der Hand; andererseits 
hinter Achilleus Stuhle auf seinen Stab gelehnt, der greise 
Phoinix (vgl. oben Nro. 83) und hinter diesem eine zweite 
Nereide, welche die Knemiden auf einem seltsamen, schUs- 
selartigen Oerathe trügt Diese Beinschienen sind an den Knie- 
stttcken mit KOpfim (Masken), wahrscheinlich LOwenköpfen 
verziert, aber so wunderlich gemalt, dass man sie flbrzwei 
älterthmnlich steife Bildchen halten konnte. Die Scene ist 
aber im Debrigen von so unzweifelhafter Klarheit , dass an 
diese Einzelheit sich keine neue Erklärung ansdüiessen darf. 
^-> Der Hevers zeigt eine jener zahlreichen Verfolgungssce- 
nen aber gewiss nicht Achilleus auf Skyros >^). 

Nro. 91., eine ähnliche Amphora im Antikenkabinet in 
Wien, welche ausser Thetis mit den Waffen vier theils ste- 
hende, theils sitzende Personen, um Achilleus enthält beschreibt 
Arne th, das k. k. Mttnz- und Antikenkabinet S. 18. Nro. 64. 

Aus dem Gebiete der Sculptur kann ich nur ein Monu- 
ment anfahren, welches mit Wahrscheinlichkeit Achilleus 
Waffuung enthält, nämlich 

Nro. 92., das Relief einer Sarkophagseite im capi- 
tolinischen Museum, aus Mori, Mus. Capit ü. 22 in der 
Oa). om. n. 181. Eine andere Seite enthält die Waffen- 

^iB) Ygl. S. 31^. N^te 10. — i4) S: obea S. 903. -r 



— 445 ^ 

«chmiedle des Hepbmiitos (oben Ibr».«!.), woMch aücriliafB 
der Besag auf unsere Scene sehr nahe gerüAi wM, b 
unserem Relief aber sieht die Thetis gans aus wie Athene, 
dran indem sie ihrem schon mit dem Schild und Helm Iftclb. 
wehrten Sohne das Schwerdt ttherrdcht, ist sie selbst be^ 
hebnt ^^). Den Sdiild, durch dessen Biemen AcUüeus eben 
den Arm gesteckt hat, hat ihm ein Alter, Phoinix hingoÄ^ 
halten, hin!» wdchem ein Myrmidone, gerttstet, mil muthi* 
gem Sehritte dem Kampfe entgegeneilt, nach denttclben Miii- 
tiv, welches das archaische Vasenbild Nro. 81 so lebendig 
macht — Ausserdem sei hier der Streifen der Tabula Diaca 
(Oid. ouL IL m) erwähnt, der Achilleus Waifnnng und 
Aussug combinirt. — 

Häufig ist dagegen AchiUeus Wafiiung in geschhittenen 
Steinen nadiweisbar. Dieselben unterscheiden sidi in besser 
und «ßhlechter charaktaisirt^. Die ersferen neigen Thetis 
ihrem Sohne gegenttber , genau in derselben Weise wie in 
4ien Vasenbild^rn Nro. Si-^SS. Dieser Art ist 

Nro. 93., der geschnittene Stein in derOaL om. U. 171^ 
Adiilleus , den Fuss auf einen Steinhaufen ^^) , bereits be* 
helmt, legt sich die Beinschiene an, Thetto steht dem Sokme 
mit Lan^e und Schwerdt gegenfiber. ~ Ckmn dinlith 

Nro. 94., eine gelbe antike Paste in Berlin (Titfel 
XVm. Nro. 9.), bei Toelken Cl. IV. Niro. 21^1. Auch 
jriet scheint der Gegenstand, auf den Achilleus den Vuss 
stellt, ein Steinhaufen zu sein. -* Etwas anders 

Nro. 9S.» eine violette antike Paste ebendaselbst, bdi 
Toelken Cl. n. Nro. 158. Achilleus, behelmt, den S<^MM 

• • • 

neben sich niedergesetzt, steht seiner Mutter gegenflber, wel- 



iSy Sollte dies blosse Gedaskenlosigkeit sein ? Oder ist kier 
•Itdi Athene an Thetis Stelle gerflckt, die Seh^tEgöUin ffU die Hnt^;^ 
gewflhlty nm den Helden mm grossen Rachekampfe anszarflsten, in ^fel- 
ckem sie ihm helfend zur Seite steht? — 16) Falls die Zeichnung 
richtig ist, gewöhnlicher stellt er den Fuss auf den Harnisch oder 
den Helm« 



Tbetis weg ^ so dass der ddi rttiteiide UAi Mcb «tai and^r 
rtr, ak Achiliei» sek fcitaiite. Ab^rükht alMo» law AdMl- 
iMa WaAuug ri» allen poCtiaeh be^ditiekenen die bertlun^ 
intit. ist, aondern Mch der anf einigeA RManjtye» l>eigii^ 
aflhnebtne Naiaa lassen uns die Staine kiehtr bMidleQ, ohae 
4iass wir ^en Ztevacbs dvfA dieselbrn gnuia für eiiagiMip 
PsnsidienMig mscroi Dflnknalersdiaties aiir Iliaa m h^kn 
■ftthig hätten. Dieser Art sind 

Nm. 0&, der in der Oal. anL IL 188 abgebUdeteSlKa^ 
rabans mit dem Namen AXH E (TL XVH. Nro. IS.) Der ganii 
nackitaHeld, denSdiiUam leeliian Ann, hpßg^ neb linkn über, 
un sick die Knenlis annalegen« Keben ihm das fiehwesdt y^ 

Nro, M. , der ebendas. 18d< Abgebildete ^ audi mit icaa 
(renehriebenen) Namen rcnehen^ Stein giebt ^ igod fc c Seene^ 
nur bat AehiUeus denFoss auf den Hdnl ges^t^uderSchiUl 
AtiAt daneben. *r 

Derselben Art sind Maih mihre «ndeira Sti^ine, m .Mi. 
^KL U. 147, so iu •# rljn die Nimiiiieni 97Sr-97d d^ m 
ClanHi bri ToeU>en, valffbe eineü^ele (dos Patprokloif) 
PÜMtfepi, Hnijfk 4e|i.Waffen^)>eileff, 4ie der Hel4 afi^gt, ra- 
fwnn. Ifpch mderp ^teiqe «eigep Acliflleqs, n^f er^r^fpi 
Jlolpi nder .^«^ JM^w^^ift fttf^r 4wS^U4 b^öpacb^et, »pfi«J. 
om. IL 148 ^mi Hin, Jlprent IL Qß, 8. Uftd Tpelft^e^ IV. 
Ä9!7:-JfPQ- nrU»» W^b*?«^ Rwe^Olrajjiincpli ebeii^a^^ Nro. 
IJir^ W9^f|l wjir \ififT ^^pUif^p, Es ent|)alt die «f«^* 

Gewände tragt das Schwerdt , den Schild , auf dem in der 
-Mitte >dns MednsenhaupA «ahnr ider ^g der waffenlimngen- 
den Nereiden auf Hlppokampen dargestellt M , hat «ib ^or 
sicii nijßderge^et^t. Die Arbeit ist überaus ife^ssend nM 

— — — ^-— — — — — Uli .!• (I ,!j 



Adiillims Amang ist auMmr in dem nwfümtm Stv^ifili 
ier Tabila IliacB in keinem sicheren MammieMU) M^weiHr 
ktf , da die petenbnrger Gemme Gal. . om. II« 1^ y ß^fKie 
f ans ähnliche in Berlin, bei Toelken IV. 1^2. filcUfdi 
Bektor anf sdnem Kriegsvagen darstellen kann , wif die 
Mftntfe der Hier das. tav. flSO. -pt Aach die Gamma GflL 
om. 18f ist Mcbt bestimnH als AchlUena und Antame^ mtf 
dem Wagen bezeichnet 



XIV. Neunzehnter Gesang. 
1. Bi«seV« Zorückföhratig (Vers 343 iE) 

Ausser fepi pUd^ e^er q|>^p (S^ 087 f.) (i^yrocbenen 
Kyli« haben fvir.hfef nf r eifi Mopumenty wd zvf9f eip 
apfttnhpMiGhw aii^ifi)hrMi 9 iv^ches kpra ^ (i^f^fi^^ e^r- 
laubt sein wird. 

Nro. 06. Silberner Discus ld56 bei Avignon ge- 
funden j jetzt im französ. Mttnzkabinet , bekannt unter dem 
irrigen Namen : Schild des Scipip, abgeh| nach .M i 1 1 i n's M, 
J. L 10 in der Gal. om.^nl 1761 un'i m^ der Gal. myth. 186, 
far 0* Bi^ richtifci y nenerdinga v6n Allan ansaei* L a n e 
a. a. 0. befolgte Erklärung ging von Winckelmann a.a. 
0. aus* Zu dem in der Mitte sitzenden Achilleus wird von 
links her B^isefs herangeführt, wahrend rechts n^ben ^eijn 
Hilden Agaipemnon steht, seine Versicherung aussprechen^, 
passer das Mädchen nicht berührt habe. Versch||ede^e ne- 
ben und hinter den beiden Hauptpersonen der Scene tiefin^- 
iidie Männer sind mit den Namen Idoni^iieus, ÖdysseuS| Tat- 

i) Soboa trülif^ visIflA» to ia Sp99s.||ecbWfb()% da^. IWlh|. 

^^jriof. 4(0 1^ r\\lf ^9 I'YOJ? P- 18Ö, R^cl^erp^lifyi fjjiljeiuieff 4'i|nti<(|9|- 

44s p. 1., Hiscell. emd. ant. p. 52; Montfancop IV. 23; io Qro. 

nor^B Theaaunis U. tab. 13, 14; vgl. Winckelmadii, G. d. fr. Ilaöh 

'1FL ddp. 5. {.10 und dligegmi Latige In Weleker^-Z^Haobr. fr.' i. 

L J. 40604:, Walofets safagli. iG. O. Qu i6W. -rti... . i -n, 



ttylitos feüül wiftrleu , worin aber M iaa Bllii|^ dia- 
takteri8tlBch«r Attribute keine OewAhr liegt Vom Bltttcin 
nackter Birtiger am Boden , der das Knie mit den Handeft 
nnrfSusit. Ans welcheai Omnde dieser Phoinix Genannte iai 
Ckstvs der Trauer dasitse, ist nicht haltbar erklüt Die im 
VoMergmnde liegenden Waffettstflcke dürften aib riehtigstea 
Ms Repräsentanten der Sfibaungsgeschenke Agamenmon's anf- 
gefasst werden. Im Hintergrunde Acbilleus Zelt in l^pigier 
Architektur. Die ganxe Composition seltsam nnd aberladen. — 



1 » 



Achilleus im Skamandros wilthend, nach D. 
XXI. 15 ff* 9 Bruchstack (unterer^ sehr kleiner Tbeil) eines 
Sarkophags von Sparta, dessen AusfOhrung sehr gerühmt 
wird, abgeb. bei Rochette M. I. pl. 59, Termag ich nicht 
mit der Sicherheit zu erkennen , die mir nöthig scheint , vm 
das Monument Mer aufzunehmen; doch vgl. Welcker im 
Rhein. Museum 10. S. 410. 



XV. Zweiundzwanzigster Gesang. 

p • • • . 

1 • Hektor's und Achilleus Zweiliampf ; Hektor's Tod. 

Eine nicht ganz geringe Reihe von Vasenbildem ent- 
halt Achilleus und Rektors Zweikampf meistens im Wesent- 
lichen ähnlich, und zwar so componirt, dass hinter Achil- 
leus, der Rektor entweder mit der Lanze niederstOsst oder 
mit dem Schwerdt angeht , Athene andringend , ermunternd, 
hinter dem sinkenden Rektor der in der Poesie früher als 
im Augenblick der Verwundung von seinem Schützling wd- 
diende ApoUon in beinahe gleichfilrmiger Figw erscheint 
Es begreift sieh hienach leicht, dass die Vasenbilder wenig 
individuelks Interesse durch ihre Darstellungen in Apispruch 
liehm^ k«ni|e|ii^.wd dass wir, ohne jrgcpRd F^enÜjifAesjfa 
übergehen^ itsiiselblm beiMhe durch iiH bloiM Anfflkfu^g 



genUfeii« ZnrorBei dbo* Iwmerfcty dass der Oeg^utand iaVt- 
senbildern mit schwaraen Figuren bisher noch nicht ein*einziges 
Hai mit Sicherheit nachgewiesen ist, obgleich ich glaube, dass 
Nro. 99. (Tat XIX. Nro. 2.), das in der Gal. om. IL 
800 abgebildete Vasengemülde, welches Pallas «wischen nwei 
Kämpfern «eigt , mit grösserer Wahrscheinlichkeit auf Hek* 
tor und Achilleus als auf irgend einen anderen Zweiiuim]if 
jni deuten ist 0* ^ Auf dem Revers (daselbst tav« lOO), 
dürften Achillens und Memnon Aber Antilochos Leicbe käm- 
pfend i nach Analogie der bekannten, von Millingen, An- 
cient uned* mon. pL d erörterten, Gal. om. tav. 201 wieder 
abgebildeten, Vase zu eriLennoi sein. — * 

Bedeutender und interessanter ab die Darstellungen des 
Kampfes selbst ist ein Bild ätx dem Kampfe vorhergehen- 
den Verfolgung Hektor's durch Aehilleus in 

Nro. 100., einer K y 1 i x, vommk bei dem Kunsthändler 
Depoletti (Taf. XIX. Nro. 1.), abgeb. in Oerhard's aus- 
erL Vasenbb. ÜI. Taf. 208. — Die Mauer Uion's mit Zinnen 
und Thoren läuft um die ganze Schale her, an ihr hin jngt 
Achilleus {AX1AAEV2^ so, seltener Weise mit doppeltem 
A) stfirmenden Laufes den bei seinem Herandringen von Ent- 
setzen erfassten Hektor (. . . TOP) , welcher jedoch hier 
nicht allein das Thor zu erreichen strebt, wie bei Homer, 
sondern, so rasch er auch flidit, dennoch den Speer za 
kräftigem Stosse gegen Achilleus zurfldcgewendet hat -* 
In den Thoren , deren auf dieser Hälfte zwei schmalere an-» 
gegeben sind, während die andere Hälfte ein breiteres, das 
skaiische Hanptthor enthält, in diesen Thoren stehen phry- 
gisch bekleidete Bogenschützen, Vertreter der in die Mauern 
gescheuchten Krieger Troias , gewöhnliche Krieger , gewiss 
nicht Paris und Deljphobos zu benennen, wie Gerhard 
wollte, indem ihnm unter dieser Voraussetzung schwerlidl 
allein die Beischrifteti fehlen würden, und sie auch nimmer- 
mehr , selbst nicht „mit der Zuversicht ferntreffenden Ge- 

ij Vgl. «al«n Uro. JOÖ. 
OTfibfCk« kwolicte MMt. 29 



MhoflM^ M regiagB- waü haniilMigiWi , ftet theilühidag 
dahenlelm kftftnten. So wie ich 6ie auSaMe , ids Seit und 
Ort beseiclmeiide Nebenpenoaen allgemeiMrer Art, passi 
das sehr gut» wenn man sie ludividualisirt , sehr scUecht 
— Die andere Hälfte der Schale giebt cmiacbst Alhene 
{A9ENMA)^ weldie Hektor entgegen mit eihobenem JSchHd 
vnd vorgestrediter Lanze andrmgt. Indem sie auf diisse 
Weise den Fliehenden anirahalten scheint, hat der Maler 
gan^i woU ihre Einwirkung und Beihilfe, dmrdi welche Hek- 
tor besiegt wurde, angedeutet, ohne dem Moment «einer Dar« 
Stellung vorzugreifen. Ausser Achilleüs Sckutngttttin sehen 
wir aber auch Hektor's. Elteni Priamoa (JIFIAMOS) mit 
dem Soepter und Bekabe (EKVBES) »), jugendlich darge- 
stellt, wie wir sie bereits mehrmals (oben Nro, 21. tu WSU) 
kennen gelernt haben. Beide geben in deutUchen Oeberdea 
ihren Schrecken und Schmen «u erkennen. So konnte der 
Maler sie nur darstellöi, wenn er siei anstatt auf den Zin«- 
aea der Mauer, wie der Dichter, in unmitteAarMr Nahe se« 
heu liess, und wie sehr er hiednrch das Btgreifende seines 
Bildes vermehrte, sieht Jeder leicht, auch ohne dass ich viele 
Worte darüber mache* Das sind Freiheiten in der Repro» 
duction der Poäsie , die durch künstlerische Motive veran- 
lasst und geboten, werden, und diese sind nur mner Zeit ge- 
mässy welche die natimiale Poesie in ihren innersten Inten- 
tionen lebeadig empfindet — 

Die Darstellungen des Kampfes selbst lassen sich seht 
hflndig erledigen, drei derselben hat Gerhard auf der 208; 
TafU seiner aaserL Vasenbb. ausammengestellt , eine vierte 

ISJ Diese Form fleht deutlich auf der Vase and es ist bei det 
Meheren vnd feinen Schrift aller Damen nicht leiefaf, an eine Verschrei- 
bang in diesem einen Bachstaben mit Gerbard in deokea. Sfaier 
achpint ea, dass wir die äol Ische Form mit v werden anerk^neit «lOa«» 
len, die Bochette im Journal des Savanto v. 1835. S. 217 auch in 
der oben (Kro. 22) besprochenen Vase zu finden glaubte, was sich 
nicht best&tigt bat, indem der Harne, rflcklftofig gelesen, deutlich ge. 
nng das A mit schrflgem Querstrich bietet -^ .■ . v 



, ,t •» 'j I 



— 481 — 

ttbttf Tttf. fiöl Näseltet and dia sehOn^^ fiaden wir auf Tftf. 

HOS desselben Werkes. *— Betrachten wir die Menmnente 
einzeln, so z&gt vns 

Nrow 101* und 103., eine Kylix im Mnseo Gregoriano 
IL 74. 1, abgeb. auch bei Gerhard a. a. 0. Taf.202.d, 5. 
auf dem Arers (Taf. XIX. Nro. 3.) und Revers beinahe dasselbe 
Bild. Beide Male sinkt Rektor, jedoch ohne sichtbare Wunde, 
•Tor Achilleiis ; in unserem Bilde dringt der Peleide mit dem 
Schwerdt auf den Gegner ein , während dessen Lanze , mit 
der er einen wohlgezielten Stoss gegen Achilleus führte, 
durrh Pallas Beihilfe fehl geht , was der Künstler sinnig 
dadurch andeutete , dass er den Schaft des Speeres zwei- 
mal im Winkel gebogen malte , ohne dass er gebrochen er- 
scheint. Achilleus trftgt das bezeichnende eine Episphy- 
rlon. Auf dem Revers ist das Bild genauer der Poesie 
gemäss, indem Achilleus mit der Lanze andringt, mit der 
er Hektor's Hals durchstechen wird, ehe dieser das Schwerdt 
ganz aus der Scheide gezogen hat, was zu thun er sich 
ebeh bemttht. Auf beiden Bildern steht Athene völlig ruhig 
hinter Achilleus, wie sich hinter Rektor der entweichende 
Apollon mit Bogen und Pfeil auf dem Rv., mit dem Pfeil allein 
in der Hand in unserem Bilde findet ^). — 
' Nro. 103., das Bild einer Kalpis, 1847 im römischen 
Kunsthandel, abgeb. a. a. 0. Nro. 1. 2. ist ganz ähnlich. 
Hier ist eine Schenkelwunde des sinkenden Hektor angegeben, 
dessen Speer dadurch als von Pallas abgelenkt dargestellt 
Ist, dass seine Spitze in die Erde fahrt, obgleich ihn Hek- 
tor offenbar auf den mit dem Schwerdte heranstürmenden, 
jugendlichen Achilleus zückte. Athene und Apollon wie in 
den vorigen Nummern , nur dass die Göttin , etwas beweg- 

2) Dass Apollon , „dem Ralhschlnss der Götter gehorsam, hier 
selbst- auf ^seinen Liebling einen Todespfeil absende*', Wie Gerhard 
iäg^ ist gewlia niOhA richtig; wenn Apollon einen Pfeil entsendet, s^ 
iet'i vom iilbeme« Rogen, daton ist aber hier heine Spar. Auch Ui 
der Pfeil ntefct gegen Hektor, sondern g^ftfen AchHktis geridhtel. Dan 
Gute fsl «In lingeachlckl «ng«br«Gb«#» AUfibal. ^^ • 



L 



ter , «lie Band erhebt, vnil der Oott in tut wtWidHsr Tmdrt 
jedocb mit Bogen und Pfeil ersclieinti ohne dass ich an die 
flir den Bruder gesetarte Artemis denken mOgte* — 

In allen Motiven ahnlich , aber an Aosffihmng viel 
höher stehend ist 

Nro. lM.y das Bild amHalse einer Amphora mit Vo- 
lutenhenkeln aus Cäre im Besitaie des Hrn. Alibrandi in 
Bom (Tat XIX. Nro. 4), abgeb. in Gerhard's anserL 
Vasenbb. Taf. 204. Die Namen sind den Personen beige- 
schrieben , Sektor (HEKTOP rfickl.) sinkt , im Sehenkel 
verwundet vor dem nUt der Lanze gewaltig heranstttrmen- 
den Achilleus (AXIAjiEVS). Hektor's Lanxe ist aoch hi« 
durch Athene mit der Spitse in den Boden abgelenkt Die 
Q^iüü (AQENAIjI) eilt mit ermunternd ausgestreckter Hand 
hinter Achilleus heran, wahrend ApoUon (^JI O^^ON) hin- 
ter Hektor wieder mit dem seltsam gehaltenen Pfeil in der 
Rechten, dem Bogen in der Linken entweicht Adiillens und 
Hektor unseres Bildes , wie Achilleus und Memnon des Re- 
verses (Tafel XXIL Nro. 18.), sind vortreflüch gemalte Ge« 
stalten. — 

Etwas anders ist 

Nro. 105., das Aversbild eines S t a m n o s der canddori- 
schen Sammlung, jetzt in München, abgeb. bei Gerhard 
a. a. 0. 0. Tat 201 dadurch, dass Apollon fdilt und Athene, 
wie oben in dem archaischen Yasenbild Nro. 99 sich zwi- 
schen den beiden Kämpfern befindet, freilich hier redit leben- 
dig gemalt, den abgenommenen Helm hoch in der Linken 
erhoben, den mit dem Speer andringenden Achilleus zum 
Todesstosse gegen den mit zwei Wunden in Schenkel und 
Brust hinsinkenden, mit dem Schwerdt matt abwehrenden 
Hektor ermunternd % — Der Revers enthält eine, sehwer- 

8) Znerst erwfthnt im Arch. loteil. Bl. 1836. S. 15 f. — 
^) DaM Achilleoa hier gewappnet, Hektor nur mit Helm nnd Schild 
leicht gerfistet iit, hfttte Gerhard nicht dahin nrgiren f ollen, dasi 
der Kflnstler Achillent elf onverwundbarer hätte beseichnen wollen. 
Denn ein Blick auf aeine folgende Tafel, wo in Uro. I. du VerhiU« 



lidi fliit besonderen Namen n beleihende Rüstung dreier 
Krieger. — 

In Senlptur erscheint ausser in der Tabula lUaca, wel- 
che drei Momente der Monomachie, Hektor's Zaudern, seinen 
Fall und die Schleifung seiner Leiche giebt (Oal. om. tay, 
909.) 9 der Gegenstand nur noch einmal in 

Nro. 106.) dem capitolinischen Brunnenmtlndungs- 
relief (Mus. CapitoL IV. tav.37) ^) mit AchUleus SchidL- 
salen , wo aber die Darstellung des ZweilLampfes , wie ihn 
die Poteie schildert , durch Hinzufilguog einer Leiche , über 
die gekämpft wird, getrabt ist, da man wegen der gleich 
folgenden Schleifung Hektor's nicht an den Kampf mit Mem« 
non denken darf. 

Ebenso ist nur ein Wandgemälde des Gegenstandes 

Nro. 107. y aus dem sogenannten Tempel der Venus in 
Pompeji , abgeb. in Steinbttchel's antiquar. Atlas Taf. 
Vlll. B. 2 und in Rocliette's Point, de Pompeii pL 8. 
nachweisbar 9 wenn nberhaupt dieser Kampf gemeint ist 
Achiileus führt unter Beistand der hinter ihm stehenden 
Athene den Stoss unter Hektors Schild weg in dessen Hals. 
Auf jeder Seite noch ein Krieger. — 

In geschnittenen Steinen ist meines Wjssens der Qe« 
genstand nicht bestimmt zu erkennen. •— 

2. HelLtor's Schleifung. 

Hektors Schleifang an Achiileus Wagen ist ziemlich 
oft dargestellt worden und zwar zum Theil eigenthflmlich 
genug. Besonders fordern die Vasenbilder des Gegenstandes 
eine Verständigung im Allgemeinen, ehe wir sie einzeln be- 
trachten , was um so kürzer geschehen kann. Dreimal wird 
Hektor in der Uias von Achiileus geschleift , zuerst (XXIL 

niss sich umkehrt , in Nro. 4 n. 5 beide Helden gleichmäMis leicht 
gerüstet sind, hfttle zeigen mOssen, dass die KAnsiler hierin der Laune 
mehr als specieller Intention folgten. -* Ö) Gal. myth. 15d| 56#t. k. 
6al. OB. II. 202. 



I 



806 IF.) gleich nachdem er gefalleiiy ton iat Steil in imk 
Schiffen, dann (XXIII. am Anfang) um Patroklos Leiche, end- 
lich (XXIV. am Anf.) um Patroklos Grab. Alle drei Schlei, 
fiingen verbinden und vermengen die Vasen. 

Denn bis auf eine (Nro. 110) neigen alle einen weis^ 
gemalten Gegenstand an dem sich zuweilen ein Schlange 
findet ^)j imd der lange als Patroklos Mahl oder Stele mit 
dem bekannten Grabes- und Erdsymbol der Schlange ^ rith« 
tig erklärt worden ist. Auch schwebt auf allen das Eidolon 
des Patroklos ttber dem sprengenden Gespann , was sich na* 
tirlicher erklärt, wenn man den genaueren Beimg nu dem Vcr^ 
storbeneui wie ihn die nweite und dritte Schleifung, ate weim 
man den entfernteren, die Rache des Achilleus, wie ihn die er- 
ste vertritt, annimmt. Und doch finden wir in allen Exem- 
plaren neben dem Wagen, bald in seiner Richtung, bald 
ihm entgegen laufende Krieger , welche als Achilleus erUftfl 
worden sind, der, als der schnellfttssigey vom Wagen gespnin« 
gen sei, und zu Fuss um das Grab renne. Aber das kommt 
mir sehr genwungen vor, und deswegen doppelt unwahr^ 
soheinlich, weil ausser in Nro. 110., wo der Wagenkoker 
allein im Wagen steht , entweder der Held seihst fikhrt oder 
neben dem Wagenlenker sich findet. Ich kann deshalb jene 
Krieger nur als Vertreter der ttber das ScUadilfeld hted- 
lenden Sieger und Resiegten, d. h. also als Ort und Zeit be- 
stimmende Repräsentanten des Schlachtfeldes und der ersten 
Schleifung Bektors betrachten. Ferner xeigt uns wenigstens 
ein Exemplar (Nro. 109) unter den sprengenden Pferden eU 
neu hingestürzten Schwergewaffneten , den ich wieder nur 
als Rezeichnung des Schlachtfeldes, auf dem Achilleus kurz 
vorher getobt hat, mit seinen Leichen und Verwundeten auf- 
fassen kann "). Diesen Mann unter Achilleus Pferden als 

6) Die Schlange hat anch Rro. 110., so dass die Aiiülassnng des 
Grabhügels zufällig scheint. ^ T') S. Gerhard, aaserl. Vasenbb. 111. 
S. 102. Note 101. — 8) Aehnlich fasst Ihn Inghirami a. a. 0. S. 
176 als malerischen Ausdruck der Scene des Schlachtfeldes. 



fftieii ;der geÜBkiiifeiitofTroit so kel^acbfen, die 
geopfert werden, halte ich für ganz verfdilt; deim dass er 
gerüstet, ]fit,be«eidinet ihn grade als einen nicht Cief^ge- 
nep 9 sondern einen im Kampf Niedergeworfenen, and dann 
ist ja auch, nicht die leiseste Andeatupg in der Ilios , dass 
ßil^ (Jefangen^n überfabren worden waren, was an die Stelle 
iler Opferung und Verbrennung mit PatroIUos Leiche ge$et9t 
«uglaul^ea nur sehr wuqdjBrlieh vorkommt» D«k nun aber 
die andenm Exemplare, obwohl ihnen dieser daliegende Maui 
fi^hlt, dieser Vass^ in Conception und Composition Ms mi 
üuwescmflifshe^ Idmlich sind, so werden wir für sie eine glei« 
che Auffassung statuiren müssen. Diese aber besteht darin^ 
daa^ durpb Anbrinping von PatroI^Ios Grabmabl und Eidolon 
^er b^tisunte Seaug der Scbleifwg Hektors mi dem todteo 
Freunde des Achilleus deutlicher gemacht werden sollte, ohii^ 
da^s di,e Maler nur die zweite wd dritte Stelle, die UijAfahrung 
der h^i^he und des Grabhü^ls hatten ausdrücken wollen. 

,i>ie in Riede atehenden Vasenbilder sind die folgenden; 
^sunftchst drei VQn sicilischer Fi^bnk: 

ri^ro. 106.9 Lekythos, abgeb. bei Rochette, SI. !• 
pL tß^. 1 9) Achilleus mit dem Scorpion als Schildzeichea 
neben seinem Wagenlenker Automedon im Sitz, zwei ent- 
gegeustürm^nde Krieger, Rektor'^ Leiche undeutlich roh ge- 
^ajt^ Patroklos Eidolon ungeflügelt über dem TodteumabL — 
.; Nro. 109. Lekythos aus der Hope'schen Sammlung 
(Tf. XIX.Nro.7.), abgeb.beiDubois-Maisonneuyelntrode 
f 1. ,48 *°). Ranken im Feld, Achilleus allein im Wagensitz, 
an dem .Hektor's Leiche mit den Füssen befestigt ist. Unter 
den sprengenden Pferden der erwähnte Gerüstete, neben 
denselben ein zweiter in derselben Richtung forteilend. Das 
Mahl des Patroklos ohne die Schlange , sein Eidolon geflü- 
gelt und ganz gerüstet oberhalb vor Achilleus im stürmen- 

B) Aas dem Cabinct Iteand Uro. 383. Anch abgd). in der 
Gal. om. II. 208. — 10) Auch bei Roche tte, M. I. 18. 2 und in 
der Gal. om. 210 n. 218, Müller« Denk. a. K. LXIX. 79. 



den CMitendiritt. Die Bhlerri Igt nglddl fteiser ab fai 
der vori|;eii Nmnner. 

*Nro. 110. Amphora in Mos. Boib. (Neapeb ant 
Bildw. S. 829.) (Taf. XIX. Nro.6.X abgeb. bei Röchelte, 
H. L pL 17 ^0* ^^^ bier Ranken im Feld. Der Wagen- 
lenker in der bekannten langen Tracht , den Sdiild auf den 
Racken geworfen , allein im Wagensita , da Hoplit neben 
den Pferden rennend. Heator's Ldche ist mit den Fassen 
aussen an die Achse des Wagens gebunden; das Mahl fehlt, 
doch ringelt sldi die Schlange aber Rektor hin, höher hinanf 
das auch hier gana gerostete und geiOgelte Ridolon des 
Patroklos. 

Nro. 111. Ein viertes Gefkss mit Hektor's Schleifimg, 
bei Campanari in Rom, linden wir im Bnfl. v. 1841. 8. 13d 
notirt ^ Ueber ein fanftes 

Nro. 112», eine Hydria in Manchen, entnehme ich 
Welcker's handschrifUichen Bemerkungen folgende Notia: 
^Auf der Flache nach dem Halse au Hektor's Schleifung ; 
Achilleus tritt dem Eidolon entgegen , indem er die Lanae 
auf das Haupt Rektors setat; der Wagenlenker im weissen 
Oewand auf dem Wagen schaut sich um. Vor den Pferden 
Nike mit dem Kerykeion, die Quadriga halt*. Es ist dies 
also ein etwas spaterer Augenblick, die Ankunft bei den 
Schiffen oder derjenige, wo die aweite Schleifung beginnen 
soll. — Am Bauche Kampfscenen ohne speciellen Charakte- 



Nro. 113. Nach einer anderen, mir von Welcker 
mitgetheilten Notiz findet sich auch noch eine sehr alter- 
thamliche Schleifung Rektors bei Baseggio in Rom. Neben 
dem Wagen nach Achilleus gewandt, ein Behelmter mit Dop- 
pellanae, unter dem Gespann eine Schlange. 

Nro. 114. Aehnlich wie Nro. 110, aeigt auch eine 
voicenter Amphora im brit. Museum Nro. bSS. Achilleus nicht 

ii) Danacii Gtl. om. 11. 21t. 



■1 



^ 4U ^ 

8«t ien Wagen 9 wo mdl nur Itat w^iaggevanilete Lenker 
tnittf sondern neben den sprengenden Pferden. Die Leiche 
Hektor's ist am WagensiCsse angebunden, das Mahl des Pa- 
troUos in der bekannten Fonn durch den glockenfllnnigen^ 
weissen Gegenstand angegeben , die Schlange fehlt nicht, 
neben dem Malile ein Baum. — Rv. Parisurteil. — 

Nro. 116. Bine Vase in Pompeji mit Hektor's Schlei- 
fung durch AcfalUeus erwähnt Rochette, Lettres ardiiäol. 
L p. 198. — 

Diesen durchgangig alterUiitmlichen GeOssbildem mit 
Hektor's Schleifung selbst können wir eine Notis wenigstens 
einer Vase des spateren Stiles hinaufiQgen : 

Nro. 110.y Ruveser Amphora mit MaskeiAenkeln 
im Museo Borbonico, Bull. 1810. S. 188. Hektor's Leiche 
an Patroklos Grabe von AchiUeus Torbdgeschleift. — Der 
Revers ist bakchisch. — 

Dann dlber schliessen wir awei Vasengemälde an, de« 
reu Ckgenstand etwas abweidit. Schon oben (Nro. HS.)» 
erwähnte ich eines Vasenbildes , welches die Quadriga des 
Achilleus in Ruhe zeigt. Dies finden wir in interessanter 
Weise wieder in 

Nro. 117., einer Amphorades Prinaen Canino ^>) (Tal 
XIX. Nro. &X abgeb. in G e r h a r d's auserl. Vasenbb. UI. Tut 
199. Achilleus Viergespann, an dem Hektor's Leiche (JBEKm 
> OP rflcU.) befestigt ist, halt an Patroklos weiss gemal* 
tem Grabhflgel, an welchem sich die Schlange ringelt, Pa- 
troklos {IITP0KA02 rflckl. so), ungeflflgeltesi aber gans 
gerüstetes Eidolon schwebt darüber. Achilleus {AXIAEVS 
rückl.) hat den Wagensitz veriassen, in dem sich Autome- 
don als Lenker im gewöhnlichen langen, hier aber nicht 
weissen , sondern schwarzen und bestickten Gewände , den 
Schild auf den Rücken geworfen , befindet. Der Leichtge- 
rflstete Peleide steht neben Hektor's geschändetem Leichnam, 

t9y Mds. to. 527. Vgl. fiapp. volc. Note 403 and Röchelte, 
H. L p. 281. 1. 



iWr den er rieh in befk'itligteni KtkbegetüU m f ensnerev 
Betraehtniig^ der Entstelinngen niederbeogt , und sn den er^ 
wi6 die ausfestreclLte Hand ansudeuten sebeint , noch jettft 
«in Wert der Sebmahnng riddtet. Neben den Pferden steht ein 
bdittgelter Dämon mit anscheinend weibKeheni Kopf, wel* 
eben die Inscbrift £0^1202 (rflcfcl.), die offenbar mk iCoVic 
lind KovioatiXog jnuammenhangt, als ^Stauber^ oder «Stanb- 
iffüxei^ beneicbnety nnd welcher die in der Ittas mehrfach ^') 
und noch bei Virgil ^^) hervorgebobene Schändung der Lei* 
che durch den Staub ausdrückt ^^). Vor den Pferden als 
Vertreter des Heeres der , wenn auch in dieser Bigenschafl 
in der Ilias nicht: genannte Odysseus {OjiVTEV rMsl.y ^)\ 
neben Ihm ein weiss genilter Hund. -^ Dei* Revvfra xeigt 
fttnf Amanonen zu Pferde, dutth welche«, obgleich Penflieri^ 
Itia nidit genannt ist, die Ankunft der Amaaonen iadi Hek« 
tor's Tode bezeichnet, und damit die Aithiofis Ähnlich an die Sias 
angeknüpft wird, wie in den streitigen SchhissretBen der ilias: 
. äg oSy^ d^tpitHüv td<p6v "BxiOQog* ^A^« d'^jwn^osr, 
^Aptjog ^ydtfff ic. r. A« 
Das nweite der noch flbrigen Vasenbilder, 
Nro. 118., an einer s. g. bakchischen Amphora, 
in Gerhard's Beritz und abgeb. in dessen auserl. Vasenbb. 
JU. IM. % wird, wie mir sdieint, am aller einfachsten so 
m erklären ^in , dass Hektors Leichnam vergessen oder 
««gelassen ist , wie Aehnliches mehrfach auf Vasen vor- 
Icömmt Unter dieser Voraussetzung ist das Bild den schon 
hetrachtetea ganz ähnlich. An dem weissen, mit derSdüange 

13) XXÜ. 401, XXIV. 17. ~ 14) Aen. II. Vs. 272. aterque 
cruento pulvere. — IS) Dass die Inschrift nicht zu dieser seltsameDy 
liber als weiblieh doch niebi bestimmt bezeichneten Figur gehöre, son- 
idern untbbADgig sei, kann ich Gerhard nicht sugebea, welcher die 
in Rede stehende Person als Iris erklärt. Diese soll hier die Rolle 
der Athene II. XIX. 352 übernommen haben, Acliilleus dnrch ambro- 
sische Nahrung zu stärken. — 10) Dieselbe Naniensform z. B. in der 
Uolenkylix' des Enphronits oben Piro. 38. , in dtr Tolcenler Vase Nro. 
1588 in Berlin nnd auf der Vase Francois. : ( 



— - 4M — 

yßermSheüM QnhmM its PatroklM, Aber im sein gelügfel- 
tesuKd g^erflstetcs Eiiolon schwebt, stürmt AchÜlens, bdielmif, 
aber mit den langen Wagenlenkergewand bekleidet ,' tn sef^ 
neu Viergespann rorttber. Dem Wagen entgegen rennt cid 
SebWergerttsteter, wie deren zwei oben in Nro. 106. sich finden! 
Oerbard's Erklärung: „Leichenfeier des Patroklos^ miter» 
scheidet sich ?on der meinen mehr im Namen, als in de^ Sadie, 
da auch er an das Umfahren von Patroklos Grab am Aiifan^ 
des SS. Gesanges der llias anknüpft. Niir glaube ich, dasä 
aneh hier die erste nnd dritte Schleifung mit der eWeiteH 
vermengt sind. An die Leichenspiele flu Ehren des Patroklos 
darf gewiss nicht gedacht werden. -> Auf dem Revers wabt- 
scheimych ApoUon als Kitharöde zwischen der vor ihm sitzen* 
den Leto und der hinter ihm stehenden Artemis. — 

Unter den Beliefen ist mir keine wirklich bedevtende 
Darstellung bekannt , auch sind es nur spätr^mische Arbei* 
ten, welche deshalb kurz aufzufllhren genügen wirl. ^ Am 
meisten Stil und Bewegung dürfte in 

Nro. 119., dem Gal. om. 205 abgebildeten Stück des 

capitoliniscben Peristomion mit Achilleus Schicksalen ^0 (^^^^ 
XIX. Nro. 5) sein. Achilleus steht ganz nackt, in kräftiger 
Stellnng mit gezogenem Schwerdt auf seinem mit zwei VPöt* 
den bespannten Wagen, an den Hektors Leiche nidit sichtUeB 
befestigt ist. Er schleift ihn an den Mauern Troias Mn| 
zwischen deren Zinnen Priamos mit der Geberde des Schmer- 
zes sichtbar ist. Dem Wagen lauft Nike mit hodierhobenem 
Kranze voran. -*- 

Sodann Nro. 120 an der Ära Casali, bei Wieseler 
Taf.3. 1 >^), vgl. S. 16 ff. An dem Thore vorbei wird Hektor's 
Leiche am Viergespann geschleift, in dem aber augenscheinlich 
nicht Achilleus selbst steht, sondern ein Wagenlenker wie 
z. B. in Nro. 110. Im Thorc erschrint nach Wiesel er's ge« 
wiss richtiger Annahme Andromache mit zwei Diene];inen. 

17} Mus. Capit. lY. far. 37, Gal. m^th. 5!^3. -^18) DffeAbl^ 
bildii0| In der Gst. om. 207, wie ille früheren ainÜ iknt reMcHlMi. ' 



1 



- 4M ~ 

Achillras Vier^^eqianB herauf sprengt noch eis anderer 
Wagen, wohl der erkenteteHektor'Sy unii wieauch Welcker ^') 
sagt, an Wettfahren zu erinnern, nugleich um, nach Wiese- 
ler's Bemerkung, Hektor's Schleifung dadurch noch griss- 
lieher nu machen, dass sie in einem Agon vorgeht, •— Aus- 
ser dem betreffenden Streifen der Tabula Iliaca Oal. om. 
909 ist hier, da Aber das bei Inghirami tav. 218 aus 
Choiseul-Oouffier Voy. pitt I. pL 121 abgebildete, als 
obere Tbflrschwelle in Aisaluk bei Ephesos eingemauert 
gewesene ^^) Sarkophagrelief welches nur in einer unver- 
bflrgten Zeichnung vorliegt, wenigstens nichts Genaueres 
nu sagen ist , als 

Nro. 121., das von Dallaway: Les beanz arts en 
Angleterre, trad. par Mi 11 in L p. 285 ^0 notirte, in den 
Marmora Oxoniensia pL54« 148 abgebildete Relief ansufiihren, 
welches die Schleifung Hektor's mit dem Einzug des höluer« 
nen Pferdes und dem Tod des Priamos combinirt — 

Neben diesen Steinreliefs sei als 

Nro. 122., das Relief einer Thonlampe erwähnt, 
wdches, Oal. om. IL 222 (aus Bellori, Lucemae DI. 9.), 
abgebildet, wie Nro. 119 Priamos mit Schmernensgeberde 
auf der Mauer Aber dem Thor «eigt, wahrend unten der 
liesig grosse AchiUeus Hektor's Leiche am Zweigespann vor- 
beischleift. — Aehnlich ist 

Nro. 12S., eine nweite Thonlampe, abgeb. in Re- 
ge r's Thesaurus Brandenburgicus IH. p. 448 60. vgl. S. 
452. Auch hier Priamos über dem Thore, Achilleus mit er- 
hobenem Schild (wie in Nro« 124) sprengt mit dem nackten 
Leichnam Hektors am Zweigespann vorfiber. — 

In gewissem Betracht interessanter als die sämmtlicben 
genannten Reliefdarstellungen ist diejenige eines der beiden 
Silbergeftsse von Bemay , 

19) Zu Ingh. G. 0. S. 611. — 20) Ueber die Schicksale des 
Beliefi Tgl. y. Prokesch-Osten ErinneniDgco ans Aegyplen and 
Eieinatiea (1830) 1128^. ^ 2i) S. Yielcket an lagh. G.O. S. Gli. 



— 461 — 

Nro. 184», oinocboäartig^e KaBDe (T$t XUL 
Nro. 12.) y abgeb. bei R. Roc bette HL I. pl. 53. Das Bild« 
werk vereint «wei Scenen , Sektors SchleifiiDg uad. Achil- 
leus Tod. Am sprengenden Zweigespann, in dessen Wagen* 
sitze Acbilleus sebr gross, sein Wagenlenker viel kleiner 
gebildet stehen, wird Hektor's Leicbe an den ansf&hrlidi mit 
Qoadern, Zinnen und Thflrmen dargestellten Mauer Uions, 
von der herab Priamos und Bekabe jammernd i^uschatten und 
zwei andere Troer auf Acbilleus Speere werfen , geschleift« 
Wie er an dem Wagen befestigt ist, ist wegen Fragment!« 
rung des Gefilsses nicht zu erkennen ; einzig unter allen Dar- 
Stellungen ist es, dass ihm hier auch die Hände gebunden 
sind. Drei Myrmidonen begleiten laufend den Wagen ihres 
Fürsten , der gegen die Geschosse der Troer den Schild ab* 
wehrend über den Kopf halt — Hinter ihnen bezeichnet eine 
grosse Maske an der Mauer, der Ansatz des Henkels, den 
Scheidepunkt der beiden Scenen ; links sehn wir den vom Pfeil 
in die Ferse getroffenen Acbilleus niedersinken, den Kampf 
Aber seine Leiche beginnen und eine Victoria mit dem Kranze 
der Seite der Griechen zueilen, wekhe den Leichnam des Pe« 
leiden sich erkämpfen werden. Nftheres unten zmr Aithiopis. 
•— Am Hals und Ausguss der Kanne jene Vontellung (oben 
S. 418), die man fttr ein Denkmal der Doloneia gehalten hat 

Bei einem Altar und Baum begegnen sich Odysseus mit 
der konischen Mütze und ein jugendlicher Mann mit Doppel* 
Speer in einem TbierfeU. Das soll Dolon sein. Aber au« 
genscheinlich sprechen die beiden Helden mit einander und 
haben nichts Feindliches im Sinn 2^). Aber auch der Altar zw!« 
sehen beiden, sowie ein zweiter mit einem grossen Gefkss 
hinter Odsrsseus , zeigt deutlich , dass hier nicht das nicht- 
liche Schlachtfeld .die Scene ist, sondern eine Stadt mit 
Tempeln. Und dann kann und darf bei der Doloneia Dio^ 

22) Die Art wie Lenormant im Ball. y. 1830. S. 103. diet 
aas der ErsAhlaog bei Darei cäp. 22 su begrflnden facht, hat wenig 
GewAhr. — 



nieto 9idit feidM ; zwei durch f o<Stifiche Nothwviidigkeit 
FeriHudene Cbaraklere wie Diomedes und Odyssems kana 
nan in den Hauptnomenten ihrer Verbindvng^ nicht getrennt 
d^tellea. Wenn danach nicht die Scene sich findet, die 
■Mtt annahm, sa bleibt nur der Vorschlag au madied. Wer, 
yfit auf dem anderen Silberbecher von Bernay (Bochette 
MI. Lp). 6St) eine Scene des Palladienraubes anaondimeny 
hei dem Diomedes einmal in anderem, als dem gewöhnlichen 
]Kostiim erscheint, <^ 

Sodann kann ich nach einer handschriftlichen Notia 
Welcker's als 

Nro. 12&y ein MosaKk gana aus farbigen Steindien 
ausammengesetat, anfuhren , welches , Hektor's Schleifimg 
darsti^l)end, im October 184S bei der Ptorta San Lorcnao in 
Rom gefunden wurde. — 

Auch in einmn etruskischen Kunstwerke ist der Gegen- 
stand au Tage gekommen: 

Nro. 126., auf der eine Schmalseite eines Sar* 
kophag's, dessen Langseite die Niobidea von ApoUon und 
A^rtemis erlegt, und dessen andere Schmalseite eine Gruppe 
aips ein» Kentauren - und Lapithenkampf enthalt, in Tos» 
fapella im Garten deif Hm. Campanari , ist nach dem Bull, 
y* 1839. S. 26 und dner ergänaenden handschrifflichen No« 
tia Welcker's Hektor's Schleifung so dargestellt, dass die 
Leiche nicht mit den Füssen , wie gewöhnlich , sondern mit 
dem Kopf an den Wagensita angebunden ist Acbilleus steht 
im Wag^n mit der Lanae, von der die Waiiw Hektor's her* 
ajUhangen, auf der Schulter. — - 

. . Baufig ist der Gegenstand in durchgmigig spät^i, mei* 
sUtna recht unbedeut^d geschnittenen Steine , yon denen 
hi(a' eine Auswahl Plata finden möge. Dieselben endialten 
en^eder die Personen der Scene allein oder .aeben derseU 
ben die Mauer Troias nebst darüber hervorragenden Tem- 
peln und Thürmen. Ton der ersteren Art sind beispielsweise 
folgende Gemmen iu Berlin: 



Nro. 127., Karneol (Taf. XIX. Nro. 9.), bei Toel. 
ken IV. 292^.4^ ))«6tg«fdiiiitt(i)ii«x9t^ '4(8 /Gegenstandes, 
den ich kenne« Achilleus und Automedon im Wagensitze, 
jener mit der Lanze, dieser Zjügel und. $reissel in den Han- 
deuy treibend vorgeleiint. Hektor erhebt noch den einen Arm. 
7— Letztei^e^ kehrt nieder in 

:, Nro. 128., einem Sardon yxoMt weissem QnerstreiGeil jba 
201 (Tf. XIX. ^ro. 11), welcher de« gan« gerteteten AchHleiis al«* 
lein im Wagensitze zeigt. Umher die Buchstaben M M F S. ~ hi 
, Nro. 129. dagegen, eii^em hellen S arder, ebenda& 
Nro. S^ , der im übrigen der vorigen Nommer entaprioht^ 
schleifen die Arme Sektors beide im Staube nacb, ganz wie 
in den Vasenbildern Taf. XIX. Nro. 6. u. 7. 

Derselben Art ist noch derKaruQol bei Lippert,DaCf 
43fL IL 145. upd der Onyx in den Impronte gemm. L.85^ 

Einige Beispiele derjenigen Steine, welche die iSchId* 
fung an den Mauern Troias enthalten, sind, ausser dem scbctt 
oben (S. 406. Nrop 30. Taf. XVi Nro. 8) l^pröcheneil, 
welch/^r Hektcnrs Abschied von Andromache mit seiner Schlei« 
fiiBg verbindet, die folgenden: 

.^ Nro« 130., in Florenz, am Go.ri, Mus. Ftor. II., Geob* 
mae 85. Nro. 1. in der GaL om. 20i, ^ 

Nro. 131., rother Jaspis in Berlin <Taf.XIX. Mrt. 
10), bei Toel ken IV. 289. Achilleus mit Automedon im 
sprengenden Zweigespann, auf den Zinnen der MaiierPn»r 
mos, welcher die Anpe flehend herunterstreckt und Hekabei 
welche sie in Verzweifliing zum Himmel erhebt. Die vedMi 
unten sit^^nde weibliche Figur init der Mauet - oder Strafa» 
lenkr^ne ist als die Stadtgöttin Troias (Tvxti n9ks»i) von 
Toel ken richtig erkannt; si^ verbirgt ihre hervorquellen^ 
^en Thränen mit der ruhten Hand. Der, Nummer 130. sind 
dann noch 2 Pasten in Berlin, bei Toel ken IV. 293 ml 
294 gan^ ahnlich , nin: schlediter erhalten und mit weniger 
ausgearbeiteter Dai^tellung der Tempel der Stadt, «— 



Vier und zwanzigster Gesang. 

1. Hektors Lösung* 

Diese letzte Denkmilergnippe zur Uas ist zzglddi 
wohl ohne Frage die interessanteste und bedeutendste. Wir 
unterscheiden in ihr zwei Theiie, erstens diejenigen Bild- 
werke, welche sich auf die im Anüang des vierondzwanzig- 
sten Gesanges enthaltenen Vorbereitungen und Anordnungen 
der Gdtter und Menschen zu Hektors LSsung beziehen , und 
sodann diejenigen welche Priamos vor Achilleus und dieL^ 
sung selbst in verschiedener, durch die epischen und die tra- 
gisdien Bearbeitungen influenzirter Weise darstellen. Die 
Bildwerke der ersten Abtheilung sind wenig zahlreich, aber 
sie sind von Interesse, namentlich eines, weldies ich voran- 
stelle, und welches sehr geeignet ist, eine dfirre Oranuna« 
ükemotiz mit Bhit und Leben zu versehen. 

Nro.182. Schlanke Amphora vormab Ganino(Taf. 
XX. Nro. 1.), abgeb. in Oerhard's auserL Vasenbb. Taf. 
noo. Die llias erzählt fiber die Anordnungen , welche unter 
i&k Oöttem zu Hektors Auslttsung getroffen w^en, dass Zeus 
Thetis durch Iris zu sidi berufen lässt, und dass er sie mit s«- 
aer Botschaft und seinem Befehl, Hektor's Leiche dem Vater 
zurttckzugeben, wenn dieser sie zu lösen komme, zu Adiilleus 
entsendet Hermes dagegen muss zu Priamos geim, um ihm 
mitzttthmlen , dass er sich allein , mit reidilicher Lösung za 
AchiHeus zu begeben, und Hektor's Leiche zu erbitten habe, 
die ihm Achilleus, Zeus Befehle gemäss, herausgeben werde. 
Unser Bildwerk, eine der vollendetsten Vasenmalereien, die 
ich kenne , fasst die Sache anders, und zwar wahrschdnlich 
nach einer anderen, nachweisbaren Quelle. Wir sehen den 
unverkennbaren Hermes bei Achilleus, der freilich nicht durch 
Namensbeischrift bezeichnet , aber der Art charakterisirt ist, 
dass iuium ein Zweifel an der Benennung dieser Heldenge- 



— J« - 

Btalt ViMg bleibt kann. Hanes redet zu Achilleus, zugldeh 
aber hat er des Beiden Hand ergriffen , die er festhält , in- 
dem er den Peleiden mit einem seleh innigf-emsten Blick und 
diiem so wunderbar sprechenden Oesichtsausdruek anschaut, 
wie vieUeidit nirgmd wieder in Vasenmalerei nachweisbar 
ist. IKe^ Blick erwiedert Adiilleus, in dessen Gesicht ein 
Zug von Schmerz oderWdimuth unverkennbar ist, während 
die Wendung von Bermes weg deutlidi bezeichnet , dass die 
Unterredung zu Ende, der Befehl des Oottes verstanden, und 
dass Achilleus bereit ist, ihm, wenn auch schweren Herzens, 
Folge zu leisten. Aufinerksam zuhärend steht hinter ihm 
Briseis. — Gerhard hat vMlig richtig bemerkt, dass ein 
solcher Händedruck, den ein Gott einem Sterblichen gebe, 
sehr selten und nur bei besonders wichtiger und bedeutsamer 
Veranlassung denkbar sei« Als eine solche erkennt er eben«* 
falls mit Recht die von den Göttern beschlossene Auslösung 
Hektor's. »Essei^ flArt Gerhard fort, »wohl die olympi- 
sdie Sendung gemeint, durch welche Hermes dem schutzfle^ 
benden Priamos Achilleus Grossmuth sichern wolle , und ob- 
wohl die Ilias diesen Erfolg durch Annäherung des Hermes 
an Priamos , nicht an Achilleus erreiche , so sei doch eino 
abweichende und Achilleus näher bertthrende Wendung der 
Sage an und für sich und zumal beim letzten Buche der Uiaz 
als der Grundlage dieses Bildes nicht schwer vorauszusetzen.^ 
Wir brauchen diese Wendung nicht vorauszusetzen, denn sie 
ist uns bezeugt O9 freilich nicht aus epischer, wohl aber 
aus tragischer Poesie. Die Vita Aeschyli erzählt: iv ii i^ 
roTc "^EKtogog XvTQoig V^;|riUev( ofioltog iyx$xaXvfi§Aivog oti 
^iyy9ta$, nX^v iv af/aTc oXiya nQog ^Bqi^^v 
dfioißata. In Aischylos Phrygem oder Hektor's Lösung 

IJ WAre diea nicht, so bin ich ganz mit Gerhard einTeritan« 
den, dass man das Bildwerk aas fein kOostlerischer Aeprodaclion der 
Ilias selbst^ nach deren innersten Motiven, nicht nach der Form der Dar-» 
Stellung, ableiten mOsste nnd könnte. Thetis an der Stelle des Hermes 
wftrde onter dieser VoransseUnuig die Seeoe nnUar gelusen haben.— 
OTsrbsek, beroiiehs Gallcrit. 30 



irtio kam Henm mm Aebillew» omdiie HtitiMi 41i«€(3Sms 
Willen den Peleidten kand, vnd das ist die Qadle unseres 
Bildes, oder vielleicht dne Wiederholung dieser Wendong 
der Sage in Sophokles Phrygern, in welchen er, nach den 
vnverwerflicfaen Scholion xa Aisdiylos Pronethens 486 '), 
anch das lange Schweigen des AchiUens ndt Aischylos ge* 
nrintinn hatte. «-* Non aher beachte nan, wie dnrdi unser 
Bild die Notia aus der poetischen <^uelle Leben und Farbe 
gewinnt Auf die narteste Weise, durch seine Nhitter, Hast 
der homerische Zeus AchiUens seinen WiUen kund thun, und 
Uer sehn wir» dass der Tragiker diese Zartheit in sdner 
Weise bewahrt hat Nii^ vomehn kalt vom Theologeion 
herab sprach' Hermes seinen Befehl^ nein, er trat nu dem in 
Schmern versunkenen Helden, und eranhnte iha mit freund- 
lichem HandscUag , Mass au halten in seiner Tran«*, und 
Zeus Befehlen au gehordien. Auf wddie HMie der Herr- 
lichkeit wird Uednrch AchiUens gdioben, und wie uniber- 
trefflich wird es faiedurch eingeleitet^ dass sein Oemäth nach- 
her dnrch Priamos Bitten und Thranen gerührt und erweicht 
wird , und er dem Greise des Sohnes Leiche mit Sanflmuth 
aurttckgiebt — 

DerBeven, ein Birtiger nwisehen aweiIHranen scheint 

Priamos Vorbereitungen au seinem schweren nachtlichen 
Besuch bei AduHeus können wir in einem Vasenbttde nadi» 
weisen. 

Nro. ISS., Kalpis, in der Adunanaa des Instituls bk 
Rom vom 17. März iSdS von Braun vorgezeigt und er- 
klärt, BuUettfaio IMS S. 7Sf. Prhunos ist im BegrMle den 
Wagen zu besteigen, der ihnin's Griechenlager bringen soll, 
und vor den das eine Paar Pferde bereits angespannt ist, 
wahrend das zweite von zwei unbekleideten Männern heran- 
ge£ilhrt wird, um von dem Wagenlenker im gewdbnttcheii 



»} S. Wolcker'0 Griech. Ikagg. L & 135. 



— 4«r — 

iMssen: und laaf en Oewan^e angeschirrt 011 werden. Am 
Ende steht Paris, in pfarygisdier Tracht, mit Lehhaftigkeit 
die linke Auid erbebendy als begleite er mit dieser Bewegung 
eine Bede an die nnt dem Gespann Besebäftigten. Sein Name 
ist beigeschriebea, swei andere Insdiriften : Te les und Kio- 
nis, wdtehe vor und Aber den beiden Stangenpferden stehen/ 
besieht Braun auf den einen Knecht (Teles) und das eine 
Mord* Ausserdem indet sieh noch zweimal das KAAOS^ 
einmal bei Paris und das «weite Mal bei Teles. — Am Halse 
du Wettrennen in Viergespannen mit beigesehriebenen Na- 
mmi : Nikias und Blatos und unter den Pferden Hippion. — » 

Priamos auf dem Wege uu Adiilleus finden wir in ei- 
nem eiHrten Vasenbild, 

Nru. IM., belMillin, Peint de Vases ü. 23, der irr- 
tltadieh Memnon eikennen wollte, und danach 6al. om. II. 
SIS8 mit der richtigen Deutung. Priamos, durchaus in orien- 
triischer Kftnigstraeht , mit dem Bogen in der Hand, ist 
eben von der haltenden Quadriga gestiegen, wie ihm Hermes 
in der Oestajt eines Myrmidonea (gan^ nach Vers 896) be- 
gegnet. Der Oeues^ des Priamos, hier nicht der alte Herold 
der Ilias, sondern ein leichtgerflsteter Jüngling, ist auch halb 
vom Wagen gestiegen, den er mit straiFgefiisstem Zfigelfllr 
den König bereit halt Unter dem Bilde steht (in der Oal. 
om. ausgelassen) nOAEMto^^ was wohl ein, entweder vom 
Vasenmaler selbst oder von M i 1 1 i n's Zeichner verschriebe- 
nes nPIAM02 sein soll. — Denselben Gegenstand erken- 
nen die Herausgdter des Vaseakatalogs des brit. Mnseum's 
in d€m Kid efeaer Hydria mit sdiw. Pig. vormals Dorand'- 
sckeih Besitues' (Mpo. UM), jetat fan brit. Mus. Nro. 486, wel- 
ches de Witte für aussermythisch hielt. Ich wage ohne 
BiMidit des Monnmentes selbst nicht abzusprechen , kann 
mich aber durch die Beschreibung nicht für überzeugt er- 
Idkren , däss wii^kKcU unser' Gegenstand gemeint sei. — 

Ungleich reicher sind die Denkmäler der Auslösung 
seUMrii4er von. Piiamos' C^ in den» VaM 



— 4« — 

senbildeni des Oef enstendes ofttAut deb etaie gMMBe Kraft 
der Erinduig und poääschen WMergeataltusg desdichtari- 
sehen Stoffes ^ wobei jedoch xor richtigen Bevteiliui|r des 
Verhältnisses dieser Bildwerke sor Poesie nicht Torgessen 
werden darf , dass ausser dem ans vorliegenden Epos die 
tragische Dichtung , uns bis auf Spuren verloren , den ßifoS 
bearbeitet und der Kunst vorgestaltet hatte. Wenn wir hie- 
nach nicht berechtigt sind in der Art der Handlang, in den Fw- 
sonen der Scene selbständige Erfindung der bildenden Kinni- 
1er ansunehmen y so bleiben in diesen DenkoMlem anderer« 
seits, ausser der bildlichen Darstellung selbst, in AnffusuBf 
und Gomposition viele originelle und dabei recht eigentlich 
aus den Kreise des Ausdrucks der bildenden Kunst geiossene 
Motive y welche eben nur den ,,Topfiulem^ mgescintieben 
werden können. — Von den Vasenbildem sind, soviel kh 
weiss, nur 2wei mit schwanen Figuren bekannt, wogegmi 
mehre der rothbemalten noch sehr alterthämlich strengen 
Stil zeigen. Mit jenen zu beginnen nenne ich als 

Nro. 185., voran eine Lekythos von Ruvo im Be- 
sitze des Herrn Steuart in Neapel, sehr ungenau beschrie» 
ben im BuIL v. 1834. S. 87, genaaer und mit grossem Lob 
der Zeichnung daselbst 1886. S. 75 f. ^). AdiiUeus sitzt aof 
einem reichen Sessel, von dem sein Gewand und ein Thier- 
feil herabhangen. Er ist von jugendlkhen Kürperformen 
aber bärtig, mit einer rothen Tämie b^ränzt. Dem Alten, 
der ihn anfleht, hält er die Hand entgegen. Unter dem Stuhle 
liegt der Leichnam Hektor's von besonders vortreflüdier SMeh- 
nung, bekleidet mit kurzen Anazyriden. Priaüos, lai^bär- 
tig, im langen, über das Haupt gezogenen Gewände fleht zu 
dem Sieger, die Hände mit bittender Geborde vorgestreckt, 
während ein Begleiter, der wie Hektoi^s Leiche kurze 



8) Dl disegno forse locrense . • . und le fignre archaiche nere 
a contorn! giraffiti di uno stile molto perfetto. — Den Bericht erginzl 
eine handichrirtlnihe Notiz Welcker's, die ich benutzen darf. ^ 
worden d<^h lolche Honaanente vor maneheo anderen hölranifegeben ! 



xyrUeii trift, swei Paieren ab Geschenke darMetet (AIbo 
die Abbreviatur der Apoina.) Hinter Achillens steht ein 
Weib (Brisefs), den rechten Arm redend oder winkend erho- 
iien , eine Weinkanne in der Linken. Aach die Gewandung 
dieser Person ist besonders fein gezeichnet und einfach ge- 
schnackvoll drapiert Soweit des Bull, von 1886, nach dem 
Bericht von 1834 hangt Ober Achilleus ein Schwerdt mit dem 
Wehrgehenk. —> Welcker sagt: ^Priamos den Achilleus 
anflehend, indem er auf die Leiche einen Fuss setzt, wie aus 
üngedold sie in Besitz zu nehmen, oder um den Entschluss 
anazudrttcken , sie nicht wieder zu lassen. Machtiger Aus- 
druck im Flehenden. Achilleus reicht ihm einen Becher ent- 
gegen , ein proleptisches Zeichen der bevorstehenden Oewah- 
roBg.* (Und erinnernd an die Bewirthung, welche Achilleus 
bei Homer dem Greise darbietet) »Eine Nebenfigur, welche 
die Geschenke hftlt, hinter Achilleus zwei kleine Idole, Kne- 
raiden (vgl. oben S. 444. Nro. 90) scheinen es nicht zu 
seia.« — 

Das zweite , ebenfalls noch unedirte Geftss mit schwar- 
zen Figuren (mit weissen und violetten Zusätzen) ist 

Nro. 186«, dne Canino'sche Amphora von Volci, 
Mus. itr. Nro. 806 % »Auf dem Avers kniet ein Greis vor 
einem jungen Krieger , wdcher ihn mit einer Geberde , in 
der sich Zorn und Mitleid mischen (?) erhebt Beide tragen 
Tanien um das Haupt Athene und Hermes stehen nahe bei 
dem Helden; hinter Priamos und unter einer Säulenhalle (un 
portique) sieht man einen Wagenlenker mit zwei Lanzen und 
eine junge Frau , welche die Scene betrachtet^ (Brisefs). Die 
Inschrift zwischen beidett Figuren ist unverstandlich. — Der 
Bevers enthalt die Ankunft der Amazonen, welcher hier 
gwz ahnlidi mit Hektor's Ausidsnng wie oben in der stil- 
verwandten Kylix (Nro. 117.) mit Hektor's Schleifung, also 
beide Male als die erste Scene der Aithiopis mit einer der 
letzten Scenen der Ilias verknttpft ist. -* 

4y VgL äiehiMlogi« ZXIII. 3. 197 f. 



Vm 4m VasewUMeni mkt r^dmi Vigmtta M lias dter- 
imil einfachste 

Nro. 137., las Beversbild des obeo (& 4>8. Nvs. 
49.) betraditelen mincbeaer Staanos mit der E^nansimadie 
(Taf. XX. Nro. 2.)» abgeb. in Gerhards aoserL Vasenbh. 
III. 197. Achilleiis sitst auf nierlichem Sessd, ron dem ein 
Pantherfell herabhängt, bärtig, tief in das Gewand verhiilt, 
in Trauer versenkt Vor ihm kniet eben der weissbttrüge 
Friamos nieder, sein Knie mit beiden Händen beiübrend, das 
er alsbald umschlingen wird. Ein nweiter weissbärliger 
Mann, der einen Stab hält, und der die Beehte nuAdnllens 
Kinn vorstreckt, dasselbe flehend nu berähren, wird Phoinix 
gmiannt , der Aciiilleus nur Nachgiebigkeit nu veranlassen 
suche , kann aber , wie ich glaube , ai^ Priamas Begleiler 
sein, so dass die Handlungen des Flehens, das Umschlingen 
der Knie und das Berihren des Kinn's hier an nwei Perso- 
nen vertheilt wären. Jedenfalls ist in diesen beiden Penn- 
neu der Ausdruck des Flehens sehr kräftig, für Phrnnix ftst 
nu energisch« Zu Achilleus gebärt dagegen offenbar der hinter 
seinem Stuhle stdiende, dunkelbärtige Mann, der, ein Ck«088 
des Peleidm, Automedon etwa, welcher der Troer Anliegen 
mit freundlidier Zurede unterstfltst Hermes hat den Troer, 
känig hergeleitet, und steht hinter ihm , ebenfalls mit eriio« 
bener Bechten dem in seinem Zorn und Schmers stumm hin- 
bratenden Achilleus zuredend. Ob der am Ende rechts ste* 
hende Blann nu Achilleus, ob er n Friamos gebäre, ist bei 
seiner niemlich gleichgiltigen Haltung schwer nu sagen. — 

Bedeutender in jeder Beniehung sind 

Nro. 13&, die bmden AnssenbiUer einer Kylix, Ga* 
nino'sciien Besitnes, nueist edirt von Inghirami, Gal. om. 
IL tavv. 288 u. S39. Letstere Seite enthält in abkOrnender 
und andeutender Weise, die neben dem kräftigen Vortrag 
der gleich nu betrachtenden Hauptseite seltsam absticht, die 
Ankunft des Friamos im Griechenlagor. Drei Pferde st^en 
hinter einander, neben jedm ein Knecht» if» mittlore in phrjr- 



\ 



IfiMher IVttdit Das ist ^ fl« Wagten gtsem^ in de^ti 
Frianos mit ien OesehenkM fttr Aehillevs kam. Bin MM- 
dien tragt einen flachen Ctegenstand anf dem Kopfe , offen« 
kar einen Tlieil der Losung. Das Wort KAAISQENES 
(rttckl.) stAt fiber dem dritten Fulirknedit, neben dem Mad- 
dien KAA12, Aber dem mittleren Pferde NYQBS (rückL), 
vnlesbar ^). — Ungleich wichtiger ist das Bild der Kehr- 
seite (Taf* XX, Nro. &)• Achillens, eine imposante Hclden- 
fignr, sensartig in seinen Mantel gekleidet , liegt auf einer 
reichen Klisia zechend, denn er wird von einer Schönen 
(Briseis) bekränzt, nnd halt dne Kylix, und sehmausendy denn 
ein Tisch mit Speisen steht vor ihm. Das ist nicht nach dem 
Bpos und eben so gewiss nicht nach einer der uns bekann- 
ten tragischen Po(!sien. Was aber der Künstler hier gewollt 
hat, das wird klar, wenn wir unter AdiUleus Klisia — 
Bektor's Ldehe liegai sehn % Welch eine Brtndung! »Es 
ist, sagt Welcker, ein herber, aber nicht oberflächlicher 
Gedanke, dass Achilleus beim Trinken Aber der Leiche Hek- 
tor's lag^ , so wenig oberflächlich , dass ich zu behaupten 
wage , die bildende Kunst hat im ganzen Bereich ihrer Mit- 
tel keinen grossarttgeren Ausdruck fftr den furchtbaren Zorn 
nnd Oron des Achilleus finden können, als dies Lagern Aber 
der Leiche bei Schmaus und Zechen. Und welch dramati«* 
sdies Leben kommt nun in die Handlung, wenn wir zu die- 
sem AcMlleus den kahlköpfig greisen Priamos, die Arme fle- 
hend ausgestreckt, herantreten sehen, wahrend Hermes, der 
ihn berangefllhrt hat, sich abwendet, ihn seinem Schiciual 
und dem Erfolg der dgoien Ktte zu flberlassen. Das Alles 
ist tiefste PoMe. Ausser den genannten Personen, deren 
Namen an nnrichtiger Stelle beigeschriebmi sind : HEPMES 
flbet Priamos, HPIAMOS Aber Achilleus, AXIAEYS Aber 

SJ Diele beiden Worlfragmente la eioein iweiten Kalisthenes 
susamneD in leten, wie Welcker in Iogh.6. 0. S. 603 thnt, scheiDt 
nlr alehl richtig. — ß^ Aoch ili Uro. 135 lag aie unter Achillene 
Seiael. . 



- «I - 

ie nnbenannte Brigelte hinweg , sdieB wir auf Priwiog Seite 
noch einen jungen Begleiter , wekker nwei kOnsttieii gear- 
beitete Gefitose als die geßllligsten Repräsentanten der 6a» 
ben des Priamos berbeitragt , und den die Insdirüft sebr 
passend als EPOJOPOS j ijQodagog^ das ist Gabenscheo- 
ker ^)f bezeiehnet Ihm entsprechend steht auf Aehilleus Seite 
ein gerüsteter Ephebe , Genoss des Peleiden , durch ein bd- 
geschriebenes KAA02 als Liebling des Aehilleus , als An- 
tilochos etwa charakterisirt — 

Das bedeutendste Monument unseres Gegenstandes aber ist 
Nro. 139.y eine apulische Amphora mit Maskea- 
henkeln (Taf. XX. Nro. 4L), abgeb. Mon. dell' Inst. V. tay. 
11 und erklart ron L. Schmidt in den Annakn Bd. XXL 
S. 240 ff. ^). Das Bild ist in drei Reihen Aber einander eom- 
ponirt. In der obersten sitzt Aehilleus {AXIAAEYS)^ mit 
kurzgeschorenem Haar, denn er hat seine Locken auf Pa* 
troklos Scheiterhaufen verbrannt, das Gewand in Trauer 
über das Haupt gezogen , auf einen knotigen Stab gelehnt, 
auf einem reichen Ruhebett, stumm vor sich hinstarrend. Zu 
ihm sind Athene von links , Hermes {EP MAS) von rechts 
her herangetreten, welche beide dem Helden zusprechoi ^^) ; 
Gtftter müssen einschreiten, des Peleiden unbeugsames Herz 
zu bewegen, auf das der Menschen Worte und Ermahnung^i 
keinen Eindruck machen ; in diesem Sinne steht bintmr Athene 
der greise Redner von Pylos (NESTSIP)^ der sonst doch 
mit seiner süsstünenden Rede das Herz des Peleiden zu rüh- 
ren verstand , in hoffnungsloser Trauer , das Ctewaad über 
das Haupt gezogen, auf einen Stab gelehnt da« Anderevsmts 

7) So flind auch die Keimelia des Menelaos , welche Paris mit 
Helena raubt, in dem etnukifclieB Relief oben S. 274. Uro. 16. dnreb 
kOnatlich gearbeitete grosse GefAsse vertreten. — 8^ Buttmann's 
Lexilogns S. 151 ff. v. ^ga, — 9) Ich citire die Seiten nach einem 
Einselabdrnck. — Fräher besprochen von Minervini im Bull. IVa- 
poletano XIY. p. 106—111. — iO) Hermes gebraucht, wie Schmidt 
S. 7 bemerkt, obendrein seinen aanberkriftigen Stab, den er gegea 
Aehilleus wendet. — Beide Götter auch oben in Uro. 136. 



AiMt flciH Sohn Antilochos (venchriebiai AMOIAOXOI)^ 
nach PfttroUos AchiUeus nächster Freund, auch er resignuti 
nicht mehr auf den trauernden Genossen einwirken su ki>n« 
nen. Von dem Zeltgerftth des Helden sind, ausser einem Kan« 
delaber neben derKlisia, aufgehängte Knemiden, ein Schild, 
eine Sturmhaube und links der Kriegswagen sichtbar, an dem 
Hektor geschleift worden ist * 0» ^ Mittelpunkt der ganaen 
Compodtion sehen wir, in der mittleren Reihe einsam aaC 
emem Polster vor dem Lager des Achilleus den phrygisch 
reich bekleideten Priamos {RPIAMOS) sitzen , durdi den 
Zweig (Oelaweig), den er hält, als Flehender bezeichnet, mit 
den Odberden des heftigsten Schmerzes die Rechte an die 
nBtra erhoben. Er fleht nicht mehr zu AchiHeus, sondern 
starrt vor sich hin oder auf den Leichnam Hektor's (£iCrOP), 
den links unten in der dritten Reihe zwei Männer vorflber- 
tragen. IKes ist eine der vollendetsten Gruppen alter und 
neuer Kunst , deren sich wahrlich die grUssten Kflnstler 
zu schämen brauchten. Namentlich ist die Leiche 
gemalt Die Männer aber tragen Hektor's KOrper einer Wage 
zu , welche weiterhin in gleicher Linie mit Priamos erblickt 
wird. Ein Jflngling steht daneben, bereit, beun Gebrauch 
der Wage zu helfen. Hektor's Leiche soll gewogen, aufge- 
wogen werden gegen das Lösegeld. Das ist eine Eifindnng, 
welche Aischylos in den Phrygem angewendet hatte ^^), und 
deshalb sowohl, wie wegen der Anwesenheit des Hermes (s. 
oben S. 464 f.), hat Schmidt S. 6 ff. fiQr unsere Vase wie 
für das Bildwerk an dem unten zu besprechenden Silberge- 
fites von Bemay und das Relief Nro. 148, die Tragödie des 
Aischylos als Quelle angenommen. Dass Hektor's Aufwägung 
bei Aischylos originell war, ist gewiss, ob Hermes und Athene 

If) Dieser Wagen kann, seiner Stelle wegen» nicht wohl der 
des Priamos sein. — ±2) S. Hesycb.v. ägotov %ov hlnoy rou '^Kxro- 
^o;, { fo dyiiaja&fioy' Max^lvg *Pqvlt* und Schol. II. XXII. 351 : 
d dk AiaxCXog in' dXtj&iCas dy^^atttfteyor XQ^^^^ 7t€no(iiM tiqSs 
TO 'ArfOf op iraK/ua iy ^vfi. 



ninr bei fhoi nd sefaMtt HtnAMgcnk TOfkooMe , htfte iish 
für zweifelhaft, da wir sie beide sdieii eiuaal in eincoi Bild« 
werke fanden , weleheg ron der Anfwagatg keine Sfnr cnt- 
hitty und weil Hermes auf keinem Vasenbild des Gegenstan* 
des fdblt — Mit den erwähnten Personen ist aber der Fi« 
gurenreichthnm unseres Bildes noch nieht erschl^ft; reebts 
von dem in der Mitte der untersten Reihe stehenden Altar 
(dem Altar des Zeus Beikdos vor Achflleus Zelt) sitnt The- 
tis {QEug) im reichen Gewände, die Strahlenkrone im Haar, 
in der rechten Hand das Scqiter , fortblickead von dem 
trauernden Priamos vor ihr. Wddie Bolle sie bei Aisckylos 
if ielte , wissen wir nicht , aus ihrer bomerisdien Vermittler« 
rolle nwischen Zeus Willen und ihrem Sdine «rklart sidi 
ihre Anwesenheit sowohl wie ihre Steile. Achilieus Willen 
vollends nn beugen, mussten Athene und Hermes der Mutter 
vorangegangenes Wort verstarken. Den Jüngling neben ihr 
Baissen wir als Myrmidonen fiusen, der BMdL und Schritt 
wahrscheinlich auf Hektor's Leiche gerichtet hat. — Bin 
Wort ist noch Aber die beiden flflgelknaben n sagen, 
Schmidt fasst den rechts neben Thetis, welcher Frucht- 
schale und TAnie tragt, S. 9, als anspielend auf die Leichen« 
feier des Patroklos, wie viel&ch in apulischen Gefkssmale* 
reien der spate mystische Todtenkult auf die henoisdhen Zei- 
ten abertragen werde. Das Letztere kann und mnss nuin 
nugestehn, ohne deshalb den Bezug auf Patroklos aaeiken- 
nen zu mttssen , der so fem liegt , dass der Maler seine In- 
tention mit viel grösserer Klarheit hatte ausdrttdLen missen, 
wenn wir dieselbe mit einiger Sicherheit erkennoi sollten. 
Die Handlung unseres Kldes selbst ist Veranlassung genug 
zur Binf&hrung eines solchen Grabgenius , wenn ttberhaupt 
diese Malerei ihre Flügelknaben (die durch den mit ihrem 
Namen getriebenen Missbrauch bertthmt gewordenen gönies 
des mystöres) nur immer mit klarem Bewusstsein der Be- 
deutung zu bestimmtem Zweck und Ausdruck verwendete, 
was schwerlich nachzuweisen sein dttrfie. 



Das giU deoa auch von dem xwektik Kaatai Biliar rmk 
dem Schmidt S. 4 sagt, er sei im Begriff Bektor's Leiche 
mi behramien. Das scheint allerdings so , aber wer ist der 
Knabe ? ein Eros f oder ebenfalls ein mystischer Todes* oder 
Grabesgeniiis, der hier statt der gewöhnlichen Grabattribnte 
einen Kraus handhabt ? — Das Reversbild enthalt die Kr« 
beutung des goldenen Vliesses. Am Hals unserer Seite in* 
det sich ein Amazonenkampf^ i&t Hinervini, gestfltst auf 
die Erzählung bei Qaintos Smym. I. Vs. 619 1 auf Penthesi« 
leia's Tod durch Achilleus bezog» was Schmidt S. 14 mit 
vollem Rechte abweist. Der Revers enthalt zwei Reiter aof 
galoptirenden Kerden , deren Deutung ab Dioskuren eben 
so wenig zugestanden werden darf, als die des Avenes aif 
Pentbesileia (s. Schmidt a. a. O.)* INe kleinen Hdieft in 
den Henkeln zeigen zweinud Athene im Kampf mit einem 
schlangenfilssigen Giganten. -— 

Auf denselben Gegenstand und spedell auf dieselbe 
Quelle, Aischylos Tragödie, bezieht Schmidta.a,0. 8. 
16 C (SMC) das in den Annalen v. 1849. tav. d'aggl ge- 
zeichnete Bild einer Hydria, welches Panofka in den Hy- 
perbon rtot Stud. I. 183 ff. auf die Gesandschaft an den 
Peleiden (Odysseus und Phoinix bei Achilleus) bezogen halte. 
— Tief in sein Gewand eingehflUt, das auch ttber den Kopf 
gezogen ist , sitzt auf einem Stuhle trauernd Achilleus ; vor 
ihm, nackt bis auf die von den Schultern herabhängende Chla- 
mys, den Petasos zurückgeworfen, das eine Knie im Gest des 
Schmerzes mit beiden Händen umschlingend, nach Schmidt 
Hermes , kenntlich an dem kurzen Haar und keilförmigen 
Bart, nadi Panofka Odysseus. Zwischen beiden Personen 
ist ein Helm aufgehängt. Hinter Hermes, jedoch zurddcge- 
wandt^ mit erhobener Hand sitzt ein Alter mit knotigem Stab, 
Priamos oder Phoinix. Unverständliche Inschriften neben al- 
len drei Personen. Schmidt fasst die ganze Scene so, dass 
in ihr das vorbereitende Gesprach des Hermes und AcbUleup 
gegeb» sei , welches idi nach der Notiz der Vita AMzhjdi 



1 



der LMMg; Hektors in deai herrHchen VtseiiUld oben 
Mfo. 138. eikannte, während Priamos warte, bis AchiUetis seine 
Bitte xa remehnien yon dem Gotte vorbereitet sei. leb kann 
aber nicht verschweigen, dass mir diese Erklärung zweifei* 
haft scheint; der keilfdnnige Bart allein ist bei dem Fehlen 
des Kerykdon ein sehr unsicheres Kennneichen des Hermes, 
denn solclie Barte können auch andere Personen haben *') ; 
dass Hermes in theilnelimendem Sdunern sein Knie umfasse, 
ist ein Zug , der wenigstens nirgend in der Poesie Anhalt 
indet, am wenigsten in der vorausgesetsten Quelle; dass 
Priamos sitst, scheint mir sehr seltsam, unerhört im ganxen 
Kreise dieser Bildweike* Kurjp, die Schmidt'sche Brklä- 
nug scheint nur vor der Panofka's kaum den Yormgn 
verdienen , und vielleicht ist eine dritte : AchiUeus , Antilo- 
dios ^'^) und Phoinix Trauer iber Patroklos Tod, die rich- 
tige. — 

Noch ungleich weniger wahrscheinlich ist mir die glei- 
die Erklärung, welche Schmidt mit Beinig auf das eben 
besprochene Monument fllr die in 6 er h a r d's äuserl. Vasenbb. 
Taf. SS9. 1. abgebildete Kyliz Bull. 1851. p. 86 f. aufistellt, 
obwohl hier Hennes deutlich bezdchnet ist. Die ganse Com- 
podtion scheint nur dieser Deutung entgegen. 

Ungleich kflrxer können wir die Relieb des Gegenstandes 
msammenstellen, weil sie, ohne dass einige Eigentbfimlichkei- 
ten in Auffassung und Composition ausgeschlossen wären, im 
Allgemeinen unter einander viel übereinstimmender sind, als die 
Yasen. Die schöne und elfectvolle Gruppe des vor AchiUeus 

18) Schmidt b«nifl sich aof di« ■IterthSmlichea DaniteUnafM 
dM Il0rni00; aber grade in solchan liaben auch andere Götlar, wie all- 
bekaanl, Keilbärte, die sich von dem des Hermes, namentlich einem, 
wie der hier gemalte, schwerlich anterscheiden lassen. — 14) Dass 
Antilochos bärtig ist , kann nicht stOren , da , wie schon mehrfach 
bemtrkt, häufig (sa b&ofig um hier einzelne Beispiele ansurfihren), 
bärtige jange Männer, namentlich bärtige Gefährten Unbärtiger Tor- 



— «r — 

knieewleii Mamos in d^ Aag^enblick, wo dkr Chrds äes 
iüügimgs Bund küsrt , die ihm den Sohn enchlagen bat, 
nnd wo er den Peldden durch Erianernng an seinen einsam 
ZH Hanse sitnenden, alten Vater rfthrt, dies ist die Haupt- 
saclie 9 ist der an sich sehr einfache Inhalt der Relieb , iet 
durch Nebenpersonen nnd Beiwerk versdiiodtner Art wohl 
erweitert , nicht aber verändert wird. — 

Am nächsten stehen einander nwei Reliefiiy von denan 
ich als das einfachere , als 

Nro. IdO. yoranstelle das capitolinische (Taf. XX. 
Nro. 11.), abfob. im Museo Capitolino IV. 4. *»). Achillens, 
dne herrlieh geneichnete Figur, wendet sidi bewegt ab, nnd 
stützt das Haupt in die auf die StnhOehne gelegte Linke, 
wiePriamos, vor ihm knieend, eben im Begriff ist, seine rechte 
Hand zu küssen. Automedon oder AntUochos steht mit der 
(jieberde nachdepklicher Auünericsamkdt daneben. Dies die 
Hanptgruppe ; als Beiwerk erscheint der Wagen des Priamos, 
mit dem er selbst in's Griech^lager gekommen und der: 
Lastwagen mit der Lösuug , welche, in ROstungen und Ge* 
fhssen bestehend^ eben abgeladen wird. — 

Aehnlich im Wesentlichen, reicher im Bdwerk ist 

Nro. 141., der borghesische Sarkophag, jetpti 
im Louvre (Taf.XX. Nro« 5«), abgeb. in Bouillon's Huste 
des antiques IIL 5S ^^). Aehilleus ist wie in der vorigen 
Nummer , nur noch starker abgewandt , weinend ; Priamos 
kflsst seine Hand. An der Stelle, wo in dem capitolinischen 
Belief ein Jflngling steht, finden wir hier zwei weinende 
JOnglinge, Automedon und Allumos oder Antilodios (ein 
dritter steht gerflstet hinter Aehilleus Stuhl) und zwei Mild- 
chen mit verschleiertem Haupt, Briseis und noch eine Sda- 

iS) Danach Gal. om. IL 233 and Gal. myth. 154, 5S9. — 
i€) Dies die (aufdrdcklich Ton Clarac M. d. scnlpt. p. 663 dafflr 
anarkaante) allein genaue Abbil dang. Selir angendgend fn Winekel- 
roann'a M. 1. 134, besser Clarac Mas. d. scalpt. Ü. pl. 111. Uro. 
239; Tgl. Visconti ei Clarac. D^oript. da Jim. da Unne4IQ6.— 



1 



nä, htHt fhcnftib weineid ^0« Als Beiwiffc Adu wMer 
der Wagen dce PriuMs, der HeUer's Leiche wm Stadt tn^ 
gctt Mdl , ud nebea dieeein die Lei<te selbst , weshalb der 
Wagen irrig filr den des Achilleas, an dem Hektor's ge- 
addeifte Ldehe noch hange , gehalten werden Ist^ weg^en, 
ton inneren Orttndeo nnd den Augenschein der Composiüon 
abgesehn, aosserlich daa capitoin. Relief bewrist Hehre 
Mnglinge sind , wie m der yorigen Nnninicr, ttil den Pfa- 
den beschäftigt Dahinter ebenfalls der Lastwagen mit der 
Apoina, die wieder aus abgeladenen Histnngen nnd CMEkssen 
besteht Auch hier sind OMhie Männer, daranter ein , wie 
auch nn civitoliniBchen Eelief, phrygisch bekleideter , be- 
schäftigt ~ Ein dbrittes Relief 

Nro. 14S. y ka britischen Museum , wahrscheinli<A eboi- 
falls ahnlich componirt, bisher aber uneJHrt, ist mir nur aus 
folgender kuraen Blotia in der Synopsis of the eontents of 
the britidi Museum (1819) , room VL Nro. S& bekannt : 
Maoios, wddMr bittend vor Achilleus kniet , um die Lei- 
che Hektors ansmlttsen. Fehlt wirklieh alles Rdwerk? '*— 

Genaueres können wir über ein zweites in England 
befindliches, ebenfalls unedirtes Relief unseres Gegenstandes 

Nro. 143., Sarkophag in Wobum-Abbey, beschrie- 
ben von Waagen, Kunstwerke und Künstler in England 
und Paris H. S. 5S5 f. „Vor allen [Reliefs dieser an Reliefs 
besonders reichen Privatsammlung] interessant, ist ein in 
Bphesos gefundener Marmorsarkophag von ungewöhnlicher 
Grösse, von welchem eine lange und eine schmale Seite ganz, 
von der zweiten langen das Meiste, von der anderen schma- 
len wenigstens ein Fragment vorhanden ist , so dass er in 
seiner ursprünglichen Form hat zusammengestellt werden 
können» Obgleich nAmlich die Arbeit sehr spät und roh ist^ 
sind doch die Vorstellungen sehr beachlenswerth. Auf der 

i7> Ditlo Midshea litfA bei Glavac biftig; 



eiiftllHlai Kdlmideii Seite sehen wir üe Ltiche de» PMce« 
kkftiy wekhe berbei gebradit wird, und ABhUlens, der 
tiMimnid , Ton awcii Diaieni miif eben j dasitst Beeilte Mf 
der einen langen Seile ist Aehillens im Begriff, die Leidbe 
Htktor's an seinen Wagen zu befestigen^ vmber nnscbaaende 
CMeebcn. links Priamos sieh abwendiend (eine ttbrigens 
elende Oestelt) nnd die Troer in aosserster Trauer. Bie 
nndoe lange Seite enlbiU links eine Wage, anf dsren einer 
Sdnie ein Leiehnaa , yermathUeh (ohne Zuieifet) HAter, 
liegt , anf der anteen Etwas anfgdiftnft wird , womit ohne 
Skreifel Gold gemeint ist, um dnreh Anfwagen des Körpers 
ihn von AdiiUens lossukanfen« (Also auch hier wie in der 
Vase oben Nro.lSB und dem SilbergefUss unten Nro. 146* die 
Wendung der Sage, wie sie Aischylos in seiner Ldsung Hek« 
tor's benutzt oder geschaffen hat). Bedite (d.. h. wohl auf 
der anderen Schmalseite?) Odysseus, welcher einer trauern- 
den Frau (wohl Andromache) ein Kind (wohl Astyanax) ent^ 
fahrt. Neben der Prau ein Troer in pbrygisdier MQtze.^ 
(Nach der Tabula Iliaca vielleicht blenos.) — 

Wie auf diesem aus Ephesos stammenden Sarkophag 
Hckter's Lösung mit seiner ScUeifimg anl den beiden Lang- 
seiten, so ist in einem anderen, schon oben (S» 400) ango^ 
fahrten, Oal. mn. II. 212 abgebildeten, ephcsischen B^fef 
die Schlelftmg mit der Losung auf einer Platte veiiunden. 
Jedoch ist aneb von der hier in Frage kommenden rechten 
■alfte des Monumente die Zeidinung so uogenttgend , dass 
Näheres Ober die Darstellung mit keiner Art von Oewtthr 
gegeben werden kann, weshalb bis efaie genauere Seiehnng 
vorliegt, diese Anfflhrung genügen muss. — 

Biae einigermaosen veränderte Compositimi bringt 
Nra 144., ein kleines, aus einer rOmlsehen Privat- 
sammlung nach Paris gelLommenes Belieffragment, ab- 
geb. nach Bochette, HL L p. 49, Vignette % in der CfaiL 
om. IL 832, welches anscheinend einer Tabula Iliaca ange- 
btrt> odtt deren Ghankter nachahmt, AchUeusi Ai^ liee» 



gninut imi indMiweft, kehehit imd odt Jer Lame in Bin- 
gng seioefl Zdtcs auf statttichen SisBth Vtumos yon Her- 
mes heraDg^eftthrt , kniet vor AdiUIeas , fie Haaie naek sm^ 
jHtm Knie vorgestreckt ^ wahrend Heraies odt rednerischer 
Geberde seine Bitte nnfersttttnt. Dass diese few&hrt werden 
wirdy sehen wir, indem in dem Zelte nwd Oenossm des Pe- 
leiden Hektors Leiduwm heriMitrageny wahrend rechts lan«* 
ter Priamos die Ldsong {AYTPA steht dranfer) von eineni 
Karren abgdaden wird. Neben AchiUens stdit ein Alter, 
Fhmnix ; oberwarts die Manem und Gebinde Troias. Aefail- 
kns und Priamos Namen sind unter den Personen , der des 
Hermes neben dem Gotte an der Hanor beifeschrieben , we 
auch weiter rechts das Fragment eines Wortes, die Bndista- 
bmi ON (IXiONf) stehen« Anf einer unteren Leiste inden 
wir folgendes Inschriftfragment 

ANEKPOYKAI HEPASESTINTAOOS EKT(^OS inn, 

welches Rochette a.a.0.p.89.Note8so ergftnntundliest: 

kvTf]a pingQvnai nBQag iativ tdg^og ^Bktoqoq Innoiafioio; 

wobei nur der Anstoss bleibt , dass das iour den an- 
scheinenden Vers stört — 

Der Streifen Si der Tabula Iliaca (Tf. XX. Nro. 9.) hat eine 
verwandte, aber in einem ellSectvollen Motiv abweichende, jeden- 
IhBs auf ein schönes Vorbild Uterer Kunst hinweisende Gompo> 
sition, indem Priamos als Flehender vor AchiUeus platt auf dem 
Boden sitnt, wahread Hermes diesem mit erhobener Hand er« 
fluJm^d nredet Unks Hektor's Leiche herbeigetragen und 
die Lösung vom Karren abgeladen. Neben Achüleus, der 
mdir nachdenklich als bewegt dasitst, auch hier ein Alter, 
Phoinix. — 

Sowie das ephesische Relief mit Hektors Lösung seine 
Sebleiftmg anf dner Platte verbindet , so finden wir in 

Nro. IdS.» einem Relief im Leu vre (Taf. XX. Nro. 18.), 
abgeb. bei Bouillon, Mus. des ant HL 5d ^^X die Auslö- 

19) Früher in Winckelmann'g M. I. Nro. 135, ferner bei 
GLär«;clL pl. 194. Uro. 244, Mu^e firaD^Oi, bu - rellefs jll. 3^ 



gong ■#. d0iii ForMragüi' Aer LeMko nd tci I Bi tyi y h«»- 
neu der Treeriiifn (11. XXIV. Vil 907) in einer iberiade- 
neu nd niclbt eben bedeiiteiideii Compotriti»!! verkanden. lAakMf 
^'o das Eriief abgebroeben ist» kniet Frfanos vor Achillew^ 
vea dem nur der Rest eines Beines noeh geblieben ist Hehre 
Bc^Mter des troisdbea Kümgs tragen die Apoina (CkfiteseX 
sowie aHch Aehillens von Mehren Genossen nrngeben ist 
la der Mitte wird Hektor's Leiehe aaf den Sehnltem nweier 
Manner getragen , eine ef ectroUe Gruppe , nur hatten die 
Träger nach der anderen Seite , wo die troisdien Weiber 
aidi beinden» gewendet sm aoUen. Unter diesen Wciliem 
ist allein Andr:oniaGhe bestiant erkennbar, welche, von et«> 
ner Dienerin gehalten , auf den Leidmam des Mannes siflr* 
sen wilL Binter ihr der nienilich erwachsene Astyanax wei- 
nend und noeh drei Frauen , unter denen wir Bekabe und 
Bdena annehaMn dfirfen , ndt Geberden der Klage, bn Bin- 
tergmnde Maaem nnd Thore Troia% wie neben den Trägem 
Bit der Leiche noch vfer Gerlstete und dn phrygisch - be» 
kleideter Alter, woU PriaoMs. — 

Als bedeutendes SchlusssMinument te Bdiefe bietet 
sich uns 

Nro* 146., dn Silbergefäss (einoehoC uieriidMer 
Fom), gefunden bei Bmiay (Taf. XX. Nro. 19.), abgeb. in 
Bochette's M. I. pl. 58. Das Bttd nerftllt in awm BMT« 
ten. Auf der linken luden wir unseren Ckgenstand n«n 
dritten Male (s. oben die Nununem im u. 14S) nach der 
Wendung der Sage in Aiadiylos TragMie bdiandelt Beki* 
tor^s Leidie wird auch hier auf einer grossen , grade unter 
den Bad^el des Gefhases» der in eine grosse Maske ausgeht^ 
beindlidien Wage gegen den Llsep r e is ^ der hior aas gel« 
denen Geftssen au bestdin scheint, an%ewOgen. lanks von 
der Wage Achilleus mit seiner Ongebung, unter der Oiy»- 

ViteoBti Hon. scelti Borghesiani II. Ut. 6., Gal. oiii.242, Gal.myth.' 
taa, 500. Yfl. ViaeontI et CIsrac IMaeripl. da Mua. da Loarre. 
Nro. 418^^ Welcker la Imb. Q. 0. S. 611. 

Ot arbaak, luraMht QtMm^ 3i 



iMevMMDter Zug isiv Rechts wm 4er Wape Aiiteos nil 
■lilHren «Bderai Treeni , in heftif en Sdimett Uagenl viil 
wetaend. — Die reebte Iblfte des Geftsses zeigt eine Om^e 
Vranender , weioiie on einen Leidinam versammele sfttd. 
Mklor lat in diesem sicher nidrt anznnehmen, da unter den 
SmsMenittt Odyase» mtwdSeVMi v^ieder su eifkennen, 
«id keiner der Männer pbrygiscb bekleidet ist, wie die Kht- 
genden an der Wage. Man kannte Mer an AchHIeils oder 
an PatrakloB Todtenklage denken , Leinteres ab^ verdient 
nnbedingt denVornug, weO aagenscbdnlicb der eine, gleidi 
rechts neben der Leiche sitzende Jftngfing z« derselben ein 
näheres VerhUtniss hat , als üe flbrigen Anwesenden. Bas 
fasst nnr, wenn wir ihn Aelnlleos, die Leiche Patroldds nen- 
nen. Andi dirfte man bei AcbiHens Leiche tlidis teiinid- 
sen. Die tttrigen Klagenden einzeln benenni^n «n wollen, 
scheint mir mflssig, nnr der auf seinen (StMMgeiebnte Kahl- 
kopf rechts dOrfte mit Redkt Phoinix Namen eriMten. -^ Am 
Ausguss des Gefksses eine unten nllier zu besptrechende t^^etre 

des ': Paliadienranbes/ -* 

» 

Ausser geschnittenen Steinen haben wir noch i KilnM- 
w^ike renchiedener Gattung akzuflhren , zuntfchst als 

Nro. 147.» ein Wandgemälde aus dein ^honmdir- 
fimk angeführten s. g. Venustempel in Pompeji, äbgeb. In v. 
8«si»bttcbels Atlas Taf. VHI. B.2. Ackillens, die Lüfte 
nnf die Lanze aufgestfltz^ sMzt wie in dem Relief 1dl nicht 
abgewendet y sondern Priamos anbleckend, auf einem zierli- 
tken Sessd. Dass er )odocb nicht gltiilDbgiltig a»if da« Wort 
des in atarmiscbeni Rehen zu seinen Pflssen liegenden Grei- 
ses hOrt^ sondern dasslebhafteOeffilile seine Brust bew^gen^ 
hat der Künstler darcb einen unscheinbaren, aber feinen Eng an- 
gedeutet, indem er Acbitieus mit der rechten Hand die Arm- 
lehne d^ Stuhles fest ergreifen liess. Darin liegt Spannung, 
und obwohl wir nkbt wisa^..was der Held dennftclist tbu 
wird, so ist es doch klar, dass er abbdd zn^ BWIliaitr 



übergfhBy. wabncbeiAlidi Priamos erheben wird. — Wir ha- 
ben QJ^n in einigen Nummern (136., 199) Hernes und Athens 
ww^esenid g^ehn , hior finden wir Athene wieder , welche 
bildartig steif im Hintergründe steht* Da das Bild nach 
recbts fr^mentirt ist , io mögen mir auch Hermes als ur- 
sprplnglich anwesend denken. Ij^ter Acjiilleus Stuhl ein ge^ 
rt^M€(ter Myrmidone, — 

^d^ sei kurx ein römisdiesi in Ungarn gefunden«! 
Bijosaifc erwähnt , welche kb ni^r aus kurzen Apfflhrungen 

llrp* 148. 9 Mosaik, 1823 bei Varhely im Hui^ader 
Comitat gefunden , herausgegeben iu ^Abbildung vm zwü 
aUen Mosaiken, 182&.'' 9ie NiMn^n AXIA^EYI^ HPU^ 
MOS niad AYTOMEJQN sind beigeschrieben. -« 

In. aller Kttr^e fiige ich die gesc^ttenen Steine unse- 
res Ojegeiistandes an. 

Nro.|49.,heUblane aiit.Paste(qfak) di^Stosipb'- 
scben Sammlung , in Berlin , unedirt (Taf. XX Nro. 6.), 
bei Toelken IV* MS. Aej^Uans/ritataitf einem zierlichen 
Stuhle f den linken Arm auf seinen Schild gestützt , ob er 
behelmt sei, ist nicht recht deutlich. Seine rechte Hand hat 
ier vor ihm knieende Priamos ergriffen und ist im B^riff, 
sie zu küssen. Hinter Priamos steba zwei Gefikferten des 
Acbillens, Antomedon und Alkimos. 

Nro. 160., Glaspaste der Kestner'schen Sammlung, 
in den Impronte Gemm. VL 4S (BulL 1839. p. 110), Pria- 
mos ro« Hermes gdmtet, kniet ror AchiUeus. — Jikie an- 
dere Glasp afite der Vescovalisohen Sammlung in Eom, in 
den Impc gemm. IU. 77. (BulL 1834. p.lSl.) In Tassie- 
Jftaspe's Catalogue of gems finden wir nnsesen Ctogenstand 
aechsmal unter den Nummern a3a5-«*M00. Viermal ist der- 
seihe in der Samndung des Herrn Heflz in London vertr/oten. 
S. Arch. Ztg. I8&8. Nro. 34. S. 103. Nro. 808-811. . 

Nro. 151. £in Carneolfragment der Sarnnflung 
Vfii (Tsi.XX. Hro. 7), in den impronte IIL 70 <BnlLlM|f. 



1 



— 484 — 



f. 191) seigt du neues Sktiv, indem Briseis sidi benftht, 
den Oreb ron der Erde zu erbeben. Von Hermes, der auch 
hier den troisdien König begleitete , bt das Eerykeion nodi 



Nadi demselben Motir ist der ans Gnattani's ML 1. 
1788. Aug. tav. 8 iu der Oal. om. 880 abgebildete peters- 
burger Carneol componirt , den idi aber für modern halte. 
Pich 1er hat den Abguss mitgetheilt und mag der Verferti- 
ger sein. S. Welcher zu Ingh. G. 0. S. 614 £, vgL je- 
doeh Visconti's Espos. di gemm. ant Nro. 878. — Die 
Gemme Gal. om. 941 scheint mir gans uaventandlidi and 
unbedeutend. — 

Der iu einigen Bildwerken yertretene nahe Zosammoi- 
hang «wischen Hektors Sehldfüng und Losung hat midi rer- 
anlasst, die Denkmftlcrreihen beider Begebenheiten unmittd- 
bar an einander zu schliessen. ich muss daher jetzt zurO^* 
grdfend ein Bildwerk nachholen y wdches auf den 

dreiundzwaniigsten Gesang, 

die Todtenfeier für Patroklos, Vers 175 ff. 

gegrOndet, die Opferung der im Skamanlros gefaagoien 
Troer an Patroklos Scheiterhaufen darstellt 

Nro. 168. Praenestinische Oista des Herrn B^- 
vil in Paris mit eingeritzter Zeichnung (a graito) (Taf. 
XIX. Nro. 18.), abgeb. in Rochette's M. I. pl. 80 und 
danach in der GaL om. 818 (dn Fragment davon aach in v. 
Steinbflchel's Atlas Taf.XVL 1.). — Es ist der Augen- 
bfiek, wo AchiUeus die Troer mit dem Schwerdt tttdMet, um 
die Leichen mit Patroklos zu verbrennen. Neben dem in der 
Mitte des abgewickelten Streifens befindlichen Scheiteriian- 
fMy der mit Harnisch ^ Hehn und zwei Schilden ansgeslatlet 
ist, stösst Achilleus, der mit kurz geschorenem Haar darge- 
.stellt ist, denn seine Locken, die er dem Fluss Sp^rcheioB 
gelobt hatte, sind dem Freunde auf den Schdteihaafen ge- 



— 48» - 

legt , dncm gebuDdeneii GefimgeDen das Schwerst durch 
den VUSn Der Todessehfliers des Menschen ist bis in die 
knmpfliaft gekrünunten Zehen der FOsse vortreCIlich darge. 
Stent Daneben steht rechts ein nweltery den gleiches Schick-* 
sal erwartet y ein dritter und yierter« alle mit auf den Rük« 
ken gebundenen Händen, werden von rechts herangefihr^ 
ein fünfter sitnt hinter Acbilleus auf dem Boden, einem sechs« 
len werden am Ende rechts die Haare mit einem Schwerdt 
abgeschnitten y um ihn so als Opfer, als dem Hades geweiht 
M bezeichnen (S. oben S* 318). Bin Oenoss des Peleiden 
tragt mit begeistertem Schritt nwei Knemiden herbei, fie er 
seinerseits als Opfer auf dem Scheiterhaufen mit verbrenneB 
lassen will. Athene steht als Obwalterin des Gänsen am 
linken Ende, dem Oranel ruhig anschauend, ihre Eule sitat 
neben ihr auf dem Felsen. Noch eine Figur muss eigens er- 
wähnt werden, welche fUr die Herkunft des gannen Kunst* 
ir^nrk's sehr bedeutend ist. Hinter Achilleus steht eine Per- 
son in kurzem, gegürtetem Chiton, mit Kreuabändem aber 
die Brust, wie sie Flügelgestalten su haben pflegen, mitge. 
kreuzten Beinen da, die einzige Person, welche ausser Athene 
ruhig zuschaut. Dies bezeichnet sie als ein Wesen hüherer 
Art, und danach hat sie Ingbirami als etruskische Furie 
bezeichnet. Welcker zu Ingh. 6. 0. S. 004 bestreitet 
diese Erklärung; es sei überhaupt in dem Kunstwerk nidits 
Btmskisches vorhanden, die Person erscheine männlich, und 
unterschdde sich in der Rüstung von einem der auf der an« 
dem Seite stehenden Hyraüdonen nicht wesentlich 0* Die 
beiden letzteren Punkte muss ich bestreiten. Die Person ist 
überhaupt nicht gerüstet, sondern die einzige Im leichten 
Chiton, und die beiden Kreuzbänder,* welche allein auf Be* 
flügelung deuten können , unterscheiden sie aufs ScbärfiBte 
von allen anderen Anwesenden. Auch was das entschieden 

iy Die Handlund^ des JfingliogB hinter dieser Person glanbe icli 
crUiil ni: haben, Weicher bmchte sie in einen, wie mir scheint, 
^l?(B^Mgtf^t<(mf ^^^9r frfigUcheD Person. — 



nütanliche Ansehn betrHR , iraM ich üe Bniscfaieileiiheit We- 
Bigstens in Abrede steilen , und hMieikeii , das» solelie Da- 
Bioneii, wie Furien, denn daf8r mnss ieh dies Wesen an- 
spreclien, sehr lianfig nicht rein weibliche Firmen zeigen. 
Was aber das KtmslKisciie oder nicht Etrnskische anlangt, 
nufls eingestanden werden, dass bekanntlidi auch in griedii* 
scher Kunst die Erinnyen und zwar gewöhnlich in dieser 
Art als leicbtgeschOrste Jägerinen gebildet werden, aberlcH 
erinnere mich nicht eines eianigen Beispiels , dass in etnem 
rein griechischen Kunstwerke eine Erinnys so wie diese nur 
msdtouend, anstatt handelnd sieh ftnde. Das isti grade ein 
Unterschied der AuffiMsung in griechischer und italischer Kunst ; 
wtr dort wirkt, der niuss auch sichtbar handeln ; hier ist's 
anders: hunderte von Beispielen liegen vor, dass in elruski- 
sehen Kunstwerken Dämonen, ohne eine Handlung zu zeigen, 
eine geheimnissvolle Einwirkung auf die Begebenheiten äus- 
sere, oder besser gesagt, dass sie anwesend sind, nur um 
durch ihr Wesen selbst den Sinn der Begebenheit zu sym- 
bolisiren. — Bestimmt etrnskische Elemente treten allerdings 
sonst nicht in dieser C^mposition und Zeidinung hervor, de« 
Ten Stil Inghirami unter Weleker's Zustinunung rich- 
tiger würdigt als Hoch et te, der ihnrMn griechisch ftndefr'; 
aber dass etrnskische Kunst solche Zdchrtnng nicht hätt^ 
liefern können, dtrfte, Angesichts so mandies Spiegels, 
denn doch schwerlich behauptet werden dürfen. ^ Auf dem 
Deckel der Cista eine oben (S^ 440. Nro. 80) erwähnte Dar- 
stellung der Waffenbringung durch die Nereiden. — 

Es bleiben uns nur noch ein paar Denkmäler , oder 
richtiger eines in zwei getrennten tVagmenten , zn erwäh- 
nen übrig, Welches sich auf den Schluss der Ilias, auf 

Hektor's Bestattung 

bezieht. Nro. 153. Winckelmanu hatte, Mon. ined* Nro. 136 
ein Beliefbruchstflck aus Orotta Ferratay Weldies vitai etnem da- 
von getragenen Leichnam nur den einen Fuis, ftetner deii eiüeni 



— 487 — 

bdielmten Tr&ger der Leiche, eine alte, daneben gehende 
Frau, einen ruhig stehenden Bärtigen und einen Schild und 
Helm in den Händen tragenden Jttngling enthält, Hektor's 
Bestattung besonders nach der IL XL 819 hervorgehobenen 
Grösse Hektor's erkannt. Die ergänzende und bestätigende, 
wenngleich durch die Restauration der Arme des einen Trägers 
nicht mehr anpassende Hälfte fand Emil Braun im Palast 
Colonna, und hat dieselbe nebst einer neuen Zeichnung der 
ersteren Hälfte in seinen antiken Marmorwerken, erste De- 
kade Taf. 9. a. u. 9 b. veröffentlicht. Die von Braun ange- 
stellte Vergleichung unserer Relieffragmente reinsten griechi- 
schen Stils mit dem Streifen Q der Tabula Iliaca (Tf. XX. Nro. 
9.), sowie mit einer auf seiner Taf. 9. a. gezeichneten Gemme 
(Taf. XX. Nro. 10.) macht die Benennung Winckelmann's 
unzweifelhaft. Es ist der Augenblick dargestellt, wo die 
losgekaufte Leiche unter Begleitung der aus der Stadt ent- 
gegen gekommenen Verwandten in Priamos Haus getragen 
wird. Ihn selbst, den Vater, dürfen wir in der neben der 
Leiche auf dem Colonna'schen Bruchstück schreitenden Manne 
mit einem Stabe, Hekabe in der alten Frau auf der Win- 
ckelmann'schen Hälfte erkennen. Die anderen Personen 
bleiben am besten unbenannt. VgL noch Bull. 1838. S. 22 ff. 
— '*Sig oiy' dfitpitnov td(fov "ExTogog Innoddftoio ! — 
Wir schliessen den Bilderki*eis der Ilias, und eröffnen den der 
Aithiopis mit einigen Monumenten, welche wie jener bereits 
erwähnte Vers (oben S. 458) mit der Trauer über Hektor's 
Leiche die Ankunft der Penthesileia mit ihren Amazonen 
verknüpft. — 



V. 



Kreis der Ailhlopls. 



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'■■ 7- fi 



liiterarische Bearbeitangen : Epos: Al^^onls in 5 Bflclieni 
Ton Arktidog vonlliTet*); Inbilt nach den Eieerplen aus Pro k los 
Ckretiomathiet 

Die Arnson« INulMflUla kommt den OYotm ab Blltkimpftfia «o HUfe, ett# 
Tochter de» Ar^, Thnkerla Ton Gebart, and ts lödUt sie, wSlursfid sie heldtaoitt«. 
thlg TorUm^t (<^^«<yrct/ov(ra^), Acbllleo»; die Troer aber besäten tle. Und 
Achilleus erscbiftgt den Tbcrsltes, der Ibn bobnte und scbmibte, indem er ibn ver. 
lM)t In Penthesllda nannte. Darauf entstand eine RebeBIon Im Heere der Aehiler 
wcfea theief(# VktnU\ Ashilleat aber MMIt uwb Le^ov öad wird, hBcÜdeoi es 
dem Api^Uon und der Artemla geopfert bat, dureb Odjfseeoe von dem Mord« ge<«^ 
nigt. — Memnon aber der Sohn der Eos, welcher eine voljit&ndlge Ruitang auf 
iSephalstos Weitatatt besau, kommt den Troern m fillfe. 0nd Tbetls verkündet 
Ihreia Steine dts Sokanft In BeiMg aaf- Memnon. In einem bald eniaiandetten ^et 
(eckte wird AntAochos von Memnon getödtet, darauf aber ereeblagt Adii Ileus Meair 
non. Ihm schenkt Zeus auT Eos Bitten die Unsterblichkeit, Indem aber A^hilleas 
die Troer in die Flueht treibt ond seihet In die Stadt eindringt wird er TOn Paris 
«td ApaUto eäegt, und nach einen heffigea Kampf am dieXeiobe tiigt Aias die* 
aelbe «« den Schüfen ^ indem Odjsseus die Troer auruckkamplt Daraaf bettalte« 
sie den Antllochos und stellen Achilleus Leiche aus. Und Thetis, mit den Musen 
und mit Ihren Schwestern henukommend, stimmt den Klagegesang über Ihren Sohn an. 
Uad daMaf entiaOt Thetis Aebilteus Mchnam Ton dem Sehelfeiliaafea^ nad biltfgt 
Ihren Sobn nach der Insel Lenke. Die Aeb&er aber werfen das Gral» nuf ond slel^ 
len die Lcichensplele an. Aias aber und Odysseus gerathen über die Waffen des 
Achilleus In Streit (und der verlierende Aias wird wahnsinnig, und todtet sich am 
fifliien Morgen. Tabula lllaca ond Sebol. Plad. Istbm. IV. 61). 

Trilogje ?) von Aisohylos; Tragödien >) ycea Soph^kl^f ^ 
Tiroesilheos , Theodekies, Cbairemon; römische ^) von LiYtns ^x4 
einem Anonymus. Spätes Epos: Quintus von Smyrna:. Ter fu^^ 
'b/jifiQoy Buch 1—5., Tzetzes Foslhomerica Vs. 1—491. 

i) Siehe: Welcher, Ep. Cycl. I. S. 212 f. — ;9J AiJchy- 
los: Mifivoiiv , ^^vxoataattty NfjQrjtJeg (? », llias) , Welcher Gr. 
tngg, I. ä.34ir. nnd die das. an^ef. Schrift Hermann's; in der Tri- 
10(16 S. 430 ff. haU6 Welcher die Toi^u&ts <= f^nlhesilefia als^ri 
0«M Slflck aagenoromen, was er aber Gr. Tragg. 1. S. 49 aufgab, -«f 
8} Sophokles: At^lones ^ Mifiyay Welcher, Gr. Tragg. M 36 1 
Tim esitheos: M/^i'cu>' das. III. 1046; Theodektes, eineTragödie 
unbekannten Titels vermnihet Welcher a. a. 0. S. 1078 nach einem 
Frignent , worlb 0ie Farbe und das hniuse Haar der Aitbfoi^eti to# 
deifi SfMiliettalande hergeletlet wird. Cbairemon der AoagaosliKer } 
jixMiirg SeQaiToxtdyos das. 6. 1086. — 4) Li vins; Achillea das. 
1145 f. Anonymus bei Feslos v. obiurare (der Name ansgefallen^ 
^enthestiea, das. 1343. 



^ 4if - 

INe Aithiopig ron Arktinos ron Milet igt daqewf e 6e- 
tUcht des troischen KreiseSy yon welehen wir dnrdi die Kx« 
eerpie aus ProUos wohl ron allen den aangeUiafterten Be« 
griff bekoaunen, mgleieli aker daqenige, wdches dnrch m- 
sanunenliangende Betrachtung der Bildwerke, welche sich 
auf dasselbe gründen, und eine besonders an diese Bfld werke 
angelehnte Reconstruction von allen troischen Gedichten in 
dem lichtesten CHans herrficher PMiie strahl«. Der Grsnd 
für Beides liegt darin , dass der in kurxen Worten annuge- 
benden Thatsachen nur wenige in der Aithiopis enthalten 
waren , so dass die Inhaltsangabe nothwendig darr , ja dflr* 
rer als die anderer Gedichte ausfallen musste. Denn die Art 
der Erzählung, die Mannigfaltigkeit feingeftthlter politischer 
Motive konnte sich nicht bis in die Hände des Bpitonuiton 
eines späteren Grammatikers retten. Diese vielen und feine» 
poetischen Motive aber, die gründlich schöne Art der Erzäh- 
lung wirkte, s6 lange das Epos im Volke lebte, auf die mit- 
lebende, feinfühlige Kunst Und so ist es diese, der wir den 
Abglanz und Nachklang der Dichtung verdanken,, die selbst 
uns für inuner verloren gegangen ist. Es würde über die 
Zwecke mrines gegenwartigen Werkes hinausgehn, durchweg 
(He Bildwerke als Reconstructionsmittel der PofSsie sni behan- 
deln , wie ich dies für das erste Drittbeil der Aithiopis in 
meinem Aubatze über Achilleus und Penthesileia in der Zdt- 
sehrift für Alterthumswissenschaft von 1850. Nro. S7 ff. ver- 
sucht habe. Die Bildwerke sind für den Gesichtspunkt, den 
ich festhalten muss, mehr als Mittel, um die Po6sie sich zu 
vergegenwärtigen , sie sind der B